theodor storm: der schimmelreiter

  • Ich liebe das Buch und über Reclam mag ich nicht reden. Was mich interessieren würde, wäre, welche Quelle lag dem "Schimmelreiter" zugrunde (da es sich ja um eine Novelle handelt)?


    Ich mag vor allen Dingen die düstere Charakterzeichnung von Hauke Haien und habe sehr gelitten, als er aufgrund seiner Erkrankung zu schwach war, um das Leck im Deich nach seiner Meinung/Instinkt umzugestalten.


    Auch die wunderbare Vermischung von Aberglaube und Legendbildung fand ich herrlich. Was aus einem lauten GEbet am Krankenbett seiner Frau alles werden kann :rolleyes oder wie ein Schimmel und ein Pferdegerippe in Bezug gesetzt werden.


    Hauke hat sich selbst vieles versagt und erst sein Deich ließ ihn in den Erinnerungen anderer nicht als Despot, sondern als Held wiederauferstehen.


    Und jeder Deich brauch was Lebendges ...


    das einen Hauke kennende eyre

  • So als Landei mag es einem gespenstisch ankommen wie der Aberglaube etwas Lebendiges verlangt. Aber die Urgewalten und die Atmosphäre dieses Stückes haben mich schon immer beeindruckt. Wir lasen in der Schule damals Pole Poppenspäler. Das fand ich damals recht eigenartig. Heute gehört Storm zu einem meiner Lieblingsschriftsteller.

  • Ich mag's auch, ich krieg jedesmal lesen wieder gänsehaut, der Schimmelreiter ist meiner meinung nach der beste Storm... das zweitliebste für mich ist Aquis Submersis... - denk ich... :gruebel *hält inne und überlegt: moment... war das der titel und war das auch von Storm?*

    DC :lesend


    Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens I


    ...Darum Wandrer zieh doch weiter, denn Verwesung stimmt nicht heiter.
    (Grabinschrift F. Sauter )

  • Mir hat es als Schullektüre nicht besonders gefallen, doch ich habe es mir gekauft, als ich vor zwei Jahren in Husum war. Und als ich es dann "vor Ort" las, hat es mich sehr viel mehr beeindruckt als damals.
    Bei Shakespeare ging es mir übrigens ähnlich, aber das liegt wohl auch daran, dass Lesen "unter Zwang" mit Kapitel und Szenen zusammenfassen (gähn) etc. oft wenig Spaß macht.


    Gruß,
    Bücherfrau :-)

  • Zitat

    Bei Shakespeare ging es mir übrigens ähnlich, aber das liegt wohl auch daran, dass Lesen "unter Zwang" mit Kapitel und Szenen zusammenfassen (gähn) etc. oft wenig Spaß macht.


    :write
    Stimmt , - desshalb hab ich ich mir auch vorgenommen , Schullektüren eher zu lesen als nötig ( damit ich nicht mehr diesen Zwang habe ...)
    Muss aber dazu sagen , dass ich es bis jetzt auch noch nicht gewagt habe beim "Den Richter und sein Henker " die ersten Seiten zu lesen ... ( ich werds ja schon noch machen :rolleyes ;-))


  • Nutzt Du wikipedia weißt Du mehr


    LG Dyke - erhobener Zeigefinger

    "Sie lesen?"
    "Seit der Grundschule, aber nur, wenn's keiner sieht."


    Geoffrey Wigham in "London Calling" von Finn Tomson

  • Zitat

    Original von dyke


    Nutzt Du wikipedia weißt Du mehr


    LG Dyke - erhobener Zeigefinger


    Ist nicht immer die zuverlässigste Seite - sollte man immer skeptisch bleiben ...


    das mal in der germanistik-bibliothek recherchieren gehende eyre

  • Überprüfungen haben ergeben, daß die Fehlerquote etwa so hoch ist wie bei der Encyclopedia Britannica.
    :grin


    Wenn schon, dann sollte man jedem Nachschlagewerk gegenüber kritisch sein.


    Warum ist es eigentlich wichtig, ob Storms Geschichte einen realen Hintergrund hat?
    :gruebel

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus

  • Du meinst, es gibt für einen Autor einen Anlaß zu schreiben?
    ;-)


    das hier
    beantwortet wohl so ziemlich alle Fragen zum Schimmelreiter von der Entstehungsgeschichte bis ....

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus

    Dieser Beitrag wurde bereits 2 Mal editiert, zuletzt von magali ()

  • anfangs hat mir der schimmelreiter überhaupt nicht gefallen, aber gegen ende fand ich es immer interessaner, is bei mir aber öfter mal so :wow


    jedenfalls kenne ich zwar vom eigenen lesen noch keine andrern storm bücher und habe auch keinen drang welche kennen zu lernen, der schimmelreiter ist aber echt nicht schlecht. :-)

  • Zitat

    Original von magali
    Überprüfungen haben ergeben, daß die Fehlerquote etwa so hoch ist wie bei der Encyclopedia Britannica.
    :grin


    Wenn schon, dann sollte man jedem Nachschlagewerk gegenüber kritisch sein.


    Welche Überprüfung? :grin

  • Ich habe das Buch gestern ausgelesen. Es viel mir letztens bei Karstadt als sehr günstiges Hardcover-Büchlein in die Hände. Während der Schulzeit schon einmal gelesen, hatte ich irgendwie zwiespältige Erinnerungen. Einerseits fand ich das Thema sehr interessant, andererseits war ich aber auch genervt - ich kann mich aber nicht mehr erinnern, warum das damals so war. Also noch einmal von vorn!


    Diesmal hat mir die Novelle, die auf wahren Legenden beruht, sehr gut gefallen. Storm hat hier eine wahnsinnige Atmosphäre geschaffen. Ich konnte regelrecht den salzfeuchten Sturm im Gesicht spüren. Bei der Stelle mit dem Pferdeskelett auf der Hallig hatte ich eine Gänsehaut.
    Besonders gut gefiel mir die Darstellung der Beziehung zwischen Hauke und Elke - sehr zurückgenommen, verstehen sich die beiden fast wortlos, sind füreinander da, halten zusammen, sind eigentlich gleichberechtigt - für die damalige Zeit außergewöhnlich (?).
    Ich glaube, die Novelle enthielt viele Aspekte, die sich auch in die heutige Zeit übertragen lassen: Neid, Mißgunst, Durchsetzungskraft gegen das "das haben wir schon immer so gemacht". Interessant fand ich, welche Auswirkungen Mißverständnisse und Gerüchte haben können.


    Die Sprache ist sicherlich am Anfang gewöhnungsbedürftig. Aber ich habe mich gezwungen, einfach etwas langsamer zu lesen als sonst und dann ging es wunderbar. Und mir hat es nach einer Weile sogar gefallen, diese etwas karge, Reduzierte.


    kurz: das Buch kann ich wirklich nur empfehlen!

  • @WL: Wikipedia: ich hasse es: Dreimal hätte ich es im letzten jahr gebraucht


    Ich wollte wegen Cradle of Filth 'eyes like asphodill' wissen, wie asphodill aussieht... war nicht drin (inzwischen weiss ich, diese augen sind gelb)


    dann wollte ich wissen, wo das 'Artus'-Schwert im stein ist... das ich mal auf einer toscana-exkursion gesehen hatte: Ich musste mich durch sämtliche Sprachen und die BBC wühlen, bis ich auf die Abtei San Galgano kam.


    Ich wollte wissen, wie die versteinerten 'würmer' in den felsen von San Marino klassifiziert werden... war nicht drin (ich denk mal, es sind Eunicites oder Serpula, vielleicht beides)


    Wozu brauch ich ein lexikon, wenn die dinge, die ich wirklich wissen will, nicht drin stehen???

    DC :lesend


    Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens I


    ...Darum Wandrer zieh doch weiter, denn Verwesung stimmt nicht heiter.
    (Grabinschrift F. Sauter )

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von MagnaMater ()

  • @Magna Mater
    /klugscheissmodus an:
    Wiki wird von Usern erstellt. Sollte sich kein User für diese Dinge interessieren, obliegt es dir, dein Wissen darüber dann dort kundzutun. ;-)


    Übrigens habe ich in einer Minute das Asphodill von dir bei Wiki gefunden. Wenn man Tante Google zur Hilfe nimmt, erkennt man, dass es auch eine andere Schreibweise davon gibt: Affodill: Klugscheissmodusaus/ :grin


    Edit sagt, dass bei normalen Lexikas, sprich Büchern, die Ausbeute auch gering ausgefallen wäre in deinem Falle, oder?

  • Ist schon ewigkeiten her das ich das Buch gelesen habe , muss es wohl mal wieder ausgraben .Es hat mir damals sehr gut gefallen ist nur leider in vergessenheit geraten :rolleyes
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    LG Fantasygirl

  • Ich hab diese Novelle im Rahmen der Klassikerleserunde gelesen und muss sagen, begeistert hat sie mich wahrlich nicht.


    Die Atmosphäre an sich, die Umgebung und das Meer werden wirklich wunderbar geschildert, daran gibt es nichts auszusetzen. Aber ich werde mit diesem Hauke einfach nicht warm. Seine ganze Art ist mir einfach zu... karg. Dann bringt er auch noch eine Katze um, diiicker Minuspunkt. Die erste Hälfte der Novelle hat für mich einfach zu viele Längen und hat mich nicht wirklich zum Weiterlesen animiert.


    Etwa ab der Hälfte wird die Geschichte spannender (das Pferd taucht auf), das ganze Geschehen spitzt sich zu und wird dramatischer, es plätschert nicht mehr so vor sich hin. Was für mich auch schwer war, waren die ganze Begriffe die ein "binnenländischer Leser", wie Storm selbst es wohl ausdrückte, nicht kennt. In meinem Buch waren diesbezüglich leider keinerlei Anhänge oder sonstige Bemerkungen. Auch die ganzen Beschreibungen beim Aufbau des Deichs und der Zusammenhang mit dem Priel waren für mich nicht wirklich verständlich, ich hab mehr so drüber weggelesen. Ich war selbst noch nie an der Nordsee (oder überhaupt am Meer), vielleicht würde ich sonst einiges besser nachvollziehen können.


    Alles in allem eine durchschnittliche Erzählung über einen Mann der sein ganzes Leben lang kämpft um etwas aufzubauen nur um dann in den Schauermärchen der Abergläubigen weiterzuleben.


    Von mir gibts 7 von 10 Punkten.


    P.S.: Vielleicht wäre es besser gewesen, ich hätte es in der Schule gelesen, denn ich habe durchaus den Eindruck, dass der Text mir durch Interpretation und Erklärungen vielleicht mehr hätte geben können, deshalb werde ich mich auch mit den beiden in diesem Thread genannten Links beschäftigen, vielen Dank dafür. :wave Vielleicht ändert das meine Meinung ja sogar noch.

    „Furcht führt zu Wut, Wut führt zu Hass. Hass führt zu unsäglichem Leid.“

    - Meister Yoda