'Duft der Stille' - Kapitel 1 - 2

  • Ich habe gestern schon mit dem Buch angefangen und es hat mir gleich so gut gefallen, dass ich schon über den ersten Abschnitt hinaus gelesen habe.


    Das Buch liest sich wirklich total schön. Mir gefällt vor allem, dass die Geschichte aus der Sicht von beiden Jugendlichen erzählt wird. Und ich finde sowohl Laura als auch Jakob sehr sympathisch und auch authentisch.

    Laura hat es ja nicht leicht mit ihrer Mutter. Anscheinend hat die Mutter so wahnsinnige Angst um sie, weil sie kurz vor der Entbindung einen tödlichen Autounfall gesehen hat. Ich verstehe schon, dass soetwas ein traumatisches Erlebnis ist. Trotzdem müsste sie doch nach der langen Zeit, die nun verstrichen ist, diese Ängste langsam abgebaut haben. Wahrscheinlich bräuchte sie eine psychologische Betreuung, bzw. hätte diese Betreuung schon gleich nach der Geburt gebraucht. Ich verstehe Lauras Gefühle, sie kommt sich schon sehr eingesperrt vor, hat aber auch ein schlechtes Gewissen, sich einfach über die Verbote der Mutter hinwegzusetzten. Eine schwierige Situation.


    Und Jakob, ihr Schutzengel lebt anscheinend bei seinen Großeltern? Ich frage mich, wo denn seine richtigen Eltern sind? Sind sie gestorben? Was hat er wohl erlebt? Bis jetzt sind sie noch nicht erwähnt worden. Ich mag ihn und seine Gedanken sehr.Seine Taubheit hat ja wohl keine organische Ursache. Und anscheinend wäre er auch in der Lage, Laute zu artikulieren ( zumindest hat er ja bei diesem Anfall als Kind geschrien?? ) Aber er möchte wohl einfach nicht sprechen, so wie ich ihn verstanden habe.

    Es ist schön, wie Laura und Jakob sich durch kleine Gesten gegenseitig Ruhe und Kraft schenken. Obwohl sie anscheinend sonst keinen großen Kontakt zueinander haben, außer diese kurzen Blicke und das Winken.


    Also ich bin auf jeden Fall gespannt wie es weitergeht.:)

  • Laura hat es wirklich nicht leicht mit ihrer Mutter, da hast Du Recht.


    Laura fühlt sich durch die überfürsorglichkeit ihrer Mutter eingschränkt, aber sie ist zu gutmütig, um offen zu rebellieren. Das macht sie mir sympathisch.

    Die Mutter schafft es mit ihrer Heulerei aber auch zu manipulieren und Laura den Wind aus den Segeln zu nehmen. Auf Dauer kann das nicht gutgehen.

    Schade, dass es oft nicht ausgewogen ist, manche Eltern kümmern sich zu viel, andere zu wenig.


    Ich frage mich auch, wie ein einzelnes Ereignis, der damalige Autounfall mit Todesfolge, was sie mit ansehen musste, gleich auf so lange Dauer zu einer Traumatisierung führen konnte. Ob da noch etwas hintersteckt?

  • Laura hat es schwer mit ihren Eltern.

    Mir gefällt Jacob besonders, wenn ich seine Gedanken höre.

    Seine Großeltern geben sich viel Mühe mit ihm. Ob es mit seiner Taubheit einen besonderen Grund gibt? Und wo sind seine Eltern?

    Toll wie einfühlsam Laura hm gegenüber ist, obwohl sie die Jünger ist.

  • Was ich vorhin noch vergessen habe: ich finde es total interessant, wie intensiv Jakob die Gerüche wahrnimmt. Und das sogar auf große Distanz. Er kann einzelne Personen am Geruch erkenne und dann auch noch ihre Stimmungslage. Das ist ja eine sehr spezielle Begabung von ihm . Der Geruchssinn ersetzt ihm sozusagen die Ohren. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass es für ihn anstrengend sein kann, ständig von so vielen Geruchsinformationen umgeben zu sein. Oder wenn er Gerüche wahrnimmt, die für ihn unangenehm sind. Dem kann er ja gar nicht auskommen.


    Herr Palomar : schön, dass Du auch mitliest.:)

  • ja, das ist außergewöhnlich geschildert.

    Das ein Sinn so übersteigert ist, um den fehlenden auszugleichen, hat sicher Vor- und Nachteile, aber jakob scheint gut damit umgehen zu können.


    Erwähnenswert auch das ansprechende Cover, motivisch und farblich stimmungsvoll gestaltet. Es verbreitet eine zur Handlung passende Atmosphäre.

  • Ich frage mich auch, wie ein einzelnes Ereignis, der damalige Autounfall mit Todesfolge, was sie mit ansehen musste, gleich auf so lange Dauer zu einer Traumatisierung führen konnte. Ob da noch etwas hintersteckt?

    Darüber habe ich auch nachgedacht. Ich glaube, als hochschwangere Frau war die Mutter vermutlich noch sensibler als sonst eh schon. Und wenn sie kurz vor der Entbindung steht und dann zeitgleich miterleben muss, wie ein Leben ausgelöscht wird bzw. dass es genauso gut sie selbst hätte treffen können... ich kann mir schon vorstellen, dass sie das extrem geprägt hat. Vielleicht war sie ja schon von Haus aus ein eher ängstlicher Mensch, sodass sie diese Veranlagung durch dieses traumatische Erlebnis noch verstärkt hat? Noch dazu ist Laura ja das einzige Kind, sodass die gesamte Fürsorge ihrer Mutter ganz allein auf ihr lastet. Für Laura keine schöne Situation - sie wird sich irgendwann abnabeln (müssen) und man kann nur hoffen, dass die Beziehung zu ihrer Mutter dabei nicht komplett kaputt geht.


    Jacob scheint wächst bei seinen Großeltern auf - was mit seinen Eltern passiert ist, erfahren wir nicht.

    Ob es mit seiner Taubheit einen besonderen Grund gibt?

    Das kann ich mir schon vorstellen, dass diese Taubheit die Folge eines traumatischen Erlebnisses ist, zumal ja anscheinend organisch alles in Ordnung ist und er auch eine Stimme hat, sonst hätte er ja nicht geschrieen. Ich habe auch schon von Blindheit infolge traumatischer Erlebnisse gelesen, wo Menschen einen bestimmten Anblick nicht mehr ertragen haben, sodass das Gehirn das Sehen einfach abgeschaltet hat - vielleicht war es bei Jacob ja ähnlich, nur dass es bei ihm das Hören betrifft? :gruebel


    Mir gefällt das Ritual mit dem Zuwinken von Jacob und Laura auch sehr gut, das hat sowas Friedliches, Vertrautes. Auch Lauras Vorstellung von Jacob als ihrem Schutzengel finde ich sehr herzerwärmend.


    Bis jetzt gefällt mir das Buch wirklich gut!


    LG, Bella

  • Ich war auch sofort gefangen von dieser Geschichte. Wie süss, das der taubstumme Jacob offenbar seit Jahren da am Zaun steht und auf Laura wartet. Sie scheinen ja noch nichts anderes getan zu haben, als zu winken. Zuerst stellte sich bei mir natürlich auch die Frage, warum taubstumm ist. Und warum er bei Oma und Opa lebt.


    Laura dagegen lebt bei ihrer Mama, die ihr persönliches Trauma nicht überwinden kann und Laura eigentlich einsperrt, damit ihr nichts passiert. Der Vater ist ja bereits weg, kann ich auch verstehen, sie hätte wirklich eine Therapie gebraucht um die Ereignisse die ihr so zu schaffen machen, zu überwinden


    Ein Buch mit einem besonderen Thema was bis jetzt wunderschön geschrieben ist, ich bin total fasziniert:bluemchen

  • Das kann ich mir schon vorstellen, dass diese Taubheit die Folge eines traumatischen Erlebnisses ist, zumal ja anscheinend organisch alles in Ordnung ist und er auch eine Stimme hat, sonst hätte er ja nicht geschrieen. Ich habe auch schon von Blindheit infolge traumatischer Erlebnisse gelesen, wo Menschen einen bestimmten Anblick nicht mehr ertragen haben, sodass das Gehirn das Sehen einfach abgeschaltet hat - vielleicht war es bei Jacob ja ähnlich, nur dass es bei ihm das Hören betrifft?

    So ähnlich stelle ich mir das auch vor. Vor allem nachdem ich den nächsten Abschnitt gelesen habe, ist mir der gleiche Gedanke gekommen. Er verdrängt wohl das Hören und Sprechen einfach aus seinem Leben.

  • Bei ihm sind es ja sogar zwei Sachen, da ist der Gehörverlust, der sich organisch nicht erklären lässt und der Mutismus, also das nicht sprechen wollen. Menschen mit Mutismus könnten sprechen, aber sie sind so blockiert das es einfach nicht geht. Wobei manche dann zu Hause in vertrauter Umgebung sprechen, das tut er aber auch nicht. Bin sehr gespannt ob wir im Laufe des Buches erfahren, ob es irgendwas gegeben hat, was das ausgelöst hat. Ist auf jeden Fall ein interessantes Thema, auch sehr gut für eine Leserunde

  • Mir gefällt Jakob mit seinen Gedanken.

    Bei ihm sind es ja sogar zwei Sachen, da ist der Gehörverlust, der sich organisch nicht erklären lässt und der Mutismus, also das nicht sprechen wollen. Menschen mit Mutismus könnten sprechen, aber sie sind so blockiert das es einfach nicht geht. Wobei manche dann zu Hause in vertrauter Umgebung sprechen, das tut er aber auch nicht. Bin sehr gespannt ob wir im Laufe des Buches erfahren, ob es irgendwas gegeben hat, was das ausgelöst hat. Ist auf jeden Fall ein interessantes Thema, auch sehr gut für eine Leserunde

    Da bin ich auch gespannt.

    Der Roman liess sich bis jetzt sehr gut.

  • In den beiden ersten Kapiteln lernen wir Laura und Jacob kennen und erfahren, wie sich sich kennengelernt haben und was zur Scheidung von Lauras Eltern geführt hat.


    Laura ist ein liebes Mädchen, welches überbehütet aufgewachsen ist und so langsam gegen die Mutter rebelliert. Als Kleinkind kommt sie mir übertrieben intelligent vor, die Überlegungen passen für mich nicht zu einer 3jährigen. Dafür ist sie als Teenager noch arg nett. Wenn ich da an meine denke ...

    Lauras Mutter ist eine Katastrophe. Das klang, als wäre sie mit Wehen selbst ins Krankenhaus gefahren. Bitte?!? Und dann hat sie eben einen Unfall mit Todesfolgen gesehen. Aber deshalb die eigene Tochter nicht auf Kindergeburtstage oder einfach zum Spielen zu Freunden zu lassen geht gar nicht. Dann soll sie sich eben als Helfer beim Kindergeburtstag anbieten oder den anderen Müttern sagen, dass sie beim ersten Besuch gerne dabei wäre. Und eine Therapie machen. Aber so finde ich die Mutter einfach nur furchtbar! Und die emotionale Erpressung ist wirklich mies. Schade, dass der Vater offenbar nicht auf regelmäßigen Besuchen durch seine Tochter (ohne Mutter) bestanden hat.


    Jacobs Geruchssinn hat mich schon irritiert. Ich weiß gar nicht, ob es sowas wirklich gibt. An "Das Parfum" musste ich auch schnell denken (faszinierendes Buch). Für sein Umfeld ist so ein lebender Lügendetektor sicher nicht ganz einfach.

    Die Großeltern ziehen ihn groß, aber noch wissen wir nicht seit wann und weshalb. Auf Bilder seiner Eltern reagiert Jacob offenbar mit Panik. Auch hier wurde wohl eine Therapie versäumt. Seine Taubstummheit hat keine organischen Ursachen - auch das wäre aus meiner Sicht ein Hinweis auf eine sinnvolle Behandlung durch einen Psychotherapeuten.

    “You can never get a cup of tea large enough or a book long enough to suit me.” :lesend

    C.S. Lewis

  • Laura ist ein liebes Mädchen, welches überbehütet aufgewachsen ist und so langsam gegen die Mutter rebelliert. Als Kleinkind kommt sie mir übertrieben intelligent vor, die Überlegungen passen für mich nicht zu einer 3jährigen. Dafür ist sie als Teenager noch arg nett. Wenn ich da an meine denke ...

    Lauras Mutter ist eine Katastrophe. Das klang, als wäre sie mit Wehen selbst ins Krankenhaus gefahren. Bitte?!? Und dann hat sie eben einen Unfall mit Todesfolgen gesehen. Aber deshalb die eigene Tochter nicht auf Kindergeburtstage oder einfach zum Spielen zu Freunden zu lassen geht gar nicht. Dann soll sie sich eben als Helfer beim Kindergeburtstag anbieten oder den anderen Müttern sagen, dass sie beim ersten Besuch gerne dabei wäre. Und eine Therapie machen. Aber so finde ich die Mutter einfach nur furchtbar! Und die emotionale Erpressung ist wirklich mies. Schade, dass der Vater offenbar nicht auf regelmäßigen Besuchen durch seine Tochter (ohne Mutter) bestanden hat.

    Ich bin da ganz bei dir, sowohl was Deine Überlegungen zu Laura als auch zu ihren Eltern angeht. Was ich mich auch gefragt habe: Wieso hat der Vater Laura einfach so bei der Mutter gelassen, obwohl er wusste, dass ihre übertriebene Angst nicht gut für das Kind ist und diese Angst mit all ihren Auswüchsen für ihn der Grund waren, die Mutter zu verlassen? Aber vielleicht sind das Überlegungen, die den Rahmen eines Jugendbuches sprengen... :gruebel


    LG, Bella

  • Die Trennung war verständlich, aber ich finde es immer schade, wenn die Väter sich nicht nur von der Frau trennen, sondern im Prinzip auch die Kinder verlassen. Muss ja nicht jedes zweite Wochenende sein, aber einmal im Monat und einen Teil der Ferien finde ich schon angebracht.

    “You can never get a cup of tea large enough or a book long enough to suit me.” :lesend

    C.S. Lewis

  • Die Trennung finde ich auch verständlich, ich hätte nur gedacht, dass der Vater vielleicht versucht, Laura mitzunehmen, damit sie etwas freier aufwachsen kann. Meint ihr, er wolltet einfach einen Rosenkrieg vermeiden?


    LG, Bella

    Ja,das auch. Und einfach nicht mehr soviel damit zu tun haben, je mehr er sich kümmert, desto mehr hat er auch wieder mit Gesine zu tun leider.