Der Koch - Martin Suter

  • Oh das hoert sich super an. Ich koche gerne und liebe Suter - da kann doch gar nichts schief gehen. Es wird mir schwer fallen aufs TB zu warten ...


    Eine Frage noch: sind denn auch Rezepte im Buch zu finden? Im Anhang? oder sonstwo?

    Gruss aus Calgary, Canada
    Beatrix


    "Well behaved women rarely make history" -- Laura Thatcher Ulrich

  • "Der Koch" lässt mich etwas ratlos zurück. Anfangs gefiel mir das Buch gut, aber als dann diese Waffenschieber"berichte", wie man schon sagen muss, immer mehr Raum einnahmen, wurde es für mich zunehmend langweiliger. Die Art, wie Suter über die bösen großen Männer in der Geschäftswelt schreibt, fand ich außerdem sehr klischeehaft. Gut fand ich, wie er zeigt, dass dieser Dalmann auch ein Bedürfnis nach einer ganz normalen, unaufgeregten Partnerschaft hat, auch, wenn er diese nur mit einer "gekauften" Frau zu führen in der Lage ist. Da kam dann halt auch mal eine ganz menschliche Seite bei ihm zum Vorschein. Von solchen Einblicken gab es aber für mich zu wenig.


    Von den Hauptfiguren fand ich Maravan, den Koch, am stärksten beschrieben. In ihn konnte ich mich gut hineinversetzen und da gab es ein paar sehr emotionale Stellen, traurige wie auch lustige (letzteres in den Gesprächen zwischen ihm und Andrea), obwohl seine Gefühle meistens so hintenrum vermittelt wurden, was mir besonders gefiel.


    Zum Ende hin wurde es dann aber wirklich pathetisch, und zwar auf unschöne Weise, für meinen Geschmack. Und ganz allgemein ist mir der Schreibstil des Autors wohl zu distanziert, sodass sogar direkt nach dem Lesen nicht viel vom Buch nachwirkt. Bisher kannte ich nur "Die dunkle Seite des Mondes", was mir sehr gut gefallen hatte, das ist aber auch einige Jahre her.


    Ach so, wegen der ersten Rezension: Hunger kam bei mir übehaupt nicht auf, weil die Dinge, die Maravan kocht, so abstrakt sind, dass es für mich überhaupt nicht nach Essen klang, bis auf diese Chapatis. Ich dachte immer, dass ich gern mal sehen würde, wie das ganze Zeug aussieht, z.B. diese harten, glänzenden Kugeln. Appetitanregend fand ich das jedenfalls nicht.


    6/10

  • Generell mag ich den Schreibstil von Martin Suter sehr gern. So hat mir auch dieses Buch wieder sehr gut gefallen. Obwohl mich molekulare Küche nicht so sonderlich interessiert und ich auch einiges stereotyp und vorhersehbar dargestellt fand. Die tolle Schreibe macht das aber mühelos wett.

  • Blöd, wenn aufgrund der Rezensionen die Erwartungshaltung sehr hoch ist...


    Der Koch hat mich gut unterhalten, mir war jedoch zu viel von allem enthalten. Zu viel Politik, Kriegsgewinnler, Schicksale, Molekularküche, Migrantenproblematik, Liebesleiden, Waffenschieber, Küchenhelden.


    Der Schreibstil hat mir sehr gefallen, klar und verständlich, Vielleicht sollte ich mal ein anderes Thema von Herrn Suter lesen. Die angehängten Rezepte fand ich fast zu einfach für die im Buch gelieferte Darstellung der Kochweise.


    Ich habe mein Exemplar aus der Bibliothek, dort gab es einige weitere Exemplare des Kochs auszuleihen - es muß sich wohl ein Fan unter die Bibliothekarinnen gemischt haben :grin


    9 Pkt

  • Hahaha mein Mann kam gerade nach Hause und hatte einen Zettel mit dieser Buchempfehlung in der Hand und meinet nur: Schau doch mal was deine Eulen dazu sagen...... :lache
    Also wird das Buch jetzt gekauft...

    Diese Eintrag wurde bisher 47 mal bearbeited, zultzt gerade ebend, wegen schwere Rechtsschreipfeler.

  • Meine Meinung:
    Wieder einmal ein gelungener Roman, den ich von Suter lesen durfte.
    Ich konnte gleich von Beginn weg in die Geschichte hineinkommen und dann hat sie mich auch nicht wieder losgelassen. Sehr interessant war, dass Pressemeldungen zu diversen Ereignissen in der Politik und Wirtschaft erwähnt werden und auch mal darauf hingewiesen wird, was nicht gemeldet wird. Und immer wieder habe ich mich gefragt, was ich zu dieser Zeit gemacht habe (2008/2009 ist ja nun auch schon ein Weilchen her...).
    Der Einblick in das Leben von Asylbewerbern und v.a. in das der Tamilen in der Schweiz war für mich sehr spannend. Ich wusste nicht, dass die Diaspora vor Ort so mächtig ist.
    Vor Maravan habe ich einen grossen Respekt. Er hat eine sehr edle Art im Umgang mit anderen Menschen. Zuerst wird er als einsamer Mensch dargestellt, der aber im Verlauf der Geschichte verschiedene Freundschaften schliesst.
    Alles in allem bin ich sehr angetan vom Buch. Es ist sehr kurzweilig und unterhaltsam.

  • Dies war mein viertes Buch von Martin Suter und auch diesen Kauf (bzw. Wunsch) habe ich nicht bereut.


    Der für mich gewohnt gute Schreibstil hat mich sofort in Maravans Welt transportiert und auch die Geschichte war gut aufgebaut. Ich finde, Suters Bücher wirken selten konstruiert, wie man das heutzutage bei so vielen Romanen empfindet.


    Einzig und allein das Ende hat mich enttäuscht. Ich weiß, es geht bei Suters Personen (fast) immer darum, dass sie irgendwie ihre Identität verlieren, aber die letzten Schritte im Buch fand ich nicht passend und sie wurden für meinen Geschmack auch zu schnell abgehandelt.


    Von mir gibt es heute 8 Punkte. Eigentlich 9, aber einen muss ich für das Ende einfach abziehen.


    Gruß vom killerbinchen :wave


    P.S. Ich denke, wer schon etwas von Suter gelesen hat und es mochte, wird auch dieses Buch mögen. Aber als Einsteiger würde ich es nicht empfehlen!

  • Meine Meinung


    Dieser Roman ist ein typischer Suter, sage ich, nachdem ich ihn zu Ende gelesen habe.
    Suter versteht es meisterlich, vielschichtige Figuren lebendig werden zu lassen und eine Handlung fern jeder Oberflächlichkeit zu bauen. So behandelt dieser Roman neben den Köstlichkeiten, die der Koch erschafft auch ernste Themen wie das Leben in der Fremde, die Sehnsucht nach Heimat und die engen Bindungen, von denen sich die Exilanten nicht zu lösen vermögen.


    Die Sinnlichkeit der beschriebenen Rezepte und daraus entstehenden Düfte kam für mein Empfinden nicht so gut rüber. Vielleicht war das ja auch gar nicht gewollt.


    Diese Lösung hat mich überrascht und letztendlich mit dem Roman, der mich zwischenzeitlich nicht so packen konnte, versöhnt. Ein doch recht typisches, unerwartetes Suter-Ende, wo Menschen sich völlig anders als erwartet verhalten.
    Vielleicht ist es wirklich möglich, jeden Menschen in der entsprechenden Situation zu fast allem zu treiben. Vielleicht... Grübeln


    8 Punkte von mir und eine Leseempfehlung

  • Mir hat das Buch nicht ganz so gut gefallen. Das liegt aber nicht am Schreibstil von Suter, der ist wie immer spitzenmäßig. Für mich lag es eher an den Themen, die dieses Buch behandelt.


    Einen Großteil nimmt die genaue Beschreibung des Kochens und der Gerichte ein. Gut, bei einem Buch über den Koch vielleicht nicht verwunderlich, aber in dem Ausmaß habe ich es nicht erwartet. Ich bin kein Freund der molekularen Küche und generell nicht sehr experimentierfreudig. Von daher waren viele Dinge für mich böhmische Dörfer und mir fehlt einfach dann das Vorstellungsvermögen, um mir die Gerichte dann vorzustellen, einfach den Reiz zu spüren.


    Die Geschichte mit den Waffenschiebern gehört zwar irgendwie zum Buch bzw. ist ein Teil um Maravan, aber mir hat das auch einen zu großen Teil eingenommen bzw. so richtig konnte ich nicht verfolgen, wer da nun der größte Bösewicht ist bzw. wie die ganzen Zusammenhänge sind.


    Dagegen hat mir die Geschichte um Maravan, sein Leben und seine Gedanken als Ausländer in der Schweiz, die ganzen Ereignisse um Sri Lanka und über das Leben der in Sri Lanka zurückgebliebenen Familie und deren Schwierigkeiten während des Bürgerkrieges sehr gut gefallen. Davon hätte ich mir noch mehr gewünscht.


    8 von 10 Punkte


    Edit:
    Da in einem anderen Thread der Hinweis kam, wie man mit einer schlechten Rezension 8 Punkte vergeben kann ... das Buch gefällt mir nicht ganz so wie die anderen Bücher die ich von Suter gelesen habe ( Der Teufel von Mailand, Die dunkle Seite des Mondes ), aber es ist immer noch ein gutes Buch und ich würde eine Leseempfehlung aussprechen.

    Kein Buch ist so schlecht, dass es nicht auf irgendeine Weise nütze.
    (Gaius Plinius Secundus d.Ä., röm. Schriftsteller)

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  • Für mich war dieses Buch sozusagen eine "Suter-Premiere", es wurde mir zuvor von einigen Leute aus meinem Umfeld nahe gelegt, die überzeugt davon waren, das es mir gefallen würde. Und was soll ich sagen? Sie hatten recht.
    Für mich beschrieb Martin Suter eine meist glaubhafte ( das Ende war mir diesbezüglich etwas zu viel ) Geschichte eines Tamilen in der Schweiz. Interessant für mich waren die Lebensweise und der politische Hintergrund, von dem ich doch bisher gar nichts wusste. Da ich auch in der Schweiz arbeite und in meinem "Betrieb" ( Klinik ) viele Tamilen angestellt sind war es umso spannender für mich, ein Stück weit in Maravans Welt einzutauchen.
    Da ich selbst gerne koche und in der Küche experimentiere waren auch die vielen Kochpassagen ein Genuß für mich, obwohl mir die Molekulare Küche noch etwas fremd ist.
    Was mich am meisten gefangen hat, war Suters Sprache, so flüssig, klar und dennoch wunderbar. Momente, die besser nicht ausgedrückt hätten werden können...Das Buch ließ sich trotz der politischen Hintergründe und der Einflechtung von Maravans Geschichte "leicht" lesen, obwohl das Thema alles andere als leicht ist. Ich hoffe, man weiß was ich meine.
    Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen, weil es eben so flüssig und "leicht" zu lesen war, aber eben auch nachhaltig ist und den Leser nachdenklich zurücklässt.