• Ich hab mein Posting geaendert, weil mir gerade jemand gesteckt hat, dass das - wieder einmal - kein besonders schlaues Posting war. Es hat sich inzwischen aber eruebrigt, denn Jennifer hat denselben Fall bereits wesentlich klueger und diplomatischer beschrieben.


    Viele Gruesse von Charlie

  • Über Erin Hunter mit ihren Warrier Cats las ich, der Verlag hätte den Anfangsbuchstaben von Hunter vorgeschrieben, damit die Bücher exakt an dieser Stelle im Regal stehen. Ist es nicht deprimierend - - den Verlag interessiert nicht der Inhalt, sondern dass Bücher mi H neben denen mit I verkauft werden.

  • Ganz ehrlich - und auf die Gefahr hin, hier Leute zu vergraetzen (was mir leid taete): Mir ist es im Prinzip voellig egal, ob auf meinen Buechern Harald Husten oder Lotti Lustig steht. Ich moechte, dass jemand sie liest, und ich moechte, dass ich sie mir auch kuenftig leisten kann (was ich z.B. als Self-Publisher oder im Kleinverlag einfach nicht koennte). Solange mir ein Verlag das ermoeglicht, richte ich mich soweit wie moeglich nach dessen Bedingungen. Von Marketing habe ich deutlich weniger Ahnung als Kuehe vom Klavierspiel. Wenn mir einer erzaehlt: Als Karsten Kohldampf verkaufst du mehr Kochbuecher als als Hanni Hungerharke, dann nehm' ich das hin und wurschtele weiter.


    Charlie

  • Zitat

    Original von Buchdoktor
    Ü Ist es nicht deprimierend - - den Verlag interessiert nicht der Inhalt, sondern dass Bücher mi H neben denen mit I verkauft werden.


    Das stimmt doch ueberhaupt nicht. Vermutlich will der Verlag, gerade weil ihn der Inhalt interessiert und weil er sich etwas davon verspricht, die bestmoeglichen Chancen fuer das Buch herausholen.

  • Letztlich muss man sich doch in jedem Job gewissen rahmenbedingungen beugen.
    Kein Mensch beklagt sich darüber, dass bankangestellte Anzug oder Kostüm bei der Arbeit tragen müssen oder Krankenpfleger Kittel, auch wenn diese Personen eigentlich einen ganz anderen Geschmack haben.


    Ein Pseudonym ist nicht mehr oder weniger Einschränkung als eine vorgeschriebene Kleidung.
    Das Buch wird mit anderem Namen auf der Klappe ja nicht besser oder schlechter.

  • Mulle, herzlichen Dank für deinen Beitrag. Es ist so, wie ich vermutet habe: Die Verlage haben großen Einfluss. Wirtschaftlich gesehen auch verständlich. Beim Buch prallen zwei Welten aufeinander: das Kulturgut und das Verkaufsprodukt. Kein Wunder, dass es zu Diskrepanzen kommt. ;-)

  • Zitat

    Original von Buchdoktor
    Über Erin Hunter mit ihren Warrier Cats las ich, der Verlag hätte den Anfangsbuchstaben von Hunter vorgeschrieben, damit die Bücher exakt an dieser Stelle im Regal stehen. Ist es nicht deprimierend - - den Verlag interessiert nicht der Inhalt, sondern dass Bücher mi H neben denen mit I verkauft werden.


    Wobei Hunter einfach ein cooler Name ist und gut zu den Kampfkatzen passt... ;-)

  • Zitat

    Original von Rosha
    Mulle, herzlichen Dank für deinen Beitrag. Es ist so, wie ich vermutet habe: Die Verlage haben großen Einfluss.


    Ja, aber es ist eben nicht so, dass die uns Pseudonyme aufdrängen, um ihre Goldspeicher vollzukriegen.
    Oft genug sieht es so aus, dass die Verlage versuchen, irgendwie die Jobs der Autoren und die Existenz dieser Bücher zu retten. Weil sie sie toll finden und davon überzeugt sind.
    Einfacher ist es oft, den nächsten Debütanten "durchzukochen" und nur mit denen weiterzuarbeiten, die mit dem ersten Buch einen Bestseller hinlegen.

  • Zitat

    Original von Mulle
    Oft genug sieht es so aus, dass die Verlage versuchen, irgendwie die Jobs der Autoren und die Existenz dieser Bücher zu retten.


    Nach dem Motto: alle sitzen im gleichen Boot.


    Mulle, hast du denn auch schon unter Pseudonym geschrieben? Wenn ja, ist mir das bisher leider entgangen. Ich dachte, du schreibst nur unter Klarnamen. :gruebel

  • Ja, in jedem Fall haben Pseudonyme idR ihren Grund. Und ich kenne KEINEN Fall, in dem das einer wäre, der nicht irgendwie nachvollziehbar ist.


    Ich habe bisher ein Pseudonym für "härtere" Erotik. Die mag ich nicht unter meinem Namen veröffentlichen; nicht, weil ich mich dafür schäme, sondern weil unter meinem Namen auch Jugendbücher erscheinen sollen.
    Ein weiteres kommt in diesem Jahr dazu, weil aus diversen Gründen in 2013 vier Bücher von mir erscheinen, drei davon unter meinem Namen, was schon wirklich viel ist und nur darum machbar, weil eines davon im Kleinverlag erscheint und ein anderes die Fortsetzung zu einer Reihe ist (die es leider nur vereinzelt in den Buchhandel geschafft hat).


    Ob mein neuer Verlag für mein nächstes Buch und ein ganz neues Genre (Belletristik, erstmals ganz ohne Phantastik) ein Pseudonym wünscht, weiß ich noch nicht.
    Möglich wäre es, weil die Leser und Buchhändler mich bereits unter "Fantasyautorin" abgespeichert haben könnten. Das muss individuell beraten werden.
    Lieber wäre mir mein Klarname - keine Frage. Aber wenn Agent oder Verlag mir davon abraten, weil dieser meinem Buch zum Nachteil werden könnte, dann nehme ich ein Pseudonym.
    Ich bin echt eitel in der Hinsicht, aber nicht so sehr, dass ich dafür ein mies laufendes Buch riskiere - dafür ist mir das Buch zu wichtig.

  • Zitat

    Original von Buchdoktor
    Über Erin Hunter mit ihren Warrier Cats las ich, der Verlag hätte den Anfangsbuchstaben von Hunter vorgeschrieben, damit die Bücher exakt an dieser Stelle im Regal stehen.


    Ähm, auf exakt diese Art kam seinerzeit Sara Douglass zu ihrem Pseudonym (bzw. "Künstlernamen", weil alle ihre Bücher unter diesem Namen erschienen - soweit ich weiß). Ihr "richtiger" Name war (wenn ich das richtig erinnere) Warnecke. Der Verlag meinte, bis zum Buchstaben "W" guckt niemand im Regal, drum einen fürs erste Drittel des Alphabets. So kam es zu Douglass. (Quelle: habe ich seinerzeit auf ihrer Webseite gefunden, ob es dort noch steht, weiß ich nicht.)



    Das Argument von Charlie kann ich (mit 12 Jahren Erfahrung als Verlagsvertreter, auch wenns schon etliche Jahre her ist) nachvollziehen.


    Als Leser stört es mich dennoch inzwischen gewaltig. Ich habe da eine Autorin im Kopf, mit deren Schreibstil ich nicht zurecht kam. Wenns jetzt dauernd neue Pseudonyme gibt, darf ich immer wieder (auf meine Kosten - Bücher müssen ja bezahlt werden) feststellen, daß das nichts für mich ist?


    Je mehr mit das mit den Pseudonymen auffällt, je mehr denke ich in der Tat daran, mich auf meine Buchbestände zu beschränken, nur um das Risiko, daß mir das mit dem Nichtgefallen unter mehreren Namen passiert, auszuschließen.


    Aus Zeitgründen jetzt nur das, mehr evtl. später.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von SiCollier ()

  • Entschuldigung, zitiert statt (Tippfehler) editiert. :rolleyes

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895, aus "Die verlorene Handschrift")

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von SiCollier ()

  • Ja, natuerlich, SiCollier, das wuerde mir als Leser auch aufstossen. Und dass da der eine oder andere reinfaellt, will ich auch gar nicht ausschliessen.
    Ich denke trotzdem, dass die Faelle sich in Grenzen halten. Zum einen kann man in Buecher ja reinlesen. Und zum andern wird es keinem Flop-Autor ermoeglicht werden, bis in alle Ewigkeit neue Pseudonyme zu starten. Wenn man sich mit dem Pseudonym nicht deutlich verbessert also naeher am Leser schreibt, ist auch da ganz schnell der Ofen aus. Es ist eine zweite Chance. Kann man die nicht nutzen, liegt's womoeglich daran, dass man eben nicht kann. Und dann auch besser dran ist, ein Ende zu finden, das einem die Verleger in dem Fall aufzwingen werden. Die sind ja keine Wohlfahrtsunternehmen. Und leiden nicht an Autorenmangel.

  • Zitat

    Original von SiCollier


    Als Leser stört es mich dennoch inzwischen gewaltig. Ich habe da eine Autorin im Kopf, mit deren Schreibstil ich nicht zurecht kam. Wenns jetzt dauernd neue Pseudonyme gibt, darf ich immer wieder (auf meine Kosten - Bücher müssen ja bezahlt werden) feststellen, daß das nichts für mich ist?


    Das wäre sicher so, wenn man auf die Bücher der Autorin, die du nicht magst, den Namen einer anderen, beliebten Autorin pappen würde. *
    Aber wenn du ein Buch mit einem neuen Namen kaufst, weißt du ja ohnehin nicht, was dich erwartet, es könnte auch jede Debütantin auf eine Art schreiben, die dir nicht gefällt. Du schaust also bei einem neuen Namen vermutlich vorher rein oder liest eine Textprobe, bevor du das Buch kaufst.
    Das ist heute so einfach wie nie und vollkommen kostenfrei möglich: Alle Verlage bieten auf ihren Internetseiten Leseproben an. Einfacher kann man es den Kunden wirklich nicht mehr machen.


    Aber es ist auch wieder ein gutes Argument pro Pseudonym: Dann nämlich, wenn ein Autor sind in einem neuen Stil versucht. Vielleicht gefällt dir die zuvor nicht gemochte Autorin ja dann.



    *) Auch das gibt es inzwischen: Namen, die nur noch Marken sind und von einem ganzen Autorenpool geschrieben werden und lange nicht mehr vom Träger des Namens. Leider, muss man hier wirklich sagen.

  • Ich bin mir nicht sicher, ob der Eindruck täuscht, aber mir kommt es so vor, als ob eine massive „Genrefizierung“ des Buchmarktes ein Grund für die Pseudonym-Eskalation ist.
    Mittlerweile gibt es doch für jeden Mist eine eigene Genrebezeichnung, abhängig davon, wo und wann der Roman spielt, ob Vampire darin vorkommen oder nicht, ob der Kommissar nun in Schweden ermittelt oder im Sauerland.
    Offensichtlich wollen die Leserinnen immer das Gleiche lesen, und für diese ganzen Subgenres werden dann Erkennungszeichen geschaffen, damit sie gar nicht großartig mit einem Buch beschäftigen müssen, sondern reflexartig zugreifen können.
    „Freche Frauen“ muss hellblau sein und die Autorin darf auf keinen Fall Dolores Montalban heißen. Auswanderergeschichten müssen eine ätherische Landschaft vorne drauf haben und der Autorenname muss dem Auswanderungsziel angepasst werden. Vielleicht gibt es ja deshalb keine Auswanderergeschichten nach Vietnam, weil es für Kerstin Müller dann doch ein wenig seltsam wäre, sich Hawi Nguyen nennen zu müssen.


    Das schmeckt mir zwar alles nicht, geht aber weitestgehend an mir vorüber, da ich meistens „Sonstiges“ lese, für das sich noch kein Autorennamen-Richtlinie und kein Einheitscover durchgesetzt hat :grin

    Menschen sind für mich wie offene Bücher, auch wenn mir offene Bücher bei Weitem lieber sind. (Colin Bateman)

  • Zitat

    Original von Charlie:Ganz ehrlich - und auf die Gefahr hin, hier Leute zu vergraetzen (was mir leid taete): Mir ist es im Prinzip voellig egal, ob auf meinen Buechern Harald Husten oder Lotti Lustig steht. Ich moechte, dass jemand sie liest, und ich moechte, dass ich sie mir auch kuenftig leisten kann (was ich z.B. als Self-Publisher oder im Kleinverlag einfach nicht koennte). Solange mir ein Verlag das ermoeglicht, richte ich mich soweit wie moeglich nach dessen Bedingungen. Von Marketing habe ich deutlich weniger Ahnung als Kuehe vom Klavierspiel. Wenn mir einer erzaehlt: Als Karsten Kohldampf verkaufst du mehr Kochbuecher als als Hanni Hungerharke, dann nehm' ich das hin und wurschtele weiter.


    Ich denke, dass die Marktmechanismen hier im Forum allen klar sein dürften.


    Wenn ich den obigen Beitrag von Charlie nehme, dann möchte ich als eine Leserin antworten, die die Pseudonymeritis extrem verärgert.
    Die Vielzahl der wirklich üblen, unoriginellen Namen sorgt bei mir nur für eines, nämlich den Schluss, dass ich vom augenscheinlich lieblosen Pseudonym auf einen eben solchen Inhalt eines Buches schließe. Ganze Genre erhalten von mir wegen solcher Vorgehensweisen keine Chance mehr.

  • Mir ist es völlig egal ob eine Autorin/ein Autor ein Pseudonym verwendet. Für mich zählt ausschließlich der Inhalt. Zudem kann ich mir oftmals den Namen der Autorin/des Autors eh nicht merken - kann aber trotzdem zu dem gelesenen Buch etwas sagen.


    Viel schlimmer ist es doch, wenn ein Buch unter einem anderen Titel neu aufgelegt wird. Die dadurch entstehende Gefahr des Doppelkaufes sehe ich als viel gravierender an, als wenn die Damen und Herren Autoren unter x-verschiedenen Namen schreiben. Sollen sie doch - wenn sie Freude daran haben. Ich vergesse die Namen eh schnell wieder.


    Ich selbst schreibe sowieso nur unter Pseudonym..... :wave

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall) ich wünsche allen einen schönen Tod und eine geruchslose Verwesenung.


    Allenfalls bin ich höflich - freundlich bin ich nicht.

  • Das kann ich gut verstehen, Salonloewin. In aller Regel wirst Du damit auch eine gute Entscheidung treffen, denke ich, da Du die Zielgruppe der Buecher, deren Autoren-Pseudonyme Du als lieblos empfindest, vermutlich sowieso nicht sein duerftest.
    Dass die Pseudonyme von ihren Autoren lieblos gewaehlt wurden, bestreite ich aber heftig. Ich nehme immer die Namen von Familienmitgliedern, und etwas Lieberes als meine Familie hab ich nicht. Ich weiss von vielen Kollegen, die es so aehnlich machen, andere, die ihre eigenen Zweitnamen, Geburtsnamen oder Abwandlungen des eigenen Namens benutzen. Von willkuerlicher, liebloser Pseudonymwahl habe ich zumindest noch nie gehoert.


    Das besagt aber nichts gegen das, was Du geschrieben hast. Wie gesagt, ich finde Deine Entscheidung nachvollziehbar und voellig richtig - ich denke, den Verlegern wird durchaus bewusst sein, dass man damit auch Leser vergraetzen kann. Nur sind das eben (denke ich) in aller Regel die, fuer die das entsprechende Buch sowieso einen Fehlkauf dargestellt haette, waehrend das Pseudonym Leser, fuer die es passt, anspricht.
    Jedenfalls ist das meine - hoechst beschraenkte - Erfahrung. Ich teile die von DraperDoyle geaeusserte Ansicht: Die Leser, die sich ueber die Pseudonyme aergern, betrifft es meist gar nicht, da sie ohnehin in ganz anderen Sphaeren lesen.


    Herzlich,
    Charlie

  • Zitat

    Die Vielzahl der wirklich üblen, unoriginellen Namen sorgt bei mir nur für eines, nämlich den Schluss, dass ich vom augenscheinlich lieblosen Pseudonym auf einen eben solchen Inhalt eines Buches schließe.


    :write Genau das ist auch mein Problem. Genauso wie Cover können auch Namen ein äußeres Kriterium beim Buchkauf sein. Zwar gibt es Namen, die gewöhnungsbedürftig sind aber solange sie "echt" klingen, kann ich damit leben. Aber z.B. in der Histo-Ecke gibt es da Namen, wo ich eher an Damen alla
    Dolly Buster denken muss und das Buch dann gar nicht erst in die Hand nehme, geschweige denn reinlese.


    Zitat

    Das ist eine sehr schöne, typische Vielleser-Stimme. smile Das Problem ist leider, dass die Vielleser in der Unterzahl sind. Die meisten Buchkäufer ticken einfach anders, und die Verlage müssen zwingend darauf eingehen, um es überhaupt soweit zu schaffen, dass die Buchhandlungen die Bücher bestellen und sich in die Läden legen, wo sie dann zu den Kunden finden.


    Ich bin eine Minderheit, womöglich eine Randgruppe :cry