Gendern - notwendig oder nervig?

  • Hallo, Googol.

    Hypothetisch vs. selbst erlebt

    Man muss natürlich auch ein wenig zwischen den Zeilen lesen können. ;)

    Trauma aus Vergangenheit vs. Gegenwart

    Diesen Aspekt verstehe ich nicht. Macht es eine Misshandlung besser oder schlechter, wenn sie in der Gegenwart geschieht oder "nur" in der Vergangenheit erfolgt ist? Sollen sich die Opfer kirchlich organisierter sexueller Gewalt nicht so haben, schließlich ist es ja vorbei?

  • Was ich jedoch nicht zulassen würde, wäre, meine Identität und mein Sein davon bestimmen zu lassen, dass das passiert ist. Meine Identität und mein Sein wären vielleicht davon beeinflusst, und möglicherweise würde ich sogar noch ein klitzekleines, beinahe ganz abgeklungenes Trauma mit mir herumtragen, aber ich wäre mir selbst gegenüber ungerecht, wenn ich zulassen würde, mich darauf zu reduzieren oder reduzieren zu lassen. Ganz im Gegenteil. Meine Persönlichkeit wird von so ungeheuer vielen Aspekten bestimmt, dass ich es als Beleidigung verstehen würde, als Ausgrenzung und Verkleinerung, auf diesen Teil meines Schicksals reduziert zu werden.

    Tom : Genau das scheint mir aber auch zu sein, was Babs Gons meint.


    Sie wird darauf reduziert anders zu sein. Wenn sie eingeladen wird, dann um Schwarz zu sein, um die andere Seite darzustellen.

    Sie wird beauftragt ein Gedicht über Wut zu schreiben und schreibt dann eines darüber, dass sie in die Schablone gepresst wird, wütend sein zu müssen.

    Wenn sie auserwählt wird ein Gedicht für die boekenweek zu schreiben, wird bei ihr ausschließlich angefragt, wie sie zu Gorman/Rijneveld steht. Obwohl sie sich dazu gar nicht äußern möchte.

    I never predict anything, and I never will. (Paul Gascoigne)

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  • Hallo, Googol.

    Man muss natürlich auch ein wenig zwischen den Zeilen lesen können. ;)

    Diesen Aspekt verstehe ich nicht. Macht es eine Misshandlung besser oder schlechter, wenn sie in der Gegenwart geschieht oder "nur" in der Vergangenheit erfolgt ist? Sollen sich die Opfer kirchlich organisierter sexueller Gewalt nicht so haben, schließlich ist es ja vorbei?


    Ok sorry, wegen Punkt 1, bzgl. Vergangenheit vs. Gegenwart: das macht keinen Unterschied was das persönliche Trauma angeht, aber schon einen Unterschied wie man das aktuell gesellschaftlich einordnet, oder? Im Sinne von, geht es darum etwas aufzuarbeiten oder auch darum weiterhin aktuelle Missstände zu korrigieren. Wobei "kirchlich organisiert" natürlich unter aktuell fällt. Ich hatte eher den Eindruck beim Lesen deiner Ausführungen es ginge um explizit Dinge, die man früher für angemessen hielt, heute aber nicht mehr.

  • Ich hatte eher den Eindruck beim Lesen deiner Ausführungen es ginge um explizit Dinge, die man früher für angemessen hielt, heute aber nicht mehr.

    So verhält es sich beim Umgang mit Homophobie, Rassismus, Ableismus, Misogynie u.v.a.m. zumindest hierzulande bzw. im zivilisierten Westen aber doch auch. Sie sind gesellschaftlich längst geächtet und aus den Agenden entfernt, aber in der gelebten Realität existieren sie nach wie vor.


    Und Kinder werden auch immer noch von ihren Eltern misshandelt.

  • Statt dessen ist jeder einzelne Aspekt der Arbeit eines Softwareentwicklers rassistisch: Code Reviews, ungenaue Anforderungen usw. Ich wurde als "White Supremacist" beschimpft, weil ich das mit Code Reviews (also einer Methode einer Art Peer Reviews) etwas relativieren wollte.

    Oder eben die neuste Idee aus den USA, dass Mathematik rassistisch wäre. Es gibt also eine Gruppe Aktivisten, die so maßlos übertreiben, dass sie die Arbeit von anderen, eigentlich gleichgesinnten Aktivisten, mit ins lächerliche ziehen.

    Huch, was hab ich da verpasst? Wieso ist ein Code Review rassistisch? Und warum Mathematik?


    Das ist der Moment wo ich echt nur noch kopfschüttelnd daneben stehe und mich frage, ob die Leute keine anderen Probleme haben? Haben die keine Hobbys?????

  • Huch, was hab ich da verpasst? Wieso ist ein Code Review rassistisch? Und warum Mathematik?


    Das ist der Moment wo ich echt nur noch kopfschüttelnd daneben stehe und mich frage, ob die Leute keine anderen Probleme haben? Haben die keine Hobbys?????


    Das Problem bei den Diskussionen um diese ganzen Themen ist, dass diese eigentlich nur noch in Extrempositionen geführt werden und dabei der Kern komplett verloren geht. Es geht eigentlich nur noch um Lagerbildung. Entsprechend sind die Schlagzeilen und die Twitter-Kämpfe. Man darf nie nur auf die Schlagzeilen schauen, muss sich immer selbst die Details anschauen, was mühselig ist...

    Wie siehts also aus mit der Mathematik?

    Es wurde in den Staaten festgestellt, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen in Mathematik schlechter abschneiden. Was nur durch eine Benachteiligung in irgendeiner Form erklärt werden kann.

    Es gibt eine von Bill und Melinda Gates unterstützte Stiftung, die diese Benachteiligung im Mathematik-Unterricht selbst sucht und versucht sie durch Schulung der Lehrer aufzuheben.


    Hier die Homepage dazu: equitablemath


    Das ist alles.

    Code Reviews? Keine Ahnung.
    Für Code Reviews braucht man Menschen, die miteinander auf Augenhöhe sind. Nicht im Sinne der beruflichen Expertise, sondern menschlich auf Augenhöhe, einander respektieren. Ist das nicht der Fall, kann es bei Code Reviews schnell Missverständnisse geben.

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  • Für Code Reviews braucht man Menschen, die miteinander auf Augenhöhe sind.

    Tatsächlich?


    Code Review ist nichts weiter als die Sichtung von Programmcode eines Entwicklers durch einen anderen Entwickler - oder jemanden, der den Code zumindest versteht. Dabei geht es um qualitative und strukturelle Prüfung, es ist letztlich ein Teil des Testverfahrens, und da das Coden selbst wiederum nichts weiter ist als die Überführung der abstrakten Vorgaben in konkreten Code, geht es auch nicht um Ambitionen oder Positionierung. Es ist ein bisschen wie Lektorat und Korrektorat im Schreiberbusiness (ich mache beides, also coden und schreiben, also kann ich so etwas behaupten). Das Verhältnis ist wie bei Fahrern und Müllladern bei einer Stadtreinigung, und man sollte nicht allzu viel Energie darauf verschwenden, dieses Verhältnis mit Bedeutung zu überladen. Menschen arbeiten am gleichen Projekt. Ob sie sich lieben oder nicht oder ob sie das gleiche Schicksal teilen oder die gleichen Präferenzen haben oder alle Vegetarier sind oder was auch immer, spielt nahezu keine Rolle.


    Jede Benachteiligung hat ihre Ursachen. Keine zwei Benachteiligungen haben exakt die gleichen Ursachen.

  • Also in meinen Schulklassen gab es nur weiße Kinder aus allen möglichen Bildungs- und Vermögensschichten. Es gab kluge und weniger kluge Kinder, ebenfalls aus allen diesen Schichten. Ich war ein sehr kluges Kind aus einem armen Elternhaus, aber sehr reich an Faulheit.

    Heute weiß ich, dass niemand bemerkt hat, dass ich ob meiner Sonderbegabung absolut unterfordert und gelangweilt war. Entweder war ich nicht klug genug, es den Erwachsenen verständlich zu machen oder die waren einfach zu dumm, es zu verstehen.

    Ob die Gates mir da hätten helfen können? Sonderbegabte gehören von Haus aus zu den diskriminierten Exemplaren, da bleibt man lieber ruhig in seinem Eckchen sitzen und rührt sich nicht.

    Schon der weise Adifuzius sagte: "!" Wäre Noah mit seiner Sippschaft über Bord gegangen, sähe die Welt heute anders aus!" :chen

  • Code Review ist nichts weiter als die Sichtung von Programmcode eines Entwicklers durch einen anderen Entwickler - oder jemanden, der den Code zumindest versteht. Dabei geht es um qualitative und strukturelle Prüfung, es ist letztlich ein Teil des Testverfahrens, und da das Coden selbst wiederum nichts weiter ist als die Überführung der abstrakten Vorgaben in konkreten Code, geht es auch nicht um Ambitionen oder Positionierung. Es ist ein bisschen wie Lektorat und Korrektorat im Schreiberbusiness (ich mache beides, also coden und schreiben, also kann ich so etwas behaupten). Das Verhältnis ist wie bei Fahrern und Müllladern bei einer Stadtreinigung, und man sollte nicht allzu viel Energie darauf verschwenden, dieses Verhältnis mit Bedeutung zu überladen. Menschen arbeiten am gleichen Projekt.

    Ja, es ist ein bisschen wie bei einem Lektorat.

    Und nein, das ist nicht das Gleiche wie Fahrer und Mülllader der Stadtreinigung.

    Aber ich war da auch lange Deiner Meinung und würde das gerne so pragmatisch sehen, wie Du es siehst. Das steht aber konträr zu meinen Erfahrungen als Code Reviewer, als Entwickler, als Coach, als Projektleiter...
    Und es hat nichts mit Benachteiligungen zu tun, sondern nur damit, dass bei dieser Tätigkeit Missverständnisse entstehen können.


    Zitat

    Ob sie sich lieben oder nicht oder ob sie das gleiche Schicksal teilen oder die gleichen Präferenzen haben oder alle Vegetarier sind oder was auch immer, spielt nahezu keine Rolle.

    Davon war ja auch nicht die Rede...

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  • Im Grunde sind Dinge wie Code Reviews oder Anforderungsdefinition einfach Arbeitsprozessschritte. Die sind natürlich für sich einzeln nicht rassistisch, homophob oder was auch immer, sie können aber wie alle Arbeitsschritte in allen anderen Branchen auch zweckentfremdet werden, um jemanden zu mobben oder zu benachteiligen. Bei Code Reviews geht das ganz gut: ich überlade einzelne Entwickler mit Kommentaren, verweigere Approvals aus Nichtigkeiten, ich beleidige, tagge Vorgesetzte, dass sie das peinliche Arbeitszeugnis und die Kommentare sehen... Aber die Menschen sind da jeweils das Problem, nicht die Werkzeuge. Extrem-Aktivisten würden aber schon diese Werkzeuge als ein Problem definieren (wie rassistisch, homophob oder was auch immer, dass man es überhaupt einführt).

    Die "Math is racist" Diskussion habe ich anders als Maarten wahrgenommen. Das an schlechteren Prüfungsergebnissen festzumachen würde ja vielleicht sogar noch Sinn ergeben, aber das war noch um einige Ecken schwurbliger:

    Zitat

    "The concept of mathematics being purely objective is unequivocally false, and teaching it is even much less so," the document for the "Equitable Math" toolkit reads. "Upholding the idea that there are always right and wrong answers perpetuate objectivity as well as fear of open conflict."


    Es wird also die Objektivität von Mathematik in Frage gestellt und mit dieser These sind entsprechende Wissenschaftler vom konservativen Sender FOX durch den Kakao gezogen worden. 2+2=4 wäre rassistisch?


    Der Hintergrund dabei ist ja eigentlich auch, dass Mathematik natürlich objektiv ist, aber dass die Frage wie Mathematik angewendet wird nicht zwingend objektiv ist. Also gerade wie man mit Statistiken umgeht, speziell in den USA im Kontext von Rassenfragen, und dann kommt man schon eher zu tatsächlichen Problemfeldern...

  • Ich habe schon häufiger Programmcode "geerbt". Da war es mir und den Kollegen ziemlich schnuppe, ob der Vorgänger weiblich, männlich, weiß, dunkel, deutsch, nicht-deutsch, jung oder alt war. Wenn nicht vernünftig kommentiert wurde und die Doku fehlte hat man ihn /sie/es verflucht, wurde nachvollziehbar und logisch programmiert, benannt und dokumentiert etc. hat man sich gefreut...


    Für mich ist das immer noch ein relativ genderneutrales Umfeld. Mit Twitter hab ich's aber auch nicht.

    “You can never get a cup of tea large enough or a book long enough to suit me.” :lesend

    C.S. Lewis

  • Googol :
    Nur kurz zur Mathematik.
    Ich habe mir die Sachen jetzt nicht im Detail durchgelesen. Dass Bill Gates das Ganze finanziell unterstützt reicht mir tatsächlich aus. Natürlich stellt Bill Gates kein Geld zur Verfügung um die Mathematik als solches in Frage zu stellen.

    Hier mal der Anfang der FAQ:

    For decades, America’s schools have tried and failed to close gaps on math test scores between White students and students of color. That’s not because math discriminates by race, and it’s not because some groups of students are inherently more suited to math. It’s because we give students of color and students from lower-income families the least access to critical resources, from the most qualified teachers to the best technology to the most advanced courses. And it’s because instructional materials and practices—even good ones—are influenced by culture and perspective.

    When we think narrowly about teaching math, we create barriers for students; we allow them to fall into the trap of thinking they’re “not a math person.” But the truth is we can all be “math people.” The goal of “A Pathway to Equitable Mathematics Instruction is to engage as many students as possible in not just solving math problems but understanding math concepts so they can apply them across a wide range of real-world applications. Math problems, of course, have correct answers. But students can arrive at the right answer without understanding the bigger concept or they can have an “aha” moment when they see why they got an answer wrong.

    The toolkit was written by educators, and it doesn’t tell teachers how to do their job—it asks them to think about how they do it. For example, when we ask students to show their work, we should think about how and why. The point should be to have a dialogue about their process and their learning, not require every student to follow the exact same path to the right answer. A child of immigrants might have learned a different way to solve a problem because that’s how their parents were taught where they grew up. If we just tell that student their way is the wrong way, we risk turning them off to math for life. If we take the opportunity to explore why there are different ways to approach the same problem, it can be a learning moment for the entire class.

    That’s what the equitable math toolkit is all about: engaging students from every background in a deep understanding of concepts that they can use for the rest of their lives.

    Klingt doch schon ganz anders, oder?


  • Klingt doch schon ganz anders, oder?


    Ich habe mir mal ein Dokument von dieser Seite angesehen. Direkt das erste: Stride 1. Mit vollem Titel:


    "A Pathway to Equitable Math Instruction

    Dismantling Racism in Mathematics Instruction

    Exercises for educators to reflect on their own biases to transform their instructional practice"

    Das erste Kapitel hat den Untertitel: "Dismantling White Supremacy in Math classrooms".

    "We see white supremacy culture show up in the mathematics classroom even as we carry out our professional responsibilities outlined in the California Standards for the Teaching Profession (CSTP). Using CSTPas a framework, we see white supremacy culture in the mathematics classroom can show up when: "

    Ich bin auf Seite 6 und habe da schon x-mal "White Supremacy" gelesen. Und als Lehrer werde ich darum gebeten über meinen Rassismus zu reflektieren.


    Und jetzt kommt es, was ist das erste Beispiel für White Supremacy in der nachfolgenden Liste:


    "The focus is on getting the “right” answer"


    Das in Frage zu stellen ist ein kreativer Lehransatz für die Mathematik, ok. Aber das als Beispiel für die Auswüchse der weißen Überlegenheit? Hallo?

    Die folgenden Punkte machen teilweise Sinn, teilweise weniger, manchmal gleiten sie ins Groteske. Sorry. Da bin ich raus. Theoretisch mag das ne gute Idee sein, aber wie das vermittelt wird und was da in den Mittelpunkt gestellt wird ist absurd.


    Auch ein Bill Gates steckt sein Geld auch mal in Blödsinn.

  • Bei Mathe gibt es ja schon lange Studien, dass Mädchen besser in Mathe sind, wenn sie ohne Jungs unterichtet werden.

    Ob ich deswegen im Mathe LK gelandet bin und in Physik mündliches Abi gemacht habe? Ich war auf einem Mädchengymnasium und habe da mit Mathe, Geschichte, englisch und Physik Knödelabitur gemacht.... Ich war auf einem sozialwissenschaftlichen Gymnasium, da hatte man zwei Jahre Hauswirtschaft und ein Jahr Sozialpflegerische Übungen inkl. 4 Wochen Praktikum in Kindergarten Altersheim oder Krankenhaus, das konnte man Jungs nicht zumuten.


    Ich bin mir nicht sicher ob das wirklich so ist, aber meine Mädels können da leider auch keine Referenz liefern, die haben so wenig Jungs in den Klassen, da macht sich der Effekt des sich nicht trauens nicht bemerkbar.


    Und sicher liegt es immer auch mit am Lehrer, ob Stoff bei Schülern ankommt. Aber das hat nichts mit Rassismus zu tun, sondern mit Menschlichkeit.

    Das in den USA bestimmte Gruppen schlechteren Unterricht in Mathematik haben, liegt wohl durchaus auch am Schulsystem. Schulen deren Kinder aus wohlhabenden Familen kommen, sind auch finanziell besser aufgestellt und können sich es so leisten, bessere Gehälter zu zahlen und ganz andere Zusatzprogramme auf die Beine zu stellen.

    Und die schlechterstellung von Kndern aus armen Familien ist ja nun auch nichts neues.


    Was den Source Code Review betrifft: Bei uns gibt es Regeln, wenn sie die Entwickler dran halten ist alles gut, wenn nicht gibt's eins auf den Deckel. Egal ob Männlein oder Weiblein, Inder, Amerikaner oder Deutscher.


    Wo Menschen miteinander arbeiten kommt es doch immer wieder zu Reibereien. Da können Leute, die miteinander arbeiten müssen, sich nicht leiden, da will jemand Karriere machen usw. Ich hab ne Kollegin, die nicht mit anderen Frauen zusammenarbeiten kann. In ihrer Welt können Männer scheinbar besser Dinge entscheiden als Frauen. Und das obwohl sie selbst auch Projektteams geleitet hat.

  • Googol : Es geht ja nicht darum das Ganze inhaltlich zu bewerten, sondern darum, dass es grob falsch dargestellt wird (Stichwort 1+1 ist plötzlich nicht mehr 2). Es ist lediglich ein pädagogisches Konzept für Mathematikunterricht in den Klassen 6-8.


    Was Pädagogik angeht, habe ich das Gefühl im Glashaus zu sitzen. Schließlich kenne ich hierzulande genug Kinder die bis zu 3 Schuljahre lang vor mit f und für mit v schreiben durften, damit sie nicht entmutigt werden...

    Lass uns also besser nicht über Pädagogik reden... ;-)

  • Maarten

    "Lediglich ein pädogisches Konzept" ist eine starke Untertreibung. Ja, ich weiß, dass es auch hierzulande pädogische Konzepte gibt, die vom Ansatz in eine ähnliche Richtung gehen, aber folgendes Beispiel:


    Lehrer fragt: Was ist 2+2?

    Timmi: 5


    Wenn jetzt ein Lehrer nach diesem Konzept Timmi mitteilt, dass das nicht stimmt, missachtet er nicht nur ein pädogisches Konzept, sondern fördert die weiße rassische Überlegenheit. Er ist ein Rassist. Das ist ein Unterschied zu den aktuellen "Rand-Standards" in Deutschland.


    Und das war ja nur ein Ausschnitt aus diesem Framework. Nach dem Konzept ist es auch rassistisch keine Mathematiker aus den genannten Minderheiten (Schwarze, Latinx etc.) in den Mittelpunkt zu stellen. Also statt des Satz des Pythagoras, weil weißer Mann, dann eben... ja, ich weiß nicht genau was statt dessen. Nach Leistung zu beurteilen ist auch blöd - gut, erst einmal ein pädagogisches Konzept, das in die von dir genannte Richtung geht, aber es geht ja darüber hinaus, das Framework sagt nach Leistung zu beurteilen wäre rassistisch. Sich melden, vor der Gruppe zu antworten... alles rassistisch und motiviert aus einem System der "White Supremacy".


    Wenn nun konservative Medien das "grob falsch" auslegen und sagen, dass 2+2=4 nicht mehr gültig wäre, dann tun sie das deshalb weil die Leute, die dieses Konzept erarbeitet haben, eine solche extreme Steilvorlage geliefert haben. Und das war genau mein Punkt. Wenn man etwas so übertreibt wie in diesem Fall dann tut man der Sache keinen Gefallen. Man bittet fast darum ins lächerliche gezogen zu werden. Und das in den USA auch sehr stark geschehen (FOX News direkt mit Schaum vorm Mund) während liberale Medien das Thema kaum angesprochen, vermutlich aus Scham.

    Wir können uns alle darauf einigen, dass es eine gute Idee ist, Mathematik Minderheiten zugänglich zu machen, Mathematik für Mädchen attraktiver zu machen etc.

  • Das war es eigentlich was ich an Mathe geliebt habe, dass es da keine Grauzonen gibt und kaum Nasenfaktor. Gab zwar Lehrer die waren formal pingeliger als andere (einer soll schon Punkte abgezogen haben wenn der Bruchstrich nicht auf der richtigen Höhe im Kästchenpapier lag), aber das Endergebnis war richtig oder falsch. 2+2 ist immer 4, egal ob der Lehrer gerade Urlaub hatte oder Liebeskummer, lieber Geometrie mag oder Stochastik.

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    C.S. Lewis

  • Googol

    Wenn wir einen Blick auf die Geschichte der Mathematik werfen, dann ist der europäische Anteil daran erst in der jüngeren Zeit entstanden.

    Erst als die arabischen Ziffern in Europa die römischen Ziffern verdrängten (in Deutschland war das im 15. Jahrhundert) ging es hier mit der Mathematik los. Die römischen Zahlen waren dazu weniger geeignet.

    Fibonacci z.B. lernte bereits früher in Algerien die arabischen Ziffern durch Abu Kamil kennen, einem arabischen Mathematiker. Fibonacci nannte sie damals indische Ziffern, denn dort kommen sie ursprünglich her. Fibonacci kennen wir, Abu Kamil nicht. Fibonacci verwendete die Algebra von Abu Kamil.

    Der Satz des Pythagoras war wahrscheinlich lange vor Pythagoras bekannt, z.B. den Babylonier und den Indern. Es gibt auch einen Beweis aus China.

    Der Begriff Algebra ist abgeleitet aus einem Werk von al-Chwarizmi, einem persischen Mathematiker und Universalgelehrten. Das Werk hieß al-Kitāb al-muḫtaṣar fī ḥisāb al-ǧabr wa-ʾl-muqābala. Aus al-ǧabr wurde Algebra.


    Das wir das alle nicht wissen liegt an unserer Weltsicht. Einer die irgendwie davon ausgeht, dass alles aus Europa gekommen ist und alles europäischen Gelehrten zuordnet. Sogar Ziffern, die wir erst vor ein paar Jahrhunderten von anderen Kulturen übernommen haben.

    Und das auch genau so an den Schulen lehrt.

  • Die Geschichte der Mathematik war in der Schule bei uns kein Thema. Da ging es um Formeln und mit etwas Glück auch um Anwendungsbeispiele. In Mathe ist mir das auch wirklich schnuppe, da geht es um Ergebnisse und nicht Geschichte. Die Rassismusdebatte empfinde ich hier als überflüssig, generell sind für mich Naturwissenschaften wertfrei. Aber solange sogar erwiesene biologische Unterschiede zu Rassismus Rufen führen haben wir auch hier noch einen weiteren Weg vor uns...

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