Bücher, die zu weit gehen

  • Bei Hanibal Lektor hab ich auch abgebrochen, war mir irgendwie dann doch zu düster und krank.


    Wär es nicht einfacher gewesen, das Buch in die blaue Tonne zu kloppen? Von einem Buch laß ich mich nicht aus dem Haus verjagen.


    Aber manchmal ist es ja auch nötig Personen bloßzustellen. Wenn in einem Buch geschrieben wird, wie jemand z.B. gemobbt oder gequält wird, weil er eine andere Hautfarbe hat, krank oder behindert ist, dann muß der Autor ja schreiben mit welchen Sprüchen dieser Mensch konfrontiert ist.


    Ich reg mich auch oft über Bücher auf, die eine so völlig andere Weltsicht vertreten, als ich sie eben habe.... Oft tu ich sie mir wirklich an, vielleicht lern ich ja noch was dabei. Wenn ich sie nur dumm finde, dann fliegen die eben wieder in die Ecke.


    Ich will gar keine allgemeingültige Aussage. Grund meiner Frage war mein ganz eigenes Kopfkino, das manchmal ungefragt verstörende Bilder aufgrund eines gelesenen Buches einspielt.
    Da hab ich mich gefragt, ob es allen Menschen so geht - oder ob das "normal" ist.


    Es gibt so viel mehr Bücher, von denen ich positiv profitiert habe, die mir neue Gedanken, Einsichten und Bilder in den Kopf gezaubert haben, Bücher die ich nicht missen will und sogar Bücher, die mein Leben ein kleines Stück zum Positiven verändert haben.


    Aber es gab eben auch Bücher, die so ganz das Gegenteil (bei mir ganz persönlich) bewirkt haben.

  • Ein Buch, dass mich unendlich mitgenommen hat und das ich bis heute nicht verkraftet habe war "Vater unser in der Hölle" von Ulla Fröhling.


    Hier war ich so aufgelöst und hätte mir gewünscht, ich hätte es nie gelesen und wüsste nichts davon. Vor allem, weil es eine wahre Geschichte ist.


    Unvorstellbar grausam..... Mein Gott :-( ;-(


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  • Die Werke von Cody McFadyen und Tob Rob Smith halte ich schon für harte Kost, vor allem wenn man das Buch beim lesen auch mal zur Seite legt und darüber nachdenkt. Ich denke allerdings nicht, dass diese Bücher zu weit gehen sondern viel mehr, dass sie eine Wahrheit ansprichen die nur wenige hören wollen. Trotzdem passieren solche Dinge und ich halte es für wichtig, dass einige Wenige sich auch trauen diese Seiten der Realität zu Papier zu bringen.


    Wirklich heftig fand ich ein Buch dessen Titel ich vergessen habe, es ging um Snuff-Filme und die Szenen wurden sehr detailliert beschrieben. Sehr mulmig wurde mir dann als beschrieben wurde wie sich ein Spitzel in einen "Videoabend" eines solchen Films eingekauft hat (für eine gute 5 stellige Summe) und dann verschiedene Businessvertreter bei Snacks und Cocktails genossen haben wie Menschen auf grausame Art und Weise zu Tode gefoltert wurden.

  • Ja,


    Cody McFadyen und auch Mo Hayder


    verderben mir ständig den Appetit. Ich mag davon auch nichts mehr lesen. Das mag ich einfach nicht..... Ich liebe eher die subtileren, psychologischeren Thriller, die mit weniger Blut, Folter und Tierquälerei auskommen....


    Das ist auch nicht meins..

  • Zitat

    Wär es nicht einfacher gewesen, das Buch in die blaue Tonne zu kloppen? Von einem Buch laß ich mich nicht aus dem Haus verjagen.


    Ich bringe es nicht über mich, ein Buch wegzuschmeissen. Ehrlich gesagt steckt ja Geld und Arbeit und Material in so einem Werk - auch in einem Werk, welches mir nicht gefällt - und die will ich nicht einfach in den Müll schmeißen. Dort gehört für mich nur Kaputtes oder nicht mehr verwendbares hin. Ich habe das Buch also an zentraler Stelle abgelegt und irgendwelche Nachbarn haben es sich wohl geholt. Was ich auch okay finde, denn schließlich ist mein Geschmack ja subjektiv und einem anderen gefällt es vielleicht und erfüllt seinen Zweck als Buch.


    Aus dem Haus gejagt hat es mich nicht, aber ich wollte nicht mit ihm unter einem Dach hausen, noch dazu, wo meine Söhen damals noch Kinder waren. Die sollten sowas nicht in die Hände bekommen. Damals - heute sind sie erwachsen und schauen bevorzugt Zombie und Horror. Aber ohne mich. :grin

  • Ich habe vor kurzem Apartment 16 von Adam Nevill gelesen. Das fand ich schon heftig.
    Ein fieses Gefühl. Normalerweise bin ich nicht so empfindlich. Vielleicht waren es auch die Beschreibungen der Vorhölle. Die Kreaturen waren doch sehr bildlich beschrieben worden. Ausgelesen habe ich es aber trotzdem. Wollte doch wissen wie es ausgeht.
    Gott sei Dank habe ich es mir nicht gekauft sondern geschenkt bekommen.

  • Mir ist gerade wieder ein Kinderbuch in den Kopf gekommen. Bummi - ich glaube, daß es der zweite Band war.
    Da gab es das ärmliche, zarte Kind (Wilma) und das wurde so geärgert, daß es sehr krank wurde. Dann hatten alle ein schlechtes Gewissen und hatten sie wieder lieb.


    Hat mich wohl in einer schlechten Phase erwischt, aber damals hatte das schon bedenkliche Auswirkungen auf mich.

  • Ich bin da hart im Nehmen und habe bisher erst ein Buch darum abgebrochen, weil ich es zu heftig fand. Und das war "Justine oder die Leiden der Tugend" von dem von Moloko bereits erwähnten de Sade.
    Das ist ja so ein ekelhafter Mist. Aber erschrocken hat mich nicht wirklich das Buch, sondern eher die vielen positiven Rezensionen auf Amazon dazu. Haben all die begeisterten Leute was anderes gelesen als ich? Jemandem, der so einem Buch 5 Sterne gibt, möchte ich als Frau nachts nicht allein in der Pampa begegnen. Die vielen positiven Bewertungen haben mich mehr erschrocken als das Buch an sich. Aber vermutlich versteh ich einfach den tieferen Sinn des Buches nicht.

    Man möchte manchmal Kannibale sein, nicht um den oder jenen aufzufressen, sondern um ihn auszukotzen.


    Johann Nepomuk Nestroy
    (1801 - 1862), österreichischer Dramatiker, Schauspieler und Bühnenautor

  • Autoren spielen mit Tabus, Grenzen, dem guten Geschmack und allerlei Unappetitlichkeiten. Sie tun das aus verschiedenen Gründen; meistens erfährt man sie nicht und spekuliert dann darüber.


    Ich werde "Er ist wieder da" nicht lesen, weil ich nicht über Hitler lachen will, aber ich spreche niemandem das Recht ab, genau das zu tun. Ich mag Effekthascherei in Thrillern nicht, diese Inflation des Schlachtens, aber ich kann verstehen, wenn Leute das reizvoll finden, sich gerne gruseln oder ekeln oder fürchten oder alles zugleich - mir gefällt der subtile Ansatz besser. Ich habe noch niemals einen guten "erotischen" Roman gelesen, es aber häufiger versucht. Im Ergebnis hat sich die Zweite-Hand-Erkenntnis (ich habe leider vergessen, von wem sie stammt) verfestigt, dass es praktisch unmöglich ist, Sex in einem Prosatext gut detailliert zu beschreiben: Es ist immer irgendwie albern und unzutreffend. Trotzdem geht kein Autor zu weit, wenn er es versucht, ganz egal, in welchem Kontext. Wer das will, darf es auch.


    Selbst Texte, die etwas verherrlichen, das gesellschaftlich geächtet ist, haben ihre Berechtigung, so lange sie sich im Fiktionsraum aufhalten. Die Autoren werden wissen, in welche Gefahr sie sich begeben, ansonsten gilt die künstlerische Meinungsfreiheit. Dennoch muss ich keinen Roman lesen, der ohne Wertung das Treiben von Nazis, Kinderschändern oder ähnlichem Idiotenvolk beschreibt. Glücklicherweise haben es die Autoren solcher Texte, die es wahrscheinlich gibt, ziemlich schwer, Verlage zu finden.


    Ansonsten. Es ist Fiktion. Es ist Kunst. Kunst darf alles. Niemand ist jedoch gezwungen, alles zu konsumieren.

  • Meiner Meinung nach geht der Märchenerzähler zu weit.
    Ich will niemanden den Lesespaß verderben, aber das Thema ziemlich am Ende des Buches - nein ich kann und will nicht verstehen, wie man soetwas in einem JUGENDbuch schreiben kann.
    Umso mehr bin ich erstaunt, wie hochgelobt dieses Buch wird.
    Ich bin auch nicht zartbesaitet, lese Cody mcfadyen z.b sehr gerne ;)

    Wenn du den roten Faden verloren hast, halte nach einem anderem ausschau, vielleicht ist deiner BUNT
    (Das Leben ist (k)ein Ponyhof - Britta Sabbag)

  • Mein erstes Buch von Helene Tursten "Die Tätowierung" fand ich sehr heftig. Vielleicht war ich damals einfach noch nicht bereit für blutrünstige Thriller, denn davon habe ich tatsächlich Alpträume bekommen. Dieses Buch ist auch das Einzige, das dies geschafft hat, obwohl ich Cody Mcfadyen lese und seine Bücher auch gut finde.

  • Der Märchenerzähler hing mir auch Tage lang nach dem Lesen extrem nach. Die Geschichte hat mich wirklich nachdenklich und unendlich traurig gemacht.
    Trotzdem bin ich froh, dass ich dieses Buch gelesen habe. Ich war sehr begeistert. Das Buch hat bei mir Spuren hinterlassen. Ich glaube ich werde lange nicht vergessen wie ich mich beim Lesen gefühlt hab

    "Hutzenberge riesengroß.
    Hutzenberge makellos.
    Hutzenberge sind so weit.
    Hörst du meinen Hutzenschrei?"


    Freda die Berghutze

  • Ich lese ja schon generell keine Thriller/Psychothriller, weil ich einfach ein wenig zart besaitet bin was Bücher angeht... Dennoch kommt mir ab und zu ein Buch unter, was mir stellenweise zu extrem wird.


    Zum Beispiel musste ich "Das Vermächtnis der Wanderhure" einmal tatsächlich für ein paar Stunden weglegen, weil mich eine Szene so dermaßen erschrocken und angeekelt hat.
    Szenen, die in diese Richtung gehen, begegnen einem zwar durchaus öfter in historischen Romanen, aber diese war mir zu heftig.
    Iny Lorentz hat es in diesem Buch insgesamt sehr übertrieben mit der Gewalt und dem Blutvergießen - wäre in diesem Maße nicht nötig gewesen und hat auch nicht zu den beiden Vorgängerbüchern gepasst.


    Auch "Die Säulen der Erde" war mir am Anfang zu heftig... Ich empfand auch hier die Gewalt als übertrieben.


    Hatte auch vor ein paar Jahren mal "Ich hab die Unschuld kotzen sehen" angefangen.. Ich hab es nach spätestens 10 Seiten in die Ecke geworfen!

  • Ich habe noch nie ein Buch gelesen, bei dem ich gesagt hätte, dass es mir zu weit geht.
    Ich glaube, ich bin da ziemlich abgehärtet. Für mich ist das ein Buch, eine erfundene Geschichte (im Normalfall) und genauso kann ich es dann auch behandeln.