• Zitat

    Denn genau das war ja deine Frage: nicht die grundsätzliche Glaubwürdigkeit eines Autors, sondern der vorsätzliche (bzw. vermutete) Geschlechtertausch.


    Haha, ja, da hast Du Recht. Mich regen Pseudonyme grundsätzlich auf, der Geschlechtertausch setzt da nur noch einen oben drauf.


    Beim Chile-Buch bin ich erst am Anfang, daher kann ich noch nicht sagen, ob es mich stören würde. Ich komme darauf zurück :grin


    Bei Justin Skylark wird ja eindeutig suggeriert, dass der Autor ein Mann ist, der M/M schreibt.


    Wie so oft im Leben...es kommt darauf an. Eben z.B. auch auf das Genre.

  • Uert, dass dich gekünstelte Autoren-Biografen generell nerven, finde ich interessant. Ich habe mich nämlich gerade gefragt, ob es einen bestimmten Punkt gibt, an dem Leser von einer Handlung genervt sind, ob mancher Leser sich vielleicht erst an diesem Punkt für den Autor interessiert und bei Unstimmigkeiten in der Biografie nun besonders sauer reagiert. Wenn ich mit der Handlung einverstanden bin, wäre das Geschlecht des Autors doch eigentlich uninteressant?


    Bei Bannalec entstand u. a. die Frage, ob wirklich ein Einheimischer schreibt, bei Johansson fand ich auffallend, dass der Autor hauptsächlich Menschen über 50 beschreibt. Beides sind getürkte Biografien.


    Auch erinnere mich an einen Roman, in dem ich es sonderbar fand, dass ein als heterosexuell beschriebener Mann andere Männer auffällig von Kopf bis Fuß anstarrte. Erst nach dieser Szene habe ich mich gefragt: tun Männer das, wer ist der Autor/die Autorin und projiziert derjenige sein eigenes Verhalten evtl. auf andere? Ohne diese Szene hätte ich nicht über m oder w nachgedacht.

  • Zitat

    Original von Buchdoktor
    Auch erinnere mich an einen Roman, in dem ich es sonderbar fand, dass ein als heterosexuell beschriebener Mann andere Männer auffällig von Kopf bis Fuß anstarrte. Erst nach dieser Szene habe ich mich gefragt: tun Männer das, wer ist der Autor/die Autorin und projiziert derjenige sein eigenes Verhalten evtl. auf andere? Ohne diese Szene hätte ich nicht über m oder w nachgedacht.


    Und genau da wird es meiner Meinung nach schwierig. Was tut ein Mann, was tut eine Frau? Wann tun sie was? Was hat ihre sexuelle Ausrichtung für Einflüsse darauf? Gibt es den typischen Mann, die typische Frau? Was ist "regelkonform" was nicht? Darf eine Autorin knallharten Jargon schreiben, über Gewalt? Ist das dann echt? Kann und darf ein Autor über zärtliche Gefühle schreiben, wenn ja und er es auch noch gut macht, ist er dann überhaupt im landläufigen Sinne ein "echter Kerl" oder gilt er als weibisch?


    Das stark vereinfachte Rollen-Geschlechterbild, das immer noch sehr stark vorherrscht, verursacht mir latent Unbehagen. Bei mir persönlich hat es diese Wichtigkeit nicht. Ich glaube, die vermeintlich typischen, geschlechtsbezogenen Eigenschaften sind viel verteilter auf beide Geschlechter, als man das wahrhaben oder wahrnehmen will.

  • Zitat

    Original von Rosha


    Stören tut es mich nicht und wundern ebenso wenig. In den meisten Bereichen des Lebens wirst du als Mann einfach ernster genommen.


    Und das nicht nur von Männern, sondern auch von Frauen. Habe ich oft genug erlebt und immer wieder beobachtet.


    Ich ertappe mich selbst dabei, im Fantasy-Unterforum auf Bücher, die von Frauen geschrieben wurden, gar nicht erst zu klicken, weil ich grundsätzlich Romantasy dahinter vermute, was ich nun mal nicht lese. Steht ein Männername neben dem Titel, fühle ich mich gleich weitaus mehr verleitet, mir den Thread mal anzusehen.
    Deshalb kann ich schon verstehen, dass weibliche Autoren in traditionell eher ungewöhnlichen Genres sich lieber männliche Pseudonyme zulegen, als dass ihr Werk aufgrund von Vorurteilen aufgrund des weiblichen Namens auf dem Titel kaum Leser findet.

  • Wie ich schon sagte: Es kommt darauf an. :grin


    Sicher ist es so, dass es mich bei einem schlechten Buch eher stört als bei einem guten Buch. Aber grundsätzlich ist es schon so, dass ich mir Authentizität wünsche und selbst bei einem guten Buch würde es mir sauer aufstossen, wenn ich hinterher erfahre, dass der chilenische Autor seine Biographie gefaked hat und eigentlich Isländer ist.


    Und genauso wäre es mir wohl auch sauer aufgestossen, wenn ich HINTERHER erfahren hätte, dass The Cuckoo's Calling nicht von einem ehemaligen Elitesoldaten geschrieben wurde.


    Für mich hat ein Pseudonym, welches falsche Tatsachen vorschaukelt, etwas unehrliches und das mag ich einfach nicht.


    Und ich finde es macht schon einen Unterschied, ob ein Mann oder eine Frau über schwulen Sex schreibt. Gerade das ist ja ein Thema, wo eine Frau am wenigsten zu weiß. Was nicht heißen soll, dass ich es nicht lese. Ich will es nur vorher wissen. Und ich finde, bei manchen Dingen reicht halt Recherche nicht, da muss man schon selber dabei gewesen sein.

  • Zitat

    Original von uert
    Und ich finde, bei manchen Dingen reicht halt Recherche nicht, da muss man schon selber dabei gewesen sein.


    Welche Dinge wären das denn so, Deiner Meinung nach? Spontan fällt mir da eine ganze Menge ein, was in der Literatur durchaus ordentlich abgehandelt wird, ohne dass der Autor, die Autorin dabei war.
    Wie steht es mit dem glaubhaften Beschreiben vom Kinderkriegen, hat ein Autor, der nicht wenigstens im Kreißsaal war, schlechte Karten bei Dir?
    :gruebel

    Wer einmal aus dem Schrank ist, passt nicht mehr in eine Schublade.
    Aber mein Krimi passt überall: Inge Lütt, Eine Bratsche geht flöten. ISBN: 978-3-89656-212-8. Erschienen im Querverlag

  • Zitat

    Original von Rattentod
    Ich ertappe mich selbst dabei, im Fantasy-Unterforum auf Bücher, die von Frauen geschrieben wurden, gar nicht erst zu klicken, weil ich grundsätzlich Romantasy dahinter vermute, was ich nun mal nicht lese.


    Aua. Ich ertappe mich gerade dabei zu überlegen, welche Fantasyautorinnen außer Rowlings noch bekannte Werke fernab von Romantasy geschrieben haben. Oder ist es schon Romantasy, wenn überhaupt eine Liebesbeziehung erwähnt wird oder am Rand eine Rolle spielt (fernab davon, die Hauptrolle zu sein), dann müsste man ja auch Harry Potter von der Liste streichen, Mercedes Lackey ebenso wie Tamora Pierce, Barbara Hambly, Marion Zimmer Bradley und andere, die mir im Moment nicht sofort einfallen.


    Anders herum gefragt, erwarten sich weibliche Leser bei einer Autorin im Fantasybereich grundsätzlich eine Liebesgeschichte im Fantasygewand und sind dann enttäuscht, wenn es keinen Herzschmerz gibt?

  • Zitat

    Original von Mariangela
    Anders herum gefragt, erwarten sich weibliche Leser bei einer Autorin im Fantasybereich grundsätzlich eine Liebesgeschichte im Fantasygewand und sind dann enttäuscht, wenn es keinen Herzschmerz gibt?


    Damit wären wir ja bei der vieldiskutierten Frage, ob Frauen grundsätzlich anders schreiben.


    Mein Eindruck ist, dass zumindest bei Unterhaltungsromanen Frauen eher dazu tendieren, zwischenmenschliche Beziehungen in den Vordergrund zu stellen, während Männer sich gern in Kampf- und Actionszenen ergehen. Für mich ganz persönlich hat das zur Folge, dass ich eher zu Büchern greife, auf denen ein weiblicher Name steht. Wer also ganz "geschlechtsuntypisch" schreiben will, wäre mit einem entsprechenden Pseudonym vielleicht nicht schlecht bedient. Es gibt auch männliche Autoren, die sich für Liebesgeschichten einen weiblichen Namen zugelegt haben.


    Was nun die These von: "Recherche genügt nicht immer" betrifft, so geht mir da die ganze Zeit etwas im Kopf herum. Gesetzt den Fall, ich will einmal einen Mord aus der Sicht des Täters beschreiben, muss ich dann vorher jemanden umbringen. :schlaeger????


    Tereza

  • Zitat

    Original von blaustrumpf


    Welche Dinge wären das denn so, Deiner Meinung nach? Spontan fällt mir da eine ganze Menge ein, was in der Literatur durchaus ordentlich abgehandelt wird, ohne dass der Autor, die Autorin dabei war.
    Wie steht es mit dem glaubhaften Beschreiben vom Kinderkriegen, hat ein Autor, der nicht wenigstens im Kreißsaal war, schlechte Karten bei Dir?
    :gruebel


    Wenn sich der männliche Autor das Pseudonym Martha Quadrata gibt und in „ihrer“ Autoren-Bio angibt, zwei biologische Kinder auf die Welt gebracht zu haben, dann ja, dann hätte der Autor beim Thema Kinderkriegen schlechte Karten bei mir.


    Ebenso wenn der isländische Autor sich ein chilenisches Pseudonym und eine chilenische Bio gibt, um seine chilenische Geschichte besser zu verkaufen.
    Wenn der isländische Autor aber von Anfang offen sagt, hey, ich komme im Lebtag nicht aus Island raus aber ich liebe Chile und die Geschichte und das Land und ich schreibe jetzt den Chile-Roman, dann habe ich da kein Problem mit.


    Und ich bin die letzte, die da übermäßig kritisch ist. Ich hab in meinem Leben schon so viele von Frauen geschriebene M/M Geschichten gelesen. Fiktionaler schwuler Sex von Frauen geschrieben muss nicht schlecht sein. Vermutlich nur weniger authentisch. Ich weiß halt nur gerne vorher, dass die Autorin eine Frau ist.

  • Zitat

    Original von Tereza
    Gesetzt den Fall, ich will einmal einen Mord aus der Sicht des Täters beschreiben, muss ich dann vorher jemanden umbringen. :schlaeger????


    Könnte ein guter Psychothriller werden :gruebel:lache Auf alle Fälle mal authentisch.

  • Zitat

    Original von uert
    Fiktionaler schwuler Sex von Frauen geschrieben muss nicht schlecht sein. Vermutlich nur weniger authentisch.


    Die Frage nach der Authentizität unterscheidet uns eventuell. Mir ist es wichtiger, dass etwas gut geschrieben ist. Dazu gehört für mich Plausibilität erheblich mehr als Authentizität.


    Ich erinnere mich an Johannes Mario Simmel, der in einem Interview letztlich verzweifelnd anmerkte, dass in seinem Roman doch alles nachprüfbare Fakten seien, authentisch alles durch und durch. Fakten, denke ich, machen keine Literatur.

    Wer einmal aus dem Schrank ist, passt nicht mehr in eine Schublade.
    Aber mein Krimi passt überall: Inge Lütt, Eine Bratsche geht flöten. ISBN: 978-3-89656-212-8. Erschienen im Querverlag


  • Ok, ich schreibe dann aus der Sicht des Opfers....

  • Ich selbst schreibe bisher nicht unter einem Synonym. Das heißt aber nicht, dass ich generell irgendwelche Einwände dagegen hätte. Etwas unmoralisches kann ich darin nicht sehen und unter Umständen kann es Nachteile vermeiden.


    Schreibt mann z.B. in verschiedenen Genres ist es vorteilhaft unter zwei Namen zu veröffentlichen. Von Martin Hühn (mir) wissen die Leser nun, dass sie Fantasyromane erwarten können. Vielleicht schreibe ich aber auch irgendwann einmal einen Krimi. Dann wähle ich vielleicht einen anderen Namen um die Leser nicht aufs Glatteis zu führen.
    Geradezu unabdingbar wird ein Synonym dann, wenn die Genres etwa "Besonders freizügige Erotik" und "Kinderbücher" hießen (und der Autor vielleicht noch hauptberuflich Grundschullehrer ist).

  • Ich habe die exzessive Pseudonymitis bis vor einiger Zeit für ausgesprochen blödsinnig gehalten, sowohl aus Autoren- als auch aus Lesersicht.
    Als Leser nervt es mich nämlich ungemein, wenn ein von mir verehrter Autor unter mehreren Pseudonymen schreibt, die ich vielleicht nicht alle kenne - und wenn ich einen Autor sehr gern mag, dann lese ich alles von ihm, gleichgültig welches Genre. Als Autorin, die ich auch mehrere Genres schreibe, habe ich von mir auf andere geschlossen und mir gedacht, die Leser da draußen können ja die Genre-Zuordnung und Klappentext lesen und sehen dann schon, ob das Genre zu ihnen passt.


    Ich habe mich auf die harte Tour eines Besseren belehren lassen.


    Es gibt nicht wenige Leser, die einen Autorennamen tatsächlich fest mit dem Genre verknüpfen, das sie zuerst von ihm gelesen haben. Soll heißen, wenn man z.B. mal ein paar Romantasy-Titel geschrieben hat und dann etwas macht, das mit Liebesroman nicht viel zu tun hat, riskiert man eine Menge enttäuschter Leser und böser Verrisse, weil man eine Erwartungshaltung nicht bedient.
    Aus kommerzieller Sicht ist das Ganze noch dramatischer. Ich habe es auch für ein Gerücht gehalten, dass man als Autor 'verbrannt' sei, wenn man mal einen kommerziellen Flop gelandet hat. Leider stimmt es. Ein Name, der beim Eintippen in diverse Systeme ein Buch mit niedrigen Verkaufszahlen zum Vorschein bringt, wird von den vielen Buchhändlern nicht mehr bestellt. Egal, wie viel Mühe sich der Verlag gibt, das Buch wird dann schon zum Flop, bevor es überhaupt erschienen ist. Ich kenne Autorenkollegen, denen es passiert ist, dass sie für ihre Bücher den Vorschuss bekommen und das MS abgeliefert und das Lektorat durchlaufen haben, und dann wurde das Buch niemals gedruckt, weil die Vorbestellungen aus dem Buchhandel so niedrig ausfielen.
    Um das zu vermeiden, wird man als Autor beraten, nach einem Flop mit neuem Pseudonym weiterzumachen, weil selbst ein Newcomer-Name besser sei als ein 'verbrannter' Name.


    Das gefällt mir als Autor nicht.
    Aber wie es aussieht, muss ich mich den Marktrealitäten stellen.


    LG Andrea

  • Zitat

    Original von agu
    Ein Name, der beim Eintippen in diverse Systeme ein Buch mit niedrigen Verkaufszahlen zum Vorschein bringt, wird von den vielen Buchhändlern nicht mehr bestellt.


    Frage eines interessierten Lesers an Autoren und Buchhändler: Warum ist das so? Glaubt der Buchhändler, das Buch hätte sich beim letzten Mal so schlecht verkauft, weil der Name des Autoren zu popelig ist? Wieso kann nicht ein Autor mit einem neuen Thema, vielleicht sogar im gleichen Genre, mit einem zweiten Buch erfolgreich sein bzw wieso sollte die Gefahr eines erneuten Flops größer sein als bei einem Newcomer, dem die Erfahrung des ersten Fehlversuchs fehlt? Wenn das erste Buch von den Kritikern verrissen wurde und die Kunden deshalb nicht zugegriffen haben, kann ich das Argument mit dem Namenswechsel ja noch nachvollziehen, aber ein Buch, daß sich einfach nicht verkauft hat, sagt aus meiner Sicht generell erstmal nix über das Buch aus.

    "Wie kann es sein, dass ausgerechnet diejenigen, die alles vernichten wollten, was gut ist an unserem Land, am eifrigsten die Nationalflagge schwenken?"
    (Winter der Welt, S. 239 - Ken Follett)

  • Zitat

    Warum ist das so? Glaubt der Buchhändler, das Buch hätte sich beim letzten Mal so schlecht verkauft, weil der Name des Autoren zu popelig ist?


    Ich würde mal annehmen, dass die Verkaufszahlen als Qualitätsmerkmal wahrgenommen werden. Wer einmal ein Buch mit schlechtem Absatz geschrieben hat, ist möglicherweise nicht dazu in der Lage immer verlässliche Qualität zu liefern.


    Außerdem könnte ein Flop ein Zeichen dafür sein, dass die Leserschaft des Autors überdrüssig geworden ist. Das würde sich nicht einmal unbedingt in schlechten Kritiken äußern. Dann würden selbst bei guter Qualität erneut schlechte Absätze folgen. Auch wenn Verlage und Buchhändler den Trick mit einem neuen Synonym leicht durchschauen könnten, haben sie möglicherweise kein Interesse daran, so genau hin zu schauen. Denn bis die Leserschaft das Spiel mit den Namen bemerkt hat, kann es gut sein, das sie feststellt, dass das neue Buch eben doch wieder lesenswert ist.

  • Hallo Iris! Las gerade, dass Du überlegst, dir aus verkaufstechnischen Gründen ein Männerpseudonym zuzulegen. Ich habe einmal die Situation gehabt, dass ein Mann sich - aus verkaufstechnischen Gründen - ein Frauenpseudonym zugelegt hat. Ich war, als Leserin, supersauer! Obwohl das Buch nicht schlecht war, habe ich von diese"m" Frau nichts mehr angerührt. Kürzlich sah ich, dass besagter Mann nun unter seinem eigenen Namen veröffentlicht. Habe mir das Buch gekauft.
    Mit anderen Worten: Ich als Leserin empfinde es als Vera... also als Betrug, mir einen total anderen Autor/in unterjubeln zu wollen. :wave
    Viele Grüße
    Anja