'Jakob der Lügner' - Seiten 069 - 141

  • Im Zusammenhang mit dieser Szene: Ist es nicht einfach ein toller erzählerischer Einfall, wie Lina die Petroleumlampe mit dem Radio verwechselt, weil diese der einzige Gegenstand in Jakobs armseligem Besitz ist, den Lina nicht direkt identifizieren kann?

    Ja diese Stelle hat mir auch sehr gut gefallen. Ich habe mir beim Lesen die ganze Zeit gedacht: was hat sie da wohl gefunden, was sie nicht kennt und was Jakob in seinem Schrank liegen hat.

    Überhaupt sind die ganzen Szenen mit Lina in der Geschichte meine Lieblingsszenen. Mit Lina kann ich als Leser ganz kurz die Schrecken des Ghettos vergessen und mich nur über dieses freundliche Mädchen und Jakobs liebevollen Umgang mit ihr feuen.

  • Es geht quasi "langsam" (im Sinne von "ohne große Veränderungen der Gesamtsituation") weiter. Wir erfahren von Lina, die ihre Eltern verloren hat und deren wichtigste Bezugsperson jetzt offenbar Jakob ist. Grauenhafte Vorstellung und für mich eigentlich unvorstellbar, wie ein Elternpaar, welches eigentlich weiß, was sie erwartet, möglichst schnell versucht zu packen und sich in ihr Schicksal zu fügen, um zumindest das einzige Kind zu retten.

    Dann der längere Stromausfall, der Jakob ein wenig von seinem Lügen "befreit", der Tod derjenigen, die sich an der Reparatur der Leitungen versucht haben fast eine Randnotiz - aber dadurch nicht weniger grauenhaft.

    Jakob, der sich sehr unter Druck fühlt, weil er ja gar kein Radio hat und alle dennoch Neuigkeiten von ihm erwarten. Kein Wunder, dass er nun behauptet, es sei kaputt. Vorher versucht er ja noch, aus der Zeitung der "Pfeife" was zu erfahren - diese Szene fand ich besonders intensiv und hatte schon Bedenken, er wird jetzt doch irgendwie erwischt. War aber auch sehr knapp.


    Und dann die Szene, in der Herschel Schtamm erschossen wird - für ihn vermutlich unerwartet, der Erzähler sieht dies jedoch aus seiner Position und Jakob fühlt sich der Erzählung nach mitschuldig, man hätte ja vielleicht gar nicht hingucken und das somit verhindern können? Wer weiß...


    Nach wie vor liest sich das Buch zwar gut und flüssig, ich merke aber, dass mir diese Gedanken und viel indirekte Rede etwas anstrengend erscheinen. Trotzdem ist es natürlich überwiegend die Handlung, die zu der Anstrengung noch mehr beiträgt - wobei "Anstrengung" kein so guter Begriff ist, aber ich denke, ihr wisst, was ich meine.


    Schön finde ich, dass immer wieder doch die Hoffnung auftaucht - sei es in solchen vielleicht unrealistischen Gedanken, dass man irgendwann später zusammensitzt und über bestimmte Erlebnisse lacht oder sich zumindest erleichtert darüber austauscht. Wie sonst soll man so etwas auch überleben?

    With love in your eyes and a flame in your heart you're gonna find yourself some resolution.


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  • Und da meint Jakob, dass sein Ghetto keine Helden hervorbrachte und entschuldigt sich halb dafür. Heldentum braucht keine gigantischen Taten, sondern kann sehr leise sein.

    Wie sich um ein allein zurückgeblieben Kond zu kümmern und seine Essenstation mit diesem zu teilen.


    Den Teil mit Helden und Widerstand fand ich auch sehr interessant und stimme Dir da zu.

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  • Ich habe gerade diese Szene gelesen und finde es einfach nur entsetzlich. Herschel ist so erfüllt von der Hoffnung auf die baldige Erlösung durch die Russen, dass er alles riskiert um diese freudige Nachricht weiter zu verbreiten.

    Und mit was für einem Resultat? Ich finde an dieser Szene einfach alles nur traurig: Der Wagon, der den ganzen Tag dort steht mit den eingeschlossenen Menschen darin. Der Tod von Herschel. Und das danach einfach weitergearbeitet wird als wäre gar nichts passiert und der tote Körper bleibt dort auf den Schienen liegen. Einfach unvorstellbar.


    Ich denke mal, so eine Szene gibt es nicht das erste Mal. Es steht ja auch im Buch, dass es sich eingebürgert hat, die Leichen dann nach Feierabend mitzunehmen und zu begraben. Das kommt also vermutlich öfter vor und es würde mich nicht wundern, wenn sie weiter arbeiten, weil sie schon die Erfahrung gemacht haben, dass eine "Pause" (egal, wie verständlich sie für uns ja wäre) dazu führen kann, dass es noch mehr Tote gibt oder sonstige Strafen.

    Wobei ich Dir jetzt nicht unterstelle, dass Du damit meinst, es wären den anderen egal. ;)

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  • Zu Jakob gegenüber Lina:

    Ich finde es schwierig, wenn wir mit unseren Moralvorstellungen einer relativ sicheren, wohhabenden und freien Welt über die Verhaltensweisen der Ghettoinsassen so urteilen, als lebten sie in unserer Welt. Das entwicklungspsychologische Wissen war damals sicherlich noch nicht so hoch, und es ist auch die Frage, ob Lina nicht genauso gut die Vorstellung von Normalität braucht, um sich in ihrer besonderen Lage wohlzufühlen. Wenn sie wüsste, welche Gefahr sie jeden Tag läuft, ihren Ziehvater zu verlieren, weil er versehentlich oder aus verzweifelten Gründen sich selbst gefährdet, würde sie das vielleicht erst recht in Verzweiflung versetzen. Dass sie ganz gut mit "Lügen" umgehen kann und auch nicht das Urvertrauen verliert, erkennt man ja an der Szene, in der Kowalski scheinbar in ihrer Anwesenheit Jakob als Radiobesit,zer entlarvt.

    Im Zusammenhang mit dieser Szene: Ist es nicht einfach ein toller erzählerischer Einfall, wie Lina die Petroleumlampe mit dem Radio verwechselt, weil diese der einzige Gegenstand in Jakobs armseligem Besitz ist, den Lina nicht direkt identifizieren kann?

    Ich finde es nicht falsch, wie Jakob mit Lina umgeht oder ihr gewisse Dinge in Erzählungen verpackt. Eigentlich halte ich es für di einzig richtige Weise, um ihr den Schrecken des Ghettos so weit wie möglich fern zu halten. Sie darf ja nicht raus, lebt in einer Blase, bekommt von der Realität nichts mit. Man kann allerlei spekulieren, wie Lina reagieren würde, wenn Jakob ihr die tatsächlichen Begebenheiten und Schikanen erzählen würde. Das ist aber unnötig.


    Und ja, der Trick mit der Petroleumlampe ist großartig, das merkt ja auch Jakob, der allerdings zu spät merkt, dass das ein Ausweg gewesen wäre.


    Also das kann ich sehr gut nachvollziehen . Jakob hat ja die Lügen in die Welt gesetzt und damit den Ghetto - Insassen eine neue Hoffnung gegeben. Und Herschel ist so erfüllt von dieser Hoffnung, dass er sie den armen Leuten in dem Wagon weitergeben möchte, um ihnen damit auch einen Strohhalm zum Überleben zu geben.

    Wenn Jakob die Lügen nicht erzählt häütte, dann wäre Herschel auch nicht zu dem Wagon gelaufen.

    Ich denke ich würde mich an Jakobs Stelle auch schuldig fühlen.

    Das ist eine ganz natürliche und nachvollziehbare Reaktion von Jakob. :write:write

  • Ich hatte das mit dem schlechten Gewissen von Jakob etwas anders und nicht so ganz richtig verstanden, weil ich den Schluss des Abschnitts recht schnell las, um hier noch den Eindruck hinterlassen zu können. Da hatte ich irgendwie gedacht, dass sie alle den Herschel angestarrt haben, damit die Aufmerksamkeit auf ihn gelenkt haben und er darum ins Visier der Deutschen geriet und erschossen wurde. Aber stimmt, es ist ja dann auch von der Waage und der Hoffnung die Rede und da wird das wohl so sein, wie ihr schreibt - dass Jakob schlechtes Gewissen hatte, weil er diese Hoffnung in die Welt gesetzt hat.

    Wenn ich es langsam und nochmal lese, klingt es logischer. :-]


    Ich würde gerne noch zu ein paar anderen Sachen aus dem zweiten Abschnitt was sagen, aber ich komme leider gerade kaum zu lesen oder posten bzw. nicht so schnell, wie ihr hier so seid. Ich bin noch nicht so ganz mit dem 3. Abschnitt fertig, werde aber vermutlich erst morgen weiter lesen können. Dann bestimmt noch das eine oder andere Wörtchen von mir. ;)

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  • Ich würde gerne noch zu ein paar anderen Sachen aus dem zweiten Abschnitt was sagen, aber ich komme leider gerade kaum zu lesen oder posten bzw. nicht so schnell, wie ihr hier so seid. Ich bin noch nicht so ganz mit dem 3. Abschnitt fertig, werde aber vermutlich erst morgen weiter lesen können. Dann bestimmt noch das eine oder andere Wörtchen von mir. ;)

    Es sind nicht alle so schnell ;) lass Dir ruhig Zeit um dem Buch gerecht zu werden. Es ist schön, dass hier so viele Diskussionspunkte entstehen und je mehr Meinungen umso mehr kann man das Buch ausschöpfen.

  • Ich denke mal, so eine Szene gibt es nicht das erste Mal. Es steht ja auch im Buch, dass es sich eingebürgert hat, die Leichen dann nach Feierabend mitzunehmen und zu begraben. Das kommt also vermutlich öfter vor und es würde mich nicht wundern, wenn sie weiter arbeiten, weil sie schon die Erfahrung gemacht haben, dass eine "Pause" (egal, wie verständlich sie für uns ja wäre) dazu führen kann, dass es noch mehr Tote gibt oder sonstige Strafen.


    Wobei ich Dir jetzt nicht unterstelle, dass Du damit meinst, es wären den anderen egal.

    Oh ist das so rüber gekommen? Nein das hatte ich auf keinen Fall so gemeint.

    Den Anderen ist es ganz sicher nicht egal.

    Es bleibt ihnen ja gar nichts anderes übrig, als einfach weiter zu arbeiten. Die Aufseher hätten es ja nicht erlaubt, dass die Ghetto-Insassen aufhören und sich um den Leichnam kümmern. Ich finde es einfach unmenschlich wie hier mit den Insassen umgegangen wird und wie von ihnen erwartet wird, einfach ihre Arbeit weiterzumachen, obwohl ein Freund von ihnen erschossen da liegt.

  • Den Anderen ist es ganz sicher nicht egal.

    Es bleibt ihnen ja gar nichts anderes übrig, als einfach weiter zu arbeiten. Die Aufseher hätten es ja nicht erlaubt, dass die Ghetto-Insassen aufhören und sich um den Leichnam kümmern. Ich finde es einfach unmenschlich wie hier mit den Insassen umgegangen wird und wie von ihnen erwartet wird, einfach ihre Arbeit weiterzumachen, obwohl ein Freund von ihnen erschossen da liegt.

    Das ist ja gerade die besondere Infamie der Deutschen. Sie gestehen den Juden keinerlei Gefühle, geschweige denn menschliche Regungen zu. Sie sind in ihren Augen keine Menschen. Ich glaube, das kann keiner verstehen. Deshalb sind uns diese Situationen so fremd und unbegreiflich.

  • Oh ist das so rüber gekommen? Nein das hatte ich auf keinen Fall so gemeint.

    Den Anderen ist es ganz sicher nicht egal.

    Es bleibt ihnen ja gar nichts anderes übrig, als einfach weiter zu arbeiten. Die Aufseher hätten es ja nicht erlaubt, dass die Ghetto-Insassen aufhören und sich um den Leichnam kümmern. Ich finde es einfach unmenschlich wie hier mit den Insassen umgegangen wird und wie von ihnen erwartet wird, einfach ihre Arbeit weiterzumachen, obwohl ein Freund von ihnen erschossen da liegt.


    Nein, nein, es ist überhaupt nicht so angekommen. Du hast ja nur geschrieben "Einfach unvorstellbar" und ich habe erklärt, wie ich das sehe, wobei das eher lautes Nachdenken war und ich davon ausging, dass Du es genauso siehst (was Du ja mit Deiner Ausführung hier auch bestätigst). Aber ich hatte dann, nachdem ich es (für mich/laut gedacht/für alle lesbar) erklärte, den Eindruck, es könnte bei mir so klingen, als würde ich denken, dass Du denkst, es sei den anderen egal. Alle Klarheiten beseitigt? :lache


    Clare und Findus

    Vielen Dank. Ich will mich ja auch nicht abhetzen, das werde ich auch nicht tun, es gab nun mal andere Prioritäten und ich sehe, es äußern sich dennoch noch Eulen und das finde ich schön. Es ist halt einfach ein komisches Gefühl, wenn man das Gefühl hat, man hat gerade nur was zum zweiten Teil geschrieben und es ist nicht mehr so intensiv in dem Abschnitt (von der Eulenfrequenz, nicht die Handlung des Buchs) und im 4. Abschnitt tummeln sich gefühlt alle (das weiß ich gar nicht, guck da nicht rein, sehe nur neue Beiträge im Portal). Aber im Endeffekt wäre ich eh überfordert mit einer LR, in der viel zu viel an Antworten kommt, deswegen ist das vermutlich ganz gut so. :-]:grin

    Ich werde auch vermutlich erst morgen im 3. Abschnitt posten, alles andere wäre stressig und abgehetzt, aber dann ist es halt so.

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  • Clare und Findus

    Vielen Dank. Ich will mich ja auch nicht abhetzen, das werde ich auch nicht tun, es gab nun mal andere Prioritäten und ich sehe, es äußern sich dennoch noch Eulen und das finde ich schön. Es ist halt einfach ein komisches Gefühl, wenn man das Gefühl hat, man hat gerade nur was zum zweiten Teil geschrieben und es ist nicht mehr so intensiv in dem Abschnitt (von der Eulenfrequenz, nicht die Handlung des Buchs) und im 4. Abschnitt tummeln sich gefühlt alle (das weiß ich gar nicht, guck da nicht rein, sehe nur neue Beiträge im Portal). Aber im Endeffekt wäre ich eh überfordert mit einer LR, in der viel zu viel an Antworten kommt, deswegen ist das vermutlich ganz gut so. :-]:grin

    Ich werde auch vermutlich erst morgen im 3. Abschnitt posten, alles andere wäre stressig und abgehetzt, aber dann ist es halt so.

    Du bist hier bei den Querbeeteulen und nicht bei einer "normalen" Leserunde. Gerade das schätze ich hier. Dass nicht alles einfach abgehandelt wird, und wer fertig ist, kümmert sich nicht mehr um weitere Beiträge. Ich liebe diese intensiven Leserunden, die der Handlung wirklich auf den Grund gehen.

    Keine Bange Gummibärchen Du bist nicht alleine. :knuddel1

  • Naja, das kann leider in einer LR schon mal passieren, dass ich das Gefühl habe, mir wird zuviel verraten. Ich weiß auch, dass ich das vermutlich etwas "empfindlicher" bin als eine Durchschnittseule (ich lese auch Rezis nur quer, weil mir schon "tragisches Ende" oder "das Ende war nicht so passend" zuviel erscheint. :unverstanden). Ich wollte das generell mal erklären, bevor evtl. noch mehr verraten wird. Restliche Erklärungen schenke ich mir, da ich nicht weiß, ob ich sie verständlich zu Papier (bzw. auf den Bildschirm) bringen kann bzw. ob das überhaupt jemand nachvollziehen könnte, wie das in meinem Kopf so ist. :lache

    (Ich war auch sehr irritiert, wo ich bitte eine Petroleumlampe überlesen habe, aber die kam dann kurz danach. :lache)


    Aber nun zum Inhalt und so:

    Ich habe auch überlegt, ob die Szene mit den Elektrikern nicht fast noch schrecklicher ist, eben dadurch, dass sie so nebenbei erzählt wird. Ich habe diese Sätze erst noch einmal lesen müssen, weil ich dachte, ich hätte mich da verguckt. So nach dem Motto "Hä? Erschossen? Und weiter wird es nicht erwähnt?", aber ja, so ähnlich war das. Furchtbar.

    Ich persönlich fand dann aber doch die Szene mit Herschel schlimmer, weil das einfach länger gedauert hat und ich gehofft habe, wenn auch nur kurz, dass es gut geht.


    Was mir von der literarischen Mode her auffällt, ist, dass Becker immer wieder mit dem Thema Wahrheit und Nachdichtung spielt: Der Erzähler weist ja häufiger darauf hin, dass er Leerstellen, über die er keine Zeugeninformationen hat, selber mit dem füllt, was ihm wahrscheinlich erscheint. Das kann man in vielen Romanen und Erzählungen der Fünfziger- bis Achtzigerjahre beobachten: bei Böll, Grass und auch vielen DDR- Schriftstellern dieser Zeit.

    Interessante Beobachtung. Mir kam das bisher ganz normal vor, denn als Leser könnte man sich ja fragen: "Woher weiß er das? Er kann ja nicht bei allem dabei gewesen sein."

    Aber eine spannende Information auf jeden Fall.



    Übrigens, es klingt etwas makaber bzw. fast schon zu amüsant, passt nicht zu der Ernsthaftigkeit des Themas, aber...war ich die einzige, die auf S. 89 beim Lesen von "[...]man sitzt friedlich und stumm nebeneinander und ißt, und irgendwo in der Ferne[...]" fast schon "bellt ein Hund" gelesen hat? Hat sich festgefressen im Kopf. :wow

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  • :chen Diesmal marschieren Stalins Truppen irgendwo in der Ferne.

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    Von den vielen Welten, [...] ist die Welt der Bücher die größte. (Hermann Hesse)


    :lesend Charlotte Link: Schattenspiel

  • Ich will mich ja auch nicht abhetzen, das werde ich auch nicht tun, es gab nun mal andere Prioritäten und ich sehe, es äußern sich dennoch noch Eulen und das finde ich schön. Es ist halt einfach ein komisches Gefühl, wenn man das Gefühl hat, man hat gerade nur was zum zweiten Teil geschrieben und es ist nicht mehr so intensiv in dem Abschnitt (von der Eulenfrequenz, nicht die Handlung des Buchs) und im 4. Abschnitt tummeln sich gefühlt alle (das weiß ich gar nicht, guck da nicht rein, sehe nur neue Beiträge im Portal). Aber im Endeffekt wäre ich eh überfordert mit einer LR, in der viel zu viel an Antworten kommt, deswegen ist das vermutlich ganz gut so.

    Das ist doch aber immer so bei einer Leserunde, dass nicht alle gleich schnell lesen oder gleich viel Zeit haben zum Lesen. Und dann sind halt die einen schon fertig mit dem Buch und die anderen noch mittendrinnen. DAs ist doch ganz normal.

    Ich finde das gar nicht schlimm. Vor allem hier bei den Querbeet-Runden nicht.

    Ich kenne aus einem andern Forum auch andere Leserunden. Da darf man dann immer nur alle paar Tage was in dem nächsten Abschnitt schreiben, damit alle gleich schnell voran kommen. Aber so was finde ich persönlich nicht so angenehm. Dann müssen die Schnell-Leser immer warten und ich komme total aus meinem Lesefluss raus, wenn ich nicht in meinem Tempo lesen darf.

    Wenn ich mit dem Buch fertig bin lese ich immer noch alle Beiträge in der Leserunde mit und wenn mir was dazu einfällt dann schreibe ich auch noch was dazu.

  • Du bist hier bei den Querbeeteulen und nicht bei einer "normalen" Leserunde. Gerade das schätze ich hier. Dass nicht alles einfach abgehandelt wird, und wer fertig ist, kümmert sich nicht mehr um weitere Beiträge. Ich liebe diese intensiven Leserunden, die der Handlung wirklich auf den Grund gehen.

    Keine Bange Gummibärchen Du bist nicht alleine. :knuddel1


    Oh, das muss ich gestern überlesen haben, weil ich da noch den anderen Beitrag schrieb. Danke für Deine Worte. :knuddel1


    Rouge

    Du hast natürlich recht, dass bei einer LR nicht alle gleich schnell lesen, aber mich persönlich stresst es ein bisschen, wenn ich bei den "späteren" Eulen dabei bin, weil ich dann vermutlich Angst habe, liest keiner mehr, interessiert sich keiner mehr für, Austausch schon gelaufen usw.

    Vielleicht werde ich da mal entspannter, wer weiß. Aber so, wie Du das woanders beschreibst, fände ich das sehr eingeschränkt und das fände ich jetzt auch keine optimale Lösung.

    Da ist mir das so, wie das hier ist, schon lieber. Und wie gesagt - vermutlich wäre ich dann bei zuviel Beiträgen eh überforderst, ich mag ja lieber kleinere LR, das ist hier schon ganz schön so. :)

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  • Jakobs Lügen, sind es nicht eher Phantasieantworten, gleichen Treppenstufen, und so geht die Geschichte fort und eine Unwahrheit folgt der vorhergehenden. Mir jeder Stufe wächst die Gefahr. Die Gefahr für alle, wenn sich einer an der falschen Stelle verquatscht, und die Gefahr für Jakob, an die er interessanterweise kaum noch denkt.

    Oder die Gefahr für Lina, ein angenommenen Kind, auch so ein Schicksal.

    Sicherlich wächst mit Jakobs Radio-Lügen die Gefahr, aber sie schenken auch Hoffnung, nämlich die Hoffnung, diesen Vorhof der Hölle doch noch zu überleben.

    Zitat

    Wer jetzt noch erschossen wird, so kurz vor Schluß, der hat plötzlich eine Zukunft verloren, um Himmels Willen bloß keinen Grund mehr geben für Majdanek oder Auschwitz, sofern Gründe Bedeutung haben, Vorsicht, Juden, höchste Vorsicht und keinen unüberlegten Schritt. (S. 114/115)

    Die Lügen haben mehrere Gesichter: Die Gefahr, dass sie auffliegt, (wobei ja kein Radio existiert, was allerdings egal sein dürfte), die Gefahr, dass Jakob von seinen Freunden als Lügner enttarnt wird, sie schenken aber auch Hoffnung, jetzt noch etwas durchzuhalten und von einer Zukunft zu träumen.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Ich komme mit dem Buch nur langsam voran, weil ich es einfach nur sehr langsam lesen kann. Es nimmt mich mit. Ich unterbreche es auch erstmal nach diesem Abschnitt, lese es aber später unbedingt weiter.


    Mir sind die Szenen mit Lina auch sehr nah gegangen. Es ist rührend, wie Jakob sich um das Mädchen kümmert, die sonst keine Überlebenschance hätte. Ich verzeihe Jakob sehr viel, weil er aus Sorge und Mitgefühl handelt. Sowohl Mischa gegenüber, den er mit der allerersten Lüge vor dem Kartoffelklau retten will, als auch Lina, die er beschützen will. Und natürlich auch den Ghetto-Bewohnern gegenüber, denen er Hoffnung schenken will. Sein Antrieb ist sicherlich auch, dass er feststellt, dass sich nach der Verbreitung der Hoffnungsnachrichten niemand mehr umbringt.

    Dabei ist er ja durchaus kritisch sich selbst gegenüber und reflektiert und hinterfragt sein Handeln.


    Unter die Haut ging mir auch die Klohäuschen-Szene, zum einen, weil ich sie auch lustig erzählt fand, zum anderen, weil der Tod ständig greifbar ist, die Gefahr, dass Jakob erschossen wird so viel wahrscheinlicher, als dass er entkommt.

    Jakob stiehlt Zeitungsfetzen, um sein Lügengebilde aufrecht zu erhalten. Stattdessen stellt er fest, dass die geklaute Zeitung vollkommen unbrauchbar ist, weil die Nazis selbst nur Lügen veröffentlichen und die Nachrichten keinerlei Wert besitzen Das fand ich sehr eindrücklich. Die übrige Bevölkerung wird mit den Lügen, die durch die Propaganda-Medien verbreutet werden, ebenso hingehalten, es wird ebenfalls Hoffnung verbreitet, der gleiche Mechanismus, der auch im Ghetto einsetzt.


    Interessant finde ich den Vorwurf, den sich der Erzähler macht, dass es im Ghetto keinen Widerstand gegeben hat. Beim Lesen ist die Angst vor der Entdeckung und vor dem willkürlichen Tod ständig greifbar, der Erzähler macht sich Vorwürfe, sich nicht gewehrt zu haben. Diese Spannung ist so plastisch beschrieben, das ist echt großartig gelungen.

    Die eigentliche Geschichte aber bleibt unerzählt, denn ihre wahre Sprache könnte nur die Sprachlosigkeit sein. Natascha Wodin

  • Jakob stiehlt Zeitungsfetzen, um sein Lügengebilde aufrecht zu erhalten. Stattdessen stellt er fest, dass die geklaute Zeitung vollkommen unbrauchbar ist, weil die Nazis selbst nur Lügen veröffentlichen und die Nachrichten keinerlei Wert besitzen Das fand ich sehr eindrücklich. Die übrige Bevölkerung wird mit den Lügen, die durch die Propaganda-Medien verbreutet werden, ebenso hingehalten, es wird ebenfalls Hoffnung verbreitet, der gleiche Mechanismus, der auch im Ghetto einsetzt.


    Interessant finde ich den Vorwurf, den sich der Erzähler macht, dass es im Ghetto keinen Widerstand gegeben hat. Beim Lesen ist die Angst vor der Entdeckung und vor dem willkürlichen Tod ständig greifbar, der Erzähler macht sich Vorwürfe, sich nicht gewehrt zu haben. Diese Spannung ist so plastisch beschrieben, das ist echt großartig gelungen.

    Sehr schöne Beobachtungen! Kann ich vollauf bestätigen.