Ich bin genervt ....ab dem 31.05.2024

  • Mir geht gerade eher nahe, wie Freunde von mir mit dem, schon viel zu lange dauernden, Krieg in der Ukraine umgehen. Deren Familien sind dort entfernt oder nah betroffen.

    Ich kämpfe selbst damit, dass ich mich besser in meiner Heimatsprache, als in meiner Muttersprache ausdrücken kann. Das ist kein grosses Weltproblem, das gestehe ich dir zu, aber es ist mein Problem. Bleibt auch mein Problem und soll keines anderen Problem sein :wave

  • Eigentlich bin ich deswegen ja nicht genervt, aber musste gestern früh meinen Sohn vom Internat abholen. Er hatte sich verletzt. Laut seiner Erzählung ist er diese Woche im Sportunterricht beim Balancieren auf einer Bank, hier ist ihm einfach das linke Knie von selbst weggerutscht, ohne dass er was dagegen hätte machen können. :unverstanden

    Meine Mutter war mit ihm gestern Abend noch im Krankenhaus und es kam raus, dass er sich am linken Fuß eine Bänderzerrung zugezogen hat. Jetzt muss der arme Kerl für 6 Wochen eine Orthese tragen. :konfus:|

  • So, es ist mir dann doch ein Anliegen, da etwas klarzustellen, bevor ich missverstanden oder falsch interpretiert werde. Denn durch den Post von Tom und den Hinweis auf Whataboutism Richtung mazian bin ich gar nicht mehr sicher, ob ich die beiden Posts von mazian so interpretiert habe, wie sie gemeint waren.

    Da bist du nicht der einzige

    Aber gendern scheint ja das grösste Problem unserer heutigen Zeit zu sein. Anderes kann so ganz gut ausgeblendet werden :unverstanden

    Hier hatte ich gefragt, ob das (hoffentlich) Ironie ist. Denn bei mir kam es so an, dass mazian von den ganzen Sachen auf der Welt quasi am meisten von Gendern genervt ist, denn alles andere kann man ausblenden. Als ironische Antwort hätte ich es auffassen können, wenn die eigentliche Aussage "Mensch, Voltaire, scheint, als hättest Du bzw. hätten wir keine anderen Probleme als Gendern ja/nein. Ehrlich, das ist doch jetzt nicht der Rede wert." Ob so eine Aussage nun okay ist oder nicht, das möchte ich jetzt gar nicht urteilen, darum geht es mir nicht. (Voltaire hat ja durchaus recht, dass man generell und erst recht hier im Thread auch von vermeintlich kleineren Sachen genervt sein darf, obwohl die größeren Sachen weiterhin da sind.) Mir geht/ging es nur darum, dass mazians erster Satz und der Rest eigentlich nicht zu meiner Hoffnung, es könnte Ironie sein, passten. Denn ich finde schon, dass wir weitaus größere Probleme auf der Welt haben, ob wir gendern oder nicht. Punkt 1.


    mazian hat dann auf meine Frage Folgendes geantwortet:

    Ja, natürlich ist das Ironie. Ich hätte einen Eisklotz anstelle meines Herzens und Hirns wenn dem nicht so wäre

    Es gibt so viel Leid und so viele Probleme um uns herum, aber auf die richtige Anrede diverser Personen muss mehr Rücksicht genommen werden.

    Ich habe hier positiv (mit ":kiss:knuddel1") reagiert.

    Allerdings habe ich diese Aussage anders verstanden als Tom. Vielleicht auch anders, als sie gemeint war. Für mich war das in dem Moment meiner Reaktion kein Whataboutism, da ich es wie folgt gelesen habe:

    "Es gibt so viel Leid und so viele Problemee um uns herum, aber auf die richtige Anrede diverser Personen muss/sollte dennoch Rücksicht genommen werden."


    Hier gab es offenbar ein Missverständnis in der Kommunikation von mazian und mir und meiner Frage, ob die Aussage ironisch gemeint ist. Zwar war sie das laut mazians Aussage, aber doch anders, als ich angenommen habe. Hätte ich das richtig gelesen/verstanden bzw. bei der Erläuterung so gelesen wie Tom, hätte ich dies niemals mit der positiven Reaktion beantwortet.


    Mir war das wichtig klarzustellen, weil ich nicht so denke wie mazian. Ich gendere nicht durchgehend, aber ich begrüße es durchaus, wenn es andere tun und würde nicht ausschließen, mir das anzueignen. Ich kenne keine nonbinäre Person persönlich (ist mir zumindest nicht bewusst), aber ich spreche Menschen gerne so an, wenn sie es möchten (auch wenn kaum einer meinen Namen so ausspricht, wie ich eigentlich heiße, aber das ist eine andere Baustelle :grin:unverstanden). Ich finde dieses Thema wichtig, auch wenn es natürlich wichtigere Themen in meinen Augen gibt. Eben wie es Tom schrieb:

    Es spricht nämlich absolut nichts dagegen, kleine wie große Probleme zugleich anzugehen, dafür ist genug Platz und es gibt auch ausreichend Ressourcen, denn keines dieser "kleinen" Probleme nimmt irgendeinem größeren Problem irgendwas weg. Oder, wenn man sie schon nicht angeht, ihnen wenigstens Aufmerksamkeit zu widmen.


    Und ja, kann sein, dass das alles 99% der Eulen egal ist. Aber mich hat es gestört, dass evtl. von mir eine Meinung rüberkam, die ich so nicht gemeint habe und nicht vertrete.

    With love in your eyes and a flame in your heart you're gonna find yourself some resolution.


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  • Eigentlich bin ich deswegen ja nicht genervt, aber musste gestern früh meinen Sohn vom Internat abholen. Er hatte sich verletzt. Laut seiner Erzählung ist er diese Woche im Sportunterricht beim Balancieren auf einer Bank, hier ist ihm einfach das linke Knie von selbst weggerutscht, ohne dass er was dagegen hätte machen können. :unverstanden

    Meine Mutter war mit ihm gestern Abend noch im Krankenhaus und es kam raus, dass er sich am linken Fuß eine Bänderzerrung zugezogen hat. Jetzt muss der arme Kerl für 6 Wochen eine Orthese tragen. :konfus:|

    Gute Besserung an den Sohn.

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  • Ja ja das Gendern - aber dann wollen das Männer verpflichtend Fragebögen ausfüllen sonst werden Strafen erhoben, Frauen können wenn sie wollen Antworten und was ist mit denen die nicht Mann / Frau sind?
    Wo ist da der Aufschrau der Frauen - die doch immer Gleichbehandlung/-berechtigung fordern?
    Das ist eine Baustelle wo sie nicht so gerne drauf mittanzen wollen.

    Ja das ganze soll dann unterm Strich - freiwillig bleiben, hofft man doch genug junge Leute zusammen zu bekommen.... naja vielleicht sollte man einfach ein grundsätzliches "Jahr" oder 6 Monate einplanen entweder Bund oder Sozialdienste?
    Um es kurz zu sagen, mich nervt es das wir Gendern um allen gerecht zu werden, aber dann doch wieder Geschlechterunterschiede machen und nicht einfach "Menschen" auffordern zur Bundeswehr zu gehen - u.a. über diese Fragebögen an alle Menschen mit den gleichen Konsquenzen.

    Muff Muff Muff dat Muffelinchen


    Leben ist was uns zustößt, während wir uns etwas ganz anderes vorgenommen haben. (Henry Miller)

  • Zum einen sind Gendern und korrekte Pronomen zwei verschiedene Dinge.


    Dass viele Menschen keine Ahnung von Pronomen für nicht-binäre Menschen haben, ist grundsätzlich kein Problem. Man kann ja fragen. Und diese dann auch benutzen. Herr Müller will schließlich auch nicht mit Frau Müller angesprochen werden.


    Komplett gegenderte Texte sind schwer zu lesen und auch für mich nur in Ausnahmefällen akzeptablel, wie in dem Buch Pageboy. Da macht es tatsächlich Sinn, weil es die Biografie einer Transperson ist. Aber ab und an einen Gender-Doppelpunkt (ist für Sehbehinderte besser, weil die Vorlese-Software damit klarkommt) finde ich nicht verkehrt.


    Kennt ihr diese Story?


    Machen drei Bauarbeiter Pause. Einer fragt die anderen "Auch ein Bier?"

    "Danke, für mich nicht, ich bin schwanger."


    Und jetzt behaupte bitte keiner, nicht beim ersten Satz drei Männer vorm geistigen Auge gehabt zu haben. Mit Bauarbeiter:innen wäre das etwas anderes gewesen. Und darum geht es beim gendern: Dinge sichtbar zu machen.

    “You can find magic wherever you look. Sit back and relax all you need is a book." ― Dr. Seuss

  • Ich werde hier jetzt keine Gender / Pronomendiskussion starten aber für mich ist Alkohl am Bau eh ein unding - früher wurde gescherzt, erst ab so und soviel Promille werden die Mauern gerade.

    Muff Muff Muff dat Muffelinchen


    Leben ist was uns zustößt, während wir uns etwas ganz anderes vorgenommen haben. (Henry Miller)

  • Breumel


    Die Wache zieht ihr Schwert, als sie die Leiche sieht.


    Sprache funktioniert anders, als Gendern es suggeriert.


    Aber mit dem Ziel stimme ich auch vollkommen überein.


    Edit:

    Und ich komme mittlerweile mit gegenderten Texten, solange es Pluralformen sind, sehr gut zurecht, solange die kurze Form, also zB Bauarbeiter*innen verwendet wird.

    Allerdings muss ich zugeben, dass ich in längeren Texten tatsächlich ausblende, ich lese es dann wieder ungegendert, mein Hirn erfasst nur noch Bauarbeiter was für mich inhaltlich auch gleichbedeutend ist oder ggfls kontextabhängig.

    Die Langform hingegen, Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter, mag ich gar nicht. Sie ist geschwätzig, lässt sich nicht ausblenden und schließt durch die Nennung von 2 Geschlechtern tatsächlich aus. Hier werden dann nicht binäre explizit nicht mehr mitgemeint.

    Ich hoffe einfach, es setzt sich irgendwann wieder ein generischer Begriff durch, den man verwenden kann, ohne sich in irgendeiner politisch-gesellschaftlichen Weise ins Rampenlicht stellen zu müssen. Im Moment scheint es den nicht mehr zu geben.

    I never predict anything, and I never will. (Paul Gascoigne)

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  • Sprache lebt und sie entwickelt sich kontinuierlich weiter.

    Das merkt man doch schon daran, welche Worte wir in der Jugend cool fanden und welche es heute sind. Ganz andere nämlich.


    Mit dem Gendern ist es in meinen Augen ähnlich - im Moment sind wir in einer Phase des Umbruchs. Auch wird sich die Sprache in den nächsten Jahren weiter verändern.


    Die Dinge sichtbar machen, das ist das Anliegen. Die Wege dahin sind in der Wiese unserer Sprache zwar schon sichtbar, aber eben noch nicht festgetrampelt. Vielleicht hadern auch deswegen manche damit? Weil es eben noch ungewohnt ist, sich komisch anfühlt oder anhört? Beim Schreiben manchmal auch noch irgendwie den Fluß bremst?


    Ich gebe auch gerne zu, dass ich selbst nicht immer gendere, weil ich gar nicht immer daran denke. Ich bemühe mich, allerdings habe ich für mich selbst noch keinen 100%-igen Weg gefunden. Meist habe ich versucht, Dinge anders auszudrücken. Also z.B. statt "Liebe Kolleginnen und Kollegen" oder "Liebe Kolleg:innen" hab ich dann halt geschrieben: "Liebes Team!" :grin


    Hinsichtlich der korrekten Anrede non-binärer Personen bin ich im Moment noch überfordert/ratlos - einfach aus dem Grund, weil mir in meinem Umfeld keine bekannt sind. Käme ich in die Situation, würde ich einfach nachfragen...

    Lieben Gruß,


    Batcat


    Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt (aus Arabien)

  • Die Dinge sichtbar machen, das ist das Anliegen.

    Nicht wirklich, oder? Die geschlechtergerechte Sprache will sprachlich gerecht den Geschlechtern gegenüber sein. Es werden keine Dinge sichtbar gemacht und auch keine anderen Kategorien, sondern es geht ausschließlich um die Kategorie Geschlecht. Und es geht dabei auch nicht um Genitalien (zum Glück), sondern um die mit dem Geschlecht verbundene soziale Rolle.

    Diese Geschlechtergerechtigkeit wird häufig versucht zu erreichen, indem alle Geschlechter gleichberechtigt genannt werden sollen, was ein schwieriges Unterfangen ist: -innen bleibt ein Anhängsel, der * wird dazwischengequetscht, die dominante Grundform verliert durch diese Betonung von Geschlechtern ihre Generik immer mehr und wird dadurch männlicher.

    Wir werden es hoffentlich irgendwann überwinden, die Geschlechtskategorie sichtbar machen zu wollen, schließlich machen wir das mit anderen Kategorien auch nicht. Was wir brauchen sind Begriffe, die diese Kategorie unsichtbar machen. Die gibt's zum Teil natürlich schon, z.B. Dein Ausweichen auf Team ist ja nichts anderes. Aber es ist völlig verkrampft beim Sprechen/Schreiben über eine Kategorie nachdenken zu müssen, die für das Gespräch überhaupt keine Rolle spielt, um deutlich machen zu können, dass sie für das Gespräch keine Rolle spielt.
    Aber da müssen wir wohl alle durch, bis sich eine Lösung etabliert.