'Emilia und das Flüstern von Liebe' - Seiten 095 - 208

  • Ich bin mit dem zweiten Abschnitt durch und ich habe wirklich viel Spaß beim Lesen - obwohl ich mir noch keinen richtigen Reim auf die Figuren und ihre Beziehungen zueinander machen kann.


    Ich bin gespannt, was Lulu von Emilia will. Dass Emilia sich dazu hat hinreißen lassen, sich über Antoines Tick lustig zu machen, hat mir nicht gefallen. Das hätte ich ihr nicht zugetraut - schließlich ist sie selbst sicher oft in der anderen Position. Ich weiß auch wirklich nicht, was ich von Hugo halten soll. Normal ist so ein "imaginärer Freund" sicher nicht! Überhaupt erschließt sich mir bisher nicht, warum ihre Mutter sich Emilia gegenüber so verhält bzw. verhalten hat. Sie wirkt selbst wie eine unabhängige, kompetente Frau. Wieso hat sie also nichts davon an ihre Tochter weitergegeben? Lauter spannende Fragen! :-)


    Es sieht momentan so aus, als ob Emilia von Antoine ein bisschen Selbstwert bekommen könnte und Antoine von Emilia etwas Bescheidenheit. Schade, dass sie sich auf der Bühne so schwer getan hat! Aber alles andere wäre wohl auch unglaubwürdig gewesen...

    It’s not enough for the phrases to be good; what you make with them ought to be good too. - Aldous Huxley

  • Ich kann mir auch noch so keinen rechten Reim auf die Figuren machen.

    Aus Antoines Sicht wirkt Emilia fast normal, nur schüchtern und weltfremd (ob es wirklich Leute gibt, die nicht wissen was ein Döner ist? ), aber ihre Tagebucheinträge sind schon krass, sie sollte sich mal Gedanken über ihren eigenen imaginären Freund, den sie da anschreibt, machen und nicht nur über den ihrer Mutter.

  • Das Verhalten der Mutter finde ich sehr merkwürdig. Diese ganze Sache mit dem imaginären Hugo kommt mir so komisch vor. Sie verlangt sogar vor Emilia sich mit Hugo zu unterhalten. Das ist schon sehr schräg. Und ich finde es auch komisch, dass die Mutter Emilia so von sich abhängig gemacht hat. Emilia ist ja gar nicht fähig ein eigenständiges Leben zu führen, weil die Mutter alles für sie organisiert hat. Das ist doch wirklich nicht normal. Nur gut, dass sie nun durch Antoine endlich einen Freund (oder auch mehr?) gefunden hat, der ihr hilft, ein eigenständiges Leben zu führen.


    Ich bin gespannt, was Lulu von Emilia will. Dass Emilia sich dazu hat hinreißen lassen, sich über Antoines Tick lustig zu machen, hat mir nicht gefallen.

    Lulus Verhalten kann ich auch nicht so ganz einschätzen. Auf der einen Seite versucht sie die ganze Zeit noch Antoine zurück zu bekommen und lässt ihn überhaupt nicht in Ruhe, belagert ihn und ruft ihn ständig an.. Auf der anderen Seite freundet sie sich mit Emilia an und lästert bei ihr über Antoine ab. Ich kann sie nicht so richtig einschätzen, aber wie sich sich über Antoine lustig macht gefällt mir gar nicht.


    Ich mag Emilia als Person echt gerne. Und je mehr ich sie kennenlerne um so mehr verstehe ich ihre kleinen Eigenarten und finde sie wirklich gar nicht mehr so verrückt wie sie am Anfang erscheint.

    Allerdings finde ich die Tagebucheinträge nach wie vor etwas anstrengend zu lesen. Und es wiederholt sich in den Einträgen dann auch oft etwas von der Handlung. Klar ist es interessant, es aus Sicht von Emilia zu lesen. Aber die Wiederholungen der Handlung sören mich ein wenig.

  • Allerdings finde ich die Tagebucheinträge nach wie vor etwas anstrengend zu lesen. Und es wiederholt sich in den Einträgen dann auch oft etwas von der Handlung. Klar ist es interessant, es aus Sicht von Emilia zu lesen. Aber die Wiederholungen der Handlung sören mich ein wenig.

    Das mit den Wiederholungen ging mir genauso in diesem Abschnitt. Später hat sich aber entweder weniger wiederholt oder es hat mich dann nicht mehr so gestört...

    It’s not enough for the phrases to be good; what you make with them ought to be good too. - Aldous Huxley

  • Oh, da habt ihr recht, das hätte ich noch etwas mehr reduzieren sollen. Natürlich wollte ich das Erlebte ebenfalls aus Emilias Sicht zeigen, aber vielleicht hätte ich das knapper halten können.


    Lulus Verhalten zeigt, dass sie im Begriff ist, sich von Antoine zu lösen. Es gehört zum Trauerprozess, dass sie sich zuerst noch rächen will. Bei Emilia spiegelt sich dieses Verhalten sozusagen. Sie hat sich ja gerade dem echten Antoine gegenüber ein Stück weit geöffnet, und nun erfährt sie aus Lulus Sicht, wie eiskalt er sie hat fallen lassen. Also ist sie maßlos enttäuscht und überspielt (auch für sich selbst) mit ihrem scheinbar gemeinen Verhalten, dass sie beinahe auch auf ihn hereingefallen wäre. Dass da mehr ist und es kein "Hereinfallen" wäre, gibt sie ja nicht einmal vor sich selbst zu.

  • Weiter geht's...
    Ich stimme euch zu, auch ich habe mich in diesem Abschnitt gefragt, was Lulu eigentlich mit ihrer Freundschaft zu Emilia bezweckt. Noch halte ich ihr zugute, dass sie vielleicht selber auch nicht viele Freundinnen hat und es vielleicht einfach nur gut meint.


    Emilia bleibt für mich weiterhin widersprüchlich. Zwischendurch blitzt ja immer mal eine tatkräftige Emilia durch, z.B. während es Umzugs, wo sie ja durchaus zupacken kann, aber dann ist sie wieder von den banalsten Dingen vollkommen überfordert, vergisst einzukaufen oder die Waschmaschine auszuleeren. Dass jemand, der so gern schreibt wie sie, dann nicht einfach mit Listen und Notiz-Zetteln arbeitet, ist mir auch ein Rätsel. Denn eigentlich ist ihr doch klar, dass sie jetzt für sich allein verantwortlich ist, und doch kriegt sie bei den einfachsten Dingen die Kurve nicht.

    Dass ihr ihr Teddy sagt, was zu tun ist, fand ich ein wenig arg unglaubwürdig - sollte damit rüberkommen, dass sie eigentlich tief drin weiß, was zu tun ist, aber trotzdem erst aktiv wird, wenn ihr jemand eine Anweisung gibt, und sei es ein Stofftier? :gruebel


    Auch die Szene, wo sie nachts Angst hat und nach dem imaginären Antoine ruft und der echte Antoine davon aufwacht, fand ich hart an der Grenze zum Kitsch...


    Ach, und einmal fällt Emilia in ihrem Tagebuch aus der Rolle und schreibt "vermisst" statt "vermißt" :grin


    Die Wiederholungen in diesem Abschnitt haben mich jetzt nicht so arg gestört, es liest sich ja schnell und leicht - allerdings empfinde ich es als anstrengend, seitenweise kursiven Text lesen zu müssen. Da gefällt es mir besser, wenn einfach die Schriftart gewechselt wird, um den Tagebucheintrag kenntlich zu machen!


    So, ich lese mal weiter, vielleicht schaffe ich heute noch einen Abschnitt.


    LG, Bella

  • Ich kann mir auch noch so keinen rechten Reim auf die Figuren machen.

    Da gehts mir wie euch: ich finde sie sehr wiedersprüchlich. Ob diese extrem unterschiedlichen Gesichter von Emilia und auch von Antoine für mich am Ende glaubhaft sind, wird sich zeigen.

    Dass jemand, der so gern schreibt wie sie, dann nicht einfach mit Listen und Notiz-Zetteln arbeitet, ist mir auch ein Rätsel. Denn eigentlich ist ihr doch klar, dass sie jetzt für sich allein verantwortlich ist, und doch kriegt sie bei den einfachsten Dingen die Kurve nicht.

    Dafür finde ich es noch zu früh. Ich glaube, sie hat zwar gemerkt, dass sie jetzt für sich alleine verantwortlich ist, ist aber (noch lange) nicht soweit, sich Strategien dafür zurechtzulegen. Schließlich brauchte sie die bisher ja auch nicht.


    Was ich besonders seltsam finde sind die geradezu erotischen Tagebucheinträge von Emilia. Ich nehme nicht an, dass sie schon einmal eine sexuelle Beziehung gehabt hat und dann sowas ... :huh: Noch mehr ärgere ich mich aber - zumindest zeitweise - über Antoine und finde "seine" Seiten fast schwierig zu lesen. Was hat denn der für ein Frauenbild??? :rotekarte Damit meine ich weniger sein Verhalten Lulu gegenüber, mehr noch seine Gedanken gegenüber Emilia. Emilia einerseits als scheues Reh zu sehen, das man an "Menschen" gewöhnen muss und auf der anderen Seite seine Bettphantasien mit ihr passen für mich nicht zusammen. Will er eine gleichberechtigte Freundin oder eine ihn vergötternde, abhängige graue Maus? Ich hoffe nur, Emilia macht ihm bei letzterem einen Strich durch die Rechnung.


    Dass die beiden Mädels so über ihn abgelästert haben, ist sicher nicht die feine englische Art, kann ich aber durchaus nachvollziehen. Lulu wird so ihren Frust über ihn los und Emilia freut sich, endlich mal eine Art Freundin zu haben, dass sie in der Situation ohne großen Nachenken ausgelassen mitmacht. Ich kann mir auch gut vorstellen, warum Lulu ausgerechnet zu Emilia gekommen ist: sie hat mitgekriegt, dass Antoine und Emilia momentan mehr Kontakt haben und hofft, so wieder Zugang zu Antoine zu bekommen.


    Interessant fand ich auch, was so ganz nebenbei über Emilias Vergangenheit miteinfließt. Anscheinend war sie als Schülerin - durchaus erfolgreich - auf der Bühne. Warum hat sie so wenig Selbstvertrauen, dass sie sich das nehmen ließ? Mitreißen kann sie wohl immer noch!

    "Jetzt gehe ich einfach los. Irgendwo werde ich schon ankommen, und sei es am Ende einer Sackgasse. Auch dort kann es ja so schön ein, dass man nicht umkehren mag." Meike Winnemuth, Bin im Garten, S. 312, Penguin Verlag 2019

  • Was ich besonders seltsam finde sind die geradezu erotischen Tagebucheinträge von Emilia. Ich nehme nicht an, dass sie schon einmal eine sexuelle Beziehung gehabt hat und dann sowas ...

    Naja, sie liest ja viel und kennt sich zumindest theoretisch mit der Liebe aus ;-) Und vermutlich hat sie doch auch irgendwann angefangen, selbst Hand anzulegen... Emilia ist schon sehr widersprüchlich - einerseits so weltfremd und unbedarft und dann gibt es wieder Momente, wo man denkt, es handelt sich um eine komplett andere Person! Auch das Ablästern mit Lulu passt eigentlich gar nicht zu Emilia, wie sie sonst rüberkommt; da habe ich mich auch gewundert, dass sie schon auf diesen Zug mit aufgesprungen ist und dabei auch noch so abgeklärt wirkt!

    Anscheinend war sie als Schülerin - durchaus erfolgreich - auf der Bühne.

    Hab ich da was überlesen? :gruebel Ich dachte, sie hat immer nur im stillen Kämmerlein mit ihrem Vater die Rollen geprobt. Hat sie tatsächlich auch Schultheater gespielt?

    Noch mehr ärgere ich mich aber - zumindest zeitweise - über Antoine und finde "seine" Seiten fast schwierig zu lesen. Was hat denn der für ein Frauenbild???

    Auf seine Weise ist er fast so widersprüchlich wie Emilia; einerseits zuvorkommend und hilfsbereit und auf der anderen Seite lässt er wieder den gnadenlosen Macho raushängen. Auch sein Verhalten Lulu gegenüber war ja nicht wirklich o.k., selbst wenn er vorher klar gemacht hat, dass er keine feste Beziehung will. Aber dieses Theater vor Lulus Eltern und dann hinter Lulu postwendend rauswerfen, das war schon ganz schön heftig.


    LG, Bella

  • Was den Teddy angeht: Da hast du recht. In ihrer Phantasie hält sie sich daran fest, dass Johnny ihr lebensmwichtige Tipps gibt, obwohl sie selbst die Urheberin all dieser Gedanken (und Tipps) ist.


    Ohje, Kitsch ist ein rotes Tuch für mich. Aber das liegt natürlich im Auge des Betrachters, und gerade wenn es um Liebe und auch um einen Menschen wie Emilia geht, ist das wohl eine permanente Gratwanderung ... :-D


    Und tatsächlich ist mir ein ss durchgerutscht? Mist, das muss ich korrigieren. Und dabei ist das Buch von vier (!) Personen lektoriert und Korrektur gelesen worden, und davor von mehreren Testleserinnen. Wie oft ich es selbst gelesen habe, kann ich nicht mehr sagen.


    Danke auch für deine Anmerkung zum Kursivdruck.

  • Noch mal zu belladonna :


    Antoine hat ein geradezu bipolares Wesen, und Emilia ist zwar deutlich harmloser als er (sie tut ja niemandem weh), aber auch sie hat diese zwei Seiten. Die beiden spiegeln sich gegenseitig, aber das wird ihnen später auch irgendwann zumindest unterbewusst klar. So etwas finde ich immer sehr spannend: Protagonisten, die sich anziehen, weil sie im Grunde das gleiche Wesen (oder zumindest gemeinsame Züge) haben und die sich gegenseitig bei der Weiterentwicklung helfen. Mir ist es in Liebesromanen immer wichtig, dass nicht der eine (meist männliche) Part der "Retter" oder Ritter in schimmernder Rüstung ist, sondern dass die beiden Charaktere sich gegenseitig "retten".

  • Hab ich da was überlesen? :gruebel Ich dachte, sie hat immer nur im stillen Kämmerlein mit ihrem Vater die Rollen geprobt. Hat sie tatsächlich auch Schultheater gespielt?

    Hat eine Weile gedauert, aber ich habs wiedergefunden. :) 6. Kapitel: Mutter tobte damals, sie sprach davon, dass ich mein Talent vergeude, dass mir ein Schicksal im Rampenlicht bestimmt sei mit meiner Fähigkeit und meiner Stimme. Aber Papa wusste es besser, er hat mich immer schon erkannt. Er beruhigte sie, erklärte ihr, dass ich zu scheu sei für die große Bühne, zu schüchtern, dass man mir mein Refugium zugestehen müsse. Wie recht er hatte!. Zwar zweifelte ich damals in einigen unsinnigen, kindischen Momenten daran und träumte davon, die Menschen mitzureißen, nicht nur im Verborgenen, sondern sichtmar meine Stimme vor ihnen zu erheben. Schließlich hatte ich es in der Schule ja auch schon getan.


    Im nächsten Abschnitt schreibt Emilia von ihrem Traum, doch auf der Bühne zu stehen. Für mich klingt es so, als wäre durchaus ein anderer Weg möglich gewesen, aber ihr Vater hat sie anscheinend zurechtgestutzt und nicht - wie es er meiner Meinung nach tun hätte sollen - ermutigt, es zumindest zu versuchen!

    "Jetzt gehe ich einfach los. Irgendwo werde ich schon ankommen, und sei es am Ende einer Sackgasse. Auch dort kann es ja so schön ein, dass man nicht umkehren mag." Meike Winnemuth, Bin im Garten, S. 312, Penguin Verlag 2019

  • Protagonisten, die sich anziehen, weil sie im Grunde das gleiche Wesen (oder zumindest gemeinsame Züge) haben und die sich gegenseitig bei der Weiterentwicklung helfen. Mir ist es in Liebesromanen immer wichtig, dass nicht der eine (meist männliche) Part der "Retter" oder Ritter in schimmernder Rüstung ist, sondern dass die beiden Charaktere sich gegenseitig "retten".


    Da bin ich aber sehr froh, dass zu lesen! :fingerhoch Gerade im ersten Teil hatte ich nämlich große Bedenken, dass das Buch genau in diese Richtung geht: unscheinbares, lebensuntüchtiges Wesen wird vom großen Star-Schauspieler entdeckt und entpuppt sich durch seine Hilfe als perfekte Traumfrau. Ich weiß, dass viele Bücher genau nach der Masche funktionieren, aber ich mag sowas echt nicht (mehr) lesen. Da kommt dann auch die Feministin in mir durch. :grin

    "Jetzt gehe ich einfach los. Irgendwo werde ich schon ankommen, und sei es am Ende einer Sackgasse. Auch dort kann es ja so schön ein, dass man nicht umkehren mag." Meike Winnemuth, Bin im Garten, S. 312, Penguin Verlag 2019


  • Da bin ich aber sehr froh, dass zu lesen! :fingerhoch Gerade im ersten Teil hatte ich nämlich große Bedenken, dass das Buch genau in diese Richtung geht: unscheinbares, lebensuntüchtiges Wesen wird vom großen Star-Schauspieler entdeckt und entpuppt sich durch seine Hilfe als perfekte Traumfrau. Ich weiß, dass viele Bücher genau nach der Masche funktionieren, aber ich mag sowas echt nicht (mehr) lesen. Da kommt dann auch die Feministin in mir durch. :grin

    Oh ja! Es ist auch beim Liebesroman manchmal sehr schwierig, sich da durchzusetzen. Es gelten zum Teil sehr strenge Genre-Regeln, aber ich glaube, insgesamt bewegt sich da so manches. Dafür kämpft zum Beispiel auch die "DELIA-Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren und -autorinnen". Natürlich hat jede Form des Liebesromans ihre Berechtigung, aber gerade die Romane mit starken Frauen dürfen und sollen ihren Platz haben, erobern und behalten.


    Ich mag Romane, in denen die Handelnden sich auf Augenhöhe begegnen, in denen sich niemand dem anderen gegenüber kleinmacht. Wenn die Entwicklung der Protagonisten genau darauf hinläuft, ist alles gut. Anderes geht gar nicht. Es gibt wirklich zu viel Mist da draußen, in dem die Frauen zum Weibchen runtergestuft werden. :-(