Sollte man die Klassiker der Weltliteratur kennen auch ohne sie gelesen zu haben?



  • Natürlich reicht es nicht, aber es wäre mal ein Grundstock. ;-)


    Ich finde Halbwissen und Unwissen nur dann gefährlich, wenn man sich darauf ausruht und glaubt, damit nun das Thema und die Welt verstanden zu haben.
    Wenn man etwas nicht weiß und von etwas wenig weiß, sich aber dessen bewußt ist, daß man es nicht weiß und eben nicht sich und der Welt weiss macht, man wüsste alles, sehe ich da nicht das Problem.

    :lesend
    If you can read, you can empathize, luxuriate, take a chance, have a laugh, hit the road, witness history, become enlightened, turn the page, and do it all again
    Oprah Winfrey

  • Ich wüsste da durchaus noch ein paar Studiengänge, die man da getrost streichen kann: Germanistik und Literaturwissenschaft, Geschichte, Philosophie, Theologie, Musik (in fast allen Facetten) Kunstgeschichte und und und... im Grunde könnte man hier alle Geisteswissenschaften aufführen. Und ich nehme an, dass es auch in Fächern wie der Jurisprudenz durchaus wünschenswert ist, wenn man ein gewisses Maß an allgemeiner Bildung mitbringt...
    edit: nun hab ich den gesamten journalistischen Bereich ja völlig vergessen. Oh es ist jedesmal ein solches Grauen, wenn irgendwelche Schmierfinken Zitate völlig sinnwidrig und entstellt in die Zeitung drucken lassen, nur um damit ihre Texte mit "Bildung" zu würzen ... Da sieht man auf grausamste Weise, was solche art von "kennen = ich hab mal was gehört von..." bewirkt.

  • Zitat

    Original von licht
    Ich wüsste da durchaus noch ein paar Studiengänge, die man da getrost streichen kann: Germanistik und Literaturwissenschaft, Geschichte, Philosophie, Theologie, Musik (in fast allen Facetten) Kunstgeschichte und und und... im Grunde könnte man hier alle Geisteswissenschaften aufführen. Und ich nehme an, dass es auch in Fächern wie der Jurisprudenz durchaus wünschenswert ist, wenn man ein gewisses Maß an allgemeiner Bildung mitbringt...
    edit: nun hab ich den gesamten journalistischen Bereich ja völlig vergessen. Oh es ist jedesmal ein solches Grauen, wenn irgendwelche Schmierfinken Zitate völlig sinnwidrig und entstellt in die Zeitung drucken lassen, nur um damit ihre Texte mit "Bildung" zu würzen ... Da sieht man auf grausamste Weise, was solche art von "kennen = ich hab mal was gehört von..." bewirkt.


    In der Schule lernt man schon ganz gut, seine Unwissenheit zu verbergen. Wenn ich für die Uni etwas unbedingt lesen muss, mache ich das aber schon. Aus Faulheit seine Karriere zu gefährden, ist in meinen Augen sehr unvernünftig :-].


    Und a propos "völlig sinnwidrige und entstellte Zitate":


    Selig sind die Unwissenden :lache.


    Eddie

    Mir fällt leider kein guter Spruch für eine Signatur ein, aber wenn ich keine habe, stehen die Verlinkungen zu Amazon immer zu dicht unter der letzten Zeile meines Beitrages :rofl.

  • Zitat

    Original von chiclana
    Ob in oder notwendig kann ich nicht beurteilen, aber für mich gehört es schon zur Allgemeinbildung wenigstens die Titel und Schriftsteller der sogenannten Weltliteratur zu kennen. Optimal natürlich wenn man auch von der Handlung eine grobe Vorstellung hat. Ich sag mal, wenigstens auf "Wer wird Millionär"-Niveau. ;-)


    Ich will damit nun nicht unbedingt sagen, dass ich selbst da unbedingt meine eigenen Vorstellung voll erfülle... aber das kommt noch! :-)




    Die Frage ist: Was sind Klassiker? Für viele zählt ja selbst Harry Potter schon dazu :lache


    Ich habe nicht alles gelesen, einfach weil mich nicht alles so brennend interessiert. Es gibt vieles was ich noch lesen möchte (irgendwann in den nächsten 100 Jahren :gruebel ) aber wahrscheinlich in diesem Leben nicht mehr dazu kommen werde.

    Don't live down to expectations. Go out there and do something remarkable.
    Wendy Wasserstein

  • Zitat

    Original von Charlie


    Fragen blamieren?


    Ich war bisher immer dem Irrtum erlegen, daß man durch Fragen lernt.


    Ich habe keine Lust mir von irgendwelchen Leuten oder Medien vorschreiben zu lassen, was Allgemeinbildung ist und was nicht.


    Ich verstehe auch nicht, warum man unbedingt Werke von Schiller oder Goethe gelesen haben muß, um als allgemein gebildet zu gelten.
    Ich weiß zwar, daß sie einige Sachen geschrieben haben, die bekannt sind und das reicht mir, weil keine Lust habe, sie zu lesen.
    Ich würde auch nie Bücher, wie Krieg und Frieden, Der alte Mann und das Meer lesen.
    Ich habe z. B. die meisten Bücher von Jules Verne gelesen, weil es mich mehr interessiert.
    Das sind doch auch Klassiker.
    Bin ich jetzt ungebildet?

    Du mögest arm sein an Unglück und reich sein an Segen, langsam im Zorn, schnell in der Freundschaft. Doch ob arm oder reich, langsam oder schnell, nur das Glück sei dein Begleiter von heute an
    Irisch

  • Wenn Du ungebildet bist, bin ich es auch.
    Ich kenne vieles, von dem andere nicht einmal gehört haben; Hand hoch, wer die Apologie des Sokrates kennt! :lache
    Goethe und Schiller können mir jedoch gestohlen bleiben; die vermeintliche Bildungslücke gebe ich gern zu.
    Entweder, ich habe ein Buch gelesen und kann darüber reden, oder eben nicht- dann halte ich mich geschlossen und sage nichts dazu.
    Niemand wird mich je dazu bringen, Dostojewski zu lesen; ich habe keine Lust darauf. Sollte mich dennoch der Drang überkommen, lese ich's halt; aber doch ganz sicher nicht, um Normen zu entsprechen.
    Ausserdem geht das, was man wohl als Allgemeinbildung bezeichnet, ohnehin mit Lichtgeschwindigkeit den Bach herunter, so dass es kaum jemandem auffallen dürfte, wenn ich nicht aus "Faust" zitieren kann...

    Receive what cheer you may- the night is long that never reaches the day (Willy Shakespeare)

  • Bis vor einiger Zeit habe ich mich nur für Thriller und Krimis interessiert. Mittlerweile möchte ich auch mehr kennen - habe mich schon an Fantasy und Historisches rangetastet und liebe es.
    Klassiker möchte ich auch lesen, aber da ich nen stressigen Alltag habe, habe ich oft nur ne halbe Stunde (an den Arbeitstagen) Zeit zu lesen. Da les ich lieber "leichtere" Bücher.
    Grundsätzlich denke ich mittlerweile aber, dass man sich über Klassiker informieren sollte um zu wissen, worum es geht. Oft gucke ich in Wikipedia was dort über bestimmte Bücher steht. Wenn es interessant ist, versuche ich auch, die Bücher zu lesen.
    Aber dass ich darüber bescheid weiss, würde ich nicht behaupten ;-)

  • Hey,
    also ich finde schon dass man manche großen Klassiker kennen sollte, wenn man sie nicht gelesen hat ok, vieles is eben schwer zu lesen ;-), aber Autor und Name sollte man scho bennenen können.
    Also ich hab wohl noch nicht so sonderlich viele Klassiker gelesen, an Kafka hab ich mich z.b. letztes Jahr erst rangewagt, aber vorher kannte ich immerhin schon Titel lach. Viele können mit Autorennamen null anfangen, find ich erschreckend.

  • hui, ihr habt ja munter weiter diskutiert waehrend ich hier seelenruhig geschlafen hab.


    Interessant finde ich wie sich die urspruengliche Frage in eine Diskussion um den Sinn einer Allgemeinbildung entwickelt hat. Ich glaub die meisten hier sind sich einig, dass es in der heutigen Zeit mit der Explosion des Wissens im 20. Jhd. sehr viel schwieriger geworden ist Allgemeinbildung zu definieren oder auch zu erwerben. Aber ist sie daher weniger notwendig?


    Ich wage zu behaupten, dass sie vielleicht sogar noch wichtiger geworden ist, um in der komplexen Welt von heute etwas zu erreichen. Als Beispiel seien doch nur mal Umweltprobleme genannt, die doch sehr viele Wissensbereiche ueberspannen und nur verstanden - und angegangen - werden koennen, wenn man sehr breites Wissen hat. Damit mein ich jetzt nicht, dass der Buerger des Alltags nun mit guter Allgemeinbildung zum Umweltretter wird und die neuesten Techniken entwickeln kann - dazu braucht es auch wieder Detailwissen. Eher, dass man z.B. mit guter Allgemeinbildung besser mit den Politkern diskutieren kann und sie dazu bringt entsprechende Schutzgesetze o.a. zu erlassen.


    Und damit kommt eine neue Kritik einher, die man frueher vielleicht seltener gehoert haette, die um die Gefahren, die Halbwissen bringen koennte.


    Daran angehaengt meine Frage nun, was ist eigentlich der Unterschied zwischen Allgemeinbildung und Halbwissen?

    Gruss aus Calgary, Canada
    Beatrix


    "Well behaved women rarely make history" -- Laura Thatcher Ulrich

  • :wow Der Unterschied zwischen Allgemeinbildung und Halbwissen.... das ist eine sehr gute Frage!


    Also zuerst mal muss man sagen, dass man vermutlich in Deutschland etwas anderes unter Allgemeinbildung versteht als beispielsweise in Simbabwe. Eine einheitliche Begriffsdefinierung ist also nicht wirklich möglich.


    Ich würde sagen, dass Allgemeinbildung ein Grundbestand an Wissen ist, der zwar abfragbar im Gehirn gespeichert, aber nicht relevant für die Person oder das alltägliche Leben ist. In Deutschlang kann man vielleicht sagen, dass Schulbildung gleich Allgemeinbildung. Obwohl es natürlich je nach Schulabschluss und Bundesland wieder Unterschiede gibt. :gruebel Die These kann ich also gleich wieder streichen. Aber vom Prinzip her. Nur das man sein Allgemeinwissen natürlich das ganze Leben lang vergrößert. Es sei denn man spezialisiert sich nur auf ein Gebiet.


    Halbwissen ist dagegen eine Art von Scheinwissen, das bei näherer Betrachtung viel zu löchrig ist, um als Wissen bezeichnet zu werden. Es sind aufgeschnappte Kurzfassungen, die vielleicht einfacher zu verstehen sind, aber durchaus auch falsch sein können.


    Also der Unterschied ist meiner Auffassung nach, dass Allgemeinbildung ein fundiertes Grundwissen ist, während Halbwissen Fakten sind, die weder vollständig noch richtig sein müssen, es aber sein können.

    Only love of a good woman will make a man question every choice, every action.
    Only love makes a warrior hesitate for fear that his lady will find him cruel.
    Only love makes a man both the best he will ever be and the weakest.

  • Da faellt mir noch ein Beispiel ein, wo Allgemeinbildung, und hier insbesondere die im Bereich Literatur, durchaus mit dem heutigen komplexen Weltgeschehen in Verbindung gebracht werden kann. Sieht man sich die tausende Videokameras in London zur Ueberwachung bzw. Schutz vor Terrorismus an, dann sollte einem eigentlich auch Orwells "1984" in den Sinn kommen UND helfen die Gefahren gegen den moeglichen Nutzen solcher Massnahmen abzuwaegen.

    Gruss aus Calgary, Canada
    Beatrix


    "Well behaved women rarely make history" -- Laura Thatcher Ulrich

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Beatrix ()

  • Warum soll einer gerade dieses Buch in den Sinn kommen?
    Warum nicht 'Wir' von Samjatin?
    Warum nicht 'Schöne neue Welt' von Huxley? Bradburys 'Fahrenheit 451'? Burgess 'A Clockwork Orange'? Atwoods 'Handmaids Tale'?


    Oder fünf Dutzend andere? Kafkas 'Prozeß' fällt mir noch ein.


    Warum soll einem überhaupt ein Buch in den Sinn kommen zu diesem Thema?


    Totale Überwachung kann auch man anders illustrieren, z.B. in dem man Menschen an Beispielen deutlich macht, was mit ihnen passiert. Wieso braucht man dazu die Geschichte von Wil-dingens Smith?


    Wenn einem zu diesem Thema ein Buch in den Sinn kommt, was bedeutet das eigentlich? Daß man sich über die Gefahren des Überwachungstaats im klaren ist oder daß man ein Buch gelesen hat?


    Wenn ich den geringen Widerstand gegen z.B. die Datensammelwut oder Videokameras an allen möglichen und unmöglichen Stellen in der Öffentlichkeit so bedenke, neige ich dazu, zu glauben, daß es eher darauf ankommt, zu beweisen, daß man ein Buch gelesen hat.
    :grin


    Die Funktion von Allgemeinbildung muß man natürlich auch diksutieren. Will man Gruppenzugehörigkeit beweisen? Und wozu? Wem?


    Warum ist heutzutage eigentlich 'gebildet' immer stärker gleichbedeutend mit 'ich habe gelesen' und nicht mit 'ich kenne die und die KomponistInnen, MalerInnen, RegiesseurInnen, ÄrztInnen' etc. pp.
    Solchen Fragen muß man auch nachgehen.


    :wave


    magali

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus

  • megali,


    ich hab doch gesagt, dass dies ein BEISPIEL ist. Hast du im Ernst von mir verlangt, dass ich gleich alles aufzaehle was mir dabei in den Sinn kommt? Und ja Huxley kam mir gerade noch vor 1984 in den Sinn. Und je mehr Titel dir dabei einfallen, desto schoener fuer dich :-)


    Es ging mir doch nur darum zu illustrieren, dass unser Wissen um moegliche Gefahren aus vielerlei Quellen stammen kann und sollte! Wenn wir nur eine Quelle haben, diese womoeglich nur die Bild, na dann Prost Mahlzeit. Literatur kann durchaus eine (nicht die einzige) wichtige Quelle in unserer Meinungsbildung sein. Und damit sind wir eben auch wieder bei Allgemeinbildung, die eben auch ihren Anteil zur Meinungsbildung beitragen kann.

    Gruss aus Calgary, Canada
    Beatrix


    "Well behaved women rarely make history" -- Laura Thatcher Ulrich

  • Sehr gut, Magali...:-)


    Ich hab gerade mal nachgeschlagen, was man unter Allgemeinbildung versteht und mir ein paar Gedanken dazu gemacht, da ich Morte d'Amour grundsätzlich recht geben würde.


    Mir begegnen - gerade in der letzten Zeit - immer mehr Menschen, die einfach nicht wissen, wo sie die Informationen herbekommen sollen, die sie für irgendwas benötigen (Anträge für irgendwas, Weiterbildung, Leistungen, die unser Staat durchaus bringt, wenn man nur weiß, wo und wie)...und ich habe mich des öfteren gefragt, ob das an mangelnder Schulbildung (= erster Grundstein für die Allgemeinbildung?) liegen mag?


    Oder hindert uns heutzutage der immer größer werdende und immer mehr Menschen zugänglich werdende Informationspool sogar daran, unsere Allgemeinbildung zu festigen?


    Die Arbeit wird größenteils immer spezialisierter, die freie Zeit knapper...oder nutzen wir sie gar nicht richtig? Oder ist eine größere Allgemeinbildung bald nur noch für Menschen da, die über mehr freie Zeit verfügen können als andere?


    Und wie paßt in unser ganzes Gesellschaftssystem die Aussage einer Freundin von mir hinein, die besagt, dass ihre Pflegetochter wegen nicht so toller Zensuren vor 2 Jahren jetzt die allergrößte Mühe hat, zur Realschule zugelassen zu werden, obwohl sich ihre Noten um 2!!! Zensuren gebessert haben?


    Ihr verweigert man also die Chance auf eine bessere Allgemeinbildung? Oder wie ist sowas sonst zu interpretieren?


    In Büchern findet man gewiß viele Antworten...aber ganz bestimmt NICHT alle.

  • Beatrix


    Du hast geschrieben '... dann sollte einem eigentlich auch ... in den Sinn kommen'.
    Daraus habe ich gelesen, daß Du Dir gern hättest, daß einem zu dem Thema Orwells Buch in den Sinn kommen soll.


    Das hat bei mir die Frage ausgelöst, warum einer überhaupt ein Roman zu politischen Fragen in den Sinn kommen soll. Reicht es nicht, wenn man gründlich Zeitung liest?
    Es gibt realiter auf der Welt Diktaturen und Überwachungsstaaten. Wieso soll man nicht zuerst an die denken?


    Braucht man Literatur zum Abwägen von Gefahren?
    :gruebel


    Poltische Bildung und kritisches Denken braucht man. Das können auch Menschen entwickeln, die nicht lesen.



    :wave


    magali

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von magali ()

  • Zitat

    Original von Ikarus
    Die Arbeit wird größenteils immer spezialisierter, die freie Zeit knapper...oder nutzen wir sie gar nicht richtig?


    Die freie Zeit wird immer knapper? Im Vergleich zu wann? Wann hatte man denn schon mal so viel "Freizeit" wie heute?


    Zitat

    Original von Ikarus
    Oder ist eine größere Allgemeinbildung bald nur noch für Menschen da, die über mehr freie Zeit verfügen können als andere?


    War das nicht schon immer so? :gruebel

  • Zitat

    Original von magali
    Reicht es nicht, wenn man gründlich Zeitung liest?


    Das hiesse ja wiederum man haette in erster Line nur eine Informationsquelle. Ich finde es wichtig, dass Informationen aus verschiedenen Quellen kommen.


    Zitat

    Original von magali
    Poltische Bildung und kritisches Denken braucht man. Das können auch Menschen entwickeln, die nicht lesen.


    Klar geht das. Theoretisch. Aber wenn man liest, ist es wesentlich einfacher. Warum wohl hatte es Luther wesentlich einfacher als Hus seine Thesen zu verbreiten? Er hatte Gutenberg! und Hus nicht.

    Gruss aus Calgary, Canada
    Beatrix


    "Well behaved women rarely make history" -- Laura Thatcher Ulrich

  • Ikarus


    sich Wissen zu verschaffen, muß heutzutage als Grundfähigkeit angesetzt werden. Das wäre ganz energisch zu fordern.


    Dazu muß man dann wieder wissen, was genau man eigentlich wissen will, also braucht man grundsätzlich auch eine gewisse Denkfähigkeit, die wiederum eingeübt werden muß.


    Dann muß man ziemlich viel einfach lernen, Daten, Fakten, Namen.
    Hier müssen nun Schwerpunkte gesetzt werden und da wird es hakelig. Wer entscheidet, was wichtig ist zu wissen und was nicht?


    Und klar, wenn ich drei Stunden damit zubringen muß, herauszufinden, wo ich bestimmte Paragraphen des SGB finde und, wenn ich sie gefuden habe, sie erstmal kapieren muß, dann kann ich in der Zeit nicht Orwell lesen. Die Zeitung, die mich über neue Maßnahmen der Regierung zum SGB informiert, aber auch nicht.
    :grin
    Schwierig.


    Für mich hindert die Unfähigkeit, sich Wissen zuzulegen, daran, Wissen zu erwerben.
    Deswegen sind Wissensbrocken heutzutage so beliebt = Halbwissen. Eine Frage, ein Antwort, zack, und nach hundert Fragen hat man die Waschmaschine gewonnen. Halbwissen ersetzt Denken, das wäre ein weiterer Diskussionsstrang.


    Zu Entscheidungen von LehrerInnen und Lehrern, SchülerInnen in höhere Schulen zu befördern, kann ich nichts sagen. Ich finde unser Schulsystem mehr als - merkwürdig.
    Aber in letzter Konsequenz würde ich sagen ja, hier wird ein Kind davon abgehalten, mehr Bildung zu erwerben. Warum? Nicht genug Lehrerinnen und Lehrer, um Kinder zu fördern? Kein Wille, es tun?


    Allgemeinbildung - ich weiß noch immer nicht genau, was das denn nun ist - als Vorrecht bestimmter Bildungsschichten?
    Noch ein Diskussionsstrang.



    :wave


    magali

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus

  • Beatrix


    ich hätte gesagt, Sigismund war schneller. Hätte Maximilian Luther ratzfatz verbrannt, hättn die Druckschriften auch nichts genützt.
    :lache


    Die Wirkung von Luther allein auf die Möglichkeiten der Verbreitung seines Denkens in gedruckter Form zurückzuführen, geht so nicht. Es dauerte noch eine beträchtliche Weile bis zur 'Reformation' und es sind einige schwerwiegende soziale und ökonomische Verwerfungen zusätzlich zu berücksichtigen.


    Mit Zeitung lesen meine ich nicht nur eine, sondern zwei oder drei. Plus TV-Nachrichten oder Radio? sonstiges nicht-literarisches Informationsmaterial, z.B. von DatenschützerInnen?
    Wirft die interessante Frage auf, ob man ein Buch oder überhaupt etws Gedrucktes braucht zu einer Revolution?
    :gruebel

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von magali ()