Lichterloh - Sofie Laguna

  • Die englische Ausgabe kommt immerhin schon auf 274 Seiten, so dass ich mich schließlich doch zum Kauf entschlossen habe. Und das Cover (weiße verschnörkelte Kapitälchen und eine rote Blätterranke auf schwarzem Grund) finde ich auch sehr gelungen.

    Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte "Wo kämen wir hin" und niemand ginge, um zu sehen, wo wir hinkämen, wenn wir gingen.
    :fechten

  • Ich habe die gleiche Ausgabe wie Regenbogenratte und sie ist wirklich sehr schön.


    Ich habe das Buch vor ein paar Wochen gelesen und wollte es erstmal sacken lassen.


    Für mich war das Buch ein echter Tritt ins Gesicht und bis dato die beeindruckendste Lektüre des Jahres.


    Hester schreibt aus ihrer kindlich-naiven Sicht ihr Leben auf. Dafür braucht es keine ausführlichen Berichte oder schwülstigen Metaphern.
    Auf engstem Raum (das Buch ist auch schnell gelesen) entwickelt Sofie Laguna eine bedrückende, schockierende und befreiende Geschichte, an die ich jetzt noch oft denke.


    Kindesmisshandlung ist ein Thema, von dem ich mich literarisch eigentlich eher fern halte - erstens ist das zumeist larmoyant und mitleidserheischend, zudem studiere ich Erziehungswissenschaften und muss mich nicht auch noch in meiner Freizeit mit ähnlichen (harten) Themen befassen.
    Aber dieses Buch ist anders - irgendwie schockierend, aber auch faszinierend und sehr lohnenswert.


    Ich vergebe begeisterte 10 Punkte und wünsche dem Buch viele Leser - aber nur solche mit starken Nerven.

  • Ich habe weder von der Schriftstellerin noch von dem Buch jemals was gehört. Aber nach diesen begeisterten Rezis landet es sofort auf meiner Wunschliste. Hört sich sehr interessant an.

    Einige Bücher soll man schmecken, andere verschlucken und einige wenige kauen und verdauen.

  • Auch mir hat das Buch sehr gefallen - faszinierend, verstörend, beeindruckend.
    Der Schreibstil von Sofie Laguna ist eigen und eindringlich.
    Eigentlich ist schon alles gesagt und ich schließe mich einfach mal an.

    Jeder trägt die Vergangenheit in sich eingeschlossen wie die Seiten eines Buches, das er auswendig kennt und von dem seine Freunde nur den Titel lesen können.
    Virginia Woolf

  • Die Geschichte wird aus der Perspektive des Mädchens erzähl, das in einer Welt der Isolation von der Außenwelt aufwächst. Ihr Wissensdurst wird durch zwei Bilderbücher: Gesangsbuch und Bibel, gestillt und durch ihre eigene Fantasie. Hester lebt in einer eigenen Welt voller Halluzinationen, und ungewöhnlichen Wahrnehmungen, die zum Teil schwer nachzuvollziehen sind. Sie kommuniziert mit Dingen, sucht in der Umgebung, in den leblosen Dingen, die ihr zugänglich ist, Trost und Rat. Bis sie eines Tages in die Psychiatrie eingeliefert wird...


    Sprachlich hat mich das Buch ebenfalls beeindruckt. Die Autorin bedingt sich einer sehr bilderreichen Sprache, was die Welt des Mädchens sehr gut widerspiegelt. Außerdem ist es Sofie Laguna ausgezeichnet gelungen die Atmosphäre des Elternhauses, die von der menschlichen Kälte und Gewalt durchdrungen ist, wieder zu geben.


    Das Buch ist auf jeden Fall ganz was besonderes. Ungewöhnlich, schockierend und von ungeheuerlicher Kraft.
    Hat allerdings, nach meiner Meinung, eher weniger Unterhaltungswert, sondern viel mehr ist es ein kleines literarisches Kunstwerk.

    Nicht wer Zeit hat, liest Bücher, sondern wer Lust hat, Bücher zu lesen, der liest, ob er viel Zeit hat oder wenig.
    Ernst R. Hauschka

  • Bin erst jetzt auf dieses Buch aufmerksam geworden. Herzlichen Dank an die sehr aufschlussreichen Rezis zu diesem Buch. Dabei hätte schon die erste Rezi von Seestern ausgereicht um das auf meine Wunschliste zu setzen - denn wenn Seestern ein Buch positiv bewertet, dann kann man sicher sein, dass es auch wirklich lesenswert ist. :wave

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall) ich wünsche allen einen schönen Tod und eine geruchslose Verwesenung.


    Allenfalls bin ich höflich - freundlich bin ich nicht.

  • Zitat

    Original von Voltaire
    (...) - denn wenn Seestern ein Buch positiv bewertet, dann kann man sicher sein, dass es auch wirklich lesenswert ist. :wave


    Das lasse ich jetzt mal so stehen ...



    Unabhängig von meiner Meinung ist es aber schön, dass Du auf das Buch aufmerksam geworden bist, Voltaire und ich hoffe, dass es für Dich auch so ein Highlight wird :-)

  • Ich bin vor einiger Zeit in einem anderen Fred auf dieses Buch aufmerksam geworden und konnte es mir bei Tauschticket ertauschen. Heute habe ich es nun zu Ende gelesen. Was soll ich sagen? Es hat mich schwer beeindruckt.


    Hester erzählt mit ihren ganz eigenen, eindringlichen Worten und Bildern ihr Erlebtes. Vieles bleibt dabei auch der Interpretation des Lesers überlassen, denn nur ganz selten bekommt man eine Rückmeldung von "außen". Dabei ist es erschreckend, was dieses Mädchen alles erleben muss, wie das verarbeitet wird und wie es ihr trotz allem möglich ist, Freunde zu finden und mehr möchte ich hier an dieser Stelle auch gar nicht verraten.


    Wird mich sicher noch eine Weile beschäftigen...

    Liebe Grüße :wave


    Waldmeisterin


    Every day I give my family two choices for dinner: take it or leave it!


    Nulla unda tam profunda quam vis amoris furibunda

  • Auch mich hat das Buch beeindruckt - ein nicht alltägliches Buch aus einer nicht alltäglichen Sicht. Anfangs war ich etwas skeptisch wegen der doch etwas außergewöhlichen Sprache. Dies war jedoch unbegründet, denn sprachlich ist das Buch sehr schön zu lesen. Die Handlung ist natürlich ziemlich krass und wird mich sicher noch einige Zeit beschäftigen.

  • Wenn man zu einem Buch greift, muss man immer damit rechnen, dass es einen sein Leben lang begleiten wird. Die Geschichte fließt in einen und wird Teil der literarischen Erinnerung. Mit "Lichterloh" wird es mir vermutlich so gehen.


    Es gibt wohl nicht viele Bücher, bei denen mir beim Lesen je übel geworden ist, aber dieses hätte es fast geschafft. In einer schwächeren Stunde hätte ich es vielleicht sogar zur Seite gelegt, aber heute war ich stark.
    Es stimmt schon, wer allzu empathisch oder sensibel ist, sollte das Buch vielleicht nicht lesen, und auch wenn es ein sehr plattes Wort ist, das ich eher selten benutze, fällt mir hier immer nur eins zu ein: krass.


    Ein sehr kurzes, aber nicht kurzweiliges, beeindruckendes, einfach anderes Werk. Ein Einblick in menschliche Abgründe, von denen man sich abwenden möchte, aber nicht kann, da sie unter anderem auch faszinierend sind.


    8 Punkte gibt es von mir.