Aussie Adventures (mit Fotos)

  • Die TV-Serie „Die fliegenden Ärzte“ aus den Achtzigern und Filme wie die Dornenvögel, Schrei in der Dunkelheit, Crocodile Dundee, Mad Max und Einstein Junior haben in mir schon früh das Verlangen geweckt, einen weit entfernten Kontinent einmal mit eigenen Augen zu sehen - Australien. Erste unschuldige Reisepläne waren daran gescheitert, dass meine Freundin und ich als blutjunge Mädels zu viel Angst hatten, uns alleine ins große Unbekannte aufzumachen. Die Sehnsucht blieb.


    Über 25 Jahre später, nach Urlaubsreisen als Individual- oder auch Pauschaltourist in viele verschiedene Länder, stand ich plötzlich wieder vor der Option Australien. Nur dieses Mal nicht mit einer Freundin, sondern mit dem Ehemann, mit dem Erfahrungsschatz vergangener Reisen und zwei fast erwachsenen Kindern. Tun wir´s oder tun wir´s nicht? Wo ich sonst nicht lange überlege und sofort dabei bin, neue Länder und Leute kennen zu lernen, fühlte ich eine seltsame Zurückhaltung. Australien!? Klar, wollte ich das erkunden, aber die Entfernung (20 Stunden Flugzeit) und die für den wohl behüteten Europäer ungewohnte, gar feindselige Umgebung, bescherten mir Bauchgrummeln.


    Die giftigsten Tiere der Welt leben in Australien. Ich kenne, abgesehen von meinem Ekel vor Stubenfliegen keine Tierphobien, trotzdem steckte der ungewohnte Respekt vor australischen Spinnen und Schlangen in meinen Knochen, die dir gerne auch mal Städten über den Weg huschen, wie ich gelesen hatte. Ich erwähne hier stellvertretend für alle diese Viecher die rotzgiftige Sydney-Trichternetz-Spinne. Auch das Meer hält dort neben Haien viele nette Dinge für den unbedachten Touristen bereit. Ich erwähne die kleinen Stinger, die sich auch von den mit Netzen geschützten Badestränden nicht fernhalten lassen. Wenn sie dich erwischen, dann stirbst du an den Schmerzen, ertrinkst wegen Kreislaufversagen. Das menschenfeindliche, weil leere, riesige, staubtrockene, rote Landesinnere ohne Handyempfang, dessen Staubpisten nur mit 4-Wheels-Drive-Fahrzeugen zu bewältigen sind, waren meine zweite Befürchtung in Australien anstelle Entspannung und Unterhaltung Strapazen und Desaster zu erleben.


    Jetzt, nachdem wir wieder alle heil zu Hause sind, bin ich sehr froh, dass mich meine Befürchtungen nicht noch einmal davon abgehalten haben, Australien zu besuchen. Die Strapazen der langen Reise lohnen sich, da man ein Land und Leute kennenlernen darf, die so ganz anders sind. Australien übt eine seltsame Faszination aus, es wirkt gleichzeitig sehr alt und sehr jung. Die Aborigines und das Land verströmen alte Weisheit und Beständigkeit, die Bevölkerung jugendliche Frische. Noch nicht einmal 250 Jahre ist es her, dass die ersten Europäer auf diesem Kontinent Fuß fassen wollten.


    Die Australier habe ich als ein lebensbejahendes, unvoreingenommenes, freundliches, offenes Volk erlebt, das Fremde mit offenen Armen willkommen heißt und dessen Herzlichkeit ehrlich wirkt. Sie bezeichnen ihr Land selbst als „Lucky Country“ und leben anders. Ich empfand sie weniger karriere- und erfolgsorientiert um jeden Preis. Sie lassen mehr Spaß in ihrem Leben zu und treiben im Laufe ihres Daseins durch viele Jobs um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die Bardame wird schnell mal zu einer Kleidungsverkäuferin, um im nächsten Moment ein Fitness-Studio zu betreiben oder als Security zu arbeiten. In der Schule geht es nicht nur darum möglichst viel totes, theoretisches Wissen anzuhäufen, sondern Praxiserfahrungen zu sammeln. Spezielle Job-Qualifikationen werden kurzfristig durch Kurse erworben. Diesen Eindruck gewann ich aus persönlichen Bekanntschaften mit Steve aus Melbourne und Louise aus Port Douglas, die mir immer sehr positiv in Erinnerung bleiben werden. Louise, die aus Neuseeland stammt, kommt im Oktober zum dritten Mal nach Deutschland und wir werden uns wieder sehen. Sie liebt die deutsche Küche und nimmt jedes Mal Unmengen zu, wenn sie hier ist. In Australien besteht eher weniger die Gefahr sehr viel zuzunehmen…

  • Erste Station unserer Reise war Sydney, die riesige Metropole, in der ein Sechstel der 22 Millionen Australier leben. Im T-Shirt waren wir in München abgeflogen, im T-Shirt hatten wir nachts bei 28 Grad bei der Zwischenlandung in Dubai geschwitzt und jede Menge T-Shirts hatten wir eingepackt, um im heißen Australien drei Wochen Urlaub zu machen. Was für eine „Überraschung“, als wir morgens um acht mit dem Jetlag einer achtstündigen Zeitverschiebung in Syndey aus dem Flieger stiegen, um erstmal bei gefühlten 5 Grad schockgefrostet zu werden. Im australischen Winter hat es in Sydney wenn die Sonne scheint ab Mittag vielleicht 24 Grad, aber nachts kühlt es deutlich ab und ab 18 Uhr ist es dunkel und wieder kalt. Naja, wir waren ja nicht zum Baden nach Australien gekommen. Trotzdem trug mein Unterbewusstsein den ersten Punkt auf meine geistige Todo-Liste mit der Dringlichkeitsstufe 1 ein: Pullover kaufen.


    Für unsere vier riesigen Koffer voller dünner Sommerklamotten für drei Wochen brauchten wir ein Großraumtaxi und der eifrige Taxifahrer, der uns vom Flughafen abholte, machte auf dem Weg zu unserer ersten Unterkunft eine Stadtrundfahrt im Wert von 25 A$ mit uns. Dies wurde uns aber erst bewusst, als wir ein paar Tage später mit einem Hoteltaxi für den Weiterflug nach Yulara (Ayers Rock – Uluru) wieder zum Flughafen mussten. Wir hatten vermutlich zu deutlich „neu und unwissend“ auf unseren bleichen Stirnen stehen gehabt. Bevor wir losfuhren mussten wir allerdings erstmal unser Ziel abklären und das ging nur auf dem schriftlichen Weg, obwohl 100 % unserer Reisgesellschaft der englischen Sprache mächtig, darunter 50 % sogar sehr gut mächtig sind. Wooloomooloo Bay Waters Apartments war unser Ziel und so lernten wir als erstes die korrekte Aussprache des Aborignie-Ausdrucks Woloomooloo: Wulah Maluh.


    Einchecken konnten wir noch nicht, weil wir viel zu früh dran waren, so stellten wir nur unsere Koffer unter und ließen uns erstmal ein wenig treiben, um letztendlich beim Sydney Opera House zu stranden. Der erste von drei Punkten, die unser Jüngster, eher unfreiwillig Australienreisender erleben wollte. Auf dem Weg dahin kamen wir durch einen Kakadu-Aufruhr. Angesichts der vielen, riesigen, weißen Vögel , die aus für uns unerfindlichen Gründen einen Riesenradau veranstalteten und bedrohlich nah über den Touristenköpfen kreisten, machten wir uns nach ein paar Fotos ziemlich schnell aus dem Staub. Beim Chillen am Circular Quay bewunderten wir die durchtriebenen Manöver der Möwen beim Essenklauen, bemerkten zahllose Jogger und genossen die wärmende Sonne. Merke: Der durchschnittliche Australier ist seeeehr sportbegeistert, aktiv wie passiv. Nach der Rückkehr in unser Zungenbrecher-Apartment machten wir uns im Viertel auf die Suche nach einem Restaurant, um nach dem Flugzeugfraß etwas Anständiges zu Essen zu bekommen.


    Da auf die Schnelle nichts anderes zu finden war, entschieden wir uns für Maggie´s Restaurant. Ein Novum für uns, die wir im Ausland um deutsche Küche normalerweise einen weiten Bogen machen. 1,3 Millionen Australier haben deutsche Wurzeln und da es keine australische Küche gibt, sondern nur ein Sammelsurium internationaler Küche, ist es nicht ungewöhnlich, dass es eine deutsche Essenszene in Australien gibt. So beschlossen wir den Tag mit Krautwickel, Gulasch, Schnitzel und Geschnetzeltem mit Champignonsoße. Da der Chef unsere Nationalität mitbekommen hatte ließ er es sich nicht nehmen, unsere leer gefutterten Teller persönlich abzuräumen. Er war mit unserer Reaktion auf sein Essen sehr zufrieden. Während sich die Kids dann ins Bett verzogen, tranken die Erwachsenen beim Wulah-Maluh-Nachbarn Frisco-Pub ein „Feierabend-Bierchen“, was gleich zu einer Tradition während unserer Tage in Sydney ausartete, da wir unbedingt ein trinkbares australisches Bier finden wollten.

  • Danke, Suzann, dass du uns hast an deinen Reiseerfahrungen teilnehmen lassen!
    Man merkt deinen Worten an, wie sehr dich diese Land fasziniert hat.



    Edit: Oh, da kommt noch mehr :wow
    Ich trolle mich mal ganz schnell...

    - Freiheit, die den Himmel streift -

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  • Ich stelle immer mal wieder was rein hier beo. Jetzt muss ich leider arbeiten...



    Leider war unser Aufenthalt in Sydney zu kurz um viel zu sehen und das schien sich zum Motto der ganzen Reise zu entwickeln. Australien ist einfach zu riesig, um in drei Wochen viel davon zu sehen. Als ich später in Yulara (einer künstlich angelegten Feriensiedlung im Niemandsland um den Ayers Rock) beim Smalltalk einem Melbourner erzählte, was wir in unseren drei Wochen alles vorhätten, hat er eine Augenbraue hochgezogen und gemeint, das wäre ganz schön motiviert. So entwickelte sich unsere Reise in eine lose, unregelmäßige Aneinanderreihung von wenigen, kurzen, aber genialen Höhepunkten, zwischen denen wir jeweils mit dem Auto oder Flugzeug viele Hundert Kilometer zurücklegten.


    Auf dem 260 Meter hohen Sydney Sky Tower haben wir uns einen kleinen Überblick über diese riesige Stadt verschafft, für den wir zu Fuß Wochen gebraucht hätten und Luftbilder von einigen Gebäuden gesehen, an denen wir später auf dem Boden noch vorbei gelatscht sind. Was das für welche waren, habe ich schon wieder vergessen. Und wir sind viel gelatscht. Erst am letzten Tag haben wir uns für 19 A$ pro Person ein Multi-Ticket für die öffentlichen Verkehrsmitteln geleistet und sind damit mit U-Bahn, Bus und Fähre durch die Gegend gefahren. Ein Familien- oder ein Mehrtagesticket gab es nicht. Dafür hätte man auf einer bestimmten Buslinie kostenlos durch das Zentrum von Sydney fahren können.


    Der „Royal Botanic Garden“ war eindrucksvoll, weil man an keinem Baum oder Strauch oder sonst einer Pflanze vorbeikam, die einem vertraut war. Am ehesten fühlte man sich an exotische Zimmerpflanzen erinnert, die zu riesiger Größe mutiert sind. Im Opalmuseum habe ich mit Flugticket und Reisepass einen Känguru-Anstecker mit Miniopal abgestaubt. Am Beach in Manly habe ich im goldenen Sand sitzend, mit den übrig gebliebenen Pommes vom Mittagessen Hitchcocks „Die Vögel“ nachgestellt. Abenteuerlich zu beobachten war die Löschaktion eines Hubschraubers, der einen kleinen Waldbrand an einem felsigen unzugänglichen Küstenabschnitt im Sydney Harbour National Park zu löschen versucht hat. Mittel zum Zweck war eine riesige Schüssel, die an langen Seilen an ihm baumelte und die er unermüdlich im Paramatta-River auffüllte. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie viel Fertigkeit es vom Piloten verlangt hat, Wind, Wellen und eine schwere Wasserschüssel mit seinem kleinen Fluggerät zu beherrschen.
    Im einzigen australischen Hard Rock Cafe im vor Leben berstenden Viertel „Darling Harbour“ haben wir eine männliche, blonde, übergewichtige, sehr gesprächige Servicekraft kennengelernt, die jede unserer Bestellungen und Bemerkungen mit „that´s easy“ kommentierte, weswegen er in unseren späteren Gesprächen zu „Isi“ wurde. Unser Jüngster hat dort seine Kopfbedeckung liegen gelassen. Im historischen Hafenviertel „The Rocks“ haben die Kids und ich in einem schmuddeligen kleinen Cafe mit morbiden Charme vom Familienvorstand einen Schafkopf-Crashkurs bekommen. Schafkopf haben wir in diesem Urlaub noch viel gespielt und die Jungs werden sich immer daran erinnern, wann sie dieses typisch-bayerische Kartenspiel gelernt haben. Ich höre es direkt, wie sie eines Tages ihren Kinder erzählen: „Das muss 2014 gewesen sein, als ich in Australien war“. Irgendwann fiel unserem Jüngsten auf, dass unser Cafe der Treffpunkt der örtlichen „Anonyme Alkoholiker“ war. Wenn ich so darüber nachdenke, sind mir unzählige solch kleiner Sequenzen im Gedächtnis geblieben und die wenigsten haben mit Sehenswürdigkeiten im Sinne von Kirchen und anderen historischen Gebäuden zu tun. Mein ganz persönliches Sydney.


    Einen Sydney-Tag haben wir für einen Ausflug in die nahe gelegenen Blue Mountains geopfert. Die blauen Berge haben ihren Namen dem Baum zu verdanken, mit dem sie hauptsächlich bestanden sind. Weitläufige Eukalyptuswälder prägen diese Gegend, deren Berge bis zu 1000 Meter hoch aufragen. Sie erhielten ihren Namen dank der ätherischen Öle, die aus den Eukalyptusbäumen ausströmen: Bei warmer Luft verflüchtigen sich diese Öle und verursachen den charakteristischen blauen Dunst. Gesehen haben wir diesen Effekt leider nicht. Die „Three Sisters“ (Meehni, Wimlah und Gunnedoo) sind eine bemerkenswerte Felsformation dort und durch Erosion entstanden, aber natürlich gibt es eine viel romantischer Aborigine-Sage über ihren Ursprung. In der Gegend um eine ehemalige Kohlemine ist mit Hilfe einer bekannten Schweizer Gondelbaufirma der schwer zugängliche Regenwald des Jamison Valley erschlossen und zu einer Scenic World ausgebaut worden. Dort unten kann man auf Holzstegen durch eine farnlastige Umgebung wandern, bei der man unwillkürlich an Jurassic Park denken muss und um jede Ecke einen Velociraptor erwartet. Dieser Eindruck verliert sich dann allerdings schnell wieder, wenn man sich im Touri-Shop durch die Regalreihen voller Eukalyptusbonbons und niedlicher Plüschkoalas zum Ausgang kämpft.
    Am farbigsten ist mir allerdings die Story unserer Reiseleitung über die Wildheit dieser Berge im Gedächtnis geblieben. Die Gegend dort ist so ursprünglich, dicht bewachsen, bergig, dass schon viele Versuche sie zu durchqueren gescheitert sind. Die Australier leben am Rand der Blue Mountains entlang der wenigen Erschließungsstraßen, gehen aber normalerweise nicht hinein. GPS-Signalempfang ist dort sehr unzuverlässig und die Gegend so unwegig, dass schon viele Durchquerungsversuche ergebnislos von total erschöpften Expeditionsteilnehmern abgebrochen werden mussten. Als Europäerin, deren Lebensraum bis ins kleineste erschlossen ist, ist das eine faszinierende Vorstellung.


    Obwohl wir gerne länger geblieben wären, brachen wir nach vier Tagen ins mysteriöse Red Centre des Landes auf. Allerdings ein wenig gelassener als vor Reiseantritt durch die Tatsache, dass uns bisher kein einziges giftiges Tier belästigt hatte.

  • Danke. Das freut mich. Ansonsten hättest du dich bei rienchen beschweren müssen, die hat mich dazu motiviert :kiss :lache


    Nächste Station auf unserer Australienrundreise war der Uluru und seine Schwestern. Der zweite Punkt auf der kurzen Liste unseres jüngsten Sprosses, was er in Australien sehen wollte. Bei uns ist der Uluru unter Ayers Rock bekannt, aber in Australien wird der Aborigine-Name verwendet und wenn man vor diesem riesigen Felsen steht, dann kommt es einem richtig und natürlich vor, Ayers Rock zu vergessen und seinen „echten“ Namen zu verwenden. Der Uluru gehört seit 1985 offiziell wieder den Eingeborenen und diese bitten die Besucher, auf eine Besteigung ihres heiligen Berges zu verzichten, was erstaunlicherweise größtenteils respektiert wird. Während wir dort waren, habe ich niemand darauf herum kraxeln sehen. Der Felsen hat mich mit gemischten Gefühlen erfüllt. Seine Wirkung auf mich war weniger stark, als ich erwartet hatte. Mich hat sein angepriesenes Farbenspiel in den Dämmerstunden des Tages weniger gefesselt, als die Tatsache, dass in einem platten Land, ohne Erhebungen und andere Merkmale soweit das Auge gucken kann, ein einzelner Felsen senkrecht aus dem Boden ragt. Er ist wie ein Anker für den Blick, der ansonsten hilflos und unendlich über diese weite, rote Leere schweifen muss. Natürlich haben wir unsere Fotosession in der Abenddämmerung gemacht und uns über die kleinen schwarzen Fliegen aufgeregt, die einem dort ständig direkt in Augen und Mund fliegen. Diese Biester ernähren sich von den Sekreten der Augen- und Mundschleimhäute. Einfach widerlich, aber wir hatten Glück. Im australischen Sommer belästigen dich nicht nur einzelne dieser kleinen Nervtöter, sondern ganze Schwärme. Und lieber diese Fliegen, als giftige Schlangen, von denen ich dort keine einzige entdecken konnte. Und ich habe intensiv Ausschau danach gehalten, glaubt mir.


    Die Gegend um den Uluru ist ein Nationalpark und um den Touristenstrom effektiv zu steuern wurde eine künstliche Siedlung angelegt, die aus einem Ferienresort besteht, mit einer begrenzten Anzahl an einfachen Unterkünften verschiedener Klassen (vom Campingplatz über Einzelzimmer bis Gemeinschaftsschlafräumen mit gemeinsamer Dusche und Toilette), die sich perfekt in die karge Umgebung eingliedern. Außerdem hat Yulara einen Flughafen mit Autoverleih, eine Tankstelle und ein kleines Dörfchen mit Supermarkt, Souvenirshops, Essenslokalen (Ayers Wok!), Post-Office und einem Aborigine-Kulturzentrum. Am Abend trifft man sich in der Gemeinschaftsküche, wo man seine mitgebrachten Lebensmittel verarbeitet oder beim in Australien allgegenwärtigen Barbecue. Dort gab es auch Känguru- und Emu-Steak. Man kauft sich seinen Fetzen Fleisch und bruzelt ihn selbst auf meterlangen Grills. Dazu ein kühles „Gold“. Was braucht der erschöpfte Australientourist am Abend mehr für sein Wohlbefinden? Vielleicht noch einen Fernseher und ein Australian Football Game. Australien ist kein Land der Nachtschwärmer. Um zehn Uhr abends liegen 96 % der Leute in den Federn um bei Sonnenaufgang wieder aktiv zu werden.


    Im Aborigine-Kulturzentrum konnte man Einheimische beim Anfertigen der farbenfrohen Tupfenbilder zusehen, die typisch für ihre Kultur und wunderbare Reiseandenken sind. Über eine Stunde sind wir den Ausführungen eines charismatischen Aborigine in Rangerklamotten und riesiger Sonnenbrille gefolgt, der mit fast hypnotischer Ausdrucksweise das ursprüngliche (Über)leben der Aborigine im Outback schilderte. Sehr informativ war für mich die Herstellung der verschiedenen Waffen, die der Aborigine-Mann einsetzte, was für Aborigine-Frauen übrigens absolut tabu war. Bei den Eingeborenen herrschte strenge Rollentrennung, um das Überleben in der feindlichen Umgebung zu sichern. Keine befriedigenden Lebensumstände für die moderne Frau und im Stillen habe ich mich beim Universum für meine Freiheit bedankt, tun und lassen zu können, wozu es mich treibt. Neben dem obligatorischen Bumerang fand ich den Speerwerfer am faszinierendsten und durch die Erklärungen und das Anschauungsmaterial des Aborigines wurde eine Unklarheit gelöst, die schon lange Jahre in meinen Kopf herum spukte und der ich mir gar nicht mehr bewusst war. Seit ich vor fast 30 Jahren den zweiten Band der Steinzeitsaga von Jean M. Auel gelesen hatte (Im Tal der Pferde), in dem deren Protagonisten Ayla und Jondalar aus der Not geboren den Speerwerfer erfanden, mit dem sie so eindrucksvoll zu jagen verstanden, wollte ich wissen, wie so ein Teil wohl in echt aussieht und funktionert. Jetzt weiß ich es. Ein tolles Gefühl.


    Den letzten Punkt auf seiner Liste hat unser Jüngster übrigens nicht verwirklicht, einen Aborigine zu fotografieren. Damit hat er die Wünsche der Einheimischen respektiert und ich war sehr stolz auf ihn. Nach diesen im Vergleich zu Sydney so krass anderen Eindrücken haben wir uns nach zwei Nächten in unser Leihauto gesetzt, einem Mitsubishi Prado und uns auf den Weg nach Alice Springs gemacht, wo ich endlich mein erstes wildes, lebendes Känguru entdeckte.

  • Ich lese auch mit und es gefällt mir sehr, wie Du berichtest. :wave


    Australien steht seit Kindertagen irgendwie auch auf dem Reisewunschzettel.

    Manche Bücher müssen gekostet werden, manche verschlingt man, und nur einige wenige kaut man und verdaut sie ganz.
    (Tintenherz - Cornelia Funke)

  • Ich wurde von den Autoexperten der Familie korrigiert, dass wir unseren Weg vom Uluru bis nach Alice Springs nicht in einem Mitsubishi, sondern in einem Toyota zurücklegt haben. Das wollte ich der Gerechtigkeit wegen nicht verschweigen. Der Toyota hat uns nämlich zuverlässig die fast 700 km durch das Northern Territory transportiert, ohne Reifenpanne, Batterieversagen oder Achsbruch, was ich mir in meinen schlaflosen Nächten vor der Reise ausgemalt hatte. Wir, verdurstend in der weiten Leere des Outbacks, weil unser Fahrzeug versagt und weit und breit kein Handyempfang, geschweige denn andere Menschen sind. Auf der Fahrt durch das Outback sind drei „Vorurteile“ meinerseits bereinigt worden. Es gibt dort geteerte Straßen. Sich zu verirren ist fast unmöglich, weil es nur sehr wenige Straßen gibt und es ist nicht so einsam wie vermutet. Man dürfte also Schwierigkeiten haben zu verdursten, wenn man an einer Straße liegen bliebt, eher erstickt man, denn alle paar Minuten kommt jemand vorbeigestaubt.
    Wir sind also in der ersten Etappe auf der geteerten Lurijta Road zum Kings Canyon gefahren, dessen obligatorisches Farbenspiel beim Sonnenuntergang der Hobbyfotograf der Familie für unser Australien-Album festhalten wollte. Drei Viertel unserer kleinen Reisegesellschaft haben die Gelegenheit genutzt, um zu Fuß auf einem Rundwanderweg die Gegend zu erkunden. Für die rund 6 Kilometer lange, bergige Strecke wurde auf den Hinweisschildern rund 3-4 Stunden veranschlagt. Um 16 Uhr waren wir dort, um 18 Uhr wird es dort dunkel. Als ich den Aufstieg geschafft und die Gegend gebührend bewundert hatte, habe ich die Sportskanonen alleine weitergeschickt, die die Strecke natürlich in der Hälfte der Zeit schafften. Ich hatte es mir in der Zwischenzeit beim Auto gemütlich gemacht und mir mit einer zufälligen Bekanntschaft die Zeit vertrieben, deren Mann sich meinen Männern angeschlossen hatte, um die Wegbeschreibung Lügen zu strafen. Ein bisschen habe ich mich geärgert, nicht mitgegangen zu sein, weil die Wanderer das erste Känguru, nämlich ein kleines Felskänguru, gesichtet hatten.
    Nach einem genialen Essen (butterzarten Känguru-Steak) im Kings Canyon Resort und etlichen Partien Schafkopf wurden um 22 Uhr die Bürgersteige eingeklappt und wir gingen brav ins Bett um uns am nächsten Morgen auf den Weg nach Alice Springs zu machen, auf dem sogenannten Mereenie Loop. Das sind 197 ungeteerte Kilometer durch Aborigine-Gebiet. Zum Befahren der Abenteuerpiste braucht man ein Ticket im Wert von ein paar Dollars und einen 4-Wheels-Drive. Auf dem Weg nach Alice Springs liegt der West Mac Donnell Nationalpark mit einigen sehenswerten Naturschönheiten, die wir fast alle abgeklappert haben. Diese Gegend kann man auf dem Larapinta-Trail auch zu Fuß erkunden, wobei man den Trail in mehreren Tagesetappen erwandert. In Alice Springs haben wir Steve aus Melbourne getroffen, der im gleichen Motel übernachtete und der zusammen mit ein paar Wandergenossen genau das gemacht hat.
    Im Glen Helen Resort am Namatjira Drive haben wir Mittagspause gemacht, nachdem wir zuvor einen riesigen Meteoriteneinschlag erkundet hatten, den Goose Bluff-Krater, auf den man vom Tylers Pass Lookout einen wunderbaren, wenn auch windigen Blick hatte. Wie es nicht anders sein kann, ist auch der Goose Bluff eine heilige Stätte der Aborigine, die aber eine eher traurige Vergangenheit hat. Vor langer Zeit hatte dort ein Aborigine-Stamm immer wieder Station gemacht, aber eines Tages kam es zu einem Massaker durch einen anderen Stamm mit vielen Toten und seitdem wird die Gegend von ihnen gemieden. Beim Glen Helen Resort holte einen die moderne Welt wieder ein. Dort kann man schon ab 50 AUS$ mit einem kleinen Hubi die Gegend von oben erkunden. Glen Helen liegt sehr idyllisch am Finke River, der dort an einer nicht sehr hohen, aber steil aufragenden Bergkette entlang fließt. Wenn man auf der gegenüberliegenden Flussseite leicht erhöht stehend auf den sonnenfunkelnden Fluss hinunter und die rotschimmernden Steilhänge wieder hinaufblickt, dann kann man sehr gut nachvollziehen, warum Europäer sich genau dort niedergelassen haben. Die Gaststätte des Anwesens wird von Dieselgeneratoren mit Strom versorgt, was mich einigermaßen verwundert hat. Auf Nachfrage erhielt ich die witzige Antwort, dass die Hausherrin gerne die, wie ich finde, in Australien so nahe liegende Versorgung mit Solarstrom installieren lassen würde, das dem Hausherrn aber zu teuer ist. In Australien gibt es Sonne im Überfluss, aber die die Solartechnologie hinkt dort im Vergleich zu anderen Ländern ziemlich hinterher und ist sehr kostspielig. Verrückte Welt.
    Von den Abstechern, die wir am Namatjiara Drive gemacht haben, haben mir die „Ochre Pits“ am besten gefallen. Wieder handelt es sich hier um eine heilige Aborigine-Stätte. Die verschiedenfarbigen Ockeradern, die dort zu Tage treten, werden immer noch vom Aranda-Stamm für zeremonielle Zwecke verwendet. Der trockene Ton ist in aufeinanderfolgenden Phasen mit unterschiedlichen Anteilen von Eisen, Blei und anderen Mineralien verunreinigt, was in den Wänden zu unglaublichen Farbspielen führt. Es hat den Anschein eines in Fels erstarrten Regenbogens, der von weiß über beige, gelb, orange und altrosa bis ins dunkelviolette schimmert. Wunderschön.
    Alice Springs war unsere letzte Etappe im Northern Territory, die wir mit dem treuen Toyota anfuhren, um dort wieder in den Flieger zu steigen und an die Ostküste ins tropische Cairns zu fliegen. Aber bevor ich euch nach Cairns mitnehme, muss ich euch die netteste Motelchefin von Alice Springs vorstellen. Solltet ihr jemals in die Verlegenheit kommen dort eine Übernachtung zu suchen, dann geht ins „Alice Motor Inn“ in der Undoolya Road und ihr werdet euch wie zu Hause fühlen. Wir wurden an unserem Abend dort von ihr gleich mal zu einem Barbeque eingeladen, das sie für ihre Gäste ausrichtete. Den Grund dafür haben wir irgendwie nicht so richtig herausbekommen können, aber anscheinend hatten ihr ein paar Gäste bei irgendwas geholfen und sie wollte sich revanchieren. „Feel welcome und bring a smile“, lautete ihre herzliche Einladung. Der Tisch bog sich vor leckeren Dingen und ein spanischer Radtourist, der bei seiner Tour nach China in Alice Springs hängen geblieben war, brutzelte dicke Würste und Steaks. Das war ein toller Abend.
    Bevor wir am nächsten Tag nach Cairns abflogen, wollten wir unbedingt noch Kängurus sehen, die es angeblich an der alten Telegraph Station geben sollte. Leider hatten wir bei der Wegbeschreibung der nettesten Motelchefin von Alice Springs nicht gut genug aufgepasst und so wurden aus den zwei Kilometern Fußweg gleich mal das doppelte, bevor wir die Telegraph Station fanden. Glücklicherweise lohnte sich der Weg, denn ich erspähte wirklich mein erstes richtiges Känguru in freier Wildbahn. Ein kleiner Trost, denn der Rückweg (dieses Mal auf dem kürzestem Weg) gestaltete sich zu einem Sprint. Wir mussten einen Flieger kriegen…

  • Zitat

    Original von Sandrah
    Sehr interessant und interessiert verfolge ich Deinen Bericht liebe Suzann.
    Wart ihr zufällig auch im Northern Territory im Kakadu-Nationalpark ?


    Nein Sandrah, so weit nördlich sind wir nicht gekommen. Wir sind vorher nach Osten abgebogen :wave

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    "Es hat alles seine Stunde und ein jedes seine Zeit, denn wir gehören dem Jetzt und nicht der Ewigkeit."

  • Auf dem Flug von Alice Springs nach Cairns hatte uns die frühe australische Winternacht eingeholt. Am Flughafen dann die Überraschung, dass unser zweiter Mietwagen nicht dort, sondern im Zentrum von Cairns für uns bereit stand, wo natürlich an diesem Tag schon lange dicht gemacht worden war. Kurzfristig sprachlos ließen wir uns gezwungenermaßen erst einmal mit dem Taxi zu unserer nächsten Unterkunft im 18 Kilometer entfernten Trinity Beach bringen. Dort erwartete uns bei Karen und Ian im Apartmenthaus „Sea Point“ die nächste Überraschung, aber dieses Mal eine positive. Wir waren „up“gegradet worden und durften die nächsten 5 Nächte in einem riesigen, fast neuen, durchgestylten Luxusapartment verbringen. Von zwei Etagenbetten in 12 qm mit Gemeinschaftsduschen und -toiletten in Yulara zu 200 qm mit Terrasse, zwei Bädern, topmoderner Einbauküche. Wir waren im Himmel angekommen. Und um zum Pazifikstrand zu kommen mussten wir nur die schmale Strandstraße überqueren…


    Am nächsten Tag organisierten wir uns unseren Mietwagen, der uns den Rest der Reise bis Brisbane transportieren sollte. AVIS vermietete uns eine einheimische Automarke, einen HOLDEN, von dessen Ausstattung wir, besonders im Pferdestärkenbereich, sehr angetan waren. Auf den australischen Straßen begegnet man fast ausschließlich japanischen Automarken. Australien hat keine ausgeprägte Automobilindustrie und deutsche Autos sucht man vergeblich. Das Daintree Discovery Centre, Hartleys Crocodile Adventures und das Wildlife Habitat in Port Douglas waren die nächsten Punkte auf unserer ToDo-Liste. Die Fahrt nach Norden zum Discovery Centre gestaltete sich sehr spannend, da wir erst entlang der Pazifikküste, dann mit der Fähre über den Croc-„verseuchten“ Daintree River und schließlich durch tropischen Regenwald fuhren. In allen Farben blühende, riesige Bougainvillea-Büsche am Straßenrand ließen einen vergessen, dass gerade Winter in Australien ist. In diesem Regenwald haben wir den so genannten Cassowary entdeckt, einen eindrucksvollen Laufvogel, der etwas kleiner als der bekannte Strauß ist. In meinem Leben habe ich noch kein vergleichbares Tier gesehen. Der flugunfähige Cassowary hat einen plumpen Körper, der mit kuschligen, schwarzen Federn bedeckt ist. Der Körper geht in einen nackten, faltigen, leuchtend blauen Hals über. Am Kehlsack hängen zwei knallrote Hautlappen und die bernsteinfarbenen Augen mustern einen derart kalt und gnadenlos, dass es einen mit Gänsehaut überzieht, wenn man sich auf ein Blickduell einlässt. Ihr hervorstechendstes Merkmal ist allerdings ein helmartiger, mit Horngewebe überzogener Auswuchs auf dem Kopf, der sie wie eine Vogel-Dinosaurier-Kreuzung wirken lässt. Angeblich laufen einem die vom Aussterben bedrohten Cassowaries in dieser Gegend gerne mal vor´s Auto, so wie bei uns Katzen, Wildschweine und Rehe. Wir waren also ständig auf der Hut, aber leider wollte keiner von uns auf die Motorhaube genommen werden. Als wir es schon fast aufgegeben hatten, konnten wir im Wald neben der Straße diesen bemerkenswerten Vogel, der sich trotz seiner auffälligen Färbung harmonisch in seine Umgebung einfügt, fotografieren. Entdeckt hatte ihn natürlich ein einheimischer Reiseleiter einer anderen Gruppe, die fleißig aus dem Bus heraus Fotos schossen. Ich beschloss mir einen kleinen Adrenalinschub zu gönnen und bin trotz Warnung des Fachmanns mit der Kamera aus unserem Auto gestiegen, um den Vogel besser vor der Linse zu bekommen. Das hatte aber leider nicht so richtig geklappt, so dass wir erst am nächsten Tag im Wildlife Habitat in Port Douglas einen unverstellten Blick auf diesen unheimlichen Vogel werfen konnten.


    Mit unserer Facebook-Bekannten Louise haben wir den nächsten Tag in Port Douglas verbracht. Port Douglas hat sich in den letzten Jahren zu einem Touristenörtchen entwickelt, das seine Einwohnerzahl in der Urlaubssaison von Mai bis September mal eben von 3000 auf 10 000 erhöht. Louise Tochter war mit einem Austauschprogramm mehrere Monate in Deutschland bei einer Familie zu Gast gewesen, mit der auch wir bekannt sind und so kam der Kontakt zustande. Bei einem vergnüglichen Nachmittag haben wir interessante Dinge über das australische Alltagsleben gehört, z.B. dass man durchaus mal morgens aus dem Haus geht und dabei eine meterlange, dicke, schwarze Schlange über der Haustüre hängen hat. Oder dass der Weiher auf dem dortigen Golfplatz von einem bekannten Freshie bewohnt wird, der schon zwei Hunde auf seinem Speiseplan stehen hatte.
    Freshies und Salties sind die beiden Krokodilarten, die einem in dieser Gegend jederzeit begegnen können. Auch wenn in Queensland nur durchschnittlich ein Krokodil pro Kilometer Uferlänge lebt und nicht 13 wie im Northern Territory. Und wenn ich es mir aussuchen dürfte, würde ich, wenn es sein müsste, lieber einem Freshie über den Weg laufen. Die Namensgebung drückt die Gewohnheit der Australier aus, Wörter auf die Hälfte abzukürzen und entweder ein „o“ oder ein „i“ daran zu hängen. Das ergänzt ihre Art des Schnellsprechens, macht sie aber für Nichtaustralier ziemlich schwer verständlich. Im Gespräch mit Touristen gehen sie nicht von dieser Gewohnheit ab, sind aber so liebenswürdig auch bei zehnmaliger Nachfrage den Satz in der gleichen Geschwindigkeit zu wiederholen. Irgendwann fällt dann schon der Groschen – beim Touri.
    Freshies sind Süßwasserkrokodile, deren Aggressionspotential viel geringer ist als das ihrer großen Brüder, der Salties. Im Harveys Crocodile Adventure wurde uns der Unterschied eindrucksvoll vor Augen geführt. Dort betreibt man unter anderem eine Krokodilzucht und hat einen riesigen, naturgetreuen Lebensraum für die Krokodile nachgebaut, in dem man als Tourist in einem Boot mit verglasten Außenwänden aus dem Wasser schnellende Krokodile knipsen kann, denen Hühnchenteile vor der Schnauze baumeln. Die Fütterung der Salties hatte eine unheimliche Note. In die Fütterzone gelockt wurden sie dadurch, dass der Pfleger mit einem Stock auf das Wasser eindrosch. Daraufhin bemerkte der aufmerksame Beobachter huschende Bewegungen an den Ufern der weiteren Umgebung und dann nichts mehr. Immer mal wieder schnellte dann ein versteckt heran geschwommenes Saltie urplötzlich aus dem Wasser, um sich den Köder an der Stange zu holen, das außer dem erfahrenen Krokodilpfleger, der auf seiner zum Schutz umzäunten kleinen Plattform stand, keiner der Zuschauer vorher bemerkt hatte. Bei den Freshies durfte der Pfleger-Rookie die Fütterung vorführen. Dazu ging er barfuß ins Gehege und spielte mit Hühnchen Tauziehen mit den Krokodilen. Fragen?

  • Neben attackierenden Krokodilen waren auch angriffslustige Haie meine Befürchtung bei einer Reise nach Australien. Ersteres haben wir im Croc-Adventureland Hartleys, geschützt hinter Glaswänden oder Metallzäunen, erlebt. Haie haben wir glücklicherweise gar keine gesichtet. Nachdem seit 2008 in Australien keine Haiattacken mehr verzeichnet wurden, sind im Jahr 2013 an der Ostküste gleich zwei Angriffe, einer davon mit tödlichem Ausgang, vorgefallen. Damit errechnet sich statistisch ein Haitoter pro Jahr von 1962 bis heute. Ich tröstete mich also mit der verschwindend geringen Wahrscheinlichkeit, dass wir das Unglück haben würden, Teil einer Statistik zu werden. Dagegen sterben in Australien jährlich rund 300 Leute, weil sie die örtlichen Gegebenheiten und ihre Fähigkeiten falsch eingeschätzt haben, also schlicht durch Ertrinken. Ein weiterer Spaßverderber beim Gedanken an pazifisches Badevergnügen waren die Seewespen (giftigstes Meerestier weltweit). Der Schwerpunkt der Belästigung durch diese Biester ist allerdings an der Nord- und Nordostküste Australiens in der Zeit von Dezember bis März, wenn das Meer kuschlige 25 Grad warm ist. Netze bieten an manchen Badestränden Schutz, genauso wie das Baden in Ganzkörperkondomen, den sogenannten Stingersuits. Wir haben es riskiert und sind die wenigen Male, an denen wir an Stränden waren, ohne Vorsichtsmaßnahmen ins Wasser gegangen. Wir haben uns darauf verlassen, dass es den Wärme liebenden Quallen um diese Jahreszeit zu kalt ist, um uns gefährlich zu werden. Dafür haben wir gerne auf 4 Wärmegrade beim Baden verzichtet.


    An einem besonders „schönen“ Tag hatten wir von Cairns aus eine Bootstour gebucht, um am Great Barrier Reef zu Schnorcheln und uns die vielgerühmte Unterwasserwelt anzusehen. Das war ein Tag mit Pleiten, Pech und Pannen, aber auch mit herrlichen Erlebnissen. Wie schön wäre es wohl gewesen, wenn wir ruhiges Meer und Sonnenschein gehabt hätten? Leider stellte sich der gebuchte Tag morgens missgelaunt und regnerisch vor, so dass wir schon durchnässt waren, bevor wir auf das Boot der Reef Magic Cruises gestiegen waren. Auf dem Weg zum Riff brauchten wir dann aufgrund des starken Seegangs wegen Wind und hoher Wellen das Doppelte der veranschlagten Zeit. Diese wurde von vielen der Ausflügler dazu genutzt ausgiebig die Fische zu füttern. So viele grüne Gesichter habe ich noch nie auf einem Haufen gesehen. Fische füttern steht hier übrigens als unauffällige Umschreibung für den unappetitlichen Vorgang in eine Tüte zu ko… . Nach rund eineinhalb Stunden Fahrzeit kamen wir dann auf einer ebenfalls schaukelnden, schwimmenden Plattform namens „Marine World“ an, von der aus wir unsere Schnorcheltouren unternahmen. Ausgestattet mit Neoprenanzug, Schwimmbrille, Schnorchel und Flossen haben wir uns nach und nach ins aufgepeitschte Meer getraut, um unter Wasser nach bunten Fischen und Korallen Ausschau zu halten. Das Schnorcheln hat ungeheuren Spaß gemacht und wäre bestimmt absolut phantastisch gewesen, wenn uns der Wettergott nicht hätte triezen wollen. Neben dem Riffschnorcheln gab es auf der „Marine World“ noch einen weiteren Unterhaltungsfaktor, die Japaner. Es ist mir bis heute ein Rätsel, warum japanische Familien das Great Barrier Reef mitten auf dem Meer besuchen, wenn die wenigsten von ihnen schwimmen können. Ich habe heute noch die panischen Gesichter der Kinder vor Augen, die von ihren Eltern ins Wasser bugsiert wurden. Den meisten erwachsenen Nichtschwimmern war dieses Defizit egal, sie stürzten sich ohne Rücksicht auf Verluste in Schwimmwesten, auf der Nudel oder am Rettungsring festgeklammert ins aufgewühlte Wasser.
    In dieser Gegend hängt übrigens ein weit über Australien hinaus bekannter Fisch ab: eine große Humphead Wrasse namens Wally. Der sogenannte Napoleon-Lippfisch ist einer der größten Korallenfische, ein Einzelgänger, tagaktiv und ortsgebunden. Die Männchen dieser Art werden gut und gerne zwei Meter lang, knapp 200 Kilogramm schwer und leben rund 50 Jahre. Wally hat dicke, fleischige Lippen wie Angelina Jolie und einen Auswuchs über seinen Augen, der mit seinem Alter immer ausgeprägter wird. Seine Farbe war ein schönes, leuchtendes Blau und es hatte fast den Anschein, als würde ihm das Posieren vor der Unterwasserkamera mit uns Schnorchler gefallen, weil er immer wieder vor die Kamera schwamm.


    Unser nächster Bootsausflug ein paar Tage später von Airlie Beach aus war glücklicherweise mit besserem Wetter gesegnet und das hatte der Traumstrand, zu dem wir schipperten, auch verdient. Einen halben Tag lang fuhren wir zwischen den Inseln der Whitsundey Islands herum und genossen die Wärme und die Sonne. Zu der Inselgruppe vor der Ostküste von Queensland gehören über 70 mehr oder weniger große Inseln, von denen nur einige besiedelt sind. Hamilton Island ist ein beliebtes Ferienziel der Einheimischen und dort gibt es einen Flughafen, der von den größeren Städten wie Sydney, Brisbane, Melbourne und Cairns aus angeflogen wird. Da „Hammo“ einem Hotelkonzern gehört, zieren drei unglaublich hässliche Hoteltürme, die man schon von weitem erkennen kann, den Hafen. Die schönste Aussicht vom Festland über die Inselwelt hat man vom Mount Rooper, der sich im Conway National Park nördlich von Shute Harbor befindet. Der Wanderweg auf den Berg (6,4 km hin und zurück) führt durch Waldland, vorbei an seltsamen Grasbäumen. Von dem Aussichtspunkt, der immerhin 20 Kilometer Luftlinie von Hammo entfernt ist, konnte man die hellen, hohen Hotelriesen deutlich erkennen. Da nützt es wenig, dass der restliche Teil der hügeligen Insel Nationalpark ist und Haustiere dort verboten sind. Verschandelt bleibt verschandelt.
    Auf der größten Insel der Gruppe, dem Whitsunday Island, gibt es einen Traumstrand mit dem passenden Namen Whitehaven Beach. Der Sand dort hat einen Quarzgehalt von 99 % und gilt als einer der weißesten Strände der Welt. Geht man darüber, macht der Sand knirschende Geräusche ähnlich denen, wenn man auf gefrorenem Schnee läuft und wenn man ihn durch die Finger rieseln lässt, kommt er einem weicher vor als Watte. Die Zeit dort war eine der wenigen Stunden, die wir während unserer dreiwöchigen Reise am Strand verbrachten. Ansonsten haben wir noch den Manly Beach in Syndey mit seinem goldenen Sand, die Bucht in Trinity Beach und den Strand am Cape Tribulation gesehen. Letzterer war erst nach einer langen Fahrt durch ungezähmten Regenwald zu erreichen. Tropischer Urwald stößt dort direkt an den unbebauten langen, weißen Sandstrand. Diese Region Australiens war bis Anfang 80er Jahre nur auf dem Wasserweg zugänglich und wurde 1988 von der UNESCO zum "World Heritage Park" (Erbe der Menschheit) erklärt. Der Strand ist so idyllisch schön, dass er eine perfekte Kulisse für so Filme wie „The Beach“ mit Leonardo di Caprio abgeben würde. Anders als auf Hammo gibt es auf Whitsunday außer einem Campingplatz kein Hotel und keine sonstige Erschließung und so bleibt zu hoffen, dass der rund sieben Kilometer lange Whitehaven Beach der Welt noch lange so funkelnd weiß erhalten bleibt.


    Bootsausflug Nummer drei starteten wir von Hervey Bay. Wir wollten auf der kleinen öko-freundlichen „Whalesong“ von Bootsführer Jason Bridgen Wale beobachten. Das Wetter war zwar wieder einmal nicht berauschend, aber viel wichtiger war, dass wir tatsächlich einige Wale gesehen haben, wobei drei dieser gigantischen Tiere sogar auf Tuchfühlung mit der „Whalesong“ gingen. Eine halbe Stunde schwammen die „Halbstarken“ um und unter dem Boot herum und spielten mit uns. Jason stellte dazu den Bootsmotor aus und seinen 28 Passagieren die Frage: „What do you think, who is watching whom?”. Tatsächlich hatte es den Anschein, dass es die Wale amüsierte, wie wir aufgescheuchten Hühnern gleich auf dem Boot rund herum liefen, um immer zur Stelle zu sein, wo sie gerade aus dem Wasser auftauchten und das nächste Foto zu knipsen. Dort habe ich übrigens mein erstes Selfie geschossen, mit Wal. Diese halbe Stunde war mein persönliches Highlight in diesem Urlaub.

  • Liebe Suzann.


    Danke, dankedanke für diesen wundervollen Bericht! :knuddel1


    Bis auf den Uluru ( wir haben es nur bis nach Undara ins Outback geschafft) habe ich wohl so ungefähr die gleiche Tour gemacht, aber viel unorganisierter, sehr ins Blaue hinein. Die Menschen habe ich genauso empfunden, wie Du. Dieses lockere Easy Going hat von Anfang an eine Faszination auf mich ausgeübt und mich bis Heute nicht wieder losgelassen. Das Land ist unbeschreiblich, und obwohl meine Zeit dort schon neun Jahre zurückliegt, hüte ich sie wie einen Schatz. Ich werde den Segeltrip durch die Whitsundays, die Übernachtung in einem Zweimannzelt in völliger Einsamkeit ( die übrige Besatzung musste auf dem Schiff bleiben, weil wir Honeymooner waren :grin) auf dem Whiteheaven Beach, der einen blind macht, wenn man zu lange hinsieht, wohl niemals vergessen. Auch nicht den hellsten, riesigsten Vollmond, den ich je gesehen habe im Outback, in dessen Licht mir auf einmal mitten in der Nacht ein Känguruh gegenüber stand und mich angeguckt hat. Und in Airlie Beach hätte ich ewig bleiben können. Oder die Nacht in einer Hütte im Regenwald, eine schreiende Cassuarymutter mit ihren Jungen zog an uns vorbei. Die Flughunde in den uralten Benjaminis im botanischen Garten in Sydney hinter der Oper. Die Ibise und Kakadus überall und die Glasshouse Mountains. Und natürlich die Begegnung mit einem Buckelwal, direkt neben unserem kleinen Boot, die abenteuerlichen Trips zum Riff von Townsville aus. Am anderen Ende, das Pendant zu Cairns. Mit einer Mininusschale erstmal vier Stunden über das stürmische Meer. Und diese freundlichen Menschen überall.


    Australien ist wirklich einzigartig, ich muss da unbedingt nochmal hin. ich hab mich sofort verknallt.


    Edit: ich habe grade nochmal nachgeguckt- Whalewatching haben wir tatsächlin in Harvey Bay gemacht und zwar auf der -tata- Whalesong. Ich habe noch einen Schnappschuss von Herrn rienchen und mir, das wurde vor dem Trip gemacht. Schön, oder? :-) :-)


    Als wir damals übrigens von dem Trip bei Sonnenuntergang zurückkamen, fand garde irgendein Hafenfest statt zu Ehren von irgendwem.. Fischern? Das habe ich nicht mehr parat. Auf jeden Fall war alles geschmückt mit bunten Lichterketten, eine Kapelle spielteund ein Priester segnete die einfahrenden Schiffe. Das war fantastisch.


    Und bezüglich den Mietautos- hast Du einen "WICKED"- Bus gesehen? Die fuhren damals überall dort durch die Gegend und auch "mein" Kissbus gehörte dazu. :wave

    Ailton nicht dick, Ailton schießt Tor. Wenn Ailton Tor, dann dick egal.



    Grüße, Das Rienchen ;-)

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