Erfahrungen mit dem Novum-Verlag?

  • Guten Tag,


    ich habe hier im Forum schon mal einen Suchlauf zum Thema Novum-Verlag gemacht. Es gibt wohl Projekt Buchparties (wie Tupperparties) und teilweise werden auch Kostenzuschüsse pro Druckseite genommen - klingt alles nicht so vertrauenerweckend...


    Ich habe den Text für ein Bilderbuch geschrieben und eine Freundin (mit diesbezüglicher Erfahrung) hat es illustriert. Nun interessiert sich der Novom-Verlag für unser finsteres Machwerk und hat "aus drucktechnischen Gründen" noch weitere Texte angefordert.


    Bevor wir jetzt wild anfangen zu schreiben und zu malen: Hat jemand hier schon konkrete Erfahrungen mit diesem Verlag gemacht?


    Grüße von
    Relaxo

  • Sehr vergnüglicher Fred, den ihr da ausgegraben habt, danke!


    Das Tuppermodell für den Buchverkauf spukt mir auch seit Jahren im Kopf rum. Als ich noch in einem Schulbuchverlag war, belaberte unser Außendienst die Lehrer und legte ihnen die Vorzüge unserer Produkte ans Herz.


    Seit ich Medien für den Massenmarkt verhökere, haben wir unser Zeuch u.a. im Shopping-TV angepriesen, haben Propagandisten auf die Leute losgelassen, werben im Internet und Rundfunk, machen Direktwerbung (Mailings), klassische Kataloge und watt nich all.


    Wenn das, was wir den Kunden via Direktwerbung *schreiben* ihnen ein Mensch ihres Vertrauens vorführt und *erzählt*, ist man entweder beim Shopping-TV - oder bei der Tupperparty.


    Der Unterschied zum Novum-Verlag ist vielleicht, dass wir eine eingeführte Marke haben und schon seit Jahrzehnten in -zig Ländern den Massenmarkt beackern. Wenn man Töpfchen und Schüsselchen, Kerzen, Schmuck, Dessous und Kosmetik auf die Tour verticken kann, warum nicht Bücher, Filme und CDs?

    Und was die Autofahrer denken,
    das würd’ die Marder furchtbar kränken.
    Ingo Baumgartner

  • Zitat

    Original von DraperDoyle
    Kostprobe gefällig:


    Mitzi, Minki und Mafi


    wer dann noch kann, kann sich ja mal die zugehörige Leseprobe antun :wow


    :rofl


    Zitat


    Minki versuchte seine Tochter zu warnen, obwohl er wusste, es wird umsonst sein. „Dimitri ist zu alt für dich!“ Mafi: „Er hat Erfahrung!“ Minki, spöttisch: „Vor allem mit Frauen.“ Mafi: „Seine Frauen waren immer besonders schön!“ Nach einer Pause, stolz: „Er liebt alles, was schön ist!“ Minki: „Das kann ich verstehen.“ Mafi: „Und seine Frauen waren immer besonders reich!“ Minki: „Das gibt mir zu denken!“

    Quelle: Leseprobe


    Da fehlen doch mindestens zwei Ausrufezeichen am Ende eines jeden Satzes!!!


    :fetch

  • Zitat

    Original von Vandam
    Oh ... da veröffentlicht auch Adele Sansone, eine österreichische Kinderbuchautorin, die schon Preise und Auszeichnungen für ihre Arbeit bekommen hat.


    Und was sagt uns das?
    Auch McDonalds vergibt den "Mitarbeiter des Monats".




    Gruss,


    Doc, ausgezeichnet und preisverdächtig ...oder war's nur verdächtig?

  • Zitat

    Original von DraperDoyle
    Auch hochkarätige Lyrik ist hier zu finden:


    Lass die Sonne in Dein Herz,
    dann vergeht bestimmt dein Schmerz....


    Klingt eher nach deutschem Schlager ;-)


    Wobei ich wegen der zwei Leseproben jetzt nicht auf alle Bücher davon schließen würde.
    Ich bin da halt schmerzfrei und lese auch Bücher aus DKZ-Verlagen und von BOD. Schon aus Neugier.

  • Zitat

    Ich bin da halt schmerzfrei und lese auch Bücher aus DKZ-Verlagen und von BOD. Schon aus Neugier.


    Da ist ja nichts gegen zu sagen, wahrscheinlich könnte mir eine kleine Portion Unvoreingenommenheit auch nicht schaden :gruebel
    Ich habe nur Zweifel, ob ein Verlag, der solches Zeug veröffentlicht, seriös genannt werden kann.

    Menschen sind für mich wie offene Bücher, auch wenn mir offene Bücher bei Weitem lieber sind. (Colin Bateman)

  • Ich bin manchmal erstaunt, wer alles in den Kleinstverlagen zugange ist. In jüngster Zeit sind mir ein paar Autoren aufgefallen, die seit Jahren bei etablierten Verlagen veröffentlichen - und mit Büchern abseits ihres angestammten Genres auf einmal in so einem Kleckerles- und Kümmerles-Verlag präsent sind.


    Ich bin da ja so schmerzfrei wie die Leserättin - gelesen wird, was auf den Tisch kommt, und wenn's was aus dem Selbstverlag ist. Aber ein wenig am Image kratzt das ja schon, wenn ein "seriöser" und "anerkannter" Autor quasi eine Stufe zurück tritt und wieder zu so einem Mini-Laden geht.

    Und was die Autofahrer denken,
    das würd’ die Marder furchtbar kränken.
    Ingo Baumgartner

  • Zitat

    Ich habe nur Zweifel, ob ein Verlag, der solches Zeug veröffentlicht, seriös genannt werden kann.


    Novum ist einerseits (anscheinend wenigstens) ein "richtiger" Verlag und andererseits gleichzeitig ein DKZ-Dienstleister. Als letzterer veröffentlicht er so gut wie alles, für dessen Veröffentlichung die Autoren bezahlen. Das ist nicht unseriös. Es ist eine Dienstleistung, die bezahlt wird, fertig. Daß es für einen Buchkäufer manchmal schwer zu unterscheiden ist, ob ein Buch veröffentlicht wurde, weil man davon überzeugt war und das verlegerische Risiko eingegangen ist, oder weil der Autor dafür abgelatzt hat, das ist ärgerlich, aber auch nicht wirklich unseriös. Man muß sich eben nur selbst als "einfacher" Leser ein bißchen darüber informieren, wie das Programm und Angebot eines "Verlags" aussieht, dessen Bücher man erwirbt.

  • Da stellt sich die Frage, wie man seriös definiert. In diesem Zusammenhang würde ich seriös als "fair, anständig" definieren, während "unseriös" für mich die Grauzone zwischen seriös und betrügerisch bezeichnet.
    So gesehen, ist der Verkauf linksdrehender Kamelhaardecken auf einer Kaffeefahrt nicht gerade betrügerisch (sämtliche Markenklamotten sind ja unter dem Gesichtspunkt des eingesetzten Materialwerts auch überteuert), aber seriös würde ich das auch nicht gerade nennen.


    Prinzipiell habe ich nichts gegen DKZ-Verlage, ich habe dort sogar einige sehr interessante geisteswissenschaftliche Veröffentlichungen gefunden. Nachdem ich aber einige Leseproben beim Novum-Verlag lesen durfte, würde ich jedes weitere Werk aus diesem Hause, und wäre es von Fred Vargas, fallenlassen wie einen Pfeilgiftfrosch.
    Und das kann ja weder im Sinne derer sein, die dort "ordentlich" verlegt werden, noch derer, die glauben, mit "Mitzi, Minki und Malfi" eine literarisches Meisterwerk geschaffen zu haben, dessen wahren Wert die Dumpfbacken bei Suhrkamp nur nicht erkannt haben (aber zu diesem Thema hast du, Tom, ja schon ein treffliches Pamphlet verfasst :grin)

    Menschen sind für mich wie offene Bücher, auch wenn mir offene Bücher bei Weitem lieber sind. (Colin Bateman)

  • Hallo, DraperDoyle.


    Der Begriff "Verlag" ist nicht geschützt; jeder kann seine Firma "Verlag" nennen. Gleichzeitig gibt es keine Garantie dafür, daß jede Firma, die der Besitzer "Verlag" genannt hat, auch im Sinne dieses Wortes tätig ist (nämlich: Geld vorlegt, um ein Buch zu finanzieren). Es gibt tausende "Verlage" - echte und nur so genannte - in Deutschland. Und ein Vielfaches davon an Büchern. Einer der großen Vorteile des herkömmlichen Buchhandels besteht darin, daß Buchhändler nur solche Titel ins Sortiment nehmen, von denen sie überzeugt sind oder sich haben überzeugen lassen (i.d.R. von Buchhandelsvertretern). Bei dem, was man im Sortiment eines Buchhändlers vorfindet, kann man von einer gewissen Qualität ausgehen. Natürlich nehmen Buchhändler auch solche Titel auf, die sich gut verkaufen, was nicht immer dasselbe ist. Aber immerhin findet man Bücher aus Programmen von DKZ-Läden so gut wie nie in Buchhandlungen (ich habe noch nie irgendwo ein Buch von Novum gesehen). Und wer unbedingt online kaufen will, kann sich ja in Foren wie der Büchereule informieren. Bei Amazon-Rezensionen wird's da schon heikel. Ich habe gestern zwei Titel angesehen, die jeweils ziemlich viele Rezensionen hatten, die irgendwie sehr ähnlich klangen. Keiner der Rezensenten hatte mehr als diese jeweils eine Rezension verfaßt. Gerade BoD- und DKZ-Autoren ballern ihre eigenen Titel mit selbstverfaßten Rezensionen zu. Wir erleben eine Abart davon hier zuweilen auch, Leute, die reinstolpern, ein Buch anpreisen und sich dann früher oder später als Autor herausstellen.


    Unfair? Unseriös? Nunwohl. Alles Gute hat auch was Schlechtes. Die Verbilligung der Produktionstechnik hat einer ganzen Heerschar von Autoren die Möglichkeit eröffnet, ihren Krempel zu veröffentlichen, für den sie vorher massenweise Formablehnungen eingesackt haben. Das ist möglicherweise gut. Schlecht daran ist das oben genannte. So ist es nunmal. Man muß sich informieren, bevor man etwas kauft. Aber das macht jeder, der über etwas gesunden Menschenverstand verfügt, doch sowieso, oder? ;-)

  • Ich gebe zu, ich bin über 'unseriös' gstolpert.


    Novum ist offenbar ein recht angesehner Dienstleister. Erst wenige Jahre im Geschäft, in einer Gegend in Österreich, die vor Industrie nicht grad sprüht, innovativ. Jung. Hat mehrere offizielle Auszeichnungen erhalten und beschäftigt einiges an Personal. Incl. LektorInnen und KorrektorInnen.
    Geradezu vorbildlich.
    Seriös.


    Dienstleister ist Dussmann doch auch. Ist das Kulturkaufhaus deshalb unseriös?


    Ich neige - und das nicht zuletzt durch fast drei Jahre Eulenerfahrung - inzwischen zu der Meinung, daß wir uns von dem Gedanken an Buch = Kulturgut verabschieden müssen.
    Hat der Buchmarkt doch de facto auch getan.
    Bücher sind Ware. Für ihre Produktion muß eine/r blechen. Ihr Ziel ist verkauft zu werden. Daran wird verdient.
    Darum geht's.


    Ein Buch kann Kulturgut sein- wobei ich von dem Begriff gern mal eine Definition hätte. Eine, die mich überzeugt, meine ich.


    Qualität?
    Tja ...
    Die Grenzen zwischen Kleinstverlagen und BoD sind da oft genug fließend.
    Und auch bei Publikumsverlagen ist nicht alles Gold, was als solches beworben wird.
    Das sind oft genug nur noch Ergebnisse von gutem Produktdesign. Oft nicht mal das.


    Ganz ehrlich: im Moment habe ich keine Ahnung mehr, was ein Buch ist heutzutage.


    :wave


    magali


    edit: Bücher in Kultiur umgewandelt. Bei Dussmann meine mich

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von magali ()

  • Nö.
    Sindse nicht.


    Bücher sind das Letzte.
    Manchmal sind es nicht mal Bücher, die Bücher.
    :grin



    Ich glaube, ich arbeite an einem neuen Image.


    Hallo, mein Name ist magali und ich hasse Bücher.


    :-]

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus

  • Zitat

    Original von magali
    Hallo, mein Name ist magali und ich hasse Bücher.


    Aha, Du hast Phase Eins erreicht.


    In Phase Zwei heisst es dann "Ich hasse Autoren".


    Phase Drei, "Ich hasse Leser."


    Phase Vier, "Ich hasse Bücherforen."


    Phase Fünf, "Jetzt schreibe ich selbst."


    Phase Sechs, "Wie war nochmal die Anschrift vom Novum-Verlag?"



    Phasenreiche Grüße,


    Doc