'Die Wahrheit über Metting' - Seiten 081 - 150

  • Tante Li meinte, dass die 80-jährige die Geliebte von Tohmasch ist und ich finde den Gedanken etwas gruselig.

    Vielleicht hätte ich es in Anführungszeichen setzen sollen, aber ich meinte es so wie Tomás dieses Gefühl empfindet. Er glaubt ja selber und sagt es dann auch, dass er die alte Dame liebt.

    Der Kuss und das Gekuschel ist wohl noch recht unschuldig und hat mehr mit Innigkeit zu tun als mit Begierde.

    - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Albert Camus: Die Pest

  • Nun gut, eine Art Petting kann ich mir bei den beiden gerade noch vorstellen, mehr gibt der Text hier aber auch nicht her.

    - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Albert Camus: Die Pest

  • Die Fantasien eines 12 Jährigen sind eben sehr ergiebig :lache Aber Marieluise wegen eines Kusses als Geliebte zu bezeichnen, da wird die Beziehung überbewertet. Sie imponiert ihm eben, wie sie sich kleidet, wie sie sich gibt, eben nicht wie ein Komposti, wie manche Jugendliche alte Leute bezeichnen, sondern lebendig, geistig wach. Das kann man in dem Alter auch mal mit Liebe verwechseln.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • Auf Seite 35 ist Tom alleine. ;)

    Ja, aber auf Seite 150 kuscheln sie und schlafen sogar beide ein.

    - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Albert Camus: Die Pest

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Tante Li ()

  • Ich bin auch entsetzt über das Verhalten der Lehrerin. Filip kann einem echt leid tun. Dass aber auch die Mitschüler in die gleiche Kerbe hauen finde ich befremdlich. In den Siebzigern hatte man doch eher die Lehrer auf der Abschussliste und sich als Schüler solidarisiert.

    Eine Klasse ist immer eine Ansammlung von Individuen - und ich habe neben der Solidarität unter Schülern, die es definitiv gab, leider auch das Gegenteil kennengelernt. Schüler, die ihr Standing beim Lehrer verbessern wollten, indem sie brav zur Demütigung des Mitschülers lachten, andere, die weggucken und das Problem ignorieren.


    Und leider habe ich auch Lehrer kennengelernt, die eigentlich nicht tragbar waren.


    wie sie sich kleidet, wie sie sich gibt, eben nicht wie ein Komposti, wie manche Jugendliche alte Leute bezeichnen, sondern lebendig, geistig wach.

    Damit scheint sie nicht nur im Heim, sondern in ganz Metting eher die Ausnahme zu sein, oder?


    Schwester Ingeborg sieht ihre Hauptaufgabe darin, die Familie und das Heim zu schützen. Dass ihr Mann so ist, wie er ist, weiß sie längst, aber jetzt droht die Gefahr, dass es nach außen dringt. Aber diese unfassbar ungerechte Strafe ist nicht nur eine Reaktion, die hierauf fußt, sondern auch eine Machtdemonstration. Und sie muss etwas tun, aber ihren Mann kann sie schlecht bestrafen. Also nimmt sie sich den nächstbesten, und das ist Tom. Von dem sie auch weiß oder ahnt, dass er Dinge tut oder wenigstens über sie nachdenkt, die eine Gefährdung darstellen könnten.

    Ja, völlig verständlich. Himmelschreiend ungerecht, aber nachvollziehbar. Ich kann mich aus meiner Jugend an Eltern erinnern, die genau so reagiert haben.


    Zusammengefasst zu dem Abschnitt: Ja, Tom überspitzt an einigen Stellen, der von ihm erwähnte Ironiedetektor sollte beim Lesen möglichst immer mitlaufen - aber die Grundstimmung in dieser Kleinstadt kann ich völlig nachvollziehen, das kenne ich so auch aus einer nicht näher erwähnten Kleinstadt in NRW.

  • Zusammengefasst zu dem Abschnitt: Ja, Tom überspitzt an einigen Stellen, der von ihm erwähnte Ironiedetektor sollte beim Lesen möglichst immer mitlaufen - aber die Grundstimmung in dieser Kleinstadt kann ich völlig nachvollziehen, das kenne ich so auch aus einer nicht näher erwähnten Kleinstadt in NRW.

    Das gab es auch in Kleinstädten und Provinzkäffern in Rheinland-Pfalz. Manchmal reichte es schon das Kind von geschiedenen Eltern zu sein, um sowohl bei Klassenkameraden, als auch Lehrern auf der Abschussliste zu stehen.


    Je kleiner die Orte, je größer also die Möglichkeit, dass jeder jeden kennt, desto schlimmer war es. Und umso stärker auch das allgemeingültige Lebensmotto "was denken die anderen über uns" (meine Oma sagte "was denken anner Leut"), das einem bei jedem auffälligen Verhalten vorgeworfen wurde. Gepaart mit einem übertriebenen und allgegenwärtigen Schubladendenken (Roma klauen Kinder, Zugezogene gehören noch in der 3. Generation nicht dazu, usw.) musste man sich entweder verstecken (wie Toms Vater) oder den Absprung schaffen. Viele sind daran zerbrochen und haben das an die nächste Generation weiter vererbt.


    Früher war definitiv nicht alles besser. Daran musste ich beim Lesen dieses Abschnitts oft denken.

    Heute ist es nicht perfekt, aber das hier Geschilderte möchte ich ganz sicher nicht wiederhaben.


    Toms Vater tut mir leid. Ich befürchte aber, dass die Mutter, die Macht, die sie über ihn hat, nun an ihrem Sohn auslassen wird. Sie hat ja selbst das ein oder andere Geheimnis und je älter Tom wird, desto größer die Gefahr, dass er begreift und sie die Kontrolle verliert. Das hier war wohl erst der Anfang.


    Wieviel Glück der Junge doch hat, in Marieluise so eine gute Freundin zu haben. Eine Person, die sich für ihn interessiert, nicht für sein Verhalten. Sie gibt ihm Geborgenheit und nur so kann ich das Verhältnis und die "gemeinsame Nacht" betrachten. Das wird ihn genauso prägen, wie die vielen Demütigungen. Er scheint sich ja generell mit den Bewohnern und Angestellten des Heims gut zu verstehen.


    Filips Situation bzw. die Machtlosigkeit seiner Mutter gegenüber dem gewalttätigen Ehemann ist so erschütternd, wie real.

    Finden Sie sich damit ab, das ist eine Privatangelegenheit. :uebel

    So war das damals.


    :lesend

    “I don't believe in the kind of magic in my books. But I do believe something very magical can happen when you read a good book.”

    J. K. Rowling

  • Chamäleonbuchstaben und Rechtschreibhölle :lache

    Danke, Tom, dass du immer die richtigen Worte findest.


    Bei dieser Frau Awusi geht mir der nicht vorhandene Hut hoch :fetch

    Wie kann sie mit einem oder mehreren Schülern so umgehen? In der Schule habe ich sowas nur durch Mitschüler erlebt.
    Und dann taucht noch der Vater von Filip und Melina wieder auf. Mir würde der auch Angst machen. War das damals so, dass so etwas Familienangelegenheit war? Ich kann es mir nur begrenzt vorstellen. Das Buch spielt ja zu einer Zeit, in der ich Kleinkind war.


    Elvis <3

    Meine große Liebe seit ich 10 bin. Ich verstehe den Doktor.


    Es ist traurig, dass Tom die Fernsehabende als eine der wenigen Gelegenheiten ansieht, in denen er Geborgenheit fühlt. Wie schlimm es ist Eltern zu haben, die nur um sich selber kreisen.


    Ich muss gleich erst mal googeln, wann der Rollator in Mode kam. In meiner Erinnerung gibt es den schon immer.
    Hilde Westermann: Ich hatte die Frau, die Georg Täter verlassen hat, total vergessen. Was wohl Falsches über ihn erzählt wurde?


    Marieluise hat mal tatsächlich gute Lebensweisheiten, die sie weiter gibt. Dave beeinflussen Toms Leben sicher sehr.


    Ich finde es einfach großartig wie die einzelnen Lebensgeschichten der Figuren zum Teil auch nur kurz und knapp erzählt werden. So wünsche ich es mir in manch anderen Romanen auch, denn man bekommt eher das Gefühl die Figuren zu kennen.

  • Da habe ich tatsächlich ausführlich recherchiert (obwohl ich tatsächlich vergessen habe, dass die Lottozahlen damals noch nach der Samstagabendshow gezogen wurden). Der kam erst in den Neunzigern so richtig in Mode.

    Zumindest hier - ich habe Rollatoren schon früher in Großbritannien zu sehen bekommen, da waren die für Senior Citizens bereits in den Achtzigern völlig normal.

  • Zumindest hier - ich habe Rollatoren schon früher in Großbritannien zu sehen bekommen, da waren die für Senior Citizens bereits in den Achtzigern völlig normal.

    Erfunden wurden solche Gehhilfen (auf das zweite H achten!) schon viel früher, aber so richtig populär und Teil der Senioren-Grundausstattung geworden sind sie hierzulande wirklich erst in den Neunzigern.

  • Sorry, dass ich etwas hinterherhinke, aber ich bin durch ein paar „Zahnarzt-Termine“ gesundheitlich angeschlagen. Heilt alles nicht so schnell, wie ich es gerne hätte. Da fehlt mir im Moment auch die Lust zu lesen, was nicht am Buch liegt. Aber es geht voran.


    Auch mich erschüttert das Vorgehen von Frau Awusi. Leider gibt es viele von solchen Ausnahmen, die es nicht geben sollte in diesem Beruf. Ich krieg da voll die Hasskappe. Und das dann auch noch einige Mitschüler da mitmachen, kenne sogar ich von meiner Schulzeit. Da gab es immer Gruppen, die die Schwächeren gemobbt haben. Ich habe das selbst einmal am eigenen Leibe erfahren müssen.


    Und dann noch der Vater von Filip und Melina. Was für ein gewalttätiger Mensch. Kommt nach so vielen Jahren nach Hause und spielt sich gleich als Familienoberhaupt auf. Wie furchtbar. Wird die Mutter die Kraft haben, sich von ihm zu trennen? In diesem Abschnitt tut mir Filip am meisten leid. Ich hoffe, dass es nur noch besser wird für ihn.


    Ein Fernsehabend, damit Tomás etwas Geborgenheit bekommt. Wie traurig, aber immerhin gibt es diesen Abend. Gut, dass er jetzt Marieluise hat. Trotz Verbot schafft er es zu ihr. Sie gibt ihm die ersehnte Geborgenheit, die er - verständlich – für Liebe hält. Wie ausgehungert Tomás ist nach Nähe, Gesprächen, nach Kuscheln nach ernst genommen werden. Und all das gibt ihm derzeit Marieluise.


    Tomás zu bestrafen für das Aufdecken von der Neigung seines Vaters ist für mich nur ein Zeichen der Hilflosigkeit der Eltern. Sie selbst wissen ja ob der Situation und müssen jetzt einfach irgendwas tun und wer ist der einzige, der da ist? Tomás. Vielleicht verbietet sie ihm den Kontakt, weil sie Angst hat, er könnte etwas ausplaudern. Tja, evtl. zu spät. Wird der Doktor dichthalten? Was für Folgen hätte das, falls nicht?


    Gefallen tun mir die Geschichten der Heimbewohner. Also die kurze Einsicht auf ihr Leben. Keiner sollte vergessen werden, egal wie alt.

    :lesend Claudia Winter - Wie sagt man ich liebe dich

    --------------------
    Hörbuch: Ben Aaronovitch - Die Flüsse von London

    Hörbuch: Petra Hülsmann - Hummeln im Herzen

    SuB: 322