'Mittagsstunde' - Seiten 076 - 155

  • Ich weiß auch nicht, ob man damals einen Namen für die betroffenen Menschen hatte oder ob die, im besten Falle als seltsam und schrullig, im schlechten als "Dorfdepp" bezeichnet wurden.

    Und bei Marret gab es ohnehin genug, worüber man sich das Maul zerreißen konnte.

    Ich empfinde das gar nicht so, dass das Dorf Marret ablehnt, eher im Gegenteil. Die Dorfgemenschaft nimmt sie hin, lässt Marret in ihren Küchen sitzen, durch die Gärten streifen. Über alle "normalen" 17-jährigen schwangeren Mädchen hätte man ebenfalls getuschelt, vor allem wissen wollen, wer der Vater ist. Heute wahrscheinlich auch noch.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Ich empfinde das gar nicht so, dass das Dorf Marret ablehnt, eher im Gegenteil. Die Dorfgemenschaft nimmt sie hin, lässt Marret in ihren Küchen sitzen, durch die Gärten streifen. Über alle "normalen" 17-jährigen schwangeren Mädchen hätte man ebenfalls getuschelt, vor allem wissen wollen, wer der Vater ist. Heute wahrscheinlich auch noch.

    So habe ich das auch verstanden. Man schüttelt den Kopf über Marrets Schrullen und Eigenarten, nimmt sie aber wie sie ist. Sie wird auch nirgends abgewiesen.

    Ob das heute mit den schwangeren Mädchen so ist? Bei uns im Nachbardorf wurde eine 13-jährige schwanger. Da gab es natürlich Gerede. Aber bei 17- jährigen? Nicht unbedingt. Kommt ja immer auf die Person an. Zu Marrets Zeiten aber war es ein Makel für die ganze Familie.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • Ich empfinde das gar nicht so, dass das Dorf Marret ablehnt, eher im Gegenteil. Die Dorfgemenschaft nimmt sie hin, lässt Marret in ihren Küchen sitzen, durch die Gärten streifen. Über alle "normalen" 17-jährigen schwangeren Mädchen hätte man ebenfalls getuschelt, vor allem wissen wollen, wer der Vater ist. Heute wahrscheinlich auch noch.

    :write


    Besonders interessant fand ich in diesem Zusammenhang wie Sönke damit umgeht. Die Gedanken, die er sich macht, gerade wie es im Dorf wohl angenommen werden wird...:), ich kann das ja nicht wirklich beurteilen, aber es hat sich für mich sehr authentisch angefühlt.

    Und wie gesagt, den Weg den er dann diesbezüglich beschreitet fand ich cool, und so richtig typisch für Sönke.

    Weil ich nicht mehr weiß, ob das schon in diesem Abschnitt zur Sprache kommt, will ich nicht genauer darauf eingehen.

  • Ich empfinde das gar nicht so, dass das Dorf Marret ablehnt, eher im Gegenteil. Die Dorfgemenschaft nimmt sie hin, lässt Marret in ihren Küchen sitzen, durch die Gärten streifen. Über alle "normalen" 17-jährigen schwangeren Mädchen hätte man ebenfalls getuschelt, vor allem wissen wollen, wer der Vater ist. Heute wahrscheinlich auch noch.

    Ja. Geredet wird immer, wenn es irgendwas außergewöhnliches gibt und das ist eine Schwangerschaft ohne festen Partner auf jeden Fall. Egal, ob es eine 13-, 17- oder 40-jährige ist. Nachdem Marret ja eh schon immer "anders" war, war es bei ihr vielleicht sogar leichter, diese Schwangerschaft zu "akzeptieren". Ich finde, die Familie geht erstaunlich souverän damit um, gerade im Hinblick auf die Handlungszeit.

    „Aber das macht unser Leben aus, nicht wahr? Dass wir durch Begegnungen zu dem werden, was wir schlussendlich sind.“ Michael Düblin, Der kalte Saphir, Seite 263