Gunther von Hagens: Körperwelten

  • Letze Woche Samstag wurde die neue Körperweltenausstellung von Gunther von Hagens in Köln eröffnet.


    Gunther von Hagens Entdeckung der Plastination bringt völlig neue Ansichten des menschlichen Körpers zu Tage.


    Jedoch ist er nicht unumstritten, der Spiegel berichtete über die Verwendung von Leichen, die in China hingerichtet wurden, dementierte aber später.


    Wer von Euch war schon bei Körperwelten? Wie seht ihr das? Voyeurismus? Wissenschaft? Neugier?


    Ich selbst habe eine frühere Ausstellung damals in Köln gesehen. Da ich jedoch medizinisch vorbelastet bin, interessiert es mich, wie das Eulen sehen, die keinen so detailierten Blick auf den Körper des Menschen gewohnt sind.


    Wer sich mehr informieren möchte, hier geht es zur Homepage der Körperwelten: Klick


    Der Wikipediaeintrag über Gunther von Hagens: Klick


    Ich für mich vergleiche von Hagens gerne mit Aleister Crowley, Zeit seines Lebens verschrieen, jedoch mit einem Werk, das die Menschen immer noch bewegt.

    :lesend Anthony Ryan - Das Heer des weißen Drachen; Navid Kermani - Ungläubiges Staunen
    :zuhoer Tad Williams - Der Abschiedsstein

  • Ich gucke von meinem Büro aus, direkt auf die Ausstellung und kann das Konterfei von den Plakaten nicht mehr sehen! :cry


    Ich war damals irgendwo im Ruhrpott und habe mir die Ausstellung angesehen. (ist etwa 10 oder 9 Jahre her, weiß ich nicht mehr so genau)
    Grundsätzlich fand ich das ganz interessant, allerdings fehlte auch mir da der "Effekt" vielleicht, weil ich zwar nicht im medizinischen Bereich tätig bin, aber ja doch des öfteren mit Toten oder Verletzten zu tun habe und mir diese ja aus der Nähe ansehen oder sie anfassen oder ähnliches muß.
    In sofern kann ich dir auch keinen Blick des Ottonormalos liefern.


    Ich persönlich weiß aber noch, daß ich des öfteren daran gezweifelt habe, daß das wirklich alles echt ist, sah mir teilweise zu eingefärbt und künstlich aus.


    Die Arrangements fand ich allerdings damals schon recht geschmacklos... wenn auch teilweise durchaus beeindruckend.... (Diesen Reiter auf dem Pferd, z.B.)


    Ich denke allerdings, die muß ich mir nicht unbedingt noch mal ansehen...

  • @ BJ das war wohl in Oberhausen.
    Da war ich damals auch. Als medizinisch nicht angehauchte fand ich es sowohl beeindruckend, z.B. die einzelnen Adern, Muskeln usw. durch den Körper laufen zu sehen. Andrerseits fand ich die Schachspieler oder die schwangere Frau mit ihrem ungeborenen schon schauerlich.

    Diese Eintrag wurde bisher 47 mal bearbeited, zultzt gerade ebend, wegen schwere Rechtsschreipfeler.

  • @ Kuschel
    Kann sein, ich erinnere mich nur noch, daß ich in der Ausbildung war und in Ethik aus Versehen davon berichtet hatte, was mit dem Herrn Pfarrer, der dieses Fach abhielt eine entsetzliche Grundsatzdiskussion auslöste---- :rolleyes

  • Ich habe die Ausstellung vor 10 Jahren in Köln gesehen. Ich fand die Exponate weder gruselig noch abstoßend. Vielleicht liegt das aber wirklich daran, dass man zwar weiß, dass sie echt sind, sie letztendlich aber künstlich aussehen. ich glaube mit einer Leiche im Straßenverkehr, die erheblich verletzt ist, hätte ich deutlich mehr Probleme. Die einzig reale Tote im Originalzustand, die ich bislang gesehen habe, war die Tante meines damaligen Freundes, die nach langer Krankheit gestorben ist.


    Das sonst so tolerante Köln hat ja ordentlich die Handbremse angezogen und das Exponat "Die Liebenden" verboten, weil darin eine Herabsetzung der Würde der Verstorbenen gesehen wird. Bei der Eröffnung waren auch drei Kölner, die ihre Körper schon vor längerer Zeit Herrn von Hagens vermacht haben. Ich fand die Interviews ganz interessant.

  • Zitat

    Original von Bouquineur
    . Bei der Eröffnung waren auch drei Kölner, die ihre Körper schon vor längerer Zeit Herrn von Hagens vermacht haben. Ich fand die Interviews ganz interessant.


    Ich dachte, das ginge in Deutschland so problemfrei gar nicht... :gruebel


    Was die Leiche an sich angeht, sieht eine echte Leiche weitaus weniger "gruselig" aus, als die Exponate.... (meine Meinung..)


    Die Liebenden sollen ja jetzt eingehüllt sein, in irgendeinen Stoff... :gruebel

  • Ich finde Gunther von Hagens sehr extrovertiert und schillernd und nicht zu Unrecht eine umstrittene Person. Auch die Darstellung einiger seiner Plastinate ist schon - vermutlich beabsichtigt, der Publicity wegen - sehr exhibitionistisch.


    Davon mal abgesehen fand ich die Ausstellung (ich war vor einigen Jahren in München) sehr faszinierend, weil sie mir einen guten Einblick verschafft hat, wie der Mensch "von innen" aussieht. Ich hatte z.B. völlig falsche Vorstellung über die Größe mancher Organe und fand auch die Plastinate feinster Aderverästelungen und der Muskulatur etc. hochinteressant.


    Ich hatte seinerzeit ein wenig Angst davor, daß es mich grausen könnte - aber diese Angst war unbegründet. Ich fand die Ausstellung sehr interessant und faszinierend.

    Lieben Gruß,


    Batcat


    Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt (aus Arabien)

  • War vor rund 10 Jahren mal in Mannheim (da war das Pferd noch nicht dabei) und dann einige Jahre später in München. Beide Ausstellungen waren sehr interessant, wobei manches meiner Meinung nach schon jenseits der Grenze dessen ist, was gezeigt werden sollte. Aufmerksamkeit um jeden Preis... Finde auch, dass die Exponate eher künstlich aussehen - sonst wäre ich aber wohl auch nicht reingegangen.


    Zitat

    Original von Caia
    Voyeurismus? Wissenschaft? Neugier?


    Von allem etwas, denke ich. Wobei ich München eher trotz der provokanten Exponate war und nicht wegen des Pferds usw.

    "It is our choices, Harry, that show what we truly are, far more than our abilities." Albus Dumbledore
    ("Vielmehr als unsere Fähigkeiten sind es unsere Entscheidungen, die zeigen, wer wir wirklich sind.")

  • Ich war da auch mal, in Frankfurt irgendwann - keine Ahnung wie lange das her ist.


    Ich sehe es nicht als Voyeurismus, ich finde es einfach interessant. Kann es zwar verstehen, dass manche Menschen da ein Problem mit haben - aber man muss es sich nicht ansehen...


    Das Thema kam sogar mal bei uns in einer Ethik-Klausur dran. Ich hab dann irgendwie dafür argumentiert, mit der Begründung, dass menschliche Leichen ja Wissenschaftlern zugänglich sind, und wenn die die Leichen sehen dürfen, warum dann nicht auch der normale Bürger...so oder so ähnlich.


    Ich finde aber auch, dass einige der Körper irgendwie seltsam unecht aussahen, wie eine Darstellung aus dem Biobuch. Liegt aber wahrscheinlich einfach dran, dass sie bearbeitet, konserviert, eingefärbt wurden, oder was immer man da sonst noch mit angestellt hat...

  • von Hagens sorgte hier schon für diverse Diskussionen am abendlichen Küchentisch, wir konnten uns nicht einigen.


    Einig waren wir, dass es sich um einen extrem unangenehmen Selbstdarsteller handelt, der mit seinem erheirateten "von" hausieren geht, sich mit dubiosen Professorentiteln schmückt und auch dem schnöden Mammon nicht abgeneigt ist.
    Andereseits ist er ein Mann mit einer genialen Geschäftsidee und der nötigen Energie aber auch Skrupellosigkeit, diese konsequent umzusetzen.
    Dann endete aber die Einigkeit.


    Mein Mann tendiert eher zu der Ansicht, dass jedes Mittel recht ist, medizinischen Blindgängern wie ihm einige Grundlagen der Anatomie nahezubringen, auch mittels exhibitionistischer Appetizer wie diesem Kopulationsding.
    Ich neige zu der Meinung, dass die Erkenntnis, wie groß eine menschliche Niere nun genau ist, kein Grund ist, diesem Typen Geld in den Rachen zu schmeißen. Und angesichts der Tatsache, dass es mittlerweile massenhaft Menschen gibt, die sich ernsthafte Sorgen machen, ob sie ordentlich unter die Erde gebracht werden, und deshalb einer Körperspende an die Universität zustimmen, weil ihre eigene Beerdigung dann "nur" noch 1000 € kostet (und sie dann hoffentlich einigermaßen komplett, nach der studentischen Präparation, im Eimerchen "Oma Kruse" landen), hätte ich Bedenken, ob sich die Körperspender wirklich im Klaren sind, dass sie sich als zwar anonymisierter aber dennoch mal gewesener Körper in irgendeiner effekthascherischen Installation wiederfinden könnten.
    Ich denke, die wenigsten Menschen, die in diese Ausstellung gehen, haben Interesse an einer Darstellung ihrer Koronarterien oder wollen wissen, wie das mit den Segel- und Taschenklappen genau funktioniert (dafür könnten sie ja einfach einen Anatomieatlas zu Rate ziehen), sondern wollen schaurig-schön unterhalten werden. Diesen Drang bedient von Hagens, aber gut finde ich das nicht.

    Menschen sind für mich wie offene Bücher, auch wenn mir offene Bücher bei Weitem lieber sind. (Colin Bateman)

  • ich war 2001 in berlin und ich fand es klasse.


    ich bin biologin und fand wahnsinnig spannend auf diese weise in den körper zu sehen. man hat so die möglichkeit den menschlichen körper anzusehen ohne selbst an leichen rumschneiden zu müssen.

  • Ich war in Heidelberg und war etwas enttäuscht, weil es nur so wenig zu sehen gab. Aber irgendwie war da auch nur ein Teil der Ausstellung zu sehen oder so, ich habe es wieder vergessen :D.
    Ekelig war es nicht, eher interessant.. Von meiner Ausbildung bin ich schlimmeres gewohnt ;).

  • Die Ausstellung habe ich mir bisher nicht angesehen; was ich im TV und im Kino (z.B. Casino Royale) gesehen habe, reicht mir. Ich mag keinen Exhibitionismus von Toten. Haltet mich für konservativ, aber ich finde, es ist pietätlos.
    Ich habe keine Hemmung vor enthäuteten bzw. zerfledderten Menschen oder Mumien in Ausgrabungsstätten oder Kirchen, aber ich finde, man sollte die Würde der Toten erhalten.

  • Ich war vor ein paar Jahren bei Körperwelten in München. Einerseits fand ich die Ausstellung faszinierend und lehrreich, andererseits war ich teilweise doch recht abgestoßen von der Inszenierung. Wenn ich an den Reiter auf seinem Pferd oder die missgebildeten Föten denke, die da z. B. gezeigt wurden, hatte das Ganze durchaus auch den Beigeschmack eines Gruselkabinetts.
    Jedenfalls geht es von Hagens m. E. nicht nur um wissenschaftliche Aspekte. Dafür war manches Exponat einfach zu provokativ in Szene gesetzt.

  • Mich widert die ganze Diskussion zu diesem Thema redlich an, das scheinheilige Ethik-Gequatsche ebenso wie die Spekulationen über Herrn von Hagen.


    Der Mann präpariert (u.a.) menschliche Körper. Nicht mehr und nicht weniger. Körper von Toten, die ihre Körper auch nicht mehr brauchen und freiwillig zur Verfügung gestellt haben (Seelenretter mögen sich also bitte um ihre eigenen Schäflein kümmern). Die entstehenden Exponate haben eine eigen(willig)e Ästhetik, veranschaulichen fraglos einiges, das man als Normalbürger so nie zu Gesicht bekäme, vereinen Kunst und Wissenschaft. Das tun sie manchmal auf sehr sterile Art, manchmal auf verblüffende und manchmal auf eine, die satirische Tendenzen zu haben scheint. Interessant ist es so oder so. Und nicht mehr und auch nicht weniger.


    Schon erstaunlich, was der unentspannte Umgang mit dem Tod für seltsame Äußerungen generiert. :pille

  • Zitat

    Original von Tom
    Der Mann präpariert (u.a.) menschliche Körper. Nicht mehr und nicht weniger.


    Er setzt sie (die menschlichen Körper) in Szene. Und das teilweise sehr provokativ und für etwas empfindlichere Gemüter abstoßend/schockierend.
    Und hier spricht man darüber. Nicht mehr und nicht weniger.
    Ja, der unentspannte Umgang mit dem Tod ...
    Äußerungen, die von einem "entspannten" Umgang mit dem Tod zeugen, können bisweilen auch recht erstaunlich sein.