'Jakob der Lügner' - Seiten 001 - 069


  • An die Serie Liebling Kreuzberg mit Manfred Krug in der Titelrolle habe ich auch noch gute Erinnerungen. Damals habe ich mich leider nicht für den Drehbuchschreiber interessiert.

    Wen interessieren die Drehbuchschreiber? Doch meistens niemanden. In dem Fall hätte man aufmerken können. Aber ich habe die Serie nur ein oder zwei Mal angeguckt.

  • Wen interessieren die Drehbuchschreiber? Doch meistens niemanden. In dem Fall hätte man aufmerken können. Aber ich habe die Serie nur ein oder zwei Mal angeguckt.

    Ich habe schon mehr Folgen gesehen, aber auch nicht alle - bin ja nicht so der Krimi-Fan.

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    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Carl Zuckmayer: Als wär's ein Stück von mir

  • So, wie immer bei einer LR poste ich erstmal meinen Eindruck und lese mir dann erst die Beiträge durch. Ich kommentiere ja gerne und tausche mich gerne aus und möchte vorher "unbeeinflusst" meine Eindrücke loswerden.


    Das Buch liest sich vom Schreibstil an sich ganz flüssig, allerdings war das nicht meine Sorge. Was mich manchmal blättern, stutzen, überlegen oder recherchieren/kurz googeln lässt, das ist eher der Inhalt. Ich weiß das "Wichtigste" über die Verfolgung und Vernichtung von Juden, aber mir wird bei solchen Lektüren dann doch klar, wie lückenhaft mein Wissen bei Details ist.


    Aber erstmal zum Inhalt des ersten Abschnitts - von Jakob selbst erfährt man noch nicht so viel, ich habe auch keine Ahnung, wer der Erzähler ist. Wurde das hier erwähnt/besprochen? Lese ich nach. Ich denke, es ist ein anderer Bewohner des Gettos, mehr weiß ich nicht. Jakob wohnt im jüdischen Getto und ich frage mich, ob schon dieses "heil rauskommen aus dem Revier" die erste Lüge war - eher unwahrscheinlich, denn wenn er nicht rausgekommen wäre, hätte er nicht erzählen können. Ist das mit den Russen kurz vor Bezanika eine Lüge?

    Wir erfahren einiges über das Leben im Getto, was alles so verboten ist, wie die Bewohner damit umgehen, über die Liebschaften zwischen Mischa und (Bäume) Rosa (es ist nicht unbedingt witzig, aber es ließ mich schon ein wenig schmunzeln, wie Mischa versucht hat, das Zimmer, das er sich mit einem anderen teilt, so zu gestalten, dass er dort mit Rosa intim werden kann), aber über Jakob weiß ich noch sehr wenig. Mal gucken, wie wichtig er und seine Geschichte bzw. die "Lügen" für die Story werden.


    Ich lese das Buch bisher gerne, es erweitert ja ohnehin meinen Horizont, ist spannend, traurig, aber nicht deprimierend (empfinde ich zumindest nicht so).

    Ich hatte anfangs meine Probleme, in welchem Jahr wir uns da so befinden. Bin immer noch nicht sicher. Der Erzähler erzählt die Geschichte offenbar im Jahr 1967, denn auf S. 25 sagt er, er ist 1921 geboren und 46 Jahre alt. Aber wann spielt die Geschichte? Dazu hab ich noch nichts gefunden, aber laut meiner Recherche ging es mit der Entstehung der Gettos für die Juden so Ende der 30er, Beginn 40er Jahre los, ab 1942 dann eben auch mit der Deportation (ihr dürft mich korrigieren). Es müsste also so 1939-1941 sein. Ich hatte bisher sehr wenig Vorstellung von den Gettos, aber ich glaube, das Buch hilft mir dabei ein wenig, ihr vielleicht auch.


    In meinem Kopf sind noch ein paar offene Fragen, aber ich poste jetzt erstmal und lese dann eure Beiträge. Weiterlesen werde ich vermutlich frühestens heute Abend.

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  • Die Unsinnigkeit mit der Uhrzeit, ohne Uhr wissen zu sollen, wie spät es ist.


    Dachte ich mir auch. Gab es da Kirchenglocken oder sonst etwas (außer den Stand der Sonne), woran man sich orientieren konnte? Oder waren irgendwelche Glocken auch verboten? :gruebel

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  • Ich lese das Buch bisher gerne, es erweitert ja ohnehin meinen Horizont, ist spannend, traurig, aber nicht deprimierend (empfinde ich zumindest nicht so).

    Ich hatte anfangs meine Probleme, in welchem Jahr wir uns da so befinden. Bin immer noch nicht sicher. Der Erzähler erzählt die Geschichte offenbar im Jahr 1967, denn auf S. 25 sagt er, er ist 1921 geboren und 46 Jahre alt. Aber wann spielt die Geschichte? Dazu hab ich noch nichts gefunden, aber laut meiner Recherche ging es mit der Entstehung der Gettos für die Juden so Ende der 30er, Beginn 40er Jahre los, ab 1942 dann eben auch mit der Deportation (ihr dürft mich korrigieren). Es müsste also so 1939-1941 sein. Ich hatte bisher sehr wenig Vorstellung von den Gettos, aber ich glaube, das Buch hilft mir dabei ein wenig, ihr vielleicht auch.

    Der Erzähler denkt 1967 an seine Vergangenheit und die Geschichte zum Beispiel von Jakob, zurück. Die eigentliche Handlung vermute ich 1944/1945, weil bei der wirklichen Radiomeldung, die Jakob im Revier aufschnappt, vom Vormarsch der Russen bzw. der Front die Rede ist. Das ist meine zeitliche Vermutung.

  • Dachte ich mir auch. Gab es da Kirchenglocken oder sonst etwas (außer den Stand der Sonne), woran man sich orientieren konnte? Oder waren irgendwelche Glocken auch verboten? :gruebel

    Dieses Ghetto, wie auch die anderen Ortsnamen (Bezanika), sind fiktiv - allerdings wahrscheinlich ziemlich nah an den tatsächlichen Verhältnissen von Lodz angelehnt, wo der Autor mit seiner Familie im damaligen Ghetto war. Lodz war laut Wikipedia eine vor dem Krieg zu einem Drittel mit Juden bevölkerte Großstadt. Was bedeutet, dass es von den anderen zwei Drittel genügend Kirchen mit Glocken gegeben haben müsste.

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  • Dieses Ghetto, wie auch die anderen Ortsnamen (Bezanika), sind fiktiv - allerdings wahrscheinlich ziemlich nah an den tatsächlichen Verhältnissen von Lodz angelehnt, wo der Autor mit seiner Familie im damaligen Ghetto war. Lodz war laut Wikipedia eine vor dem Krieg zu einem Drittel mit Juden bevölkerte Großstadt. Was bedeutet, dass es von den anderen zwei Drittel genügend Kirchen mit Glocken gegeben haben müsste.


    Danke. Hätte ja sein können, dass man das im Getto nicht mehr gehört hat, aber war vermutlich dann schon zu weit hergeholt von mir. Deine Erklärung finde ich einleuchtend.


    Clare : Ja, ich hab mich jetzt durch eure Post gelesen und festgestellt, dass ich zeitlich falsch lag. Dachte halt, nach 1942 würden da nicht mehr viele Juden (und noch "unruhiger" als im Buch beschrieben) im Getto leben, aber das war wohl falsch gedacht. Scheint dann doch nach 1942 zu sein.



    Ich finde übrigens auch, dass der leichte, "fröhlichere" Ton irgendwie noch mehr das eigentliche Schrecken hervorhebt, wenn es auch nicht so genau beschrieben wird. Aber allein die Tatsache, Bäume zu verbieten, lässt mich sprachlos zurück.

    Die Taubstumm-Geschichte war auch schon etwas amüsant, verdeutlicht aber, wie schwierig das alles war. Sehr kreativ. Ob das Rosa wirklich glaubt? :grin


    Findus

    Danke für den Link. Werde ich mir durchlesen, auch noch den Wiki-Eintrag über den Autor.


    Den Film habe ich nicht gesehen, würde ich aber nach der Lektüre gerne machen.

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  • Rosenblatt und Piwowa sind aber in der Tat tot, oder? Es wird ja erwähnt, auch in etwa, wann und wie, aber hat mich etwas irritiert, weil sie auf S. 27 wieder erwähnt werden (in Konjunktiv, könnte also nur eine Vorstellung oder so sein) und auch auf S. 43 oben nochmal, sie seien wieder mal nicht zum Aushalten - aber es könnte natürlich auch nur die Erinnerung sein, die Jakob verfolgt.


    Irritiert mich dennoch.

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  • Rosenblatt und Piwowa sind aber in der Tat tot, oder? Es wird ja erwähnt, auch in etwa, wann und wie, aber hat mich etwas irritiert, weil sie auf S. 27 wieder erwähnt werden (in Konjunktiv, könnte also nur eine Vorstellung oder so sein) und auch auf S. 43 oben nochmal, sie seien wieder mal nicht zum Aushalten - aber es könnte natürlich auch nur die Erinnerung sein, die Jakob verfolgt.


    Irritiert mich dennoch.

    Jakob springt in Gedanken zu ihnen zurück, was sie zu diesem und jenen gedacht oder gesagt hätten, aber ja, sie sind tot. Ich sehe es eher so, wie ein einsamer Mensch mit sich selbst oder fiktiven Personen spricht.


    Das Ghetto von Łódź wurde im Januar 1945 von der Sowjetarmee befreit, und wenn man mutmaßt, dass das fiktive Ghetto im Buch an das dem Autor bekannte Ghetto von Łódź erinnert, so haben wir eine ungefähre zeitlicge Einordnung.

  • Sehr informativ und erschütternd finde ich den Wikipedia-Artikel zum Ghetto Łódź (von den Deutschen in Litzmannstadt umbenannt).

    Schrecklich, dass die Juden gezwungen wurden, sich gegenseitig zu beaufsichtigen, zu bestrafen und sogar zur Deportation in die Vernichtungslager und somit zum Tode zu verurteilen.

    Zitat


    Das Ghetto von Łódź wurde im Januar 1945 von der Sowjetarmee befreit

    Leider waren da nur noch die Wenigen übrig, die es irgendwie geschafft haben, sich vor der Deportation zu verstecken :(

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  • Dieses Ghetto, wie auch die anderen Ortsnamen (Bezanika), sind fiktiv - allerdings wahrscheinlich ziemlich nah an den tatsächlichen Verhältnissen von Lodz angelehnt, wo der Autor mit seiner Familie im damaligen Ghetto war. Lodz war laut Wikipedia eine vor dem Krieg zu einem Drittel mit Juden bevölkerte Großstadt. Was bedeutet, dass es von den anderen zwei Drittel genügend Kirchen mit Glocken gegeben haben müsste.

    Aber wurden die Glocken nicht alle runter geholt und zu Munition eingeschmolzen? Oder war das im ersten WK? Nein, in unserer damaligen Kirche, das habe ich als Kind erlebt, wurde die neue Glocke mit großer Festlichkeit wieder eingesetzt.

  • Sehr informativ und erschütternd finde ich den Wikipedia-Artikel zum Ghetto Łódź (von den Deutschen in Litzmannstadt umbenannt).

    Schrecklich, dass die Juden gezwungen wurden, sich gegenseitig zu beaufsichtigen, zu bestrafen und sogar zur Deportation in die Vernichtungslager und somit zum Tode zu verurteilen.

    Leider waren da nur noch die Wenigen übrig, die es irgendwie geschafft haben, sich vor der Deportation zu verstecken :(

    Dazu habe ich ein Buch gelesen, bin mir nicht sicher, aber ich meine Clare hätte es damals abgegeben.

    "Die Elenden von Lodz" von Steve Sem-Sandberg, der a-link will nicht funktionieren.


    Es las sich sehr unappetitlich. Vor allem, da es wirklich Juden gab, die die anderen ausnutzten zum eigenen Vorteil, sich durch besondere Dienste Begünstigungen erhofften von den Deutschen, die das weidlich auszunutzen verstanden. Kein Deutscher hat auch die Leichen aus den Krematorien geholt, das mussten alles die jüdischen Häftlinge machen. Weigerten sie sich, waren sie die nächsten.

    Ach und "Mila 18" von Leon Uris zwar auch heftig, aber der beschrieb auch den Widerstand dort und den Aufstand im Warschauer Ghetto.

  • Aber wurden die Glocken nicht alle runter geholt und zu Munition eingeschmolzen? Oder war das im ersten WK? Nein, in unserer damaligen Kirche, das habe ich als Kind erlebt, wurde die neue Glocke mit großer Festlichkeit wieder eingesetzt.

    Das könnte schon sein - besonders am Ende dieses Krieges als die Rohstoffe bestimmt auch wieder knapp waren.

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  • Findus Deine Buchverlinkung funktioniert nicht.

    Was für ein Buch habe ich abgegeben???

    Wenn ich nach der Nummer suche, komme ich zu einem Buch "Die Elenden von Lódz". Ich kenne das Buch nicht.

    Ich habe mich geirrt, es war SamtpfoteXL , die mit dem Buch nicht klar kam und es mir geschickt hat. Ja, das ist das Buch, es wollte nicht verlinkt werden. :rolleyes:

  • Rosenblatt und Piwowa sind aber in der Tat tot, oder? Es wird ja erwähnt, auch in etwa, wann und wie, aber hat mich etwas irritiert, weil sie auf S. 27 wieder erwähnt werden (in Konjunktiv, könnte also nur eine Vorstellung oder so sein) und auch auf S. 43 oben nochmal, sie seien wieder mal nicht zum Aushalten - aber es könnte natürlich auch nur die Erinnerung sein, die Jakob verfolgt.


    Irritiert mich dennoch.

    Hat mich am Anfang auch. Aber für Jakob sind sie immer noch gegenwärtig, das wird auch im nächsten Abschnitt wieder klar.

  • Ich lese das Buch bisher gerne, es erweitert ja ohnehin meinen Horizont, ist spannend, traurig, aber nicht deprimierend (empfinde ich zumindest nicht so).

    Ich empfinde das auch so. Es gibt ganz viele Szenen in dem Buch, die mich sehr traurig mache ( im nächsten Abschnitt kommt so eine schlimme Szene). Aber trotzdem lässt mich das Buch nicht deprimiert zurück, sondern eben nur traurig und nachdenklich. Das finde ich richtig gut. Der Autor schafft es, dass ich das Buch wirklich gerne lese. Ich hatte schon am Anfang ein wenig Bedenken, ob das Buch für mich im Moment überhaupt das Richtige ist, also ob ich Lust habe es zu lesen oder es mich nicht zu sehr runterzieht. Aber wenn ich das Buch in die Hand nehme, möchte ich immer weiter lesen.

  • Aber trotzdem lässt mich das Buch nicht deprimiert zurück, sondern eben nur traurig und nachdenklich. Das finde ich richtig gut. Der Autor schafft es, dass ich das Buch wirklich gerne lese. Ich hatte schon am Anfang ein wenig Bedenken, ob das Buch für mich im Moment überhaupt das Richtige ist, also ob ich Lust habe es zu lesen oder es mich nicht zu sehr runterzieht. Aber wenn ich das Buch in die Hand nehme, möchte ich immer weiter lesen.

    Ich finde auch, dass der Autor einfach die Situation beschreibt, die Geschichte Jakobs, ohne groß auf die Tränendrüse zu drücken. Dass das Leben im Getto nicht freiwillig und von Einschränkungen begleitet war, ja dass man sogar jederzeit erschossen, auf einen Transport oder geprügelt werden konnte, ist eher so ein Nebenschauplatz. Es fließt in die Erzählung ein, steht aber nicht im Vordergrund. Das Buch liest sich richtig flüssig und angenehm. Im zweiten Abschnitt finde ich das noch viel intensiver.

  • Ich finde übrigens auch, dass der leichte, "fröhlichere" Ton irgendwie noch mehr das eigentliche Schrecken hervorhebt, wenn es auch nicht so genau beschrieben wird. Aber allein die Tatsache, Bäume zu verbieten, lässt mich sprachlos zurück.

    Da kann ich dir nur zustimmen. Im zweiten Abschnitt gibt es eine solche Szene, die ganz nebenbei und leicht erzählt wird, wobei mir gerade deshalb wirklich Schauer über den Rücken gelaufen sind. Dazu morgen mehr in dem entsprechenden Thread.