Sollte man die Klassiker der Weltliteratur kennen auch ohne sie gelesen zu haben?

  • Ich denke einfach, man kann nie genug Allgemeinbildung haben. Und man wird nie alles wissen, was man mal gebrauchen könnte.
    Aber mein Bestreben ist schon, daß ich mir viel Wissen aneigne.
    Ich lese Bücher, ich lese Zeitungen und Magazine (und meine jetzt nicht Bild und Bunte). Ich verfolge die Nachrichten und wenn mir eine Region, die dort vorkommt, fremd erscheint oder ich darüber nicht viel weiß, nutze ich das Internet gerne um mir Informationen zu holen und darüber zu lesen.
    Ich möchte gerne informiert sein, bevor ich über etwas mitreden kann.


    Ich denke auch, daß mein jahrelanges Arbeiten und Lernen im Buchhandel da sicher sehr förderlich war. Denn vom Traktoren-Reparaturratgeber üden den Hunde-Erziehungsratgeber, den Obstbaumschnitt bis hin zu Reiseführern und historischen Biographien mußte man sich doch ein gewisses Grundwissen aneignen, um dem Kunden weiter zu helfen.
    Nichts ist peinlicher, wenn der Kunde kommt und möchte einen Reiseführer über die Costa Brava und der Buchhändler sucht im Italien-Regal. :grin

    :lesend
    If you can read, you can empathize, luxuriate, take a chance, have a laugh, hit the road, witness history, become enlightened, turn the page, and do it all again
    Oprah Winfrey

  • Doch- wenn der Kunde dort mitsucht! :rofl
    Das meinte ich mit Halbwissen. Wenn ich mitreden will, sollte ich WISSEN haben und nicht nr ne grobe Ahnung, wovon mein Gegenüber vielleicht gerade reden KÖNNTE.
    Ich habe null problemo damit, Unwissen zuzugeben, Das ist weniger beschämend, als mit möglicherweise falschen Fakten um mich zu werfen und ggfs auf Nachfrage dumm dazustehen.


    Btw, Charlie- wir sind definitiv seelenverwandt :anbet:grin
    Oft werde ich dumm angeschaut, wenn mir eine bestimmte Sendung, ein Film, ein Schauspieler nix sagt. "Wie, kennze nich? Musse aba doch" Nee, muss ich nicht. Das Leben ist zu kurz, um mich mit (für mich) Unwesentlichem zu befassen... und meine Mathe- Note im Abi war ne glatte 6 wegen Nichterscheinens. Ha!

    Receive what cheer you may- the night is long that never reaches the day (Willy Shakespeare)

  • Ich hatte eine Lehrerin, die zu sagen pflegte: "Man muss gar nichts - außer sterben." Natürlich kann man ganz gut leben auch ohne die Klassiker, die Integralrechnung und auch sonst alles andere außerhalb seiner Nasenspitze zu kennen. Aber es gibt etwas anderes, das nicht die Allgemeinbildung sondern den Menschen an sich ausmacht - die Neugier.

    "Das Schicksal macht Fehler. Eigentlich sogar ziemlich oft. Es kommt nur selten vor, dass jemand in der Lage ist, es auch zu bemerken."
    aus Eine Hexe mit Geschmack von A. Lee Martinez

  • Eine sehr interessante Frage!


    Also ich finde es klasse, wenn man inhaltlich weiß, worum es geht, Dinge darüber erzählen kann (klar, Details fehlen einem immer, aber immerhin etwas!) und es den Anschein hat, als hätte man das Buch gelesen.


    Wenn man natürlich gerne Klassiker liest, ist es umso besser sich mehr und mehr davon einzuverleiben, aber ich denke mal, dass es keinem möglich sein wird, all die Klassiker der Weltliteratur gelesen zu haben, sodass ich es sehr hilfreich finde, wenn man sich kurze Zusammenfassungen von mehreren bekannten Werken einprägt.


    Macht auf mich zumindest einen sehr guten Eindruck! :wave

    "Katzen achten nicht drauf, welche Namen wir ihnen geben. Sie haben ihre eigenen Namen und brauchen unsre nicht. Darum schaut einen eine Katze auch immer so mitleidig an, wenn man sie beim Namen ruft, den man ihr gegeben hat, als ob man es nie lernt.

  • Also ich bin ja der Meinung, dass es reicht, ein paar Klassiker zu kennen. Wenn man jeweils ein Buch von Goethe, Schiller, Shakespear, Kafka, ..... und wenn auch immer man als Klassiker ansieht, gelesen hat, ist das eigentlich schon ne Menge.
    Wenn es auch zum Allgemeinwissen gehört, gewisse physikalische Gesetze zu kennen, die Photosynthese zu erklären, die deutsche Geschichte im Schlaf daherbeten zu können, ethische Grundausssagen von Philosophen und deren Religionskritik zu verstehen, alle Länder der Erde ihrem Kontinent zuzuordnen, die Grammatik zu beherrschen, mindestens eine Fremdsprache fließend zu sprechen, und dann auch noch Musik und Malerei nach Epoche und Stil zu charakterisieren, dann kann man gar nicht ALLE Klassiker kennen. Man hat weder die Zeit, noch die Speicherkapazität dafür. Das Vergessen ist schließlich eine Schutzmaßnahme des Gehirns. Und mal ehrlich, inwieweit ändert es denn unser Leben einen Klassiker gelesen zu haben? Richtig, gar nicht. Davon geht morgens nicht die Sonne auf, der Kaffe wird davon auch nicht besser und die Staus verschwinden auch nicht von den Straßen. Man hätte nur was sinnvolles zu tun, wenn man dann zufällig einen solchen Klopper von einem Buch in der Tasche hat. :gruebel

    Only love of a good woman will make a man question every choice, every action.
    Only love makes a warrior hesitate for fear that his lady will find him cruel.
    Only love makes a man both the best he will ever be and the weakest.

  • Ich finde schon, dass man die Klassiker zumindest nennen können muss und vielleicht auch wissen sollte von wem sie sind!


    Also ganz schlimm find ich es, wenn man nichtmals ein paar Klassikerautoren kennt... man muss ja nicht unbedingt alle Titel oder ohne Lücke alle Autoren kennen, aber für mich gehört zur Allgemeinbildung zu wissen, dass Goethe und Schiller keine Musiker waren, sondern Autoren!

    :wave Gruß Dany


    Die Wirklichkeit ist etwas für Leute, die mit Büchern nicht zurechtkommen.
    Leserweisheit

  • Wirklich ne interessnate Frage, denke mal,
    man muss nicht alle Klassiker gelesen haben. Vorallem weil bei einigen die Sprache etwas unverständlich ist, da halt zur Entstehungszeit eine andere Grammatik oder einfach andere Wörter benutzt wurden, die heutzutage etwas schwer zu erahnen sind. Aber man sollte schon wissen, worum es beispielsweise bei Faust, Moby Dick oder Macbeth im großen und Ganzen geht. Vorallem Shakespears Werke sollte man wenigstens vom Namen und von den wesentlichen Handlungen her kennen. :learn
    Ich finds übrigens völlig in Ordnung, dass man in der Schule diese Klassiker behandelt, man könnte aber auch mal neuere Bücher auf den Lehrplan setzen, weil es nach Goethe, Shakespeare und/oder Schiller & Fontane nämlich auch gute Schriftsteller gab, gibt und immer wieder neu mit guten Büchern dan Durchbruch schaffen, und die nich nach Goethe & Co. plötzlich ausgestorben sind!! :gruebel

  • Mir stellt sich halt die Frage, was dieses Allgemeinwissen eigentlich ist?
    Was genau gehört da alles mit rein? Wer legt das fest? Und was ist, wenn man eben nicht alle Aspekte dieses Wissens abdeckt? Ist man dann dumm? Minderbemittelt? Ein schlechter Mensch? Bin ich ein schlechter Gesprächspartner weil ich keine Ahnung von Fussball habe, dafür aber gerne über Musik rede?
    Was ist wenn ich nicht sagen kann, wie ein Automotor funktioniert, obwohl es für einen Fahrzeugmechaniker Allgemeinwissen ist? Was ist wenn ich nicht weiß, wann genau das Barock begann, obwohl das für einen Kunsthistoriker unumgänglich ist? Was wenn man einen Turmfalken nicht von einem Mäusebussard unterscheiden kann, obwohl ein Biologe darüber nur schmunzeln kann?


    Ich hatte auch mal höhere Erwartungen ans Allgemeinwissen... bis ich in einer Wildtierstation gearbeitet habe und Leute am Telefon abenteuerlichste Tiere gefunden haben wollten welche sich dann einfach als die typischsten Tiere von nebenan erwiesen. Am Anfang habe ich noch gelacht, dann an den Kopf gegriffen und irgendwann habe ich mich mir Gedanken darüber gemacht, ob ich vielleicht zu viel erwarte und ob das gerechtfertigt ist. Für mich ist es Grundwissen eine Meise von einer Drossel zu unterscheiden, das Kuhmilch für kein Tier gut ist außer für ein Kälbchen und einige Menschen und das Vögel in unseren Breiten keinen geruchssinn haben und sie deshalb nicht vom Geruch des Menschen abgeschreckt werden. Man glaubt nicht wie viele Leute nicht mal ne Amsel erkennen, da zieht es einem die Schuhe aus! Aber mein Gott...wenn sie sich halt nicht für Tiere interessieren sondern für Motorsport. Ich hab mittlerweile gelernt das es sehr engstirnig ist Leute am eigenen Wissen zu messen...
    ich persönlich versuche auch viel zu wissen, bilde mich unheimlich gerne fort, es macht mir halt Spaß. Aber ich kann nicht leugnen, gerne verschiedene Fachbereiche auszuklammern, regelrecht zu meiden.. in Geschichte bin ich zum Beispiel ne Niete und mir ist auch nichts daran gelegen das grundlegend zu ändern.


    Was das mit dem "Google-Zeitalter" zu tun haben soll verstehe ich allerdings nicht.
    Ich denke vielmehr dass das Internet es eher noch fördert eben mal schnell was nachzuschauen, was man irgendwo in einem Buch gelesen hat. Man kommt viel Schneller an Informationen und verschiedene Meinungen und hat damit eine geringere Hemmschwelle doch auch mal einen Fakt zu erforschen, der einen weniger interessiert, weils ja nicht allzuviel Aufwandt (fianziell und zeitlich) ist.


    Charlie, dein Post trifft meine Meinung ganz gut, schön in Worte gefasst! Heutzutage wird es doch immer schwerer wirklich ein Allgemeinwissen zu haben...dafür ist das ganze viel zu Komplex und man wird mit überflüssigem Wissen nahezu überflutet. Ich wusste Monatelang nichts von diesem Knut-Bären, obwohl offensichtlich die ganze Nation bescheid wusste...ist das dann Allgemeinwissen welches wichtig ist?


    Naja, ich für meinen Teil bilde mich lieber in dem was mich Interessiert so, dass ich auch behaupten kann, ich habe Ahnung, als mir jetzt grob die Funktionsweiße irgendwelcher Technik anzuschauen, womit ich am Ende womöglich mehr kaputt mache als das es nutzt ;-)


    lieben gruß
    aj

  • Ich muss zugeben, ich habe keine Ahnung, um was es bei "Les Misérables" geht. Wir mussten uns im Französischen mit anderen "klassischen" Werken so lange herumquälen, dass mir die Neugier auf alle anderen Klassiker vergangen ist.
    Einfach nur den Inhalt eines Buches zu kennen, nur um zu wissen um was es geht bringt nichts. Ich finde nicht dass das Allgemeinbildung ist, sondern eher, dass man so Allgemeinbildung vortäuscht.


    Allgemeinbildung ist in letzter Zeit ziemlich modern, aber ich sehe den Zweck nicht ein. Wenn mir Fussball, klassische Musik oder klassische Literatur egal sind, werde ich mich nicht in diese Themen hineinarbeiten, nur um irgendwann mal in einem Gespräch damit angeben zu können. Dafür ist mir meine Zeit zu schade, die stecke ich lieber in Sachen die mich wirklich interessieren.


    Also ich finde nicht, dass man Klassiker der Weltliteratur kennen sollte.

  • Beatrix


    ganz tolle Frage. Wichtig und spannend.


    Was mich betrifft: klares Nein. Ich ziehe Menschen vor, die sagen: 'davon habe ich noch nie gehört' oder 'das weiß ich nicht'. Zumindest sollten sie sagen: Ich habe es nie gelesen, aber geht es nicht darum, daß sie am Ende vor den Zug springt? Sicher bin ich aber nicht ...'


    Dann kann man nämlich sagen: ja, heutzutage denken alle, daß es darum geht. Der Titel des Buchs ist zum gesamten Buch geworden. Keiner scheint zu wissen, daß es in dem Roman um das Bild einer ganzen Gruppe von Menschen geht, fünf Familien mindestens, und daß Annas Geschichte nur eine davon ist.
    Es ist wie beim Weißen Hai, der taucht auch erst nach 45 Minuten zum erstenmal auf. :grin


    Es reicht nicht, etwas nur der Spur nach zu wissen, auf keinem Gebiet.


    Heutzutage ist es sehr schwer geworden, von Allgemeinbildung zu reden, von ihr auszugehen, sie zu fordern. Unser dokumentierbarer Wissensvorrat ist immens geworden.
    Man müßte z.B. darüber diskutieren, warum es so wichtig zu sein scheint, zu wissen, was Victor Hugo sagen wollte, aber wenig wichtig zu sein scheint, auf die Frage zu antworten, ob Genmais auskreuzt oder nicht, was ein Atomkraftwerk ist, was Keramikschneiden sind, wie Schiefer aussieht oder Bergkristall, was einen Hecht von einer Flunder unterscheidet und was Dax bedeutet.


    Was wir unter 'Allgemeinbildung' verstehen, ist längst ein Code geworden zur Verständigung unter Menschen, die bestimmten Gruppen angehören wollen. 'Man' geht in die Oper und hört natürlich Mozart, aber eher nicht Alban Berg.


    Es ist ein Kanon geworden, aber ein Kanon bedeutet stets Einschränkung.
    Für mich verhindert ein bestehender Kanon den Erwerb von echtem Wissen, er wird rasch zur 'Halbbildung'.
    'Ich hab von Goethe gehört, sogar etwas gelesen, ich bin doch gebildet.' Das sagen die Leute dann. Gebildet worin?
    Sie zeigen viel eher, daß sei einer bestimmten Gesellschaftsschicht angehören, sonst nichts.


    Zur Allgemeinbildung gehört für mich eher kritisches Denken und die Fähigkeit, Dinge infrage zu stellen. Vor allem den eigenen Wissenschatz.
    Ich persönlich weiß lieber über wenige Dinge genau Bescheid, als über alle vermeintlich etwas.
    Das ist für mich Halbbildung und Unwissen.


    Das Wichtigste ist wohl, daß man sich im Klaren ist, daß man noch soviel wissen, kann und daß man dennoch auf siebenmal sovielen Gebieten nur eins ist: unwissend.



    Charlie


    Ich empfehle den Film 'Ten Things I Hate About You'. Falls Du Heath Ledger gemeint hast. Shakespeare-Adaption. Klassiker. Absolut.
    :grin


    Die Filmmusik ist natürlich jenseits der klassischen Bildung. Ich hatte nie zuvor von Sister Hazel gehört, ganz zu schweigen von einer Band namens Letters to Cleo oder so. :rofl
    Aber inzwischen bin ich weiter - gebildet. Hopefully so.



    :wave


    magali

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus

  • Zitat

    Original von redator
    Mir stellt sich halt die Frage, was dieses Allgemeinwissen eigentlich ist?
    Was genau gehört da alles mit rein? Wer legt das fest?


    Ich würde sagen, daß legen alle und keiner fest.
    Für mich gehört ein gewisses Wissensgerüst aus allen möglichen Bereichen dazu. Geographisch, politisch, botanisch, biologisch, medizinisch, musisch ... usw. usw.
    In meiner Buchhändlerausbildung gab es ein grandioses Schulfach: Wissenschaftskunde. Das beschäftigte sich damit, aus allen Wissenschaftsbereich eine Grundkenntnis und einen Überblick zu vermitteln (für Buchhändler ja sinnvoll und sogar nötig).


    Und wie schon gesagt: man kann nie zu viel Wissen haben, und nie zuviel Bildung - erst recht keine Allgemeinbildung.


    Zitat

    Original von redator
    Und was ist, wenn man eben nicht alle Aspekte dieses Wissens abdeckt? Ist man dann dumm? Minderbemittelt? Ein schlechter Mensch?


    Nun lass mal die Kirche im Dorf...
    Allgemeinbildung sagt nichts über Zurechnungsfähigkeit, Intelligenz aus, noch ist es eine moralische Norm.


    Zitat

    Original von redator
    Bin ich ein schlechter Gesprächspartner weil ich keine Ahnung von Fussball habe, dafür aber gerne über Musik rede?


    Wenn sich einer mit dir über Fußball unterhalten will, bist du dann sicher ein schlechter Gesprächspartner ;-)



    Zitat

    Original von redator
    Ich hatte auch mal höhere Erwartungen ans Allgemeinwissen... bis ich in einer Wildtierstation gearbeitet habe und Leute am Telefon abenteuerlichste Tiere gefunden haben wollten welche sich dann einfach als die typischsten Tiere von nebenan erwiesen. Am Anfang habe ich noch gelacht, dann an den Kopf gegriffen und irgendwann habe ich mich mir Gedanken darüber gemacht, ob ich vielleicht zu viel erwarte und ob das gerechtfertigt ist.


    Für mich ist die Tatsache, daß andere über weniger Bildung oder Allgemeinbildung verfügen und ein Huhn nicht von einer Katze unterscheiden können, kein Ansporn es ihnen gleich zu tun und meine Bildungsansprüche an mich in Frage zu stellen - im Gegenteil!


    Zitat

    Original von redator
    Was das mit dem "Google-Zeitalter" zu tun haben soll verstehe ich allerdings nicht.
    Ich denke vielmehr dass das Internet es eher noch fördert eben mal schnell was nachzuschauen, was man irgendwo in einem Buch gelesen hat. Man kommt viel Schneller an Informationen und verschiedene Meinungen und hat damit eine geringere Hemmschwelle doch auch mal einen Fakt zu erforschen, der einen weniger interessiert, weils ja nicht allzuviel Aufwandt (fianziell und zeitlich) ist.


    Ich habe den Eindruck, daß im Zeitalter von Google und wikipedia, jeder die passende Ausrede gefunden hat, es eben nicht nachzulesen, sich nicht zu informieren und nicht zu recherchieren - man kann ja nachschauen, wenn man es denn irgendwann mal braucht. Inzwischen sogar schnell mit dem Handy von unterwegs.
    Vieles wird nur noch abgeschrieben, richtig selbst erarbeitet wird nur noch weniger.
    Für mein Referat in der Schule habe ich Stunden in Bibliotheken zugebracht und vieles lesen müssen, was erst mal für das Thema nicht wichtig war, um zum Kern zu kommen.
    Heute habe ich das Gefühl, fragt man mal schnell in einem Forum, oder druckt sich gleich eine fertige Hausarbeit aus - und fertig. Googlen ist doch schon das Höchstmass an Recherche. Bildung bleibt da für mich insgesamt auf der Strecke.

    :lesend
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  • Zitat

    Original von janda
    Und wie schon gesagt: man kann nie zu viel Wissen haben, und nie zuviel Bildung - erst recht keine Allgemeinbildung.

    Original von redator


    Das stimmt...wie gesagt, ich halte mich auch für einen sehr wissenshungrigen Menschen... aber alles wissen geht nun mal nicht. Es wurmt mich schon, dass ich in meinem Spezialgebiet niemals alles wissen kann, obwohl ich am liebsten alles wissen wollen würde ;-(
    ..dann lass ich doch lieber andere sachen auf der Strecke die irgendjemand der Allgemeinbildung für zugehörig befunden hat.



    Zitat

    Nun lass mal die Kirche im Dorf...
    Allgemeinbildung sagt nichts über Zurechnungsfähigkeit, Intelligenz aus, noch ist es eine moralische Norm.


    was ich mit diesen Fragen sagen wollte...was ist dabei, wenn man eben nicht diese Allgemeinbildung hat? Welche Folgen sollte das haben wenn ich Schillers Werke nicht alle beim Namen nenne kann?



    Zitat

    Wenn sich einer mit dir über Fußball unterhalten will, bist du dann sicher ein schlechter Gesprächspartner ;-)


    in der Tat *g*



    Zitat

    Für mich ist die Tatsache, daß andere über weniger Bildung oder Allgemeinbildung verfügen und ein Huhn nicht von einer Katze unterscheiden können, kein Ansporn es ihnen gleich zu tun und meine Bildungsansprüche an mich in Frage zu stellen - im Gegenteil!


    auch das wollte ich nicht sagen. Wie gesagt, ich selbst möchte am liebsten alles wissen :rolleyes
    Aber das meine ich nicht. Worauf ich hinaus will ist, dass das Allgemeinwissen, bzw eher der Mangel daran auf einem Gebiet, welches man selbst für einen selbstverständlichen Wissenschatz befunden hat, ja in der Regel eher abfällig betrachtet wird. Ich frage mich halt, woher man sich eben das Recht nehmen darf jemanden eben aufgrund einer Wissenslücke zu be- oder gar ver-urteilen.



    Zitat

    Ich habe den Eindruck, daß im Zeitalter von Google und wikipedia, jeder die passende Ausrede gefunden hat, es eben nicht nachzulesen, sich nicht zu informieren und nicht zu recherchieren - man kann ja nachschauen, wenn man es denn irgendwann mal braucht.


    ok, wenn das dein Eindruck ist.
    Ich hab da einen komplett anderen. Ich bin ja grad in einer Übergangszeit aufgewachsen... ich hatte `98 das erste mal zögerlichen Kontakt zum Internet, da war ich 16. Man kann also sagen ich bin zwar schon mit der Möglichkeit des Internets aufgewachsen, aber ich kenne auch sehr gut die Zeit ohne diese.
    zB. wenn man früher in einer angeregten Diskussion war und sich über einen Fakt uneins war, dann wurde eben diskutiert, sich verrannt, weiter diskutiert und irgendwann abgehakt wenn es nicht grad ein essentielles Thema war. Wenn wir heute in eine Situation kommen, wo einer dies behauptet und der andere von jenem überzeugt ist, und man kommt mit reden nicht weiter, und es ist zufällig ein PC in der Nähe, dann kann es schon mal vorkommen, dass man eben schnell mal nachschaut. Solche Dinge vergisst man nie wieder...Unwissen fällt nicht einfach unter den Tisch sondern wird aufgeklärt. Ich hab auf diese Weise schon einiges gelernt und Falschwissen revidieren können...ich halte das für eine sehr interessante Möglichkeit.
    anderes Beispiel:
    Man nehme an, man will sich ein Kaninchen anschaffen. Man will sich natürlich informieren und das beste fürs Tier. Also kauft man sich ein oder zwei Kaninchenbücher, fragt den Zoohändler oder Züchter...vielleicht noch den Tierarzt. Verständlicher Weise ist man der Meinung damit eigentlich ganz gute Recherche betrieben zu haben. Als Ergebnis hält man das Tier allein oder vielleicht mit einem Meerschweinchen zusammen in einem handelsüblichen Käfig, kauft das beste Futter von Vitakraft oder ähnlichem...ein paar bunte Knupserringe als Leckerli..
    Heute schaut man zusätzlich im Internet und wird sehr schnell eines besseren belehrt wie falsch diese Sachen alle sind. Man kann einfach sehr viel gezielter Meinungen und Erfahrungen austauschen und Infos einholen.
    Ich glaube auch nicht dass das Internet in der Tat Leute vom lesen oder der Allgemeinbildung abhält. Menschen die das so handhaben wie du es beschreibste wären wohl so oder so keine potentiellen Bücherfresser geworden. Und Leute die Bücher mögen werden sich durch das Internet nicht davon abbringen lassen.
    Ich musste vor einiger Zeit für die Uni einen Vortrag ausarbeiten. Als ich fertig war habe ich mir auf Krampf schnell noch 2-3 Seiten aus dem netz für die Quellenangabe suchen müssen, weil ich nur per Buch gearbeitet hatte.
    In einer Zeit, als ich noch nicht so mit dem Internet vertraut war musste ich in Geschichte einen Vortrag machen...das hieß Biografien wälzen und Geschichtsbücher... hängen geblieben ist davon null, trotz der gezwungener Maßen altmodischen Methode... ich muss gestehen, das ich mein geschichtliches Halbwissen mittlerweile in der Tat nur aus dem Internet habe.. ohne hätte ich nicht mal das.


    lieben Gruß
    aj

  • Magalis Posting gefaellt mir so gut!
    Ich habe auch schon Leute erlebt, die einen ganzen Theaterfuehrer durchlasen, damit sie nicht durch "Nichtkennen" eines "Muss-man-kennen"-Stuecks auffielen.


    Ich frage mich: Wenn Nicht-kennen eine solche Schande ist - kann ich dann ueberhaupt je etwas kennenlernen?


    Ein Schluesselerlebnis im Grundstudium: Ich hatte aus Neapel nach Berlin gewechselt, hatte vorher kein Mittelhochdeutsch und keine Ahnung. Ich hab ununterbrochen Fragen gestellt. Mir war das nicht unpeinlich. Schliesslich hielt ausser mir kein anderer das ganze Proseminar mit bloeden Fragen auf ... irgendwann fiel mir allerdings auf, dass etliche, sobald die Antwort auf meine Frage kam, eifrig mitschrieben. Ich hab mir dann mal ein Herz gefasst und meinen Banknachbarn gefragt, warum er sich das aufschreibt - er habe das doch schon gewusst und nicht danach gefragt.
    Die Antwort lautete: "Nee, ich wusste das nicht. Aber du fragst doch eh. Da brauch' ich mich doch nicht zu blamieren."


    Fragen blamieren?


    Ich hab mich seither immer gern blamiert.
    (Und weil ich zugegeben hab, dass ich Heath Ledger nicht kannte, hab' ich nun eine Filmempfehlung hehehe.)


    Die Neugier, die Saru erwaehnt, zwingt uns m.E. haeufig, etwas ganz genau wissen zu wollen, nicht nur allgemein, sondern genauer und genauer und genauer ... das kann viele Jahre dauern, in denen ich dann keine Zeit habe, auch noch den Theaterfuehrer, zwei Baende "Biologie fuer Dumme" und "Mathe fuer den, der's schon in der Schule nicht kapiert hat", durchzuackern. Da moecht' ich mich dann gern in meine Neugier fallen lassen, in ein Thema ganz tauchen, nicht nur die grossen Zehen reinstecken.


    Zum Glueck lieben andere Leute andere Themen. Und die kann ich ja dann fragen und von ihrem Wissen profitieren.


    Alles Liebe von Charlie


    P.S.: Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich rede keiner einseitig-monomanischen Fachidiotenbildung das Wort. Sondern der These, dass man Bildung wollen darf, nicht muessen muss. Selbstredend erfordert das auch viel Durchbeissen durch Ungeliebtes. Aber es erfordert m.E. kein oberflaechliches Kratzen an Wissenszusammenhaengen, in die ich gar nicht eindringen will!

  • Zitat

    Original von Charlie


    Fragen blamieren?


    Ein sehr interessanter Aspekt. Mir ist schon sehr oft aufgefallen, das nicht der Frager sich blamiert, sondern das der "vermeintlich" Wissende sehr oft der Blamierte ist weil er ganz einfach, wahrscheinlich aufgrund seines löchrigen Zweiunddreißigstel Wissens, auf Fragen nicht antworten kann und so sein vorher zur Schau gestelltes angebliches Wissen revidieren muss.


    Nachzufragen kann unendlich viel Spass bereiten. :-) :wave

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall) ich wünsche allen einen schönen Tod und eine geruchslose Verwesenung.


    Allenfalls bin ich höflich - freundlich bin ich nicht.

  • Zitat

    Original von Bouquineur
    Es wird halt noch immer erwartet, dass man die Klassiker kennt. :grin


    ...es fragt sich halt nur, ob der Sinn des eigenen Lebens eben darin besteht, die Erwartungen anderer zu erfüllen?


    Ansonsten:...sehr gute Frage, Beatrix! :-) ... und Joan : willkommen im Club der Überlebenden :grin:wave


    Will heißen: ich kenne ein paar Menschen, die - ohne je andere Bücher als Schulbücher in der Hand gehabt zu haben - weitaus gebildeter sind als diejenigen, die ihre sogenannte Bildung als (Schutz?)-schild vor sich her tragen und meinen, man müsse doch...um mitreden zu können.


    Man muß jaaanüscht...


    :wave


  • Echt? Das kam mir auch immer kürzer vor :gruebel... :rofl


    :wave

  • Ich sags ja nur ungern: aber ich stimme Magali zu 100 % zu, besonders darin:
    "Ich ziehe Menschen vor, die sagen: 'davon habe ich noch nie gehört' oder 'das weiß ich nicht'. Zumindest sollten sie sagen: Ich habe es nie gelesen, aber geht es nicht darum, daß sie am Ende vor den Zug springt? Sicher bin ich aber nicht ...'
    [...]
    Es reicht nicht, etwas nur der Spur nach zu wissen, auf keinem Gebiet."


    Alles wissen geht nicht, aber dazu kann man auch getrost stehen und muss das nicht irgendwie verblendet verkaufen.

  • Ich finde auch nicht, dass man Klassiker unbedingt kennen muss (solange man sich mit seiner Unkenntnis nicht irgendwelche Chancen verbaut; ich sage nur Abi :grin). Was man liest ist Privatsache; sobald es für den Beruf wichtig ist, kann der Chef ja (Arbeits)Zeit für die Lektüre solcher Klassiker zur Verfügung stellen (wenn man Klassiker nicht gern liest, ist es ja auch Arbeit).


    Was Allgemeinbildung betrifft, finde ich es sehr enttäuschend, dass bei uns viele Lehrer, wenn sie ein neues Thema anfangen oder auch nur eine Unterrichtsdiskussion führen wollen, immer so tun, als müsse jeder mit dem Thema vertraut sein. Es gibt doch immer irgendwelche (wichtigen) Politiker, Theologen, Schriftsteller etc. die man nicht kennt. Von der "Tobin Tax" hatte ich zum Beispiel noch nie was gehört und es ist mir nie wieder begegnet. Wenn der Lehrer dann so tut, als wäre dies eine unverzeihliche Wissenslücke, kommt man sich leicht irgendwie dumm vor und ist lieber still.


    Ich habe in einer Studie gelesen, dass in den letzten 20 Jahren immer eher das untere Drittel eines Abiturjahrganges Lehrer geworden ist, deshalb habe ich mich gefragt, ob diese Lehrer, die so tun, als müsse man alles wissen, damit irgendetwas kompensieren :gruebel.


    Eddie

    Mir fällt leider kein guter Spruch für eine Signatur ein, aber wenn ich keine habe, stehen die Verlinkungen zu Amazon immer zu dicht unter der letzten Zeile meines Beitrages :rofl.

  • Zitat

    Original von Eddie Poe
    Ich finde auch nicht, dass man Klassiker unbedingt kennen muss (solange man sich mit seiner Unkenntnis nicht irgendwelche Chancen verbaut; ich sage nur Abi :grin). Was man liest ist Privatsache; sobald es für den Beruf wichtig ist, kann der Chef ja (Arbeits)Zeit für die Lektüre solcher Klassiker zur Verfügung stellen (wenn man Klassiker nicht gern liest, ist es ja auch Arbeit).


    Dann streich schon mal Buchhändler von deiner Berufswunschliste. :lache

    :lesend
    If you can read, you can empathize, luxuriate, take a chance, have a laugh, hit the road, witness history, become enlightened, turn the page, and do it all again
    Oprah Winfrey