'In einem Boot' - Seiten 099 - 151

  • Wie Charlotte Rogan den Verlauf beschreibt, halte ich für glaubwürdig und gut geschildert:
    Nach Mrs.Flemings Beerdigung tritt langsam ein wenig Alltag ein. Da es Mr.Hardie gelang einen Fisch zu fangen, gibt es eine gemeinsame Mahlzeit, eine Art Festtagsstimmung entsteht und es entstehen Gespräche zwischen den Leuten.


    Aber bald wird es wieder sehr bedrohlich für das Boot!
    Mr.Hardie deutet an, dass sich einige opfern müssen, damit das Boot nicht sinkt.
    Die beklemmungen reißen also nicht ab, die man als Leser mitempfindet.


    Ein Kapitel (Henry) wird am Ende dieses Abschnitts eingefügt, dass sich mit Grace Erinnerungen an Henry und das erste Kennenlernen, beschäftigt. Geschickt gemacht.

  • Die vielen Tode in dem Boot sind mir teilweise fast etwas zu emotionslos geschildert. Andererseits mag das vielleicht daran liegen, dass man in so einem Rettungsboot nach einer Weile einfach abstumpft.


    Die Fehlkalkulation der maximalen Personenanzahl im Rettungsboot interessiert mich. Ich würde eigentlich gern noch mehr darüber erfahren, was auf dem Schiff so alles vor sich gegangen ist, bevor es gesunken ist. Da scheint ja doch einiges mehr dahinterzustecken.


    Mittlerweile lernt man ja auch die anderen Personen ein wenig besser kennen. Mary-Ann zum Beispiel geht mir schon sehr auf die Nerven mit ihrem Gejammer. :rolleyes

  • Langsam aber sicher sind auch für mich ein paar mehr Personen durchsichtiger als vorher. Dennoch tu ich mir immer noch schwer den richtigen "Gesichtern" den richtigen Namen zuzuordnen.


    Was ich übrigens sehr löblich finde, ist, dass auf Dinge wie die Notdurft oder die Periode der Frau eingegangen wird. Oft gehen solche "natürlichen Kleinigkeiten" in Büchern (und/oder Filmen) unter und man fragt sich natürlich, wie wurde das damals gelöst? Dass die Autorin darauf eingeht, finde ich nicht nur mutig, sondern auch sehr hilfreich!


    Ich finde beim Lesen immer mehr, dass das Buch eine durchaus geeignete Schullektüre sein könnte. Die Kapitel sind nicht sonderlich lang - für Schüler sicher gut - und die moralischen Aspekte des Buches empfinde ich als sehr guten Unterrichtsstoff!


    Warum Rebecca mittlerweile verstorben ist wurde nicht beschrieben, oder? Hoffentlich hab ich da nicht was überlesen...
    Kann es am Ende eventuell sogar sein, dass sie sich freiwillig geopfert hat?

    "Katzen achten nicht drauf, welche Namen wir ihnen geben. Sie haben ihre eigenen Namen und brauchen unsre nicht. Darum schaut einen eine Katze auch immer so mitleidig an, wenn man sie beim Namen ruft, den man ihr gegeben hat, als ob man es nie lernt.

  • Zitat

    Original von Baby_Tizz


    Warum Rebecca mittlerweile verstorben ist wurde nicht beschrieben, oder? Hoffentlich hab ich da nicht was überlesen...
    Kann es am Ende eventuell sogar sein, dass sie sich freiwillig geopfert hat?


    Baby_Tizz :
    Sie hatte doch nach ihrer Rettung aus dem Wasser unter Schüttelfrost und Fieber zu leiden... naja und bei den Bedingungen erholt man sich mitunter nicht mehr. :-( - ich denke, daß sie daran gestorben ist.


    Die Stimmung an Bord wird immer depremierender, das vermeintliche Nebelhorn eines Schiffes - das 2. Rettungsboot, welches nicht mehr im Sichtfeld ist und dann der verzweifelte Versuch mit dem Boot zu segeln, die sich verschlechternde Wettersituation... da kann ich mir gut vorstellen, daß man kurz vorm durchdrehen ist :gruebel

  • Öh, das habe ich jedenfalls noch nicht gelesen. :wow


    Mit Felicia haben wir nun die zweite Tote zu beklagen. Die Frage ist, ob die "natürliche" Auslese ausreicht, um das Boot letztlich vorm Kentern zu bewahren. Das tagelange Ausharren im Rettungsboot zehrt an den Nerven aller und die Emotionen von blindem Aktionismus bis hin zur Aufgabe werden schon gut angedeutet und werden sicher in den nächsten Tagen noch zunehmen.


    In der Tat werden im Zusammenhang mit den Todesfällen sehr wenig Emotionen beschrieben. Nach einigen Tagen in einer derartigen Zwangsgemeinschaft baut man doch mit Sicherheit gewisse Bindungen auf. Allerdings bedeutet hier jeder Tote eine Entlastung des Bootes und trägt dazu bei, dass eine Rettung der anderen wahrscheinlicher wird.

    With freedom, books, flowers and the moon, who could not be happy? - Oscar Wilde


    :lesend Rock My World - Christine Thomas

  • Zitat

    Original von Enchantress
    In der Tat werden im Zusammenhang mit den Todesfällen sehr wenig Emotionen beschrieben. Nach einigen Tagen in einer derartigen Zwangsgemeinschaft baut man doch mit Sicherheit gewisse Bindungen auf.


    Das glaube ich, zum Beispiel, eher weniger. Durch den Schock kann ich mir die Gefühlskalte von Grace durchaus erklären. Man merkt ja außerdem immer wieder, dass sie mit manchen Leuten im "normalen Leben" bestimmt Freundschaften aufbauen könnte, diese Personen sie im Boot aber so sehr nervlich strapazieren, dass sie des Öfteren über ein "über Bord werfen" nachdenkt.

    "Katzen achten nicht drauf, welche Namen wir ihnen geben. Sie haben ihre eigenen Namen und brauchen unsre nicht. Darum schaut einen eine Katze auch immer so mitleidig an, wenn man sie beim Namen ruft, den man ihr gegeben hat, als ob man es nie lernt.

  • Zitat

    In der Tat werden im Zusammenhang mit den Todesfällen sehr wenig Emotionen beschrieben. Nach einigen Tagen in einer derartigen Zwangsgemeinschaft baut man doch mit Sicherheit gewisse Bindungen auf. Allerdings bedeutet hier jeder Tote eine Entlastung des Bootes und trägt dazu bei, dass eine Rettung der anderen wahrscheinlicher wird.


    Ich glaube ja, dass die körperliche Entkräftung (bei dem wenigen Essen und Schlafen), der wenige unruhige Schlaf, die ständige unterschwellige Bedrohung durch den Tod, lassen die Menschen an Bord abstumpfen für die Nöte und den Tod anderer. Auch ist seit Tagen klar, dass wenn nicht bald ein Schiff zur Rettung kommt, nicht alle überleben können, da der Wasserspiegel ständig steigt und auch durch ständiges Abschöpfen nicht mehr niedriger wird.
    Die Bindungen sind doch eher Notgemeinschaften, die auch ganz schnell wieder aufgelöst werden können.


    Ich finde ja interssant, dass Grace auch einiges über ihre eigene Vergangenheit zu erzählen weis, die mit dem Schiffsunglück ja gar nichts oder nur bedingt zu tun hat. Dass sie beispielsweise ihrem Henry aufgelauert hat und ihn sich sozusagen absichtlich geangelt hat, nachdem sie in der Zeitung von ihm gelesen hat, fand ich ungewöhnlich und zeigt sie als durchaus energisch und zielorientiert. Es geht auch immer wieder um Geld und Gold - also da könnte sich in der Geschichte noch was entwickeln. Vielleicht ein Grund für den Untergang. :gruebel

  • Zitat

    Original von hollyhollunder
    Die Bindungen sind doch eher Notgemeinschaften, die auch ganz schnell wieder aufgelöst werden können.


    Ja, na klar sind das Notgemeinschaften, aber wer sich schon mal mit vollkommen Fremden in einer Situation wiedergefunden hat, die in irgendeiner Form bedrohlich war, der weiß schon, dass das Schicksal der anderen einem - gerade bei einem gemeinsamen "Kampf" - nicht am Hintern vorbeigeht.

    With freedom, books, flowers and the moon, who could not be happy? - Oscar Wilde


    :lesend Rock My World - Christine Thomas

  • Zitat

    Ja, na klar sind das Notgemeinschaften, aber wer sich schon mal mit vollkommen Fremden in einer Situation wiedergefunden hat, die in irgendeiner Form bedrohlich war, der weiß schon, dass das Schicksal der anderen einem - gerade bei einem gemeinsamen "Kampf" - nicht am Hintern vorbeigeht.


    Das habe ich leider anders erlebt. :-(
    Ich denke, wenn es ums Überleben geht, setzt der Einzelne durchaus Prioritäten und vor Fremden kommt er erst mal selbst.
    Man kann auch vermuten, dass sie den Tod der anderen nicht so nah an sich heranlassen wollen, da ihnen ja dann noch mehr klar wird, dass es auch sie von einer Minute auf die nächste treffen könnte. Grace hat es gut beschrieben, als sie meinte, einmal ausgesprochen (ein paar weniger im Boot wären gut) ging die Idee nicht mehr aus dem Hinterkopf.


    Allgemein ist es auch ein subjektiver Bericht von Grace über die Ereignisse. Vielleicht ist auch sie nicht besonders emphatisch. Macht mir jedenfalls den Eindruck. Dann erzählt sie natürlich auch dementsprechend kühl von den Vorfällen.
    Und noch allgemeiner :grin Die Autorin legt glaub ich Wert darauf, so wenig Stellung wie möglich zu beziehen und dem Leser jeden nur erdenklichen Freiraum für Interpretationen und Vermutungen zu lassen.

  • Oh, ging der 2. Abschnitt nicht ursprünglich bis Seite 200? Ich lese und lese und stelle gerade fest, dass ich schon im 3. Abschnitt bin :bonk


    Interessant fand ich die Sache mit dem Fischgericht und bin fasziniert, dass Grace den rohen Fisch ohne Probleme essen kann. Ich kann mich an kein Buch erinnern, bei dem ich mich ähnlich oft gefragt habe, wie ich mich in der ein oder anderen Situation verhalten hätte.

  • Zitat

    Oh, ging der 2. Abschnitt nicht ursprünglich bis Seite 200? Ich lese und lese und stelle gerade fest, dass ich schon im 3. Abschnitt bin Bonk


    Auf Wunsch wurde die Einteilung nochmal geändert. Hoffe, alle Eulen merken dass möglichst schnell. :bruell

  • Zitat

    Original von hollyhollunder


    Ich finde ja interssant, dass Grace auch einiges über ihre eigene Vergangenheit zu erzählen weis, die mit dem Schiffsunglück ja gar nichts oder nur bedingt zu tun hat. Dass sie beispielsweise ihrem Henry aufgelauert hat und ihn sich sozusagen absichtlich geangelt hat, nachdem sie in der Zeitung von ihm gelesen hat, fand ich ungewöhnlich und zeigt sie als durchaus energisch und zielorientiert.


    Ich denk mal, dabei darf man die Zeit nicht vergessen.
    Vor dem ersten Weltkrieg herrschten immer noch die alten "Strukturen", daß Frauen kaum Möglichkeiten hatten, eben außer heiraten.
    Es gab ja für "Bessergestellte", oder eben auch die "besseren" Kreise auch so gut wie keine Möglichkeit des eigenen Gelderwerbs, eben außer Gouvernante oder Gesellschafterin zu werden.
    Dafür ist nun wirkich nicht jede geeignet.


    Die Frauen wurden noch in dem Gleuben aufgezogen, daß ihre einzige Möglichkeit eine Ehe wäre.
    Wer will es Grace da verdenken, daß sie so handelt. Für sie ist das wesentlich besser, als Gouernante zu werden.


    So weit, sich über alle Konventionen hinwegzusetzen und mal eben schnell Sekretärin Ärztin oder sonst was zu werden, waren zu der Zeit kaum Frauen.
    Und die, die es waren, wurden von der Gesellschaft geächtet.


    Schöne, schlechte Zeit halt damals.



    Das alles änderte sich ja erst ab 1918 gaaanz langsam, als die Menschen die Wandlungen bemerkten, die der erste Weltkrieg mit sich brachte.
    Erst ab da wurden - zwangsweise - viele alte Strukturen durchbrochen. Schon daher, weil die Männer alle an der Font waren und viele Frauen erstmals zum arbeiten gezwungen waren.



    Mich fasziniert das Buch doch sehr. Auch die Schilderungen Grace´s , die ich sehr stimmig finde, da die Emotionen auf dem Boot schon durch Schockzustand, körperliche Schwäche ganz anders waren, als im "normalen" Leben.

  • Man hat außerdem das Gefühl, dass die Unterschiede nicht unbedingt das Beste in den Leuten hervorrufen.
    Zwar verständlich, aber ich hatte meine Schwierigkeiten die meisten Figuren besonders sympathisch zu finden. Das gilt selbst für Grace. Als Identifikationsfiguren taugen sie nur bedingt.
    Das macht das Buch vielleicht ein klein wenig schwieriger, aber auch umso herausfordernder.

  • Hab mir jetzt auch ein Personenverzeichnis erstellt, mal sehen, ob ich mir damit mehr Überblick verschaffen kann. Es tauchen immer mehr Personen auf und viele davon bleiben blass.


    Erst schüttelte mich der Gedanke, dass der Fisch roh gegessen wurde, gleich danach musste ich schmunzeln, war ich doch vor kurzem erst Sushi essen. Richtig amüsiert habe ich mich dann über die Aussage, dass der Fisch nicht roh, sondern -in Knoblauchbutter gebraten- gegessen wird. Ironie pur!


    Immer wieder kommt Gott ins Spiel, hoffentlich nimmt das nicht überhand.


    Und erneut ereignet sich eine Tragödie, Rebecca ist ins Wasser gestürzt und obwohl sie gerettet wird, kommt sie nicht schadlos davon.


    Hardie hat eine blendende Idee, vielleicht inspiriert durch Grace, und kreiert ein Segel für das Rettungsboot. Es gibt einerseits neue Hoffnung, andererseits sieht der Horizont an jeder Stelle gleich aus, unendliche Weiten also.


    Ich habe das Gefühl, ich muss ständig mit angehaltenem Atem weiterlesen. Ganz schön harter Stoff.


    Und dann kommt der Rückblick auf den Tag mit dem Heiratsantrag, Henry kann trotz seiner Liebe? zu Grace seine Verlobung nicht lösen. Es wird erwähnt, dass er krank ausschaut. Was hat er bloß? Irgendwie kommt mir die Person Henry etwas komisch vor.


    Zitat

    Original von Baby_Tizz
    Warum Rebecca mittlerweile verstorben ist wurde nicht beschrieben, oder? Hoffentlich hab ich da nicht was überlesen...
    Kann es am Ende eventuell sogar sein, dass sie sich freiwillig geopfert hat?


    Sie hat doch vom Meerwasser getrunken. Ob das Fieber vorher schon war oder erst danach kam, weiß ich nicht mehr.


    Edit: ach nein, das war ja die, die vorher gestorben ist :bonk


    Zitat

    Original von Dori
    Oh Gott, Entschuldigung! :wow


    Hab's gleich gespoilert.


    Hi Dori :wave
    Ich denke, die Teilnehmer der LR, die diesen Abschnitt gelesen haben, lesen auch den Spoiler :-( Ich fände es besser, den Artikel zu verschieben.

  • Zitat

    Original von Patricia_k34
    Richtig amüsiert habe ich mich dann über die Aussage, dass der Fisch nicht roh, sondern -in Knoblauchbutter gebraten- gegessen wird. Ironie pur!
    ...


    Witzig, das Grace das einen kurzen Moment geglaubt hat, weil sie zu diesem Zeitpunkt Mr. Hardie noch blind vertraut hat. :lache


    Der Stoff ist hart, doch zwischendurch gelingen der Autorin auch leichte Momente!