'Jakob der Lügner' - Seiten 213 - Ende

  • Dieser letzte Abschnitt ist wirklich ein Ende.

    Der Erzähler, von dem wir jetzt endlich erfahren, ob und wie er Jakob begegnete und wie er zu dessen Geschichte kam, bietet hier zwei Enden der Geschichte an. Ein überraschendes und ein blasses, letzteres wahr. beide sind geprägt von der Sinnlosigkeit des Sterbens kurz vor der Befreiung des Ghettos. Interessant gelöst.


    Ich muss sagen, dass ich nun doch froh bin, dass das Buch zu Ende ist. Die immer präsente Grausamkeit dessen, was Menschen sich antaten und tun, hat mich beim Lesen ganz schön angegriffen, und das ist auch gut so.

  • Ja, viel länger würde ich auch nicht mehr gern in dieser Umgebung verbleiben wollen. Obwohl so manche Frage offen bleibt.


    Insgesamt ist es sicher ein wichtiges Buch, das von möglichst vielen Leuten gelesen werden sollte. Aber man braucht eben schon den Willen und die Nerven, um sich mit dieser Materie zu befassen.

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    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Anton Tschechow: Erzählungen aus dem alten Rußland

  • Ich muss sagen, dass ich nun doch froh bin, dass das Buch zu Ende ist. Die immer präsente Grausamkeit dessen, was Menschen sich antaten und tun, hat mich beim Lesen ganz schön angegriffen, und das ist auch gut so.

    :write

    Ich kann hier nur voll und ganz unterschreiben.

    Ich bin gerade sehr froh, dass ich mit dem Buch fertig bin. Es ist ein sehr wichtiges Buch, aber mich hat es gerade zum Ende hin ganz schön mitgenommen.


    Die Idee mit den zwei alternativen Enden finde ich sehr gut, das ist mal was Originelles. Allerdings finde ich beide Enden unbefriedigend. Auch das "Ersatz-Ende" in dem die Russen dann tatsächlich das Ghetto befreien. Aber Jakob muss trotzdem sterben und kann es nicht mehr miterleben. Auch das finde ich sehr traurig.


    Ich bin trotzdem froh, dieses Buch mit Euch zusammen gelesen zu haben. Auch wenn es diesmal definitiv kein Wohlfühlbuch war. Die Leserunde und der Austausch mit euch haben mir gut getan und mir geholfen weiterzulesen, wenn es mich zwischenzeitlich zu sehr runtergezogen hat.

  • Also ich fand das Buch toll. Ich kannte Becker nur dem Namen nach. Jakob der Lügner, nur als Film in Dokus über Manfred Krug oder Filme der DDR.

    Ein Buch über Hoffnung und wie man sie unter allen Umständen aufrecht erhält. Weil sonst das Leben, egal wie schwer es einem gemacht wird, nichts mehr wert ist.


    Ein trauriges Buch, weil die Hoffnung zerstört wird. Und man nicht weiß, ob sie jemals wieder kommt.


    Dass Jakob dem Erzähler Lina anvertraut ist irgendwie tröstlich, manchmal hatten sie ja Glück. Die Bäume sind ein Zeichen der Hoffnung. Für mich zumindest.

  • Ja, dass die Bäume am Ende wieder auftauchen, fand ich bei aller Hoffnungslosigkeit irgendwie tröstlich. Da schließt sich harmonisch der Kreis.


    Dass es ein anderes Ende gibt, hat für mich weniger inhaltliche Bedeutung als eher die, dass der Autor damit betonen will, dass er die ganze Geschichte erfunden hat und somit die Macht hat ein beliebiges Ende zu spinnen. Oder, dass sich jeder Leser ein eigenes Ende zusammenreimen darf.

    Ich würde Jakob natürlich überleben lassen und sämtliche Peiniger ihre gerechte Strafe (falls dergleichen möglich wäre) erhalten bekommen.

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    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Anton Tschechow: Erzählungen aus dem alten Rußland

  • Also ich fand das Buch toll.


    Ein trauriges Buch, weil die Hoffnung zerstört wird. Und man nicht weiß, ob sie jemals wieder kommt.


    Dass Jakob dem Erzähler Lina anvertraut ist irgendwie tröstlich, manchmal hatten sie ja Glück. Die Bäume sind ein Zeichen der Hoffnung. Für mich zumindest.

    Ich hab nicht gesagt, dass das Buch nicht außerordentlich gut fand. Es ist ein wichtiges Buch. Und es hat mir zugesetzt, was ich aber auch nicht anders erwartet hatte. Das wollte ich nochmal sagen.


    Das mit der Hoffnung ist so eine Sache...

    Ich bin ein optimistischer Mensch, glaube immer auch an das Gute und dass es weiter geht, an Zukunft, aber ich weiß auch, dass so schlimme Dinge auch heute jeden Tag passieren und dass Menschen anderen Menschen überall auf der Welt immer wieder unsagbar Leid antun, aus Machthunger und Machtmissbrauch, aus Grausamkeit oder Angst vor dem Fremden, und das wahrscheinlich solange es Mebschen gibt.


    Ich bin froh, dass dieser Roman kein völlig hoffnungsloses Buch ist, dass Bäume jedes Jahr wieder grün werden und Hass nicht alles überwuchert.

  • Clare ich denke, Du hast mich missverstanden und meinen post auf Deine Meinung bezogen. Das war aber ganz und alleine mein Denken. Toll steht auch nicht im Sinne, von irgendetwas Schönem, sondern war auf die Schreibweise bezogen.

    Der Inhalt ist eher niederschmetternd und sehr traurig, und es stimmt, es gibt überall auf der Welt Menschen, die Schreckliches erleiden müssen durch andere Menschen aktiv oder passiv, denn auch wenn man zuschaut und nichts tut, macht man sich in gewisser Weise mitschuldig.

    Nur, es ist nicht immer in unserer Hand.


    Ich bin froh, dass dieser Roman kein völlig hoffnungsloses Buch ist, dass Bäume jedes Jahr wieder grün werden und Hass nicht alles überwuchert.

    :write


    Dass am Ende wieder die Bäume erwähnt werden macht den Inhalt und die Erzählung rund. Und Jakobs Erlebnisse werden in diesem Rund eingeschlossen. Verpackt in liebevoller Erinnerung.

  • Ich bin trotzdem froh, dieses Buch mit Euch zusammen gelesen zu haben. Auch wenn es diesmal definitiv kein Wohlfühlbuch war. Die Leserunde und der Austausch mit euch haben mir gut getan und mir geholfen weiterzulesen, wenn es mich zwischenzeitlich zu sehr runtergezogen hat.

    :write Ja, ohne diese Leserunde hätte ich dieses Buch wahrscheinlich nicht gelesen. Manchmal will ich von dem ganzen Thema nichts mehr wissen. Aber hin und wieder sollte man sich doch dazu animieren lassen. Das ist hier gut gelungen. Ich danke Euch für Eure Begleitung durch dieses gute Buch zum schwierigen Thema. :knuddel1

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    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Anton Tschechow: Erzählungen aus dem alten Rußland

  • MIr hat - bei allem Schmerz, den es transportiert - das Ende oder die Enden gut gefallen. Das vom Erzähler ausgedachte Ende ist irgendwo folgerichtig, denn es ist rund: Jakob bekommt jetzt den Schuss, dem er am Anfang entgangen ist und profitiert als einziger nicht von der Befreiung, die er selber herbeigeredet hat. Das ist gerade in seiner sinnlosen Grausamkeit dennoch erzähltechnisch sehr stimmig. Fast ist man danach froh, dass das scheinbar echte Ende uns Jakob noch bis zum Ende erleben lässt.

    Und ja, die Baummetapher macht das Buch rund, und meiner zwischenzeitlichen Ansicht nach ist sie auch eine Metapher für die durch Jakob vermittelte Hoffnung. Man kann sich an die Hoffnung, die er verkörperte, anlehnen und in ihr Schutz suchen, sie treibt immer neu aus. Und nicht umsonst überlebt der Erzähler, dem die Bäume so wichtig sind, als einziger.

    Auch ich bin froh, dass wir dieses schwierige, aber immer wieder zu vergegenwärtigende Thema in diesem großartigen Roman gemeinsam gelesen und besprochen haben. Vielen Dank dafür!

  • MIr hat - bei allem Schmerz, den es transportiert - das Ende oder die Enden gut gefallen. Das vom Erzähler ausgedachte Ende ist irgendwo folgerichtig, denn es ist rund: Jakob bekommt jetzt den Schuss, dem er am Anfang entgangen ist und profitiert als einziger nicht von der Befreiung, die er selber herbeigeredet hat. Das ist gerade in seiner sinnlosen Grausamkeit dennoch erzähltechnisch sehr stimmig. Fast ist man danach froh, dass das scheinbar echte Ende uns Jakob noch bis zum Ende erleben lässt.

    Und ja, die Baummetapher macht das Buch rund, und meiner zwischenzeitlichen Ansicht nach ist sie auch eine Metapher für die durch Jakob vermittelte Hoffnung. Man kann sich an die Hoffnung, die er verkörperte, anlehnen und in ihr Schutz suchen, sie treibt immer neu aus. Und nicht umsonst überlebt der Erzähler, dem die Bäume so wichtig sind, als einziger.

    Auch ich bin froh, dass wir dieses schwierige, aber immer wieder zu vergegenwärtigende Thema in diesem großartigen Roman gemeinsam gelesen und besprochen haben. Vielen Dank dafür!


    Da würde ich mich anschließen, was die beiden Enden angeht - das erste, das ausgedachte, ist in der Tat "etwas runder", da einfach auch abgeschlossen. Befreiung durch die Russen, Jakob bekommt diese nicht mehr mit. Wobei mich da dennoch die Tatsache, dass er fliehen will, irritiert. Passt irgendwie nicht. Aber auch da sagt ja, glaube ich, der Erzähler, die Gründe sind unklar.


    Das zweite Ende, welches ja dann wahr sein soll, finde ich aber schöner in dem Aspekt, dass Jakob am Ende des Buches ja noch lebt. Und dass die Bäume, die am Anfang eine große Rolle gespielt haben, da wieder auftauchen, gefällt mir auch sehr gut.


    Ich muss das jetzt aber fragen, auch auf die Gefahr hin, dass ihr mich für völlig bescheuert halten könntet - die werden jetzt ins Vernichtungslager gefahren? Und der Erzähler ist dann doch noch einer der wenigen "Glücklichen", die überleben? Das wäre jetzt meine Interpretation, aber ich wollte mal sicher gehen...

    With love in your eyes and a flame in your heart you're gonna find yourself some resolution.


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  • Ansonsten...Kowalskis Tod hat mich schon sehr getroffen. Klar, es war in anderem Abschnitt im Buch die Rede davon, dass die Idee des Radios und der anstehenden Befreiung Hoffnung gab, aber dass sich Kowalski direkt danach umbringt, nachdem er erfährt, dass Jakob kein Radio hat? Zumal es doch Kowalski war, der doch eigentlich (wenn ich mich nicht irre) noch "bessere" (also vielversprechendere) Informationen hatte, was den Stand der Russen angeht. :gruebel (aber da kann es auch sein, dass ich mich verlesen habe bzw. falsch erinnere...)


    Vielleicht besser für ihn, dass er den Rest nicht miterlebt hat.


    Ich finde es ein wichtiges Buch und bin froh, dass ich mich entschlossen habe, es mit euch zu lesen. Ich habe jedoch den Eindruck, dass es mich emotional nicht so trifft wie manch einen hier, wobei ich das bei einigen Eulen evtl. auch überinterpretiere. Ich fand sehr viel in dem Buch traurig, beklemmend, erschreckend. Aber ich bin sonst ein sehr emotionaler Mensch, mir geht viel in Büchern und Filmen nahe und hier hab ich den Eindruck, dass ich zwar vieles schrecklich finde, mir es aber emotional nicht so zusetzt.

    Es ist eine sehr gewagte These und sie muss auch gar nicht stimmen, denn ich kenne die Herkunft aller Eulen nicht, aber ich frage mich, ob es damit zusammenhängen könnte, dass ich keine deutschen Wurzeln habe, auch erst mit 13 nach Deutschland kam und mich einfach dieser Teil der Geschichte zwar sehr interessiert (betrifft ja nicht die Deutschen an sich alleine), ich auch verstehe, dass schreckliche Dinge passiert sind usw., mich das aber nicht so "emotional erreicht", wie wenn ich deutsche Vorfahren hätte. :gruebel:gruebel

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  • :write Ja, ohne diese Leserunde hätte ich dieses Buch wahrscheinlich nicht gelesen. Manchmal will ich von dem ganzen Thema nichts mehr wissen. Aber hin und wieder sollte man sich doch dazu animieren lassen. Das ist hier gut gelungen. Ich danke Euch für Eure Begleitung durch dieses gute Buch zum schwierigen Thema. :knuddel1


    Könntest Du konkreter sagen, woran das (zumindest bei Dir) liegt?

    Da kann es ja unterschiedliche Gründe geben und mich würde es interessieren.

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  • Ich muss das jetzt aber fragen, auch auf die Gefahr hin, dass ihr mich für völlig bescheuert halten könntet - die werden jetzt ins Vernichtungslager gefahren? Und der Erzähler ist dann doch noch einer der wenigen "Glücklichen", die überleben? Das wäre jetzt meine Interpretation, aber ich wollte mal sicher gehen...

    Ja, sogar in den letzten Monaten des Krieges und im Kampf gegen die Russen, haben die Deutschen ihren wahnsinnigen Plan der Vernichtung jüdischen Lebens bis zum Ende verfolgt. Es war der Zug ins Vernichtungslagen, das Jakob nicht überlebt hat.

  • Ja, sogar in den letzten Monaten des Krieges und im Kampf gegen die Russen, haben die Deutschen ihren wahnsinnigen Plan der Vernichtung jüdischen Lebens bis zum Ende verfolgt. Es war der Zug ins Vernichtungslagen, das Jakob nicht überlebt hat.

    Ich habe auch nicht an die Verfolgung des wahnsinnigen Plans gezweifelt. Wer so besessen davon ist, jemanden zu vernichten, der tut es ja dann, wenn ihm nur noch wenig Zeit bleibt, vermutlich erst recht.


    Aber durch die "ruhige" Stimmung im Zug und durch diese Beschreibung der Bäume war ich erst ganz irritiert, bis mir ein Licht aufging. Danach hab ich selbst für bescheuert gehalten. Vermutlich habe ich mir zu sehr ein schönes Ende gewünscht.

    Anders kann ich mir nicht erklären, dass ich so verunsichert wurde, so ungebildet bin ich nun nicht. :wow:lache

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    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Gummibärchen ()

  • . Vermutlich habe ich mir zu sehr ein schönes Ende gewünscht.

    Anders kann ich mir nicht erklären, dass ich so verunsichert wurde, so ungebildet bin ich nun nicht. :wow:lache

    Wunsch und Wirklichkeit gehen leider oft auseinander. Und mangelnde Bildung wollte ich Dir nicht unterstellen. ;)

  • Könntest Du konkreter sagen, woran das (zumindest bei Dir) liegt?

    Da kann es ja unterschiedliche Gründe geben und mich würde es interessieren.

    Irgendwie möchte ich mir doch den Glauben an das Gute im Menschen bewahren, aber wenn ich mir zu intensiv klar mache, zu welchen Grausamkeiten Menschen fähig sind, kommen mir doch ziemliche Zweifel daran. :(

    Und ich frage mich auch, zu was ich wohl selber fähig wäre. Das sind so düstere Gedanken, denen ich mich nicht so oft stellen möchte.

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  • Ansonsten...Kowalskis Tod hat mich schon sehr getroffen. Klar, es war in anderem Abschnitt im Buch die Rede davon, dass die Idee des Radios und der anstehenden Befreiung Hoffnung gab, aber dass sich Kowalski direkt danach umbringt, nachdem er erfährt, dass Jakob kein Radio hat? Zumal es doch Kowalski war, der doch eigentlich (wenn ich mich nicht irre) noch "bessere" (also vielversprechendere) Informationen hatte, was den Stand der Russen angeht. :gruebel (aber da kann es auch sein, dass ich mich verlesen habe bzw. falsch erinnere...)

    Woher sollte denn Kowalski andere Informationen haben? Wie kommst Du zu der Idee?

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  • Ich finde es ein wichtiges Buch und bin froh, dass ich mich entschlossen habe, es mit euch zu lesen. Ich habe jedoch den Eindruck, dass es mich emotional nicht so trifft wie manch einen hier, wobei ich das bei einigen Eulen evtl. auch überinterpretiere. Ich fand sehr viel in dem Buch traurig, beklemmend, erschreckend. Aber ich bin sonst ein sehr emotionaler Mensch, mir geht viel in Büchern und Filmen nahe und hier hab ich den Eindruck, dass ich zwar vieles schrecklich finde, mir es aber emotional nicht so zusetzt.

    Es ist eine sehr gewagte These und sie muss auch gar nicht stimmen, denn ich kenne die Herkunft aller Eulen nicht, aber ich frage mich, ob es damit zusammenhängen könnte, dass ich keine deutschen Wurzeln habe, auch erst mit 13 nach Deutschland kam und mich einfach dieser Teil der Geschichte zwar sehr interessiert (betrifft ja nicht die Deutschen an sich alleine), ich auch verstehe, dass schreckliche Dinge passiert sind usw., mich das aber nicht so "emotional erreicht", wie wenn ich deutsche Vorfahren hätte. :gruebel:gruebel

    Ich denke, es kommt schon darauf an, wie sehr man sich selber mit der eigenen Familiengeschichte auseinandersetzt und der Identität als Deutsche. Täter und Opfer waren zu einem gewissen Grad meine Vorfahren und ich habe einen gewissen Anteil ihrer Gene und fühle mich verbunden - wenn auch nicht verantwortlich für ihre Taten oder Leiden.

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    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


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  • Es ist eine sehr gewagte These und sie muss auch gar nicht stimmen, denn ich kenne die Herkunft aller Eulen nicht, aber ich frage mich, ob es damit zusammenhängen könnte, dass ich keine deutschen Wurzeln habe, auch erst mit 13 nach Deutschland kam und mich einfach dieser Teil der Geschichte zwar sehr interessiert (betrifft ja nicht die Deutschen an sich alleine), ich auch verstehe, dass schreckliche Dinge passiert sind usw., mich das aber nicht so "emotional erreicht", wie wenn ich deutsche Vorfahren hätte. :gruebel:gruebel

    Ich bin zwar den Wurzeln nach Deutsche, fühle mich aber, seit ich das erste Mal, von der Shoah gehört habe, mich dem jüdischen Volk, wenn man das so sagen kann, sehr verbunden gefühlt habe. Ich habe zwar keine Schuld an dem was passiert ist, fühle mich aber in der Pflicht, daran zu erinnern und zu verhindern, dass das nicht noch einmal passiert. Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung gab es ja schon immer und in jedem Land, da kann jeder selbst seine Geschichte erforschen, aber ich finde, gerade dieser Teil der Geschichte darf sich nicht wiederholen.