Klassengesellschaft des Lesevolks

  • Hallo Babyjane!


    Zitat

    Original von Babyjane
    Iris,
    ich glaub du nimmst diesen Thread ein bißerl zu ernst.


    Wie man's nimmt.
    Ich habe mir wegen meiner Ecophilie schon so manches mal anhören und -lesen dürfen, das sei arrogat - also schon an und für sich.


    Zitat

    Ich habe mehr auf die Leute angespielt, die Bücher aus Gründen der Prestige lesen und nicht weil sie ihnen gefallen.


    Die sind allerdings extrem selten. Da wirken eher diejenigen hochnäsig, die einen Klassiker lesen müssen, weil er zum germanistischen Prüfungskanon gehört (was ich btw grundsätzlich richtig finde) oder ein trockenes Fachbuch, weil sie kurz vor'm wirtschaftswissenschaftlichen Vordiplom stehen.
    Wer sich beim Lesen oder Arbeiten unwohl fühlt, zieht nun mal ein Gesicht - da würde ich eigentlich nie auf meine Wenigkeit schließen.
    Und davon ab gibt's die halberfolgreichen Nadelstreifenträger in der 2.Klasse, die ohnehin mit sich und der Welt im Argen liegen, weil man ihre wahren Qualitäten nicht erkennt.
    Das alles dürfte in den allerseltensten Fällen mit den Lesevorlieben zu tun haben, sondern mehr mit der Tatsache, dass sich diese Leute keine Stunde vorher im Badezimmerspiegel selbst in die Augen schauen mussten. ;o)


    Zitat

    ich finde es schon fies wenn jemand die Nase rümpft, nur weil ich eben nicht die Klassiker lese, sondern mein hübsches Näschen auch mal in Schund vergrabe.


    Ehrlich gesagt, fürchte ich eher diejenigen, die mir meine Vorliebe für anderes (ich red absichtlich nicht von "Höherem" oder "Besserem"!) verübeln, weil sie sich irgendwie unterlegen fühlen.
    BTW: Ich unterhalte mich gerne gut - und so geht's mir nun mal bei Sachen, die andere vielleicht abgehoben finden; andererseits hilft mir vieles, was andere rasend spannend finden, bei Einschlafstörungen. ;o)
    Die Geschmäcker sind eben verschieden, und über Qualität kann man auch nicht demokratisch abstimmen. Das muss man eben dem jeweiligen Individuum überlassen.


    Zitat

    Oder beißt mir jetzt wer den Kopf ab, weil das gar kein Klassiker ist und ich wieder mal meine Lesetechnische Inkompetenz erschöpfend zur Schau gestellt habe???


    :grin Keine Bange! Was ein Klassiker ist, darüber schlagen sie sich seit Monaten im Forum von literaturcafe.de die Köpfe ein. Reinschauen! Es lohnt sich. :chen
    Ich würde HdR durchaus als Klassiker unter der Fantasy und Sherlock Holmes als Klassiker unter den literarischen Detektiven zählen.


    Herzliche Grüße,


    Iris

  • Ich freue mich überjegliche Kritik, auch über das berühmte Nasenrümpfen. Schließlich leben wir, um Erfahrungen miteinander auszutauschen. Und aus Kritik kann man viel lernen, Menschen besser verstehen, man entwickelt sich weiter.


    Ich habe es schon oft erlebt, dass ich gefragt wurde, warum liest du denn diesen Schrott ...


    Da finde ich es verkehrt beleidigt zu reagieren und auf stur zu schalten. Viel wichtiger ist es, sachlich zu argumentieren. ;-)


    So gebe ich es offen zu, ebenfalls mit der Nase zu rümpfen, wenn Menschen alles glauben, was in Trivialliteratur steht, oder so argumentieren "Aber das is doch in diesem Buch gestanden ...", ich böser Bube. ;-)
    Aber gerade dadurch ist das Leben spannend, unterschiedliche Meinungen, dutzende Ansichten.


    Allgemein gesagt soll jeder das lesen, was er will.

  • Mary Reed: In der 1. Klasse sitzt man besonders bequem in Pants und Shirt mit Turnschuhen, 4 Haustieren, einem Stapel Zeitschriften und beginnt dann beim SPIEGEL Artikel zu grinsen.
    Das irritiert dann meist den Herrn oder die Dame, die umständlich ihr Handy ausschaltet und nicht weiss, wo sich das Entertainment Programm der LH anstellen lässt, geschweige denn weiss wo man die kleinen Tische herbekommt. :lache


    Ansonsten sollte jeder Spass an seiner Lektüre haben, obwohl ich schon denke, dass man die Hauptliteratur seines Kulturkreises kennen sollte und auch wenigstens die Grossen der wichtigsten Nationen.

  • Hallo ihrs,


    also ich finde mein Leben ist zu kurz, um mir von einem Trend oder was auch immer diktieren zu lassen, was man gelesen haben sollte !


    Ich lese , was mir gefällt, und außerdem ist es handlicher mit einem TB in der Öffentlichkeit zu lesen als mit meinem dicken Schwaten der "Mythologien" - sorry, aber was beindruckenderes findet ihr in meinen Bücherregalen vermutlich nicht :chen


    Liebe Grüße


    Hannah

  • Zitat

    Original von Historikus
    Ich habe es schon oft erlebt, dass ich gefragt wurde, warum liest du denn diesen Schrott ...


    Da finde ich es verkehrt beleidigt zu reagieren und auf stur zu schalten. Viel wichtiger ist es, sachlich zu argumentieren. ;-)

    Wobei ich es ziemlich schwierig finde dabei zu argumentieren, ob jetzt nun sachlich oder nicht. Wenn mir etwas gefällt, dann gefällt es mir oft, auch ohne, dass ich nun genau begründen kann warum... Über Geschmack lässt sich halt nicht streiten und meiner Meinung nach auch nicht unbedingt diskutieren... :-)

    "Nicht wer Zeit hat, liest Bücher, sondern wer Lust hat, Bücher zu lesen, der liest, ob er viel Zeit hat oder wenig."

    - Ernst Reinhold Hauschka

    Zitat

  • Ach Morgana, gerade über Geschmack lässt sich doch trefflich streiten. :-) Genauso, wie über Männer und Frauen, Politik, Religion, Philosophie, Esoterik, Bücher, etc. etc. - eigentlich über Alles.
    Und zwar deswegen, weil die meisten Menschen nur allzu gerne ihre eigene Position verteidigen und rechtfertigen wollen, anstatt es sich einfacher zu machen und zu sagen: "Mir gefällts so, rutscht mir doch alle den Buckel runter." :-)


    Es hat aber auch was, rauszufinden, wie der andere tickt und auf welche Knöpfe man drücken muss, damit das Gegenüber an die Decke springt. :-) Das nennt man dann Streit anfangen.


    Gruss,


    Doc

  • Dann schreibi ch mal schnell was dazu.... :-)


    Ich werde auch des öfteren mal dumm angeguckt oder kann mir dumme Sprüche anhören, weil ich z. B. gerne King lese. Er schreibt ja angeblich IMMER DAS GLEICHE. Ausserem lese ich gern Thriller und Krimis und Fantasy.... Und?


    Sollen die anderen doch lesen, womit sie glücklich werden - ich lese auch was mir gefällt. Obwohl ich zugebe, dass ich gern mal Klassiker lesen möchte. Das kann ich aber nur, wenn ich Urlaub habe, weil ich einfach während ich arbeiten muss, keine schwere Kost lesen möchte. Dazu bin ich beruflich zu eingespannt mit Überstunden etc. Schlimm find ich das nicht.


    Albern find ich es nur, wenn einer mit seinem Wissen um sich wirft - was Klassiker betrifft - um mir klar zu machen, wie wenig Ahnung ich von allem habe... Als ob mich das jucken würde... :lache

  • Gasmaske, Hilfe, bei diesen Staubwolken kann ich ja gar nichts mehr sehen, bekomme keine Luft mehr, wo hast du den den her ?(:grin


    Nachdem mir einerseits schon niemand sagen kann, was ein Klassiker ist, anderereits mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Bücher heute zu Kindercomics werden sage ich immer, ich lese Klassiker der Vergangenheit, wenn mir danach ist und Klassiker er Zukunft wenn mir danach ist, so wie ich Fast Food der Vergangenheit lese wenn mir danach ist und Fast Food der Gegenwart ebenso.

  • Aber genauso ist es doch auch mit TV-Sendungen, oder? Gerade gestern habe ich wieder eine Diskussion geführt, warum ich eigentlich Spaß an Sendungen wie "Popstars", "Das perfekte Dinner", "Die Auswanderer" o.ä. habe. Da ist man auch oft genug in der Situation, sich verteidigen zu wollen, was ja völliger Humbug ist. Natürlich weiß ich genau, dass das kein hochintelligentes Fernsehen ist, aber mit dem Anspruch geh ich an diese Formate auch nicht ran. Sondern viel eher mit dem Anspruch, nach `nem langen Arbeitstag in den Sessel zu rutschen und abschalten zu können, ohne einer Handlung folgen zu müssen.
    Um zu Büchern zurück zu kommen...ich beobachte das oft genug bei Kunden in unserer Buchhandlung. Es gibt genug Menschen, die tatsächlich nur lesen wollen, was überall besprochen ist, von irgendwelchen wichtigen Menschen als lesenswert eingestuft wurde, prämiert wurde oder was auch immer. Da werden z.B. Frauen, die durch die Regale mit der Frauenliteratur stöbern, auch gerne mal belächelt. Furchtbar! Aber so ist es halt. Und ich hoffe nur, dass einfach die meisten weiterhin gucken oder lesen, was ihnen Spaß macht und sich durch solche Leute nicht beeinflussen lassen.

  • Ich lese, was mir gefällt, wann es mir gefällt.
    Und das ist mal Updike (ohne das ich damit auf irgendjemand einen intelektuellen Eindruck machen will) oder mal Susan E. Phillips und auch dafür sehe ich keinen Grund mich zu schämen.
    In der Vielfalt liegt die Würze.
    Mal ist mir eben nach purer Unterhaltung und mal ist mir nach geistiger Stimulation.
    Mir ist kein Buch peinlich, aber ich bin auch nicht stolz, wenn ich bestimmte Bücher lese.
    Solange man sich nicht einredet mit einem Liebesroman oder Gruselschocker nun etwas geistig anspruchsvolles zu lesen, ist für mich alles OK. :lache

    :lesend
    If you can read, you can empathize, luxuriate, take a chance, have a laugh, hit the road, witness history, become enlightened, turn the page, and do it all again
    Oprah Winfrey

  • Den Vergleich mit den TV Sendungen finde ich sehr passend.
    Ich mäkel zwar auch gerne über diverse Shows von RTL herum, dann widerum schaue ich sie mir doch hin und wieder an, weil ich keinen Spielfilm sehen muss, dem ich 2 Stunden lang meine volle Aufmerksamkeit schenken muss. Bei Büchern ist das genauso. Ich lese manchmal auch gern lieber etwas, was mich leicht unterhält. Ein gutes Beispiel ist da ,,Die Wunschliste" von Jill Smolinski. Das Buch hat eine einfache Handlung aber es ist nicht das, was ich jeden Tag lesen möchte. Auf Dauer gesehen wäre es mir zu anspruchslos, dann sollte irgendwann doch wieder ein Buch folgen, bei dem ich mehr meinen Kopf anstrengen muss. Gerne ein Krimi, bei dem man vieles hinterfragen kann und einfach vieles sich erst im Laufe der Zeit aufkärt. Auch sprachlich möchte ich dann hin und wieder die Künste einiger Autoren lesen. Viele Autoren haben einfach einen tollen Sprachstil, den man nicht missen möchte.


    Allgemein lese ich das, was mir gefällt. Alles andere würde die Leselust auf ein Minimum schrauben. Klassiker habe ich bisher nie freiwillig sondern nur in der Schulzeit gelesen und ich geniere mich auch nicht zu behaupten, dass ich Die Leiden des jungen Werhers und Emilia Galotti grauenvoll langweilig fand. Auch bin ich der Meinung, dass mir nicht ganz eingeleuchtet ist, was an diesen beiden Werken so wahnsinnig toll ist. Das heißt jedoch nicht, dass ich Werke von Erich Kästner oder gar von Günther Grass auch verabscheuen würde oder nie anrühren würde. Offen bin ich für alles. Wichtig ist aber, dass ich den Handlungssträngen folgen kann. Wenn das nicht der Fall ist, bringt es mir nicht viel, behaupten zu können, ,,hochgestochene" Lektüren gelesen zu haben.


    Über Geschmack lässt sich tatsächlich streiten. Und wenn einige Klassiker den Geschmack von vielen Personen treffen, mag das zwar toll sein, aber meines Erachtens nach haben solche Personen nicht unbedingt einen höheren Intellekt als jene, die sich die Zeit mit anderen Werken totschlagen. :-)

  • Ich denke auch, dass man lesen sollte was gefällt. Egal ob Klassiker oder nicht. Und manchmal frage ich mich, ob die, die einen anderen wegen eines angeblich "minderwertigen" Buches belächeln selbst immer nur "hoch wichtige" Literatur konsumieren? Und sollte man nicht eigentlich aus Freude lesen und nicht aus dem Zwang heraus mitreden zu müssen oder können?


    Ich lese weil es mein Hobby ist und weil es mir gut tut. Weil ich dabei entspannen kann und weil es mich glücklich macht. Wenn ich anfangen würde "Zwangslektüre" zu lesen, würde ich mir diese Lebensfreude nehmen.

  • Ich habe eine gute Strategie entwickelt, wenn mich jemand auf meinen trivialen Lesegeschmack anspricht: Freundlich nicken und lächeln. Ich bin es leid die Klassiker aufzuzählen, die ich schon gelesen habe, um mich für das ein oder andere Fantasybuch zu rechtfertigen. Wenn jemand nur Klassiker lesen möchte, ist das für mich ok, ich lese halt größtenteils lieber etwas anderes :wave

  • Zitat

    Original von Lese-Rienchen


    Ich lese weil es mein Hobby ist und weil es mir gut tut. Weil ich dabei entspannen kann und weil es mich glücklich macht. Wenn ich anfangen würde "Zwangslektüre" zu lesen, würde ich mir diese Lebensfreude nehmen.


    Da sprichst du mir absolut aus dem Herzen. Besser hätte ich es nicht ausdrücken können. :knuddel1

  • Zitat

    Original von denlia
    Ich habe eine gute Strategie entwickelt, wenn mich jemand auf meinen trivialen Lesegeschmack anspricht: Freundlich nicken und lächeln. Ich bin es leid die Klassiker aufzuzählen, die ich schon gelesen habe, um mich für das ein oder andere Fantasybuch zu rechtfertigen. Wenn jemand nur Klassiker lesen möchte, ist das für mich ok, ich lese halt größtenteils lieber etwas anderes :wave


    Das halte ich so, seit ich die Erfahrung vertiefen konnte, dasss die, die so lästern nicht in der Lage sind zu erklären was sie überhaupt gelesen haben. Eine Diskussion über Pamuk mit so jemand anzufangen führte bei mir zu einem Gespräch über die Frage ob der Untergang 1952 oder 1954 gewesen sei. Nun gehört der Untergang der Pamir zu den wesentlichen Ereignissen meines Geburtsjahres- seither lese ich Kathy Reichs und Kerstin Gier in aller Öffentlichkeit.


    edit: Nur zur Klarstellung ich bin Jahrgang 1957

    Nemo tenetur :gruebel


    Ware Vreundschavt ißt, wen mahn di Schreipfelerdes andereen übersiet :grin


    :lesend  :lesend

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von beowulf ()

  • Manchmal denke ich mir auch, ich sollte mal was klassisches lesen. Andererseits ist mir meine Zeit aber zu schade, mich durch Bücher zu quälen, die mir nicht wirklich was sagen und bei denen ich mich zum Lesen zwingen muss.
    Also lese ich weiterhin die sogenannte Trivialliteratur und erfreue mich daran.
    Jawoll!!! :chen

  • Ich lese, was mich interessiert - das sind wild durch sämtliche Genre Romane, genau wie Sach- und Fachbücher zu vielen Themen.
    Klar sind Nackenbeisser da auch bei; es ist doch herrlich, sich nach einem stressigen Tag mit einem Nackenbeisser gemütlich ins Bett zu kuscheln, von starken Schotten (wahlweise auch Piraten, Rittern oder Wikingern) zu lesen und Romantik und Abenteuer zu erleben.


    Ein Klassiker darf es ab und zu auch mal sein, aber wenn ich zur Entspannung lese, also abends im Bett, dann sicher nicht irgendwas, wobei ich mich groß konzentrieren muss. Da will ich keine Dramen oder zeilenlange Bandwurmsätze oder über 100 handelnde Figuren, sondern den stolzen Helden und die schöne Heldin, die in seinen Armen die Liebe erlebt.

  • mir ist schon lange egal, was andere Leute über mich denken


    selbst lese ich gern von allem etwas. So haben mir zB die "Buddenbrocks" letztens sehr viel Spaß gemacht. Danach hab ich bewußt aber erst einmal wieder zu leichterer Literatur gegriffen.


    Ich habe auch festgestellt, dass man für die Klassiker unbedingt auch etwas Muße braucht - das schaffe ich in der Regel nach so einem 10h-Tag nicht mehr. Andererseits, nach zu seichter Literatur, hab ich so richtig Appetit auf etwas anspruchsvolleres und nehme mir dann bewußt auch mal die Zeit, so etwas zu lesen.