SOG - Yrsa Sigurdardottir

  • Ein Highlight unter den Thrillern


    In Reykjavik wird eine zwölf Jahre alte Zeitkapsel gehoben, in ihr wird ein Brief gefunden, in dem zukünftige Morde angekündigt werden und Initialen der betreffenden Opfer beschrieben werden.
    Tatsächlich geschehen Morde, die im Zusammenhang mit der Kapsel stehen könnten und Huldar und Freyja geben sich alle Mühe, diese Morde aufzuklären und künftige Morde zu verhindern. Leider sind die zukünftigen Opfer sich keiner Schuld bewusst und daher keine große Hilfe bei den Ermittlungen.



    Meine Meinung:
    Sog ist der zweite Teil der Thrillerreihe mit Kommissar Huldar und der Kinderpsychologin Freyja. Ich fand den ersten Teil bereits sehr gut, doch der Nachfolgeband ist tatsächlich noch besser.


    Huldar ist ein liebenswerter Chaot, der sein Liebesleben einfach nicht in den Griff bekommt. Auf der einen Seite will er unbedingt eine ernsthafte Beziehung mit Freyja, auf der anderen Seite sabotiert er sich dauernd selber. Manchmal würde ich ihn am liebsten schütteln.


    Freyja wirkt auf mich etwas unentschlossen, ob sie mit Huldar zusammen sein möchte oder nicht, ich werde nicht so ganz aus ihr schlau.
    Freyjas Bruder Baldur sitzt nach wie vor im Gefängnis, neu ist, dass er offenbart bekommt, dass er Vater geworden ist und Freyja sich während der Zeit, die er noch im Gefängnis verbringen muss, sich um sein Kind kümmern soll. Diese Treffen sind höchst amüsant und entlockten mir immer mal ein amüsiertes Grinsen.


    Trotz der Probleme von Huldar und Freyja kommt die Handlung nicht zu kurz. Der Spannungsbogen steigt stetig an, und natürlich rätselt man mit den beiden mit, wer denn nun der Täter sein könnte. Die Mordmethoden sind ziemlich grausig, dennoch kann man nicht anders als weiterzulesen, die Spannung steigt ins Unermessliche, als auch noch Kinder von dem Täter entführt werden.
    Und als man schon meint, alles zu wissen, hat die Autorin am Ende doch noch eine Überraschung parat. Einfach genial.


    Fazit: Superspannender Thriller, mit liebenswerten Hauptcharakteren und einem Touch Humor, aber nichts für zarte Gemüter. Absolute Leseempfehlung!

  • Darum geht’s:


    Im Rahmen eines Schülerprojektes hat jemand eine Liste von künftigen Mordopfern erstellt, sie aber nur mit einem Buchstaben oder Initialen bezeichnet. Eine Strafarbeit für den degradierten Kommissar Huldar, sich damit zu beschäftigen. Doch als diese Namensliste und der vermutliche Verfasser plötzlich Verbindungen zu aktuellen Mordopfern haben, darf er endlich wieder ernsthaft ermitteln.


    So fand ich’s:


    Huldar ist in der Polizei-Hierarchie weit nach unten abgesackt, doch er ist gar nicht so unglücklich darüber, den Chefposten nicht mehr zu haben. Er ist nicht erpicht auf den vielen Papierkram und darüber, dass sich der Leiter der Ermittlungen nach oben rechtfertigen und den Kopf hinhalten muss. Er versucht, die neue Chefin Erla zu unterstützen, ohne ihre Autorität zu untergraben, denn er will doch wieder mitmischen, aber nicht unbedingt an vorderster Front. Das macht ihn sehr sympathisch, auch wenn er seine menschlichen Schwächen hat, über die er sich nicht hinweg setzen kann und die ihn immer wieder in Schwierigkeiten bringen.


    Auch die Psychologin Freija wurde wegen der Ereignisse in „DNA“ degradiert und muss sich mit langweiligen Jobs im Kinderhaus herumschlagen. Doch Huldars privates Interesse an ihr bringt ihr wieder eine Beteiligung am aktuellen Fall, als er speziell sie als psychologische Unterstützung anfordert. Freijas Privatleben ist mehr oder weniger nicht vorhanden, doch dafür hat ihr Bruder, der im Gefängnis sitzt, erstaunlicher Weise ein viel regeres Liebesleben als sie. Freija liebt ihren Bruder und unterstützt ihn, wo es nur geht und so bekommt dieser private Aspekt einen nicht ganz kleinen Anteil an der Erzählung, was mir gut gefallen hat.


    Das Verhältnis zwischen Huldar und Freija ist nach wie vor kompliziert. Es zieht sie zueinander hin, aber leider selten genug gleichzeitig, so dass die beiden ein lustiges Hin und Her veranstalten, das von Sprachlosigkeit, Interesse aneinander und dummen Entscheidungen geprägt ist. In der Zusammenarbeit bei der Mordermittlung harmonieren sie allerdings gut.


    Wie schon der erste Band ist auch „SOG“ in ruhigem Ton mit sehr genauem Blick auf die Menschen erzählt, die mit all ihren Schwächen und Macken entlarvt werden. Diese menschlichen und oft genug allzu menschlichen Aspekte präzise einzufangen und auch die negativen Eigenschaften nicht auszulassen, dabei aber nicht menschenverachtend zu werden, das beherrscht Yrsa Sigur ardóttir wirklich hervorrgend. Man ist sich immer bewusst, dass die Geschichte im kleinen Island mit seiner relativ geringen Bevölkerung spielt, bei der man sich auf den Vornamen beschränken kann und jeder jeden irgendwie zu kennen scheint.


    Grausame, zum Teil skurrile Morde werden nicht zu detailverliebt geschildert, sondern man befasst sich eher mit den Folgen und Konsequenzen davon. Es wird recht schnell klar, dass viele Leute etwas zu wissen scheinen, aber konsequent den Mund halten. Man hat eine Ahnung, worum es geht, aber wer wie wo mit drinhängt, war mir bis zur Erklärung am Ende nicht klar. Es gibt viele Beteiligte, die aber gut auseinanderzuhalten sind. Die überraschenden Wendungen bis zum Schluss haben mich in Atem gehalten und sie führten auch konsequent zur schlüssigen Auflösung hin.


    Dieser 2. Band der „Children’s House“-Reihe ist bis auf die privaten Verwicklungen von Huldar und Freija unabhängig vom ersten Band „DNA“ und kann auch als Einzelband gelesen werden. Da mich aber der erste Teil auch schon wunderbar spannend unterhalten hat, empfehle ich „DNA“ nicht auszulassen, sondern beide Bücher in der richtigen Reihenfolge zu lesen, denn sie sind beide absolut lesenswert.

  • Kommissar Huldar wurde nach dem letzten Fall degradiert und wird irgendwie beschäftigt. Er hat mit Schulaufsätzen zu tun, die in einer Zeitkapsel steckten, welche nach 10 Jahren geöffnet wurde. Eine Botschaft ist darunter, die die Initialen von zukünftigen Mordopfern auflistet. Erla wurde befördert und hat es mit mysteriösen Mordfällen zu tun, bei der die Leichen verstümmelt wurden. Ein Zusammenhang liegt also auf der Hand. Huldar sucht auch wieder die Unterstützung von Freya, mit der er seit dem vorigen Fall keinen Kontakt mehr hatte.
    Dies ist nach „DNA“ der zweite Band um dieses Ermittlerteam. Wie schon im vorigen Band geht es ziemlich grausam zu. Die Vorgeschichte der Ermittler wird noch einmal aufgegriffen, so dass man nicht unbedingt den Vorgänger gelesen haben muss. Allerdings wird manches ein wenig zu ausführlich erzählt. Dennoch ist die Spannung von Anfang an da. Die Atmosphäre ist recht düster.
    Ein pädophiler Straftäter wird vorzeitig aus der Haft entlassen und eine furchtbare Mordserie beginnt. Was haben die Fälle miteinander zu tun? So nach und nach erkennt man die Verbindungen und am Ende geht es dann recht dramatisch zu.
    Huldar ist ein guter Ermittler mit einem Gespür dafür, wenn irgendwo etwas nicht stimmt. Er sucht auch wieder die Verbindung zu Freya, nachdem beim letzten Mal nicht alles so gelaufen ist, wie er sich das erhofft hat. Zusammen mit Erla bilden sie ein gutes Team.
    Auch wenn nicht alle Grausamkeiten ausufernd beschrieben sind, so ist es nicht immer leicht zu verkraften, was da passiert, ganz besonders wenn es um Kinder und Jugendliche geht.
    Mir hat dieser spannende und packende Thriller gut gefallen.



    *****

  • Yrsa Sigurdardóttir, geboren 1963, ist eine vielfach ausgezeichnete Bestsellerautorin, deren Spannungsromane in über 30 Ländern erscheinen. Sie zählt zu den "besten Kriminalautoren der Welt" (Times Literary Supplement). Sigurdardóttir lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Reykjavík. Sie debütierte 2005 mit "Das letzte Ritual", einer Folge von Kriminalromanen um die Rechtsanwältin Dóra Gudmundsdóttir. DNA ist Start einer neuen Serie um die Psychologin Freyja und Kommissar Huldar von der Kripo Reykjavik.


    • Gebundene Ausgabe: 448 Seiten
    • Verlag: btb Verlag (18. September 2017)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 3442756642
    • ISBN-13: 978-3442756643
    • Originaltitel: Sogid


    Der Brief aus der Zeitkapsel und ein blutiger Rachefeldzug



    "Über Vergangenes mach dir keine Sorgen, dem Kommenden wende dich zu." (Dschuang Dsi)
    Zwölf Jahre nach dem die kleine Vaka vergewaltigt und getötet wurde, wird in Reykjavik eine Zeitkapsel geborgen. In dieser Zeitkapsel haben vor zehn Jahren Schüler Briefe geschrieben, wie sie sich im Jahr 2016 Island vorstellen würden. Dabei entdeckt man einen Brief mit einer eigenartigen Botschaft. Der Verfasser teilt darin mit, dass Menschen getötet werden und listet diese anhand ihrer Initialen auf. Kommissar Huldar und sein Team stehen vorerst vor einem Rätsel. Vor allem nach dem man wenig später in einem Hot Tub, zwei abgetrennte Hände findet. Bisher wird allerdings niemand vermisst, sodass sie diese Hände niemandem zuordnen können oder wissen, ob derjenige noch lebt. Wenige Tage später gibt es ein erneutes Todesopfer, in einer Tiefgarage, dort wird der Finder der abgetrennten Hände auf brutale Weise getötet. Doch das ist noch nicht alles, wenig später gibt es das nächste Opfer und diesmal wieder getötet auf eine sehr brutale Weise. Auffällig ist, dass die Opfer kurz vor ihrer Ermordung verschwinden und das sie mit den Initialen vom Brief der Zeitkapsel identisch sind. Nebenbei kommt nach 10 Jahre Gefängnis der Mörder und Kinderschänder Jon Jonsson frei. Hat er was mit diesen Morden zu tun und warum hat sein Sohn Pröstur damals diesen Brief geschrieben? Derweil hat Kommissar Huldar ganz andere Sorgen, er wurde von seinem Posten enthoben und möchte auch gerne wieder die ruinierte Beziehung von Freyja und ihm in Ordnung bringen. Deshalb versucht er sie auch möglichst oft in die Ermittlungen miteinzubeziehen.



    Meine Meinung:
    Das ist mein zweites Buch dieser Autorin, schon beim ersten Fall hatte ich damals die Spannung etwas vermisst, die mir auch hier in diesem Buch etwas gefehlt hat. Die Leseprobe hatte mich neugierig gemacht, doch nicht durchgängig konnte mich das Buch überzeugen. Zwar ist der Fall sehr interessant und auch die Ermittlungen, doch allzu oft driftet die Autorin in das Privatleben von Huldar und Freyja, das mich sogar gelegentlich ermüden lässt. Trotzdem fand ich dieses Buch ein wenig besser als den Vorband. Leider sind mir die Ermittler nach wie vor immer noch nicht ganz sympathisch, noch immer werde ich mit Huldar und seinen Frauengeschichten nicht warm. Ich empfinde sogar, diese chaotische Beziehungsgeschichte zwischen Huldar und Freyja mitunter als sehr anstrengend. Sehr schwer tue ich mich auch mit den vielen, eigenwilligen isländischen Namen. Das Cover ist wie beim Vorgänger einfach, aber geheimnisvoll. Öfters fehlte es für mich an einem kontinuierlichen Spannungsbogen, der jedoch um einiges besser war, wie beim Vorband. Trotz des interessanten Falls, ist es sicher für manchen Leser keine einfache Kost, da es unter anderem auch um das Thema Kindesmissbrauch geht. Von mir gibt es für dieses Buch 7 Eulen mit Luft nach oben.

    "Lebe jeden Tag so, als ob du dein ganzes Leben lang nur für diesen einen Tag gelebt hättest."

  • Zwölf Jahre nach der Vergewaltigung und dem Tod eines Mädchens wird an einer Schule eine Zeitkapsel geöffnet, die vor zehn Jahren vergraben wurde. Neben Briefen von Schülern, die beschreiben, wie sie sich Island im Jahr 2016 vorstellen, wird auch eine Liste mit Initialen von zukünftigen Mordopfern gefunden, eindeutig geschrieben von einem Kind. Komissar Huldar, nach seinem letzten Fall von seinen Leitungsaufgaben entbunden, soll der Sache nachgehen. Wenig motiviert macht er sich an die Arbeit. Aber dann tauchen in einem Hot Tub zwei abgetrennte Hände auf und nach einer ersten, brutal ermordeten Leiche bekommen es die Ermittler bald mit einer zweiten zu tun. Und was hat das Ganze mit dem Kinderschänder Jon Jonsson zu tun, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde? Huldar wird klar, dass die Nachricht aus der Zeitkapsel doch wohl ernster zu nehmen ist als gedacht und holt außerdem die Kinderpsychologin Freyja dazu, die seit dem letzten gemeinsamen Fall bei ihrer Dienststelle ebenfalls in Ungnade gefallen ist.


    Gleich vorweg: Ich kenne den ersten Teil der Reihe nicht, aber wie ich festgestellt habe, ist das auch nicht unbedingt notwendig. Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, aber angesichts des Titels hatte ich etwas mehr Spannung erwartet. In einen Lese-"Sog" hat es mich nicht direkt gezogen. Ich kenne von der Autorin ein paar andere Bücher, die mir besser gefallen haben, "Geisterfjord" zum Beispiel.

    Die Geschichte ist auf jeden Fall von Anfang bis Ende gut geschrieben und schlüssig durchdacht. Bei manchen Gedankengängen der Figuren musste ich auch mal schmunzeln.

    Huldar war mir durchaus sympathisch, Freyja auch. Obwohl ich ihr ziemlich gleichgültiges Verhalten Molly gegenüber nicht gut fand, aber das ist mein Problem. *g*

    Ich würde sagen, es ist ein guter Krimi, aber als Thriller würde ich "Sog" nicht bezeichnen, denn dafür fehlte mir die durchgehende Spannung, das "Ich muss jetzt unbedingt weiterlesen".