'Duft der Stille' - Kapitel 3 - 4

  • Durch den Wechsel der Blickwinkel zwischen Laura und Jakob erhält der Roman eine gute Ausgewogenheit.


    Auch die zeitlichen Verschiebungen funktionieren.

    Man könnte zahlreiche Beispiele nennen, wo der Roman von dieser Schreibmethode profitiert, z.B. die Szene mit Kitty, die Jakob wieder trifft und die später geschilderte Episode, als die kleine, vernachlässigte Kitty erstmals Jakob sieht und ihn sogleich zu ihren persönlichen Vertrauensmenschen auswählt.

  • Durch den Wechsel der Blickwinkel zwischen Laura und Jakob erhält der Roman eine gute Ausgewogenheit.

    Das gefällt mir auch sehr gut an dem Roman. Es macht ihn lebendig und man kann als Leser dadurch beide Seiten gut verstehen.


    Ich habe das Gefühl, dass Jakob anscheinend doch ab und zu etwas hören kann. Oder zumindest Geräusche und Töne in seinem Kopf wahrnimmt. In der Szene mit dem Kindergeburtstag hört er ja Sätze von den Kindern, obwohl sie anscheinend mit dem Rücken zu ihm stehen. Ich habe das Gefühl, er könnte wohl theoretisch schon etwas hören, aber er will er wohl nicht oder verdrängt das irgendwie. Er hat ja dann auch wieder so eine Anfall, bei dem er schreit. Er kann also auch Töne hervorbringen. Ich denke, er hatte vielleicht mal ein sehr traumatisches Erlebnis und seitdem weigert er sich zu hören und zu sprechen??


    Und dann gibt es diese Szene mit den Bilderrahmen. Jakob sieht nichts in den Rahmen, obwohl da bestimmt Bilder drinnen sind. Und dann legt er sie umgedreht zurück. Er will das nicht wahrhaben was dort zu sehen ist. Sehr interessant. Ich schon gespannt, was wohl dahinter steckt.

  • Ich stimme euch zu, mir gefällt der wechselnde Blickwinkel auch sehr gut. Außerdem bekommt man so auch einen Einblick in Jacobs Welt, erfährt mehr, wie er fühlt und denkt, was sonst bestimmt nicht so deutlich werden würde, da er sich ja nur eingeschränkt mitteilen kann.

    Er kann also auch Töne hervorbringen. Ich denke, er hatte vielleicht mal ein sehr traumatisches Erlebnis und seitdem weigert er sich zu hören und zu sprechen??

    Und dann gibt es diese Szene mit den Bilderrahmen. Jakob sieht nichts in den Rahmen, obwohl da bestimmt Bilder drinnen sind.

    Das war auch mein erster Gedanke, dass in den Rahmen bestimmt Bilder drin sind, die Jacob aber nicht wahrnimmt. Vielleicht hat das traumatische Erlebnis, das ihn sein Hörvermögen gekostet hat, mit dem Verlust seiner Eltern zu tun? Wobei mir immer noch nicht klar ist, ob seine Eltern wirklich tot sind oder ob er nicht bei ihnen lebt, weil es aus irgendeinem Grund nicht mehr geht. :gruebel


    In der Schule bekommt Jacob Besuch von Kitty. Die hat für mich ja schon einen sprechenden Namen, gerade in dem Abschnitt, wo ihre Ankunft als kleines Mädchen beschrieben wird, wirkt sie wie ein kleines verlorenes Kätzchen! Sie wird sicher auch noch eine Rolle spielen, darauf weist schon der folgende Satz hin: "Nur so konnte er sich später erklären, dass er nicht genauer hinhörte, als Kitty ihm erzählte, es gehe ihr gut." Irgendwas stimmt also nicht... :rolleyes:

    Ich finde es übrigens ganz interessant, dass hier auch das Thema der Cochlea-Implantate mit eingebracht wird. Für Jacob wäre das allerdings keine Option, da seine Taubheit ja vermutlich psychische Ursachen hat.


    LG, Bella

  • Bei dem Passage aus Lauras Deutschunterricht musste ich echt laut lachen - das hätte O-Ton meine große Tochter sein können! :lache Sie musste dieses Schuljahr auch "Das Parfum" lesen und hat sich wochenlang über dieses "schreckliche Buch" aufgeregt. Dann kam "Emilia Galotti", das fand sie sogar ganz ok, und jetzt sind sie ebenfalls bei Goethe und den "Leiden des jungen Werther" - bis jetzt hält sich ihre Begeisterung schwer in Grenzen... :grin


    Bei Lauras Beziehung zu Dennis habe ich übrigens auch kein wirklich gutes Gefühl. Der scheint es ja echt mehr darauf anzulegen, Laura ins Bett zu kriegen - wenn das mal nicht noch eskaliert...:/ Lauras Mutter hat er ja gleich um den Finger gewickelt (fand ich ein wenig seltsam, wo sich doch sonst bei allem so supermisstrauisch ist), aber sein Verhalten Jacob gegenüber geht ja wohl gar nicht, das ist echt unterste Schublade. :schlaeger


    Übrigens finde ich Jacobs Geruchsanalysen hochinteressant - ihm scheint ja so gut wie gar nichts zu entgehen!

    Ich finde es auch sehr mutig von ihm, Laura sein Gedicht zu schenken - allerdings ohne Unterschrift, da sind die Verwicklungen wohl vorprogrammiert... :chen


    LG, Bella

  • Jakob hat sicher nicht damit gerechnet, dass Laura ihn nicht sofort als den Verfasser des Gedichts erkennt. Eine Unterschrift war daher überflüssig, eigentlich.


    Gesine hatte ich bisher als nur als überfürsorgliches Hausmütterchen wahrgenommen, dabei hat sie mehr auf den Kasten, soll sogar Geschäftsführerin werden und ist beruflich wagemutig. Es besteht also noch Hoffnung bei ihr, vielleicht kann sie das irgendwann auch in ihrer Beziehung zu ihrer Tochter einbringen. Das hoffe ich jedenfalls.


    Laura hat Glück, mit Kari eine so gute Freundin zu haben. Auch schön geschildert.

  • Jakob hat sicher nicht damit gerechnet, dass Laura ihn nicht sofort als den Verfasser des Gedichts erkennt. Eine Unterschrift war daher überflüssig, eigentlich.

    Ja, so ist das wohl oft mit der Kommunikation. Jacob geht davon aus, dass Laura ihn sofort als Verfasser identifiziert - dass das umgekehrt möglichweise nicht so ist, daran denkt er gar nicht. Dabei passen die Zeilen inhaltlich wirklich gut auf Jacob, aber jeder liest und interpretiert halt anders... Außerdem wäre es doch viel zu einfach, wenn Laura nach diesem Brief sofort verstehen würde, wie es um Jacob steht! 8o



    Gesine hatte ich bisher als nur als überfürsorgliches Hausmütterchen wahrgenommen, dabei hat sie mehr auf den Kasten, soll sogar Geschäftsführerin werden und ist beruflich wagemutig.

    Das hat mich auch sehr überrascht! Privat so eine überängstliche Glucke und dann im Job doch so tough.

    Laura hat Glück, mit Kari eine so gute Freundin zu haben.

    :write Das finde ich auch. so hat Laura wenigstens einen Menschen, auf den sie sich 100% verlassen kann und der ihr den Rücken stärkt!


    LG, Bella

  • In diesem Teil wird Jacobs Dilemma so richtig sichtbar. Wenn er sich aufregt kann er wohl schreien, aber bemerkt es nicht, weil er ohnmächtig wird.

    Als die verwahrloste Kitty an die Schule kpmmt, kann er zeigen was in ihm steckt.

    Ich kann nicht verstehen, das Lauras Mutter überhaupt keinen Kontakt zu den Nachbarn hat, da sie ja auch nicht richtig weiß was mit Jacob ist.

    Dieser Teil war so spannend, das ich fast einfach durchgerauscht wäre.

  • Ich finde es übrigens ganz interessant, dass hier auch das Thema der Cochlea-Implantate mit eingebracht wird.

    Ja das finde ich auch interessant. Und vor allem heißt es hier, dass Kitty ohne gefragt zu werden und selber darüber bestimmen zu können, so ein Implantat bekommen hat. Ich hätte mir vorgestellt, dass ein Gehörloser Mensch sehr froh sein müsste, wenn er mit diesem Implantat die Möglichkeit bekommt, wieder hören zu können. Aber vielleicht ist nicht jeder darüber so glücklich?:gruebel

    Ich könnte mir auch vorstellen, dass es sinnvoll ist, einem Kind so früh wie möglich so ein Implantat zu verschaffen, damit es besser sprechen lernen kann . Aber ich kenne mich damit zu wenig aus, das sind nur Vermutungen.

  • Cochlea-Implantate sind nicht unumstritten.

    Zum einen verlieren taube Menschen dadurch das Restgehör und dann ist es eine Frage, ob das Implantat selbst schon eine Diskriminierung ist, die Gehörlose als weniger wert als Hörende einstuft.

    Für jemand wie Kitty, die in vielereli Hinsicht so benachteiligt war, ist es vielleicht die richtge Entscheidung gewesen, aber als nicht Gehörloser kann man das wahrscheinlich gar nicht richtig einordnen.

  • Also ich finde das Buch einfach nur schön.


    Dennis mochte ich von Anfang an nicht, Laura ist ja scheinbar so unerfahren das sie gar nicht bemerkt, das er nur das Eine von ihr will. Und wie er Jacob behandelt, das ist so unendlich gemein, mir kamen die Tränen. Genau wie in dem Rückblick, wo Lauras Freundinnen ihn so mies behandeln. Das tut weh. Ich habe selbst ein besonderes Kind, das tut mir wirklich richtig weh.


    Kitty ist total süß, sowohl in der Gegenwart als auch im Rückblick mag ich sie sehr.


    Das Jacob Laura liebt, war mir schnell klar. Ich glaube, sie ihn auch, sie weiss es nur nicht.


    Bei der Geschichte mit den Cochlea Implantaten sehe ich das so, das es ein Traum sein kann für die Betroffenen, allerdings müssen sie sich daran erst gewöhnen. Und bestimmt gibt es viele, die das gar nicht wollen, sie kennen es ja nicht anders als still, warum sollten sie das ändern.

  • Cochlea-Implantate sind nicht unumstritten.

    Zum einen verlieren taube Menschen dadurch das Restgehör und dann ist es eine Frage, ob das Implantat selbst schon eine Diskriminierung ist, die Gehörlose als weniger wert als Hörende einstuft.

    Für jemand wie Kitty, die in vielereli Hinsicht so benachteiligt war, ist es vielleicht die richtge Entscheidung gewesen, aber als nicht Gehörloser kann man das wahrscheinlich gar nicht richtig einordnen.

    :writeHier unterschreib ich mal. Ich habe auch schon davon gehört, dass manche mit dem Implantat überhaupt nicht zurechtkommen bzw. sehr lange brauchen, um sich daran zu gewöhnen. Außerdem laufen sie dann ein Leben lang mit diesem Knopf im Schädel rum, den man ja auch von außen sieht - das will vielleicht auch nicht jeder? :gruebel Ich habe auch keine Ahnung, wie lange sowas hält oder ob es da später zu Problemen kommen kann.


    LG, Bella

  • Jetzt kennen wir auch Kittys Vergangenheit und wissen mehr über Laura und Dennis.

    Bei Dennis ist doch wohl klar, dass er einfach nur das Mädchen mit der großen Oberweite flachlegen will. In meiner Schulzeit gab es auch ein Mädchen mit ungewöhnlich viel Oberweite, die wurde auch ständig von Jungs gefragt, ob sie mit ihnen gehen will, obwohl die sie eigentlich gar nicht kannten. Hoffentlich merkt Laura so langsam, was Sache ist - im Moment ist sie da etwas unbedarft. Ihre Freundin Kari scheint mir da cleverer zu sein.


    Was mich irritiert ist, dass es hier so gut wie keine Nachbarschaft zu geben scheint. Muss ja nicht gleich ein Straßenfest sein, aber neue Nachbarn stellen sich doch mal vor oder man unterhält sich, wenn man sich begegnet. Die Unwissenheit von Laura und ihrer Mutter finde ich unrealistisch.


    Jacob ist schon ein seltsamer Typ. Ich weiß nicht, was ich von jemandem halten würde, der stundenlang einfach nur am Zaun steht. Ich hätte vermutlich auch den Verdacht, dass mit dem etwas nicht stimmt. Versucht euch die Situation mal ohne die Kapitel aus Jacobs Perspektive vorzustellen. Das ist doch kein "normales" Verhalten. Ich würde es ja verstehen, wenn er sich mit einem Buch auf die Veranda setzt und so auf sie wartet.

    Diese Anfälle von Jacob sind auch seltsam. Laura und ihre Freundinnen waren echt mies, aber wenn ich so daran denke, was bei uns alles in der Grundschule abgegangen ist - da sind Kinder teils ganz schön gemein und ohne etwas dickes Fell geht da gar nichts. Man erfährt auch nichts von irgendwelchen Freunden. Ist Jacob so ein totaler Einzelgänger? So richtig warm werde ich mit ihm noch nicht.


    Warum Laura etwas gegen den Begriff taubstumm hat, kann ich nicht so richtig nachvollziehen. Für mich gab es immer die Unterscheidung stumm, wenn jemand nicht reden kann, und taubstumm, wenn jemand zwar physisch reden könnte, aber durch die Taubheit keine Sprache gelernt hat und deshalb nicht redet. Gebärdensprache ist doch kein gleichwertiger Ersatz. Damit können Gehörlose doch nur mit einem kleinen Prozentsatz der Menschen kommunizieren. Ich finde taubstumm jetzt wirklich nicht abwertend. Und wenn Cochlea-Implantate schon bei kleinen Kindern eingesetzt werden ist das eine Entscheidung, die die Eltern treffen müssen. Ich kann mir schon vorstellen, dass der Erfolg größer ist, wenn jemand damit quasi aufwächst.


    Das Gedicht hat Jacob Laura in den Kapiteln 3-4 doch noch gar nicht gegeben, oder hab ich was überlesen?

    “You can never get a cup of tea large enough or a book long enough to suit me.” :lesend

    C.S. Lewis

  • Das Gedicht hat Jacob Laura in den Kapiteln 3-4 doch noch gar nicht gegeben, oder hab ich was überlesen?

    Letzter Satz Kap. 3: "...schlich er sich unbemerkt zu Lauras Haus und schob den Umschlag mit ihrem Namen in den Briefkasten." und dann in Kap. 4 (Printausgabe S.144): "Ich reiße den Umschlag auf und lese den Brief. [...] Keine Unterschrift unter dem Gedicht, aber ich weiß sofort, von wem es ist."

  • Was mich irritiert ist, dass es hier so gut wie keine Nachbarschaft zu geben scheint.

    Da hast du Recht. Auch wenn man seine Nachbarn nicht besonders gut kennt, sowas spricht sich eigentlich schon rum, gerade wenn man länger nebeneinander wohnt.

    Versucht euch die Situation mal ohne die Kapitel aus Jacobs Perspektive vorzustellen. Das ist doch kein "normales" Verhalten.

    Auch richtig. Aber ich denke, da Laura ja mit Jacob auf der anderen Seite des Zauns quasi aufgewachsen ist, hinterfragt sie das nicht mehr weiter. Sie hat ihn in ihrer Phantasie zu ihrem "Schutzengel" gemacht und da passt es für sie, dass er nur da steht und sonst nichts macht. Würde er lesen, würde ja vielleicht gar nicht merken, wenn sie ihm winkt... :gruebel Mich erinnert dieses Szenario unheimlich an die Bücher von Antonia Michaelis, da kommt ja auch gern mal solche stillen, intensiven Szenen vor, die wie aus der Welt gerückt wirken.

    Ist Jacob so ein totaler Einzelgänger?

    Vermutlich ist er das. So wie ich das verstanden habe, ist er ja älter als seine Klassenkameraden, vielleicht haben sich da nie Kontakte ergeben. Ich habe den Eindruck, dass er sich selbst genug ist und sich in seiner Bücherwelt zu Hause sehr wohl fühlt. Man erfährt aber auch nicht, ob seine Großeltern anderweitige Versuche gemacht haben, ihn in die Welt der Hörenden zu integrieren, z.B. durch Freizeitangebote o.ä.


    LG, Bella

  • In der Schule bekommt Jacob Besuch von Kitty. Die hat für mich ja schon einen sprechenden Namen, gerade in dem Abschnitt, wo ihre Ankunft als kleines Mädchen beschrieben wird, wirkt sie wie ein kleines verlorenes Kätzchen!

    Liebe Bella, wie schön! Das ist mir tatsächlich gar nicht aufgefallen, aber du hast so recht! Oft spielt mir der Zufall in die Hände, wenn ich meine Geschichten entwickle. Ich frage mich dann wirklich manchmal, ob das nur Zufall war. Es fügt sich einfach so vieles ineinander, was ich vorher nicht gesehen habe. Wobei ich gerade dieses Buch schon sehr, sehr gründlich vorher "komponiert" habe. (Und doch wollten die Verlage es nicht haben ... )

  • Auch hier habe ich all eure Postings interessiert gelesen. Zunächst zu dem Posting von Herrn Palomar über die Konzeption des Buchs, so will ich es mal nennen: Es ist einige Jahre her, dass ich das Buch geschrieben habe, und ich wollte es "komponieren", wobei vieles davon sich von allein so eingestellt hat. Ich hatte ursprünglich noch einen Prolog, den ich dann aber entfernt habe, weil er zu vieles vorweggenommen hätte. Er ist in veränderter Form weiter hinten in die Geschichte eingegangen. Dazu kann ich aber am Ende noch mehr verraten.


    An die Nachbarn, das gebe ich ehrlich zu, habe ich nicht weiter gedacht. Vielleicht, weil ich selbst jemand bin, der zwar in einer sehr angenehmen Nachbarschaft lebt, mit der ich mich auch gut verstehe. Aber ich bin trotzdem gern für mich allein. Ich habe ja selbst eine recht große Familie, sodass ich keinen Bedarf an noch mehr Menschen habe. Vielleicht bin ich im Herzen auch eine Einsiedlerin, das kann sein. Gerade bei Gesine, die ja einerseits in so einem "halbwahren" Leben steckt (weil sie sich, wie ihr richtig festgestellt habt, dem Problem, dem Trauma, nicht stellt), andererseits aber einen sehr fordernden Beruf ausübt, den sie auch liebt (sonst wäre sie vermutlich depressiv) hat sich mir die Frage nicht gestellt, ob sie intensive Kontakte mit den Nachbarn pflegt. Sie lädt ja gern Lauras Freundinnen nach Hause ein, aber ja, ob die auch in der Nachbarschaft leben oder nicht, hab ich mich gar nicht gefragt. Ich denke aber, das ist ein Aspekt, der für die Geschichte nicht so wichtig ist.

    Gesine weiß übrigens, dass Jacob taubstumm ist, aber Laura hat sich in den drei Jahren zwischen der ersten Begegnung und dem ersten Schuljahr nicht mehr gefragt, was mit ihm nicht stimmt.


    Zum Wort "taubstumm": Für die Betroffenen ist es ein Begriff, der sie "beschränkt". Die Gebärdensprache und auch das Lippenlesen sind für sie mindestens gleichwertige Kommunikationsmittel zum Sprechen, von daher verstehe ich es, wenn sie es als eine Herabsetzung empfinden, als "stumm" (das hieße ja, sich nicht mitteilen zu können) oder "taub" (das hieße, nicht wahrnehmen zu können, was andere kommunizieren) bezeichnet zu werden. Genauso klar sehe ich aber auch, dass wir Hörenden, die vielleicht kaum oder keine Kontakte zu gehörlosen Menschen haben, den Begriff nicht im Geringsten herabsetzend meinen.