• Zitat

    Original von Mulle
    Ein Pseudonym ist nicht mehr oder weniger Einschränkung als eine vorgeschriebene Kleidung.
    Das Buch wird mit anderem Namen auf der Klappe ja nicht besser oder schlechter.


    :gruebel Weshalb steht dann überhaupt ein Autorenname auf dem Cover?


    Mulle, ich kann Deine Argumente (Post vom 12.03.2013, 11.45 Uhr) aus Verlags- und Buchhandelssicht durchaus nachvollziehen. Aber aus Leserperspektive bin ich inzwischen einfach nur noch (stink)sauer. Seit ich das mit der zunehmenden Pseudonymeritis so richtig mitbekommen habe (ist mit die letzten Wochen/Monate vor allem auch durch die hiesigen offiziellen LR aufgefallen) überlege ich wirklich, meine Käufe neuerer Literatur drastisch zu reduzieren bis ganz zurückzufahren. Ich fühle mich (jenseits der erwähnten branchentypischen „Argumente“) schlicht und ergreifend verars... . Und das schätze ich überhaupt nicht, Sachzwänge Hin oder Her.


    Wenn Nicoles letztes Buch „In dieser ganz besonderen Nacht“ unter anderem Namen erschienen wäre, hätte ich es weder gekauft noch gelesen. Fantasy gehört seit längerer Zeit überhaupt nicht mehr zu „meinen“ Genres, hier war es ausschließlich der (mir bekannte) Autorenname, der mich zum Buch greifen ließ.



    Zitat

    Original von Charlie
    1) Zum einen kann man in Buecher ja reinlesen. 2) Und zum andern wird es keinem Flop-Autor ermoeglicht werden, bis in alle Ewigkeit neue Pseudonyme zu starten.


    Zu 1). Ja sicher, meistens jedenfalls. Ich war schon mal von einer Leseprobe mehr als begeistert - und vom Buch dann überhaupt nicht.


    Zu 2). Ich habe mich auf niemanden mit Flops bezogen, und dabei - das kann ich ausdrücklich erwähnen - auch nicht Dich gemeint. Ich habe zwar einige Deiner Bücher hier, aber eigentlich sind die (themenmäßig) nicht so mein Fall.



    Zitat

    Original von Mulle
    1) Aber wenn du ein Buch mit einem neuen Namen kaufst, weißt du ja ohnehin nicht, was dich erwartet, es könnte auch jede Debütantin auf eine Art schreiben, die dir nicht gefällt. Du schaust also bei einem neuen Namen vermutlich vorher rein oder liest eine Textprobe, bevor du das Buch kaufst.
    Das ist heute so einfach wie nie und vollkommen kostenfrei möglich: Alle Verlage bieten auf ihren Internetseiten Leseproben an. Einfacher kann man es den Kunden wirklich nicht mehr machen.


    2) Aber es ist auch wieder ein gutes Argument pro Pseudonym: Dann nämlich, wenn ein Autor sind in einem neuen Stil versucht. Vielleicht gefällt dir die zuvor nicht gemochte Autorin ja dann.


    Zu 1) Das Risiko, daß einem etwas nicht gefällt, hat man immer. Trotz „erfolgreicher“ Leseprobe (s. o.).


    Zu 2) Der Gedanke ist mir auch schon gekommen. Aber das ist bei mir wie beim Essen: wenn ich feststelle, daß mir etwas einmal nicht geschmeckt hat, wars das - für den Rest des Lebens. Dann bin ich nicht bereit, das nochmals zu probieren nach dem Motto „vielleicht schmeckt es mir ja heute, nachdem es mir vorgestern nicht schmeckte“. Und auch von Variationen lasse ich die Finger - es gibt genug Alternativen. So langsam kapiert das sogar meine Familie. Und analog ist es auch mit den Büchern.



    Zitat

    Original von Charlie
    Ich teile die von DraperDoyle geaeusserte Ansicht: Die Leser, die sich ueber die Pseudonyme aergern, betrifft es meist gar nicht, da sie ohnehin in ganz anderen Sphaeren lesen.


    Stimmt auch wieder. Andererseits hätte es ein bestimmtes Buch, welches in Mexiko spielt, niemals bis in mein Bücherregal geschafft, wäre ich nicht über das Pseudonym informiert gewesen. (Denn mein Interesse an Amerika endet normalerweise an der Südgrenze der USA - ich kann/will mich nicht für alles interessieren.)



    Zitat

    Original von hollyholunder
    Ich bin eine Minderheit, womöglich eine Randgruppe


    Nicht nur Du, hollyholunder. :wave Man gewöhnt sich daran. ;-)

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

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  • Zitat

    Original von SiCollier



    Zu 1) Das Risiko, daß einem etwas nicht gefällt, hat man immer. Trotz „erfolgreicher“ Leseprobe (s. o.).


    Zu 2) Der Gedanke ist mir auch schon gekommen. Aber das ist bei mir wie beim Essen: wenn ich feststelle, daß mir etwas einmal nicht geschmeckt hat, wars das - für den Rest des Lebens. Dann bin ich nicht bereit, das nochmals zu probieren nach dem Motto „vielleicht schmeckt es mir ja heute, nachdem es mir vorgestern nicht schmeckte“. Und auch von Variationen lasse ich die Finger - es gibt genug Alternativen. So langsam kapiert das sogar meine Familie. Und analog ist es auch mit den Büchern.


    Tut mir leid, ich gebe mir große Mühe, kann das aber nicht nachvollziehen, was das mit Pseudonymen zu tun hat.


    1) Natürlich kann ein Buch *immer* enttäuschen, davor bewahrt dich doch sicher auch der vertraute Autor nicht?


    2) Der Vergleich mit dem Esen hinkt, denn der Autor(enname) wird ja nicht gegessen (zumindest sollte das nicht der Fall sein); der Autor bereitet nur zu. Und zwar u.U. die unterschiedichsten Dinge.
    Wenn dir von einem Koch die Bratkartoffeln nicht schmecken, könnte dir seine mediterane Pasta ja sehr gut munden.
    Bratkartoffeln und Pasta erfordern ja so unterschiedliche Qualitäten am Herd, dass du vermutlich nicht mal merken würdest, dass der Koch, der so wunderbare Pasta zubereitet hat, derjenige ist, der beim letzten mal die Bratkartoffel so versaut hat. :grin



    Zu absolut bescheuerten Pseudonymen, solchen Namen, die kein normaler Mensch tragen würde, fällt mir ein: Das sind sehr oft reale Namen :wow
    Wendy Wunder z.B.. An ihrer Stelle hätte ich ein Pseudonym bemüht, echt :lache

  • @ Mulle


    Ich meinte "Essen" im Sinne von "einzelnes Gericht". Zum Beispiel Schokoladensahnetorte. Egal, wer die herstellt - ich probiere die nicht mehr. Punkt.


    :gruebel Aber vielleicht hast Du recht und das Beispiel hinkt. Als ich es schrieb, schien es mir eindeutig zu sein.


    Und ja, sicher habe ich bei jedem Buch das Risiko, es könnte mir nicht gefallen. Auch wenn ich von dem Autor schon andere gelesen habe.


    Was das alles mit Pseudonymen zu tun hat? Wenn ich von einem Autor zwei Bücher gelesen bzw. abgebrochen habe, weil - u. a. - ich mit der stilistischen Aufbereitung des Stoffes nicht klar kam (oder anders: der Stil war nix für mich), bin ich nicht bereit dauernd zu prüfen, unter welchen Pseudonymen (geschuldet z. B. einem ganz anderen Thema) der schreibt. Nur um festzustellen, daß das immer noch nix für mich ist.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

  • Aber mal ehrlich: wenn du in einem Restaurant einmal auf die Nase gefallen bist, probierst du dich dann trotzdem noch durch die gesamte Speisekarte, bevor du den Koch auf den Mond schießt? Oder versuchst du es nicht lieber nebenan?


    Davon einmal abgesehen, stören mich Pseudonym in der Regel nicht. Ich habe einerseits vollstes Verständnis dafür, dass jemand vielleicht schlichtweg seine Privatsphäre wahren möchte und andererseits bleibt mir Fred Vargas deutlich einfacher im Gedächtnis haften als Frédérique Audoin-Rouzeau.
    Ich habe kein Problem damit, wenn jemand nicht unter seinem richtigen Namen veröffentlicht.


    Wenn jedoch für jeden Genrewechsel ein neuer Name bemüht wird, knirsche ich doch leicht mit den Zähnen. Ich kann den wirtschaftlichen Zweck dahinter im Ansatz durchaus verstehen, aber die Frage ist, ob der Sinn darin liegt, den Leser zu überlisten oder schlichtweg nur den Buchhändler auszutricksen.


    Zitat

    Original von Mulle
    Ich habe bisher ein Pseudonym für "härtere" Erotik. Die mag ich nicht unter meinem Namen veröffentlichen; nicht, weil ich mich dafür schäme, sondern weil unter meinem Namen auch Jugendbücher erscheinen sollen.


    Befürchtest du denn, dass jemand, der deine Jugendbücher mag, versehentlich ein Erotikbuch kauft, wenn dein Name auf dem Cover prangert? [oder gar die Jugendbücher nicht liest, WEIL du auch Erotik schreibst?]
    In der Regel stehen die Bücher ja nicht im gleichen Regal in der Buchhandlung [hoffe ich zumindest Oo"] und wenn sich ein Fan über deine weiteren Werke im Internet informiert, wird er ja hoffentlich den Klappentext lesen, bevor er das Buch kauft. Wie groß ist die 'Gefahr', dass es für den Leser [und ich spreche hierbei wirklich nur vom Käufer. Die Buchhändler lasse ich hier mal außen vor] überhaupt einen Unterschied macht, ob dein Name auch auf Büchern in anderne Teilen der Buchhandlung steht?


    Ich überlege gerade, ob das für mich als Leser von Belang wäre. Ist ein Autorenname nicht auch so etwas wie ein Qualitätsmerkmal? Wenn ich nun deine Jugendbücher gelesen und für gut befunden habe und mich dann zufällig auch für Erotik interessiere und im entsprechenden Regal in der Buchhandlung deinen Namen sehe, verleitet mich das nicht viel eher zu einem Kauf? Ist diese Wahrscheinlichkeit nicht höher, als dass jemand davon abgeschreckt wird?

    "Sobald ich ein wenig Geld bekomme, kaufe ich Bücher; und wenn noch was übrig bleibt, kaufe ich Essen und Kleidung." - Desiderius Erasmus

  • Ich denke, es ist schon ein Unterschied, ob man einen Künstlernamen sein gesamtes Leben oder zumindest seine gesamte Karriere lang benutzt oder ob man seine Pseudonyme dem wechselnden Genre anpasst. Oder den Buchhändlern. Oder den Verkaufszahlen. Oder.


    Vor allen Dingen in der Multi-Kulti-Welt, in der wir heute leben. Da haut einen ein italienischer Name ja nicht mehr wirklich vom Hocker, denn der Pizzabäcker von nebenan heißt ja auch so. Oder so ähnlich.


    Zitat

    Original von Bodo


    Nur solange er keine Bücher schreibt! :chen


    So wie Bud Spencer, bzw. Carlo Pedersoli? :D

    "Sobald ich ein wenig Geld bekomme, kaufe ich Bücher; und wenn noch was übrig bleibt, kaufe ich Essen und Kleidung." - Desiderius Erasmus

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  • Zitat

    Original von Katerina
    Aber Mario Girotti und Terence Hill ist okay?


    Ja, so lange er nicht in einem Western Terence Hill heißt, in einer Liebesschnulze Adriano Celeste und in einer Screwball-Komödie Jerry Memphis :lache

    Menschen sind für mich wie offene Bücher, auch wenn mir offene Bücher bei Weitem lieber sind. (Colin Bateman)

  • Das ist ja jetzt interessant. Seit ein paar Tagen trage ich mich mit dem Gedanken, mein übernächstes Buch vielleicht lieber unter einem Pseudonym zu veröffentlichen. Ich habe nach vier Krimis ein großes Stammpublikum, und als letztes Jahr mein "Rosenhaus am Merkur", ein Familienroman, erschien, habe ich viele meiner Fans damit nicht begeistern können, weil sie eben einen Krimi erwartet hatten - auch wenn etwas anderes auf dem Cover stand.
    Dieses Jahr nun kommt ein Psychothriller heraus - wieder was ganz anderes. Und danach wieder ein Unterhaltungsroman... Das verwirrt doch, oder?
    Wenn ich mir die Reaktionen mancher Leser ansehe, werde ich wohl von mir aus einen anderen Namen vorschlagen. Allerdings als "offenes" Pseudonym. Es könnte also "Marie-Luise Campenhausen" auf dem Cover stehen, aber im Klappentext ein Hinweis, dass ich das bin.


    Wenn ich mir die Diskussion hier durchlese, denke ich, das wäre vielleicht ein vertretbarer Weg, oder? Was meint ihr?


    Zum Thema hier ein aktueller Beitrag über eine bekannte Autorin und ihre Alias-Namen.


    http://www.welt.de/print/die_w…neue-Bild-des-Autors.html

  • So ist meines auch, Rita. Ich gehe - mit Einverstaendnis des Verlags - ganz offen damit um, in der Vorschau ist mein Foto (mit dem Copyright meines Mannes darunter, also eindeutig identifizierbar), ich habe den Namen so ausgesucht, dass er meinen Initialien entspricht und ich wuerde auch jederzeit sofort mit den Buechern eine Lesung halten (mich bucht aber leider eh keiner, weshalb die Ueberlegung muessig ist).
    Fuer mich bin das beides ich. Und die Buchhaendler wissen auch, das bin ich. Das Pseudonym ist ein Signal: Hier wird ein Neustart versucht.


    Viel Erfolg mit Namen wie Pseudonym wuenscht Charlie

  • Ich selbst lese nicht nur Bücher, ich lese Autoren und bin durchaus willens und bereit diesen in neue literarische Gefilde zu folgen, auch wenn das neue Genre (bisher) ausserhalb meines üblichen Beuteschemas liegt. Auf diese Weise habe ich schon tolle Bücher entdeckt - hätte aber andererseits Tessa White (zum Beispiel) keines Blickes gewürdigt, wenn ich nicht gewusst hätte wer das ist.

  • Zitat

    Original von Rita
    Dieses Jahr nun kommt ein Psychothriller heraus - wieder was ganz anderes. Und danach wieder ein Unterhaltungsroman... Das verwirrt doch, oder?


    Menschen die im Stande sind ein komplettes Buch zu lesen, sollten eigentlich auch in der Lage sein das kleine Wörtchen auf dem Cover des Buches zu verstehen, das Aufschluss über das Genre eines Buches gibt.
    Manchmal weine ich über die Menschheit und ihr gnadenloses Schubladendenken. Ist ja auch logisch, dass ein Autor sein gesamtes Leben lang die selbe Art von Büchern schreibt...


    Immerhin ist das Talent eines Autors doch nicht fix auf ein bestimmtes Genre begrenzt!

    "Sobald ich ein wenig Geld bekomme, kaufe ich Bücher; und wenn noch was übrig bleibt, kaufe ich Essen und Kleidung." - Desiderius Erasmus

  • Ich finde das uebrigens total erfreulich, dass hier so viele Genrewechseln gegenueber so offen sind und ruhig auch einmal etwas anderes von einem Autor ausprobieren wuerden.
    Ich glaube, in diesem Bereich geht die Pseudonym-Inflation auch zurueck. Es gibt wieder mehr Kollegen, die unter ihrem Namen alles machen duerfen. Wichtig ist eben, dass man den entsprechenden Erfolg vorzuweisen hat.


    Herzlich,
    Charlie

  • Sollte der Zusammenhang damit bestehen, dass eben immer seltener ein Genre auf dem Titelblatt steht? Als wäre ein klares --Kriminalroman-- in all dem Crossover usw irgendwie peinlich. Ritas Rosencover wäre mir eindeutig genug gewesen -- und so völlig ohne Wagnis ist der Bücherkauf witzlos.

  • Deinen letzten Satz finde ich so groovy.
    Manchmal frage ich mich, ob die meisten Leute eigentlich wirklich vorhersehbare Buecher haben moechten.

  • Zitat

    Original von Charlie
    Deinen letzten Satz finde ich so groovy.
    Manchmal frage ich mich, ob die meisten Leute eigentlich wirklich vorhersehbare Buecher haben moechten.


    Es sind auf jeden Fall sehr viele!


    Diese Leute mögen keine Überraschungen oder Experimente - auf der Dose steht Ravioli und genau das muß drin sein, und bei Büchern ist es genau so.


    Als ich allerdings einmal vorschlug das "ach soooo tolle" Buch doch einfach noch einmal zu lesen.... :schlaeger :fetch ....
    :chen