'Mehr als die Erinnerung' - Seiten 001 - 079

  • Ich habe die ersten 4 Kapitel bereits gelesen und finde die Geschichte bis jetzt sehr interessant.

    Ich bin überrascht, dass mich das Thema so fesselt.


    Der Schreibstil ist sehr flüssig und die Personen sind schon in den Rollen, die ihnen wahrscheinlich angedacht sind.

  • Der Schreibstil ist sehr flüssig und die Personen sind schon in den Rollen, die ihnen wahrscheinlich angedacht sind.

    Vielen Dank. Welche Rollen denkst du denn, sind welchen Personen angedacht? Das finde ich immer sehr spannend als Autorin, zu erfahren, wie bestimmte Figuren am Anfang wahrgenommen werden und welche Erwartungshaltungen sie auslösen.

  • Nach 10 Seiten war ich interessiert, nach 20 fasziniert, nach 40 war mir klar, das wird ein tolles Leseerlebnis und nach dem ersten Abschnitt bin ich jetzt total begeistert. Hier passt einfach alles.


    Tolle glaubwürdige Figuren, interessante Infos, hochspannender Plot.


    Ich finde es toll, wie liebevoll und aufmerksam die Kranken hier betreut und geführt werden. Vielleicht ist das für die damalige Zeit fast etwas zu perfekt, aber ich liebe Gut Mohlenberg und hoffe, dass es Einrichtungen in ähnlicher Form wirklich gab und heute weitgehend gibt.


    Ich könnte mir vorstellen, dass die Recherche zu diesem Thema sehr aufwühlend war, liebe Melanie? Ich kenne andere Bücher mit fürchterlichen Beschreibungen damaliger Zustände und unterschwellig kann man auch hier deutlich spüren, was die Menschen und vor allem die Ärzte damals von Geisteskranken dachten. Der begriff "Irre" ist ja schon eher abwertend. Heute fällt er sicher unter eine Kategorie wie "Neger" oder "Zigeuner". Ein No-go.


    Interessant auch, dass es hier "hysterische" Frauen gibt. Das Thema finde ich sehr spannend und habe schon einiges darüber gelesen oder Filme gesehen. War ja ein pauschaler Begriff. Im Falle der jungen Frau hier tippe ich darauf, dass sie vergewaltigt wurde - von einem Familienmitglied fürchte ich - und dass sie sich deshalb in eine gespaltene Persönlichkeit geflüchtet hat. Sehr emphatisch beschrieben.


    Überhaupt Friederike ist der Hammer. So eine tolle warmherzige Frau. Bewunderswert, wie sie mit ihrem Ehemann umgeht. Man spürt, dass in Bernhard schon noch den Mann von früher schlummert. Die Art, wie sie mit ihm umgeht, geht mir sehr nahe.


    Ob wohl Walter einen schwarzen Fleck in seiner Vergangenheit hat? Er ist ja schon sehr erpicht NICHT darüber zu reden und sich aus allem rauszuhalten. Das ist ja per se verdächtig. :) Aber ich mag ihn. Auch, weil er so freundlich zu Bernhard ist.


    Und wer hat jetzt Trudi etwas angetan? Kuno sicher nicht. Dass hier auch etwas krimimäßiges drinsteckt, finde ich auch sehr schön.


    Ich fürchte, ich muss mich beherrschen, diese Geschichte nicht heute abend einfach durchzulesen. Ich freu mich richtig, dass ich noch einige Metzenthin-Bücher ungelesen im Schrank habe. :love:

    Hollundergrüße :wave




    :lesend

    Die Fabrikantinnen - Sarah Lindberg (sobald das Buch vorliegt)



    (Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern daß er nicht tun muß, was er nicht will - Jean Rousseau)

  • Das finde ich immer sehr spannend als Autorin, zu erfahren, wie bestimmte Figuren am Anfang wahrgenommen werden und welche Erwartungshaltungen sie auslösen.

    Ich finde es ja sehr spannend, wenn Figuren sich entwickeln und auch noch kleine Geheimnisse haben, die man entdecken kann. Walter ist auf jeden Fall der mit den Geheimnissen. Der noch auftauchen muss.

    Hollundergrüße :wave




    :lesend

    Die Fabrikantinnen - Sarah Lindberg (sobald das Buch vorliegt)



    (Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern daß er nicht tun muß, was er nicht will - Jean Rousseau)

  • Ich könnte mir vorstellen, dass die Recherche zu diesem Thema sehr aufwühlend war, liebe Melanie? Ich kenne andere Bücher mit fürchterlichen Beschreibungen damaliger Zustände und unterschwellig kann man auch hier deutlich spüren, was die Menschen und vor allem die Ärzte damals von Geisteskranken dachten. Der begriff "Irre" ist ja schon eher abwertend. Heute fällt er sicher unter eine Kategorie wie "Neger" oder "Zigeuner". Ein No-go.

    Ich musste jetzt gar nicht so viel explizit für dieses Buch recherchieren, weil ich schon viel für "Im Lautlosen" recherchiert hatte und weil ich aus meinem Studium und den verschiedenen Arbeitsplätzen, wo ich tätig war (auch in Bad Bevensen in der Lüneburger Heide) vieles an Historie mit bekommen habe. Mohlenberg ist fiktiv, aber es gab schon immer solche Enklaven von Idealisten.


    Irrer war mal ein Fachbegriff. Dazu schreibe ich etwas im Nachwort. Irrenarzt und Irrenwärter waren auch mal normale Berufsbezeichnungen.

    Im Falle der jungen Frau hier tippe ich darauf, dass sie vergewaltigt wurde - von einem Familienmitglied fürchte ich - und dass sie sich deshalb in eine gespaltene Persönlichkeit geflüchtet hat. Sehr emphatisch beschrieben.

    Juliane wird noch sehr interessant werden.

    Man spürt, dass in Bernhard schon noch den Mann von früher schlummert. Die Art, wie sie mit ihm umgeht, geht mir sehr nahe.

    Ja, die Beziehung zwischen den Beiden war ein wesentliches Element im Roman. Ich glaube, deshalb hat das Buch auch den Delia-Literaturpreis 2020 bekommen.

    Aber ich mag ihn. Auch, weil er so freundlich zu Bernhard ist.

    Man erkennt Menschen oft daran, wie sie mit Schwächeren umgehen.

    Und wer hat jetzt Trudi etwas angetan? Kuno sicher nicht. Dass hier auch etwas krimimäßiges drinsteckt, finde ich auch sehr schön.

    Das ist für meine Mohlenberg-Reihe typisch, da gibt es immer auch einen Kriminalfall als roten Faden, aber der dient mehr dazu, den Rahmen für das Sittengemälde zu bieten.

  • Irrer war mal ein Fachbegriff. Dazu schreibe ich etwas im Nachwort. Irrenarzt und Irrenwärter waren auch mal normale Berufsbezeichnungen.

    Bei Nachworten bin ich immer vorsichtig. Weil ich mich nicht spoilern will.

    Dass das mal normale Berufsbezeichnungen waren wusste ich nicht. =O Heute undenkbar.


    Ich musste jetzt gar nicht so viel explizit für dieses Buch recherchieren, weil ich schon viel für "Im Lautlosen"

    Das muss äh darf ich auch noch lesen. :)

    Hollundergrüße :wave




    :lesend

    Die Fabrikantinnen - Sarah Lindberg (sobald das Buch vorliegt)



    (Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern daß er nicht tun muß, was er nicht will - Jean Rousseau)

  • Ja, es ist auch besser, das Nachwort erst am Ende zu lesen, weil es wirklich spoilert. Wie gesagt, Sprache ist im Wandel - ich greife hier mal ein bisschen von dem vor, was ich im Nachwort erläutere.


    Idiot war früher ein Fachbegriff für einen geistig behinderten Menschen. Dann fingen die Leute an, sich damit zu beschimpfen. In den 1920er Jahren verwendete man deshalb den Begriff "schwachsinnig" - auch wertneutral - diese Menschen waren "schwächeren Sinnes". Dann fingen die Leute an, sich wieder damit zu beschimpfen. Also hat man nach dem 2. WK "minderbegabt" eingeführt. Daraus resultierte "Ey, Alda, bissu minderbegabt, oder was?" woraufhin man dann "intelligenzgemindert" einführte. Das Wort ist so lang, dass man sich dann wohl doch lieber wieder mit Idiot beschimpft.


    Man sieht aber an diesem Beispiel, dass man mit der Sprache immer wieder dem eigentlichen Problem hinterher läuft. Gerade in der heutigen Sprach- und Genderdiskussion gibt es ja die Menschen, die sagen, wenn man die Sprache anpasst, passt sich das Verhalten von selbst an.


    Leider ist das nicht so. Stattdessen werden einstmals neutrale Worte wieder zu Schimpfworten, wenn man das grundsätzliche Problem dahinter nicht beseitigt - Integration und Inklusion. Wenn es niemand mehr nötig hätte, einen anderen als einen vermeintlich minderwertigen Menschen zu beschimpfen. Oder wenn man wie bei "Idiot" den übertragenen Begriff akzeptiert - der heutige Idiot ist ja kein geistig behinderter Mensch, sondern ein normaler Mensch, der sich beknackt verhält, sodass man sich über ihn ärgert.

  • Man sieht aber an diesem Beispiel, dass man mit der Sprache immer wieder dem eigentlichen Problem hinterher läuft. Gerade in der heutigen Sprach- und Genderdiskussion gibt es ja die Menschen, die sagen, wenn man die Sprache anpasst, passt sich das Verhalten von selbst an.

    Das ist ja ein heftig diskutiertes Thema. Du hast es aber gut auf den Punkt gebracht. Ein Wort nicht mehr zu benutzen ändert ja nichts am Verhalten der Menschen.


    Ich finde es ja nicht richtig, dass man in historischen Romanen Begriffe weglässt oder nicht ausspricht, die damals gang und gäbe waren. Auch wenn sie etwas Abfälliges ausdrücken, dann war das damals so und man benutzt die Worte ja nicht, um heutige Betroffene abzuwerten sondern um zu zeigen wie abwertend damals mit den Menschen umgegangen wurde. Man kann daraus lernen, dass es falsch war.


    (Erst gestern habe ich festgestellt, dass in einer Star-Wars-Serie nach 40 Jahren der Name eines Raumschiffes geändert wurde. Es hieß eigentlich 4 Jahrzehnte SLAVE. Nun hat man es umbenannt - Name hab ich vergessen, war nichtssagend - weil man den Begriff Sklave nicht verherrlichen will. So ein Blödsinn.)

    Hollundergrüße :wave




    :lesend

    Die Fabrikantinnen - Sarah Lindberg (sobald das Buch vorliegt)



    (Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern daß er nicht tun muß, was er nicht will - Jean Rousseau)

  • Ich bin schon in Kapitel 8, da ich zwei halb schlaflose Nächte hinter mir habe und das Buch auch extrem spannend ist. Aber ich meine, ich habe es bereits gelesen, es ist ja schon ne ganze Weile auf meinem kindle. Deshalb tu ich mir auch mit den Seitenangaben schwer. Aber ich habe viel vom Inhlat bereits vergessen.


    Aber den Verdacht, dass Juliane vergewaltigt wurde, habe ich auch. Vermutlich vom Vater, über die verschiedenen FAmilienmitglieder, außer dem arroganten Bruder hat man ja noch nichts gehört.

    Walter, das ist auch so ein Kapitel - ich habe schon das Gefühl, dass mit ihm was nicht stimmt. Immer wenn er auf die Verletzung angesprochen wird, fängt er an zu faseln.


    Heute Nacht ging mir eine Frage im Kopf rum, die mir jetzt aber partout nicht einfallen will. Vielleicht heute Abend, wenn ich wieder Zeit habe. Jetzt gehe ich zurück an die Arbeit,

  • Ich finde es ja nicht richtig, dass man in historischen Romanen Begriffe weglässt oder nicht ausspricht, die damals gang und gäbe waren. Auch wenn sie etwas Abfälliges ausdrücken, dann war das damals so und man benutzt die Worte ja nicht, um heutige Betroffene abzuwerten sondern um zu zeigen wie abwertend damals mit den Menschen umgegangen wurde. Man kann daraus lernen, dass es falsch war.

    Ich verwende die Begriffe so, wie sie damals historisch verwendet wurden. Für alles andere ist das Nachwort da. Und ich möchte im historischen Roman nichts weichspülen. Wenn es damals eine andere Wahrnehmung gab, gehört die in einen historischen Roman. Denn wen man so tut, als hätte es das alles nicht gegeben, verschweigt man ja auch das Leid der damaligen Opfer, weil die Leser heute dann denken: "Was haben die bloß? War doch alles ganz toll damals!"

    Es hieß eigentlich 4 Jahrzehnte SLAVE. Nun hat man es umbenannt - Name hab ich vergessen, war nichtssagend - weil man den Begriff Sklave nicht verherrlichen will. So ein Blödsinn.

    Das halte ich auch für Blödsinn - zumal man sich ja auch aus Protest Slave nennen kann, um gerade aus der Schwäche eine Stärke zu machen. Worte muss man schließlich immer im Kontext betrachten, weil sie nur im Kontext ihre Bedeutung bekommen.

  • Ist ja auch schon seit Mai 2019 auf dem Markt :-)

    Ich bin, ehrlich gesagt, jetzt schon froh, dass ich es erst jetzt lese. Weil ich nämlich dann gleich die Fortsetzung hinterherschieben kann. ;)

    Hollundergrüße :wave




    :lesend

    Die Fabrikantinnen - Sarah Lindberg (sobald das Buch vorliegt)



    (Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern daß er nicht tun muß, was er nicht will - Jean Rousseau)

  • Ich bin, ehrlich gesagt, jetzt schon froh, dass ich es erst jetzt lese. Weil ich nämlich dann gleich die Fortsetzung hinterherschieben kann.

    Wobei es 2019 noch als Stand alone geplant war - aber dann gewann es den DELIA-Literaturpreis 2020 und außerdem wollten viele wissen, wie es weiter geht. Also gibt es noch vier weitere Geschichten mit Gut Mohlenberg, die aber alle für sich abgeschlossen sind, aber aufeinander aufbauen. Bei mir ist es immer wichtig, dass man auch als Quereinsteiger anfangen kann.

  • Ich verwende die Begriffe so, wie sie damals historisch verwendet wurden. Für alles andere ist das Nachwort da. Und ich möchte im historischen Roman nichts weichspülen. Wenn es damals eine andere Wahrnehmung gab, gehört die in einen historischen Roman. Denn wen man so tut, als hätte es das alles nicht gegeben, verschweigt man ja auch das Leid der damaligen Opfer, weil die Leser heute dann denken: "Was haben die bloß? War doch alles ganz toll damals!"

    Das finde ich auch sehr wichtig und gut, dass du das so machst.


    Ansonsten bin ich nach den ersten ein, zwei Kapiteln so richtig im Buch drin gewesen.

    Friederike (schön, dass sie von Bernhard Rieke genannt wird) ist eine tolle Frau.

    Schon jetzt würde ich mir wünschen, dass sie irgendwann ihr Medizinstudium beenden kann.......... :-)

    Ich finde es alles andere als selbstverständlich (für sie ist es das aber und das ist sehr schön), dass sie bei Bernhard bleibt und ihre Ehe weiter führt.

    Und ich glaube, der gemeinsame Weg führt in die richtige Richtung. :-)


    Als Kuno dem Schaf den Bauch aufgeschnitten hat und das Lamm "retten wollte" hatte ich gleich eine Ahnung, dass dies verhängnisvoll für ihn sein könnte.


    Und Walter Pietsch ist bestimmt nicht zufällig auf dem Gut aufgetaucht.............


    Mir gefällt es sehr gut, dass ich viel Wissen über psychische Erkrankungen und die damaligen Behandlungsmethoden vermittelt bekomme.:thumbup:


    Jeder Kranke, der auf Gut Mohlenberg aufgenommen wird, hat wahrscheinlich seinen persönlichen Sechser im Lotto gewonnen.

  • Wobei es 2019 noch als Stand alone geplant war - aber dann gewann es den DELIA-Literaturpreis 2020 und außerdem wollten viele wissen, wie es weiter geht. Also gibt es noch vier weitere Geschichten mit Gut Mohlenberg, die aber alle für sich abgeschlossen sind, aber aufeinander aufbauen. Bei mir ist es immer wichtig, dass man auch als Quereinsteiger anfangen kann.

    Dann freue ich mich jetzt schon auf die Weiterentwicklung der Liebesgeschichte von Rieke und Bernhard in diesem Buch. :-)

    Und vier weitere Bände ist eine feine Sache.:thumbup:

  • Egal, zwischenzeitlich kann man ja noch andere Bücher lesen. Ich werde das Buch trotzdem fertig lesen, denn es hat mir schon beim erste Mal gefallen, wie auch die Bücher in Hamburg mit den Gehörlosen. Das war auch sehr fesselnd und vom Thema her ja ähnlich.


    Gab es eigentlich wirklich damals schon so Einrichtungen wie das Gute Mohlenberg oder ist das einfach frei erfunden? Entschuldige falls das schon jemand gefragt hat, ich kann zu Zeit nicht alles lesen.

  • Gab es eigentlich wirklich damals schon so Einrichtungen wie das Gute Mohlenberg oder ist das einfach frei erfunden? Entschuldige falls das schon jemand gefragt hat, ich kann zu Zeit nicht alles lesen.

    Es gab das Konzept schon. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fingen viele Landesnervenkliniken an, psychisch Kranke in der Landwirtschaft zu beschäftigen und human zu behandeln. In "Im Lautlosen" beschreibe ich ja auch die Anfänge in Langenhorn/Ochsenzoll historisch belegt 1926 und bis ins Dritte Reich. Die Nazis haben dann später viel kaputt gemacht - die staatlichen humanen Nervenheilanstalten mussten nachweisen, welche ihrer Patienten Arbeit von wirtschaftlichem Wert erbringen konnten etc. Es gab auch kleinere Privatkliniken von Idealisten geführt. Das hat mich zum fiktiven Mohlenberg inspiriert. Es gab es etwas, aber Mohlenberg selbst ist fiktiv.