'Jakob der Lügner' - Seiten 001 - 069


  • Insgesamt wirkt das Buch auf mich genauso, wie ihr das schon beschreibt. Auch wenn es trauriges Thema ist und es mich nachdenklich macht, deprimiert es nicht, weil der Erzählstil eben "leicht" ist.


    Den von Findus verlinkten Artikel habe ich noch nicht gelesen, das mach ich wohl in Ruhe die nächsten Tage. :-]


    Ich habe da eine kleine Bitte:

    Ich fände es ganz lieb, wenn nicht in dem jeweiligen Abschnitt bzgl. des nächsten Abschnitss vorgegriffen würde. Ich weiß, war jetzt kein dicker Spoiler oder so und dass in dem Buch auch sehr traurige oder gar schreckliche Szenen kommen können/kommen werden/möglich sind, kann man sich ja denken, aber ich finde es schade, in den Beiträgen zum ersten Abschnitt schon ein bisschen was über den zweiten Abschnitt zu erfahren, auch wenn es nur Sachen wie "schlimmer", "intensiver" oder sowas ist. Das mag für den einen oder anderen etwas empfindlich klingen, aber mir nimmt das tatsächlich ein wenig Leserfreude bzw. "Spannung".

    Dankeschön. :kiss


    Ich werde mich gleich im Bett noch an den zweiten Abschnitt machen, denn ich bin natürlich dennoch neugierig, wie es weitergeht.

    With love in your eyes and a flame in your heart you're gonna find yourself some resolution.


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  • Ich habe da eine kleine Bitte:

    Ich fände es ganz lieb, wenn nicht in dem jeweiligen Abschnitt bzgl. des nächsten Abschnitss vorgegriffen würde. Ich weiß, war jetzt kein dicker Spoiler oder so und dass in dem Buch auch sehr traurige oder gar schreckliche Szenen kommen können/kommen werden/möglich sind, kann man sich ja denken, aber ich finde es schade, in den Beiträgen zum ersten Abschnitt schon ein bisschen was über den zweiten Abschnitt zu erfahren, auch wenn es nur Sachen wie "schlimmer", "intensiver" oder sowas ist. Das mag für den einen oder anderen etwas empfindlich klingen, aber mir nimmt das tatsächlich ein wenig Leserfreude bzw. "Spannung".

    Dankeschön. :kiss


    Ich werde mich gleich im Bett noch an den zweiten Abschnitt machen, denn ich bin natürlich dennoch neugierig, wie es weitergeht.

    Falls Du mein erwähntes "schlimmer" meinst, das bezog sich nicht auf den nächsten Abschnitt oder einen Handlungsverlauf, sondern auf die real bekannte Geschichte, dass Ghettos zu dieser Zeit die Vorläufer für Deportation und im schlimmsten Fall für Vergasung waren.

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    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Carl Zuckmayer: Als wär's ein Stück von mir

  • Ich habe heute mit der ungekürzten Hörbuch-Fassung, gelesen von August Diehl, begonnen. Lesen und Hören parallel oder mal nur lesen, mal nur hören, damit komme ich zur Zeit am besten klar.

    Die Stimme und Lesweise von August Diehl spricht mich sehr an.

    Clare schrieb:

    Das Grauen lauert hier immer im Hintergrund, hinter den launigen Geschichten, dort wo unser Geschichtswissen ist.

    Zum Verhältnis von erzählerischer Leichtigkeit und der Schwere des Themas, finde ich mich in diesen Worten wieder.

    Die Kombination in der Summe, finde ich düster, schwer, zäh im Gesamten, trotz des heiter anmutenden Erzählstils. Hohe Traurigkeit auslösend, aber auch von der Spannung her schnell in die Geschichte hinein ziehend.

    Clare schrieb:

    Jakob springt in Gedanken zu ihnen zurück, was sie zu diesem und jenen gedacht oder gesagt hätten, aber ja, sie sind tot. Ich sehe es eher so, wie ein einsamer Mensch mit sich selbst oder fiktiven Personen spricht.

    Da bekomme ich Gänsehaut, Gedanken an eine Geistererzählung ("Die Drehung der Schraube" (The turn of the screw) von Henry James) steigen parallel auf.


    Saiya schrieb:

    Ich finde die Baum-Metapher für Jakob sehr schön. Zwar gibt es keine Bäume im Ghetto, sie sind d verboten, er aber steht für einen solchen. Der Erzähler verbindet mit ihm Standhaftigkeit, Vertrauen, jemand, der auch Stürme aushält, Vertrauen und Zuversicht schenken kann. Jemand, den man nur mit brutalen Methoden (Axt) zu Fall bringen kann.


    Die Baumbeschreibung hat mich sofort abgeholt, eigene Baum-Assoziationen / Metaphern ausgelöst. Viel Stoff zum nachsinnen.

    Findus schrieb:

    Die Unsinnigkeit mit der Uhrzeit, ohne Uhr wissen zu sollen, wie spät es ist.

    Schikane verbinde ich als Begriff damit. Schikane, mit möglichen tödlichen Folgen. Richtung (psychologische) Folter.

    Findus schrieb:

    Das Grauen ist eben nur auszuhalten, indem man möglichst leicht darüber weg geht.

    Für das Verhalten von Janusz Korczak, wie er "die Kinder seines Waisenhauses mit Gesang in das Krematorium geführt hat", muss man sich etwas in Gänze gestellt haben - wäre meine Sicht. Ich empfinde es nicht als "drüber weg gehen", sondern als ein über etwas hinaus wachsen, keine Verdrängung oder Abspaltung, Transzendierung vielleicht auch. Sonst wäre die Standfestigkeit für ein Verhalten von derartig menschlicher Größe für mich nicht erklärbar.


    An Korczak habe ich schon lange nicht mehr gedacht, vielen Dank für die Erinnerung.

    Während dem Studium habe ich mich mehr mit ihm beschäftigt. Ist lange her.

  • Für das Verhalten von Janusz Korczak, wie er "die Kinder seines Waisenhauses mit Gesang in das Krematorium geführt hat", muss man sich etwas in Gänze gestellt haben - wäre meine Sicht. Ich empfinde es nicht als "drüber weg gehen", sondern als ein über etwas hinaus wachsen, keine Verdrängung oder Abspaltung, Transzendierung vielleicht auch. Sonst wäre die Standfestigkeit für ein Verhalten von derartig menschlicher Größe für mich nicht erklärbar.


    An Korczak habe ich schon lange nicht mehr gedacht, vielen Dank für die Erinnerung.

    Während dem Studium habe ich mich mehr mit ihm beschäftigt. Ist lange her.

    Gerne. Bei Korczak war es wirklich ein über sich hinaus wachsen. Ja, bei mir ist das auch lange her, aber immer noch in guter Erinnerung, weil eben so, eigentlich nicht zu beschreiben, das Gefühl, das das bei mir auslöst. Solche Menschen darf man nicht vergessen.

  • Ja, es ist eindeutig Schikane. Schlimm.


    Ich danke euch, Janusz Korczak war mir gar nicht wirklich bekannt oder ich kann mich nicht erinnern. Da werde ich mal nachlesen. :-]

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  • :gruebel Kann mir einer von Euch (mit medizinischem Wissen) erklären, woran einer sterben kann, der eine verhungerte Katze "gefressen" hat?

    Muss Nathan Rosenblatt sie roh verschlungen haben?

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    :lesend Carl Zuckmayer: Als wär's ein Stück von mir

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von Tante Li ()

  • :gruebel Kann mir einer von Euch (mit medizinischem Wissen) erklären, woran einer sterben kann, der eine verhungerte Katze "gefressen" hat?

    Tierkadaver können faulen und die Bakterien sind schädlich. Wir wissen ja nicht, ob die Katze noch frisch war.

    Aber ich glaube in dem Fall, sie war verseucht.


    :/Daran kann ich mich gar nicht erinnern.

    Es liegt auf jeden Fall die Adresse von Dir vorne drin, das als Beiblatt in der Postsendung war. Das Buch gehörte einer Nicole Wörr oder Kren in Eberbach. Der Nachname ist schwer lesbar. Kennst Du die?

  • Ich konnte heute auch den ersten Teil beenden. Ich habe einfach noch einmal von vorne angefangen, denn es ist für mich eigentlich kein Buch, das man ständig unterbrechen kann.

    Mich berührt das Buch vom ersten Satz an.

    Für mich ist es das erste Buch von dem Autor und mir gefällt der Stil und die Schreibweise bisher richtig gut!

    Ich finde, die Geschichte kommt so leicht und zum Teil schon fast fröhlich daher, obwohl das Leben in dem Ghetto ganz furchtbar schlimm gewesen sein muss. Aber bisher wirkt das Leben von Jakob auf mich nicht so bedrückend, wie ich es befürchtet hatte. Und das liegt, denke ich , an dem speziellen Erzählstil.

    Mir gefällt ganz besonders, wie Becker mit der Rolle des Erzählers spielt. Mal erzählt er einfach nur, dann spricht er mit den Protagonisten, mal spricht er den Leser an. Das ist sehr ungewöhnlich, aber intelligent gemacht.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Ich habe mich jetzt stundenlang in meinen Bücherregalen vergraben, weil mich das Baummotiv nicht losgelassen und in mir eine Erinnerung geweckt hat.

    Bäume begleiten mich mein ganzes Leben. Mir lieb gewonnene Bäume besuche ich immer wieder. Auch liebe ich das Symbol "Baum" in der Literatur sehr, angefangen von Psalm 1 bis hin zu den verschiedensten Gedichten. An der Uni habe ich mal ein Proseminar zu Gedichten über Bäume belegt.

    In meinen Unterlagen habe ich dann das Gesuchte gefunden. In dem Gedicht "An die Nachgeborenen" von Bertold Brecht greift die Stimmung auf, die ich beim Lesen empfunden habe und so schwer beschreiben kann. Ich weiß nicht, ob man das hier verlinken darf, ihr findet es aber ganz leicht im Netz.


    Ich finde diese ersten beiden Seiten des Romans sehr bemerkenswert. In seinem Nachdenken über "den Baum" spricht der Erzähler den Leser direkt an. Er durchlöchert ihn quasi mit Fragen. Zugleich erfährt man einen kurzen Abriss über wichtige Stationen seines Leben, angefangen von einem Sturz von einem Apfelbaum, der ihn eine Karriere als Geiger Kostete. Dann über seine erste Liebe, mit der der Erzähler unter einer Buche gelegen hat. Schließlich erfährt der Leser, das seine Frau Chana unter einem Baum erschossen wurde. Diese Steigerung ist grandios gemacht und quasi wie nebenbei erzählt.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Ich habe mich jetzt stundenlang in meinen Bücherregalen vergraben, weil mich das Baummotiv nicht losgelassen und in mir eine Erinnerung geweckt hat.

    Bäume begleiten mich mein ganzes Leben. Mir lieb gewonnene Bäume besuche ich immer wieder. Auch liebe ich das Symbol "Baum" in der Literatur sehr, angefangen von Psalm 1 bis hin zu den verschiedensten Gedichten. An der Uni habe ich mal ein Proseminar zu Gedichten über Bäume belegt.



    Ich finde diese ersten beiden Seiten des Romans sehr bemerkenswert. In seinem Nachdenken über "den Baum" spricht der Erzähler den Leser direkt an. Er durchlöchert ihn quasi mit Fragen. Zugleich erfährt man einen kurzen Abriss über wichtige Stationen seines Leben, angefangen von einem Sturz von einem Apfelbaum, der ihn eine Karriere als Geiger Kostete. Dann über seine erste Liebe, mit der der Erzähler unter einer Buche gelegen hat. Schließlich erfährt der Leser, das seine Frau Chana unter einem Baum erschossen wurde. Diese Steigerung ist grandios gemacht und quasi wie nebenbei erzählt.

    Du beleuchtet den Baum noch einmal ganz neu für mich. Danke für dieses Tiefergehen!🙏

  • Ich finde diese ersten beiden Seiten des Romans sehr bemerkenswert. In seinem Nachdenken über "den Baum" spricht der Erzähler den Leser direkt an. Er durchlöchert ihn quasi mit Fragen. Zugleich erfährt man einen kurzen Abriss über wichtige Stationen seines Leben, angefangen von einem Sturz von einem Apfelbaum, der ihn eine Karriere als Geiger Kostete. Dann über seine erste Liebe, mit der der Erzähler unter einer Buche gelegen hat. Schließlich erfährt der Leser, das seine Frau Chana unter einem Baum erschossen wurde. Diese Steigerung ist grandios gemacht und quasi wie nebenbei erzählt.

    :write Eigentlich lässt sich nichts Besseres dazu sagen.


    Dieses Nebenbei erzählen finde ich, zieht sich durch das ganze Buch.

    Mich inspirieren Bäume auch sie sind wunderbar und so unterschiedlich wie Schneeflocken.

  • Du beleuchtet den Baum noch einmal ganz neu für mich. Danke für dieses Tiefergehen!🙏

    :knuddel1

    :write Eigentlich lässt sich nichts Besseres dazu sagen.


    Dieses Nebenbei erzählen finde ich, zieht sich durch das ganze Buch.

    Mich inspirieren Bäume auch sie sind wunderbar und so unterschiedlich wie Schneeflocken.

    Nicht weit von unserer Wohnung liegt ein Natur- und Vogelschutzgebiet, in dem Bäume einfach frei wachsen dürfen. Sie sind natürlich allem ausgesetzt, was die Natur so mit sich bringt. Ich bin immer wieder erstaunt, wie wandelbar ihre Gesichter sind. Eine Pflanze, die sich frei der Sonne entgegenrecken darf, finde ich einfach nur schön, auch ein Symbol für Freiheit, obwohl das im ersten Moment nicht zusammenzupassen scheint.

    Im Ghetto sind Bäume verboten. Niemand darf sich frei bewegen, offen und unbesorgt sprechen, die Menschen werden ihrer Menschlichkeit beraubt. Im Grunde ist das Ghetto eine Haltestelle vor dem sicheren Tod. Dieser Kontrast erzeugt bei mir eine Gänsehaut.

    Auch das Fehlen der Zeit ist stark herausgearbeitet. Die Tage gleichen sich und werden nicht näher benannt. Uhren sind verboten, die Zeit schreitet gleichförmig, aber unaufhaltsam voran. Man erkennt den Fortgang der Zeit eigentlich nur daran, dass die Menschen immer dünner werden bzw. die Kleidung immer enger genäht werden muss.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Schön, dass da noch ein Nachzügler kommt. Ich werde später in Ruhe nachlesen und sicherlich auch noch was schreiben. :)

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  • Im Ghetto sind Bäume verboten. Niemand darf sich frei bewegen, offen und unbesorgt sprechen, die Menschen werden ihrer Menschlichkeit beraubt. Im Grunde ist das Ghetto eine Haltestelle vor dem sicheren Tod. Dieser Kontrast erzeugt bei mir eine Gänsehaut.

    Auch das Fehlen der Zeit ist stark herausgearbeitet. Die Tage gleichen sich und werden nicht näher benannt. Uhren sind verboten, die Zeit schreitet gleichförmig, aber unaufhaltsam voran. Man erkennt den Fortgang der Zeit eigentlich nur daran, dass die Menschen immer dünner werden bzw. die Kleidung immer enger genäht werden muss.

    Die einzige Struktur die sie haben ist die Arbeit am Bahnhof. Aber die, die nicht arbeiten, wie die Frankfurters oder auch Lina, haben das nicht. Diese Gleichförmigkeit der Tage erinnert mich an etwas. Vielleicht komm ich noch drauf. Aber das Warten auf den Tod in dieser Umgebung, da bekommt man wirklich Gänsehaut.

  • Im Ghetto sind Bäume verboten. Niemand darf sich frei bewegen, offen und unbesorgt sprechen, die Menschen werden ihrer Menschlichkeit beraubt.

    Wenn Bäume verboten waren, müssen alle gefällt worden sein, als die Juden ins Ghetto zwischen hinter die Zäune getrieben wurden. Ich mag mir das gar nicht vorstellen. Zumal es ja außerhalb des Zaunes, in der normalen Stadt weiter Bäume gegeben haben muss, vielleicht sogar in Sichtweite...

  • Ich habe mich jetzt stundenlang in meinen Bücherregalen vergraben, weil mich das Baummotiv nicht losgelassen und in mir eine Erinnerung geweckt hat.

    Bäume begleiten mich mein ganzes Leben. Mir lieb gewonnene Bäume besuche ich immer wieder. Auch liebe ich das Symbol "Baum" in der Literatur sehr, angefangen von Psalm 1 bis hin zu den verschiedensten Gedichten. An der Uni habe ich mal ein Proseminar zu Gedichten über Bäume belegt.

    In meinen Unterlagen habe ich dann das Gesuchte gefunden. In dem Gedicht "An die Nachgeborenen" von Bertold Brecht greift die Stimmung auf, die ich beim Lesen empfunden habe und so schwer beschreiben kann. Ich weiß nicht, ob man das hier verlinken darf, ihr findet es aber ganz leicht im Netz.


    Ich finde diese ersten beiden Seiten des Romans sehr bemerkenswert. In seinem Nachdenken über "den Baum" spricht der Erzähler den Leser direkt an. Er durchlöchert ihn quasi mit Fragen. Zugleich erfährt man einen kurzen Abriss über wichtige Stationen seines Leben, angefangen von einem Sturz von einem Apfelbaum, der ihn eine Karriere als Geiger Kostete. Dann über seine erste Liebe, mit der der Erzähler unter einer Buche gelegen hat. Schließlich erfährt der Leser, das seine Frau Chana unter einem Baum erschossen wurde. Diese Steigerung ist grandios gemacht und quasi wie nebenbei erzählt.


    Da schließe ich mich Clare an, dass Du das nochmal neu beleuchtest. Ich könnte mir auch gut vorstellen, Jurek Becker vielleicht auch dieses Gedicht im Kopf hatte, als er die Zeilen schrieb (ich habe jetzt mal lieber nachgeguckt, aber Beckers Buch erschien ja 1969, das Gedicht von Brecht wurde 1939 veröffentlicht, also ist das zeitlich ja möglich). Ich denke, es ist schon einfach auch etwas, was nochmal deutlicht macht, wieviel den Juden verboten wurde und wie knallhart und auch unglaublich übertrieben hier agiert wurde seitens der Deutschen ("übertrieben" ist kein angemessenes Wort, aber ich denke, ihr wisst, was ich meine und mir fällt aktuell nichts Besseres dazu ein).


    Ich meine, wie hirnrissig ist das, Bäume zu verbieten? Bäume! Und wie Clare ja richtig anmerkt, müssten evlt. ja einige vorher extra gefällt werden. Dieser Aufwand, der da betrieben wurde, zeigt doch nochmal einen anderen Aspekt, was die Absurdität des Ganzen angeht. Wobei natürlich "absurd" auch sehr beschönigend klingt.

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  • Da schließe ich mich Clare an, dass Du das nochmal neu beleuchtest. Ich könnte mir auch gut vorstellen, Jurek Becker vielleicht auch dieses Gedicht im Kopf hatte, als er die Zeilen schrieb (ich habe jetzt mal lieber nachgeguckt, aber Beckers Buch erschien ja 1969, das Gedicht von Brecht wurde 1939 veröffentlicht, also ist das zeitlich ja möglich). Ich denke, es ist schon einfach auch etwas, was nochmal deutlicht macht, wieviel den Juden verboten wurde und wie knallhart und auch unglaublich übertrieben hier agiert wurde seitens der Deutschen ("übertrieben" ist kein angemessenes Wort, aber ich denke, ihr wisst, was ich meine und mir fällt aktuell nichts Besseres dazu ein).


    Ich meine, wie hirnrissig ist das, Bäume zu verbieten? Bäume! Und wie Clare ja richtig anmerkt, müssten evlt. ja einige vorher extra gefällt werden. Dieser Aufwand, der da betrieben wurde, zeigt doch nochmal einen anderen Aspekt, was die Absurdität des Ganzen angeht. Wobei natürlich "absurd" auch sehr beschönigend klingt.

    Ich finde es hochinteressant, wie Du hier Deine Gedanken klar legst. Vielleicht wäre unverhältnismäßg ein Wort das Dir zusagt? hier passt. Weil es wird ja nicht unr eingesperrt, sondern auch die Lebensziele und ihre Pläne einfach ignoriert,

  • Gummibärchen schrieb:

    Dieser Aufwand, der da betrieben wurde, zeigt doch nochmal einen anderen Aspekt, was die Absurdität des Ganzen angeht. Wobei natürlich "absurd" auch sehr beschönigend klingt.

    Perfidität? Oder absurd, bodenlos niederträchtig?

    Nicht belehrend gemeint, ich versuche gerade für manches, das man kaum beschreiben kann, passende Worte zu finden.

    Das Vorgehen mit den Bäumen, wie auch das Paradox mit dem Uhrverbot / bestimmte Zeiten zwingend einhalten müssen, bewegen sich für mich am Rand oder bereits im nicht mehr Beschreibbaren.

    Finde das Lesen bereits schwer zu ertragen.

  • Perfidität? Oder absurd, bodenlos niederträchtig?

    Nicht belehrend gemeint, ich versuche gerade für manches, das man kaum beschreiben kann, passende Worte zu finden.

    Das Vorgehen mit den Bäumen, wie auch das Paradox mit dem Uhrverbot / bestimmte Zeiten zwingend einhalten müssen, bewegen sich für mich am Rand oder bereits im nicht mehr Beschreibbaren.

    Finde das Lesen bereits schwer zu ertragen.

    "Perfide" trifft es vielleicht ganz gut, Danke. Niederträchtig evtl auch.


    Findus

    Hochinteressant? Ich weiß nicht, wie Du das genau meinst, aber freut mich dennoch zu lesen. :)

    "Unverhältnismäßig" ist mir, ähnlich wie absurd, immer noch zu wenig. Das impliziert ja ein bisschen, dass es da auch eine Verhältnismäßigkeit geben müsste. Und da kann ich mir in diesem Falle (die Verfolgung der Juden in der NS-Zeit) nicht so gut vorstellen. :gruebel


    Vielleicht ist es einfach so unvorstellbar, dass es eben schwer ist, ein passendes Wort dafür zu finden.

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