'Die Hyperion-Gesänge' - Seiten 0001 - 0143

  • Susannah Bei der Zeitschuld könnte es sich neben der Zeit im Tiefschlaf auch noch um die Zeitdifferenz handeln, die durch Reisen nahe der Lichtgeschwindigkeit entsteht (Zeitdilatation). In Joe Haldemanns Der ewige Krieg ist das gut beschrieben. Während auf der Erde 4,28 Jahre vergehen, würden für eine Person, welche sich mit 99 Prozent Lichtgeschwindigkeit bewegt, nur 0,60 Jahre (216 Tage) vergehen. Bei 99,99 Prozent sogar nur 0,06 Jahre (21,6 Tage). Und für interstellare Reisen über Entfernungen von mehreren Lichtjahren müsste man ja extrem schnell reisen. Dann könnte die Zeitschuld die Differenz zwischen gelebter Zeit und auf der Erde vergangener Zeit sein.


    Nachdem es beim dritten Abschnitt auch wieder darum ging fiel mir ein, dass ich dazu auch noch etwas schreiben wollte.


    Ich denke auch,dass hier mehrere SF Autoren die Problematik mit der Zeit bei langen Reisen ähnlich angegangen sind, wenn auch im Detail unterschiedlich. Beeindruckend plastisch erzählt finde ich es von CJ Cherryh im Buch Finity's End, wo 2 körperlich gleichaltrige Jugendliche oder junge Erwachsene zusammenkommen, der eine davon noch nie auf einem Raumschiff war, der andere auf einem geboren wurde und daher viel herumfährt und daher geistig 6, 7 Jahre hinterherhinkt. Was bei 17 körperlich zu 11 geistig gegenüber 17 körperlich und geistig einiges an Konfliktpotential zulässt :grin


    Also ich versteh es auch so, um die enormen Strecken zurücklegen zu können, wird man eingefroren oder hat den Tiefschlaf, ob der Körper dadurch dann altert oder nicht und wenn ja wie viel ist sicherlich Autorensache. Aber definitiv immer wieder spannende Überlegungen in die ich gerne eintauche. Auf jeden Fall vergeht Zeit relativ gesehen unterschiedlich zwischen Raumschiff und nicht Raumschiff, auch abhängig von der Reisegeschwindigkeit. Erleichtert wurde mir das Verständnis hier auch, dass ich die Abkürzung FTL durch andere SF schon kannte, das hätte ich hier anfangs nicht verstanden.

  • Ich komme auch mal hinterhergehumpelt. Ich habe zwar pünktlich mit dem Buch angefangen, bin aber leider nicht so viel zum Lesen gekommen, was aber keineswegs an dem Buch liegt, das mir bis jetzt wirklich gut gefällt. Es wird zwar vieles offen gelassen, doch man hat irgendwie immer das Gefühl noch genug zu verstehen, um alles mitzubekommen

    Ganz schön viel Technobabbel... Finde ich etwas anstrengend, ich hoffe, ich lese mich da noch rein. Und dieses Baum-Raumschiff ist wiederum ungewohnt biologisch in SF und für mich als Ingenieurin ganz schön abwegig.

    Ich finde die bloße Idee des Baumschiffs irgendwie faszinierend und hoffe eigentlich, noch mehr darüber zu erfahren. Ich finde Science Fiction darf auch gerne mal etwas abwegig werden, denn nur so kann man neue Sachen konstruieren oder zumindest Ideen für neue Technologien schaffen. Das haben ja auch schon diverse andere Science Fiction-Romane gezeigt, dass diese oftmals quasi als Vorlage für die Realität dienen.

    Mir gefällt, dass er sich nicht mit langen Erklärungen aufhält, sondern uns als Leser einfach mitten in die Geschichte hinein wirft.

    Anfangs fand ich das schon etwas anstrengend, aber je mehr man von der Geschichte liest, desto besser passt es. Ich denke auch, dass das Buch einfach zu trocken werden würde, wenn hier alles zunächst haarklein erklärt werden würde. Außerdem finde ich es als Leser spannend, mir Gedanken darüber zu machen, was genau gemeint sein könnte. Für mich ist das so ein eher neuer Ansatz, ich bin in der Science Fiction allerdings auch nicht allzu belesen.

    Den Konsul finde ich nicht allzu sympathisch. Wir wissen einfach auch noch nicht viel über ihn. Er scheint ein geborener charismatische Anführer zu sein und füllt sie Rolle ganz gut aus, aber auch skrupellos wie beim Ende klar wurde, als er das Schmerzmittel vorenthielt.

    Bei dem Konsul weiß ich auch noch nicht genau, was ich von ihm halten soll. Ich habe eher das Gefühl, noch nicht genug über ihn zu wissen, sodass ich mir noch keine richtige Meinung von ihm Bilden kann. Auch beim Ende kam es für mich eher so rüber, als würde er "tun, was getan werden muss". Er schien sich zumindest an seiner Rolle nicht übermäßig zu erfreuen.


    Unter der Kruziform kann ich mir auch noch nicht wirklich etwas vorstellen. Sie scheint ja zumindest in irgendeiner Weise an das Christentum angelehnt zu sein, ist aber anscheinend eine Art parasitärer Organismus. Interessant fand ich, dass die Bikura, nachdem sie gestorben sind, am dritten Tag auferstanden sind. Das bestärkt ja nur weiter die Parallele zum Christentum. Ich bin gespannt, ob bzw. wann wir noch mehr darüber erfahren werden.

    :lesend J.R.R. Tolkien; Der Herr der Ringe: Die zwei Türme

    :lesend Frank Herbert; Der Herr des Wüstenplaneten

    :lesend Tad Wiliams; Das Reich der Grasländer (Hörbuch: Andreas Fröhlich)

  • Ich komme auch mal hinterhergehumpelt. ... Es wird zwar vieles offen gelassen, doch man hat irgendwie immer das Gefühl noch genug zu verstehen, um alles mitzubekommen

    Ich bin noch hinter dir, du bist also nicht alleine unterwegs in den Weiten des Alls. :lache Nachdem ich mein letztes Leserundenbuch beendet hatte, bin ich wunderbar in dieses hineingekommen und habe es genoßen, in eine ganz neue Geschichte eintauchen zu können. Ihr habt schon recht - man ist sofort mittendrin in der Geschichte und auch wenn es anstrengend ist, mag ich das lieber als ellenlange Erklärungen. Am Anfang fand ich es zwar schon etwas heftig, was uns da alles ohne Hintergrundwissen vorgesetzt wird (mich interessiert mometan am meisten, was denn "Zeitgräber" sind), aber als der Pater aus den Tagebüchern vorliest, wird es ja weitaus besser vorstellbar.


    Gleichzeitig werden wir mit vielen technischen Details geflutet - verschiedene Zeitbegriffe (ich bin so gespannt, was es mit dieser Zeitschuld auf sich hat), technische Details zum Reisen im All. Was mir auch gefällt sind diese vermeintlich altertümlichen, historischen Einflüsse in dieser Science-Fiction-Geschichte - Tempelritter, Religion. Ich mag es, wenn man diese Kontraste hat.

    Da hast du recht - das ist eine eigenartige (und für mich auch einzigartige - zumindest kenne ich das so überhaupt nicht) Mischung. Und macht wohl auch einen großen Teil des Reizes aus.


    Ich fand diesen Abschnitt einen sehr gelungen Einstig. Wir lernen die sieben Protagoisten kennen, ohne zuviel von ihnen zu erfahren und dann - aus ganz anderer Sicht - auch einen ganz unbekannten Teil von Hyperion. Das macht große Lust, weiterzulesen, um mehr zu erfahren. (Zumindest bei mir :)).

    Wenn ich das richtig verstanden habe, haben alle sieben sich für die Pilgerfahrt beworben, und mit ihnen noch unzählige andere. Da finde ich die schwache Reaktion auf die Nachricht, dass er zu den Auserwählten gehört, eher befremdlich. Aber vermutlich klärt sich das noch, falls wir denn etwas über seine Geschichte erfahren.

    Mir kam es fast so vor, als hätte der Konsul damit gerechnet, zu der Pilgerfahrt eingeladen zu werden. Er will nicht hin, aber er "muss" - warum auch immer. Und jetzt nimmt er es so hin. Wie ihr es schon beschrieben habt: er tut, was getan werden muss. Deshalb wohl auch seine sehr zurückgenommene Reaktion.


    Ich weiß momentan nicht, wie ich ihn finden soll. Teilweise ist er sehr sympathisch, dass er aber auch grausam sein kann, zeigt seine "Erpressung" um das Ende der Geschichte. Mir sind auch die anderen sechs noch zu fremd, um etwas zu ihnen empfinden zu können (außer Pater Hoyt - der tut mir einfach nur leid). Beim Konsul hege ich den Verdacht, dass er der Spion sein könnte - aber allein deshalb, da man es bei ihm als Hauptfigur am wenigsten vermutet. Wir werden sehen. :)

    Ich habe keine Ahnung, was der Shrike ist, was die Zeitgräber und was da auf Hyperion passiert ist und passiert, aber ich bin mir sicher, dass man sich das erlesen wird. Und ich habe Geduld und bin gespannt.

    Schön beschrieben :-]:thumbup:.

    "Wir brauchen alle immer mal wieder Beschäftigungen, die uns eine Pause von uns selbst gönnen." Tracy Chevalier, Violet, Atlantik Verlag 2020


  • Eine faszinierende und sehr beklemmende Geschichte. So schön und faszinierend diese Natur ist - und gleichzeitig auch furchteinflößend - so grausig ist das, was sich auf Hyperion in dieser Enklave der Bikura abspielt. Das Kruziform als parasitäre Lebensform, das war schon gruselig für mich.


    Da kann ich nur zustimmen! :writeDas ist schon eine heftige Geschichte, vor allem das furchtbare Ende bzw. Nicht-Ende von Pater Paul Duré. Nach meiner Interpretation waren es schon die 70 Abgestürzten, die zufällig auf den Tempel und die Höhle gestoßen sind und dann - sich freiwillig oder unfreiwillig der Kruziform "anschlossen", um unsterblich zu werden. Für mich ist die Kreuzsymbolik eher eine zufällige Überschneidung zum Christentum - aber natürlich gewollt vom Autor, genauso wie die zahlreichen anderen Parallelen ( Chroi hat ja die Auferstehung am dritten Tag schon erwähnt, ich dachte beim wiederholten Sterben des Paul Duré ans Fegefeuer). Die Verbindung zur griechischen Mythologie liegt dann auch nahe, nicht wenige Themen wiederholen sich in ähnlicher Weise in unterschiedlichen Kulturkreisen.


    Was uns der Autor damit sagen will und ob er überhaupt eine Botschaft darin verpackt hat, oder uns einfach mit zahlreichen Querverweisen erfreuen möchte, erschließt sich mir momentan nicht. Mal sehen. :grin


    Spannend finde ich wie die unterschiedlichen Religionen hier miteinander verflochten sind und nebeneinander existieren. Im Moment ist nur die Rede von monotheistischen Religionen oder eben Heidentum/Atheismus. Auch das Shrike scheint ja als Gott verehrt zu werden.

    Über das große Thema "Religion" in allen möglichen Facetten war ich sehr überrascht. Damit hätte ich in einem Sience Fiction überhaupt nicht gerechnet. Ist das in Simmons anderen SF ähnlich? Auch die Reise der Sieben zum Shrike wird ja als "Pilgerschaft" bezeichnet - warum? Ich habe nicht den Eindruck, dass auch nur einer der Sieben Shrike als Gott verehrt, warum also dieses Wort? Aber auch hier: mal sehen. :grin


    Neben der Religion (und der Kunst, die ja auch immer wieder vorkommt) geht es auch um ein großes Thema der Philosphie: die Unsterblichkeit. Die Bikura zeigen ja sehr deutlich, dass Unsterblichkeit nichts erstrebenswertes ist. Ob sie nach der Bombadierung wirklich "den wahren Tod" gestorben sind oder doch wiederauferstanden sind. Aber ich denke, das werden wir erfahren. :lache


    Mich haben die anfänglichen Beschreibungen dieser Wesen übrigends sehr an die Elois aus Die Zeitmaschine von Wells. Zuerst beginnt alles ganz harmlos - aber dann! Überhaupt baut Simmons auf diesen ersten paar Seiten wirklich wahnsinnig viele Sachen aus allen möglichen Gebieten ein :anbet. Wahrscheinlich bemerke ich die meisten Querverweise gar nicht - gut, dass ihr auch noch da seid. :-]

    "Wir brauchen alle immer mal wieder Beschäftigungen, die uns eine Pause von uns selbst gönnen." Tracy Chevalier, Violet, Atlantik Verlag 2020

  • Viel Spaß mit dem Buch. Du wirst es haben. An aufgeworfe Fragen die nicht direkt gelöst werden musst du dich aber gewöhnen :)

    Ach das macht nichts, irgendwie stört es mich überhaupt nicht. Das erzeugt eine ganz eigene Spannung, da man immer noch mehr von der Welt und den Hintergründen erfahren will.

    Nach meiner Interpretation waren es schon die 70 Abgestürzten, die zufällig auf den Tempel und die Höhle gestoßen sind und dann - sich freiwillig oder unfreiwillig der Kruziform "anschlossen", um unsterblich zu werden.

    Für mich passt das auch wunderbar und ich fände es auch irgendwie seltsam, dass da rein zufällig genau dieselbe Anzahl Personen leben sollte. Aber mal schauen, was bzw. ob Simmons uns da noch eine Erklärung für liefern wird.

    Kreuze als solche gab es ja schon lange vor dem Christentum, damals halt noch als Folterinstrument. Im Judentum galt die Kreuzigung auch als Ausschluss aus Gottes erwähltem Volk. Auch das passt sich irgendwie in das Geschehen um die Kruziform ein. Das Wort Gott scheint den Bikura nichts zu bedeuten und sie selbst werden durch den Tod und die Wiederauferstehung ja auch immer wieder gefoltert. Denn im Prinzip ergeht es ihnen wie Pater Duré: Sie stehen wieder auf, nur um dann wieder zu sterben. Auf seine Art zeigt uns Simmons hier, dass es nicht unbedingt erstrebenswert ist, unsterblich zu sein. Man verliert den Bezug zur Realität und dämmert irgendwann nur noch vor sich hin.

    :lesend J.R.R. Tolkien; Der Herr der Ringe: Die zwei Türme

    :lesend Frank Herbert; Der Herr des Wüstenplaneten

    :lesend Tad Wiliams; Das Reich der Grasländer (Hörbuch: Andreas Fröhlich)

  • Über das große Thema "Religion" in allen möglichen Facetten war ich sehr überrascht. Damit hätte ich in einem Sience Fiction überhaupt nicht gerechnet. Ist das in Simmons anderen SF ähnlich?

    In "Illium" und "Olympos" ist das auch am Rand ein Thema. Hier geht es aber um die alten griechischen Götter, die Titanen, Troja, aber auch Shakespeares "Sturm" usw.

    In "Endymion" wird die Geschichte von "Hyperion" weiter erzählt und hier ist Religion wieder ein etwas stärkeres Thema.

  • Anfangs fand ich das schon etwas anstrengend, aber je mehr man von der Geschichte liest, desto besser passt es. Ich denke auch, dass das Buch einfach zu trocken werden würde, wenn hier alles zunächst haarklein erklärt werden würde. Außerdem finde ich es als Leser spannend, mir Gedanken darüber zu machen, was genau gemeint sein könnte. Für mich ist das so ein eher neuer Ansatz, ich bin in der Science Fiction allerdings auch nicht allzu belesen.

    Mir gefällt das auch gut. Ich muss nicht alles erklärt bekommen. Wichtig ist nur, dass es ein schlüssiges Ende gibt. Ich bin gespannt, wie schlüssig ihr es finden werdet. :-]

  • Auf seine Art zeigt uns Simmons hier, dass es nicht unbedingt erstrebenswert ist, unsterblich zu sein. Man verliert den Bezug zur Realität und dämmert irgendwann nur noch vor sich hin.

    Deswegen liebe ich diese Leserunde - alleine kommt man einfach nicht auf all diese möglichen Assoziationen, die ihr so präsentiert. Ich habe bei der Geschichte von Paul Duré an vieles gedacht, aber dass dieser Dämmerzustand der Bikura etwas mit dieser andauernden Wiedergeburt zu tun hat, der Gedanke kam mir so explizit nicht.


    Ich find's schön, dass die LR offenbar ein bisschen länger wird, da kann man auch noch wunderbar diskutieren, auch wenn man schon weiter in der Geschichte ist.

    SUB 220 (Start-SUB 2020: 215)


    :lesend Susanne Michl u. a. - Zwangsversetzt. Vom Elsass an die Berliner Charité. Die Aufzeichnungen des Chirurgen Adolphe Jung (1940 - 1945)

    :lesend Antonio Iturbe - Die Bibliothekarin von Auschwitz

    :lesend Anthony Doerr - Alles Licht das wir nicht sehen (Hörbuch)

  • Deswegen liebe ich diese Leserunde - alleine kommt man einfach nicht auf all diese möglichen Assoziationen, die ihr so präsentiert. Ich habe bei der Geschichte von Paul Duré an vieles gedacht, aber dass dieser Dämmerzustand der Bikura etwas mit dieser andauernden Wiedergeburt zu tun hat, der Gedanke kam mir so explizit nicht.


    Ich find's schön, dass die LR offenbar ein bisschen länger wird, da kann man auch noch wunderbar diskutieren, auch wenn man schon weiter in der Geschichte ist.

    Und wir Nachzügler finden es toll, wenn noch jemand da ist. :knuddel1Ich kann dir nur zustimmen: gerade bei diesem Buch ist die Leserunde super - da sind so viele Details und Anregungen drin, alleine steht man da auf verlorenen Posten! Vielen, vielen Dank schon mal für diesen interessanten Leserundenvorschlag! :kiss

    "Wir brauchen alle immer mal wieder Beschäftigungen, die uns eine Pause von uns selbst gönnen." Tracy Chevalier, Violet, Atlantik Verlag 2020

  • Und wir Nachzügler finden es toll, wenn noch jemand da ist. :knuddel1Ich kann dir nur zustimmen: gerade bei diesem Buch ist die Leserunde super - da sind so viele Details und Anregungen drin, alleine steht man da auf verlorenen Posten! Vielen, vielen Dank schon mal für diesen interessanten Leserundenvorschlag! :kiss

    Klar sind wir noch da:kiss

    Wir diskutieren gerade schon darüber, wann wir, mit etwas zeitlichem Abstand, mit dem nächsten Simmons weiterlesen:grin