'Geister' - Prolog - Teil 1

  • Dann mache ich mal den Anfang. :-)


    Bisher bin ich zwiegespalten. Dieser Teil hat mich gleich am Anfang sehr gerührt (das Kind, das sich selbst die Schuld am Weggang der Mutter gibt), streckenweise amüsiert (die Beschreibungen des Gouverneurs), aber auch ermüdet. Die lange Passage über den spielsüchtigen Mann, der endlose Dialog mit der plagiierenden Studentin und das Telefonat mit dem Anwalt der Mutter hätten aus meiner Sicht wirklich kürzer gestaltet werden können; da hätte ich nach der Hälfte der Seiten dem Autor gern gesagt: Ich habe verstanden, worauf du hinauswillst – kann jetzt bitte mal die Handlung weitergehen? Weniger wäre da mehr gewesen, finde ich. Ich hoffe, es geht nicht so langatmig weiter, denn an sich finde ich die Figuren und das Geschehen durchaus interessant. Und dieser geplante Verrat an der Frau, die ihrerseits ihren Sohn verraten hat, das ist schon perfide und spannend. Bin sehr neugierig, wie sich das Verhältnis der beiden entwickeln wird.

  • Dieser Teil hat mich gleich am Anfang sehr gerührt (das Kind, das sich selbst die Schuld am Weggang der Mutter gibt), streckenweise amüsiert (die Beschreibungen des Gouverneurs),...

    Ich mochte beim Lesen die Art, wie der Weggang der Mutter, nach und nach, beschreiben wird, dieses Verschwinden einzelner Gegenstände, Geschirre etc., bis sie schließlich selber aus dem Leben ihrer Familie verschwindet.

    ...aber auch ermüdet. Die lange Passage über den spielsüchtigen Mann, der endlose Dialog mit der plagiierenden Studentin und das Telefonat mit dem Anwalt der Mutter hätten aus meiner Sicht wirklich kürzer gestaltet werden können; da hätte ich nach der Hälfte der Seiten dem Autor gern gesagt: Ich habe verstanden, worauf du hinauswillst – kann jetzt bitte mal die Handlung weitergehen? Weniger wäre da mehr gewesen, finde ich.

    Gerade die Unterhaltung mit der Studentin fand ich recht interessant. Samuel bleibt nüchtern, fast abwesend. Ich finde, dass diese Szene viel über ihn sagt. Na, und über die Studentin erst recht, die die kompletten Phasen der Schulbetrügerin durchmacht, erst das Lügen, das nicht verstehen, das Verleugnen und rausreden, ablenken, Mitleid suchen und schließlich das Weinen.

    Aber du hast Recht: der Autor lässt sich ganz schön Zeit. hatte ja auch einen dicken Stapel Papier zu beschreiben...

    Und dieser geplante Verrat an der Frau, die ihrerseits ihren Sohn verraten hat,...

    Du meinst Samuel und seine Mutter, oder?

    Das Kapitel/Buch bricht ab, als er die Mutter, die fremde Frau besucht und den vertrauten Geruch wahrnimmt, sich plötzlich fühlt, als wäre er wieder Kind. Mal schauen, wann wir an der Stelle weiterlesen, denn im nächsten Abschnitt geht es erstmal in die Vergangenheit.


    Mag ich das Buch?

    Bis jetzt schon!

  • Samuel empfand ich in diesem Abschnitt, wo wir ihn als Dozenten und auch als im Dunklen agierenden PC-Elfenkrieger erleben, als gescheitert. Ich weiß gar nicht, woran ich das festmache, aber er ist irgendwie leer, hat seine Wünsche, Träume verloren. Kann man das alles auf den Verlust der Mutter schieben, das Trauma des Verlassenwerdens in der Kindheit? Ich weiß nicht. Wir sind Produkt unserer Anlagen und unserer Geschichte, dessen, was uns gefehlt hat und was wir hatten.

    Samuel ist sich vielleicht selber nicht mehr so sicher, was das alles überhaupt noch soll und wo er steht. Und er fragt sich: "Was würde Bethany dazu sagen?"...Wer ist Bethany?

  • Hach, ich mochte "den spielsüchtigen Mann".

    Und mich hat auch das Ausschweifende nicht gestört. Das liegt vor allem an den Figuren, die ich alle wegen ihrer seltsamen Art bzw. auf ihre Weise gern hatte oder verabscheut habe. Der gesellschaftspolitische und historische Hintergrund fand ich ebenfalls interessant.

    Das Buch hat mich von der Erzählweise ein bisschen an "Die Herren der Insel" von Pat Conroy (das könnte ich eigentlich nochmal lesen) und an Jonathan Franzens "Freiheit" erinnert.


    Ich habe allerdings auch das ungekürzte Hörbuch gehört, da stören mich Längen meistens nicht, wenn die Geschichte ansonsten gut ist.

  • Ich habe ja auch das Hörbuch gehört und fand es auch gar nicht langweilig. Ich mag ja generell immer gern, wenn es etwas langsamer zugeht und man viel über die Charaktere erfährt.

    "Monsters are real, and ghosts are real, too. They live inside us, and sometimes, they win."

    (Stephen King)

  • Ich habe allerdings auch das ungekürzte Hörbuch gehört, da stören mich Längen meistens nicht, wenn die Geschichte ansonsten gut ist.

    ...und fand es auch gar nicht langweilig.

    Oh, ich finde das Buch nicht langweilig!

    Im Moment fließe ich mit dem Strom der Geschichte mit. Leider habe ich wenig Zeit zum Lesen gerade eben.


    Ich hätte mir doch das eBook kaufen sollen, dann könnte ich im Zug nach Hannover lesen. Aber das Buch lag so gut in der Hand und hat mich einfach gereizt.

    Das liegt vor allem an den Figuren, die ich alle wegen ihrer seltsamen Art bzw. auf ihre Weise gern hatte oder verabscheut habe.

    Ich bin im Abschnitt 2, und ich habe schon Figuren beider Art entdeckt.

  • Ich mochte beim Lesen die Art, wie der Weggang der Mutter, nach und nach, beschreiben wird, dieses Verschwinden einzelner Gegenstände, Geschirre etc., bis sie schließlich selber aus dem Leben ihrer Familie verschwindet.


    Dieser Abschnitt hat mir auch gefallen.


    Ansonsten finde ich es echt interessant, wie die Lesegeschmäcker auseinandergehen. :lache Ich bin ja schon ein ganzes Stück im nächsten Abschnitt und muss gestehen, dass dieses weitschweifige Erzählen mich schier in den Wahnsinn treibt. :rolleyes Und das finde ich umso nerviger, als ich die Geschehnisse an sich ja interessant finde. Ich würde mir nur wünschen, der Autor würde sie etwas straffer darstellen...

  • Ansonsten finde ich es echt interessant, wie die Lesegeschmäcker auseinandergehen. Ich bin ja schon ein ganzes Stück im nächsten Abschnitt und muss gestehen, dass dieses weitschweifige Erzählen mich schier in den Wahnsinn treibt. Und das finde ich umso nerviger, als ich die Geschehnisse an sich ja interessant finde. Ich würde mir nur wünschen, der Autor würde sie etwas straffer darstellen...

    Ich bin auch schon weiter:lache

    Ich muss aber sagen, dass ich mir eher zunehmend weniger Straffung wünsche. Ich genieße gerade!

  • Bisher bin ich zwiegespalten. Dieser Teil hat mich gleich am Anfang sehr gerührt (das Kind, das sich selbst die Schuld am Weggang der Mutter gibt), streckenweise amüsiert (die Beschreibungen des Gouverneurs), aber auch ermüdet.

    Ich lese das Buch auch gerade und schreib ein bisschen mit, weiß aber, dass ich keine ganze Leserunde durchhalte, weil ich so wenig Zeit habe.


    Mir geht es ähnlich wie dir, Nadezhda. Das zeugt schon, dass ich in ein paar Tagen nur 100 Seiten gelesen habe und dass bei einer einfach geschriebenen Sprache.

    Das Thema finde ich interessant, also Mutter verlässt Mann und Kind. Die Beweggründe werden wir noch erfahren. Aber gerade die Szene an der Uni fand ich ermüdend. Ich hoffe, die Dame spielt noch eine Rolle in der geschichte, sonst habe ich das alles umsonst gelesen. :yikes


    Die Passagen mir der Spielsucht finde ich sehr interessant, weil es so gar nicht meine Welt ist.


    Mal sehen, ob das Buch mich noch packen kann.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Ich habe heute angefangen zu lesen und bin noch nicht ganz fertig mit dem Abschnitt. Deswegen habe ich Eure Kommentare dazu auch noch nicht gelesen.

    Also bis jetzt mag ich das Buch sehr.:-]


    Der Prolog hat mich schon mal sehr berührt. Wie die Mutter über ein Jahr lang immer wieder einen Gegenstand aus dem Haus verschwinden lässt finde ich sehr beindruckend. Ich frage mich, wie sie es ausgehalten hat, so lange ihr Verschwinden zu planen. Und wieso sie sie überhaupt ihre Familie verlassen hat. Über die Hintergründe erfährt man ja bis jetzt noch gar nichts. Für den kleinen Jungen muss das ja schrecklich gewesen sein. Und mich habe die Gedanken, von ihm, ob er ein bessere Sohn hätte sein sollen, traurig gemacht.


    Ansonsten gefällt mir die langsame Erzählart des Autors. Wie er sich Zeit lässt die Personen einzuführen. Die Beschreibung von dem nächtlichen Computerspiel fand ich sehr lustig und gelungen. Und auch das lange Kapitel mit der Studentin fand ich amüsant.

    Mir kommt Samuel dabei etwas verloren vor und ich empfinde ihn als recht einsam und verloren.


    Weiter bin ich noch nicht gekommen, aber bis jetzt lese ich das Buch wirklich sehr gerne. Irgendwie erinnert mich die Art des Autors ein wenig ein Jonathan Franzen...


    Regenfisch : Wie schön, dass Du auch ein wenig hier mitliest.:)

  • Ich habe noch nicht ganz verstanden, ob ihr das Franzen Buch mochtet oder nicht. Es steht noch immer auf meiner Liste :gruebel

    "Freiheit" mochte ich und die Leserunde dazu auch. :-]

    "Die Korrekturen" und die Runde dazu hat mir auch gefallen. :)

    Das 3. Buch von Franzen (ich habe den Titel vergessen) habe ich abgebrochen.

  • Irgendwie erinnert mich die Art des Autors ein wenig ein Jonathan Franzen...

    Das finde ich gar nicht. Franzen verliert nie den Erzählfaden aus den Augen. Meiner Meinung nach Hill schon. Aber ich bin ja erst am Anfang.

    @ Saiya: "Unschuld" ?

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Das finde ich gar nicht. Franzen verliert nie den Erzählfaden aus den Augen. Meiner Meinung nach Hill schon. Aber ich bin ja erst am Anfang.

    @ Saiya: "Unschuld" ?

    Genau, danke! Da hat er mehr als den Erzählfaden verloren, finde ich. :lache


    Ich habe ja oben schon geschrieben, dass das Buch mich an Franzen und Conroy erinnert.

  • Bethany ist die von Samuel so bewunderte Geigerin.


    Ich bin mir nicht recht klar, aus wessen Perspektive er den Prolog, das gut vorbereitete Verschwinden der Mutter erzählt. Das 8 jährige Kind wird sicher nicht bemerkt haben, ob und dass etwas fehlt. Für ihn muss das Verschwinden ganz plötzlich gekommen sein.

    Ob der Vater ihm das später berichtet hat, das mit den verschwundenen Sachen?

    Jedenfalls wissen wir, dass die Mutter ihr Weggehen gut vorbereitet hat, wenn denn alles so stimmt.


    Die Szene mit der Studenten fand ich sehr aufschlussreich. Samuel mag sich mit Literatur auskennen. Menschlich und als Lehrender ist er eine Katastrophe. Wie kann er sich auf so eine Diskussion einlassen? Er lässt sich von der raffinierten Studentin in jede Falle locken - immerhin rafft er sich am Ende auf.

    Ich bin gespannt, ob diese Szene noch Folgen hat.

    Auch als der wegen der Mutter angerufen wird, kann ich seine Reaktion nicht verstehen. Wieso hört er dem Anwalt überhaupt so lange zu? Für mich wäre es viel logischer gewesen, er hätte aufgelegt, mit der Bemerkung, dass seine Mutter für ihn seit 20 Jahren (oder so) gestorben ist.


    Tja und der Spielsüchtige? Etwas überspitzt, aber doch treffend.

    Mir gefällt das Buch und auch der ausladende Stil.

  • Auch als der wegen der Mutter angerufen wird, kann ich seine Reaktion nicht verstehen. Wieso hört er dem Anwalt überhaupt so lange zu? Für mich wäre es viel logischer gewesen, er hätte aufgelegt, mit der Bemerkung, dass seine Mutter für ihn seit 20 Jahren (oder so) gestorben ist.

    Ich hätte am Telefon gar nichts gesagt. Wer weiß, ob das überhaupt ein Anwalt war. Das kann ja jeder behaupten.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Das Thema finde ich interessant, also Mutter verlässt Mann und Kind. Die Beweggründe werden wir noch erfahren. Aber gerade die Szene an der Uni fand ich ermüdend. Ich hoffe, die Dame spielt noch eine Rolle in der geschichte, sonst habe ich das alles umsonst gelesen.

    Aber aber, umsonst...:lache

    Ich bin gespannt, ob ihr, das Buch und du, noch zueinander findet. Ich bin im 5. Abschnitt und mag es sehr!


    Das Thema finde ich auch interessant. lies mal weiter, das wird gut in die Zeit, die ich auch interessant finde, eingeordnet.

  • Das Buch hat mich von der Erzählweise ein bisschen an "Die Herren der Insel" von Pat Conroy (das könnte ich eigentlich nochmal lesen) und an Jonathan Franzens "Freiheit" erinnert.

    Das hatte ich ganz überlesen, dass Dich das Buch auch an Franzen erinnert hat. Dann bin ich ja nicht alleine mit dem Gedanken.:)

    "Die Herren der Insel" kenne ich noch nicht. Das habe ich mir jetzt aber mal notiert. Klingt gut.

    "Freiheit" mochte ich und die Leserunde dazu auch.

    "Die Korrekturen" und die Runde dazu hat mir auch gefallen.

    Das 3. Buch von Franzen (ich habe den Titel vergessen) habe ich abgebrochen.

    Ich mochte das 3. Buch von Franzen auch.( "Unschuld" )

    Aber ich glaube ich war die einzige in der Leserunde, der es gefallen hat.8o


    Die Szene mit der Studenten fand ich sehr aufschlussreich. Samuel mag sich mit Literatur auskennen. Menschlich und als Lehrender ist er eine Katastrophe. Wie kann er sich auf so eine Diskussion einlassen?

    Das gleiche habe ich mir auch gedacht. Diese Szene sagt viel über Samuel als Menschen aus.

    Er hätte diese Diskussion schon viel eher abbrechen müssen und seine Meinung dazu einfach durchsetzen. Er ist doch schließlich der Professor. Da hat er es doch nicht nötig, sich von einer jungen Studentin in die Falle locken zu lassen.