der gedruckte Brockhaus ist Geschichte

  • Einigen Tageszeitungen war es gestern eine kleine Notiz wert:


    die gedruckte Brockhaus-Enzyklopädie ist Geschichte, es wird sie nicht mehr geben.


    siehe Börsenblatt


    Dafür soll es einen kostenlosen werbefinanzierten Online-Auftritt mit allen Stichworten geben.


    Also nix mehr schnell bei WWM von der Couch aufspringen und nachschlagen, sondern erst zum PC hetzen, hochfahren und und und...


    Auf Dauer kommt Mensch wohl nicht mehr an einem Internet-fähigem Handy oder ähnlichem vorbei :fetch :fetch

    "Sie lesen?"
    "Seit der Grundschule, aber nur, wenn's keiner sieht."


    Geoffrey Wigham in "London Calling" von Finn Tomson

  • Die Entwicklung war abzusehen und nur "natürlich".
    Gedruckte Enzyklopädien wird es für Bibliotheken eventuell noch geben müssen, ansonsten: wer kauft sie denn noch?
    Als vor einiger Zeit die Neuauflage der Brockhausenzyklopädie kam, hat sie sich schwer getan wie nie noch Käufer zu finden.
    Höchstens Großeltern, die ihren Enkeln ein Prestige-Geschenk machen möchten oder Buchregal-Fassadenschmücker haben sich das Ding gekauft.


    Mal ehrlich: in mein gedrucktest Lexikon habe ich vor drei Jahren das letzte Mal geschaut und es mit dem Umzug aussortiert.
    Fakt ist: Internet ist immer aktueller, immer umfangreicher und bietet die nötigen Alternativen und Möglichkeiten.
    Die letzte Brockhaus Enzyklopädie war schon zum Zeitpunkt des Drucks überholt, weil die Geschichte und die Ereignisse schneller waren.
    Wir leben in einer Zeit die schnelllebiger geworden ist.
    Eine Enzyklopädie hat früher eine Generation begleitet. Heute ist sie nach 10 Jahren schon überholt: Länder existieren nicht mehr, Zahlen, Daten, Fakten sind überholt. Grenzen sind verschoben, naturwissenschaftlich gibt es neue Erkenntnisse und neue Technologien kommen hinzu.


    Und mal ehrlich: ein Notebook und ein Internetfähiges Handy kann man in der Tasche mit sich tragen und hat von überall Zugriff auf das Wissen. Man ist nicht darauf angewiesen zu hause zu sein.


    Für mich ist es eine zeitgemäße Entwicklung. Und das trauern um die gedruckte Enzyklopädie ist pure Nostalgie. Mehr nicht.

    :lesend
    If you can read, you can empathize, luxuriate, take a chance, have a laugh, hit the road, witness history, become enlightened, turn the page, and do it all again
    Oprah Winfrey


  • Ich schaue noch hinein bin ich mit meinen fast 40 Jahren nun nicht mehr zeitgemäß?

  • Ich bin ehrlich, ich freu mich. *g* Seit Jahren überleg ich hin und her ob ich mir nicht einen Brockhaus kaufen soll und bisher wars mir einfach zu teuer. Jetzt kann ichs mir ganz sparen. :grin
    Lexikas sind die einzigen Bücher, die ich lieber in digitaler Form statt in Papierform habe. Einfach weil ich nicht nur nach einem Überbegriff suchen kann, sondern auch wo dieser Begriff vielleicht in anderen Texten vorkommt. Ich hab schon seit einiger Zeit wikipedia auf dem Palm (allerdings als offline-Version), das ist enorm praktisch.

    „Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.“

    - Meister Yoda

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  • Den Brockhaus finde ich toll für kurzes Stöbern, aber für eine ausführlichere Recherche ist er mir zu oberflächlich. Die Artikel kratzen die meisten Themen ja nur an. Außerdem ändert sich das Wissen heutzutage so schnell, dass man sich alle paar Jahre einen neuen Brockhaus kaufen muss, um aktuell zu sein. Deshalb schaue ich mich lieber zuerst im Internet (bei Wikipedia & Co.) um, um mir schnell einen Überblick zu verschaffen, und dann kaufe ich mir gegebenenfalls gezielt Bücher, um das gesuchte Thema zu vertiefen. Aber eine Brockhaus-Online-Variante, die immer aktualisiert wird, finde ich nicht verkehrt und werde sie bestimmt nutzen. Es ist nur schade, wenn ein Buch total von digitalen Medien verdrängt wird. Könnte man denn nicht beides anbieten?

  • Ich meine auch, dass Lexika wohl die Sachbücher sind, die mit Recht von den elektronischen Medien verdrängt wurden.
    Mich hatte es vor ein paar Jahren wirklich gewundert, mit welchem Aufwand man noch einmal eine so teure neue Ausgabe auf den Markt warf. Vielleicht gibt es sie ja bald zum Schnäppchenpreis?
    Ich habe als Zwölfjährige mal eine unvergessliche Geschichte gelesen, in der jemand aufeinander aufbauende Liebesbriefe in den Bänden des großen Goldschnitt-Brockhauses versteckt hatte, und seitdem wollte ich genau dieses Lexikon auch immer haben :lache. Hab leider nur die fünfbändige Sonderausgabe bekommen, die zwar inzwischen völlig abgelesen ist, aber seit ein paar Jahren leider doch verstaubt.
    Wenn ich etwas gezielt suche, dann ist das Internet einfach ausführlicher und aktueller, auch wenn es in der Freizeit umständlich ist, dafür erst den Computer anzuwerfen.
    Ich finde, es ist der richtige Schritt von Brockhaus, den Fehler zu erkennen und energisch auszumerzen. Ich schätze mal, sie sind hart am Ruin vorbeigeschrammt.

  • Also, praktisch ist es sicherlich im WWW, weil es so wenigstens immer aktuell bleibt... aber in nem Buch blättern ist irgendwie seriöser als ne Suchmaschine zu befragen ;) (und schöner.... :lesend)

    Machts gut :)


    Was die Jungend braucht, ist Disziplin und ein voller Bücherschrank.
    (Vivienne Westwood)

  • Irgendwie gleichzeitig logisch nachvollziehbar und erschütternd diese Meldung. Bei den meisten standen die Dinger ja schon früher größtenteils als Staubfänger rum aber ich war begeisterter Lexika-Blätterer bevor es das Internet gab. Aber mit Suchmaschine macht das heute alles viel mehr Spaß.

  • Hallo dyke,


    die Nachricht habe ich gestern Abend auch mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Obwohl ich keine Besitzerin eines Brockhauses bin (mir fehlt es schlicht am nötigen Kleingeld), kann ich das Bedauern derjenigen verstehen, die sich mit dem Gedanken abfinden müssen, dass ein gewachsenes Produkt vom Markt verschwindet, weil es gegenüber den neuen Medien keine Zukunft mehr hat. Andererseits birgt die neue Veröffentlichungsform eine Menge an Chancen, die nicht zu vernachlässigen sind. Wikipedia erhält endlich eine ernstzunehmende Konkurrenz. Jeder, der sich mit Wikipedia bereits auseinandergesetzt hat, hat nicht nur die Vor- sondern auch die Nachteile eines Onlinelexikons erfahren dürfen. Die Vorteile liegen auf der Hand, nämlich Wissensvermittlung und Hintergrundinformationen in aktueller Form für jedermann, manche Nachteile sind erst auf den zweiten Blick erkennbar, wie z.B. das Abkupfern von Informationen und Urheberrechtsverletzungen oder schlechte Recherchen, die zur Verbreitung von Fehlinformationen führen. Von den Hahnenkämpfen, die in den Diskussionen hinter den Artikeln stattfinden, rede ich gar nicht erst.
    Und genau an diesem Punkt sehe die Chance, sich positiv von der Konkurrenz abzuheben. Vielleicht, und das ist meine vage Hoffnung, stellen sich die Macher von Wikipedia erneut die Frage nach den Qualitätskriterien für ihre Artikel. Der lachende Dritte wäre in jedem Fall der Informationssuchende.
    Was in Zukunft fehlen wird und auch durch kein Onlinelexikon zu ersetzen ist, ist das Gefühl eine sachkundige Antwort auf eine Frage durch einen zentnerschweren Brock(en)haus zu erhalten.

  • Man kann das schon verstehen, wer kauft schon noch ein zentnerschweres mehrbändiges Lexikon für teures Geld, wenn man die meisten Antworten umsonst im Internet finden kann? An sich ist es eine logische Konsequenz.


    Ich habe nie einen Brockhaus gehabt, aber was ich bedauerlich finde ist, dass man in einem gedruckten Lexikon einfach aus Spaß hin und herblättern, auf Entdeckungsreise gehen und sich festlesen kann, und online funktioniert das - zumindest bei mir - nie, jedenfalls nicht so wie mit einem gedruckten Lexikon.

  • ... und jetzt schlägt auch noch spiegel online zu, mit den Bertelsmanns-Lexikoneinträgen, wikipedia und eigenen Recherchen. Auch kostenlos. Wow! Wir können nur noch schlauer werden. Den Artikel findet ihr [URL=http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,534775,00.html]hier[/URL] :wave

  • Einerseits finde ich es schade,dass es den Brockhaus nur noch als Onlineausgabe geben soll,ich blätter immer gerne in unserem,aber andererseits glaube ich,dass die Onlineausgabe viel mehr Vorteile bietet,nicht zuletzt die Möglichkeit der schnelleren Aktualisierung.

  • Zitat

    Original von dyke
    Also nix mehr schnell bei WWM von der Couch aufspringen und nachschlagen, sondern erst zum PC hetzen, hochfahren und und und...


    Auf Dauer kommt Mensch wohl nicht mehr an einem Internet-fähigem Handy oder ähnlichem vorbei :fetch :fetch


    dyke,


    ich gestehe: DSL / flatrate sei Dank ist mein Rechner eigentlich meistens an, wenn ich zuhause bin. Ich bin außerdem bekennender Online-Rechercheur.


    Ein internetfähiges Handy und ähnlicher Kram kommt mir dagegen nicht in die Tüte. Da bin ich technikresistent: Ein Handy muß telefonieren und zur Not mal SMSen können. Mehr Gedönse will ich nicht.

    Lieben Gruß,


    Batcat


    Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt (aus Arabien)

  • Wirklich schade... denn beim Lernen ist mein Laptop immer aus und ich nehm dann lieber ein BUch zur Hand... da werden wir uns wohl wirklich alle mit abfinden müssen, dass alles immer mehr über den PC und vorallem über das Internet passiert...
    Das einzige positive ist ja, dass es kostenfrei sein soll, aber wer weiss, wie lang das so sein wird!?!?!?

    :wave Gruß Dany


    Die Wirklichkeit ist etwas für Leute, die mit Büchern nicht zurechtkommen.
    Leserweisheit

  • Erstaunlich, dass es doch so lange gedauert hat. Was Janda schon sagte, bem Druck ist manches schon wieder veraltet, so schnelllebig ist unsere heutige Zeit.


    Ich habe mir vor Ewigkeiten mal eine LExikonreihe von Bertelsmann gekauft, auf die ich bei WWM immer gerne zurückgreife, weil ich vorm TV eben keinen Laptop dabei habe.


    Grundsätzlich bevorzuge ich jedoch seit einigen Jahren die Internet-Recherche, wobei die Gefahr besteht, dass man zu jeder These eine Meinung finden kann, die einem in den Kram passt. Beispiel: Impfen, ja oder nein?


    Gut finde ich, dass Brockhaus ein Gegengewicht zu Wiki schaffen will, wobei das immer noch mein Standardlexikon ist, wo ich zuerst gucke, wenn ich etwas wissen will.

  • Die Recherche im Netz ist natürlich praktischer, ausführlicher, aktueller. Aber in einem Buch zu blättern, ist, denke ich mal, für die Buchliebhaber, unersetzlich. Lexika benutze ich eher um zu stöbern. :-)

    Nicht wer Zeit hat, liest Bücher, sondern wer Lust hat, Bücher zu lesen,

    der liest, ob er viel Zeit hat oder wenig. :lesend
    Ernst R. Hauschka

    Liebe Grüße von Estha :blume


  • Ich habe es im Fernsehen gesehen und finde es gar nicht so schlecht.

    Zitat

    :rolleyesAlso nix mehr schnell bei WWM von der Couch aufspringen und nachschlagen, sondern erst zum PC hetzen, hochfahren und und und...


    Unser Computer ist den ganzen Tag an, das wäre also bei uns kein Problem. :lache

  • Ich sammle ja aktuell auch noch ein Lexikon, aber das Themen-Lexikon von GEO (grad erst kamen 3 Bände "Literatur" *muhaha*) in dem zu ausgewählten Begriffen auch noch ein paar ausführlichere Artikel drin stehen. Ist schon wirklich schön wenn man drin rumschmökert, aber wie gesagt, wenn ich schnell was brauche tipp ichs eben ein (bei mir ist zu Hause auch immer mindestens 1 PC an).

    „Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.“

    - Meister Yoda