Drakon - Tod unter Segeln - H. Dieter Neumann

  • Kurzbeschreibung (Quelle: amazon.de)

    Ein fesselnder Thriller aus der verborgenen Welt der Geheimdienste – beklemmend aktuell


    Malte Janssen überführt die luxuriöse Segelyacht des Oligarchen Timur Krylow, die auf seiner Bootswerft gebaut wurde, von der deutschen Ostseeküste nach Sankt Petersburg. Doch der Törn, der Malte helfen sollte, über den kürzlichen Tod seiner Frau hinwegzukommen, wird zum Albtraum: In den Hoheitsgewässern der Russischen Föderation entern schwer bewaffnete Piraten das Schiff, rauben die Besatzung aus und töten Maltes besten Freund. Die russischen Behörden starten eine aufwändige Untersuchung des Vorfalls, die aber im Sande verläuft. Auf sich allein gestellt, geht Malte selbst auf die Suche nach der Wahrheit und beginnt, brisante Fragen zu stellen. Dadurch gerät er nicht nur ins Fadenkreuz einer skrupellosen Verbrecherorganisation, sondern unversehens auch ins Visier mächtiger Geheimdienste …


    Autor (Quelle: amazon.de)

    H. Dieter Neumann, Jahrgang 1949, war Offizier in der Luftwaffe der Bundeswehr. Nach seinem Ausscheiden als Oberstleutnant d. R. wurde der Diplom-Finanzökonom (BI) Vertriebsleiter und Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens und schließlich Vorstand einer Dienstleistungsgenossenschaft. Danach erfüllte er sich seinen Lebenstraum, indem er einige Semester Neuere Deutsche Literatur studierte und sich ganz aufs Schreiben verlegte. Neumann hat sich der Spannungsliteratur verschrieben. Neben seinen Thrillern und Kriminalromanen hat er jedoch auch vier Sachbücher über Redewendungen veröffentlicht. Im Jahr 2018 wurde er mit dem Jurypreis des NordMordAward ausgezeichnet. Als passionierter Segler ist Neumann oft und gern auf dem Wasser. Er ist verheiratet, hat zwei erwachsende Töchter und lebt in der Nähe von Flensburg auf dem Land.


    Meine Meinung

    Wer gute, spannende und unblutige Unterhaltung schätzt, ist mit einem Spannungsroman von H. Dieter Neumann wirklich gut beraten. Auch wenn der Klappentext ein klein wenig mehr Action verspricht – die braucht es nicht! Die Geschichte hat eine ihr innewohnende Spannung, welche durch die ruhige Erzählweise eine ganz eigene Dynamik entwickelt. Verfolgungsjagden, seitenlange Schusswechsel, körperliche Grausamkeiten? Fehlanzeige! Hier haben eher zwischenmenschliche Töne ihre große Bühne.


    Der Roman lebt von seinen Figuren. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem ungleichen Brüderpaar Malte und Felix Janssen, die, auf verschiedene Weise, in die Geschehnisse rund um die Überführung der Weißen Möwe eingebunden sind. Ihr Geschäftspartner oder vielleicht auch Gegenspieler ist Timur Krylow, der nicht nur über jede Menge Geld verfügt, sondern auch über ebenso großen Einfluss in der Welt der russischen Oberschicht.


    Es bleibt bis zuletzt unklar, wer der eigentliche Drahtzieher in dem ganzen „Katz und Maus“-Spiel ist. Und genau das macht den Reiz dieses Romans aus. Glaubt man, an einer Lösung schon dicht dran zu sein, wird der eigene Lösungsansatz einige Seiten weiter schon wieder zerschlagen. Der Roman ist gut durchdacht geschrieben, ich habe für mich keine Ungereimtheiten feststellen können. Spannend bleibt es bis zum Schluss, der ganz anders als erwartet, aber ebenso in sich stimmig ist. Und auch wenn die Auflösung eher vage ist und dem Leser viel Interpretationsspielraum lässt: Es war sehr angenehm, einen Abschluss ohne bluttriefendes Spektakel lesen zu dürfen.


    Die Welt der Geheimdienste ist und bleibt undurchsichtig. H. Dieter Neumann schafft es dennoch, den Leser galant durch dieses Dickicht an halbseidenen Informationen zu führen, ohne allzu viele Fragen offenzulassen. Sein unaufgeregter Schreibstil setzt Spannungspunkte an den richtigen Stellen, so dass es absolut schwerfällt, das Buch überhaupt aus der Hand zu legen. Und auch die eingestreuten Fachbegriffe zum Thema Segeln und Bootsbau sind passend in die Handlung eingebunden, ohne den fachunkundigen Leser zu langweilen.


    Ein Leser, der gute Krimiunterhaltung sucht, deren Spannung tatsächlich aus der Handlung heraus und nicht aus der Aneinanderreihung von Gewaltszenen entsteht, der sollte hier einfach blind zugreifen. 8 Eulenpunkte.


    ASIN/ISBN: 3492503969

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  • hier mein Kommentar zu der Leserunde.


    Malte, Besitzer der Werft Jansen + Söhne Yachtbau soll für den russischen Oligarchen Timur Stepanowith Krylow eine Luxusyacht bauen. Felix, Maltes Bruder, ein sehr intelligenter Mensch, ist zum Leidwesen des verstorbenen Vaters nicht in den Familien Betrieb eingestiegen, sondern hat seinen Doktor in Physik Informatik gemacht und arbeitet in einer Firma, welche eng mit der deutschen Regierung bezüglich Rüstungsfragen zusammenarbeitet. Felix hat ein Geheimnis, ihm wird eine Falle gestellt und somit bleibt ihm nichts übrig, als Landesverrat zu begehen und geheime Informationen bezüglich eines weiterentwickelten Radars zu stehlen. Malte derweil soll die Luxusyacht für seinen Kunden bei Fertigstellung nach St. Petersburg überführen, um sie dort dem neuen Besitzer zu überreichen. Er denkt sich nichts Böses dabei als er seinem Bruder einen Tag vor Beginn der Überführung stolz das Schiff zeigen kann. Der wiederum nutzt die Gelegenheit und versteckt etwas auf dem Boot. Malte und seine Crew, zu der auch Karsten, Maltes bester Freund gehört, machen sie sich auf den Weg und werden auf der Überfahrt von Piraten überfallen. Karsten stirbt, ein weiteres Crewmitglied wird schwer verletzt und Malte muss sich von nun an mit den russischen Behörden rumschlagen, die aber nach Maltes Meinung nicht richtig ermitteln.


    H. Dieter Neumann hat mit diesem Roman das Thema Spionage in eine gute schlüssige Story verpackt. Sie ist spannend dargestellt, kommt aber dennoch ohne Effekthascherei oder übertriebene Darstellung aus. Er verzichtet auf ausschweifende Beschreibungen blutiger Szenen und schafft es auch mit nur wenigen Sätzen alles rund um das segeln einer Landratte wie mir zu vermitteln.

    Obwohl es sich hier um einen Spannungsroman (Spionageroman) handelt, ist mir doch deutlich das Thema Trauer, und wie jeder mit seiner eigenen Trauer umgeht, aufgefallen. Es gibt zum Beispiel den Rationalen, der nach außen kalt und gefühllos erscheint weil er erst mal alles im Griff hat, und den wütenden der alles und jedem die Schuld gibt und seine Wut jedem gegenüber auslässt. Insgesamt war die Handlung des Romans sehr schlüssig und auch aktuell, denn ich glaube Spionage begegnet uns häufiger als uns auf den ersten Blick auffällt.

    Die Charaktere in der Geschichte wurden gut vermittelt und ich konnte diesen gut folgen. Der Roman ist spannend geschrieben und ich wurde für ein paar Lesestunden gut unterhalten.

  • Danke für deine ausführlichen Leseeindrücke, liebe Sabsi74! Besonders freut mich, dass dir mein Versuch aufgefallen ist, die je nach Persönlichkeit und Charakter unterschiedlichen Arten, mit dem Verlust eines geliebten Menschen umzugehen, beiläufig in die Rahmenhandlung einzuflechten. Schön, dass du bei dieser Runde dabei warst!

  • Bisher kannte ich nur einen Teil der Helene-Christ-Romane von H. Dieter Neumann. Eigentlich sind Polit-Thriller nicht so mein Genre, aber nach der Lektüre habe ich bemerkt, dass ich mich da wohl geirrt habe.


    Malte Jansen erlebt während der Überführung einer Luxusyacht nach Russland Schreckliches: Die Yacht wird überfallen und während dieses Übefalls wird sein bester Freund, der bei dieser Reise mit an Bord war, erschossen. Anfangs glaubt Malte, dass all dies Zufall ist und sie von Piraten überfallen wurden. Aber dann passieren Dinge, die Malte nicht mehr an einen Zufall glauben lassen.


    Da es sich um einen Spannungsroman und nicht um einen Thriller handelt, ist der Inhalt nicht blutrünstig beschrieben. Der Fokus lag hier ganz klar auf der Erzählung der Geschichte und nicht auf Effekthascherei. Das passt in meinen Augen sowohl zu der Story als auch zu den anderen Büchern, die ich von dem Autor bereits kenne. Ich dachte ja, dass mir all die Zusammenhänge, gerade was poltische bzw. wirtschaftliche Verstrickungen angeht, irgendwann langweilig werden würden oder dass ich nicht mehr durchblicke ab einem bestimmten Zeitpunkt. Dies war aber nicht so. Das Buch ist für Leute wie mich, die sich kaum mit den Vorgängen in der Wirtschaft befassen, sehr verständlich geschrieben.


    Ich mag einfach, wie der Autor über seine Figuren erzählt, nicht nur hier, sondern auch in der Helene-Christ-Reihe. Er scheint sie allesamt in sein Herz geschlossen zu haben, zumindest diejenigen, die nicht kriminell sind. Das sind für mich die besten Voraussetzungen für ein großartiges Lesevergnügen.


    „Tod unter Segeln“ kann ich euch uneingeschränkt empfehlen. Vor allem, wenn ihr schon mal etwas von der Helene-Christ-Reihe gelesen habt. Falls ihr dies nicht getan habt, lest einfach beides ;-) Ich habe jetzt auch wieder richtig Lust bekommen, die Reihe weiter zu lesen und werde dies in naher Zukunft auch sicher tun. Mittlerweile gibt es sechs Teile.

  • Nachdem ich alle seine Regionalkrimis nur so verschlungen habe, war ich sehr gespannt auf meinen ersten Spannungsroman von H. Dieter Neumann. Und auch hier wurde ich nicht enttäuscht.


    Ein Spionageroman ohne große Action und ohne großes Blutvergießen. Dieser Roman lebt von seinen Spannungselementen und den vielen interessanten und vielschichtigen Charakteren.


    Die Brüder Malte und Felix. Brüder, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Charakterlich und beruflich. Beide verwoben in einer Geschichte um den Bau und der Überführung eines Segelschiffs zu einem reichen Oligarchen Russlands.


    Ich weiß, was für ein Segelfan der Autor ist und mir gefallen die Beschreibungen des Schiffes und der Segelei, die für mich als Landratte gut erklärt sind, nicht zu überladen sind und mich nicht überfordern.


    Wirtschaftsspionage. Verschiedene Mächte, Geheimdienste auf der Suche nach einer neuen Erfindung im Bereich der Rüstung. Wer ist schneller. Wer lässt sich was einfallen um hinter die Geheimnisse der anderen zu kommen. Spannend. Aufschlussreich. Undurchsichtig. Bis zum Schluss bleibt unklar, wer der Auftraggeber ist. Gut durchdacht. Spannung von der ersten bis zur letzten Seite. Ein Schluss, für mich anders als gedacht. Ein Schluss, der doch schlüssig ist und zum Nachdenken anregt.


    Ein großartiges Buch, dasss ich wirklich weiterempfehlen kann.

    :lesend Jane Gordon-Cumming - Schöne Bescherung

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    Hörbuch: Julie Caplin - Das kleine Café in Kopenhagen

    Hörbuch: Alexandra Zöbeli - Ein Bett in Cornwall

    SuB: 296

  • Na, wenn das nicht ein Resümee ist, welches sich jeder Schreiberling nur wünschen kann! :anbet


    Danke dir herzlich, liebe Nadine, für diese Buchbesprechung! Gerade weil du dich anfänglich "geziert" hast, mal wieder sowas zu lesen, gefällt mir sehr, dass du es offenbar nicht bereut hast. Ich freu mich riesig darüber! :knuddel

  • das war aber ein ganz dezenter Lattenzaun der da auf uns nieder geprasselt ist :lache (leichte Beschreibung für >Wink mit dem Zaunpfahl<)


    Hab für dich mal den Account von meinem Mann "missbraucht" ... ich selbst habe nämlich gar keinen.;) Amazon sagt kann ein paar Tage dauern.

  • das war aber ein ganz dezenter Lattenzaun der da auf uns nieder geprasselt ist :lache (leichte Beschreibung für >Wink mit dem Zaunpfahl<)

    Danke, liebe Sabsi74!

    Du hast völlig recht mit deinem "Zaunpfahl". :chen

    Leider ist es aber nun mal so, dass die Anzahl positiver Leserrezensionen auf Amazon durchaus bedeutsam sein kann für die Entscheidung, ein Produkt (also in diesem Falle ein Buch) zu erwerben - und zwar auch für die Leute, die sich erst einmal informieren wollen und dann, was ja sowieso viel besser ist, ihre Bücher lieber im örtlichen Buchhandel kaufen. Man mag bedauern, dass Amazon mittlerweile auch auf diese Weise einen viel zu großen Einfluss auf den Buchmarkt gewonnen hat, aber man kann die Augen nicht vor dieser Tatsache verschließen.

    Selbstverständlich geht es mir immer und ausschließlich um ehrliche Leseeindrücke. Gefälligkeitsrezis finde ich ekelhaft. Aber da habe ich bei dir keine Bedenken, wenn ich lese, was du oben zum Buch geschrieben hast.


    Jedenfalls Dank für deine Mühe! :wave

  • Endlich gibt es einen - von mir so lange erwarteten - weiteren Politthriller/Spannungsroman von Dieter Neumann.

    Ich war ja vor Jahren so begeistert von seinen beiden Büchern - Die Narben der Hölle & Das Erbe der Wölfin, daß ich immer gehofft habe, es gibt weitere Politthriller von ihm.


    Nicht, daß ich die Helene Christ Reihe nicht mögen würde, im Gegenteil, ich verschlinge jeden neuen Band - trotzdem wollte ich eben unbedingt ein weiteres Buch von Dieter lesen, das an die beiden Erstlinge anknüpft, bzw. in der Art eines Thrillers ist. Ich bin halt ein Thrillerfan, im besonderen mag ich Spionage & Politthriller.



    Und, das Warten hat sich gelohnt. Für Kenner der ersten beiden Bücher, die zwar nichts mit diesem hier gemein haben, gibt es ein besonderes Schmankerl, das sich eben doch auf darauf bezieht.

    Klingt verwirrend? Ist es aber nicht, wie Ihr sehen werdet, wenn Ihr es lest. :grin


    Inhaltlich ist ja bereits alles gesagt, die beiden so ungleichen Brüder Malte & Felix spielen eine große Rolle im Kampf um einen Piratenüberfall, Spionage und Geheimdienste.


    Das Besondere machen zusätzlich zum Inhalt, die Charakterzeichnungen der Protagonisten aus - auch die Nebencharaktere sind sehr gut herausgearbeitet und zeigen ein interessantes Eigenleben, die Beziehungen zwischen den Figuren und vor allem der Schreibstil.


    Ich hoffe jetzt mal sehr, daß es nicht der letzte Politthriller ist, sondern daß noch einige folgen werden.

    Neben Helene natürlich - versteht sich.


    Ich kann das Buch sehr empfehlen für Krimi/Thrillerfans der leiseren Töne, die mit Worten viel mehr auszudrücken vermögen, als jede blutige Gewalt es könnte.



    Fazit

    Ein Spannungsroman, der hält, was er verspricht - spannende und wendenreiche Spionagehandlung, interessante Charakteren, die sehr lebensecht gezeichnet sind und einem wunderbaren flüssigen Schreibstil, der das unterbrechen zwischendurch sehr schwer macht.

    Ich kann es nur empfehlen.




    P.S.

    Amazon ist bei mir ja nicht, da die verlangen, daß man dort nur noch rezensieren darf, wenn man dort für eine Mindestsumme kauft.

    Und das werde ich garantiert nicht tun, da ich dann doch lieber meinem Lieblingsbuchhändler die Treue halte.

    Der bekommt dann dafür die Rezi, das kennen sie dort schon von mir, genauso wie ich sie immer nerve, die Bücher, die ich dort bestelle auch für den Laden anzuschaffen. :grin

  • Ein Spannungsroman der leisen Töne


    Buchmeinung zu H. Dieter Neumann – Drakon – Tod unter Segeln


    „Drakon – Tod unter Segeln“ ist ein Spannungsroman von H. Dieter Neumann, der 2020 bei Piper erschienen ist.


    Zum Autor:

    Heinrich Dieter Neumann war zunächst Offizier in der Luftwaffe der Bundeswehr. Nach seinem Ausscheiden als Oberstleutnant d. R. arbeitete der Diplom-Finanzökonom als Vertriebsleiter und Geschäftsführer in der Versicherungswirtschaft, bevor er sich - nach vielen Schreibseminaren und begleitet von einem Studium der Neueren Deutschen Literatur - ganz aufs Schreiben verlegte.


    Klappentext:

    Malte Janssen überführt die luxuriöse Segelyacht des Oligarchen Timur Krylow, die auf seiner Bootswerft gebaut wurde, von der deutschen Ostseeküste nach Sankt Petersburg. Doch der Törn, der Malte helfen sollte, über den kürzlichen Tod seiner Frau hinwegzukommen, wird zum Albtraum: In den Hoheitsgewässern der Russischen Föderation entern schwer bewaffnete Piraten das Schiff, rauben die Besatzung aus und töten Maltes besten Freund. Die russischen Behörden starten eine aufwändige Untersuchung des Vorfalls, die aber im Sande verläuft. Auf sich allein gestellt, geht Malte selbst auf die Suche nach der Wahrheit und beginnt, brisante Fragen zu stellen. Dadurch gerät er nicht nur ins Fadenkreuz einer skrupellosen Verbrecherorganisation, sondern unversehens auch ins Visier mächtiger Geheimdienste …


    Meine Meinung:

    Der Klappentext führt in die Irre, denn Malte ist kein Geheimagent und versucht es auch nicht zu sein. Er ist ein Mensch, der den Tod seiner Frau auch nach Jahren nicht verkraftet hat und sich zum Ausgleich in die Arbeit als Boothersteller gestürzt hat. Es fehlen viele handelsübliche Elemente und doch gelingt es dem Autor reichlich Spannung zu erzeugen. Gewaltszenen sind selten und Actionszenen noch seltener. Vieles wird nicht direkt erzählt sondern als Information in einem Gespräch weitergereicht. Es gibt Verrat und Spionage, aber auch hier gibt es Überraschungen, weil nicht nur staatliche Organisationen beteiligt sind. Der Schreibstil ist angenehm kühl und klar. Die Geschichte ist verzwickt und birgt manche Überraschung, auch wenn eine Richtung früh erkennbar ist. Die Figuren sind meist nur grob skizziert, auch weil es keine eindeutige Hauptfigur gibt. Das Ganze wirkt realistisch und hinterlässt ein unangenehmes Gefühl beim Leser. Als Sympathieträger erweist sich ein älterer Agent, der ruhig und unaufgeregt Informationen sammelt und auswertet. Er hat überhaupt nichts mit der Figur eines James Bond gemein. Das Ende ist ruhig aber passend. Es bleibt Raum für die Phantasie des Lesers, sich weitere Details vorzustellen.


    Fazit:

    Dieser Spannungsroman um Spione und Agenten überzeugt durch seine unaufgeregte Art, die ihre Wirkung langsam entfaltet. Das Buch hat mich überzeugt und deshalb bewerte ich es mit vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten). Für die Freunde ruhiger aber auch spannender Unterhaltung spreche ich eine Leseempfehlung aus.

    :lesend Sabine Weiß - Krone der Welt

    :lesend Wolfgang Schorlau - Kreuzberg Blues

    :lesend Arno Strobel - Die App

    :lesend Matthias Riedl - Mein Weg zur gesunden Ernährung

    :hörend Walter Roth - SOKO Erle: Der Fall Carolin G.

  • Solider, spannender und wissensreicher Politkrimi


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    Ich kann mich nicht erinnern, das Wort „Spannungsroman“ jemals auf einem Cover gelesen zu haben, aber H. Dieter Neumanns erster Roman bei Piper trägt diesen Subtitel, was ohne Zweifel der Tatsache geschuldet ist, dass „Drakon“ weder ein Thriller ist, noch ein Krimi, wie Neumanns sehr erfolgreiche „Helene Christ“-Bücher es beispielsweise sind. Mit denen „Drakon“ gemein hat, dass die Geschichte an der Ostseeküste spielt, und dass die große Leidenschaft des Autors, die Segelei, einen nicht ganz unwesentlichen Aspekt ausmacht. Aber das verrät der Titel ja auch schon.


    Der Schiffsbauer Malte Janssen, der ein Jahr vor dem Geschehen, von dem „Drakon“ erzählt, seine Frau bei einem tragischen Unfall verloren hat, wurde beauftragt, eine hinreißend schöne und entsprechend teure Segeljacht zu bauen. Dieses Boot, die „Weiße Möwe“, ist nun fertig und soll nach St. Petersburg überführt werden, wo der Auftraggeber, ein russischer Oligarch namens Timur Krylow, bereits auf sein neues Luxusspielzeug wartet. Der Törn nach St. Petersburg verläuft allerdings nicht ganz so, wie Janssen das erwartet hat. Kurz nachdem russische Hoheitsgewässer erreicht sind, wird das Schiff von Piraten geentert, die es merkwürdigerweise vor allem auf das Köfferchen mit den Signalraketen abgesehen haben, die jedes Boot mit sich führen muss. Aber es gibt auch einen Schwerverletzten und einen Toten bei diesem Überfall – und der Mann, der sterben musste, ist Maltes bester Freund Karsten, der ihn oft auf solchen Fahrten begleitet hat.


    Eine nicht ganz unwesentliche Rolle in dieser zwar verstrickten, aber nicht undurchsichtigen Geschichte spielt Janssens Bruder Felix, der in einem Rüstungsunternehmen tätig ist und dort an einer hochgeheimen Radartechnologie mitarbeitet.


    „Drakon“ ist schnörkellos erzählt und glänzt – neben der Begeisterung für die Segelei, die so mitreißend rüberkommt, dass man den Wunsch verspürt, umgehend an die Küste zu fahren – vor allem mit sehr fundiertem Wissen über die Arbeit der Geheimdienste (von BND über CIA bis GRU), die Verstrickungen zwischen russischer Wirtschaft und russischer Führung, und, nicht zuletzt, über das Geschehen auf dem Markt für Militärtechnologie. Dass der Autor es geschafft hat, diese Thematik irgendwie mit einem schnittigen Segelschiff zu verknüpfen, ist eine große Leistung. Und dabei noch einen Roman zu schreiben, der auch Landratten wie mich packt, sowieso.


    Neumann erfindet mit diesem Buch das Rad nicht neu – das Unaufgeregte, Unspektakuläre, das Große, das sich im Kleinen zeigt, der Verzicht auf Effekthascherei sind eher seine Mittel. Und die setzt er hervorragend ein. „Drakon“ ist kein Buch, nach dessen Lektüre man die Welt mit anderen Augen sieht, aber ein grundsolide erzählter … Spannungsroman, mit dem man ein paar äußerst unterhaltsame Stunden verbringen kann.