'Die Schwestern vom Ku'damm: Wunderbare Zeiten' - Seiten 361 - Ende

  • Nur mal zur Erbmasse: ein uneheliches Kind war 1958 NICHT mit dem Vater verwandt und hatte keinerlei Erbanspruch


    Seit 2011 unterscheidet das deutsche Recht (auch begrifflich) nicht mehr zwischen ehelichen und unehelichen Kindern. Die Begriffe „uneheliches Kind“ und „eheliches Kind“ kommen nur noch in Art. 6 Abs. 5 des Grundgesetzes (GG) vor, weil der Aufwand für eine Verfassungsänderung gescheut worden ist.

    Da die Begriffe „uneheliches Kind“ und „nicht eheliches Kind“ synonym sind und eine Unterscheidung (Diskriminierung) zu „eheliches Kind“ implizieren, wurde die Unterscheidung in eheliche und nichteheliche Kinder durch die Kindschaftsreform 1998 ganz abgeschafft. Der Untertitel (§§ 1615a–1615n BGB) über die Unterhaltspflicht im Bürgerlichen Gesetzbuch trägt seit 1. Juli 1998 die Überschrift „Besondere Vorschriften für das Kind und seine nicht miteinander verheirateten Eltern“. Die unterhaltsrechtlichen Unterschiede wurden im Rahmen dieser Reform abgeschafft, seither können diese Kinder auch einer Erbengemeinschaft angehören. Das Jugendamt wird seit 1998 nur noch im Rahmen der freiwilligen Beistandschaft in Vaterschafts- und Unterhaltssachen tätig. Alte Amtspflegschaften wurden 1998 gesetzlich von Amts wegen in Beistandschaften umgewandelt („Altfälle“). Ferner heißt es zur Vermeidung der Begriffe unehelich und nicht ehelich im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) u. a. in § 1791c Abs. 1 nunmehr: Mit der Geburt eines Kindes, „dessen Eltern nicht miteinander verheiratet sind […]“.

    In allen anderen Bundesgesetzen hatte der Gesetzgeber durch das Nichtehelichengesetz zum 1. Juli 1970 den Wortlaut auf nichteheliche Kinder abgeändert. Seither stand das nichteheliche Kind unter der elterlichen Sorge der Mutter, zuvor war das Jugendamt stets Amtsvormund gewesen. In der Zeit vom 1. Juli 1970 bis 30. Juni 1998 war allerdings der Mutter weiterhin das Jugendamt als Amtspfleger zur Seite gestellt worden, das obligatorisch für Fragen der Vaterschaftsanerkennung oder Vaterschaftsfeststellung, Unterhalt, Namensrecht und Erbrecht des Kindes zuständig war (§§ 1706 ff. BGB in der Fassung bis 30. Juni 1998).

    Im deutschen Recht gilt ein Kind als außerehelich, das von einer ledigen Mutter oder einer Frau geboren ist, deren Ehe durch Tod des Ehegatten seit mehr als 300 Tagen oder durch am Tage der Geburt rechtskräftiges Scheidungsurteil aufgelöst ist (Rechtslage seit 1. Juli 1998). Außerehelich ist ein Kind außerdem, wenn seine Vaterschaft mit Erfolg durch ein Vaterschaftsgutachten angefochten worden ist.

  • Liebe Gucci,

    Oskar kommt einfach nicht mehr an in der bunten Glitzerwelt der 50er Jahre. Für mich eine der wichtigsten Figuren, und, wie ich finde, sehr stringent in beiden Bänden erzählt ... ich habe hier schon mehrfach über die Männer nach 1945 geschrieben; ein Film wie "Unsere Mütter, unsere Väter" leistet Ähnliches ...

    Nein, sie konnten nicht "einfach so" wieder ins "normale" Leben - selbst, wenn sie es nach außen vielleicht getan haben: eine ganze Genertation war ausgelöscht, verwundet, unter Drogen gesetzt (Pervitin im Marschgepäck des deutschenh Infantristen) entseelt ... manche konnten erst kurz vor dem Tod darüber sprechen, andere haben es mit Schlafentzug, Krebs und anderen Krankheiten bezahlt. Der deutsche Soldat waren über viele Strecken kein ehrenhafter Kumpel, sondern hat/musste Entsetzliches tun - das hat Folgen. Manche dieser Männer waren stark genug, trotzdem weiterzuleben - Oskar Thalheim war es nicht.

  • Liebe Brigitte, in einem LR-Abschnitt erwähntest Du ja auch, dass Du mit Oskar eine Person einbringst, die es nicht schafft. Für mich blieb unausgesprochen, "nicht schafft glücklich zu werden/ einen gradlinigen sauberen Weg zu gehen/ die Kriegserlebnisse in eine Ecke zu stellen und sich mit dem Leben zu arrangieren etc.".


    Ich hatte nicht bedacht, dass Oskar stirbt und wir Oskar noch in dem Band, in dem wir ihn überhaupt als Anwesenden erleben, gleich wieder verlieren könnten. Für mich war er eine gesetzte Person für den dritten Band um Flori, in dem wir noch mehr von ihm erfahren.


    Nun hast Du uns ja auch noch angedeutet, dass wir im April noch einen anderen Blickwinkel auf den Unfall zu lesen bekommen, Es ist doch Empathie, wenn wir um ihn trauern, umso mehr er für uns vorerst als Unfalltoter gilt durch Fremdverschulden.


    Als Autorin sollst Du uns auch überraschen und ich denke, dass was Du Dir für Oskar an Weg ausgedacht hast, verdeutlicht richtig, wie es vielen jungen Männern nach dem Kriegseinsatz ging.




    Krieg verändert, vielleicht auch eine (Teil-)Erklärung für: Ich persönlich verstehe ja auch nicht, dass die Mutter meines Vaters bei der Flucht tough, kreativ und selbstständig war und danach fast 50 Jahre teilnahmslos, nicht aktiv, vieles ablehnend und bremsend, den Tag abwartend, galt. Ihre nur 22 Jahre älteren Eltern hatten mehr Esprit und Lebensfreude und konnten sich an den Möglichkeiten/ Verbesserungen auch erfreuen.

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

  • das erzählen viele andere auch. Dieser verdammte Zweite Weltkrieg mit seinen insgesamt 70 Millionen Toten hat schwere Schneisen in viele Völker und natürlich auch Familien geschlagen, an denen auch wir, die Nachkommen, noch heute zu kauen haben. Es gab doch auch schon vorher Krieg, könnte man sagen. Aber noch keinen Vernichtungskrieg dieses Ausmaßes, in dem teilweise jede menschliche Regel außer Kraft gesetzt war. Ganze Volks- und Religionsgruppen als "Untermenschen" zu erklären, hat eine Dimension, die kaum zu verkraften ist. Oskar, der im Osten war, kämpft gegen diese innen Dämonen - im Alptraum und im Rausch der Geschwindigkeit. Die Liebe zu Franzi ist ein verzweifelter Versuch, sich doch ans Leben zu klammern.

    Leider scheitert er dabei ...

  • Nun ist es vorbei. Es schien auf ein positives Ende hin zu laufen, aber dann die Nachricht von Oskars Tod. Zwischendurch hatte ich schon erwartet, dass er am Romanende gestorben wäre, gerade nach dem Fiasko mit Franzi, die ihm vorher so viel Halt gegeben hatte. Insgesamt überwiegen aber die guten Nachrichten. Miri ist mit Mann und Adoptivkind glücklich, welches sie durch sein Anderssein fasziniert hat. Eine wundervolle Idee. Carls rastlose Suche ist erfolgreich, Silvie ist ihrem Max verfallen und auch Flori meldet sich. Dann sind ein paar Verwandtschaftsbeziehungen anders als bisher gedacht. Was ich bisher nicht wusste war die Ausnutzung der vorwiegend weiblichen Arbeitskräfte aus Ostberlin. Überhaupt habe ich viel über die Berliner Geschichte erfahren, die mich bisher nicht fesseln konnte.

    In dem Roman gibt es so viele starke Frauenfiguren, aber die Prägung auf Mann, Haus und Kind gewinnt dann doch meist die Oberhand. Rike, Miri und Silvie glänzen in ihren Berufen, aber mit ihren Kindern scheinen sie ihre Berufung gefunden zu haben. Immerhin kehren sie schnell in ihre beruflichen Rollen zurück. Ob es Florentine ähnlich ergehen wird?

    :Hörbuch Bernard Cornwell - Der Erzfeind

    :Hörbuch Tanja Kinkel - Manduchai - Die letzte Kriegerkönigin

    :lesend Shari Lapena - Der zehnte Gast

    :lesend Matthias Lisse - Die geteilten Jahre

    :lesend Hakan Nesser - Der Verein der Linkshänder

  • Nachdem Oskar schon sehr viel überstanden hatte, kam der Verkehrsunfall dann aber doch überraschend. Für mein Empfinden hätte Silvie vielleicht noch intensiver auf ihn zugehen können und stärker an die frühere Vertrautheit appellieren können. Selbst hatte sie aber auch ähnliche Schicksalsschläge zu verkraften und ihre Kraft ist ja auch nicht unendlich.


    Sehr gut haben mir die vielen erwähnten politischen und gesellschaftlichen Details der Nachkriegszeit gefallen. Den dritten Teil werde ich auch wieder gerne lesen.

  • das erzählen viele andere auch. Dieser verdammte Zweite Weltkrieg mit seinen insgesamt 70 Millionen Toten hat schwere Schneisen in viele Völker und natürlich auch Familien geschlagen, an denen auch wir, die Nachkommen, noch heute zu kauen haben. Es gab doch auch schon vorher Krieg, könnte man sagen. Aber noch keinen Vernichtungskrieg dieses Ausmaßes, in dem teilweise jede menschliche Regel außer Kraft gesetzt war. Ganze Volks- und Religionsgruppen als "Untermenschen" zu erklären, hat eine Dimension, die kaum zu verkraften ist. Oskar, der im Osten war, kämpft gegen diese innen Dämonen - im Alptraum und im Rausch der Geschwindigkeit. Die Liebe zu Franzi ist ein verzweifelter Versuch, sich doch ans Leben zu klammern.

    Leider scheitert er dabei ...

    Nun ist es vorbei. Es schien auf ein positives Ende hin zu laufen, aber dann die Nachricht von Oskars Tod. Zwischendurch hatte ich schon erwartet, dass er am Romanende gestorben wäre, gerade nach dem Fiasko mit Franzi, die ihm vorher so viel Halt gegeben hatte. Insgesamt überwiegen aber die guten Nachrichten. Miri ist mit Mann und Adoptivkind glücklich, welches sie durch sein Anderssein fasziniert hat. Eine wundervolle Idee. Carls rastlose Suche ist erfolgreich, Silvie ist ihrem Max verfallen und auch Flori meldet sich. Dann sind ein paar Verwandtschaftsbeziehungen anders als bisher gedacht. Was ich bisher nicht wusste war die Ausnutzung der vorwiegend weiblichen Arbeitskräfte aus Ostberlin. Überhaupt habe ich viel über die Berliner Geschichte erfahren, die mich bisher nicht fesseln konnte.

    In dem Roman gibt es so viele starke Frauenfiguren, aber die Prägung auf Mann, Haus und Kind gewinnt dann doch meist die Oberhand. Rike, Miri und Silvie glänzen in ihren Berufen, aber mit ihren Kindern scheinen sie ihre Berufung gefunden zu haben. Immerhin kehren sie schnell in ihre beruflichen Rollen zurück. Ob es Florentine ähnlich ergehen wird?

    Verheiratet zu sein und eine Familie zu haben, war der "stärkste Ruf" für Frauen in den 50er Jahren. Klar, sollte ja auch Platz gemacht werden für all die Männer, die wieder ins Arbeitsleben eingegliedert werden mussten. Vergiss nicht, dass sowohl Rike, als auch Silvie als Kinder ihre Mutter verloren haben - vielelicht sind die eigenen Familien auch ein Stück versuchter Heilung dieses alten Schmerzes ...

  • Zu Silvie und Oskar: Ich finde, sie hat wirklich alles versucht, aber irgendwann kam sie einfach nicht mehr zu ihrem Bruder durch ... Oskar hatte sich aufgegeben ... und eingemauert ...

    Ja. so habe ich das auch empfunden. Sie hat es ja wirklich oft versucht. Er hat sich ihren Versuchen aber einfach durch Abwesenheit entzogen.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • Ich habe nun das Buch auch beendet und ja auch mir hat es sehr gefallen. Auf den dritten Teil im Frühjahr freue mich mich schon.

    Es ist wie ihr beschrieben habt sehr viel passiert. Bei Oskar muss ich gestehen, habe ich immer ein schlechtes Gefühl gehabt und ehrlich gesagt glaube ich nicht an einen "Unfall" denn er hat sich definitv mit den falschen Leuten eingelassen.

    Silivie findet aber alles in Allem ihr Glück und kann den Satz "Kein Mann, kein Kind, kein Haus" ad acta legen.

    Ich bin vor allen Dingen sehr gespannt was die neuen Familienverhältnisse im dritten Teil bringen werden.

  • Zu Silvie und Oskar: Ich finde, sie hat wirklich alles versucht, aber irgendwann kam sie einfach nicht mehr zu ihrem Bruder durch ... Oskar hatte sich aufgegeben ... und eingemauert ...

    Es ist von mir auch nur eine Überlegung, was eventuell geholfen haben könnte. Und da fällt mir Silvie als Zwillingsschwester nunmal als erste ein.


    Ich habe da beispielsweise noch eine Szene in Erinnerung, dass sie Oskar liebevoll anguckte und dachte, dass sie ihn deswegen liebt. Beim Lesen dieses Satzes hatte ich mich schon gefragt, warum sie es ihm dann nicht auch direkt und deutlich sagt? Das hätte ihm vielleicht etwas helfen können. Von den ursprünglich mal zwei verwandten Seelen habe ich später im Buch leider nichts mehr gespürt.