Schrottplatz oder Goldgrube - bietet der Indie E-Book Markt wirklich eine Chance für Autoren?

  • Tom Liehr, der hier auch im Forum präsent ist, hat vor kurzem im Literaturcafe einen längeren, recht unterhaltsam geschriebenen Essay veröffentlicht, in dem er Autoren – solche, die es bereits sind und solche, die sich ernsthaft mit dem Gedanken tragen es noch zu werden – davor gewarnt, sich als Indie, oder (bescheuertes Wort, ich weiß) „Selfpublisher“ am Markt zu versuchen. Tom geht soweit den Indie Markt als einzige große Müllhalde zu bezeichnen und äußert die Vermutung, dass man als Indie ungefähr dieselben Chance hat zu reüssieren, wie beim Lotto zu gewinnen.


    Ich habe im September 2011 in einem Aufruf im Literaturcafe.de die gegenteilige Auffassung vertreten und vor allem gestandene Autorenkollegen dazu aufgerufen, ihre Scheu abzulegen und als Indie zu veröffentlichen.


    Damals erhielt ich für den Aufruf nicht nur Zustimmung, sondern erntete auch jede Menge Spott. Doch ein Jahr später verrieten mir zwei bekannte Literaturagenten im Interview, dass sie kein Problem damit hätten einen Indie Autoren zu vertreten solange dessen Texte gut und professionell genug seien, um sie einem Verlag anzubieten.
    Beide Agenten ( Georg Simader von Copywrite und Michael Meller von Melleragency.) sahen seit der E-Book Revolution längst kein Stigma mehr in der Eigenveröffentlichung.


    Was haltet ihr hier bei den Büchereulen davon?


    Ist die Selbstveröffentlichung für euch hier immer noch mit dem Stigma des „gewollt und nicht gekonnt“ behaftet, oder hat sich das für euch erledigt?
    Falls ja – weshalb?
    Und falls nicht – weshalb nicht?

  • Ich antworte als Viel-Leserin


    selbstverlegte Bücher, gleich welchen Genres, gleich welcher Länge, gehen nahezu völlig an mir vorbei. Warum?


    Ich stehe einer immensen, stetig wachsenden Menge gedruckter Bücher aus Verlagen gegenüber, die ich nicht mal im Traum mehr bewältigen kann. Die meisten Bücher, die erscheinen, nehme ich nicht einmal wahr. Es sind zuviele.
    Ein Buch zu finden, das ich lesen möchte, das ich empfehlen kann, verschenken oder ins eigene Regal stellen, nimmt inzwischen eine beträchtliche Zeit in Anspruch. Und es wird mühsamer.


    Zum Problem der schieren Quantität kommt hinzu, daß sich unter den Verlagsbüchern auch eine Menge Schrott befindet. Ich muß also bereits bei den Verlagsbüchern nach Geeignetem wühlen und nach Perlen sowieso.


    Was ich ohne dieses Forum tun würde, dessen Mitglieder mir beim Vorsortieren helfen, weiß ich nicht. Ein geeignetes Buch zu finden, rückt für mich inzwischen in die Nähe von Zeitverlust. Es macht nicht mehr viel Spaß, das ist der Schlaraffenlandeffekt. Bücherberge sind nicht mehr lustvoll, sondern nahezu Übelkeiterregend.


    Und nun kommen auch noch SelbstverlegerInnen. Das Problem also ein zweites Mal, eine Riesenmenge Geschichten, viel Unlesbares dabei.
    Ich möchte nicht noch mehr Zeit damit verbringen, Bücherberge zu durchforsten nach etwas, das mich eventuell anspricht.


    Unter den Leserinnen in meinem Bekanntenkreis (außerhalb dieses Forums) herrscht ähnlicher Frust in bezug auf die Verlagsbücher. SelbstverlegerInnen sind dort nahezu unbekannt und die Reaktion auf den Vorschlag, es doch einmal mit so etwas zu probieren, würde keine Begeisterung auslösen.


    In meinen Augen ist die Frage, ob sich eine Selbstverlegerin nun erfolgreich schreibt oder nicht, ein Nischenproblem und eins von Leuten, die ziemlich im eigenen Saft kochen. Die wenigsten Leserinnen und Leser da draußen nehmen SelbstverlegerInnen überhaupt wahr. Sie sind schon beschäftigt genug.




    :wave


    magali

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus

  • Magalis Ausführungen ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Insofern kann der Thread auch jetzt geschlossen werden. :wave

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall) ich wünsche allen einen schönen Tod und eine geruchslose Verwesenung.



  • Hm, ich denke, dass genau diese Meinung davon zeugt, dass es zunehmend gleich wird, ob ein Buch Indie oder Verlag ist.


    Das mag erst einmal überheblich klingen, aber soll es gar nicht sein.


    Denn ich glaube auch ( soweit ich das an meinen eigen Verkäufen wirklich ablesen kann), dass Bücher zunehmend über Blogs und Empfehlungen im Bekanntkreis (sei er virtuell oder live) entdeckt werden, und es dabei völlig gleich ist, ob ein Buch unter einem Verlagslabel vertrieben wird, oder nicht. Wichtig ist da nur "Das gefiel mir..." oder "Das war gut, weil..." zusätzlich mag auch der Preis eine Rolle spielen (jedenfalls bei E-Books). Aber das Zeitungs- und Magazinfeuilleton scheint wirklich mehr und mehr an massentauglicher Zugkraft zu verlieren ....


    Selbst wenn aus Deiner Antwort hier eine gewisse unterschweillige Frustration spricht (falls ich das so "hart" ausdrücken darf) finde ich, dass sie für uns Autoren eigentlich eher eine gute Nachricht darstellt ... denn in Foren, wie diesem hier, wird ja eifrig und engagiert über Literatur geschrieben ...und wird Literatur empfohlen und vorsortiert und wird sie in ein "Netz" aus Meinungen und Auffassungen eingewoben, aus dem sich die Forenmitglieder frei nach gusto bedienen...

  • Voltaire


    :rofl


    Im Gegenteil. Ich hoffe auf Einspruchsverfahren jeder Art und durch alle Instanzen.



    Für die, die SelbstverlegerInnen ins Auge gefaßt haben, hier ein Link zu einer neuen Plattform:


    http://www.qindie.de/

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus

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  • Zitat

    Original von Voltaire
    Magalis Ausführungen ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Insofern kann der Thread auch jetzt geschlossen werden. :wave


    Hi Voltaire,


    :wave ...schauen wir mal, ob nicht doch noch einer etwas zu sagen hat :anbet



    Übrigens:


    Als Voltaire auf dem Totenbett von einem Priester gefragt wurde, ob es nicht jetzt endlich an der Zeit sei, dem Teufel abzuschwören, soll er geantwortet haben: "Das ist nicht der richtige Zeitpunkt sich neue Feinde zu machen"
    :lesend

  • Zitat

    Original von David Gray
    Denn ich glaube auch ( soweit ich das an meinen eigen Verkäufen wirklich ablesen kann), dass Bücher zunehmend über Blogs und Empfehlungen im Bekanntkreis (sei er virtuell oder live) entdeckt werden, und es dabei völlig gleich ist, ob ein Buch unter einem Verlagslabel vertrieben wird, oder nicht. Wichtig ist da nur "Das gefiel mir..." oder "Das war gut, weil..." zusätzlich mag auch der Preis eine Rolle spielen (jedenfalls bei E-Books). Aber das Zeitungs- und Magazinfeuilleton scheint wirklich mehr und mehr an massentauglicher Zugkraft zu verlieren ....


    Zur Zeit ist es noch noch nicht egal, weil es noch eine kaufkräftige, online-Handel abstinente Gruppe von Lesern/Buchhandelskunden gibt, die nur kaufen, was ihnen ihre Buchhandlung bestellen kann. Solange Buchhandlungen keine Create-Space Bücher bestellen (wie mir von Bekannten berichtet wird), werden Indie-Autoren dieser Käufergruppe völlig unbekannt bleiben.

  • Zitat

    Original von David Gray
    Hm, ich denke, dass genau diese Meinung davon zeugt, dass es zunehmend gleich wird, ob ein Buch Indie oder Verlag ist.


    Das halte ich für einen Fehlschluß, solange eine Vielzahl von Leserinnen keinen blassen Schimmer davon hat, daß es so etwas wie SelbstverlegerInnen überhaupt gibt.
    Leserinnen gehen immer noch von Buchhandlungen aus. Solange Bücher von SelbstverlegerInnen dort nicht in größerer Zahl zu finden sind, sehe ich wenig Möglichkeiten eben für SelbstverlegerInnen.



    Zitat

    Das mag erst einmal überheblich klingen, aber soll es gar nicht sein.


    Klingt nicht überheblich, das sind einfach die Wünsche, die man hat. Tröste Dich, ich träume auch, wenn auch sicher nicht vom Selbstverlegen oder Ähnlichem :yikes


    Zitat

    Denn ich glaube auch ( soweit ich das an meinen eigen Verkäufen wirklich ablesen kann), dass Bücher zunehmend über Blogs und Empfehlungen im Bekanntkreis (sei er virtuell oder live) entdeckt werden, und es dabei völlig gleich ist, ob ein Buch unter einem Verlagslabel vertrieben wird, oder nicht. Wichtig ist da nur "Das gefiel mir..." oder "Das war gut, weil..." zusätzlich mag auch der Preis eine Rolle spielen (jedenfalls bei E-Books).


    Persönliche Empfehlungen waren und sind für Bücher immer wichtig. Die sozialen Netzwerke des Internets darf man aber nicht überschätzen. Die, die Bücher im Internet suchen, die über Bücher sprechen und sich Bücher empfehlen, sind eine Minderheit unter den Internet-NutzerInnen. Und die Konkurrenz der Verlagsbücher besteht unverändert. Es gibt ja Bücherforen, die von Verlagen betrieben werden, und viele der unabhängigen Foren werden von den Verlagen umworben.
    Stell Dir einfach mal die Frage, wieviele selbstverlegte Bücher in einem Bücherforum beworben werden, wieviele davon gekauft werden und weiterempfohlen. Gerade die letzte Zahl ist sehr gerung anzusetzen.
    Wobei hier das in diesem Thread noch ausführlich zu diskutuierende :grin Niveau der selbstverlegten Texte erwähnt werden muß.



    Zitat

    Aber das Zeitungs- und Magazinfeuilleton scheint wirklich mehr und mehr an massentauglicher Zugkraft zu verlieren ....


    Gedruckte Zeitungen verlieren überhaupt an Boden.
    Der Einfluß der Feuilletons ist eine völlig andere Sache. Feuilletons waren nie 'massentauglich' und sind dazu auch nicht gedacht. Unterhaltungsliteratur wird in Feuilletons in der Regel nicht besprochen und wir reden hier von Unterhaltungsliteratur.
    Ich muß gleich dazu sagen, daß auch die dazugehörigen Ressorts unter den eingesandten Bücher der Verlage ertrinken, obwohl die Verlage seit gut 15 Jahren weit weniger Rezensionsexemplare zur Verfügung stellen als früher, man sie inzwischen oft selber anfordern muß und die Verlage sogar auf Kritiken bestehen, andernfalls das Buch zurückfordern oder beim nächsten Mal keins schicken.
    Das ist eine spezifische Problemlage.



    Zitat

    Selbst wenn aus Deiner Antwort hier eine gewisse unterschweillige Frustration spricht (falls ich das so "hart" ausdrücken darf) finde ich, dass sie für uns Autoren eigentlich eher eine gute Nachricht darstellt ... denn in Foren, wie diesem hier, wird ja eifrig und engagiert über Literatur geschrieben ...und wird Literatur empfohlen und vorsortiert und wird sie in ein "Netz" aus Meinungen und Auffassungen eingewoben, aus dem sich die Forenmitglieder frei nach gusto bedienen...


    :lache


    Frustration? Du hättest mich letzte Woche erleben sollen, als ich ein Geburtstagsgeschenk in Buchform suchte. Ich habe gekocht!


    Und nein, meine Meinung dazu stellt keine gute Nachricht dar für SelbstverlegerInnen.


    Im Übrigen sind grad die Umsatzkennzahlen des Sortimentbuchhandels veröffentlich worden und soweit ich die verstehe, hat die Branche allen Grund zum Jubeln. Zweistelliger Umsatz im März, das gab's schon lange nicht mehr. Überhaupt sind die Zahlen seit Januar eher positiv, und das, obwohl die Buchpreise im Februar (? Elbereth? Bodo? :help) leicht angestiegen sind.

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus

  • Zitat

    Original von David Gray


    Übrigens:


    Als Voltaire auf dem Totenbett von einem Priester gefragt wurde, ob es nicht jetzt endlich an der Zeit sei, dem Teufel abzuschwören, soll er geantwortet haben: "Das ist nicht der richtige Zeitpunkt sich neue Feinde zu machen"
    :lesend


    Daran kann mich leider nicht mehr erinnern. :-(
    Aber wenn du es sagst.... :-)

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall) ich wünsche allen einen schönen Tod und eine geruchslose Verwesenung.





  • Ich bin immer noch überzeugt, dass es den Lesern immer mehr gleich ist, woher ein Titel kommt, solange er bequem erhältlich und bestellbar ist und ihnen – in irgendeiner Form - bekannt gemacht / empfohlen wurde. Davon hast du mich nicht abbringen können - aber: nice try :wave


    Daher ist es schon richtig, dass es zunehmend „boogie“ wird, ob da ein Verlags-Label auf dem Cover ist oder nicht. Zumindest im Onlinehandel. Der nach wie vor stetig wächst (was jetzt keine gute Nachricht für die Buchhandelsketten ist – das gebe ich gerne zu.)
    Sicher ist für Indies das derzeit beste Mittel dafür immer noch die Chartliste der großen Onlineplattformen. Aber ich sehe eben auch, dass Foren, wie die Büchereulen immer interessanter dafür werden.


    Für mich als Autor ist es wichtig, dass meine Titel in allen Formen erhältlich sind, eben nicht nur als E-Book bei Amazon und Co, sondern auch in den Buchhandlungen. Da hast Du vollkommen recht.
    Aber gerade kleinere Verlage stehen mittlerweile – anders als noch vor einem Jahr – offen der Lösung gegenüber einen bestimmten Titel in ihr Printprogramm aufzunehmen, und zugleich die E-Book Rechte beim Autoren zu belassen.
    Ich habe einen solchen Deal kürzlich mit einem Leipziger Verlag geschlossen. Und bin gespannt darauf was sich daraus entwickelt. Zwar liegen dessen Titel nicht bei Hugendubel aus, aber bundesweit in kleineren Buchhandlungen. Ich weiß auch von anderen Kollegen, die ähnliche Verträge geschlossen haben. (Und ich rede hier nicht von Martina Gerckes Verlags-Deal)



    Dass persönliche Empfehlungen für Bücher immer wichtig waren und wichtig bleiben - dem stimme ich uneingeschränkt zu …


    Für jüngere Generationen wird allerdings das Internet in all seinen Formen immer wichtiger, als die Informationsquelle (das fängt bei Facebook an, geht über Blogs und Foren und hört bei Twitter auf -. obwohl ich locker zugebe, dass mich persönlich zumindest FB und Twitter mittlerweile ganz schön nervt.)


    Und sicher: Qualität ist definitiv diskussionswürdig. Aber auch da brennt Licht im Tunnel ( und es ist NICHT das des entgegenrasenden Zuges) ;-)



    Was die Rolle des Feuilletons betrifft: Gedruckte Zeitungen sind noch nicht so tot, wie man sie gerne macht. So schlecht fahren die Zeitungsverlage nämlich finanziell gar nicht damit ihre Redakteure als Scheinangestellte zu „verheizen“. Aber das nur nebenbei.


    Stimmt schon, im FAZ Feuilleton spielte und spielt Unterhaltungsliteratur nur eine geringe Rolle. Aber das ist gar nicht die Sorte auf die ich mich hauptsächlich bezog, sondern eher die größeren Lokalzeitungen von denen es immer noch eine ganze Menge gibt und in deren Feuilletons gilt eben, dass da gerade die Unterhaltungstitel besprochen werden. Und die verlieren an Einfluss.

  • Zitat

    Original von Voltaire


    Daran kann mich leider nicht mehr erinnern. :-(
    Aber wenn du es sagst.... :-)



    hmmm... die Erinnerungslücke muss dann ein dem Popeyespinat liegen, oder? Bisher sträflich vernachlässigte Nebenwirkung des Wunderzeugs, die offenbar selbst Geistesriesen trifft :lache :anbet :-]

  • David Gray



    sicher werden SelbstverlegerInnen Bücher verkaufen, nennenswerte Veränderungen auf dem Buchmarkt sehe ich dadurch in absehbarer Zeit nicht.
    Dazu müßte sich die Werbung für dieses Medium gewaltig ändern. Auch im Internet.
    Ich weise noch einmal darauf hin, daß man InternetnutzerInnen nicht mit BuchkäuferInnen gleichsetzen darf. Leserinnen sind im Internet eine Minderheit.
    Jede/r erzählt von einer wirklich großen Plattform wie goodreads und vom tollen US-Markt für SelbstverlegerInnen.
    Hat jemand mal ausgezählt, wieviele davon auf goodreads besprochen wurden in den letzten beiden Jahren? Im Vergleich zu Büchern aus Verlagen?
    Die Zahlen würden mich interessieren.


    ebook ist noch ein anderes Thema. Sollten Verlage auch nur ein wenig vermehrt ebooks auf den Markt bringen, dann könnt Ihr die Selbstverlegerei gleich wieder vergessen. Dieser Flaschenhals ist dann auch verkorkt.


    Die Zukunft gehört ohnehin dem Fernsehen.
    :grin

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus

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  • Meine Meinung:


    Ich denke, dass die meisten LeserInnen sich vom Buchladen um die Ecke inspirieren lassen, oder von EMpfehlungen von Verwandten oder Bekannten.
    LeserInnen, die rein nur im Internet nach Büchern suchen, sind in der Minderheit. Schon allein aus Zeitgründen. Denn wer, der einen Job, Familie, Verein, Hobby ...hat, hat die Zeit sich stunden lang durch irgendwelche Buchlisten zu kämpfen um ein passendes Buch zu finden ?


    Bin aber auch der Meinung, dass es unter den Indie-Autoren bestimmt auch Perlen gibt, die einfach keinen Verlag gefunden haben. Aber mit Sicherheit findet man auch gerade unter den selbstveröffentlichten Büchern viel Schrott, da ohne Lekotrat, Korrektat ...

  • Mit der Frage nach dem Schrott und wie viel Prozent es sind, mag ich mich nach den regelmäßigen, mehr oder weniger internen Diskussionen, nicht mehr beschäftigen. Schrott sind eh immer nur die anderen. :achtungironie
    Durch die Titulierung "Schrott" kann man sich ganz wunderbar hervorheben.


    Aber Chancen gibt es durchaus (aus Autorensicht). Denn auch Indie-Autoren, die nicht in der ersten Reihe stehen, verkaufen E-Books. Das ist dann zwar kein Bestseller, aber sie werden tatsächlich von Lesern gefunden und gekauft. Und wenigstens hängt dann bei stetigen, aber kleinen Verkäufen kein Damoklesschwert über einem, dass das nächste Buch nicht mehr veröffentlicht wird. Macht man ja selbst.
    Ich denke auch, dass Verlag oder nicht die meisten Leser nicht interessiert. Wenn es in ihr Beuteschema passt, wird es gekauft, egal von wem.


    Übrigens sehe ich inzwischen eine Menge Indies, die ein Korrektorat und Lektorat eigenständig in Auftrag geben. Autoren, die länger dabei bleiben wollen, trauen sich inzwischen überhaupt nicht mehr, was mal einfach so auf den Markt zu schmeißen.


    Ich habe hier im Forum übrigens schon eine ganze Menge Rezensionen zu Büchern von Indie-Autoren gesehen. Da ich die Pappenheimer sofort erkenne, fällt es mir immer auf. Und das sind beileibe nicht alles verkappte Eigenrezensionen.

  • Das ist etwas das ich überhaupt nicht verstehen kann, wenn ich doch Geld für etwas verlange sollte ich doch zusehen das ich das Bestmögliche aus meinem Produkt raushole.
    Im Falle eines Buches heißt das für mich das ich mir natürlich ein professionelles Lektorat leiste.


    Sonst finde ich die Diskussion sehr spannend, ich überlege ja auch, versuche ich es bei einem Verlag oder spare ich mir die Mühe?


    Da geht ja doch eine Menge an Zeit und Geld rein, dann wäre es schon schön wenn es auch gelesen wird.


    Mal sehen, ich sitze da jetzt seit einem Jahr dran und werde auch so bald nicht fertig werden, habe also noch viel Zeit mich zu entscheiden.

  • Zitat

    Original von David Gray



    Ich bin immer noch überzeugt, dass es den Lesern immer mehr gleich ist, woher ein Titel kommt, solange er bequem erhältlich und bestellbar ist und ihnen – in irgendeiner Form - bekannt gemacht / empfohlen wurde. Davon hast du mich nicht abbringen können - aber: nice try :wave


    Ich sehe das völlig anders, aber das ist nur mein persönliches Vorgehen, wie ich zu (hoffentlich) guten Büchern komme. Ich achte sehr wohl auf den Verlag. Und selbst bei den etablierten Verlagen mache ich Unterschiede. Diogenes ist z.B. ein Verlag, bei dem ich "blind" einen mir völlig unbekannten Schriftsteller ausprobiere, weil der Klappentext sich verlockend anhört und die ersten Seiten sich gut lesen. Bei der Büchergilde Gutenberg kaufe ich Bücher sogar nur nach Titel und Cover: Schöner Titel, schönes Cover, Büchergilde - wird schon gut sein. Und ich wurde bisher auch noch nie enttäuscht. Bei anderen Verlagen - Heyne z.B. - verlasse ich mich nicht so blind drauf: steht Heyne drauf, wird schon gut sein. Da gucke ich trotzdem erst mal, ob ich Rezensionen zu den Büchern finde.


    Selbstveröffentlichungen stehe ich sehr skeptisch gegenüber, natürlich werden leider sicherlich viele gute Bücher nicht veröffentlicht - ich erinner mich da an den jahrelangen Kampf einer Mutter, dass das Manuskript ihres toten Sohnes veröffentlicht wird, er hat zu seinen Lebzeiten leider keinen Verleger gefunden ("Ignaz oder die Verschwörung der Idioten" - John Kennedy Toole).
    Verleger sind nicht unfehlbar oder schlimmer noch: bevorzugen häufig das, was grade so "in" ist und gerade besonders originelle Bücher gehen dabei vielleicht unter.
    Aber will ich mich durch eine Flut von Schund lesen, bis ich solche Bücher gefunden habe? Will ich nicht. Und auch keiner meiner Bekannten. Und da scheitert es dann ja schon. Natürlich kaufe ich auch ein selbstverlegtes Buch, wenn jemand, der einen ähnlichen Lesegeschmack hat wie ich, sagt: Super Buch, das musst Du lesen!! Soweit stimmt das schon, dass man sich natürlich leiten lässt von Empfehlungen - egal, welcher Verlag auf dem Buch steht.
    Aber erst mal muss das ja überhaupt jemand lesen - den man kennt! Bei Selbstveröffentlichungen gibt es meist nur Rezensionen, wo ich mir denke: ach, das sind Mutti, Bruder, Schwager, beste Freundin des SChreibers, die das Buch anpreisen wollen. Und das nehme ich dann nicht ernst, wenn die das Buch über den grünen Klee loben.

    Man möchte manchmal Kannibale sein, nicht um den oder jenen aufzufressen, sondern um ihn auszukotzen.


    Johann Nepomuk Nestroy
    (1801 - 1862), österreichischer Dramatiker, Schauspieler und Bühnenautor

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  • magali : Ja, das waren mal echt schöne Zahlen, aber ob sich das längerfristig halten wird ist eher fraglich.
    (Wobei der "Amazon-Skandal" wohl doch länger und tiefer wirkt als ich persönlich erwartet hätte - viele der Befragten gaben zumindest an, inzwischen eher vor Ort als im Internet zu bestellen....)


    Mein Problem mit den "Indies" und "Selbermachern" ist - nennt mich ruhig konservativ - eher folgendes:


    Ein "richtiger" Verlag bietet alle möglichen "Dienstleistungen" an -Lektorat, Werbung usw... - die oft nicht nur Zeit sondern auch Geld kosten. Es wird hier auch eine gewisse qualitative Vorauswahl getroffen, der Selbermachbereich scheint mir eher für die Leute gemacht, die es nicht in einen Verlag geschafft haben.


    Das auch bei den Verlagen einige "literarische Juwelen" nicht gesehen werden, der Mut einfach nicht da ist etwas neues zu versuchen und auf der anderen Seite viel Scheiß veröffentlicht wird ( inklusive Rechtschreib- und Grammatikfehlern) ist längst kein Geheimnis mehr.


    Viele Menschen wollen Autor sein - die wenigsten können aber wirklich schreiben - dank all der neuen Möglichkeiten etwas zu veröffentlichen ist das aber inzwischen irgendwie wumpe.


    Der Buchmarkt wäre auch ohne diese neuen Publikationsmöglichkeiten schon unübersichtlich genug - weswegen ich diesen "Indies" auch wenig nachhaltige Chancen einräume. Zunächst orientiert sich "Der Leser" noch am Buchhandel und am Verlag.

  • Bodo : Du bist nicht konservativ. Ist doch so, dass der Verlag eine qualitative Vorauswahl trifft und hoffentlich nur selten mal jemand durchrutscht. Vielleicht war der Verleger auch clever und damals hätte sich Tooles Buch gar nicht verkauft. Kann ja auch sein. Vielleicht waren die Leute noch nicht so, dass sie das lustig finden.


    Ich glaube nicht, dass man als "Indie" (außer man ist Indie Jones) weit kommt. Vielleser informieren sich, tauschen sich aus, lesen sicher nichts von jedem, der meint, sein Buch wär toll. Wenigleser gehen in die Buchhandlung.


    Und das schreibt Tom schon sehr treffend in seinem Beitrag. Nur weil man was umsonst runterlädt, liest man es noch lange nicht. Ich hatte meinen Kindle 2 Wochen und nach 2 Wochen war ich entsetzt über mich, was ich da für einen Schund geladen hatte, nur weil es umsonst war oder nur 2-3 Euro gekostet hatte. Ich habe zwar jedem Buch 3 Seiten zum anlesen gegönnt, um ihm eine Chance zu geben. Habe aber festgestellt: oje, nee, nee, bloß nicht alles an Büchern laden, nur weil sie umsonst sind! Seitdem lade ich auch Gratisbücher nur dann, wenn ich denke, dass ich sie auch echt gut finden werde. Wie beim Kaufen auch. Ich war erschrocken, dass ich, nur weil es gratis ist, mir jedes Mistbuch geladen habe. Das passiert mir nicht mehr. Auch auf meinem ebook-Reader lese ich nur die Bücher, die ich so auch gelesen - und bezahlt - hätte.

    Man möchte manchmal Kannibale sein, nicht um den oder jenen aufzufressen, sondern um ihn auszukotzen.


    Johann Nepomuk Nestroy
    (1801 - 1862), österreichischer Dramatiker, Schauspieler und Bühnenautor

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  • Jeah, mag sein... manchmal fühle ich mich allerdings seeeehr alt.. im Sinne von " dieser ganze moderne Scheiß, geht mich nix an - ich will das alles so bleibt wie es war"


    Andererseits: Nur weil etwas neu und hochmodern und sowieso total super ist....



    ... muss es noch lange nicht besser sein als das, dem es den Kampf angesagt hat, das was es einmal ablösen und ersetzen soll.


    Ich halte an dem alten Autor - Verlag - Buchhandel -System fest, weil ich bisher nichts gefunden habe, was besser ist!


    Es muss in meinen Augen Leute geben (im Verlag) die eine Vorauswahl treffen -mit all den Irrtümern und Fehlentscheidungen, die dieser Job nun einmal mit sich bringt - um zumindest einen Hauch von "Organisation" zu gewährleisten.


    Der Buchmarkt ist auch für unsereins nicht mehr überschaubar, addiert man nun all die "Indies" dazu - die Situation ist hoffnungslos.


    Im kleinen mag das funktionieren, das "allesselbermachen", aber in einer Situation wie dieser hält man sich natürlich - als Buchhändler wie auch als Kunde - an das, was sich bislang bewährt hat.


    Und das ist nun einmal "Buchido" - der "Weg des Buches"! :chen

  • Zitat

    Original von David Gray


    Selbst wenn aus Deiner Antwort hier eine gewisse unterschweillige Frustration spricht (falls ich das so "hart" ausdrücken darf) finde ich, dass sie für uns Autoren eigentlich eher eine gute Nachricht darstellt ... denn in Foren, wie diesem hier, wird ja eifrig und engagiert über Literatur geschrieben ...und wird Literatur empfohlen und vorsortiert und wird sie in ein "Netz" aus Meinungen und Auffassungen eingewoben, aus dem sich die Forenmitglieder frei nach gusto bedienen...


    Ich fürchte ja, da überschätzt Du ein wenig den Einfluss von Foren. Die Eulen haben ja tausende von Mitgliedern, aber nur eine handvoll ist aktiv über längere Zeit dabei.


    Und vielleicht bin ich ja ein bisschen mäkelig, aber es gibt wirklich nur sehr, sehr wenige Eulen, auf deren Geschmack ich mich verlassen kann, sprich, auf deren Empfehlung hin ich auch ein "Indie"-Buch lesen würde. Ansonsten sprechen mich hier meistens Bücher an, die ich mich auch im Buchladen, so ich die Chance hätte, sie dort in die Finger zu bekommen, aufgrund des Klappentextes ansprechen würden, und nicht, weil ein mir völlig unbekannter Mensch das Buch toll fand.


    "Ich fand den Schreibstil toll und konnte mich von der ersten Seite an in die Figuren hinversetzen" hilft mir, wenn es nicht eine Eule ist, von der ich weiß, dass wir ähnliche Schreibstile mögen, auch nicht viel mehr weiter als "tolles Buch, musste lesen".


    Außerdem werden hier ständig Außenseiterbücher vorgestellt, Herr P. liest sich tapfer durch die afrikanische Literatur, Frau M aus B. entdeckt Klassiker aller Genres wieder und meine Wenigkeit gräbt ab und zu isländische Perlen aus. Aber meistens ist die Reaktion leich null, selbst wenn wir uns Lobeshymnen aus den Fingern saugen, mehr als ein paar Clicks ernten wir meistens nicht. Ich weiß mittlerweile, dass das nicht an mir (oder Herrn P. oder Frau M.) liegt, sondern an dem Zeug, das wir lesen.


    Aber ich zweifle deshalb doch, dass eine begeisterte Rezi meinerseits über eine selbstveröffentlichte, genial geschriebene urbane Dystopie, die auf der Sagittarius-Zwerggalaxie spielt, sich zum Verkaufsschlager entwickeln würde.

    Menschen sind für mich wie offene Bücher, auch wenn mir offene Bücher bei Weitem lieber sind. (Colin Bateman)