Mein wunderbarer Buchladen am Inselweg - Julie Peters

  • Inhalt

    Frieke ist Journalistin und soll vor ihrer Auswanderung nach Amerika noch einen Auftrag erledigen. Eine Geschichte über einen Vogelkundler auf Spiekeroog. Langweiliger geht es nicht. Und dann ausgerechnet Spiekeroog. Dort lebt nämlich Friekes leiblicher Vater, den sie nie richtig kennengelernt hat. Widerwillig nimmt sie den Auftrag an, mit dem Vorsatz, das Ganze schnell hinter sich zu bringen. Aber, es soll anders kommen.


    Autorin

    Julie Peters, Jahrgang 1979, war Buchhändlerin und studierte Geschichte, ehe sie sich ganz dem Schreiben widmete. Heute arbeitet sie als Schriftstellerin und Übersetzerin.


    Meine Meinung

    Ja, die Geschichte ist vorhersehbar, aber sie ist schön. Unaufgeregt schön und toll geschrieben. Den Schreibstil von Julie Peters kenne ich bereits von ihren anderen Büchern, und er hat mir auch hier wieder gut gefallen. Die Charaktere sind alle total sympathisch und echt. Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen. Genau das richtige für ein faules Wochenende zu Hause. Die kleine Botschaft zum Thema Social Media, fand ich gut. In der heutigen Zeit, verliert man schnell mal den Blick fürs Wesentliche. Ich habe das Handy einfach mal ausgemacht, und mich nur aufs Lesen konzentriert. Sollte man tatsächlich häufiger machen.


    Von mir eine klare Leseempfehlung.


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  • Frieke ist eigentlich auf dem Sprung nach Boston, um da eine Presseagentur mit ihrem Freund Harald zu gründen. Aber ihr Freund und bald ehemaliger Arbeitgeber Florian hat noch einen Auftrag für sie: Einen Ornithologen auf Spiekeroog interviewen, der dort ohne jede moderne Kommunikationstechnik auskommt.

    Dass ihr leiblicher Vater auf Spiekeroog lebt, ist natürlich reiner Zufall, oder etwa nicht?


    Schon auf Spiekeroog machen sich erste Zweifel breit, ob denn Amerika wirklich so eine gute Idee ist, fühlt sich Frieke doch auf der Insel sehr wohl. Und auch der Aushilfsjob in dem kleinen Buchladen über dem sie wohnt, macht ihr unglaublich Spaß.


    Mir hat dieses Buch ausgesprochen gut gefallen. Es plätschert nicht so leicht dahin, wie man von Cover und Titel her erwarten würde. Die Figuren sind vielschichtig und machen es sich in ihren Entscheidungen nicht leicht.

    Thementechnisch ist das Buch auf Höhe der Zeit. Es geht unter anderem um die dauernde Erreichbarkeit und wieviel man durch Twitter und sonstige Medien im echten Leben verpassen kann. Aber auch, wie man genau mit diesen Medien den Kontakt halten kann, wenn man räumlich ganz weit weg ist.


    Von mir gibt es hier eine ganz klare Leseempfehlung. Das Buch garantiert ein paar schöne und berührende Lesestunden.


    9 von 10 Punkte

  • Frieke und Harald wollen nach Boston auswandern, um dort eine Agentur zu gründen. Doch vorher erhält Frieke von ihrer Redaktion "Komet" unerwartet noch einen letzten Auftrag, für den sie auf die Insel Spiekeroog reisen muss. Eigentlich möchte sie nicht dort hin, da ihr Vater auf der Insel lebt, mit dem sie seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr hat.


    Frieke twittert über alles, was ihr Leben und ihre Arbeit betrifft. Hat sie mal keinen Zugriff auf ihr Handy, fehlt ihr direkt etwas. Ihr letzter Auftrag ist insofern spannend, weil sie den Ornithologen Bengt interviewen soll, der ohne Telefon und Internet in einem kleinen Bauwagen auf der Insel lebt und von dort aus arbeitet.


    Nachdem Frieke zuerst den Auftrag ablehnen wollte, gefällt es ihr auf der Insel von Tag zu Tag besser. Die Redaktion hat für Frieke ein Zimmer über einem Buchladen buchen können, da durch die Saison keine Hotelzimmer mehr verfügbar sind. In dieser Buchhandlung hilft sie sogar ein paar Stunden aus und kommt nach Gesprächen mit Bengt und dem Leben auf der Insel von Tag zu Tag mehr zur Ruhe – zugleich kommt bei ihr immer mehr die Frage auf, ob es wirklich richtig ist, Deutschland zu verlassen. Des Weiteren trifft sie tatsächlich durch Zufall ihren Vater und kommt auch durch diese Begegnung ins Grübeln, wie es mit ihr und ihrem Leben weiter gehen soll...


    Ich habe schon mehrere Bücher der Autorin Julie Peters gelesen und habe mich dabei immer bestens unterhalten gefühlt. Deshalb war es auch sofort klar, dass ich "Mein wunderbarer Buchladen am Inselweg" sofort lesen musste, nachdem das Buch erhältlich war. Ich war sofort im Roman drin und mochte das Buch auch nicht zur Seite legen. Süffig, aber keinesfalls kitschig ist das Buch geschrieben worden. Man verfolgt die Entwicklung von Frieke über einen gewissen Zeitraum. Gut gefallen hat mir, dass die Autorin das Thema Social Media mit eingebunden hat. Was macht der dauernde Blick auf das Handy mit uns und was verpasst man alles, wenn man in Hauptteilen seines Lebens nur noch das Internet als wichtig erachtet?


    Im Gegenzug vermittelt uns die Autorin ihre Liebe zu den Büchern, indem sie den Buchladen mit ihren Besitzern zu wichtigen Nebenfiguren in diesem Roman macht. Der einzige Minuspunkt war für mich: Die sogenannte "Gabe" zu wissen, welches Buch zu wem am besten passt. Das war für mich dann doch etwas zu sehr an den Haaren herbei gezogen. In einem aber ansonsten rundherum stimmigen Roman ist das zu vernachlässigen und gefällt anderen vielleicht sogar ganz besonders gut. Für mich ist auf jeden Fall klar – ich warte schon jetzt sehnsüchtig auf das nächste Buch dieser Autorin.


    9 von 10 Punkten

  • Ein Buch wie eine warme Decke - dieser Roman passt definitiv in diese Kategorie.


    Man könnte einen oberflächlichen Unterhaltungsroman vermuten, schließlich deutet das Cover auf leichte Kost hin, doch enthält diese Geschichte auch Tiefgang und sprach mich total an.


    Nicht alles geht glatt, die Protagonisten haben auch mal Schwierigkeiten zu überwinden oder handeln nicht so, wie der Weg des geringsten Widerstandes es vorgeben würde und das hat die Geschichte realistischer gemacht.


    Die Atmosphäre auf der Nordseinsel Spiekeroog war für mich auch passend wiedergegeben, so dass ich meinte, die Brandsee-/Sandsee-/ was auch immer für Schwalben zu hören und durchs Vogelschutzgebiet zu gehen. Dazu die nordischen Namen, die nicht aufgesetzt wirkten, sondern einfach passend waren.

    Das Cover ist auf jeden Fall ein Hingucker. Den Titel finde ich ein wenig sperrig, scheint aber gerade modern zu sein.


    Ein rundum gelungene Roman mit Tiefgang, der wir wirklich gut gefallen hat und den ich sehr gerne weiterempfehlen möchte.


    9 von 10 Punkten

  • Ich teile die Begeisterung leider nicht - hier meine Rezension und die Gründe dazu:


    Vorneweg muss ich sagen, dass ich in diesem Genre (Liebesroman, Sommerroman, Unterhaltungsliteratur/Frauen) schon wesentlich Besseres - und Überzeugenderes gelesen habe, daher meine nicht sehr positive Bewertung, die ich aber im Einzelnen gerne beschreiben möchte:


    Zum Inhalt dieses Romans gibt es bereits viele Rezensionen und ich stelle daher meine Kritikpunkte in den Fokus: Die Buchidee finde ich im Grunde sehr gelungen, die Umsetzung jedoch konnte mich nicht überzeugen.


    Die Hauptprotagonistin ist eine junge Journalistin, die als letzten Auftrag vom "Komet", einer Zeitung, für die sie arbeitet, nach Spiekeroog fahren soll, um dort Bengt zu interviewen, einen Ornithologen, der die Brandseeschwalbe beobachtet und sehr karg und abgeschieden auf der Insel lebt. Frieke weiß, dass ihr Vater auf der Insel lebt und ist ihm bisher erfolgreich aus dem Weg gegangen. Auf Spiekeroog angekommen, stellt sie fest, dass er ihr natürlich sofort über den Weg läuft - und Bengt Journalisten und deren digitale Interview-Möglichkeiten rundheraus ablehnt. Da sie aber gerne komplizierte Aufträge erhält, die sie stets mit Bravour ausführt, hält sie dies keineswegs ab, das Interview durchzuführen, zumal es sich bei dem Ornithologen um einen gutaussehenden und sympathischen Mann handelt...


    Sie wohnt über einer Buchhandlung, die von Ebba und Willem seit lange erfolgreich geführt wird - und Ebba sogleich erkannte, dass sie "die Gabe" besitzt: Folglich wird Frieke zur Nachfolgerin auserkoren, die den Buchladen übernehmen soll, wenn Ebba und Willem endlich in ihr irisches Cottage ziehen.


    Was sich aus dieser Rahmenhandlung ergibt, ist sehr vorhersehbar, teils konstruiert und einfach märchenhaft dargestellt. Einzig "der olle Hansen" (Friekes Vater) und das Buchhändlerpaar erhalten Sympathienoten: Frieke war während des ganzen Romans zerrissen und es ging in mich nervender Weise immer darum, ob sie nun nach Spiekeroog gehört - oder nicht. Der Ausflug nach Boston mit Harald, ihrem Freund, war ebenso vorhersehbar - und wirklich "zu tief in die Tinte gegriffen" (ein schöner Ausdruck im Original im Literarischen Quartett vom 26.06.18 zu hören ;) hat Julie Peters, als sie von "Baby-Demenz und Schwangerschafts-Demenz" sprach - die sich bei Emma, einer Freundin von Frieke, ausgebreitet haben soll... Ebenso unverständlich ist es, dem Leser zu suggerieren, dass eine professionelle Journalistin einem Interviewpartner ihre Lebensgeschichte erzählen würde: Sorry, aber da standen mir alle Haare zu Berge.


    Es wirkt alles sehr "bemüht", jedoch der Romanverlauf ist denkbar vorhersehbar, konstruiert, klischeebeladen und unrealistisch. Eine der für mich sehr wenigen Stellen, die mir positiv auffielen, war Friekes Beisein bei ihrem sterbenden Vater, dem sie ihre Lebensgeschichte noch erzählt...


    Ende gut, alles gut: Frieke wird Buchhändlerin, erbt den Buchladen und wird Eigentümerin eines alten Kapitänshauses auf Spiekeroog - das Sahnehäubchen aber auf dem Inselkuchen (den jener sehr gut backen kann) ist Bengt, mit dem sie fortan zusammenlebt. "und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben beide noch immer glücklich zusammen auf Spiekeroog.".
    Leider kann ich bei diesem Unterhaltungs- und Sommerroman nur 2 Sterne geben, einen halben für das schöne Cover obendrauf, aber dies ist das Äußerste. Dem Aufbau-Verlag werde ich dennoch treu bleiben, da ich schon sehr viele gute Bücher aus diesem Verlag las. Der Autorin aus besagten Gründen eher nicht.


    2,5 Sterne

  • und wirklich "zu tief in die Tinte gegriffen" (ein schöner Ausdruck im Original im Literarischen Quartett vom 26.06.18 zu hören ;) hat Julie Peters, als sie von "Baby-Demenz und Schwangerschafts-Demenz" sprach - die sich bei Emma, einer Freundin von Frieke, ausgebreitet haben soll...

    Was genau meinst Du da? Weil gleich zweimal die Demenz erwähnt wird?

    Ich kenne die Baby-Demenz zwar als Stilldemenz, aber geben tuts die ja definitiv.:lache

  • Beim Thema Kind oder nicht?? gab es für mich (wie an vielen vielen anderen Stellen) Klischees ohne Ende; z.B. dass frischgebackene Mütter nicht lesen (was hirnrissig ist), und sorry, von einer Stilldemenz habe ich noch nie gehört - und passt auch gar nicht zusammen für mich....

    diese Erklärung ist dann für mich genauer


    https://www.netmoms.de/magazin…was-bedeutet-stilldemenz/


    Ich hatte stark den Eindruck, dass die Autorin noch kinderlos ist - und das Kapitel Kind - ja oder nein - noch nicht durch ist für sie. Das drückt sich eindeutig in diesem Roman aus - und damit kann und konnte ich nix anfangen (nur ein Beispiel)....

  • Meine Meinung:

    Buchtitel mit Cafés oder Läden an einem Insel- oder Strandweg scheinen momentan bei den Verlagen sehr modisch zu sein. Und bei jedem neuen "Weg"-Titel denke ich: nicht schon wieder. Trotzdem las ich beim vorliegenden Laden-Weg-Titel den Klappentext, das Cover fand ich ja eh schön, und gab dem Buch trotz Titel eine Chance.


    Die Autorin war mir gänzlich unbekannt, doch anscheinend hat sie schon mehrere Bücher herausgebracht. Ihr neuestes Werk spielt auf Spiekeroog. Hier lebt der Ornithologe Bengt abseits in einem Wohnwagen und sorgt sich um die Inselschwalben. Ole Hansen gehört das Kapitänshaus. Sonja, die mit ihren drei Kindern ebenfalls auf der Insel beheimatet ist. Die ist klein und so kennen alle Ebba und Willem. Die zwei führen eine Buchhandlung und möchten sich eigentlich zur Ruhe setzen, doch es fehlt an einem Nachfolger. Wenn es nach Ebba geht, muss es jemand sein, der ihre Gabe besitzt - sie kann den Kunden jeweils das passende Buch empfehlen. Als Journalistin Frieke für einige Tage in die Wohnung oberhalb der Buchhandlung zieht, ist für Ebba klar, wer ihre Nachfolgerin wird. Doch Frieke hat andere Sorgen. In einer Woche fliegt sie mit ihrem Freund Harald in die USA, um dort eine Agentur zu eröffnen. Chef Florian hat ihr noch einen letzten Auftrag zugeschanzt: ein Interview mit dem Naturschützer Bengt, der gänzlich offline arbeitet. Frieke ist mulmig zumute, aber nicht wegen dem Job, sondern weil ihr Vater, mit dem sie nie Kontakt hatte, auf Spiekeroog lebt.


    Frieke weiss nicht, wie sie auf ihn reagieren soll, sollte sie ihn sehen. Ihre Gefühle über ihren Vater, über ihre Zukunftsaussichten und vieles mehr wurden sehr gut und echt rübergebracht. Auch die Geschichten der restlichen Charaktere empfand ich sehr lebensnah geschildert. Sei es Bengt, bei dem gegen Schluss erklärt wird, wieso er momentan offline lebt oder Sonja mit ihren Kindern. Ole Hansen ist eh ein Original, er gefiel mir sehr gut. Nur bei Ebba hatte ich Anfangs Mühe, konnte dann aber ihr Gaben-Ding akzeptieren. Für mich hätte es das nicht gebraucht, es wär auch mit "nur" der Pensionierung allein eine gute Geschichte geworden.


    Die Autorin hat viele Themen in den 320-seitigen Roman gepackt: neuer Job, Auswandern, unbekannter Vater, Naturschutz, Pensionierung, Krankheit, Heimat und Medienkonsum. Bei allen, aber insbesondere beim letzten Thema sieht man die Entwicklung im Laufe der Geschichte gut. Frieke, die aktiv twittert und ohne Social Media und elektrische Geräte nicht auskommt, auf der einen Seite und Bengt, ohne alles, auf der anderen Seite werden aufeinander losgelassen. Trotzdem berichtet Julie Peters nicht schwarz-weiss und wertend über den Medienkonsum, sondern arbeitet das, und auch die anderen Themen gut und glaubhaft aus und findet einen Weg mit verschiedenen Auffassungen umzugehen.


    Interessante Charaktere, spannende Themen - das ist schon mal ein grosser Teil, den ein guter Roman ausmacht. Fehlt noch der Schreibstil. Und genau der ist es, der aus einem durchschnittlichen einen sehr guten Roman macht. Und eben der war es, der mir total gut gefiel. Die angenehmen kurzen und prägnanten Sätze fand ich enorm entspannend. Schon während dem Lesen war ich fasziniert von dem wunderbar ruhigen Schreibstil. Diesen zu schätzen wusste ich spätestens bei meiner darauffolgenden Lektüre, dort ging es so geschwätzig zu und her, dass ich zur Erholung zwischendurch jeweils ein paar x-beliebige Seiten in "Mein wunderbarer Buchladen am Inselweg" las.


    Mich begeisterte der Roman total, nur den Titel hätte ich anders gewählt, vielleicht wäre "Zwischen Brandseeschwalben und Buchladen" passender gewesen. Aber wenn man nur am Titel rumnörgelt, hat die Autorin definitiv etwas gut gemacht!


    Fazit: Wohltuend ruhiger, ehrlicher und abwechslungsreicher Roman, den man nicht nur für Nordsee-Urlaub auf der Leseliste haben sollte.
    4.5 Punkte.