Leichtmatrosen - Tom Liehr

  • Über die Konzeption des Buches zwischen „leichter Sommerkomödie“ und „ernsthaften Entwicklungsroman“ wurde hier schon etliches geschrieben. Ohne Zweifel einer der Punkte, an dem sich die Leser scheiden. Auch ich habe mir diese Frage gestellt und kann sie so ganz persönlich beantworten: Ja, für mich passt diese Kombination!


    Die köstliche Beschreibung der natürlich überspitzten Bootsfahrt der vier „Leichtmatrosen“ und ihr Aufeinandertreffen mit wunderschönen Paddlerinnen, unverständigen Senioren oder perfekten Familien ist nicht nur sehr entspannend zu lesen sondern macht Lust auf Sommer, Urlaub und natürlich Bootsfahren auf der Havel. Meinen Humor traf das Buch immer wieder und so musste ich nicht nur schmunzeln, sondern einige Male auch herzhaft lachen.


    Daneben bieten die Konfliktsituationen der Männer genug Platz für tiefsinnige Gedanken über Selbst- und Fremdbestimmung, Selbstvertrauen, Erwachsenwerden und Religion. Grundsätzlich fand ich diese Mischung gut gelungen, denn die beiden sehr unterschiedlichen Konzepte ergänzten sich gut. Nachdenkliche Stellen wechselten sich mit komischen ab, Tragödie und Komödie liegen nah beieinander. Nicht gefallen hat mir die Ausführlichkeit der Lebensgeschichten der Vier, irgendwann hatte ich keine Lust mehr, schon wieder von einer verkorksten Kindheit und Jugend zu lesen. Vor allem haben mich diese eingeschobene Berichte immer wieder aus dem Lesefluss herausgerissen.


    Doch das auch genug der Kritik. In dem sehr lebendig geschriebenen Buch kam ich auch durch die Ich-Form dem Erzähler Patrick sehr nahe kam und konnte so seine Handlungen gut nachvollziehen, auch wenn ich diese nicht immer gutheiße. Ich mochte die „Jungssicht“, aus der das Buch geschrieben ist, Bücher über Frauen gibt’s zur Genüge. Gerade Anfangs gab es natürlich so manche seefahrerische Tücke zu überwinden, was aber den Flair der Hausbootfahrt sehr gut transportierte. Ein ganz tolles Plus ist die informative Karte im Buch, ich habe die ganze Fahrt der „Tusse“ interessiert mitverfolgt.


    Fazit: Gelungene Kombination aus leichter Sommerkomödie und Lebenskrise vier unterschiedlicher Männer im besten Alter. Empfehlenswerter Lesegenuss, dem ich 8 gute Punkte gebe.

    "Alles vergeht. Wer klug ist, weiß das von Anfang an, und er bereut nichts." Olga Tokarczuk (übersetzt von Doreen Daume), Gesang der Fledermäuse, Kampa 2021

  • Hinweis in eigener Sache: Die Filmrechte von "Leichtmatrosen" sind soeben erfolgreich verkauft worden, und die Produktionsfirma will recht zügig mit der Umsetzung beginnen. Mit etwas Glück kommen Patrick, Simon, Henner und Mark in zwei, drei Jahren also in die Kinos. Drückt die Daumen! :-)

  • Zitat

    Original von Tom
    Hinweis in eigener Sache: Die Filmrechte von "Leichtmatrosen" sind soeben erfolgreich verkauft worden, und die Produktionsfirma will recht zügig mit der Umsetzung beginnen. Mit etwas Glück kommen Patrick, Simon, Henner und Mark in zwei, drei Jahren also in die Kinos. Drückt die Daumen! :-)


    Ich werde dann mal kräftig alle mir zur Verfügung stehenden Daumen drücken. :bruell


    Wobei ich gerade feststelle, dass das Buch bei mir noch ungelesen herum liegt und sich die Frage aufdrängt: Wieso wurde das Buch noch nicht gelesen? :gruebel Sehr merkwürdig..... :-)

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall)


    Allenfalls bin ich höflich - freundlich bin ich nicht.


    Eigentlich mag ich gar keine Menschen.

  • Zitat

    Original von Tom
    Hinweis in eigener Sache: Die Filmrechte von "Leichtmatrosen" sind soeben erfolgreich verkauft worden, und die Produktionsfirma will recht zügig mit der Umsetzung beginnen. Mit etwas Glück kommen Patrick, Simon, Henner und Mark in zwei, drei Jahren also in die Kinos. Drückt die Daumen! :-)


    Cool, Tom! Ganz dicken Glückwunsch!

  • Oh, das freut mich jetzt aber. Herzlichen Glückwunsch! Stehen denn schon weitere Rollen fest (zumindest EIN sehr seemännisch wirkendes Eulenavatar aus Hamburg bietet vielleicht Besetzungsreserven :narrenkappe :schnellweg)?
    Ich würde mich auch sehr freuen, wenn "Sommerhit" verfilmt würde. Steht da was an? :wave

    “Lieblose Kritik ist ein Schwert, das scheinbar den anderen, in Wirklichkeit aber den eigenen Herrn verstümmelt.”Christian Morgenstern (1871 – 1914)

  • Hallo, maikaefer.


    Ich notiere die "Besetzungsreserven" mal für die Produzentengespräche. ;-)


    Zitat

    Ich würde mich auch sehr freuen, wenn "Sommerhit" verfilmt würde. Steht da was an?


    Derzeit nicht, obwohl ich mich darüber auch sehr freuen würde. Aber - schauen wir mal. Der Stoff ist ja noch im Angebot, das sich vielleicht andere Produzenten anschauen, wenn sich herumgesprochen hat, dass es Produktionsvorbereitungen für einen Liehr-Roman gibt.

  • Na, ich drück die Daumen. Jürgen ist für Simon wirklich die ideale Besetzung. ...


    Über eine Verfilmung von "Sommerhit" würde auch ich mich sehr freuen! :-)

    Zündet man eine Kerze an,erhält man Licht.Vertieft man sich in Bücher,wird einem Weisheit zuteil.Die Kerze erhellt die Stube, das Buch erleuchtet das Herz.


    (Sprichwort aus China)

  • Titel: Leichtmatrosen
    Autor: Tom Liehr
    Verlag: Rütten und Loening
    Erschienen: April 2013
    Seitenzahl: 351
    ISBN-10: 3352008531
    ISBN-13: 978-3352008535
    Preis: 14.99 EUR


    Was haben Patrick (der Ich-Erzähler), Henner, Mark und Simon gemein, außer ihrem wöchentlichen Badminton-Treffen. Wenig. Und doch gehen diese völlig unterschiedlichen Typen auf eine gemeinsame Bootsfahrt. Keine Ahnung vom Bootfahren. Aber trotzdem kann sie nichts aufhalten. Eine Schnelleinweisung muss reichen. Und sie reicht.


    Patrick ist Lektor. Mit Cora ist er in einer Beziehung, einer Beziehung die langsam zur Gewohnheit geworden ist und Patrick meint Störsignale zu empfangen. Cora will ein Kind – er nicht. Und Patrick ist kurz davor die Gretchenfrage in dieser Beziehung zu stellen. Aber dann ist da auch noch Mark, der wohnt noch zuhause und hat bisher noch richtig versucht im Leben Fuß zu fassen. Und was ist mit Simon? Handwerker und durch und durch unzuverlässig und immer auf der Suche nach der nächsten schnellen Nummer. Jemand der Kette raucht und sich offensichtlich durchs Leben ficken will. Nicht zu vergessen Henner, der evangelische Pfarrer mit einem grundsätzlichen Glaubensproblem.


    Diese vier ungleichen Typen finden sich dann an Bord der Dahme wieder, dass sie aber schnell in Tusse umgetauft haben. Und dann geht es los. Erst zu Dritt, Simon kann erst später dazu stoßen – immer auf der Flucht vor irgendwelchen Gläubigern. Und dann nimmt alles seinen Lauf. Schleusen, Nutten, Besäufnisse, eine attraktive Schleusenwärterin – nichts wird ausgelassen. Und aus einer lockeren Badminton-Bekanntschaft wird Freundschaft.


    Wer mehr über den Inhalt des Buches wissen möchte – der soll es einfach lesen.


    Auch mit diesem Buch zeigt Tom Liehr dass er ohne Frage zu den besten Unterhaltungsschriftstellern des deutschsprachigen Raumes gehört. Wobei die Vokabel „Unterhaltung“ noch um das Wort „anspruchsvoll“ ergänzt werden muss. Denn dieses Buch ist kein „lockerer“ Sommerroman den man beim Zuschlagen des Buches schon wieder vergessen hat. Nein, ganz im Gegenteil. Bei allem Humor und bei aller Lockerheit verfügt dieser Roman doch über eine emotionale Tiefe die beeindruckt. Sehr intensiv schildert der Autor die Glaubenszweifel Henners, und dringt dabei tief in den Charakter dieses zweifelnden Menschen ein. Es geht in erster Linie um die handelnden Personen, das Boot ist eigentlich nur Mittel zum Zweck. Menschen am Scheideweg, Menschen auf der Suche – nach sich selbst, nach irgendeinem Sinn – Menschen die unglaublich authentisch handeln und beschrieben werden. Als Leser staunt man über diesen empfindsamen, aber nie rührseligen Erzählstil. Tom Liehr hat die Gabe Ernsthaftigkeit, Humor und Lockerheit in einem Roman unterzubringen. Seine Formulierungen treffen, zielsicher setzt er Pointen.


    Ein beeindruckendes Buch, zutiefst menschlich – dabei aber auch anspruchsvoll unterhaltend. Und nach 350 gelesenen Seiten verabschiedet man sich schon mit ein wenig Wehmut von diesem Buch, von seinen handelnden Personen und auch von der Atmosphäre, die diesem Buch ein ganz besonderes Flair gibt.


    10 Eulenpunkte – ohne Abzüge, auch wenn der Autor scheinbar nicht so der große PINK FLOYD Fan ist – im Gegensatz zum Verfasser dieser Meinungsäußerung.

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall)


    Allenfalls bin ich höflich - freundlich bin ich nicht.


    Eigentlich mag ich gar keine Menschen.

  • :-) Danke! :anbet


    Nein, der Autor ist kein "Pink Floyd-Fan", meint aber durchaus, dass Waters, Barrett, Mason, Wright und Gilmore einen nicht ganz unwichtigen Teil der Popmusikgeschichte geschrieben haben. Und zuweilen hört er sich die alten Alben auch noch ganz gerne an, die er, zugegeben, früher lieber gehört hat. Aber er käme nie auf die Idee, sich etwa das "The Wall"-Spektakel anzuschauen, mit dem Waters derzeit unterwegs ist.