'Der Gang vor die Hunde' - Seiten 231 - Ende

  • Den Anhang fand ich ausgesprochen interessant und informativ, tatsächlich habe ich durch diese Erläuterungen vieles besser verstanden.


    Auch hier finden sich wieder viele Parallelen zur aktuellen Lage. Im "Vorwort zur Neuauflage" und im "Vorwort des Verfassers" gibt es einen einen Absatz, bei dem mich echt geschaudert hat und der mich gar nicht mehr loslässt:

    " … die Sucht, sich zu betäuben, die Aktivität bedenkenloser Parteien, das waren die Sturmzeichen der nahenden Krise. Und auch die unheimliche Stille vor dem Sturm fehlte nicht - die einer epidemischen Lähmung gleichende Trägheit des Herzens, Es trieb manche, sich dem Sturm und der Stille entgegenzustellen. Sie wurden beiseite geschoben. Lieber hörte man den Jahrmarktschreiern und Trommlern zu, die ihre Senfpflaster und giftigen Patentlösungen anpriesen. Man lief den Rattenfängern nach, hinein in den Abgrund …"


    Da stehen noch viele bemerkenswerte Sätze, die ich mir nochmal in Ruhe zu Gemüte führen muss.


    Hier im Anhang taucht auch die Wendung auf, die hier schon in der Diskussion genannt wurde, dass "sein angestammter Platz der verlorene Posten ist". Jetzt nach dem Lesen des ganzen Buches würde ich das auch unterschreiben. Aber vielleicht lohnt es sich auch, von einem verlorenen Posten aus zu kämpfen.


    Im Kapitel zur Entstehung des Romans wird auch der 8-jährige Junge Hans Löhr genannt, der in der Erstverfilmung von "Emil und die Detektive" eine kleine Rolle spielte und mit dem Kästner bis zu Löhrs Tod 1942 gut befreundet war.

    Die Geschichte dieser Freundschaft, ebenso Kästners Freundschaft zu dem Zeichner Erich Ohser, der später als E. O. Plauen berühmt würde, die Filmarbeiten und ganz generell das Leben Erich Kästners zwischen 1928 und 1945 In Berlin, wurden in einem wirklich guten und sehenswerten Film umgesetzt, "Kästner und der kleine Dienstag" heißt der (Wikipedia-Infos zum Film). Florian David Fitz spielt den jungen Erich Kästner, und das macht er wirklich super. Der Film beleuchtet u. a. genau die Zeit, in der dies Buch hier spielt.


    Ich habe ihn letzten Winter gesehen, da lief er im ARD-Abendprogramm. In der Mediathek ist er leider nicht mehr verfügbar, aber es gibt eine DVD und er läuft bei Amazon Prime. Wirklich ein toller Film. Vielleicht kennen einige den schon, aber für die, die es noch interessiert, hier der Link: Kästner und der kleine Dienstag

  • Mich erinnert die Art des Buches an das kürzlich gelesene “Horns Ende“. Dort waren es ebenso einzelne Schnippsel an Erzählungen und vieles war auf Metaphern und Andeutungen reduziert. Hundertprozentig überzeugt und begeistert bin ich aber von beiden Büchern leider nicht. Aber wahrscheinlich konnte auch Kästner nicht noch politisch deutlicher werden, auch dieses Buch bereitete ihm ja kurze Zeit später schon Probleme.


    Ich werde nun “Notabene 45“ lesen. Das ist ein Teil seines blauen Buches und behinhaltet Kästners Tagebuchaufzeichnungen aus dem Jahr 1945.

  • :thumbup: Diesen Film habe ich mir zum Glück damals auf Festplatte aufgenommen und werde ihn demnächst noch einmal anschauen. :)

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    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Anton P. Tschechow: Erzählungen aus dem alten Russland

  • Zur Abkühlung lese ich jetzt von Erich Kästner "Drei Männer im Schnee"


    Hier gibt es auch einen arbeitslosen Akademiker, der Werbesprüche ersinnt und damit ein Preisausschreiben gewinnt. :licht

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    :lesend Anton P. Tschechow: Erzählungen aus dem alten Russland

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  • Ich fand die Nach- und Vorworte auch sehr interessant - man erfährt doch noch einiges über den Hintergrund sowie über Kästners Intention und damalige Situation. Die ganzen Anmerkungen zu den Änderungen habe ich allerdings nur überflogen, das war mir dann doch zuviel Detailarbeit, da hätte man das Buch ja quasi nochmal lesen müssen.


    Die Kästner-Filme kenne ich nicht.


    Euch lieben Dank fürs Organisieren dieser Leserunde, es hat mir großen Spaß gemacht, das Buch mit Euch zu lesen! :-)


    LG, Bella

  • Ich habe den Anhang noch nicht gelesen ,das hebe ich mir für das Wochenende auf.

    Aber ich habe durch dieses Buch hier richtig Lust bekommen, noch etwas von Erich Kästner zu lesen. Ich denke, ich werde mir von ihm auch noch "Notabene 45" und vielleicht noch "Als ich ein kleiner Junge war" besorgen. Die Sprache und der Stil von Kästner haben mir so gut gefallen. Davon möchte ich noch mehr lesen.:)

  • Ich hatte mal einen Sammelband "Kästner für Erwachsene" leider finde ich das Buch nicht mehr. Nach etwa 7 Umzügen kein Wunder. "Der kleine Grenzverkehr" und "Die verschwundene Miniatur" befinden sich noch in meinem Besitz. Auch seine Kinderbücher aus dem CvD Verlag als Sonderausgabe erschienen stehen noch im Regal. Ich mochte ihn schon immer.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • Ich hatte mal einen Sammelband "Kästner für Erwachsene" leider finde ich das Buch nicht mehr. Nach etwa 7 Umzügen kein Wunder. "Der kleine Grenzverkehr" und "Die verschwundene Miniatur" befinden sich noch in meinem Besitz. Auch seine Kinderbücher aus dem CvD Verlag als Sonderausgabe erschienen stehen noch im Regal. Ich mochte ihn schon immer.

    "Kästner für Erwachsene" habe hier. Ich möchte nach und nach alles daraus lesen.

    :lesend

    "Read. Read anything. Read the things they say are good for you, and the things they claim are junk. You'll find what you need to find. Just read.”
    - Neil Gaiman


  • "Kästner für Erwachsene" klingt gut.:-] Ich werde mal schauen, ob ich das gebraucht bekomme.

    Saiya : hast Du diesen Schuber mit den 4 Bänden??

    Ja, 4 Bände und blau mit einem gezeichneten Portrait von Kästner.

    :lesend

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    - Neil Gaiman


  • Das sieht aber nach grün aus? :gruebel


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    Ich habe diese Ausgabe in 4 Bänden: https://www.amazon.de/Kästner-für-Erwachsene-Ausgewählte-Schriften/dp/B00Q9D2HM6


    Das ist eine ältere Ausgabe vom Deutschen Bücherbund, erschienen wahrscheinlich irgendwann in den 80igern.

    :lesend

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  • :klugscheiss das ist eher türkis ;)

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    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Anton P. Tschechow: Erzählungen aus dem alten Russland

  • Mich erinnert die Art des Buches an das kürzlich gelesene “Horns Ende“. Dort waren es ebenso einzelne Schnippsel an Erzählungen und vieles war auf Metaphern und Andeutungen reduziert. Hundertprozentig überzeugt und begeistert bin ich aber von beiden Büchern leider nicht.

    Ich finde keine Parallelen zu "Horns Ende", aber das kann ja jeder anders sehen. Fabian begleitet uns durch das ganze Buch. Ich finde auch keine Sprünge in diesem Roman, sondern es geht sehr konstant vorwärts.

    Aber wahrscheinlich konnte auch Kästner nicht noch politisch deutlicher werden, auch dieses Buch bereitete ihm ja kurze Zeit später schon Probleme.

    Sehr passend fand ich den Satz, dass diese Buch nicht für Konfirmanten ist, egal wie alt. Die Figuren stehen nackt da, bildlich oder auch wirklich. Kästner bespiegelt nach meiner Ansicht schonungslos die Zeit und seine Mitmenschen. Ich finde ihn auch politisch recht deutlich, natürlich im zeitlichen Kontext. Kein Wunde, dass er das Buch so nicht veröffentlicht gekriegt hat.

  • Ich finde keine Parallelen zu "Horns Ende",

    Beides sind Bücher, die unter dem Druck der Diktatur entstanden sind und veröffentlich wurden. Beide leben stark von Andeutungen und Metaphern oder Vergleichen und haben ihre stärksten Aussagen eher zwischen den Zeilen und in der Interpretation ... finde ich. ;)

  • Ich möchte mich bei euch entschuldigen, es war mir leider nicht möglich, zeitnah an dieser Leserunde und der interessanten Diskussion teilzunehmen.

    Das Buch habe ich gelesen. Vielleicht hätte ich vorher keine biografischen Sachen zu Kästner lesen sollen, das hat leider etwas am Lack gekratzt.

    stärksten Aussagen eher zwischen den Zeilen und in der Interpretation

    Ja, das fand ich auch.

    Die eindeutigste Aussage war für mich "Lernt schwimmen!".

    Die Moral des Moralisten empfand ich doch oft als Doppelmoral.

    Eine gute Beschreibung eines Verlorenen, der sich nicht mehr zurecht findet im Leben, das hatte für mich weniger mit den politischen Verhältnissen zu tun.

    Fabian hat mich aber auch über mich nachdenken lassen, es ist doch oft viel bequemer, über all den Schlechtigkeiten der Menschheit zu resignieren, als etwas dagegen zu tun.


    Macht aber jetzt für mich auch keinen rechten Sinn mehr, näher auf die Einzelheiten einzugehen. Vielleicht klappt es bei einer anderen Leserunde wieder besser mit mir.

    Man sollte alles lesen. Mehr als die Hälfte unserer heutigen Bildung verdanken wir dem, was wir nicht lesen sollten.

    Oscar Wilde (1854 - 1900)