'Krieg und Frieden' - Band 2, Teil 3 - Kapitel 14 - 26

  • Fürst Andrei und Natascha sind verlobt! Ich finde die beiden sind ein schönes Pärchen, trotz des Altersunterschieds, wobei ich gar nicht genau weiß, wie alt Andrei ist, ich schätze mal so Anfang dreißig.
    Der alte Fürst Bolonski wird immer seltsamer, echt fies wie er seiner Tochter zusetzt! Aber Marja ist auch komisch, dass sie sich alle Gemeinheitenklaglos gefallen lässt und dann ihre Idee auf Pilgerfahrt zu gehen :pille Ich habe das Gefühl, dass sich die Pilger, die sie aufnimmt, über sie lustig machen würden, zumindest einige davon. Die meisten der Pilger sind bestimmt so arm, dass sie gar keine andere Wahl haben als so zu leben und nicht aus großer Überzeugung unterwegs sind.

  • Ich erkenne Andrej nicht wieder. Er entspricht gar nicht mehr dem Bild, das ich zu Beginn von ihm hatte.

    Er ist von Nataschas natürlichem Charme überwältigt. Nach allem, was er erlebt hat, tut der Umgang mit ihr seiner Seele gut.

    Die Szene, in der sich die beiden verloben, war großartig. Ihre Gedanken, wie sie sich gegenseitig sehen, einfach schön. Gleichzeitig ahnt man kommende Schwierigkeiten.

  • Andrej hat sich zu einer meiner Lieblingsfiguren entwickelt. Die kommenden Schwierigkeiten befürchte ich auch, die sind mehr oder weniger vorprogrammiert.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895)

  • Anfang dieses Abschnitts in meiner Ausgabe; Kapitel 14, Seite 598:


    „Das allen Petersburgern wohlbekannte Haus des Gastgebers - es lag am Englischen Quai - strahlte von ungezählten Lichtern. Vor dem hellerleuchteten, mit rotem Tuche ausgechlagenen Hauptportal war Polizei postiert, und zwar handelte es sich nicht nur um Gendarmen, sonderen der Polizeimeister selbst war mit einem guten Dutzend Polizeioffizieren erschienen.“

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895)

  • Das ist eine sehr schwierige Situation für Andrej und Natascha. Sie sind verlobt und keiner außerhalb der Familie darf es wissen. Andrej fordert Distanz, um Natascha nicht unter Druck zu setzen. Da frage ich mich aber, ob man eine einjährige Trennung nicht besser übersteht, wenn man vorher schöne Momente mit Ausgehen oder in inniger Zweisamkeit erlebt hat.

    Natascha steckt das erstaunlich gut weg.

    "Aber zwei Wochen später erwachte sie ganz unerwartet von ihrer Betäubung und wurde wieder dieselbe wie früher."

    Liegt das an ihrem Alter? Sie ist ja noch voll in der Pubertät.


    Warm uns Herz wird mir, wenn ich lese, wie Andrej von Pierre spricht.



    Der alte Fürst Bolkonski ist unausstehlich, nicht zuletzt wegen der Verlobung von Andrej. Liegt es, wie Marie denkt, an der schlechten Partie oder ist es eher aus Sorge um seinen Enkel, der nun eine Stiefmutter bekommt und womöglich von ihm wegzieht?


    Ob Marie es verwirklichen wird, zu pilgern? Sicher nicht, solange ihr Vater lebt. Und auch nicht, solange sie beim kleinen Nikolai sein kann.

    Ich finde, sie stellt sich selbst viel zu weit hinten an. Sie sollte sich selbst auch lieben, nicht nur für andere aufopfern.

  • Der alte Fürst Bolkonski ist unausstehlich, nicht zuletzt wegen der Verlobung von Andrej. Liegt es, wie Marie denkt, an der schlechten Partie oder ist es eher aus Sorge um seinen Enkel, der nun eine Stiefmutter bekommt und womöglich von ihm wegzieht?

    Ich denke, der ist zum Einen dagegen, weil die Partie (finanziell) zu schlecht ist, zum Anderen aus Altersstarrsinn. Ich schätze, der wäre so gegen ziemlich jede Schwiegertochter (außer vielleicht sie hätte - in seinen Augen - genügend finanzielle Mittel).


    Marie wird sich vermutlich, so lange der Vater lebt, mehr oder weniger opfern. Kann man aus ihrer Sicht nur hoffen, daß das nicht für zu viele Jahre sein wird.

    Unter den Büchern finden wir wieder, was uns in der Fremde entschwand, Frieden im Innern und Frieden mit unserer Umgebung.
    (Gustav Freytag, 1816 - 1895)

  • Andrej hat sich zu einer meiner Lieblingsfiguren entwickelt.


    Das freut mich. :wave


    Andrej und Natascha sind meine Lieblingscharaktere. Und ja, Pierre mag ich auch. Obwohl ich ihn im Moment am liebsten schütteln würde, damit er sich nicht immer wieder von seiner Frau bzw. seinem Schwiegervater zu etwas überreden lässt, das er im Grunde nicht will! :cry


    :write


    Mit ihren sechszehn Jahren ist Natascha noch sehr jung und unreif. So kann man ihr Verhalten erklären. Obwohl es auffällig war, wie sehr sie litt, als Andrej ohne Nachricht zu hinterlassen, zu seinem Vater fuhr, um sich dessen Erlaubnis zu holen. Dies ist aus heutiger Sicht schwer zu begreifen. Ein einunddreißigjähriger Mann muss seinen Vater um Erlaubnis bitten, die Frau seiner Wahl heiraten zu dürfen. Dass der Graf die Heirat zu verhindern sucht, mag mehrere Gründe haben. Ich hatte auch schon bei Lisa das Gefühl, dass ihm eine Schwiegertochter (generell) nicht genehm ist. Nun hat er einen Enkelsohn. Damit sind Erbe und Titel gesichert! Was braucht er mehr? Möglicherweise hat er auch nicht vergessen, wie unglücklich sein Sohn in seiner ersten Ehe war. Und zwischen Natascha und Andrej gibt es einen nicht unbedeutenden Altersunterschied. Er traut ihr nicht zu, dass ihre Liebe ein Jahr überdauert ...

  • Dass der Graf die Heirat zu verhindern sucht, mag mehrere Gründe haben. Ich hatte auch schon bei Lisa das Gefühl, dass ihm eine Schwiegertochter (generell) nicht genehm ist.

    Generell nicht? Der Gedanke ist mir noch gar nicht gekommen. Da fällt mir gerade ein: Kann es sein, dass der Graf eventuelle oder tatsächliche Schwiegertöchter mit Marja vergleicht?

    Außerdem habe ich mich gefragt, wie Andrejs und Marjas Mutter wohl war. Von ihr erfährt man ja überhaupt nichts.

  • Es ist ein Gefühl, das ich hatte, als Lisa auf dem Landgut eintrifft. Der alte Fürst sagt seinem Sohn zwar, er freue sich, dass sie seine Frau nun bei sich hätten, aber ich glaube, alles, was seine Hausordnung stört, ist ihm zuwider. Bei Tisch dann scheint er die kleine Fürstin erst kennenzulernen. Er stellt ihr mehrere Fragen. Und je lebhafter sie antwortet, umso mehr ergeht sie sich über den Klatsch. Der alte Fürst scheint sich dadurch sein Urteil gebildet zu haben, wendet sich sogleich von ihr ab und spricht wieder über sein Lieblingsthema: den Krieg.


    SiCollier scheint das ähnlich zu sehen:


    Ich denke, der ist zum Einen dagegen, weil die Partie (finanziell) zu schlecht ist, zum Anderen aus Altersstarrsinn. Ich schätze, der wäre so gegen ziemlich jede Schwiegertochter (außer vielleicht sie hätte - in seinen Augen - genügend finanzielle Mittel).


    Da fällt mir gerade ein: Kann es sein, dass der Graf eventuelle oder tatsächliche Schwiegertöchter mit Marja vergleicht?

    Außerdem habe ich mich gefragt, wie Andrejs und Marjas Mutter wohl war. Von ihr erfährt man ja überhaupt nichts.

    Deine Vermutung, er könne seine Schwiegertochter mit Marja vergleichen, halte ich für sehr wahrscheinlich. Er hat die Erziehung seiner Tochter Marja übernommen. Obwohl sie bereits zwanzig Jahre alt ist, unterrichtet er sie täglich in der Algebra und der Geometrie. Was für die Bildung einer Frau in jener Zeit schon ungewöhnlich ist, oder? Nur in ihrer Religiosität scheint sie einen anderen Weg als ihr Vater einzuschlagen. Vielleicht ihre Art einer (unbewussten) Rebellion gegen den eigenen Vater?


    Ich habe mich auch schon gefragt, was für eine Frau die Mutter von Andrej und Marja war, und wie der alte Fürst zu ihr gestanden hat. Ob er sie liebte? Verehrte? Oder schloss er eine Vernunftehe?


    Aufschluss über des alten Fürsten mögliche Einstellung zu seiner eigenen Frau könnte uns vielleicht dieser Satz von ihm geben. Er dankt Andrej beim Abschied:

    "Dafür, daß du nicht zauderst und dich nicht an einen Weiberrock hängst. Der Dienst geht allem andern vor." (Bergengruen, dtv 19932, S.140.)

  • Der alte Fürst ist auch gegen die Heirat, da ihm der gesellschaftliche Rang von Natascha zu gering ist. Er sagte ja auch, dass er glaubte, sein Sohn würde höhere Ziele anstreben.


    Lustig war aber zu lesen, was für ein Getue vor einer Verlobung alles notwendig war und wer mitsprechen durfte.

    Andrei ist aber auch recht wankelmütig. Er hatte gegenüber Natascha ja sofort schon wieder eine andere Einstellung als auf dem Ball. Plötzlich merkte er ihre Jugend und sah sie anders. Letztlich schwören sich da zwei Personen die Liebe, die sich völliges fremd sind.

  • Beim nochmaligen Durchblättern dieses Abschnitts ist mir am Anfang des Kap. 23 folgendes aufgefallen:

    Der alte Graf Bolkonski denkt bei Andrejs Heiratsplänen:

    Zitat

    Er konnte nicht verstehen, wie ein anderer sein Leben ändern und noch etwas Neues hineintragen konnte, wo für ihn das Leben doch schon zu Ende war ...

    Ist er also in erster Linie gegen eine Heirat Andrejs und eventuell auch Marias, weil er keine Änderung in seinem Leben mehr will.

    Das ist doch schon viel verlangt, dass seine Kinder auf seinen Tod warten müssen, um zu heiraten. Das kann noch Jahre dauern.

  • Mal ein paar Jahre Frieden und schon gibt es Amouröses.

    Wera bleibt dabei auf der Strecke, es gibt zu wenig Mitgift. Nathalie verlobt sich mit Andree, der passt wohl auch besser zu ihr als Boris.


    Andrees Vater wird immer schwieriger. Vorher war mir gar nicht bewusst, dass Marie beinahe schon fanatisch religiös ist, oder flüchtet sie sich nur in die Religion, weil sie keine andere Zukunft für sich sieht?


    Andree weiß Reformen besser zu handhaben als Peter, dafür ist dieser wieder mit seiner Frau "vereint", auch da ist er mehr oder weniger hineingeschlittert, eine wirkliche Beziehung ist das nicht. Helene ist es gelungen, obwohl laut Tolstoi wenig intelligent, einen berühmten Salon zu führen. Im Zusammenhang mit Peter lesen wir viel Freimaurer-Philosophie - weniger interessant ...


    Joseph Alexejewitsch - wurde der vorher schon mal erwähnt?