Beiträge von Brigitte Riebe

    meine Lieben, jetzt tut sich hier nichts mehr. Frage an euch: Ist für euch die Runde beendet - oder habe ich irgendetwas verpasst?

    Ich pendle im Moment ständig zwischen Kankenhaus (meiner Mama geht es leider gar nicht gut) und Schreibtisch hin und her: Sind alles andere als leichte Wochen. Da kann man leider schon mal was übersehen ...

    Gebt ihr bitte kurz Bescheid?

    Herzlich und danke

    Eure Brigitte

    danke für diesen Beitrag! Welche Erzählform man für welches Thema wählt, will von Anfang an gut überlegt sein. Zwischendrin zu wechseln, wird nämlich eher schwierig. Ich fand es für Evas Erzählung so am angemessensten. Deshalb habe ich auch die Sprache eher zurückhaltend gewählt - ich hätte in manchen Szenen noch wesentlich drastischer werden können (wäre mir nicht schwergefallen), aber ich dachte, das Erzählte spricht für sich - und reicht auch so ...

    Ich setze mich sehr ernsthaft mit euren Argumenten auseinander, das tue ich für diese Runde ebenso wie in den vielen anderen, die ich schon erfolgreich begleitet habe. Ich schreibe lediglich auf, was ich mir dabei gedacht habe und nehme auf, was von jeder der Teilnehmerinnen kommt. Nach fast 50 veröffentlichen Romanen werde ich von niemanden mehr "gedrängt". Alles, was ich tue und wo ich mitmache, entspringt meinem ganz persönlichen Willen.

    Na ja, so lange halten sie nicht an, finde ich. Es sind halt alte, verkrustete Strukuren, wie sie in Familien schon mal vorkommen könnnen. Jeder hat seine Meinung, und auf der beharrt er auch. Kennst du das nicht? Habe ich in "echt" in so vielen Familien gesehen ....

    und schließlich gibt es ja auch noch reichlich anderes Personal in der Gegegnwart: Fabio, seine Schwester, Brian, den Maler ... die "zicken" alle kein bisschen ...

    Ich selbst mag den Ausdruck "zicken" so gar nicht und halte ihn für einen entbehrbaren Begriff. Was ich beschrieben habe, sind Kränkungen, Missverständnisse, Vorurteile, weil eben nicht die Wahrheit gesagt wurde, sondern auf den anderen beleidigt und gekränkt reagiert wurde, ohne den wirklichen Beweggründen nachzugehen. Dazu gehören Sätze wie:"Du hast doch immer ..." "Du machst doch nie ...", die jede echtre Kommunikation verhindern. Inwievielen Familien sind diese an der Tagesordnung!


    schade, dass du das so siehst! Viele, sehr viele Leser sind sehr gern in die Gegenwartsgeschichte abgetaucht und fanden sie richtig "erholsam", um zwischen den Schrecken der Vefgangenheit mal Luft zu holen ...

    Vogel habe ich 1:1 erzählt. Meine bildschöne junge Mama hat diese Zeit in Werdau selbst erlebt (mit dem Unterschied, dass sie den Fabrikherrn total abgewehrt hat und natürlich keinen Schnaps brannen konnte). Aber sie hat sich diesen Wort in ein kleines Büchlein notiert - es waren nur seine Wunschträume, und er hieß in "echt" nicht Vogel, sondern Specht ...


    und zu Lenis Ekel. manchmal bringt ein neues (unangenehmes) Erelebnis ein altes wieder hervor. Du wirst mir nachsehen, dass ich das mit den Toiletten nicht unnötig ausgewalzt habe :)

    das kann ich gut verstehen. Die Ich-Perspektive hat den Vorteil, dass alles noch authentischer wirkt, und ich bediene mich in anderen Formaten sehr gern dieses Stilmittels. Sie besitzt aber auch entscheidende Nachteile: Sobald das "Ich" aus dem Raum ist, weiß auch der Leser nicht mehr, was dann passiert. Er kommt und geht gwissermaßen mit dem "Ich". Das war mir angesichts der Schwere und Komplexität dieses Themas einfach zu wenig. Deshalb habe ich Evas Geschichte auktorial (Begriff aus der Germanstik: der allwissende Erzähler) geschrieben.

    Ich hab es so gesehen, dass Julika mit der Kränkung ihres Karrieknicks zurechtkommen musste ... aber als es wirklich ernst wird, ist sie wieder da...

    Ja, Eva liebt ihre Mutter sehr, und sie würde sehr viel f. sie tun, erst recht, nachdem sie das Papa Fritz versprochen hatte, als der eingezogen wurde ...

    Julika tut sich schwer, sehr schwer mit dieser "neuen" Zeit. Natürlich ist ihr Trinken eine Flucht. Und die Mutter, die das Macht, ist eine große Belastung f. Eva - und auch für Fritz, den angesehenen Apotheker ... aber nicht alle waren eben stark. Das wollte ich an ihrem Beispiel erzählen ...

    das ist ja spannend, was du da erzählst ... ist übrigens in vielen Familien nach der Lektüre meines Romans passiert, und es macht mich sehr froh ... wie kostbar sind diese Erzählungen von Zeitzeugen, denn bald werden wir sie nicht mehr haben!

    Heute ist Lidice eine Gedenkstätte mit einem sehr schönen Rosengarten ... wenn ihr mögt, googelt es doch einmal ... die Bilder sind eindrucksvoll ...

    sehr kluge, fast schon hellsichtige Bemerkungen ... ich sag jetzt nichts weiter dazu, freue mich aber ...


    Noch ein Wort zu Eva: die alte Eva war lebensklug und weise, die junge Eva nimmt eine Entwicklung von einer verwöhnten Apothekertochter, für die Papa vieles richtet, zu jemanden, die erst den Liebsten, dann das Ungeborene verliert und die schließlich die Verantwotung für ein kleines Kind zu tragen hat ... alles in wenigen Jahren ... da hinkt die innere Entwicklung vielleicht manchmal ein bisschen hinterher ...

    Und haben wir nicht alle bei den Erzählungen unserer Vorfahren nicht manchmal gedacht: "Na ja, vielleicht warst du auch nicht immer ganz so perfekt/mutig/sicher, als du jung warst?"

    Also, ich schon ...

    Astralweiße Heldinnen/Helden sind doch eigentlich ziemlich langweilig ... ;)