Ich lese gerade: Andreas Eschbach - NSA - Nationales Sicherheitsamt

  • Zur Zeit lesen oder hören ja ein paar Eulen das neue Buch von Andreas Eschbach. NSA - Nationales Sicherheitsamt.


    Ich habe mittlerweile die ersten gut 200 Seiten verschlungen und dachte, ich mach mal einen Thread dazu auf - vielleicht hat ja noch jemand Lust sich über das Gelesene auszutauschen.


    Nach dem ersten Kapitel hatte ich auf jeden Fall kurz das Bedürfnis hier sämtliche Stecker zu ziehen und nie wieder irgendetwas online zu tun. Da helfen auch alle Datenschutzvereinbarungen nichts, wenn die falsche Stelle die gesammelten Daten auswertet. Interessant fand ich dabei, dass wirklich offensichtliche Schlüsse gezogen wurden und nicht irgendwelche Annahmen zusammenkonstruiert wurden.

    Ich bin insgesamt faszniert von dem gesamten Szenario und wie raffiniert die einzelnen Punkte eingefädelt wurden: das online-Tagebuch ohne Löschmöglichkeiten, das fehlende Bargeld, die Datensilos überhaupt, ...


    Die Rolle der Programmstrickerinnen erinnert mich an den Film "Hidden Figures". Erstaunlich, dass viel später kaum Frauen in diesem Bereich zu finden waren.

  • Der Thread ist wirklich eine gute Idee! Ich lese das Buch auch gerade und denke schon die ganze Zeit, dass eine Leserunde dazu toll wäre, weil es reichlich Diskussionsstoff hergibt.


    Ich habe heute viel gelesen und bin ziemlich genau in der Mitte des Buchs. Muss jetzt nur aufpassen, nicht aus Versehen allzu viel zu spoilern.


    Mich haben schon die ersten Kapitel schaudern lassen, wo sie Himmler diese Live-Judenverfolgung vorführen. Da ahnt man mit Grauen schon, welch ein schreckliches Machtinstrument so eine Totalüberwachung sein kann, und wie unentrinnbar die Menschen darin gefangen sind, dass es kein Entkommen aus so einem System gibt, in dem alles und jeder erfasst ist. Ich glaube auch, dass das bei uns schon viel weiter gediehen ist, als wir überhaupt ahnen. Wenn solche technischen Möglichkeiten vorhanden sind, dann werden sie auch genutzt, und wenn solche Ideen erstmal in die Welt gesetzt sind, werden sie auch weiterverfolgt.


    Irgendwie muss ich dauernd Parallelen zu Dave Eggers "Der Circle" ziehen, das ich vor einiger Zeit gelesen habe, die Verfilmung habe ich erst vor ca zwei Wochen gesehen, das ist noch ziemlich frisch. Dieses Buch hat ja unter anderem auch diese Art von Überwachung zum Thema, allerdings in einer fiktiven Zukunft. Nur weiß ich nicht, welche Version von beiden ich schlimmer finden soll - in Eschbachs Buch geht die Überwachung allein vom Staat aus und wird den Bürgern praktisch mit Gewalt aufgedrückt, wogegen im "Circle" die Massen sich mehr oder weniger freiwillig und jubelnd der totalen Vernetzung und Überwachung unterwerfen. Da ist eins so gruselig wie das andere.


    Das alles sind Themen, die mich sehr beschäftigen, und diese ganzen Totalüberwachungsszenarien finde ich grauenhaft und sehr beängstigend. Aber auch erschreckend realistisch.


    Ja, an die "Hidden Figures" musste ich auch denken, ich habe mir auch die Örtlichkeiten ein bisschen so vorgestellt wie die im Film. Die Mathematikerinnen waren ja genauso verkannt wie die Programmiererinnen hier im Buch, wobei beide herausragende, hochqualifizierte Arbeit leisten. Auch im Buch wird diese Art Arbeit ja eher als minderwertig angesehen, was ich zwar nicht so ganz nachvollziehen kann, was aber wohl der Grund dafür ist, dass Frauen sie überhaupt ausüben dürfen.


    Helene finde ich sehr sympathisch, dagegen waren für mich die Passagen mit Eugen Lettke nur schwer zu ertragen, das ist ja mal so ein richtiger Psycho. Mal schauen, was da noch alles kommt.


    Was ich witzig finde, das ist, wie die ganzen Begriffe, für die wir jetzt meist nur englische Vokabeln verwenden, an die deutsche Sprache angepasst wurden. Also Elektropost anstatt eMail, Parole anstatt Passwort, Schreibmarke anstatt Cursor usw. Daran könnte ich mich im Alltag direkt gewöhnen :S

  • Nach weiteren 100 Seiten zum Sonntagsfrühstück stelle ich fest, dass sich hier im Mittelteil ziemliche Längen ergeben. Es geht gerade viel um Programmierung und Abfragen und die richtige Formulierung von Suchbefehlen, und das wird alles sehr akribisch geschildert. Da merkt man, dass der Autor so etwas mal beruflich gemacht hat und Ahnung von der Materie hat. Ich finde das schon spannend und interessant, und es ist vor allem verblüffend und beängstigend, was die Analysten aus der Verknüpfung dieser ganzen Daten herauslesen können. Aber diese ganzen Erklärungen werden allmählich auch ein bisschen ermüdend in ihrer schieren Menge.


    Ansonsten nimmt die Spannung aber stetig zu und Helene kommt immer mehr in die Bredouille und in Gefahr, dass ihr "Geheimnis" auffliegen könnte. Bin gespannt, was sie jetzt tun wird, und in welche Richtung sich die Arbeit im NSA noch entwickeln wird, nachdem jetzt auch die ganz großen, einflussreichen Leute erkannt haben, was man damit alles erreichen kann. Ich fürchte nur, es wird nichts Gutes sein.

  • Helene finde ich sehr sympathisch, dagegen waren für mich die Passagen mit Eugen Lettke nur schwer zu ertragen, das ist ja mal so ein richtiger Psycho. Mal schauen, was da noch alles kommt.

    Ja, Eugen Lettke ist wirklich eine widerliche Type, aber gut geschildert. Blöd nur, dass er nun auch was gegen Helene in der Hand hat - auch wenn ich schmunzeln musste bei seinem Gegenleistungswunsch.

    Ich hoffe, er folgt auch seinem merkwürdigen Ehrenkodex und lässt Helene in Ruhe...


    Verwundert hat mich, dass er Cäcilie so überhaupt nicht wiedererkannt hat...

  • Nach weiteren 100 Seiten zum Sonntagsfrühstück stelle ich fest, dass sich hier im Mittelteil ziemliche Längen ergeben. Es geht gerade viel um Programmierung und Abfragen und die richtige Formulierung von Suchbefehlen, und das wird alles sehr akribisch geschildert. Da merkt man, dass der Autor so etwas mal beruflich gemacht hat und Ahnung von der Materie hat. Ich finde das schon spannend und interessant, und es ist vor allem verblüffend und beängstigend, was die Analysten aus der Verknüpfung dieser ganzen Daten herauslesen können. Aber diese ganzen Erklärungen werden allmählich auch ein bisschen ermüdend in ihrer schieren Menge.


    Ich fand diese Programmier-Anleitungen und Erklärungen ganz interessant - habe allerdings auch beruflich schon viel damit zu tun gehabt. Beim Lesen habe ich aber auch immer wieder überlegt, ob Leser, die mit Abfragen und Programmierung nichts am Hut haben, dass interessant und nachvollziehbar finden. Also danke, dass Du meine Frage schon vorab beantwortet hast. :lache


    Helenes Eltern bzw. ihr Vater scheinen viel tiefer in irgendwelchen Regierungsaktivitäten verstrickt zu sein als ich erst so vermutet hätte, bin gespannt, was da noch kommt.

  • Ich fand diese Programmier-Anleitungen und Erklärungen ganz interessant - habe allerdings auch beruflich schon viel damit zu tun gehabt. Beim Lesen habe ich aber auch immer wieder überlegt, ob Leser, die mit Abfragen und Programmierung nichts am Hut haben, dass interessant und nachvollziehbar finden. Also danke, dass Du meine Frage schon vorab beantwortet hast. :lache


    Helenes Eltern bzw. ihr Vater scheinen viel tiefer in irgendwelchen Regierungsaktivitäten verstrickt zu sein als ich erst so vermutet hätte, bin gespannt, was da noch kommt.

    Also interessant finde ich das schon, sogar sehr, und es ist auch ohne große Vorkenntnisse ganz gut zu verstehen. Ich habe einige angestaubte Grundkenntnisse in Basic und habe mich vor Jahren recht ausgiebig in html eingearbeitet, um meine Webseite erstellen und bearbeiten zu können. Das hilft natürlich, weil so ganz fremd sind mir solche Befehle und die Struktur von solchen kleinen Programmen nicht, ich habe zumindest schon mal so etwas gesehen.


    Aber ich glaube auch, dass man das völlig ohne Kenntnisse verstehen kann, denn die Abfragen, die Helene da schreibt, sind ja eigentlich recht simpel und logisch. Und notfalls kann man über die auch hinweglesen. Es geht im Grunde ja nur darum, was sie dann bewirken.


    Ich finde es auch recht interessant zu verfolgen, wie Helene die Vorgaben von Lettke in ihre Programme umsetzt, ihre Gedankengänge und Überlegungen, wie sie das bewerkstelligen und in ihre "Strickmuster" umsetzen kann. Faszinierend ist das schon, und ich glaube, ich hätte an so einem Beruf durchaus Freude haben können. Aber das kam alles erst nach meiner Zeit, meine ersten Arbeitsjahre habe ich noch mit Lochkartenmaschinen verbracht :lache


    Helenes Vater, ja ... da kommt mal eine Szene, wo sie mit einem von Helenes Heiratskandidaten bei Tisch sitzen und er über seine Arbeit mit Rassenhygiene und Menschenzuchtprogrammen referiert, bist du da schon? Da dreht's einem echt den Magen um.


    Er sagt ja selbst, dass er mit dem NSA zu tun hat, und vermutlich mehr, als wir Leser zu dem Zeitpunkt wissen dürfen. Ich glaube auch, dass dieser Arzt noch eine Rolle spielen wird, den Helene da nachts an der Verladerampe gesehen hat, dieser Hirnforscher. Die Richtung, in die die Geschichte gehen wird, ist ja noch nicht so ganz klar, aber wenn ein Nazi-Chirurg, ein Hirnforscher und diese immensen Datensammlungen eine Rolle spielen, wird sie wohl ein böses Ende nehmen.


    Lettke ist ja völlig besessen von seiner Rache und verbringt einen Großteil seiner Arbeitszeit damit, diese Frauen ausfindig zu machen. Der tut ja nix anderes mehr. Bin gespannt, ob er deswegen noch mal eine auf den Deckel kriegt (was ich schwer hoffe). Diese Heimlichkeiten können ja nicht völlig unbemerkt bleiben.


    Was mich positiv überrascht, ist, dass dieser dicke Wälzer von Buch sich trotz seines Umfangs und der vielen technischen Begriffe doch so rasant und flüssig weglesen lässt, man kann es wirklich nur schwer aus der Hand legen.


    An den ganz schlimmen Stellen überfällt mich auch ab und zu eine Art stille Dankbarkeit, dass Hitler all diese Instrumente noch nicht zur Verfügung hatte und dass er seinen Sch...krieg obendrein verloren hat. Das "Was wäre, wenn doch", will ich mir gar nicht ausmalen, und ich glaube, es würde den Verstand eines friedlichen, mitfühlenden, vernunftbegabten Menschen bei Weitem übersteigen :wow

  • Ich bin jetzt mit dem Buch auch fertig. Und zutiefst erschüttert. Und auch irgendwie sprachlos, im Moment habe ich wirklich kaum Worte für meine Eindrücke.

    Was für ein schrecklicher, entsetzlicher Schluss, auch wenn er in der Form eigentlich nur konsequent ist. Die letzten dreißig, vierzig Seiten konnte ich kaum mehr umblättern, weil es mich so sehr davor gegraut hat, weiterzulesen. Aber natürlich muss man bis zum bitteren Ende lesen, es geht gar nicht anders.

    Ich fürchte, dieses Buch und vor allem die letzten Kapitel werden mir so schnell nicht wieder aus dem Kopf gehen. Schon allein der Gedanke, so eine Welt könnte tatsächlich irgendwann einmal existieren, wäre wirklich möglich... es packt einen so ein Entsetzen, dass es kaum auszuhalten ist.

  • Oh, da gruselt es mich nun vor dem Weiterlesen...


    Ich bin gerade an der Stelle, wo es sozusagen nach dem 1. Kapitel weitergeht und die Auswertungen ziemlich Fahrt aufnehmen. Und ich finde das schon schrecklich.


    Da werden sicher auch die Forschungen von Helenes Vater eine Rolle spielen...

    Lettke ist ja völlig besessen von seiner Rache und verbringt einen Großteil seiner Arbeitszeit damit, diese Frauen ausfindig zu machen. Der tut ja nix anderes mehr. Bin gespannt, ob er deswegen noch mal eine auf den Deckel kriegt (was ich schwer hoffe). Diese Heimlichkeiten können ja nicht völlig unbemerkt bleiben.


    Lettkes Rachegelüste finde ich auf Dauer ziemlich zermürbend, das müsste wegen mir nicht so oft und so ausführlich beschrieben werden.

  • Danke Dir. :-)


    Mir ging es auch so, Stecker raus, Handy aus usw.


    Habe rund ein Viertel gehört und so vieles ist so aktuell. Einiges erinnert mich an Filme/Bücher, anderes ist leider erschreckend real. China geht da mit Riesenschritten voran (fehlt "nur" noch die Gesichtserkennung) und z.B. die Abschaffung des Bargelds wird ja auch hier diskutiert.


    Anfangs hat es mich ein wenig an "Vaterland" von Robert Harris und das leider noch nicht übersetzte "Dominion" von C.J. Sansom - allerdings mit der heutigen Technik. Und eine große Prise "Er ist wieder da" von Timur Vermes.


    Der lakonische Vortrag von Laura Maire macht den Text für mich etwas erträglicher und ich bin froh, nicht in einem solchen Staat leben zu müssen. Hitler und seineKonsorten waren so schon schlimm genug, mit unseren heutigen Möglichkeiten... möchte man sich eigentlich nicht vorstellen.


    Die Figuren sind leider - bisher - sehr glaubwürdig und ich wünsche mir sehr, dass Lettke so schnell wie möglich auffliegt. Als Sohn eines Kriegshelden hat man keine Freibrief für alles... *grusel*


    Interesssant finde ich die Bezeichnung "Programmstrickerinnen" - die schon klarstellt, dass kein Mann freiwillig diesen Beruf ergreifen würde und Lettke sich dann gegenüber den Programmierdetails so verhält, wie man es eigentlich eher - klischeehaft - von Mädchen bei dem Thema erwartet würden.

    "It is our choices, Harry, that show what we truly are, far more than our abilities." Albus Dumbledore
    ("Vielmehr als unsere Fähigkeiten sind es unsere Entscheidungen, die zeigen, wer wir wirklich sind.")

  • Rosenstolz

    Großartig und gruselig. Allerdings ist Laure Maire eine meiner Lieblingssprecherinnen, ihre unaufgeregte Art passt meiner Meinung nach perfekt.


    PS Der Anfang mit dem geänderten Schicksal der Familie Frank ist ein schauderhaft gelungener Einstieg. Die Begriffe für die moderne Technik, wie Datensilo, Votel usw. sind meiner Meinung nach sehr gelungen.

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    ("Vielmehr als unsere Fähigkeiten sind es unsere Entscheidungen, die zeigen, wer wir wirklich sind.")

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  • Rosenstolz

    Großartig und gruselig. Allerdings ist Laure Maire eine meiner Lieblingssprecherinnen, ihre unaufgeregte Art passt meiner Meinung nach perfekt.


    PS Der Anfang mit dem geänderten Schicksal der Familie Frank ist ein schauderhaft gelungener Einstieg. Die Begriffe für die moderne Technik, wie Datensilo, Votel usw. sind meiner Meinung nach sehr gelungen.

    Dann sollte ich wohl mal übers Hörbuch nachdenken.

  • Ich lese das Buch auch gerade.


    Auf den ersten 20 Seiten war ich mir noch nicht sicher, ob es was für mich ist, aber ab dem Moment, in dem man erst einmal mehr über die Figuren erfährt, hat das Buch einen ziemlichen Sog entwickelt.


    Inzwischen bin ich in der Hälfte und es wird immer spannender. Sogar die langen Programmieranleitungen haben mich nicht gestört. Die habe ich einfach als "gehört dazu" gesehen.


    Wie leicht wir heutzutage in allen Bereichen zu überwachen und zu verfolgen sind, ist ja so ziemlich jedem bekannt. Allein das würde schon für eine spannende Geschichte ausreichen. Aber gerade durch die Kombination mit der Nazi-Zeit und den Grauen von damals bekommt diese ganze Überwachungssache noch mal einen extra gruseligen Touch, finde ich. Da kann man nur heilfroh sein, dass es das damals alles noch nicht gab.


    Die Idee, unser Technikzeitalter mit der Nazi-Zeit zusammenzubringen, macht aus einer Geschichte, die ein "gewöhnlicher" Thriller geworden wäre, was Besonderes.


    Bin gespannt, wie es weitergeht.

  • Die Idee, unser Technikzeitalter mit der Nazi-Zeit zusammenzubringen, macht aus einer Geschichte, die ein "gewöhnlicher" Thriller geworden wäre, was Besonderes.

    Das finde ich auch! Das ist eins der Bücher, bei dem man sich nach dem Lesen fragt, wieso das nicht längst schon jemand geschrieben hat - diese Kombination aus Historie und aktueller Technologie ist schon genial.


    Ich fand es auch um einiges glaubwürdiger als eine reine Zukunftvision, die ausschließlich auf der Fantasie des Autors beruht. Hier ist es natürlich auch nur Fantasie, aber verknüpft mit historischen Fakten ergibt es irgendwie ein realistischeres, greifbareres Bild.

  • Die Idee ist soooo neu nicht - nicht zuletzt das gesamte Genre Steampunk basiert auf ihr. ;)


    Eschbach macht alles an einer Kleinigkeit fest: Hätte es Charles Babbage geschafft, die analytical engine zu bauen, die er theoretisch weitgehend durchkonstruiert hatte, und wäre diese Idee nicht stattdessen für eine Weile in Vergessenheit geraten, dann hätte das Computerzeitalter wohlmöglich schon vor hundert Jahren begonnen. Das ist faszinierend und möglicherweise wäre das wirklich so geschehen, aber man muss sich auf die Idee schon ziemlich unkritisch einlassen, wenn man Eschbachs Roman genießen will (was ich tue - ich mag das Buch bislang sehr, bin ungefähr in der Mitte). Er lässt vieles sonst unverändert, er zieht quasi nur einige technologische und, vor allem, Entwicklungen der Datenverarbeitung und des Umgangs damit um ungefähr 100 Jahre vor, vom Handy über das Internet bis hin zu Facebook & Co.. Das ist sehr cool und macht das Buch bemerkenswert, zieht einige Fragen in den Fokus, die verdammtnocheins auch endlich dorthin gehören. Aber andererseits ist sehr, sehr stark zu bezweifeln, dass der Rest der Geschichte so weitergegangen wäre, wären die Menschen bereits Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts im Computerzeitalter angekommen. Ich würde das energisch bezweifeln. Aber auch das ist eine spannende Frage, die man sich nicht stellen würde, wäre Andreas nicht auf diese Idee gekommen.

  • Klar, Alternate History als Genre gibt es schon lange, weiter oben wurde ja auch schon mal "Vaterland" erwähnt. Oder ich kenne noch Stephen Frys "Geschichte machen", sicher gibt es da noch ganz viele andere. Neben Steampunk geht ja auch Urban Fantasy in diese Richtung, da werden fantastische Elemente nur eben mit der Jetztzeit anstatt mit historischen Epochen verknüpft, eine Art Alternate Reality. Aber ich meinte schon genau diese Kombination von belegter Historie mit unserem derzeitigen aktuellen Stand von Datentechnologie, Computern, Internet, Überwachung etc.

    Sicher habe ich keinen Überblick über alle Neuerscheinungen der letzten jahre, aber von so einem Buch habe ich noch nie gehört. Sollte es da tatsächlich schon welche geben, dann immer her damit, daran wäre ich interessiert :)


    Gerade zum Schluss hin tun sich noch viel mehr Fragen auf, da wird auch das Mensch-Sein an sich in Frage gestellt, alles, was einen Menschen ausmacht oder was wir zu sein glauben. Das hat mich an dem Buch am meisten schockiert, glaube ich.

  • Am Wochenende habe ich das Buch beendet. Über einige 100 Seiten hat es mich völlig gefesselt und auch nach dem Lesen noch beschäftigt.

    Aber die letzten ca. 150 Seiten haben mich - warum auch immer - nicht mehr so richtig gepackt.


    Diese Recherche zur Atombombe war mir irgendwie zu zäh, wobei mich ja in den Kapiteln vorher auch die eher theoretischen Erklärungen nicht gestört haben. Und danach hatte die Sogwirkung des Buches nachgelassen.


    Dennoch ein lesenwertes und beeindruckendes Buch, das mich noch eine Weile beschäftigen wird.

    Gerade zum Schluss hin tun sich noch viel mehr Fragen auf, da wird auch das Mensch-Sein an sich in Frage gestellt, alles, was einen Menschen ausmacht oder was wir zu sein glauben. Das hat mich an dem Buch am meisten schockiert, glaube ich.

    Ja, das war schon heftig... und ich überlege die ganze Zeit, an welches Buch mich diese Experimente erinnern.


  • Genauso ging es mir auch. Gruselig-spannend, vor allem durch die Kombi, den Überwachungsstaat ins dritte Reich zu verlegen. Gleichzeitig ist einem ständig bewusst, was in unserer heutigen Welt damit bereits gemacht wird und welche Möglichkeiten der Überwachung in Entwicklung sind.


    Die an Steampunk erinnernden Elemente (Holzgehäuse, Bakelit-Tastaturen, mit Dampf betriebene Rechenmaschinen gaben den ersten Kapiteln trotz des Gruselfaktors noch einen leichteren Ton.


    Habe es am Wochenende zu Ende gehört und die zweite Hälfte war sehr beklemmend. Die technischen Details haben mich nicht gestört, die düstere Atmosphäre war teilweise kaum erträglich.


    Das Ende ist heftig, andererseits sehr konsequent.


    chiclana

    Die Gehirnmanipulationen kommen mir auch irgendwie bekannt vor, komme auch nicht drauf.

    "It is our choices, Harry, that show what we truly are, far more than our abilities." Albus Dumbledore
    ("Vielmehr als unsere Fähigkeiten sind es unsere Entscheidungen, die zeigen, wer wir wirklich sind.")