'Lunapark' - Seiten 457 - Ende

  • Wieso geht das jetzt mit Gennat so doof aus, Gereon benimmt sich aber auch selten dämlich. Vielleicht wäre es auch besser gewesen, Fritze wäre das Opfer, was da noch bei rum kommt?? Dieser Schulfreundvater, Name fällt mir gerade nicht ein, hat ihn ja ganz schön eingeschworen. Sozusagen tut er ein gutes Werk und den Eltern einen Gefallen, sich selbst natürlich auch, aber die Gefahr ist vorhanden. Ich glaube, den nächsten Teil will ich lieber nicht lesen.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • Ich bin heute auch fertig geworden - dank langen Wartens auf Krankenhausfluren - und muss das Ende erst einmal verdauen.

    Gereon ist unverbesserlich und ich habe keine Ahnung, wie er sich wohl in einem neuen Band entwickeln könnte. Und Fritze wird emotional schon arg vernachlässigt, welchen Weg er wohl gehen wird?


    Der nächste Band soll ja wohl im Oktober erscheinen - ob ich den noch lese, weiß ich wirklich noch nicht.

  • Oh je Fritze :cry Wirklich miteinander geredet wird in der Familie Rath ja eh nicht und bei Fritze ist es wahrscheinlich eh zu spät, der ist voll drin im Braunen Sumpf.


    Gennats Reaktion kann ich nachvollziehen, für ihn muss es so aussehen, als wäre Rath auch voll auf Parteilinie der Nazis und von denen hat er ja wohl nicht allzu viel gehalten. Mit den wirklichen Beweggründen von Gereon wäre er aber bestimmt nicht einverstanden.


    Den nächsten Band werde ich auf jeden Fall lesen, auch wenn es bestimmt reichlich schreckliche Szenen geben wird.

  • Kutscher hat einen Weg gefunden, alles zu einem Ende zu bringen. Das ist nachvollziehbar und durch die Einbindung in das Zeitgeschehen erschreckend realistisch.


    Zwei Personen sind mir in diesem Buch wirklich sympathisch, Gennat und Emilie Osterberg. Gennat hat Rückgrat und Emilie wird ihrem Mann mit ihrem klaen Blick auf die Lage das Leben retten, indem sie nach Dänemark auswandern.


    Gräf tut mir leid, er muss - auch vor sich selbst - seine Homosexualität verleugnen, um weitermachen zu können.


    Die übrigen sind mir inzwischen egal. Deshalb werde ich auch die Fortsetzung lesen. Mir ist wurscht, was mit Gereon passiert, Charly tut mir irgendwie leid und interessant könnte Fritzes weitere Entwicklung werden. Die drei sind für mich keine Familie, eher eine Wohngemeinschaft ohne tieferen Zusammenhalt. Eigentlich kann es für alle drei nur noch bergab gehen.

  • Ich fand das Buch wieder einmal genial. Es ist halt ein Bild der dunklen deutschen Geschichte und kein Familienroman. Kutscher schreibt authentisch und bindet sehr viele historischen Personen und Ereignisse mit ein.


    Kutscher konnte Gennat nicht begeistert sein lassen. Immerhin wurde Gereon hier mal wieder zum Mörder und als Autor muss er dem ja wohl noch etwas Moral entgegensetzen. Und wäre Gereon ihm gegenüber ehrlich geworden, hätte Gereon verhaftet werden müssen, wenn Gennat sich nicht mitschuldig machen wollte. Und das ging wiederum nicht, da Kutscher die historischen Fakten nicht verdrehen will. Gennat ist ja eine historische Person.

  • Gräf tut mir leid, er muss - auch vor sich selbst - seine Homosexualität verleugnen, um weitermachen zu können.

    Ich hatte gar nicht das Gefühl, dass Gräf wirklich homosexuell war, sondern dass er einfach nur die Verführung und Erregung zuließ.


    ... und natürlich, weil uns Kutscher das Problem des §175 näherbringen wollte.

  • Stimmt schon, Kutscher gelingt es hervorragend, die Ereignisse in Berlin 1934 in einen Roman umzusetzen und einen Eindruck von der Stimmung zu vermitteln.


    Was mir zunehmend nicht gefällt ist die Darstellung der Personen Gereon und Charly. Wenn ich eine Buchreihe lese, tue ich das auch, um die Entwicklung der Personen mitzuerleben. Bin neugierig, wie die sich entwickeln.

    Für mich entwickelt Gereon sich überhaupt nicht. Er hat zwar gelegentlich "lichte Momente", einen kurzen Hauch von Selbstkritik, es folgt aber nie etwas.

    Er hat geheiratet, ein Kind als Pflegekind aufgenommen, fühlt sich diesen Menschen innerlich aber überhaupt nicht verbunden. Er arbeitet als Polizist, hat aber keinerlei positive Verbindung zu seinen Kollegen - und das kann man nicht nur der politischen Entwicklung angelastet werden.

    Er hat nicht einen einzigen Freund, kein Hobby.


    Bei Charly ist das etwas anders. Sie ist sehr viel offener, interessiert sich für ihre Mitmenschen, engagiert sich teilweise sogar zu sehr. Ehrlich gesagt verstehe ich gar nicht, wieso sie überhaupt bei Gereon bleibt. Im Buch hat sie eigentlich nur die Funktion, das auszugleichen, was Gereon fehlt.

  • Ein bisschen davon gab es in den vorangegangenen Büchern. Gräf war mal ein Freund. Und der Journalist. Und es gab mal den Freund aus Kölner Tagen. Hobbys? Saufen im “Nassen Dreieck“. ;)

    Für Privatleben war in diesem Buch keine Zeit mehr. Getanzt und gefeiert wurde nur noch in Nazikreisen.


    Wenn ich einen störenden Punkt nennen soll, dann dass immer wieder die gleichen Fehler zu Problemen bei Charly und Gereon führen. Aber Charly zweifelt ihre Ehe nun ja auch schon an.

  • Nicht nur der geschichtliche Hintergrund der Reihe wird zunehmend düsterer und erschreckender, die Handlung wird davon beeinflusst und lässt kaum noch Raum für positive Entwicklungen.

    Wir schreiben jetzt das Jahr 1934 und eigentlich wollte ich aus der Reihe schon aussteigen, denn ich kann nur sehr schwer über diese Zeit lesen, ohne dass es mich wütend macht.

    Gereon macht mich auch wütend. Er und Charly versuchen jeder auf seine Weise, mit der politischen Situation umzugehen. Ich bin gespannt wie lange es ihm noch gelingen wird, sich so durchzumogeln, ohne Farbe zu bekennen.

    Der Kriminalfall ist ebenso düster und Recht und Ordnung treten immer mehr in den Hintergrund.

    Kutscher gelingt es hervorragend, seine Krimihandlung in die politische und gesellschaftliche Situation der Zeit einzubetten und so werde ich den Folgeband auch sicher wieder lesen.

  • Oh, ich habe in diesen Abschnitt gar nichts mehr geschrieben! Zeit, das zumindest kurz noch nachzuholen!


    Kutscher gelingt es hervorragend, seine Krimihandlung in die politische und gesellschaftliche Situation der Zeit einzubetten und so werde ich den Folgeband auch sicher wieder lesen.

    Ja, dem kann ich nur zustimmen! Und allen meinen Vorschreibern, die sich sehr schwer tun mit der Zeit, auch. Wenn Kutscher nicht so gut und interessant schreiben könnte, würde ich auch die Finger von dieser Zeit (literarisch gesehen) lassen, aber so werde ich wohl doch wieder zum nächsten Brand greifen. Obwohl es zusehend düster und auch anstrengend wird.


    Auch Gereon wird immer düsterer. Zunächst war er ein Einzelgänger mit ein paar Spleens, aber er rutscht zunehmend ab. Ob er da nochmal rauskommt? Was er mit Fritze macht, fand ich jetzt absolut gemein - kein Wunder, wenn der Junge ihm das sehr krummnimmt! Aber wie blöd muss Gereon denn sein, dass er überhaupt nicht daran denkt, wie sein Verhalten auf Fritze wirken könnte! Und das wäre doch eine Entschuldigung gewesen: der Mörder wollte sich an ihm rächen, hat sich seinen Jungen geschnappt und um ihn zu befreien, hat Gereon ihn erschossen. Oder so wies war: Fritze ist seinem Pflegevater bei einem Einsatz nachgeschlichen, hat sich damit in Gefahr gebracht, den Mörder aber dann angeschossen und Gereon hat ihn im Schock den Rest gegeben. Oder so irgendwas. Wäre besser gewesen als diese dürftige Version und auch Fritzes Einsatz (der hat es hier ja wirklich nur gut gemeint) wäre nicht ganz und gar unbemerkt geblieben. Aber sowas ... unmöglich!


    Von daher: wirklich ein düsteres Ende.

    „Aber das macht unser Leben aus, nicht wahr? Dass wir durch Begegnungen zu dem werden, was wir schlussendlich sind.“ Michael Düblin, Der kalte Saphir, Seite 263