'Freitags bei Paolo' - Seiten 185 - 268

  • Marie hasst Körperbehaarung. Ach so?! Wie haben die beiden das bisher praktiziert? Haben sie sich jeden Samstag lustvoll gegenseitig am ganzen Körper rasiert? Dann fällt das doch nach keinem Monat auf, wenn es am ganzen Körper piekt. Oder hat sich Clemens heimlich vor jedem Freitag selber enthaart, um ihr den glatten Genuss zu gönnen? Oder hat sie vor lauter Liebe seine Stacheligkeit in Kauf genommen?

    Oder ist sie nur deshalb anfangs mit ihm zusammengeblieben, weil er von Natur aus nur weichen Flaum entwickelt?

    :gruebel

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    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Charlotte Link: Schattenspiel

  • :gruebel Da man nicht miterlebt hat, wie Sex 20 Jahre lang gut zwischen den beiden funktioniert hat, finde ich es etwas dünn als Hauptgrund anzugeben, dass sie sich trennen, weil da nichts mehr läuft.

    Normalerweise kommen bei einer Trennung alle gegenseitige Unstimmigkeiten und Streitpunkte auf den Tisch. :/


    Mir ist der sinnliche Bereich einfach zu distanziert geschildert.

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  • Da man nicht miterlebt hat, wie Sex 20 Jahre lang gut zwischen den beiden funktioniert hat, finde ich es etwas dünn als Hauptgrund anzugeben, dass sie sich trennen, weil da nichts mehr läuft.

    Das ist nicht der Hauptgrund.


    Edit: Genau das ist der Kern. Es gibt keinen "Grund", keinen Anlass, keine Ausweglosigkeit, und es geht ganz sicher nicht um Sex. Es gibt schleichende Erosion. Sie sind eigentlich noch fein, und die meisten würden an ihrer Stelle zusammenbleiben und das irgendwie auszuhalten versuchen. Aber eben nicht diese beiden.

  • In diesem Teil werden andere Beziehungen in Relation zu Marie und Clemens gezeigt. Teddys toxische Beziehung zu Diana, die nach der "2 Monate kein Sex"-Regel womöglich bereits am Hochzeitstag getrennt hätte sein müssen. Teddy klammert sich dennoch daran.

    Und die von Leonard und Luise Benedickt. Luise deren Name sich mit Maries Namen zu Marieluise Benedickt ergänzt. Wodurch nicht nur Luise, sondern auch Marie wie eine jüngere Version der lebenslustigen Marieluise aus Metting wirkt.


    Aus dem Metting-Roman begegnen wir Nadine Frontzecki, die ich bisher als Sebastian Fitzek sehe, aber bei der ich das Gefühl habe, dass sich ähnlich wie bei anderen "Metting"-Schriftstellern, noch eine zweite reale Person darin verbirgt. Vermutlich eine Autorin. Jemand eine Idee?

    Glenda Brombach, das Rückgrat von Kunst und Kultur, stirbt. Sie siechte ja schon dahin, wird aber angefahren von einem Taxi, das sie selbst gerufen hat. Was vermutlich Clemens noch Probleme bereiten wird.


    Clemens geht auf das beste Midlifekrisenalter zu und begegnet einer "doppelt so jungen" Frau wie Marie in Relation zu seinem eigenen Alter. Mit schwarzer Katze am Freitag den 13.

    Beim 1000. Freitag in Paolo kommt's entsprechend dicke: Alles Schöne hat irgendwann ein Ende.

    Ich kannte mal ein Pärchen, die sprachen von einem anderen Pärchen, das 2 Wochen keinen Sex hatte. "Dann ist doch sowieso alles schon vorbei. Die haben schon Schluss, wissen es nur nicht."

    Ich hatte ja am Anfang dieser Leserunde das Beispiel Nigel Hitchcock gebracht, er hatte im Alter, in dem Marie konstatiert, dass Clemens und sie sich nicht mehr lieben, noch keine erste ernsthafte Beziehung. Und ist aus dem trubeligen London auf die Isle of sky gezogen, wo man die Partner, die in Frage kommen, vermutlich an einer Hand abzählen kann (mindestens 3 Schafe mitgezählt). Er würde eine Beziehung, wie sie Marie und Clemens haben, sicher nicht beenden.
    Alt werden ist nicht schön, das macht die Alternative aber nicht unbedingt attraktiver. Und ähnlich kann man das für eine Beziehung sehen.

    Für Marie und Clemens hingegen gibt es nicht wirklich einen Grund an dieser Beziehung weiter festzuhalten: Sie haben voneinander gelernt, was sie voneinander lernen konnten und können diesbezüglich jetzt auf eigenen Beinen stehen. Die Kinder sind aus dem Haus (vermute ich, bin mir gerade nicht sicher, ob's irgendwo stand). Und 2 Monate kein Sex ist bei diesem Paar wirklich eine Aussage. Es ist die typische Rollenteilung der beiden, dass es Marie ist, die es nicht nur erkennt, sondern auch ausspricht. Marie war jung, als diese Beziehung begann, sie hat ihr halbes Leben mit Clemens verbracht und es war eine gute Zeit. Aber es stellt sich für sie und auch für Clemens die Frage, ob es nicht möglich ist, ein weiteres Mal eine so gute Zeit zu erleben (wie sie viele Menschen nicht einmal in ihrem Leben in dieser Länge erleben). Da sie wie Magneten auf das andere Geschlecht wirken (was auch den meisten Menschen nicht gegönnt ist), scheint es möglich. Aber es kann auch mit einem Border Terrier im Park enden...

  • Für Marie und Clemens hingegen gibt es nicht wirklich einen Grund an dieser Beziehung weiter festzuhalten: Sie haben voneinander gelernt, was sie voneinander lernen konnten und können diesbezüglich jetzt auf eigenen Beinen stehen.

    Hmm, würde nicht gerade dann ein weiterer wichtiger Teil einer Beziehung folgen?

    Wenn sie nun schon mit "voneinander lernen" fertig sind und "auf eigenen Beinen" stehen?

    Wobei ich diese beiden Bezeichnungen nicht als Sinn einer Beziehung sehe..............zumindest nicht als Aufgabe, die man erfüllt und danach trennt man sich.:/

  • Hmm, würde nicht gerade dann ein weiterer wichtiger Teil einer Beziehung folgen?

    Wenn sie nun schon mit "voneinander lernen" fertig sind und "auf eigenen Beinen" stehen?

    Wobei ich diese beiden Bezeichnungen nicht als Sinn einer Beziehung sehe..............zumindest nicht als Aufgabe, die man erfüllt und danach trennt man sich.:/

    So habe ich es auch nicht gemeint. Marie konstatiert, dass sie sich nicht mehr lieben. Es könnte dann andere wichtige Gründe geben, diese Beziehung weiterzuführen.

    Hier ist das nicht der Fall, Liebe steht hier im Mittelpunkt der Beziehung.

  • Ich finde das Bild in der eine bestimmte Menge Wasser im Topf ist sehr passend. Das kann am Anfang sehr heiss kochen, aber auch schnell verdampfen. Es kann nach dem Abkühlen aber auch eine ruhige Fläche sein und manchmal reicht auch noch die Pfütze am Topfboden wenn man gemeinsam die hohen Seitenwände des Topfes, den langen gemeinsamen Weg, betrachtet. Aber wenn das Wasser alle ist, dann sitzt man auf dem blanken Stahl und das geht nicht lange gut.

  • So, auch der dritte Abschnitt steigert nur noch meine Begeisterung über das Buch. Weiterhin mag ich die Beschreibung der Figuren, den Aufbau, die Geschichte und bin sehr sehr gespannt, wohin sie sich entwickelt.

    Allerdings...keine Ahnung, vielleicht hab ich in meinem Leben nur die falschen Menschen getroffen, aber ich kann mir ernsthaft nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die solche Rituale so "gewissenhaft" pflegen wie die beiden mit den Freitag-Abenden. Oder die sagen "wenn wir zwei Monate keinen Sex hatten, ohne dass wir ernsthaft krank waren, trennen wir uns". Ich finde beides zwar sehr interessant, das erste erstrebenswert, das zweite zumindest sehr spannend, aber ich kenne solche Menschen nicht, glaube ich. :gruebel


    Wie auch immer...die "perfekte" Beziehung bekommt ein bisschen ihre Risse, Clemens vergisst bei der Zusage zur Lesereise komplett die Freitage. Und dann die Sache mit "zwei Monate kein Sex" und beide wissen noch von dieser "Vereinbarung". Gleichzeitig macht Paolo zu. Es ist ein bisschen, als würde alles auf einmal zusammenbrechen. Und dann sind da die Gefühle, wie so ein "kompletter" Neuanfang wäre, also z.B. wenn Marie über Sex zu Beginn einer Partnerschaft bzw. sexueller Annäherung nachdenkt.


    Ich bin am Ende des dritten Abschnitts und ich kann noch nicht so glauben, dass sie dieses "dann trennen wir uns jetzt" durchziehen, aber wenn ich die Kurzbeschreibung richtig verstanden habe, tun sie das. Ich werde dann heute bestimmt noch weiterlesen, aber vermutlich noch in den Abschnitten 1-3 auch noch kommentieren.

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  • Da ist es also … das Verlieren. Schleichend geschehen und doch für mich erstmal unheimlich traurig.


    Das Buch lebt von den Gefühlen zweier Menschen. Vom Beginn einer wundervollen Liebe, eine Symbiose, wie sie nur wenige erleben und doch sind in diesem Abschnitt die ersten kleinen Rissen, ein Genervtsein, ein was wäre wenn.


    Ich brauche in diesem Roman keine Beschreibungen des Liebeslebens (Sex). Es sind die kleinen feinen Dinge, die zeigen, wie zwei Menschen sich bedingungslose lieben können, wie die Hand auf der Decke, die einen unglaublich glücklich macht. Die Wärme beim Denken an den anderen, an bestimmte Situationen, Rituale.


    Und für mich ist es auch nicht der Sex, warum es jetzt zu Ende ist. Es war für beide einfach die Aussage, wenn zwei Monate kein Sex, dann ist es vorbei. Das hat für mich mit dem Sexleben nichts zu tun.


    Es sind nun mal Marie und Clemens und kein anderes Paar. Sie haben ihre eigenen Regeln. Manchmal denke ich bei den beiden: Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören. Aber man spürte ja nun zuletzt auch die kleinen feinen Nuancen, die nicht mehr so richtig passen. Aber aus diesem Grund wirklich alles beenden?


    Ist es vielleicht auch eine kleine Midlifekrise? Als er Carolin trifft und sie ihm die Nummer gibt, da kommen sie wieder, die ganzen Erinnerungen und die Wärme an Marie und die Gedanken, was ist jetzt. Zwei Monate kein Sex. Will ich das Ende oder will ich es nicht. Sie haben ihre Liebe gelebt und leben Sie immer noch, haben aber alles ausgeschöpft, aber reicht das für den Rest? Jeder hat sich in letzter Zeit da schon Gedanken gemacht.


    Was mir gefällt, dass man dann hier eben auch den Vergleich zu anderen Paaren bekommt. Wie z.B. zu Teddy und Diana. Was das noch mit Liebe zu tun hat? Die beiden haben eine ganze andere Liebe erlebt wie Marie und Clemens. Jede Liebe ist anders, einzigartig. Teddy würde sich niemals trennen, egal wie weh ihm Diana tut.


    Ich bin sehr aufgewühlt und mehr als gespannt auf den nächsten Abschnitt. Ein Buch, das mich unglaublich berührt.

    :lesend Lorenz Stassen - Rosenmontag

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    Hörbuch: Anne Stern - Fräulein Gold. Scheunenkinder

    Hörbuch: Brigitte Riebe - Auge des Mondes

    SuB: 311

  • Ich habe das schon verstanden, dass "zwei Monate kein Sex" hier nicht der Hauptgrund sein will. Aber auch wenn ich dieses Buch öfter ganz anders lese als z.B. Tante Li - hier sehe ich das genauso. Mir hat da "das Sinnliche", das Gefühlvolle bei dem Ende des Abschnitts und bei dieser "Trennungsentscheidung" etwas gefehlt.

    Mir war erst nach dem 4. Abschnitt oder nach dem Ende etwas klar, was, darum werde ich das nicht in diesen Abschnitt schreiben (bin ja mittlerweile länger fertig, kam nicht zum Posten).

    Hier am Ende war ich nur verwundert, dass man feststellt, man hatte zwei Monate keinen Sex und dann sagt Marie "obwohl wir uns nicht mehr lieben?"..also, dass sie sich nicht lieben, das habe ich so nicht wahrgenommen und auch nicht geglaubt beim Lesen.


    Darum...auch wenn der Titel und die Kurzbeschreibung das sagte, war ich sehr gespannt, was kommt und wie es umgesetzt wird.

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