'Die Buchhändlerin' - Seiten 268 - Ende

  • Wie bereits im vorherigen Thread erwähnt, hatte ich zwischen den Abschnitten 3 und 4 keine Pause gemacht. Das ging einfach nicht... :zwinker


    Dieser letzte Abschnitt hat mich auch wieder in Bann gezogen und ich konnte gar nicht aufhören, bis endlich - oder besser gesagt: leider schon - die letzte Seite umgeblättert war. Es war wahrlich ein Wechselbad der Gefühle. Am besten gefallen haben mir die Szenen in denen Heinz den Erinnerungsbaum für seine Mutter ausgesucht hatte. :-]


    Christas Heirat mit Werner war irgendwie eine logische Konsequenz, wenn auch aus der emotionalen Sicht recht schwierig. Die Eheschließung konnte ich nachvollziehen. Aber dann die Hochzeitsnacht empfand ich ein bisschen befremdlich. Ich hatte im erstem Moment das Gefühl, dass sich beide dem anderen gegenüber verpflichtet fühlten und dass sie es, wenn sie darüber gesprochen hätten, lieber gelassen hätten. Als Werner dann mit Martin zusammen war, war es absolut richtig, dass Christa sich entsprechend zurück gezogen hatte.


    Schmunzeln musste ich als Werner den Urlaub vorgeschlagen hatte. Zitat aus Kapitel 32: "

    An den Thuner See zum Beispiel. Oder in die Alpen." Der Thunersee liegt im Berner Oberland, also direkt in den Alpen. :zwinker Aber ich kann bestätigen, dass es eine sehr schöne Urlaubsgegend ist. :)

    Hach, die letzte Seite ist gelesen - so ein schönes Buch! Wobei ich zugeben muss, dass ich die Schlussszene schon fast ein bisschen zu viel des Guten fand. Aber passend war sie schon.

    Für mich war diese Schlussszene gerade richtig. :schuechtern :zwinker Ich habe mir genau so einen Lichtblick für Christa gewünscht. Sie hat ein bisschen Glück mehr als verdient und so warte ich hoffnungsvoll auf die Fortsetzung.


    A propos Fortsetzung: Ich hätte es auch schöner gefunden, wenn ich von Anfang an gewusst hätte, dass es sich um eine Reihe handelt. Vielleicht könnte der Verlag das für die nächste Auflage ändern und einen entsprechenden Vermerk machen?


    Der Erzählstil in diesem Buch blieb auch in diesem dritten Abschnitt besonders. Obwohl ich sehr gerne in die Gefühlswelten der jeweiligen Protagonisten eintauche, hat mir in diesem Buch gerade die etwas distanziertere Betrachtungsweise gut gefallen. So konnte vor meinem inneren Auge ein vollständigeres Bild der damaligen Zeit entstehen, was unter Umständen aus der konzentrierten Sichtweise einzelner Figuren nicht möglich gewesen wäre.


    Ines , vielen Dank für die schönen Lesestunden und deine Begleitung der Leserunde. Auch wenn ich ein Nachzügler bin und länger gebraucht habe, habe ich das Buch sehr gerne gelesen.

  • LeseBär schrieb:

    Ich hatte den Hinweis der Jugendamtsfrau so verstanden, dass Heinz nicht einfach bei alleinstehenden Frauen aufwachsen kann. Sprich: Der Vater fehlt. Und den kann Helene, auch wenn sie verheiratet ist, eben auch nicht bieten.

    Vielleicht. Aber vielleicht auch nicht. DENN: sie haben es ja nicht mal probiert!!! Und das ist es, was mich am Verhalten Christas (und auch ihres Umfeldes) echt ärgert: es wird nicht mal versucht, andere Lösungen zu finden, geschweige denn auszuprobieren. :bonkSchon bei der Frage nach der Führung des Buchladens und jetzt wieder wird eine Möglichkeit als DIE einzige Lösung gesehen und kein bißchen hinterfragt. Da wird lieber geheiratet, als sich mögliche Alternativen zu überlegen. Ja, es ist mühsam, seinen Kopf einzuschalten und selber zu denken; andere zu überzeugen zu versuchen und vielleicht am Ende doch zu scheitern. Es ist viel einfacher, eine vorgeschlagene Lösung zu akzeptieren, um hinterher im Unglück die Schuld auf die anderen zu schieben. Aber genau diese Eigeninitiative gehört für mich zu einem selbstbestimmten Leben unbedingt dazu! Da braucht es wirklich unbedingt einen 2. Band, damit sich Christa noch gewaltig entwickeln kann.


    Auch die Hochzeit Christas ist ja nicht die Ideallösung - steht sogar im Buch. Christa ist eigentlich zu jung als Pflege-/Adoptivmutter und Hausfrau wird sie ja auch nicht. Abgesehen davon bestand für mich die große Gefahr, dass irgendjemand Werner als Homosexuellen hinhängt und dann sind sie wieder zurück auf Start. Da haben sie Glück gehabt und genausogut hätte auch eine ander Lösung funktionieren können.


    Apropos Hausfrau: wer kümmert sich eigentlich um Heinz nach der Schule und wer schmeißt den Haushalt? Doch hoffentlich nicht Helene???!!! Dieses plötzliche, vollkommen problemlose Funktionieren in einer Vierfachrolle (Buchhändlerin, Studentin, Mutter und Hausfrau) fand ich ehrlich gesagt sehr ideallisiert dargestellt und damit unglaubwürdig.


    Ich bin zwar schon eurer Meinung, dass man in einer Familie zusammenhält und selber auch mal zurückstehen muss. Genauso bin ich aber auch der Meinung, dass man nicht glücklich werden kann, wenn immer nur die gleiche auf ihre eigenen Träume verzichtet. Deshalb bin ich für Kompromisse und Alternativlösungen, die idealerweise für alle einigermaßen gleich gut passen - aber die müssten halt gesucht und ausgehandelt werden.


    Es sind aber zumindest ein paar kleine Fortschritte erkennbar: bei der Rückkehr Martins wird Christa zum ersten Mal bei einem Problem selbst aktiv und spricht mit jemanden darüber. Zwar übernimmt sie dann doch wieder den Vorschlag von Gunda Schwab, aber sie denkt auch mehrere Tage (!) intensiv darüber nach. Wie gesagt: zumindest ein kleiner Fortschritt, der auf Band 2 hoffen lässt.


    Vielleicht nervt mich das Verhalten Christas auch so, weil ich am Anfang etwas anderes von ihr erwartet hätte. Nein, sie ist überhaupt nicht so taff, wie sie am Beginn des Buches tut (und wie sie angekündigt wird). Sie ist noch jung und ich gestehe ihr den Entwicklungsraum gerne auch zu, aber wenn sich ein Buchcharakter genau in die andere Richtung entwickelt, als man erwartet hätte, ist das eher schwierig. Wie gesagt, mir geht es nicht mal um das Resultat an sich, sondern vielmehr um die Art, wie Christa alles hinnimmt, was ihr gesagt wird.


    Das klingt jetzt negativer als ich es eigentlich empfinde, denn so im Vordergrund war für mich Christas Verhalten auch nicht. Ich hab mich im letzten Abschnitt wieder an der tollen Atmosphäre erfreut - den Tag der Währungsreform fand ich gut beschrieben und dann erst die Lesung von Mann :*. Das finde ich nach wie vor als großer Pluspunkt am Buch.


    Ayasha schrieb:

    Auf Jago bin ich irgendwie sauer. Es gab ja schon vorher Momente, in denen er Christa gegenüber zurückhaltend war und man konnte spüren, dass ihn was bedrückt. Aber was ist so furchtbar, dass er nicht mit Christa darüber sprechen kann? Christa hätte verdient, dass er offen und ehrlich mit ihr umgeht und nicht einfach so über Nacht verschwindet. Mensch, Jago! Ein so sensibler Mann und dann sowas.... :rotekarte

    Da kann ich dir nur zustimmen. :writeIch hätte dieses Wiedersehen am Ende überhaupt nicht gebraucht, für mich könnte Jago hingehen, wo der Pfeffer wächst. Ähnlich wie Ayasha finde ich es unmöglich, dass er sich Christa nicht mal ansatzweise erklärt. Wenn es so unaussprechlich ist, was ihn belastet, soll er es für sich behalten und aus Christas Leben verschwinden, sie hat auch ohne ihn genug Probleme. Ich weiß, ich stehe wohl alleine da mit meiner Meinung (und Ines plant anderes ;)), aber ich bräuchte ihn auch nicht im 2. Teil.


    Leider gerät Christ immer an die falschen Männer. Alan hat ihre Notlage schamlos ausgenutzt und Jago lässt sich schmählich im Stich, als sie ihn am meisten gebraucht hätte. Kann eine Liebe einen solchen Verrat wirklich verzeihen? Und dann wollen sich beide mit Worten erklären - Männer, das funktioniert doch nicht!!! Ich hab wahrscheinlich Jagos Abschiedsgedicht völlig falsch verstanden (wie gesagt, mit Lyrik kenn ich mich gar nicht aus) aber für mich ist das eher eine Ohrfeige als eine Liebeserklärung. "ich gehör dir nicht" klingt für mich nach: was willst du überhaupt von mir - ich habe mein eigenes Leben. Stimmt natürlich, aber Christa ist eine sehr treue Seele und steht fest zu ihren Lieben, wie wir im Buch wiederholt erfahren haben - da hat sie einen anderen Mann verdient und nicht einen, der wortlos abhaut, als jemand für sie endlich einmal was tun könnte! :bonk


    Ein wunderschönes Ende wäre für mich nach dem Kapitel 31 gewesen (nach dem Suchen des Gedächtnisbaumes für Heinzes Mutter). Und vorher Kapitel 32 mit dem Besuch bei der Mann-Lesung. Kein glückliches, aber ein versöhnliches Ende für Christa, denn da empfinde ich sie als sehr mit sich im Reinen. (Und dann im neuen Buch ein neuer Mann ;)).


    Es war nur leider für mich persönlich nicht das Lesehighlight , wie es hier für viele andere von Euch war. Für mich war es ein ganz nettes Buch für zwischendurch, aber auch nicht mehr.

    So sehe ich das auch :write. Eine wirklich große Stärke fand ich die Buch- und Literaturkapitel, das wäre mein Wunsch für den Band 2 Ines (wenn wir uns schon mal was wünschen dürfen, mach ich das doch gerne!). Das war ein sehr interessanter Einblick in die damalige Lesewelt! Außerdem fand ich am Anfang und am Ende die zeitgeschichtliche Atmosphäre sehr schön beschrieben und das damalige Leben auch in Details erzählt. Das sind für mich Feinheiten, die aber viel ausmachen. Zwischendurch habe ich diese Atmosphäre leider vermisst, da ging es von der Handlung her Schlag auf Schlag und für die die Zwischentöne war in Leseabschnitt drei kein Raum mehr. Für mich (das ist natürlich eine ganz persönliche Einstellung) dürfte es deswegen ruhig weniger Handlung und mehr Atmospähre und auch Emotionen (das Thema hatten wir ja schon) sein.


    Das Buch wird mir in guter Erinnerung bleiben und die interessante Leserunde auf alle Fälle auch! Ich finde es schön, wenn wir auch was zum diskutieren haben! Danke dafür auch dir Ines und ich hoffe, du kannst mit unseren Meinungen leben und kommst beim nächsten Band auch wieder ins Eulennest! :wave

    "Wir brauchen alle immer mal wieder Beschäftigungen, die uns eine Pause von uns selbst gönnen." Tracy Chevalier, Violet, Atlantik Verlag 2020

  • Ich habe eine Frage an euch: soll Frau Klein im zweiten Teil mitspielen? Bislang habe ich sie ausgelassen, aber vielleicht ist sie als Gegenmeinung nützlich?

    Frau Klein eignet sich m.E. wunderbar um an ihr Entwicklungen aufzuzeigen wie die Freßwelle, die Überlegung ob man als Frau Führerschein machen soll/ darf- war einfach nicht selbstverständlich. Die Reisewelle- Frau Klein berichtet vom Teutonengrill- ist natürlich die Frage wie weit der zweite Teil reicht. Es gab damals furchtbar viel Italienreisende, die voller Begeisterung von Italien waren, die ersten italienischen Eisdielen alles super fanden und dabei trotzdem ohne das selbst zu bemerken rassistische Sprüche der Extraklasse über die Italiener, die sich einem bekannten Schlager zufolge am Bahnhof herumtrieben. ( Wobei das dann schon 1962 Conny Froboes großer Hit war) in Serie von sich gaben. Aber auch so Sachen wie mein Mann hat schon Anrechte auf den Kraft durch Freudewagen erworben, leider hat das durch diesen unseligen Krieg dann nicht geklappt. Das war wirklich ein Fehler, den sich unser Führer da hat einreden lassen, aber dass er die Autobahnen hat bauen lassen um uns einfachen Menschen Arbeit zu geben um mit meinem VW bin ich jetzt auf der HaFraBa schnell bei meiner Verwandschaft. Die Sprüche gab es jedenfalls noch bis Mitte der sechziger, wo meine eigene Erinnerung einsetzt.

    Nemo tenetur :gruebel


    Ware Vreundschavt ißt, wen mahn di Schreipfelerdes andereen übersiet :grin


    :lesend Ungläubiges Staunen- Über das Christentum Navid Karmann :lesend

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  • Apropos Hausfrau: wer kümmert sich eigentlich um Heinz nach der Schule und wer schmeißt den Haushalt? Doch hoffentlich nicht Helene???!!! Dieses plötzliche, vollkommen problemlose Funktionieren in einer Vierfachrolle (Buchhändlerin, Studentin, Mutter und Hausfrau) fand ich ehrlich gesagt sehr ideallisiert dargestellt und damit unglaubwürdig.

    Da bin ich etwas hin und hergerissen. Einerseits war das sicherlich recht rosarot und problemlos, andererseits war es in der Konstellation mit Helene und Christa, die nebeneinanderwohnen und einem eigenen Buchladen, wo Heinz problemlos mitkommen konnte, einfacher als ganz alleine mit einem Angestellen-Job.

    Und gleichzeitig war das Kinderbetreuungsthema damals bei Jungs in dem Alter definitv was anderes als heute. Der ist draußen mit Freunden rumgeflitzt und kam heim, wenn er Hunger hatte und fertig.


    Da kann ich dir nur zustimmen. :writeIch hätte dieses Wiedersehen am Ende überhaupt nicht gebraucht, für mich könnte Jago hingehen, wo der Pfeffer wächst. Ähnlich wie Ayasha finde ich es unmöglich, dass er sich Christa nicht mal ansatzweise erklärt. Wenn es so unaussprechlich ist, was ihn belastet, soll er es für sich behalten und aus Christas Leben verschwinden, sie hat auch ohne ihn genug Probleme. Ich weiß, ich stehe wohl alleine da mit meiner Meinung (und Ines plant anderes ;)), aber ich bräuchte ihn auch nicht im 2. Teil.


    Leider gerät Christ immer an die falschen Männer. Alan hat ihre Notlage schamlos ausgenutzt und Jago lässt sich schmählich im Stich, als sie ihn am meisten gebraucht hätte. Kann eine Liebe einen solchen Verrat wirklich verzeihen? Und dann wollen sich beide mit Worten erklären - Männer, das funktioniert doch nicht!!! Ich hab wahrscheinlich Jagos Abschiedsgedicht völlig falsch verstanden (wie gesagt, mit Lyrik kenn ich mich gar nicht aus) aber für mich ist das eher eine Ohrfeige als eine Liebeserklärung. "ich gehör dir nicht" klingt für mich nach: was willst du überhaupt von mir - ich habe mein eigenes Leben. Stimmt natürlich, aber Christa ist eine sehr treue Seele und steht fest zu ihren Lieben, wie wir im Buch wiederholt erfahren haben - da hat sie einen anderen Mann verdient und nicht einen, der wortlos abhaut, als jemand für sie endlich einmal was tun könnte! :bonk

    Ja, ein neuer Mann für Christa wäre auch meine Lieblingsvariante!

    Aber Jagos Gründe würde ich dennoch gern erfahren.;)