Richard Dübell - Das Jahrhundertversprechen

  • Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)

    Berlin 1921: Der erste Weltkrieg ist seit drei Jahren zu Ende und wirft dennoch lange Schatten, auch auf die Familie von Briest. Otto und Hermine von Briest stehen kurz vor dem Bankrott. Alle Hoffnungen liegen nun auf Tochter Luisa, die beim Film Karriere machen soll. Trotz Inflation und Wirtschaftskrise strömen die Menschen in die Varietés, die Lichtspielhäuser und auf die neu entstandenen Autorennstrecken. Auch Luisa von Briest ist dem Rausch der Geschwindigkeit verfallen. Sie hat sich in einen erfolgreichen Rennfahrer verliebt. Doch ein Rausch birgt auch Gefahren - nicht nur in der Liebe: Am Horizont ziehen bereits die dunklen Wolken des Nationalsozialismus auf, und die Familie von Briest sieht einer ungewissen Zukunft entgegen.


    Autor (Quelle: Verlagsseite)

    Richard Dübell, geboren 1962, lebt mit der Liebe seines Lebens in Landshut. Er zählt zu den beliebtesten deutschsprachigen Autoren historischer Romane, schreibt aber auch Krimis. Seine Bücher standen mehrfach auf der Spiegels-Bestsellerliste und wurden in vierzehn Sprachen übersetzt. Er ist Kulturpreisträger seiner Heimatstadt.


    Allgemeines

    Band 3 der Jahrhundertsturm-Trilogie

    Erscheinungstermin: 8. Juni 2018 bei Ullstein, TB mit 656 Seiten
    Gliederung: Prolog – Vier Bücher, jeweils mit nummerierten Kapiteln – Epilog – Quellen – Danksagung

    Erzählung in der dritten Person aus wechselnden Perspektiven

    Handlungsort und -zeit: Berlin und Gut Briest, 1918 bis 1934


    Inhalt

    Der Erste Weltkrieg ist vorbei, doch auch in den Zwanzigerjahren ist das Leben für die deutsche Bevölkerung vor dem Hintergrund instabiler politischer Verhältnisse und der Inflation nicht leicht. Das betrifft nicht nur die kleinen Leute, sondern auch alte preußische – ehemals gutsituierte - Adelsfamilien wie die von Briests.

    Otto und Hermine von Briest stehen aufgrund ihrer finanziellen Situation kurz vor dem Verkauf ihres Guts, Saatgut ist nahezu unbezahlbar, die Pächterfamilien finden kein Auskommen mehr und verlassen das Gut und auch durch ihre Detektei haben sie fast keine Einkünfte mehr. Ihre Tochter Luisa träumt davon, Filmschauspielerin zu werden, doch als sie die Chance erhält, bei dem berühmten Fritz Lang vorzusprechen, muss sie feststellen, dass die glitzernde Welt des Films nicht das bietet, was sie sich davon erhofft hat. Max von Brandow, ein „Gossenkind“, das die Briests an Sohnes statt aufgenommen haben, nachdem er Luisa das Leben gerettet hat, möchte Rennfahrer werden. Er ist talentiert, aber eine Karriere als Rennfahrer reicht zu dieser Zeit nicht aus, um den Lebensunterhalt zu sichern. Er arbeitet als Automechaniker, um die Briests in bescheidenem Umfang finanziell zu unterstützen.

    Max hat sich die unversöhnliche Feindschaft des arroganten Rennfahrerkonkurrenten Sigurd von Cramm zugezogen, eine Feindschaft, die die Familien von Briest und von Cramm schon seit der Urgroßelterngeneration verbindet. Als Sigurd, der in der persönlichen Konfrontation immer äußerst feige ist, sich der SA anschließt, sieht er die Chance gekommen, sich mithilfe seiner Schlägertruppe an Max und den von Briests zu rächen…


    Beurteilung

    „Das Jahrhundertversprechen“ setzt die in den beiden Vorgängerbänden begonnene Geschichte um die preußische Adelsfamilie von Briest fort. Wie zuvor ist auch hier das Schicksal der fiktiven Familie in einen gründlich recherchierten historischen Kontext eingebunden. Dieser Kontext umfasst einerseits die politischen Entwicklungen der Zeit, die von häufigen Regierungswechseln und dem zunächst schleichenden, dann aber rasantem Aufstieg des Nationalsozialismus geprägt ist. Schockierend eindringlich werden die Umtriebe der ebenso dummen wie brutalen SA-Gruppen beschrieben, die sich weder um Gesetz noch um Moral scheren und Menschen, die ihr Missfallen erregen – das sind vor allem Juden, Kommunisten und Homosexuelle – zusammenschlagen. Andererseits zeichnet der Autor ein faszinierendes Panorama der gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen der Zwanzigerjahre. Dabei wird die aufblühende Filmindustrie ebenso thematisiert wie das Aufkommen des Automobil- Rennsports und die Entwicklung des Automobils als Transportmittel für immer mehr Menschen, um Mobilität auch jenseits des Schienenverkehrs zu gewährleisten.

    Der Roman lässt sich unabhängig von den beiden vorherigen Bänden lesen, wegen des übergeordneten Zusammenhangs im Bereich technischer Entwicklungen (Band 1: Einführung der Eisenbahn, Band 2: Frühzeit der Fliegerei, Band 3: Entwicklung fortschrittlicher Automobile, Rennsport) ist es aber auf jeden Fall reizvoll, alle drei Romane (in der richtigen Reihenfolge) zu lesen.

    Der Autor entwickelt die Charaktere seiner Romanfiguren sehr detailliert, größtenteils glaubwürdig und verleiht ihnen viel Leben, im Falle von Sigurd von Cramm und seiner Mutter Magda schießt er allerdings in Bezug auf die „Schwarzmalerei“ ein wenig über das Ziel hinaus.

    Im Anhang befindet sich ein Quellenverzeichnis, das dem interessierten Leser Anregungen zur vertiefenden Lektüre gibt.


    Fazit

    Ein gelungener Abschluss einer insgesamt sehr lesenswerten Trilogie: gründlich recherchiert, informativ und sehr fesselnd geschrieben!

    9 Punkte

  • Das Jahrhundertversprechen ist der dritte Teil von Richard Dübells Jahrhundertsturmtrilogie.

    Ich habe nur diesen Band gelesen. Ich konnte gut in die Geschichte eintauchen.


    Die Weimarer Republik ab 1921 wird dem Leser n diesem Roman gut übermittelt. Otto und Briest besitzen ein Gut und betreiben ein Detektivbüro. Ihre Tochter Louisa besucht die Schauspielschule. Die Zeiten sind schwer und sie stehen vor dem Bankrott. Der Ziehsohn Max Brandow arbeitet als Mechaniker, der Rennen fährt. Diese Autorennen auf Buckelpisten und die Kämpfe um zu siegen sind interessant.Der Rausch vom Gewinnen macht Max Brandow und Siegurd von Cramm zu erbitterten Gegnern. Die alte Fehde zwischen den von Briest und den von Cramm sind nicht mal von den Familien richtig nachvollziehbar. Mutter und Sohn von Cramm sind eigenartige Charaktere.


    Richard Dübell lässt uns die Zeit miterleben. Die Geschichte ist gut recherchiert, ich erkenne einige Situationen aus früheren Gesprächen mit den Großeltern wieder. Die politischen Strömungen kennen wir aus der Geschichte, und die Gesinnungen werden immer gefährlicher.

    Der Roman ist ein Stück Geschichtsunterricht.

  • Mit „Jahrhundertversprechen“ liegt der letzte Teil der „Jahrhundert Trilogie“ vor. Auch im diesen Band stehen technische Erfindungen im Vordergrund und die Familie von Briest hat auch ihren Anteil. Dies alles spielt in den sogenannten „goldenen zwanziger Jahren“. Sehr schnell wird klar, dass es bei den meisten ganz anders aussieht.

    Otto und Hermine kämpfen mit ihrer schweren finanziellen Notlage. Beide bangen um die Zukunft des Gutes und ihre Agentur leidet unter mangelnder Nachfrage. Es ist ein stetiges Auf und Ab für beide, aber sie stehen es zusammen durch.


    Es finden die ersten Rennen auf der AVUS statt und mittendrin ist Max Brandow. Ob sein großer Traum ein bekannter Rennfahrer zu werden in Erfüllung geht? Er wird jedenfalls umworben.

    Luisa hat ebenfalls einen Traum, den ihr schwebt eine Karriere als Filmschauspielerin vor.

    Die Anfänge der Film - und Rennsportbranche werden detailliert beschrieben. Mittendrin agieren Luisa und Max und die beiden treffen auf die großen Namen dieser Zeit. Wird hineinversetzt in die Filmsets und sitzt mit in den Rennautos.


    Max, der Ziehsohn der von Briest, gibt sein Ehrenwort immer für Luisa da zu sein. Dadurch entsteht eine sehr enge Vertrauensbasis aus der mit der Zeit Liebe wird ( der Covertext verrät es).

    Nicht ganz glaubwürdig wird Luisa dargestellt. Einerseits erlebt man sie typisch schmachtender Teenager, andererseits gibt sie Max Ratschläge, die von einer Person mit großer Lebenserfahrung stammen könnten.


    Max ist der Familie sehr dankbar, da sie ihm ein anderes Leben ermöglicht haben und er weiß, was er will. Er wird immer wieder auf seine Herkunft reduziert, wobei er auch seine alten Verbindungen spielen lässt. Oft kommt seim Berliner Dialekt durch, besonders wenn er sich aufregt.


    Der Bösewicht des Romans ist Sigurd von Cramm, der seine Minderwertigkeitskomplexe durch rüdes Verhalten auslebt. Zudem steht er unter der Fittiche der dominanten Mutter. Er ringt verzweifelt um Anerkennung und man ahnt wo er diese findet.


    Eine Stärke des Romans ist die Schilderung der unruhigen politischen Zeit. Die Demokratie steht auf wackeligen Füssen . Konservative Kräfte sehnen sich nach den alten Zeiten des Kaiserreiches und dazu kommen noch die Reparationen der Siegermächte. Wie immer versteht es der Autor gekonnt seine Protagonisten in dieses Geschehen einzubinden. Der schleichende Wandel, politisch motivierte Morde, das Aufkommen der Nazis und dem Leser wird klar wie ausgeprägt die Vorurteile schon damals vorhanden waren.


    Ein lebendig geschriebener unterhaltsamer Roman, der die Zeit widerspiegelt, bei dem es zu dramatischen Szenen kommt und Protagonisten, die Höhen und Tiefen erleben.



    8 Eulenpunkte

  • Berlin in den 1920er-Jahren: Otto und Hermine von Briest stehen kurz vor dem Bankrott. Das Gut der Familie ist in Gefahr. Ihre Tochter Luisa möchte dennoch Karriere beim Film machen. Trotz Inflation und Wirtschaftskrise haben die Menschen die Lust am Vergnügen nicht verloren. Auf der Rennstrecke versucht sich Max Brandow, der Ziehsohn der Briests. Ihn bindet ein Versprechen an die Familie und besonders an Luisa, dem er sogar sein persönliches Glück unterordnet. Die Leidenschaft für Autorennen teilt Sigurd von Cramm, dessen Familie mit den Briests verfeindet ist. Er findet eine Möglichkeit, den Untergang der Briests voranzutreiben…


    „Das Jahrhundertversprechen“ von Richard Dübell ist der Abschlussband der „Jahrhundertsturm“-Trilogie. Er kann jedoch eigenständig gelesen werden.


    Meine Meinung:

    Der Roman besteht aus vier Büchern: „Der große Scherbenhaufen“, „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, „Die Brandstifter“ und „Rennfahrt in den Abgrund“. Sie sind in kurze Kapitel unterteilt und werden eingerahmt von einem Prolog („Weihnachten 1918“) und einem Epilog. Die Handlung spielt vorwiegend zwischen den Jahren 1921 und 1928. Zwischen den einzelnen Teilen gibt es Sprünge in der Zeit. Dieser Aufbau funktioniert ganz gut.


    Der Schreibstil ist klar, angenehm, anschaulich und dank viel wörtlicher Rede zudem lebhaft. Sprachlich auffällig ist, dass immer wieder Sätze im Berliner Dialekt auftauchen, was sicherlich nicht jedermanns Geschmack ist, aber für Authentizität sorgt. Ich hatte keine Verständnisprobleme. Auch ohne Kenntnis der Vorgängerbande bin ich gut in die Geschichte reingekommen. Eine Personenübersicht hätte allerdings nicht geschadet.


    Im Vordergrund der Geschichte steht wieder die Familie von Briest, deren Charaktere auf mich realitätsnah und vielschichtig wirken. Ihre Entwicklung ist glaubwürdig dargestellt.


    Auch das Setting im Berlin der 1920er-Jahre finde ich ansprechend. Ich bin gerne in die Zeit der Weimarer Republik eingetaucht, deren Lebensumstände sowie politische und gesellschaftliche Hintergründe mich sehr interessieren. Dem Autor ist es gelungen, auf unterhaltsame Weise das fiktive Geschehen mit historischen Fakten zu verknüpfen. Dabei lässt der Roman auf eine fundierte Recherche schließen. Auch die Geschichte des Motorsports ist eine schöne Komponente.


    Die Kombination aus geschichtlichen Ereignissen und den Schicksalen der Familienmitglieder ergibt thematisch eine abwechslungsreiche Mischung. Trotz der hohen Seitenzahl ist die Lektüre nicht langatmig.


    Das Cover passt zum Inhalt des Romans und der Optik der Vorgängerbände. Der Titel reiht sich sprachlich gut in die Trilogie ein. Leider sind die Seiten des Taschenbuchs recht dünn, was das Papier anfällig für Knicke und andere Beschädigungen macht.


    Mein Fazit:

    „Das Jahrhundertversprechen“ von Richard Dübell ist ein lesenswerter Roman, der nicht nur Geschichtsfans schöne Lesestunden bereitet.


    Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

  • Zwanziger Jahre: Der Krieg ist vorüber, doch Deutschland leidet, die hohen Reparationszahlungen sind kaum zu leisten, das Volk hungert, ein Regierungswechsel nach dem anderen, und extreme Parteien etablieren sich.


    Auch die von Briests haben Probleme, die Detektei hat kaum Aufträge, die Schulden werden nicht weniger, die Familie weiß kaum, wie lange sie das Gut noch halten kann. Doch es gibt auch Gutes, Max Brandow, der Gassenjunge, wurde durch eine mutige Tat zum Familienmitglied, und der Zusammenhalt untereinander ist viel wert.


    Abgesehen von den 1918 im Prolog stattfindenden Ereignissen, erzählt der Autor nicht nur vom Leben der Familie Briest in den Jahren 1921 bis 1928, sondern auch die politische, soziale und kulturelle Geschichte Deutschlands, und verzahnt dabei beides nahezu perfekt. Es ist interessant, nicht nur nebenbei etwas über z. B. die Regierung zu lesen, sondern einige wichtige Persönlichkeiten selbst im Roman zu treffen, wie z. B. Fritz Lang, Walther Rathenau oder Clärenore Stinnes (oder Ernst Gennat, auch wenn der hier unter anderem Namen firmiert). Gleichzeitig erschütternd ist es aber auch, wenn man gemeinsam mit den Briest erlebt, wie Antisemitismus und Rechtsradikalismus Fuß fassen, vor allem, wenn man weiß, dass das nur die Anfänge waren.


    Für mich war das der erste Roman der Trilogie, bisher kannte ich nur „Der Jahrhundertwinter“, der eine Art Spinoff darstellt. Ganz sicher werde ich die beiden Vorgängerromane aber auch noch lesen, denn die Familie Briest hat Eindruck bei mir hinterlassen und mich neugierig gemacht, was ich dort über die historischen Hintergründe erfahren werde.


    Gut gefallen haben mir die Charaktere, nicht nur die von Briests, sondern auch alle um sie herum. Ein interessanter Charakter ist dabei Max Brandow, der auf Grund seiner Herkunft auch Kontakte zum Berliner „Untergrund“ hat. Außerdem ist er ein begnadeter Autofahrer, und fährt beim ersten Autorennen auf der AVUS mit. Autorennen mag ich eigentlich nicht besonders, ich hätte nie gedacht, dass ich mit Spannung über eines (hier sogar mehrere) lesen werde – toll gemacht, Herr Dübell!


    Nicht ganz so gut gefallen haben mir die Antagonisten, vor allem die aus der Familie von Cramm, die Familie, deren Fehde mit den von Briest schon länger anhält. Sigurd von Cramm und seine Mutter Magda wurden so ausschließlich negativ dargestellt, da wäre ein bisschen Ambivalenz nicht schlecht gewesen.


    Erzählt wird sehr packend und emotional, teilweise sehr spannend, der Leser ist immer mit dem Herzen bei den Protagonisten und am Ende klappt man den Roman beinahe wehmütig zu, muss man sich doch nun trennen. Schön finde ich, dass der Autor im Epilog noch ein bisschen darüber erzählt, wie es einigen Charakteren weiterhin erging, man hätte sich sonst doch sehr viele Gedanken gemacht. Das hat mich auch ein bisschen darüber hinweg getröstet, dass das Buch kein Nachwort des Autors enthält, was für mich bei einem historischen Roman eigentlich Pflicht wäre. An Extras findet sich lediglich ein Quellenverzeichnis.


    Mich hat „Das Jahrhundertversprechen“ sehr gut unterhalten, vor allem seine perfekte Verzahnung zwischen fiktivem Privatschicksal und historischem Hintergrund sowie das Auftreten zahlreicher historischer Persönlichkeiten konnte mich überzeugen. Von mir gibt es daher volle Punktzahl und eine uneingeschränkte Leseempfehlung – deutsche Geschichte in einem solchen Gewand ist unbedingt lesenswert.

  • Das Jahrhundertversprechen ist der letzte Teil der Jahrhundert-Trilogie von Richard Dübell.

    Diesmal begleiten wir Otto von Briest und seine Familie durch die zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Der erste Weltkrieg ist zwar vorbei, aber Deutschland leidet unter den Forderungen der alliierten Siegermächte. Die Wirtschaft liegt am Boden, das Geld ist nichts mehr wert. Auch die Familie von Briest hat massiv mit Geldproblemen zu kämpfen. Die Detektivagentur von Hermine und Otto bekommt keine Aufträge mehr und das Gut bringt auch zu wenig Erträge.

    Louisa, die Tochter von Otto und Hermine, kann zwar eine Schauspielausbildung bei Max Reinhardt machen und Ziehsohn Max Brandow ist ein hoffnungsvoller Mechaniker und Rennfahrer, aber trotzdem reicht das Geld hinten und vorne nicht.


    Dazu kommt noch die Fehde mit der Familie von Cramm, die zwischen Max und Sigurd unerbittlich weitergeführt wird.


    Richard Dübell gelingt es die Zeit der Weimarer Republik lebendig werden zu lassen. Er nimmt uns mit zum Eröffnungsrennen der AVUS in Berlin, den Dreharbeiten zu Fritz Langs legendären Filmen und zeigt uns das Erstarken der rechtsnationalen Bewegung.

    Wir erleben die wechselnden Regierungen, den Tod Walther Rathenaus, die Inflation und den nachfolgenden wirtschaftlichen Aufschwung.

    Ich war vollkommen gefangen von diesem Roman, auch wenn mir gerade die Abschnitte in der rechten Szene teilweise fast Übelkeit bereitet haben.

    Von daher war es vielleicht gut, das Buch bereits 1928 enden zu lassen und mit einem Epilog kurz das weitere Schicksal der Briests und Brandows nur noch anzudeuten.


    Die Figuren waren durchwegs glaubwürdig, auch wenn es schwerfallen mag, die Handlungen von Sigurd und Magda von Cramm nachzuvollziehen. Schön die Auftritte der historisch verbürgten Figuren wie Joseph Wirth, Walther Rathenau, Fritz Lang, Christian Riecken und ein wenig versteckt Ernst Gennat. Die Szenen auf der Avus oder den Filmpremieren waren so toll beschrieben, dass das Kopfkino sofort lief. Mir war gar nicht bewusst, dass ein Autorennen auch in geschriebener Form extrem spannend sein kann.


    Von mir gibt es daher eine volle Leseempfehlung für dieses spannende, historisch interessante Buch.


    9 von 10 Punkte

  • Buchmeinung zu Richard Dübell – Das Jahrhundertversprechen



    „Das Jahrhundertversprechen“ ist ein Roman von Richard Dübell, der 2018 bei Ullstein Taschenbuch als broschierte Ausgabe erschienen ist. Dies ist der dritte Band der Deutschland-Saga des Autors.



    Zum Autor:

    Richard Dübell, geboren 1962, lebt in Landshut. Als Autor von historischen Romanen stürmt er seit Jahren die Bestsellerlisten.



    Klappentext:

    Berlin in den Zwanziger Jahren: Der atemlose Tanz auf dem Vulkan

    Berlin 1921: Der erste Weltkrieg ist seit drei Jahren zu Ende und wirft dennoch lange Schatten, auch auf die Familie von Briest. Otto und Hermine von Briest stehen kurz vor dem Bankrott. Alle Hoffnungen liegen nun auf Tochter Luisa, die beim Film Karriere machen soll. Trotz Inflation und Wirtschaftskrise strömen die Menschen in die Varietés, die Lichtspielhäuser und auf die neu entstandenen Autorennstrecken. Auch Luisa von Briest ist dem Rausch der Geschwindigkeit verfallen. Sie hat sich in einen erfolgreichen Rennfahrer verliebt. Doch ein Rausch birgt auch Gefahren - nicht nur in der Liebe: Am Horizont ziehen bereits die dunklen Wolken des Nationalsozialismus auf, und die Familie von Briest sieht einer ungewissen Zukunft entgegen.



    Meine Meinung:

    Nachdem es im ersten Band um die Eisenbahn und im zweiten Band um die Luftfahrt geht es nun um Automobile und den Film. Neben den Hauptfiguren der Familie von Briest spielt diesmal Max Brandow eine wesentliche Rolle. Er hat der Tochter Luisa vor Jahren das Leben gerettet, als er sich in die Schußbahn einer Kugel geworfen hat. So ist er in die Familie aufgenommen worden. Er ist auf der Strasse aufgewachsen, berlinert bei jeder Gelegenheit und ist ein guter Schrauber, der auch gerne selbst fahren möchte. Er ist mit ganzem Herzen dabei, hat auch Talent aber kein Geld. Manchmal überzieht er etwas und sein Gewissen könnte besser sein. Hermine und Otto achten auf ihn in gewohnter Weise und ihre Tochter Luisa empfindet mit der Zeit viel mehr für ihn. Als Antagonisten treten die Offizierswitwe Magda von Cramm und ihr Sohn Sigurd. Diese beiden sind leider sehr einseitig schwarz gezeichnet, vor allem Sigurd ist eher eine Karikatur.

    Die Geschichte wird sehr schön in das historische Umfeld eingebettet und fast im Vorbeigehen wird die Zeit der ersten Nachkriegsjahre lebendig. Politische und wirtschaftliche Entwicklungen treffen nicht nur die Familie von Briest. Es ist die Zeit der Demagogen und der falschen Darstellungen. Rücksichtslose Menschen verunglimpfen ihre Gegenspieler und verbreiten Hass und Schrecken unter den Menschen. Soziales Elend bildet den Nährboden für die aufkommenden Extremisten und verantwortungsvolle Politiker haben es schwer und leben sogar gefährlich. Ähnlich ergeht es den Juden, die als Schuldige für den Niedergang und die Niederlage Deutschlands verantwortlich gemacht werden. All diese Entwicklungen beschreibt der Autor sehr eindrucksvoll und zeigt auch mit welchen Techniken und Vorgehensweisen der Aufstieg der Rechten gelingen konnte. Auch die Durchdringung weiter Teile des Polizeiapparats wird thematisiert.

    Wie in den anderen Bänden bereichern Persönlichkeiten der damaligen Zeit as Figurenensemble, seien es Politiker wie Rathenau und Wirth oder andere Größen wie Carraciola und Fritz Lang. Es ist erstaunlich wie harmonisch diese Figuren in den Roman eingebunden werden.

    Neben der historischen Seite nimmt auch die fiktive Geschichte der Protagonisten ihren Lauf. Sie ist geprägt von diversen Aufs und Abs, glücklichen und weniger glücklichen Momenten, Zeiten der Hoffnung aber auch der Angst. Die glaubhafte Verknüpfung realer und fiktiver Elemente ist die Stärke dieses Werkes. Man merkt den Figuren ihren Willen zum Überleben in schweren Zeiten an und fiebert mit ihnen mit.

    Zum Ende hin steigt die Spannung noch einmal deutlich und entlädt sich in einem Showdown, der der Geschichte sehr gut angepasst ist. In einem Epilog wird kurz auf die weitere Entwicklung in Deutschland eingegangen und wie man bei den von Briest damit umgegangen ist. Es ist kein Bollywood-Ende und auch dies stimmt nachdenklich.



    Fazit:

    Mich hat der Roman von Beginn an gefesselt. Ich habe mit den Figuren gefiebert, gehofft und auch gelitten. Dazu habe ich einiges Neue über die Jahre nach dem ersten Weltkrieg erfahren. Die Verpackung war gelungen und auch der Humor kam nicht zu kurz. Die Stärke des Romans ist die gelungene Verbindung von realer und fiktiver Welt. Von mir gibt es fünf von fünf Sternen (10 von 10 Eulen-Punkten) und eine klare Leseempfehlung.

    :hörend Bernard Cornwell - Der Bogenschütze

    :hörend diverse - Die vierte Zeugin
    :lesend Hanna Caspian - Gut Greifenau Morgenröte

    :lesend Eva Almstädt - Ostseeangst

    :lesend Anthony Horowitz - Ein perfider Plan

  • Würdiger Trilogieabschluss


    1921 Berlin. Auch, wenn der erste Weltkrieg mittlerweile drei Jahre zurück liegt, liegt die Wirtschaft im Land am Boden und vielen Familien geht es mehr schlecht als recht. Familie von Briest haben geschäftliche Schwierigkeiten und stehen kurz vor dem Bankrott, was Otto und Hermine sehr belastet, wissen sie doch nicht, wie sie überleben und ihr Familiengut und die Detektei halten sollen. Auch die alte Feindschaft mit der Nachbarsfamilie von Cramm hält die Familie in Atem. Tochter Luisa träumt von einem Leben als Filmstar und bemüht sich um eine Rolle beim Theater, denn die Menschen treibt es in Massen in die Varietés und Lichtspielhäuser, um ihre Sorgen für eine kurze Zeit zu vergessen. „Straßenkind“ Max Brandow wird von den Briests als Ziehsohn aufgenommen, verbindet sie doch eine gemeinsame Vergangenheit. Max ist ein begnadeter Mechaniker geworden und sieht seine Zukunft im Rennsport, wo er mit seinem Dino die Rennstrecken erobern möchte. Diese Passion teilt er mit dem verfeindeten Sigurd von Cramm, der sich als erbitterter Rivale beim Sport entpuppt und mit seinem Eintritt in die SA gleichzeitig zur Gefahr für die von Briest wird…


    Richard Dübell hat mit seinem Buch „Das Jahrhundertversprechen“ den Abschlussband seiner Jahrhundertsturm-Trilogie vorgelegt, der den Vorgängerromanen an Historie, Spannung und Unterhaltung in nichts nachsteht. Der Schreibstil ist flüssig und leicht zu lesen, der Leser taucht direkt ein in die damaligen 20er Jahre des letzten Jahrhunderts und darf am Familienleben der von Briest hautnah teilnehmen. Der Autor hat exzellente Historienrecherche betrieben und diese als Hintergrundkulisse für seine Geschichte über die fiktive Familie von Briest sehr geschickt mit der Handlung verwoben. Der Leser erlebt die Wirtschaftskrise in der Weimarer Republik und die Inflation ebenso mit wie die politische Entwicklung und den langsamen Aufstieg der Nationalsozialisten, den Kampf und die Hoffnungslosigkeit der Menschen und das Aufstreben des Rennsportes mit und hat das Gefühl, regelrecht mit dabei zu sein. Der Spannungsbogen hält sich auf konstantem Niveau und lässt den Leser das Buch kaum aus der Hand legen, so sehr weiß der Autor zu fesseln.


    Die Charaktere sind sehr detailreich und individuell ausgearbeitet. Durch ihre persönlichen Eigenheiten wirken sie durchweg sehr authentisch und lebendig. Wer die Vorgängerbände bereits gelesen hat, konnte auch die jeweils persönliche Entwicklung der einzelnen Protagonisten mitverfolgen, die auch hier weiter voranschreitet. Otto und Hermine von Briest sind zwei wunderbare Charaktere, die sich ergänzen und deren Beziehung ein sehr festes Band ist, das sich nicht zerschlagen lässt. Sie halten immer zusammen, können sich aufeinander verlassen und kämpfen gemeinsam um den Erhalt des Gutes und der Detektei. Luise ist eine Träumerin, noch etwas naiv und grün hinter den Ohren, aber sie besitzt auch Begeisterungsfähigkeit und Optimismus, um sich ihre Träume erfüllen zu können. Max ist ein fleißiger junger Mann, der seine Fähigkeiten ausprobiert und mit Mut und Tatkraft Risiken eingeht, auch wenn sie ihn finanziell nicht weit bringen. Sigurd von Cramm ist ein hinterhältiger Charakter, dessen Gedanken sich um Rache drehen und nur dieser ihn vorantreibt. Auch die Nebendarsteller geben mit ihrem Erscheinen eine gute Bereicherung der Handlung ab und machen diese rund.


    „Das Jahrhundertversprechen“ ist ein würdiger und fesselnder Abschluss der Trilogie,
    der dem Leser sowohl die fiktive Familiengeschichte der von Briest sehr ans Herz wachsen lässt als auch den historischen Hintergrund der Weimarer Republik mit all seinen Schattenseiten näher bringt. Absolute Leseempfehlung für ein Highlight!

    "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben"(Oscar Wilde) :)

    "Bücher sind wie Drogen, nur ohne die Gefahr einer Überdosierung" (Karl Lagerfeld)