Beiträge von Googol

    Ich bin gerade 50 Seiten in der Atemschaukel und bin doch sehr beeindruckt. Ich hatte ihren Schreibstil viel umständlicher und verquerer in Erinnerung, aber sprachlich ist dieser Roman gleichzeitig klar und kunstvoll und inhaltlich ist der Roman ohnehin beeindruckend. Ausser einem Essay-Band "Der König verneigt sich und tötet" und einen gescheiterten Leseversuch vor vielen Jahren habe ich bisher nichts von ihr gelesen.

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    Original von buzzaldrin
    Ich wäre schon froh, wenn ich den, der es dann wird auch kenne ... :grin


    Philip Roth wäre toll, aber ich glaube nicht so richtig daran. Thomas Pynchon oder Cormac McCarthy könnte ich mir auch als Gewinner vorstellen.


    Philip Roth würde ich es auch wünschen. Er hätte es einfach verdient. Thomas Pynchons Chancen könnten dieses Jahr tatsächlich höher sein als in den letzten Jahren, schließlich ist sein aktuelles Buch viel dünner als die Vorgänger ;)


    Aus irgendeinem, komischen Grund würde ich, wenn eine dieser Amerikaner gewinnt, was ich nicht wirklich glaube, am ehesten tatsächlich auf McCarthy tippen.

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    Original von buzzaldrin
    Die Zusammenfassung von Blumenbach habe ich auch als hilfreich empfunden, auch wenn es etwas schade war, dass Iris Raddisch ihn unterbrochen hat.


    Fand ich in diesem Fall gar nicht mal so schlimm. Im Vergleich zu den "Vorlesern" war es schon mal angenehm wie sehr man in die Details gehen konnte. Normalerweise besprechen die, glaube ich, auch noch ein viertes Buch, und da war es angemessen, dass man diesen Buch etwas mehr Platz eingeräumt hat. Ich bin schon gespannt auf die Besprechung von Bolanos 2666 in der nächsten Folge.

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    Original von Eddie Poe
    Worum geht es in dem Buch eigentlich? Der Klappentext war nicht so aufschlußreich und wenn ich nicht weiß, wie die Handlung in etwa aussieht, wäre das ja wie die Katze im Sack zu kaufen :gruebel.


    Die Handlung spielt nicht wirklich die Hauptrolle in dem Roman. Grob spielt die Handlung (so wie ich sie bisher beurteilen kann) im Umfeld einer elitären Tennis-Akadamie (eine Art Sportinternat) und einer Nervenheilanstalt. Der Geisteszustand der jeweiligen Bewohner ist sehr ähnlich. Drogen in jeglicher Form werden oft und gerne konsumiert.


    Es gibt sehr viele verschiedene Personen und Erzählperspektiven, aber die wichtigste Person ist ein 17-jähriges allgemein hochbegabtes Tennis-Talent und alter ego des Autors. Das Ganze spielt in der nahen Zukunft, in dem das Fernsehen, durch eine neue Art von Medium abgelöst wurde, eine Art Alternativweltroman in dem es kein Internet gibt. Einer dieser "Filme", die über dieses Medium verbreitet werden, heißt wie dieser Roman auch "Unendlicher Spaß" und bespaßt die Zuschauer zu Tode. Die Zuschauer verenden buchstäblich vor ihren Fernsehern. Sie vergessen zu Essen, zu Schlafen und ihre Notdurft zu verrichten.

    Ich habe jetzt ungefähr 300 Seiten geschafft und werde heute erst einmal eine Pause machen.


    Gleich (in 10 Minuten?) kommt auf 3sat eine Wiederholung des Literaturclubs. Dort wird der Roman besprochen, zusammen mit dem Übersetzter Ulrich Blumenbach, und die Besprechung ist sehr interessant:


    Ein Zitat: "Der Buch ist kein Kunstwerk, sondern ein Bewusstseinszustand" (nicht sicher, ob ich zustimme, aber ein interessanter Gedankengang). Blumenbach versucht sich außerdem an einer 3-minütigen Zusammenfassung des Plots, die für mich sehr hilfreich war. Allgemein wird der Roman als eine Qual und tieftraurig beschrieben (stimme zu).

    Berliner Seele : ich kann dir nicht wirklich folgen. Ein Verlag arbeitet also marktorientiert (verstehe ich). Ein unbekannter Autor braucht einen starken Verlag hinter sich (verstehe ich). Wie kommt nun ein Verlag zu einem unbekannten Autoren, für den es sich lohnt Marketing zu betreiben? (Qualität des Textes? Außer-literarische Qualitäten? Beruf, Aussehen, was auch immer). Wenn ein Autor (außer-literarisch) prominent ist hat der Verlag es vielleicht einfacher und vielleicht hat dann auch der Lektor etwas mehr zu tun (macht Sinn). An diesen ganzen Sachverhalten erscheint mir nichts Überraschendes dabei zu sein.

    Definitiv Cory Doctorow. Am besten Little Brother, bisher leider nur auf Englisch. Ältere Romane gibt es auch auf Deutsch (z.B. Backup).


    Ansonsten Neal Stephenson, Hari Kunzrus Grayday fand ich gut (Autor ist nicht gerade ein Computerfreak, trotzdem gut), Clifford Stolls Kuckucksei ist ein Klassiker (Non-Fiction, aber spannend wie ein Thriller), Ellen Ullmans The Bug usw.

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    Original von veronika
    die könnten mehr Bücher vorstellen.
    :wave


    Noch mehr Bücher in 25 Minuten? Vielleicht die Kurz-Besprechungen weglassen und die persönlichen Anekdoten. Weiterhin Gäste einladen. Und das vorgefertigte Drehbuch weglassen. Wenn jemand mal überzieht improvisieren (möglicherweise das Konzept den Moderatoren erst einmal näher bringen) und ggf. einen anderen Block dafür weglassen. Wozu wird das aufgezeichnet, wenn nicht wenn nötig geschnitten wird.

    60 Seiten bisher und ich bin begeistert (gut, ein oder zwei Mal wollte ich es bereits gegen die Wand schmeißen). Der Schreibstil ist erfrischend unkonventionell, manchmal anstrengend (Endlossätze, Vokabular, verschrobene Perspektiven), manchmal spassig (Dialoge). Ich habe mir eigentlich vorgenommen etwas Leichteres oder vor allem Positiveres, weniger drogenschwangeres, parallel zu lesen, bisher sehe ich aber keinen Bedarf und werde mich erst einmal auf dieses Buch konzentrieren.

    Über die Jahre hat sich da was angesammelt:


    Günter Grass (Erstausgabe von Ein weites Feld), Harry Mulisch, Kenzaburo Oe, Tschingis Aitmatow, Orhan Pamuk, Imre Kertesz, Peter Esterhaszy, Margaret Atwood, Don DeLillo, Ian McEwan, Haruki Murakami, Michael Chabon, Jonathan Lethem, Jonathan Safran Foer, T.C. Boyle, Neal Stephenson, Cory Doctorow, Neil Gaiman, Iain Banks, Yann Martel, Arundhati Roy, Cees Nooteboom, Anita Desai, Kazuo Ishiguro, Martin Amis, John Banville, Peter Carey, Rick Moody, Sven Regener, Wladimir Kaminer, Judy Budnitz, Leila Marouane, Richard Ford, Antonio Lobo Antunes, Stewart O'Nan, Jeffrey Euginides, Rohinton Mistry, Yoko Tawada, Judith Hermann, Herta Müller, Bragi Olafsson, Will Self, Nick Hornby, Scott Bradfield, Zusza Bank, Connie Palmen, Joe R. Lansdale, Peter Stamm, Marisha Pessl, Magnus Mills, Tatjana Tolstoja, Helen Oyoyemi, A.L. Kennedy, William Boyd, Zadie Smith, Denis Johnson, Elizabeth McCracken, Ha Jin, Julian Barnes, Jan Kjaerstad, Chuck Palahniuk

    Ich würde empfehlen:


    Etgar Keret (vielleicht Mond im Sonderangebot): schreibt sehr kurze, aber pointierte Kurzgeschichten.


    Vielleicht etwas von Ephraim Kishon. Hat mir als Jugendlicher gefallen.


    Haruki Murakami (vielleicht Der Elefant verschwindet oder Blinde Weihe, Schlafende Frau): mysteriös, japanisch...


    Judy Budnitz (Große Sprünge)


    Jonathan Lethem (Menschen und Superhelden).


    Alle recht gut lesbar.

    Ich fühle mich irgendwie motiviert, eine grotesk schlechte Geschichte für den Putlitzer zu schreiben, den Wettbewerb mit dieser zu gewinnen, und dann einen Artikel darüber für Spiegel Online zu schreiben. :lache


    Ungefähr so wie die Kathrin Passig vor ein paar Jahren den Bachmann-Preis mit ihrer ausgezeichneten Geschichte unterwandert hat.

    Gut, ich sehe jetzt die grundsätzlichen Parallelen zwischen DKZ-Verlägen und DSDS. Wahrscheinlich sind es eher wenige Details, die mich an dem Vergleich stören. Der offensichtlichste Unterschied ist vielleicht die Publikumswirksamkeit. Ich denke, man kann in einem DKZ-Verlag veröffentlichen und kein Mensch bekommt davon mit (es sei denn man ist besonders gut oder penetrant im Marketing), aber bei Bohlen ist einem die Aufmerksamkeit sicher, besonders bei Talentlosigkeit.


    Ich kenne ein wenig den amerikanischen Markt für Science Fiction-Kurzgeschichten, der nicht 100% stellvertretend sein mag, und dem es auch schon einmal besser ging, aber ich versuche ihn trotzdem einmal als Vergleich heranzuziehen. Es gibt dort drei Magazine ("the big three": Asimov's, Analog und F&SF), die weit verbreitet sind und z.B. bei Borders etc. erhältlich. Dann gibt es noch eine Reihe kleinere Magazine, die einigermaßen angesehen sind, aber nur über Abo erhältlich sind, es gibt Webzines etc.... Es gibt vielleicht ingesamt 100 Publikationsmöglichkeiten, die meisten davon bezahlen für Stories, in den unteren Regionen allerdings teilweise lächerlich kleine Summen (bis runter zu 5-10 US $ pro Story). Diese Publikumsmöglichkeiten kann man recht einfach nach Honoror/Sichtbarkeit etc. sortieren, so dass ein Autor, der eine Kurzgeschichte anzubieten hat, diese in dieser Reihenfolge an die Magazine schickt und praktisch permanent im Umlauf hält. Bekommt man eine Absage, wird das Manuskript einfach umgetütet und dann geht sie an den nächsten Markt. Nicht jeder neue Autor geht diese Liste ganz runter und es ist auch nicht wirklich eine gute Idee, das zu tun, und teilweise dauert es Jahre bis ein Autor endlich eine Story unterbringen kann, trotzdem funktioniert dieses System für die Autoren und im Grunde für den ganzen Markt. Die Autoren lernen dabei. Sie lernen auch direkt publikumswirksames Schreiben (oder besser: das Schreiben von Stories, die besonders Herausgebern interessieren könnten) und wenn sie dabei ihr Handwerk verbessern setzt auch irgendwann der Erfolg ein. Was die meisten Autoren tun, ist bewußt ihre Ziele höher zu stecken als ihr aktuelles handwerkliches Talent es eigentlich zulassen würde. D.h. sie schicken ihre Stories zuerst an die besseren Märkte. Man könnte argumentieren, dass das die beste Möglichkeit ist, das Handwerk zu verbessern ("aim high"). Und dem sind sich die Autoren bewußt oder zumindest bewußter als den Teilnehmern bei DSDS.


    Nun mögen sich Jury-Mitglieder von unzureichenden Texten, die zu Wettbewerben eingereicht werden, belästigt fühlen, aber im Ernst: es sollte in den meisten Fällen das Lesen des ersten Absatzes genügen, um grundsätzliches mangelndes Talent zu erkennen. Das sollte dem Jury-Mitglied nicht besonders weh tun, das sollte dem Autoren nicht besonders weh tun und während dessen schreibt der Autor vielleicht an seiner nächsten, vielleicht dieses Mal besseren, Story.

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    Original von Tom


    Die überwiegende Mehrheit aber offenbarte so oder so, in einem wesentlichen Bereich (oder in allen) nicht das richtige Gefühl für die Sache zu haben.


    Ich picke diesen Satz heraus, aber im Prinzip sind es zwei oder drei größere Punkte aus deinem Kommentar, die ich ein wenig in Frage stellen möchte (normalerweise bin ich ein Fan deiner Kommentare über das Schreiben und Veröffentlichen).


    Was mir hier ein wenig fehlt, ist die Berücksichtigung von Entwicklungspotentialen und die Abgrenzung der (finalen) Beurteilung von Texten von deren Autoren. Dass die Anzahl unrettbarer Texte enorm groß ist, kann ich mir gut vorstellen, aber welche Relevanz hat diese Zahl wirklich? Es wird Autoren geben, die in einer Phase ihrer Entwicklung sind, in der sie nur unrettbare Texte produzieren. Manche davon entwickeln sich weiter, manche nicht. Einige Beurteilungskriterien für Texte, die du aufführst würde ich als erlernbar einstufen. Wieviele der von dir erwähnten Beurteilungstexte haben selbst die Autoren denn wirklich als fertig eingestuft oder handelt es sich dabei nicht eher um per Definition unfertige Werkstatttexte?


    Was Selbstüberschätzung angeht, so finde ich die bei Schreibanfängern - bis zu gewissen Grenzen - normal. Fast jeder fußballspielende kleine Junge träumt von der Bundesliga wieso sollte der initiale Schreibanreiz nicht auch unrealistisch sein? Das Problem ist nur, dass heutzutage durch Internetforen der Weg in die Öffentlichkeit und durch POD-Verlage der Weg zur Veröffentlichung viel zu einfach geworden ist. Das strapaziert oft die Geduld von Foren-Benutzern und den Geldbeutel der Autoren. Die Träume werden zu leicht erfüllt.


    Den Vergleich zu DSDS finde ich etwas schief. Man schaut bei DSDS eher in eine Anfängerschreibwerkstatt, nur dass man nicht unter sich ist, sondern dass ein Publikum sich an den mangelhaften Schreibversuchen vergnügt und sich über die Autoren lustig macht. Genauso wie kein DSDS-Teilnehmer in seiner aktuellen Entwicklungsphase einen Plattenvertrag bekommen würden, so würde auch keiner der Teilnehmer einer entsprechenden Schreibwerkstatt seine aktuellen Texte (gegen Honorar) veröffentlichen können. Viele würden es gar nie können. Das ist nun wirklich nicht weiter verwunderlich.

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    Original von Ramonesgirl33
    Ich find es am wichtigsten das man das Schreiben nicht nur des Geldes wegen macht, sondern auch weil es einem Spaß macht. Die Autoren, die ihr Buch veröffentlichen, denken nicht an das Geld. Sie denken nur glücklich daran, das sie jetzt ein Stück ihrer Fantasie in die Welt hinaustragen und es anderen Menschen schenken können. Und ich finde es sollte jedem so gehen, egal ob jung oder alt.


    Ich habe ja tatsächlich die (etwas romantische) Vorstellung, dass das am Anfang tatsächlich so ist, der Impuls zum Schreiben eine Notwendigkeit ist, aber Schriftstellerei ist auch ein Existenz erhaltender Beruf für manche.


    Was Jung- vs. Altautoren angeht: Übung, Erfahrung, handwerkliches Können... all das hilft, dauert aber seine Zeit, weshalb das Alter durchaus ein Faktor sein kann, der über die Qualität der Schreibe entscheidet.