'Das Herz des Löwen' - Seiten 075 - 138

  • Der Abschnitt brachte wieder absolutes Kopfkino mit emotionalen Wechselbädern. Während ich den Aufmarsch der Geächteten vor Nottingham Castle richtig toll fand, hat mir das Pogrom während der Krönungsfeierlichkeiten eine ziemlich straffe Gänsehaut beschert. Johns Reaktion war unmenschlich, und er kommt für mich allgemein recht arrogant rüber.

    Die Mama Eleonore nimmt ja sowieso kein Blatt vor den Mund, ob es nun ihre Söhne sind oder nicht. Und von John hält sie nicht viel, glaub ich. Eigentlich traurig, aber er ist auch wirklich abartig

    Eleonore gefällt mir richtig gut, denn sie ist gerade heraus, und sie hat Verstand, im Gegensatz zu ihrem jüngsten Sohn. Wenn man es sich recht überlegt, ist es schon traurig, dass eine Mutter über ihr Kind sagen muss, sie bereut, es zur Welt gebracht zu haben.

    Für Marian hoffe ich von Herzen, dass sie dem Kerl nie mehr allein begegnen muss. Einerseits graut es mir ja schon vor dem dritten Teil, wenn John König wird, aber ich vertraue mal auf Robin und seine Leute ;)

  • Dass in einer Robin-Hood-Geschichte Richard als edel und John als das Gegenteil gezeichnet wird, kann ich gut verstehen. So weit ich weiß, muss man John aber etwas differenzierter sehen, aber vielleicht kommt das ja noch. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass er wirklich so dumm gewesen sein kann, Marian so zu bedrängen. Ihre Reaktion ist verständlich, aber vielleicht auch etwas unklug - nun, keiner konnte wissen, dass Richards Herrschaft nicht so lange dauern würde, wie man hoffen konnte. Ein bisschen kann ich auch John verstehen, schon als Nachfolger seines Vaters gehandelt und als jüngster Sohn sowieso am Rande stehend. Ich hätte mir seine Charakterisierung dennoch etwas differenzierter gewünscht.

    John kann man nicht differenziert, geschweige denn positiv betrachten. Das wäre, als wenn man sagen würde, alles an den Nazis war ja auch nicht schlecht, schließlich haben sie die Autobahnen gebaut.

    Historisch belegt ist:
    - Er ließ die Frauen und Kinder seiner Feinde - und um ihn als Feind zu haben, dazu gehörte nicht viel - in Kerker werfen und verhungern.

    - Wenn er seine Vasallen beehrte, war das Land anschließend leer gefressen und verwüstet, der Besuchte am Bettelstab

    - Er verlangte, dass die Frauen und Töchter seiner Vasallen ihm zu Willen waren. Willfährige Adelige legten sie ihm selbst ins Bett, wo das nicht der Fall war, nahm er sie sich. Etliche begingen danach Selbstmord, so wie die Frau von William Marshal dem Jüngeren.

    - Für seine Prunksucht verschleuderte er Unsummen und brachte das Land, dass schon für Richards Lösegeld hatte Bluten müssen, endgültig an den Bettelstab.

    Das alles führte zum Aufstand, dem ersten Krieg der Barone, in dem John mit unglaublicher Brutalität gegen sein eigenes Volk vorging. In Frankreich war er durch seine Feigheit und Unfähigkeit völlig erfolglos und verlor große Teile des angevinischen Reiches an Philipp. Seinen Verbündeten, Kaiser Otto, ließ er schnöde im Stich. Das alles brachte ihm den Beinamen König Weichschwert ein.

    Nicht 100% gesichert, aber nach Zeugenaussage von Hubert de Burgh sehr wahrscheinlich ist, dass er seinen Neffen Arthur von der Bretagne eigenhändig umbrachte, nach dem er ihn zuvor kastriert und geblendet hatte. Nach de Burghs Aussage hatten sich alle anderen geweigert, die Tat an dem Jungen, den Richard auf Sizilien als seinen Nachfolger benannt hatte, auszuführen.

    Noch nicht einmal aufführen will ich hier den Verrat an seinem Bruder während dessen Gefangenschaft.

    Nenne mir einer positive Eigenschaften von John, ich habe trotz intensivster Recherche keine Gefunden. Historiker führen seinen miesen Charakter auf die Trennung von seiner Mutter in jungen Jahren und sein verwahrloses Aufwachsen am Hof seines Vaters zurück. Später auf seine sich häufenden Misserfolge.

    Wenn man überhaupt etwas Gutes über ihn sagen kann, dann vielleicht, dass durch ihn die Magna Carta, die erste moderne Verfassung zustande kam, die ihm die Barone abtrotzten, die aber für jeden freien Mann in England galt.

    Wie im PIRATEN dichte ich meinen Protas keine Eigenschaften an, die sie nicht hatten. Bei Drake wurde mir vorgeworfen, dass ihm alles glückte. War aber zwischen 1580 - 1588 so. Alles andere wäre Geschichtsfälschung gewesen.

    Ich werde John nicht positiv darstellen, nur weil der eine oder andere Leser es so möchte. Der war ein Mistschwein ausgemachter Güte und selbst für die damalige Zeit beispiellos.

    Bei historischen Personen muss man als Autor korrekt bleiben, diese Forderung habe ich an mich. Bei fiktiven Gestalten kann man da variieren. Deshalb ist ja Robin Hood auch kein strahlender Held ohne Fehl und Tadel. Aber dadurch wirst du ja mit ihm auch nicht warm. :)

    There must be a beginning of any great matter, but the continuing unto the end until it be thoroughly finished yields the true glory. (Francis Drake)

  • Wenn man es sich recht überlegt, ist es schon traurig, dass eine Mutter über ihr Kind sagen muss, sie bereut, es zur Welt gebracht zu haben.

    Der Spruch von ihr ist übrigens historisch belegt und angeblich mehr als einmal gefallen.

    There must be a beginning of any great matter, but the continuing unto the end until it be thoroughly finished yields the true glory. (Francis Drake)

  • Nun, ich habe mittlerweile schon öfter gelesen, dass er von seinen Zeitgenossen gerne schlecht dargestellt wurde, besonders von jenen geistlichen Standes, sozusagen als Negativpropaganda, dass er aber nicht so schlimm gewesen wäre, wie dargestellt.


    Z. B. hier: https://www1.wdr.de/radio/wdr5…-ohneland-koenig-100.html


    Auch Wikipedia sagt, dass man ihn mittlerweile differenzierter betrachtet:

    "Erst ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Regierung von Johann differenzierter betrachtet. W. L. Warren bewertete die Jugend Johanns als Katastrophe. Als er sich 1194 seinem Bruder Richard unterwerfen musste, war er 27 Jahre alt und galt als Verräter und Versager. Doch später als König agierte er realistisch wie der junge Heinrich II., entschlossener als sein Bruder Gottfried und strategischer als Richard. Er besaß ein hohes Maß an Regierungserfahrung, Organisationstalent und die Bereitschaft, sich auch in Verwaltungsdetails einzuarbeiten ...."


    Andere Quellen kann ich ad hoc nicht nennen, gelesen habe ich das aber mittlerweile mehr als einmal. Wenn man ihn als König differenzierter betrachten kann als früher, warum dann nicht auch als Mensch. Die Plantagenets waren eine schwierige Familie, das kann beim jüngsten Kind Eleonores durchaus Probleme verursacht haben.

  • Über diese Brücke gehe ich nicht mit. Es tut mir leid - nein, tut es eigentlich nicht - ich kann an einem sadistischen Massenmörder und -vergewaltiger nichts positives finden, schlechte Kindheit hin oder her. Punkt.

    Geschichte ist kein wünsch dir was, und was ich oben geschildert habe, trifft auf John vollumfänglich zu.

    Wo W.L. Warren das her hat, weiß ich nicht, aber besserer Stratege als Richard? Das ist einfach lachhaft.

    Gegen Richard sah Saladin in Palästina keinen Stich und Philipp jagte er nach seiner Freilassung mit Fußtritten aus seinem Land, bis der nur noch rannte, rannte, rannte. Zweimal wäre er dabei fast ums Leben gekommen.

    Bis zu seinem Tod hatte Richard alle verlorenen Ländereien des angevinischen Reichs zurückerobert, John sie in fünf Jahren wieder verloren.

    Ähnliches ließe sich zu dem Vergleich mit dem jungen Henry II. sagen. Den Streit mit der Kirche nehme ich ihm nicht übel, aber auch da ist er eingeknickt und hat England dem Papst als Lehen übertragen.

    Dein Bemühen, in ihm etwas Gutes zu sehen in Ehren, aber hier ...

    There must be a beginning of any great matter, but the continuing unto the end until it be thoroughly finished yields the true glory. (Francis Drake)

  • Nein, da bin ich auch defintiv nicht mit an Bord und deiner Meinung, Mac. es gibt Sachen, die kann man nicht entschuldigen

  • Und seine Männer schliessen sich dem König an. Gut, was anderes ist ihnen ja eigentlich nicht übriggeblieben.

    ja, eigentlich gab es gar keine andere Wahl aber eigentlich war das ein großes Glück dieses Ultimatum. Ewig hätte das doch auch nicht gehen können.


    Tu's besser, du wirst überrascht sein. Vor allem von Johns Ende. Band drei ist mein Lieblingsroman - wenn man das als Autor überhaupt sagen darf - in der Reihe.

    Aber bis John sein Ende findet wird er sicher noch einigen Schaden anrichten, denke ich. Schauen wir mal, ob das dann auch unser Liebling wird. ;)

  • Ich denke, jede Mutter kann ab einer bestimmten Grenze ihr "Kind" nicht mehr in Schutz nehmen, und das was John tut kann niemand gutheissen

    Kommt sicher auf die Mutter und die Beziehung zu ihren Kindern an. Ich frage mich, ob sie nicht Richard schon immer bevorzugt hat und John vielleicht auch deshalb so geworden ist.

  • So schätze ich sie eigentlich nicht ein, aber kann natürlich sein.....

    John war erst sieben Jahre alt als Henry Eleonore einsperrte und mit wenigen Ausnahmen jeden Kontakt zu ihren Söhnen unterband. Als sie dann freikam war er 23. Sie hatte also kaum Einfluss auf seine Erziehung und konnte ihm gegenüber auch Richard nicht bevorzugen.

    There must be a beginning of any great matter, but the continuing unto the end until it be thoroughly finished yields the true glory. (Francis Drake)

  • Was für ein Schicksal..ich finde sie ist eine tolle Frau...

    Kinder wurden damals oft außer Haus erzogen beziehungsweise früh von den Eltern getrennt. So begann ja auch die Geschichte um Robins Großvater.

    Eleonore hat ja auch kräftig gelitten, aber manchmal frage ich mich, warum viele furchteinflößende Machtkämpfer fast nur die männlichen Gegner umgebracht haben. Ob es familiäre Gründe hatte? Viele waren irgendwie ja verwandt.

    :hörend Taavi Soininvaara - Finnisches Quartett
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    :lesend Ulf Schiewe - Land im Sturm

    :lesend Mac P. Lorne - Das Herz des Löwen

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    :lesend Lara Möller - Christopher Diecks - Privatdetektiv

  • Ich werde derartige Progrome wohl nie verstehen. Wie können Menschen sich derart verhalten und aufstacheln lassen, dabei jedes kleinste bißchen Vernunft beiseite legen, das sie eventuell noch in sich gehabt hätten.


    Wenigstens hat sich Richard hinterher gut verhalten, indem er sozusagen zu ihnen steht.


    Die Aufmarschszene vor Nottigham gefiel mir richtig gut. Ebenso die beginnende Freudschaft Richards & Robins.

    Daß Marian sich zu wehren weiß, hat die "John-Szene" sehr belebt. Ich mag das Mädel einfach :grin


    Aber leider kan ich mir auch vorstellen, daß John - so als nachtragender Psychopath - versuchen wird, sich zu rächen. Daß er im Unrecht war, wird er eh nie kapieren.

    Ich hoffe nur, daß es nicht dazu kommt und Marian immer die Möglcihkeit hat, sich zu wehren oder Hilfe von Eleanore zu bekommen.



    So - nun auf zu großen Fahrt....