Der Erfolg eines Buches hängt davon ab...

  • Meinst du, beowulf? Eigentlich habe ich das beim Lesen gar nicht so empfunden. Ich klaue ziemlich selten Geldkoffer, treibe mich hoffentlich nie in Gesellschaft (historischen oder aktuellen) zwielichtigen Gesindels herum und befehle relativ selten Elefanten, sich auf irgendwelche Leute zu setzen ;-). Und ich heiße solche Taten auch - mal ernsthaft betrachtet - nicht gut.


    Identifikation allenfalls insofern, als die Hauptfigur im Buch all das tun darf, was man vielleicht heimlich selbst gerne tun würde, wäre man dafür nicht zu feige oder zu wohlerzogen. (Und weil sie damit durchkommt!)


    Wo ich rundum zustimme: Damit mich ein Buch "einfängt", muß es irgendeine Figur geben, mit der ich mich zumindest teilweise identifizieren kann, beziehungsweise, die eine Eigenschaft hat, die ich bewundere oder die mich fasziniert. Unter solchen Umständen verzeihe ich (fast) alles, sogar schlechte Schreibe und platte Aussage.

    Meine Bewertungsskala: 1-4 Punkte: Mehr oder minder gravierende formale Mängel (Grammatik, Rechtschreibung, Handlung). 5/6 Punkte: lesbar. 7/8 Punkte: gut. 9/10 Punkte: sehr gut. Details und Begründung in der Rezi.

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    Original von DraperDoyle


    Ne, seh ich anders. Ich lese fuers Hirne und nicht fuer den Bauch :gruebel


    Das eine muss das andere nicht zwangsläufig ausschließen. Wie sagt Lichtenberg so schön:


    "Ein Buch ist ein Spiegel, wenn ein Affe hineinschaut, so kann kein Apostel herausgucken."


    Das interpretiere ich auch in die Richtung, dass selbst ein banales Buch bei einem intelligenten Leser fruchtbringende Gedanken wecken kann.


    Und ich denke nicht, dass nur schlichte, reißerische Bücher Emotionen wecken können, ganz im Gegenteil. Ich kenne jede Menge intelligente Bücher, die mich auch auf Gefühlsebene tief getroffen haben und die es geschafft haben, auch kommerziell ein Erfolg zu werden. Vielleicht nicht unbedingt ein Megaseller, aber das werden nur die wenigsten.

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    Original von Josefa
    Wo ich rundum zustimme: Damit mich ein Buch "einfängt", muß es irgendeine Figur geben, mit der ich mich zumindest teilweise identifizieren kann, beziehungsweise, die eine Eigenschaft hat, die ich bewundere oder die mich fasziniert. Unter solchen Umständen verzeihe ich (fast) alles, sogar schlechte Schreibe und platte Aussage.


    Ich glaube nicht, dass es unbedingt eine Figur sein muss, mit der man sich identifizieren kann. Es reicht aus, wenn die Figur fasziniert. Ich glaube, die wenigsten würden mit dem "Hundertjährigen" tauschen wollen oder erkennen sich selbst in dieser Figur. Aber der "Hundertjährige" hat es einfach geschafft, mit seiner Skurrilität Sympathien zu wecken.


    Viele suchen in Büchern nicht das Äquivalent zum eigenen Leben, sondern genau das Gegenteil, das Andere, die Abwechslung, das Verrückte, Romantische, Tragische. All die Emotionen, die man in der Tiefe und Konsequenz im richtigen Leben vielleicht gar nicht haben will, aber in der Sicherheit des gedruckten Buches nur zu gerne erlebt.

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    Original von Nadja Quint



    Immerhin ein tröstlicher Gedanke. Ist doch schön zu wissen, dass letztlich die LeserInnen entscheiden. :-)


    Für einen nachhaltigen Erfolg ist eine positive, weit verbreitete Mundpropaganda sicherlich mehr wert als alles Geld welches in Werbung verpulvert wird....

  • Hallo Bodo,


    heißt dies im Umkehrschluss: Wenn ein Buch floppt, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass diese Mundpropaganda nicht funktioniert hat?


    Was ja bedeuten würde: Für einen nachhaltigen kommerziellen Erfolg ist die Mundpropaganda sogar existenziell (Ich beziehe mich hier selbstverständlich auf Mainstream-Genres. "Faust I" ist bestimmt auch ein prima Longseller, aber die Mundpropaganda findet da vermutlich vor allem in Gymnasialdeutschkursen statt. ;-))


    :wave Nadja

  • Das Folgende sind ausschließlich Vermutungen meinerseits, basierend auf meinen Erfahrungen und dem, was mir erzählt wird ohne Anspruch darauf das es sich tatsächlich so verhält!


    Ich denke es mag einem Verlag durchaus gelingen durch offensive Werbung ein Buch zB. bis auf die Bestsellerlisten zu pushen, wen es allerdings beim Buchhandel und vor allem bei den Lesern nicht ankommt und gerade bei letzteren durchfällt verschwindet es ebenso schnell wieder in der Versenkung.


    "Der Buchhandel" kann durch Empfehlungen sicherlich auch auf den Erfolg eines Buches Einfluss nehmen, es sind jedoch letztendlich die Leser selber, welche einem kurzfristigen Bucherfolg - durch Werbung und Buchhandelsempfehlungen - die Nachhaltigkeit eines Longsellers verleihen.

    Lieber barfuß als ohne Buch! :lesend

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    Original von xania
    Ist es eigentlich möglich, dass ein Verlag ein Buch in die Bestsellerliste mogelt, indem er die Bücher selbst aus den Läden aufkauft?


    So etwas soll es vor Jahren einmal in der Musikbrache gegeben haben um in die Hitparade zu kommen - aus der Buchbrache kenne ich so etwas nicht, und ich denke nicht das der (finanzielle) Aufwand sich lohnt.

  • Zitat

    Zitat: Original von xania Ist es eigentlich möglich, dass ein Verlag ein Buch in die Bestsellerliste mogelt, indem er die Bücher selbst aus den Läden aufkauft? So etwas soll es vor Jahren einmal in der Musikbrache gegeben haben um in die Hitparade zu kommen - aus der Buchbrache kenne ich so etwas nicht, und ich denke nicht das der (finanzielle) Aufwand sich lohnt.


    Nicht zu vergessen der logistische Aufwand, den ein Verlag hätte um in aberhunderten von Buchläden die Bestände aufzukaufen. Vielleicht könnte ein Verlag bei Amazon in einer Blitzaktion genügend Bücher aufkaufen um in die Top 100 zu kommen. Das erscheint mir noch möglich (und könnte sogar zeitweilig rentabel sein, da Bücher die einmal in den Top100 sind sich dadurch auch gleich wesentlich besser verkaufen), zumindest wenn es Amazon nicht auffällt und sie beschließen diesen Kauf aus der Wertung zu nehmen.


    Allerdings wäre die Peinlichkeit für den Verlag groß, wenn der Coup auffiele.

  • Zitat

    Wenn irgendjemand wüsste, sicher wüsste, wie man Bestseller funktionieren, gebe es fast den gesamten Schwanz, der die Verlagsbranche hinter sich her zieht nicht.


    Sicherlich nicht ganz falsch. Ein Patentrezept gibt es nicht. Getroffener Zeitgeist, Werbung in den Massenmedien und vor allem auch "Vitamin B" des Autors spielen sicherlich große Rollen, aber Bestseller können sie dennoch nicht immer garantieren.

  • Ich denke schon, dass es noch Faktoren gibt, die der Autor bestimmen kann, um einen Bestseller zu fabrizieren.


    Meiner Meinung nach ist es wichtig, mit dem Roman beim Leser ein manifestiertes Bedürfnis zu stillen. Am besten ein Bedürfnis, nach denen sich die breite Masse sehnt. Da wäre zum Beispiel: Begehrt werden von jemanden, den jeder haben will. Oder jemandem etwas heimzahlen, von dem man unfair behandelt wurde.
    Diese Ausgangssituationen kennt jeder, aber nur die wenigsten haben den Mann bekommen oder es dem Jemand heimgezahlt. Deshalb ist man so scharf darauf, es wenigstens in der Fiktion zu schaffen.
    Dieses eine Bedürfnis muss dann in Perfektion ausgearbeitet werden. Der Leser muss sich schon am Anfang wiederfinden und im Romanverlauf zu seiner Erfüllung geführt werden. Durch Höhen und Tiefen versteht sich, damit es schön realistisch und spannend ist.


    Dann muss noch eine Prise Skandal dazu. D.h. es wird was ausgesprochen, was viele nur denken. Das bezieht sich meist auf das Thema.


    Und damit das ganze dann nicht in den Tiefen des Amazonbücherregals verschwindet, muss es jeden vor Augen gehalten werden. Also Werbung, Werbung, Werbung.


    Das ist meine These.

  • .....wie es bei Leserinen oder Leser ankommt. Die erfolgsreichste Werbung ist das Wort von Mund zu Mund, damit auch die preiswertigste Empfehlung.

    Wenn man die Ruhe nicht in sich selbst findet, ist es umsonst,
    sie anderswo zu suchen.


    FRANCOIS DE LA ROCHEFOUCAULD

  • Der Erfolg eines Buches hängt davon ab....
    ...dass es überhaupt gefunden werden kann.


    Wenn niemand weiß, dass es Buch X gibt, wird niemand reinschmökern und sich entscheiden, es zu kaufen.


    Am sichtbarsten sind die Bücher immer noch dort, wo jeder nach Büchern sucht, also im Buchhandel. Dann kommen dort das Cover und der Klappentext ins Spiel, die ersten paar Seiten beim Reinlesen und damit fällt die Entscheidung.


    Wenn der Leser etwas für ihn Passendes gefunden hat, das ihm gefällt, wird er weiter davon erzählen und dann schlägt die Macht der Mundpropaganda zu.



    Ich erlebe es bei mir in der Schubibliothek, wie ein Kind das andere zum Regal zieht, um ihm das und jenes tolle Buch zeigt, das soo gut gefallen hat. Kinder greifen gern zu Büchern, die Altersgenossen empfehlen.
    Steht ein Kind allein vor dem Regal, sind es in der Regel die Buchrücken, die zum ersten Griff verleiten. Danach entscheiden wie bei den Käufern Cover und Titel, ob man es überhaupt umdreht und den Klappentext liest. Mit Goldschrift bedruckte Fantasytitel werden besonders gern ausgeliehen.

  • Mit dem Marketing ist das wirklich eine Kostenangelegenheit.
    Am Besten man baut sich ein entsprechendes Konzept auf.
    Den richtigen Weg dorthin habe ich leider auch noch nicht gefunden.


    Aber zumindest gehe ich nun anders an die Sache ran, wie bei meinem ersten Buch.


  • Du bringst es auf den Punkt! Ich habe ein paar Ratgeber geschrieben, die in Buchhandlungen stehen und sich recht gut verkaufen. Meine Krimis haben es dagegen nicht in die Läden geschafft und die Verkaufszahlen sind sehr bescheiden, obwohl es ein paar echte Fans gibt und ich viel Werbung auf Facebook usw. gemacht habe. (Da ich in den USA lebe und nur zehn Tage Urlaub im Jahr habe, hat sich die Zahl der Lesungen beschränkt.)


    Aber: Einige Bibliotheken haben die Bücher im Bestand und wenn ich hin und wieder zu Motivationszwecken in den Online-Katalogen nachschaue, sind sie fast immer ausgeliehen. Das tröstet ein wenig, zeigt aber dass man ohne eine Präsenz im Buchhandel zumindest mit dem gedruckten Buch kaum eine Chance hat.


    Auf jeden Fall finde ich diese Diskussionsrunde aus Autoren, Buchhändlern und Bibliothekaren sehr interessant (ich habe alle Beiträge mit großem Interesse gelesen) und hoffe, dass sie fortgesetzt wird. Zum Beispiel würde mich interessieren, inwiefern ihr die Zusammenarbeit mit Bibliotheken nutzt, um einen dauerhaften Leserkreis aufzubauen.

  • Ich weiß nicht, ob eine Zusammenarbeit mit einer Bibliothek wirklich viel bringt. Ich kenne genug Leute, die gar nicht in eine Bibliothek oder Bücherei gehen, sondern die Bücher werden gekauft oder ausgetauscht untereinander. Außerdem sind richtige Bibliotheken und Büchereien auf bestimmte Orte beschränkt, ich habe auch Bekannte, die eine richtige Reise machen müssten, um die nächste Bücherei / Bibliothek nützen zu können.


    Einen weiteren Fall, den ich schon einige Male erlebt habe, gerade bei kleinen Verlagen funktioniert es oft nicht mit dem Verkauf über das Internet bzw. Internet-Bookshops.


    Was das Bewerben von Büchern betrifft, die mir z. B. gefallen haben, halte ich mich mit dem Empfehlen inzwischen sehr zürück. Gerade in der Bücher-Eule schreibe ich inzwischen (abgesehen von der einen oder anderen Ausnahme) fast nur mehr negative Rezensionen, da mir das Risiko bei relativ unbekannten Autoren/innen zu hoch ist, dass ich ihnen hier mit einer positiven Rezension Schaden zufügen könnte.

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    Die gefährlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten, mäßig entstellt. (Georg Christoph Lichtenberg)

  • Zitat

    Original von Teresa
    Gerade in der Bücher-Eule schreibe ich inzwischen (abgesehen von der einen oder anderen Ausnahme) fast nur mehr negative Rezensionen, da mir das Risiko bei relativ unbekannten Autoren/innen zu hoch ist, dass ich ihnen hier mit einer positiven Rezension Schaden zufügen könnte.


    Ahh, ja....... :gruebel

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall) ich wünsche allen einen schönen Tod und eine geruchslose Verwesenung.


    Allenfalls bin ich höflich - freundlich bin ich nicht.

  • Ich hab's auch nicht kapiert, finde den Gedankengang aber hochinteressant, Teresa.
    Könntest du zwei alten Haudegen, die ab und zu auf der Leitung stehen, glücklich machen und deine Gedanken etwas präzisieren?
    Vielen Dank im Voraus.

  • Ich glaube fast, Teresa meint, dass sie meist nur noch Bücher rezensiert, die ihr nicht gefallen haben und nicht etwa, dass sie ein Buch negativ bewertet, obwohl sie es mochte.


    Aber das ist auch nur eine Vermutung. Warum positive Rezensionen Schaden anrichten können sollten, verstehe ich aber auch nicht. Je mehr über ein Buch gesprochen wird, desto besser. Unbekannt sein und unbekannt bleiben sind zwei verschiedene Dinge.