Noir - Jenny-Mai Nuyen

  • vorweg: Ich wußte nicht, in welcher Rubrik ich dieses Buch einordnen sollte, auch Jugendbuch oder Fantasy hätten gepaßt. Im Zweifelsfall also bitte verschieben... ;-)



    Jenny-Mai Nuyen: Noir



    Klappentext:
    Nino Sorokin ist dabei, als der Unfall geschieht. Seine Eltern sterben, ihm bleibt eine besondere Gabe: Er sieht den Tod eines jeden Menschen voraus. Auch den eigenen. Von nun an ist er besessen von der Frage, wie man das Schicksal überlisten kann. Er weiß, er wird nur 24 Jahre alt - und sein Geburtstag rückt immer näher. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Ninos Suche führt ihn zu einem geheimen Zirkel von Mentoren, die Seelen sammeln. Und er begeht den größten Frevel, den der Zirkel kennt: Er verliebt sich in eine der Seelenlosen. In die geheimnisvolle Noir, die bereits auf der Schwelle zum Jenseits steht …



    Beurteilung:
    Der Klappentext klingt interessant und der Prolog ist spannend geschrieben. Leider geht es von da an jedoch bergab mit der Geschichte: die Perspektive wechselt zwischen Gegenwart und Vergangenheit, wobei die Gegenwartsperspektive sehr verworren erscheint. Erst am Ende, wenn beide Fäden zusammenlaufen, ergibt die Geschichte einen Sinn - bis dahin jedoch steht der Leser bei jedem Kapitel im Dunkeln. Die Handlung der Vergangenheit wird gut erzählt, sie ist durchaus interessant, leidet jedoch unter zu vielen Wiederholungen. Wieder und wieder versucht Nino sein genaues Todesdatum herauszufinden, jeder Abend besteht aus Alkohol und Drogen. Dabei ist keiner der Charaktere wirklich sympathisch, auch Nino selbst vermag nicht zu überzeugen. Die meisten Figuren bleiben schlichtweg blass, ob es jetzt Ninos Freunde Philip und Luna sind, oder seine Schwester. „Noir“ kann leider absolut nicht halten, was der Klappentext verspricht; die Geschichte ist verworren, die Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit erfolgt viel zu spät und die Protagonisten sind unscheinbar bzw. unsympathisch.
    Vom Schreibstil her ist „Noir“ eher ein Jugendbuch - aufgrund des unkritischen Alkohol- und Drogenkonsums jedoch eher für (junge) Erwachsene geeignet.
    Die Fantasy-Jugend-Bücher, mit denen die Autorin bekannt wurde, sind gelungener. Vielleicht sollte sie bei diesem Genre bleiben.




    Kategorie: Fantasy / Jugendroman?
    Taschenbuch
    Rowohlt
    377 Seiten
    ISBN 3862520285 bzw. 9783862520282

    liebe Grüße
    Nell


    Ich bin zu alt um nur zu spielen, zu jung um ohne Wunsch zu sein (Goethe)

  • Jetzt bin ich echt unentschlossen. Die Leseprobe, dich ich gelesen habe, hat mir gut gefallen. Aber die Bewertungen zu dem Buch sind ja nicht wirklich toll.


    Danke für deine Rezi, Nell :wave


    Ich lass das Buch dann besser im Laden und werde dann doch lieber ein anderes Buch vorziehen.

    Es geht uns mit den Büchern wie mit den Menschen. Wir machen zwar viele Bekanntschaften, aber wenige erwählen wir zu unseren Freunden, unseren vertrauten Lebensgefährten.
    Ludwig Feuerbach (1804-1872)

  • Also mir hat das Buch gefallen....


    Meine Rezension:
    Kann man etwas gegen sein Schicksal tun?
    Was tut man, wenn einem die Zeit davonläuft?
    Wie geht man damit um zu wissen: man wird nur 24 Jahre alt ?
    Nino Sorokin schlägt sich genau mit diesen Problemen herum. Denn seit dem schrecklichen (mysteriösen) Unfall, bei dem seine Eltern beide verstarben, er selbst (damals 5 Jahre alt) aber überlebte, hat er eine besondere Gabe zurückbehalten. Er weiß wie alt ein Mensch wird. Er muß denjenigen nur ansehen - und dann weiß er es. Allerdings nicht bei jedem Menschen - warum das so ist, weiß er nicht. Das Schlimme: sein eigenes Schicksal scheint ebenfalls unausweichlich: er wird nur 24 Jahre alt werden. Und ... 23 ist er schon....... ihm rennt die Zeit buchstäblich davon.
    Diese Gabe und das damit verbundene Wissen belasten Nino natürlich sehr, während er heranwächst. Er hat bereits versucht sich das Leben zu nehmen (um dem Schicksal zuvor zu kommen und der Belastung zu entfliehen), seine Familie (er wächst bei der Halbschwester auf, deren Vater ihre Art zu leben - sie ist Lesbe - ablehnt und der dementsprechend auch noch Unruhe reinbringt) hält ihn für hochgradig labil und depressiv.
    Natürlich ist er auch völlig darauf fixiert herauszufinden, wie er sein Schicksal abwenden kann. Diese Suche führt in schliesslich zu einem sehr geheimnisvollen Zirkel von Seelensammlern.
    Um das ganze noch komplizierter zu mchen: Nino verliebt sich in ein bereits seelenloses Mädchen: Noir.
    Noir steht sozusagen schon mit einem Bein im Jenseits. Und dadurch das Nino sich in Noir verliebt, wird er immer tiefer in die Ereignisse gezogen.... in Geheimnisse, die er besser nie erfahren hätte.


    Das Buch wird spannend und mysteriös erzählt. Geschichten und Zeitebenen wechseln bzw. laufen parallel, und am Ende der Geschichte laufen diese Erzählstränge dann zusammen. Das mag vielleicht manchmal etwas verwirrend sein, liest sich aber trotzdem sehr gut und flüssig, und am Ende ergibt es auch alles seinen (relativ gelungenen) Sinn (vor allem wenn man bedenkt das Leben und Tod ein Kreis sind). Ich finde diese - eher undurchsichtige - Erzählweise, passt hervorragend zu dem Buch, da alles so noch geheimnisvoller wirkt. Ich mag Fantasy-Geschichten ja sowieso, ebenso Mystery-Geschichten - deshalb war dieses Buch so richtig nach meinem Geschmack. Die Geschichte ist richtig spannend und - auch wenn man mal gerade den Eindruck hat im Moment nicht richtig durchzublicken - man verschlingt das Buch geradezu und möchte eben unbedingt wissen wie die Geschichte weitergeht (und ausgeht). Viel zu schnell hat man das Buch durch :-).
    Ein rasantes Buch, das sich mit dem Thema Tod und Jenseits auseinandersetzt.


    Es war mein erstes Buch der Autorin Jenny-Mai Nuyen, aber es wird sicher nicht mein letztes sein.
    Ich möchte zum Abschluß noch die schöne Gestaltung des Covers erwähnen: die (im Cover fühlbare, aber zum Glück nicht scharfe ;-) ) gespiltterte Scheibe passt sehr, sehr gut zur Geschichte. Sei es das man darin die gesplitterte Autoscheibe des Unfalls sieht oder das gesplitterte Leben von Nino etc.


    Ich würde sagen: 8 von 10 Eulenpunkten (ich hab was abgezogen für die doch recht häufigen Ich-bin-gerade-verwirrt-Momente ;-))

    "We are ka-tet...We are one from many. We have shared our water as we have shared our lives and our quest. If one should fall, that one will not be lost, for we are one and will not forget, even in death."Roland Deschain of Gilead (DT-Saga/King)

  • Das Cover:


    Das Cover ist ein richtiger Eyecatcher. Sehr detailgetreu wurde hier eine zersplitterte Glasscheibe abgedruckt. Beim streichen über das Cover merkt man die tolle Strukturierung und es macht dieses Buch zu etwas besonderem. Darauf steht im oberen Teil vom Cover der Autorenname „Jenny – Mai Nuyen“ und darunter der Titel „Noir“ in großen, dicken und schwarzen Druckbuchstaben, die ebenfalls etwas vertieft sind.Aber nicht nur auf dem Cover findet man die zersplitterte Glasscheibe, auch immer wieder im Buch taucht diese auf. Zwar nur gedruckt, aber trotzdem sehr schön.


    Meine Meinung:


    Als ich den Klappentext gelesen habe stand fest, dieses Buch muss ich unbedingt lesen.


    Nino ist dabei als seine Eltern sterben. Von da an hat er die Gabe den Tod eines Menschen vorher zusehen, auch seinen eigenen. Er weiß das er mit 24 Jahren sterben wird. Nino hat in seinem Leben schon alles mögliche ausprobiert um dem Tod davon zukommen, aber bis jetzt hat nichts geholfen und sein 24. Geburtstag rückt immer näher. Seine letzte Hoffnung setzt er in einen Zirkel von Mentoren. Dort lernt er auch Noir kennen, eine Seelenlose, und verliebt sich in sie. Allerdings stellt er bald fest das nicht alle ihm helfen wollen.


    Die beiden Protagonisten Nino und Noir waren mit allerdings etwas zu oberflächlich beschrieben und ihnen fehlte eindeutig etwas Tiefgang. Die Geschichte hat zwei Handlungsstränge. Der eine spielt im Hier und Jetzt und wir begleiten Nino und Noir auf ihrem Weg. Der andere ist etwas verworren und spielt in der Zukunft. Die genauere Bedeutung dieses Handlungsstranges erklärt sich allerdings zum Ende des Buches hin und er wirkt nicht mehr allzu verwirrend.


    Der Schreibstil ist locker und lässt sich flüssig und zügig lesen. Leider lässt die Spannung zu Anfang des Buches etwas zu wünschen übrig. Spannung wird nur sehr langsam aufgebaut und wenn es einmal zu einer richtig spannenden und fesselnden Szene kommt, wirkt die Situation richtig oberflächlich und einfach so dahingeklatscht.


    Etwas was mir leider auch noch ziemlich negativ aufgefallen ist, war der Begriff "Gläserrücken spielen". Diesen finde ich eindeutig unangebracht da meiner Meinung Gläserrücken nichts mit spielen zu tun hat.


    Mein Fazit:


    Noir ist düster, zeitweise fesselnd und spannend und die Geschichte hat eine gute Grundidee. Auch durch die paar kleinen negative Punkte die ich aufgezählt habe hat mich das Buch sehr gut unterhalten und viele Fragen nach dem Lesen aufgeworfen. Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

  • Meine Meinung


    „Noir“ erzählt die Geschichte in zwei Handlungs- und Zeitebenen. Im Jetzt wird in der Du-Form beschrieben, was nach einem bestimmten Ereignis passiert. Abwechselnd dazu erzählt Nino in der Ich-Form, wie versucht, sein eigenes Todesdatum herauszufinden.


    Der Klappentext klang sehr interessant, aber trotz der etwas ungewöhnlichen Erzählweise fand ich es insgesamt mittelmäßig. Es zieht sich teilweise sehr und mit Drogen und Gläserrücken gehen die Protagonisten viel zu leichtsinnig um. Das Ende ist mir nicht ganz klar geworden, auch wenn es interessant ist. Die meisten Figuren blieben mir zu blass, zu sehr in ihrer Rolle verhaftet.

  • Als Fünfjähriger überlebt Nino den Autounfall, bei dem seine Eltern ums Leben kommen. Seitdem kann er bei vielen Menschen vorhersehen, wann und unter welchen Umständen sie sterben werden. Er weiß, dass er im Alter von 24 Jahren sterben wird, nur nicht das genaue Todesdatum. Niemand glaubt ihm und sein Leben zwischen Psychiatern, Psychopharmaka, Drogen und flüchtigen Begegnungen und Beziehungen hat keine Chance auf Normalität.


    Für welche Zielgruppe ist dieses Buch geschrieben? Jugendliche? Junge Erwachsene? Fantasy-Fans? Nells Einordnung in die Belletristik-Rubrik stimme ich absolut zu. Der Protagonist ist ein 24-jähriger, intelligenter Junge, der bereits mehrere Studien abgebrochen hat, mit seinen Freunden rumhängt, Drogen nimmt und glaubt, den Tod vorhersagen zu können. Die Atmosphäre ist sehr düster, geheimnisvoll, die Stimmung destruktiv. Es geht fast ausschließlich um den Tod und das Leben danach.
    Irgendwie konnte mich die Geschichte nicht packen, ließ mich eher schulterzuckend zurück, auf Spannung wartete ich vergeblich. Zwischendurch dachte ich, die Autorin könnte sich von „Dorian Gray“ beeinflusst haben lassen, aber das ist wohl zu hoch gegriffen.
    Im letzten Drittel wird es dann doch noch ganz interessant, neue Figuren tun der Geschichte gut.
    Alles in allem konnte mich das Buch nicht überzeugen, zu viele Zigaretten, zu viele Drogen. Zudem so realitätsfern, dass mir ein Mitfühlen mit den Figuren nicht möglich war.

  • Ich muss mich der großteiligen Meinung, dass das Buch nur mittelmäßig war, leider anschließen. Trotz der Zeitsprünge habe ich dank des flüssigen Stils zwar schnell in die Geschichte um Nino, der meines Empfindens nach ein relativ sympathisch gezeichneter Protagonist war, hineingefinden. Woran ich mich aber massiv gestört habe, war zum einen, dass ein Großteil der Handlung durch den Klappentext vorweggenommen wird, sodass man auf den ersten 200 Seiten praktisch nichts Neues erfährt und die ganze Story nur so vor sich hin plätschert, und zum anderen der Aufbau der Liebesgeschichte zwischen Nino und Noir.


    Während im Buch ewig lange ein großes Geheimnis darum gemacht wird, was Noir überhaupt ist, weiß das der Leser, der einen Blick auf den Klappentext geworfen hat, bereits von Anfang an, sodass sich bei der wiederholten Abfolge von Séancen, während derer Nino immer wieder versucht, sein genaues Todesdatum zu ermitteln, dem Konsum von Styx und Noirs Schweigen auf sämtliche Fragen Ninos die Spannung für mich in Grenzen hielt. Die philosophisch anmutenden Einschläge dieses Abschnitts, in denen sich Nino mit - wie es im Buch heißt - wahrscheinlich den ältesten Fragen der Menschheit beschäftigt, gefielen mir hingegen gut.
    Als man schließlich an dem Punkt der Geschichte angelangt, ab dem die Handlung Neues zu beinhalten beginnt und an Spannung aufnimmt, geht alles plötzlich Schlag auf Schlag. Nino erkennt seine große Liebe zu Noir, die ich von Anfang an nicht wirklich nachempfinden konnte, weil Noir meiner Meinung nach über weite Strecken hinweg sehr blass bleibt und man als Leser Ninos Faszination zu ihr nicht vollkommen nachvollziehen kann. Zumindest mir ging es so, dass ich erst kurz vor Schluss, als sich mehr von Noir und ihrer Geschichte offenbarte, Zugang zu ihrer Figur finden konnte, und zuvor ein wenig irritiert zurückblieb, als Nino für Noir entbrannte, weil die Herkunft dieser Gefühle für mich nicht plausibel war.


    Während sich die Story bis zur Hälfte nur langsam aufbaut, man in aller Ruhe in Ninos Leben eingeführt wird und ein paar Nebenfiguren kennenlernt, wirkte von da ab die ganze Geschichte für mich überhastet. Mir fehlte hier ein genauerer Einblick in das Thema Seelenlose - ich wusste über sie am Ende der Geschichte nicht wesentlich mehr als am Anfang - und diesen ominösen Zirkel, der Nino und Noir verfolgt, samt seine Geschichte und Motive.
    Ab dem Punkt, wo die beiden Handlungsstränge zusammenlaufen, wurde keiner dieser Aspekte noch in irgendeiner Weise zufriedenstellend erklärt und die gesamte Handlung wurde für mich zum Schluss hin mit jeder Seite wirrer und wirrer. Es wirkte auf mich so, als wäre die Autorin unter dem Druck gewesen, Höhepunkt und Schluss der Geschichte auf so wenig Seiten wie möglich, so schnell wie möglich zu Ende zu bringen. Leider litt die Qualität des Buches meiner Meinung nach ziemlich unter der übereilt wirkenden Schlussphase und das Ende ließ mich leider nicht wesentlich schlauer und ein wenig unbefriedigt zurück.


    Dafür 5 von 10 Punkten.

  • Würdet ihr das Buch bitte noch bepunkten? Es ist immer schade, wenn die Funktion nicht genutzt wird und im Register nicht zu sehen ist, wie es Schnitt bewertet wurde. Danke! :wave


    edit:
    Und schade übrigens, dass es nur Mittelmaß ist. Ich hatte es mir eigentlich auch notiert. :-(

    SuB: 276


    :lesend
    Kaufman/Spooner - Their Fractured Light
    Joe Abercrombie - The Blade Itself

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  • Hier wäre eine Bepunktung wirklich mal hilfreich. Ich stecke mitten in dem Buch und möchte auf keinen Fall Rezensionen lesen, damit sie meinen Leseeindruck nicht beeinflussen, und dann steht da "5 von 10 Punkten bei 1 Stimme", aber hier sind mindestens 5 ausführliche Rezensionen. Schade.


    (Ich wollte übrigens loswerden, dass mir zum jetzigen Zeitpunkt das Mädchen Noir noch ziemlich auf den Keks geht. "Oh, ich bin so besonders und zickig, komm mir bloß nicht zu nahe." :rolleyes)