Gibt es auch nicht-"höher"-gebildete Autoren?

  • Hey! :wave


    Ich lese meistens in einem Buch, was der Autor so beruflich macht bzw. machte, bevor er sich völlig dem Schreiben widmete.


    Und vor ein paar Tagen ist mir aufgefallen, dass ich bis jetzt immer gelesen habe, dass die besagten Autoren studiert haben bzw. Lehrer sind oder waren.
    Woran liegt das? Oder ist das nur bei den Büchern so, die ich lese?


    Ich habe zum Beispiel noch nie gelesen:
    Max Mustermann war Tischlermeister...
    Lehrberufe sind mir noch nie untergekommen (also lehren im Sinne von "einen Beruf lernen").


    Woran liegt das?
    Könnt ihr mir (berühmte) Autoren nennen, die das Gegenteil beweisen?

  • Wird wohl daran liegen, dass Lehrer verdammt viel Zeit haben, um Bücher zu schreiben. Die anderen arbeiten, um zu leben.
    *duck und wech* *mea culpa, mea culpa* *ich war's, ich geb's zu*

  • Ein Ausbildungsberuf kann auch Journalismus sein, davon gibt es dann viele die auch Bücher schreiben. ich glaube das Schreiben von Büchern setzt vorraus, dass das eigene Handwerkszeug- aus welchem Beruf auch immer- Sprache ist.


    Aber es gibt natürlich berühmte Beispiele:


    Klassiker - Mark Twain - Lotse auf dem Missisippi
    Heute - Joanne K. Rowling- Sozialhilfeempfängerin

    Nemo tenetur :gruebel


    Ware Vreundschavt ißt, wen mahn di Schreipfelerdes andereen übersiet :grin


    :lesend Ungläubiges Staunen- Über das Christentum Navid Karmann :lesend

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  • Zitat

    Original von kleineBaerin
    Ist Sozialhilfeempfängerin mittlerweile als Beruf anerkannt?


    Weist Du aus dem Kopf was die vorher gemacht hat? Ich leider nicht- nur studiert hat sie - jedenfalls soweit ich weiß - nicht- und darum gings doch. Ansonsten hast du natürlich recht.

    Nemo tenetur :gruebel


    Ware Vreundschavt ißt, wen mahn di Schreipfelerdes andereen übersiet :grin


    :lesend Ungläubiges Staunen- Über das Christentum Navid Karmann :lesend

  • Zitat

    Original von beowulf
    Klassiker - Mark Twain - Lotse auf dem Missisippi


    Falsch! Das war er nur zeitweilig im Nebenberuf; hauptberuflich war M. T. Journalist:

    Zitat

    Der Junge begann bei der Zeitung Missouri Courier eine Ausbildung als Schriftsetzer. Sein Bruder Orion kaufte das Hannibal Journal, in dem Samuel erste kurze Artikel veröffentlichen konnte. Bis zu seinem 18. Lebensjahr blieb Samuel Clemens in Hannibal und 1852 publizierte er The Dandy Frightening the Squatter unter seinem ersten Pseudonym W. Epaminondas Adrastus Perkins.


    (Quelle: Wikipedia, s.v. Mark Twain)



    Zitat

    Original von beowulf
    Heute - Joanne K. Rowling- Sozialhilfeempfängerin


    Auch falsch!

    Zitat

    Nach ihrem Schulabschluss 1983 studierte sie Französische Sprache und Altphilologie an der University of Exeter. Nachdem sie 1987 ihr Studium abgeschlossen hatte (das u. a. einen einjährigen Aufenthalt als Englischlehrerin in Paris beinhaltet hatte), übte sie verschiedene Bürotätigkeiten aus, u. a. arbeitete sie zwei Jahre bei Amnesty International in London.


    (Quelle: Wikipedia, s.v. Joanne K. Rowling)
    Übrigens führte Joanne K. Rowlings Liebe zu den Alten Sprachen dazu, daß sie auf eigene Kosten den ersten Band sowohl ins Lateinische als auch ins Altgriechische übersetzen ließ:

  • Charles Dickens?


    Zitat

    Bereits mit 12 Jahren musste Dickens als Hilfsarbeiter in einer Fabrik arbeiten; er verpasste deswegen den regelmäßigen Schulbesuch. Nachdem sein Vater aus dem Gefängnis entlassen wurde, ging Charles wieder zur Schule und wurde 1827 als Anwaltsgehilfe angestellt. Dickens arbeitete sich zum Parlamentsstenographen hoch und wurde schließlich Journalist beim Morning Chronicle, einer Zeitung.


    Quelle: Wikipedia

  • Da lag ich ja bei Rowling richtig daneben :bonk, aber Mark Twain hat einen Lehrberuf als Schriftsetzer- so dass meine Generalklausel- Sprache als Handwerkszeug- wohl bestätigt ist. :-)

    Nemo tenetur :gruebel


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    :lesend Ungläubiges Staunen- Über das Christentum Navid Karmann :lesend

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  • Ich denke es fällt jemandem, der hauptsächlich handwerklich tätig ist, einfach auch schwerer, seine Gedanken, Empfindungen, Ideen in eine schriftliche Form zu bringen. Das ist einfach auch eine Trainingssache.
    Und wenn es jemandem schwer fällt, sich schriftlich zu äußern, dann wird er auch eher einen Weg in Richtung Handwerk wählen.

  • @ columbo


    Ich zitiere aus Wikipedia:


    "Nach der Schule studierte Bukowski zunächst Journalismus am Los Angeles City College und versuchte sich bereits in jungen Jahren – zunächst ohne großen Erfolg – als Schriftsteller."

  • Ein Universitätsstudium ist beileibe keine Eingangsvoraussetzung, um Autor zu werden. Sehr viele Klassiker, speziell vor dem 18./19. Jh. haben nicht studiert, in Antike und MA bspw. weil es schlichtweg diese Bildungswege nicht gibt.
    Auch heute sind viele Autoren keine Akademiker, vor allem (aber nicht nur) im Unterhaltungsbereich.
    Erfahrungsgemäß kommen Menschen durch ein Universitätsstudium, in dessen Verlauf man ohnehin viele Sach- und Fachtexte abfaßt, durch den intensiven Umgang mit Sprache eher darauf, zu "schreiben"; aber der Rückschluß, es gebe keine Autoren, die nicht zugleich Akademiker sind, wäre grundfalsch.


    Allerdings möchte ich auf die Methoden und Techniken, die ich an der Universität gelernt habe, nicht verzichten. Allerdings weniger das Faktenwissen -- in den Geisteswissenschaften lernt man, dem "Faktenwissen" gründlich zu mißtrauen und es zu hinterfragen.
    Umberto Eco hat es mal auf den Punkt gebracht. Auf die Frage, warum Der Name der Rose im Mittelalter spiele, erwiderte er: »Über das Mittelalter habe ich Informationen aus erster Hand.«
    Auch er weiß eben, wo er die Informationen findet, die ihn davor schützen, auf die üblichen Vorurteile reinzufallen. :grin

  • Ein Treffer:


    "Ich ging nach Stockholm und machte eine Ausbildung als Sekretärin. Ich bekam dort eine Anstellung, heiratete und bekam zwei Kinder - Lars und Karin."
    Das sagt Astrid Lindgren.


    Allerdings zählen SekretärInnen ebenfalls zu den Leuten, die einen sicheren Umgang mit der Sprache pflegen bzw. pflegen sollten.


    Nachtrag: Hermann Hesse - gelernter Turmuhrenmechaniker und gelernter Buchhändler. Na gut, wieder einer, dessen Beruf die Auseinandersetzung mit der Sprache erfordert.


    Lieben Gruß


    polli

    Ja, das Schreiben und das Lesen
    ist nie mein Fach gewesen,
    denn schon von Kindesbeinen
    befasst' ich mich mit Schweinen.
    (Der Zigeunerbaron)

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von polli ()

  • Hans Fallada: Schule abgebrochen, Gelegenheitsjobs, keine Ausbildung, kein Studium
    Doris Lessing: Ehefrau und Mutter, keine Ausbildung, kein Studium
    J.D. Salinger (Fänger im Roggen): Schlachter, Kaufmann, Soldat
    Erich Fried: Gelegenheitsjobs, Schreiber für Londoner Zeitschriften


    Oder im Moderneren, belletristischen Bereich:


    Walter Moers - Gelegenheitsjobs, Comiczeichner

    :lesend
    If you can read, you can empathize, luxuriate, take a chance, have a laugh, hit the road, witness history, become enlightened, turn the page, and do it all again
    Oprah Winfrey

  • Ich denke, daß es nur natürlich ist, daß Schriftsteller vorher schon ein Interesse an Sprache gezeigt haben. Das ist, meiner Meinung nach die Grundlage um zu Schreiben und der Wunsch zu Schreiben fällt nicht vom Himmel. Ein Interesse drückt sich auch in dern Berufswahl aus, bei den meisten.

    :lesend
    If you can read, you can empathize, luxuriate, take a chance, have a laugh, hit the road, witness history, become enlightened, turn the page, and do it all again
    Oprah Winfrey

  • Ein weiteres Beispiel:

    Corinna Kastner
    hat zwar auch täglich mit Sprache zu tun, hat aber nicht das Abitur gemacht und anschließend studiert:


    "Nachdem ich nach der 11. Klasse auf dem Gymnasium beschlossen hatte, dass mir Mathematik, Physik, Chemie und Bio absolut nichts sagten und ich ungefähr tausend andere Dinge lieber tun wollte, besuchte ich zwei Jahre lang die Wirtschaftsschule Dr. Christian Buhmann und machte dort eine Ausbildung zur Wirtschaftsassistentin für Fremdsprachen und Korrespondenz. Die beendete ich 1985 und bekam einen Job bei der Hochschule für Musik und Theater Hannover – dort arbeite ich heute am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung." (Zitat von ihrer Homepage)

  • mir ist beim lesen dieser beiträge aufgefallen, dass (außer j.k rowling) alle bekannten schriftsteller tatsächlich eine höhere schulbildung bwz einen "besseren" beruf haben, als ihr etwas unbekannteren kollegen.

  • Ähm, zu Rowling:


    "After studying French and Classics at the University of Exeter, with a year of study in Paris, she moved to London to work as a researcher and bilingual secretary for Amnesty International."


    Es ist eine "Urban Legend", dass Rowling eine arme Sozialhilfeempfängerin war, die kein Geld für Papier hatte und deshalb ihre Notizen auf Servietten schrieb.


    Wer allerdings keinen akademischen Hintergrund hatte waren z. B. Ernest Hemingway, Henry Miller und Anaïs Nin.

  • Eine kunterbunte Auswahl....wie sie mir halt grad so eingefallen sind....diese Autoren/Schriftsteller ohne abgeschlossenes Studium.



    Joachim Ringelnatz: Mehrere Ausbildungen angefangen, auch ein Studium, aber nichts zuende geführt.


    Irmgard Keun: Stenotypistin


    Robert Walser: Banklehre, Büroangestellter


    Johanna Spyri: hat auch keine abgeschlossene Ausbildung.


    Bertolt Brecht: hat meines Wissens auch kein abgeschlossenes Studium. Nach einem Jahr an der Uni (Medizin und Literatur) wurde er gegen Ende des 1. Weltkriegs noch als Soldat eingezogen.


    Klaus Mann: war gar kein guter Schüler und schaffte trotz Privatunterricht das Abitur nicht. Ich weiss auch nichts über irgendeine andere Ausbildung/Weiterbildung

    Avatar: James Joyce in Bronze... mit Buch, Zigarette und Gehstock.
    Diese Plastik steht auf seinem Grab. (Friedhof Fluntern, Zürich)
    "An Joyces Grab verweht die Menschensprache." (Yvan Goll)