Schrottplatz oder Goldgrube - bietet der Indie E-Book Markt wirklich eine Chance für Autoren?

  • Dann gehören wir beide ins Seniorenheim :-)


    Ich finde auch, dass es bleiben sollte, wie es ist. Und das wird es auch - es sei denn, die Menschen sind ganz verblödet. Selbst Leute, die nur 3 Bücher im Jahr lesen, merken ja wohl, ob ein Buch ihnen gefällt oder nicht. Und bei den Selbstveröffentlichungen _können_ verkannte Perlen dabei sein. Aber das meiste sind doch sicher nicht so tolle Bücher.


    Andererseits frage ich mich schon - aber das gehört hier sicher nicht zum Thema - , warum Bücher wie "Shades of Grey" einen Verleger finden. Ja, der Verleger hatte den richtigen Riecher offenbar. Aber warum? Das ist ja so schon mies geschrieben, ich möchte nicht wissen, wie es vor dem Lektorat aussah. Da bin ich dann fast wieder für Indie, wenn sowas verlegt wird. Obwohl, Goldmann, wer sich auskennt, der weiß, dass er da dreimal schauen muss, ob das Buch wirklich den eigenen Geschmack trifft.
    Je nach Verlag gehen die zuständigen Leute wohl eben nach unterschiedlichen Kriterien. Daher schwör ich ja auf Diogenes. Da ist Qualität drin. Alle anderen Verlagen verlegen doch jeden Mist, wenn es nur einträglich ist.

    Man möchte manchmal Kannibale sein, nicht um den oder jenen aufzufressen, sondern um ihn auszukotzen.


    Johann Nepomuk Nestroy
    (1801 - 1862), österreichischer Dramatiker, Schauspieler und Bühnenautor

  • .... wobei dieser "Mist" (Shades of gray)M und im letzten Jahr sowas von den Arsch gerettet hat...


    Als Buchhändler kann ich niemals guten Gewissens gegen einen derartigen Trend sein - sowas bezahlt mein Gehalt! Und es ist nicht mein Job ein Urteil zu fällen, oder den Geschmack der Masse zu verurteilen. So etwas steht mir einfach nicht zu!


    Aber - und das gebe ich zu bedenken - die Shades-Dame hat trotz ihres Online-Erfolges den Verlagsweg gewählt!
    Und ich wage einmal die Behauptung: Ohne diese Entscheidung wäre "Shades" heute nur ein interessantes Internet-Phänomen - und nichts weiter... wenn überhaupt!



    Frettchen : .... und jetzt stossen wir mit unserem Kräutertee auf die guten alten Zeiten an! :wave

  • Das Phänomen 'Fifty Shades of Grey' gehört auf jeden Fall in diesem Thread.
    Diese Geschichte durchlief genau die Stufen der Veröfentlichung, die bei dem inzwischen klassischen Schlagabtausch zwischen VerlagsautorInnen und SelbstverlegerInnen vernebelt sind.


    Passiert ist doch folgendes: FSOG war zunächst Fanfiction von 'Twilight'. Dann geriet es in eine Diskussion zunächst unter Meyer-Fans, wegen der expliziten Pornographie Marke BDSM. Das zog schon mal mehr LeserInnen an. (1. Stufe)


    Die Autorin nahm die Geschichte dann aus dem Twilight-Fanfiction-Forum und schrieb auf einer eigenen Website weiter. Es sprach sich weiter herum, schließlich kam die Veröffentlichung in einem kleinen Verlag, als ebook und print on demand. Es gab noch mehr Fans. Das Buch tauchte in Blogs auf, wurde kommentiert.(2. Stufe)
    Dann erregte die Geschichte dei Aufmerksamkeit der Presse. Außerhalb des Internets. Hervorgehoben wurde vor allem die Pornographie. Damit war es in aller Munde. (3. Stufe)
    Aber erst dann, als ganz sicher und ganz deutlich war, daß die Geschichte eine Geldscheindruckmaschine war, griff ein Verlag zu. Und erst, als sich die Bücher im angelsächsichen Raum so wunderbar verkaufte, erschien es hierzulande. (4. Stufe)


    Und damit gebe ich Bodos Einschätzung recht, daß ohne die Entscheidung für das Buch, das in Buchhandlungen ausliegt, FSGO bald vergesen gewesen wäre.
    Bis FSOG als Buch erschien, vergingen übrigens zweieinhalb, drei Jahre. Das war kein Erfolg über Nacht. Den Zeitfaktor finde ich wichtig, der wird oft auch nicht mitbedacht.
    Und Internet, traditionelle Medien und das traditionelle Verlagswesen mu0ßten zusammenwirken, um dieses Resultat zu erreichen.


    In dem von David Gray geführten Interview mit Agenten wird ganz deutlich, daß sie sich für SelbstverlegerInnen erst interessieren, wenn klar ist, daß diese Bücher viel Geld einbringen. Die Qualitätsfrage ist in dem Bereich doch egal. Wenn 'Qualität' des Texts überhaupt eine Rolle spielt, dann bei den MS, die Agenturen und Verlagen geschickt werden. Die Interviews sprechen eigentlich gegen die Selbstverlegerei als neue große Buchbranche.



    DraperDoyle


    Zitat

    Aber ich zweifle deshalb doch, dass eine begeisterte Rezi meinerseits über eine selbstveröffentlichte, genial geschriebene urbane Dystopie, die auf der Sagittarius-Zwerggalaxie spielt, sich zum Verkaufsschlager entwickeln würde.


    Das Buch muß ich lesen! Wo ....?




    :wave


    magali

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus

  • Zitat

    Original von Frettchen
    Verleger sind nicht unfehlbar oder schlimmer noch: bevorzugen häufig das, was grade so "in" ist und gerade besonders originelle Bücher gehen dabei vielleicht unter.
    Aber will ich mich durch eine Flut von Schund lesen, bis ich solche Bücher gefunden habe? Will ich nicht. Und auch keiner meiner Bekannten.


    Das will wohl keiner, dafür ist die Lesezeit einfach zu kostbar ;-)


    Was Du im ersten Satz schreibst, ist der Grund für viele Autoren, den Weg des Self-Publishing zu wählen. Läuft momentan nicht, besetzt eine Nische, ist nicht der Fisch, den wir uns vorstellen, und schon gar nicht das Fleisch. Deshalb kann es trotzdem ein gutes Buch sein, das dem Verleger durch die Lappen geht. (Und E.L. James musste der Verleger vermutlich ein richtig gutes Angebot gemacht haben, um die Rechte daran zu kaufen ...)


    Worauf ich aber hinaus will:
    Erscheint das Buch in einem Verlag, hat es eine Qualitätsprüfung durchlaufen und ist - im Idealfall - durch Lektorat und Korrektorat, Grafiker etc. in der Qualität weiter aufgewertet worden. Qualitätslabel = Verlagsname.
    Self-Publisher haben zunächst einmal - so lese ich es aus den vorigen Beiträgen heraus - keinen allzu guten Ruf. Klar, weiß ja auch keiner, worauf er sich einlässt, von einer schmalen Leseprobe einmal abgesehen.


    Weiter oben wurde Qindie angesprochen http://www.qindie.de. Autoren (darunter alte Verlagshasen), Leser, Blogger, Rezensenten etc. sichten Texte von Indie-Autoren und wählen die qualitätvollen darunter aus. Sie werden künftig ein entsprechendes Siegel tragen. Ein "Q" auf dem Cover. Nicht ganz so wie bei einem Verlag, aber auch hier werden Texte qualitätsgecheckt.


    Was haltet ihr von dem Konzept? Aus Lesersicht, meine ich?
    Den ohnehin kaum überschaubaren Buchmarkt einmal hintenangestellt: Wenn ihr auf ein selbstpubliziertes Buch stoßt, das euch vom Thema her interessieren könnte, würdet ihr ein solches Siegel für hilfreich erachten bei der Kaufentscheidung?

  • Das mache ich davon abhängig, wer konkret die Empfehlungen ausspricht. Die Büchereule zeigt, dass Buchempfehlungen dann gut funktionieren, wenn ich gemeinsame Lieblingsautoren mit dem "Ratgeber" teile oder seinen Buchgeschmack schon kennengelernt habe. Empfehlungen nehme ich gerne an, wenn ich sie in die Lesebiografie meines Gegenübers einordnen kann.


    Ob das neue Siegel Vertrauen wieder herstellen kann, das Indie-Autoren durch instinktlose Foren-Werbung bisher verspielt haben, hängt von der Glaubwürdigkeit der einzelnen Qindie-Mitglieder ab.


  • Ich will nur kurz auf einen Aspekt der Diskussion eingehen und zwar dieses Qindie Siegel, natürlich habe ich das auch bemerkt und bin gefragt worden mich daran zu beteiligen, aber war bislang noch zurückhaltend, da ich nicht sicher bin, ob dort wirklich das drin ist, was es verspricht. Dazu bedarf es schon noch einiger Zeit der Beobachtung, um zu sehen, was sich da in der Praxis daraus entwickelt. Obwohl die Idee eines Gütesiegels im Indie Bereich grundsätzlich so schlecht nicht ist.


    Das Problem, das ich mit solchem einem Gütesiegel sehe, ist paradoxerweise genau das, was Tom Liehr in seinem Artikel thematisiert: dass es dem Leser (im E-Book Bereich) zunehmend gleich ist, ob er Indie oder Verlag kauft.


    Ja, dass er es im Grunde gar nicht bemerkt, weil er sich von anderen Aspekten, wie zum Beispiel Klappentext, Rezensionen, Chartplatzierungen und Verknüpfungen zwischen thematisch ähnlichen Titel beim E-Book Kauf leiten lässt.


    Da wird er das Quindie Siegel als solches gar nicht wahrnehmen, sondern höchsten (sozusagen "im Vorübergehen") für eine Art Verlagslabel halten .... was ihn dann aber nicht weiter interessierten wird, solange er sich mit dem gerade angeklickten Titel aus beinem der oben genannten Gründe sowieso schon anfreunden kann.


    Überdies weiss ich eben auch, dass die überwältigende Anzahl der länger -und mittelfristig erfolgreichen Indies schon von Anfang an dasselbe leisten mussten und müssen, wie ein Verlag - das bedeutet Cover einkaufen, Formatierungen, Lektorate et cetera, et cetera ....


    Daher sehe ich zunächst mal den gern beschworenen Qualitätsunterschied zwischen den einen und den anderen so sehr gar nicht im Vordergrund.


    Was anderes ist es wenn Thomas Müller als klar diagnostizierter Profilneurotiker seine Lebensgeschichte " 18 Orgasmen zwischen Schlachteplatte, Bierkrug und Ballermann" unter die Leute zu werfen versucht ...doch wird der es auch generell schwer haben überhaupt sichtbar zu werden ...

  • Also ich denke Toms Artikel ist eine sehr zutreffende Bestandsaufnahme. Aber ich glaube auch, dass das Ganze momentan im Fluss ist. Das gedruckte Buch ist natürlich noch klarer Marktführer, aber der Anteil der elektonischen Bücher ist kontinuierlich am wachsen. Ende nicht abzusehen, auch wenn der Prozess noch eine ganze Weile dauern wird.


    Irgendwie ist das vergleichbar mit der Zeit, als durch die Erfindung von mp3 die Vertriebswege für Musik völlig neu überdacht werden mussten. Vielleicht sollte man aus diesem Prozess lernen. Es wird Veränderungen geben, das ist klar. Ich glaube schon, dass sich der Leser-Markt in den nächsten 5-10 Jahren drastisch ändern kann, dass eben nicht mehr der Gelegenheitskäufer, der ein Buch vom Stapel abgreift, den Markt bestimmt, sondern dass mehr und mehr der Reader-Benutzer ein Wörtchen mitredet, der nicht mehr als 5-6 Euro (hochgerechnet, eher ist die Erwartung weiter unten) für ein qualitativ hochwertiges Buch ausgeben will. Ich sehe die Buchpreisbindung mittelfristig vor ihrem Ende, sie wird unter den Prämissen eines wachsenden Digitalmarktes nicht lange zu halten sein.


    Es ist eigentlich eine logische Konsequenz, dass sich da qualitätssichernde Instanzen etablieren werden. Im schlimmsten Fall sind das Topsellerlisten bei Amazon & Co. Aber ich denke es tut sich auch ein Markt auf für Agenturen und Verlage, die sich darauf spezialisieren, auszusortieren und vorzuselektieren. Es wird vielleicht künftig auch häufiger einen Lottogewinn a la "Shades of Grey" geben, aber Qualität wird sich am Ende irgendwie ihren Weg suchen.


    Im Musik-Business müssen die Künstler an die Front. Sie finanzieren sich hauptsächlich durch Konzerte, weniger durch Plattenverkäufe. Das ist bei Schriftstellern vielleicht weniger vorstellbar. Aber auch hier sehe ich für die Zukunft, dass sowohl mediale (Internet -insbesondere social Media -, Fernsehen, Radio) als auch physische Präsenz (Lesungen) und öffentliche Auftritte eine große Rolle spielen. Für Prominente, die beschließne, ein Buch zu schreiben wird das eher leichter, für Newcomer gleicht das nach wie vor einem Lottogewinn.




  • Ich halte den Vergleich zwischen den Veränderungen, die die E-Books ins Buchgeschäft gebracht haben, mit denen durch die die Musikindustrie in den letzten Jahren ging, für ziemlich unglücklich.


    Mag sein dass es mir einfach besser liegt, weil ich als Filmkritiker arbeite, aber ich sehe den besseren Vergleich eher zwischen den Geschehnissen nach dem Aufkommen des TVs und dem Kino.


    Damals war die gesamte sehr mächtige und behäbige Hollywoodstudiomaschinere einige Zeit schlichtweg gelähmt, von der ständig zurückgehenden Anzahl der Kinobesucher und den ständig steigenden Verkäufen von immer erschwinglicher werdenden Fernsehgeräten und den damit einhergehenden wachsenden Zahlen von TV Zuschauern.


    Die großen Studiobosse bestanden darauf, dass ihre Stars sich strikt aus dem TV Geschäft heraushielten, sie tobten und drohten und lockten, doch am Ende war der Trend nicht aufzuhalten - immer mehr Techniker, Ausstatter, Regisseure, Kostümbildner und Schauspieler arbeiteten eben auch fürs Fernsehen.


    Das alte und sehr rigide Hollywoodstudiosystem zerfiel.



    Nach einiger Zeit pendelte sich das Verhältnis einfach ein, es war dann längst kein Makel mehr für einen Kinostar auch im TV aufzutreten, genauso wie es für Schauspieler, Regisseure und Autoren möglich wurde, vom TV zum Kinogeschäft zu wechseln.


    (Prominente Beispiele für solche Karrieren sind übrigens Clint Eastwood und Steve McQueen, die beide im TV anfingen)


    Es nützte weder den Studiobossen, noch Kinobesitzern irgendetwas sich zunächst so vehement gegen die Veränderungen gestemmt zu haben, sie mussten sich arrangieren oder untergehen. Wer das nicht fertigbrachte war weg vcom Fenster - und es gab genug sogenannte Indieproduktionen die die dabei enstandenen Lücken füllten.


    Um das mal auf unsere Situation als Autoren zu beziehen: Ich sehe in Zukunft noch viel mehr Autoren, die mit einem Bein in jedem der beiden "Lager" stehen werden, um sich und ihre Arbeit zu finanzieren.


    Das "Stigma" des SP / Indie ist jetzt schon im Abklingen und wird weiter vergehen.


    Für uns Autoren kann das nur gut sein ... das wird zwar nicht bei allen, aber bei ziemlich vielen von uns die Haushaltskasse deutlich aufbessern. Und das kann auch nur gut sein für die Leser .... die sich auf mehr Titel und zu teilweise gündstigeren Preisen ihrer Lieblingsautoren freuen können.


    So ...ihr seid jetzt wieder dran ....

  • Zitat

    Original von Tom
    Ich werde übrigens so um den 13. Mai herum sehr ausführlich auf die vielen Kommentare im "Literaturcafé" antworten - und dabei auch ein bisschen auf die Provokationsbremse treten, ohne mich drastisch zu relativieren. ;-)


    Zitat

    Original von David Gray
    Und ich werde mir das ansehen und dann mal schauen ob ich das nicht in einem eigenen Artikel / Essay beim Literaturcafe weiter kommentiere, bewerte, et cetera pp und so und so fort (was immer)



    Und ich werde Euch neven mir sofort den Link zu schicken, damit ich Euren Schlagabtausch nicht verpasse :grin

  • Johanna,
    dort sitzt du in der ersten Reihe:


    Literaturcafé


    Also ich amüsiere mich immer wieder über die Reaktionen.
    Da kommt einer, der etwas schreibt, worüber er viel weiß und flugs fühlen sich einige Leut auf den Schlips getreten und wetzen die Messer. Und ich finde überhaupt nicht, dass Tom provoziert. Er beschreibt die Ist-Situation (aus der Perspektive seiner Erfahrung) recht sachlich und sein Sermon ist absolut lesenswert. Wer bereit ist, über seinen Schatten zu springen, der kann sogar was lernen.

  • David: ich finde, mit Deiner Argumentation geht es jetzt zu sehr in Richtung "Ebook versus Buch." (Und da stimme ich auch nicht zu. TV und Kino sind viel unterschiedlicher als Ebook und gedrucktes Buch.)
    Aber es geht doch hier explizit um selbst veröffentlichte Ebooks?
    Ich denke, schaden kann das natürlich nicht. Vielleicht hat man Glück und trifft einen Nerv - trotz völliger Abwesenheit von Talent, wie z.B. bei "Shades of Grey". Da muss man sich halt ranhängen an einen Hype, dann wird das im Internet weiterverbreitet und schwupp, findet man sogar einen Verlag. Oder man hat da wirklich eine kleine Perle verfasst und man hat Glück und einer liest es. Und erzählt es weiter und die erzählen es wieder weiter. Und weiter.
    Tom hat Recht, als Selbstveröffentlicher sich als bekannter Autor zu etablieren, der sogar leben kann von seiner Schreiberei. Das ist wie ein 6er im Lotto. Klar, wer meint, er hat was Tolles geschrieben, der soll es veröffentlichen. Vielleicht hat er ja Glück. Schaden kann es nicht. Aber ich würde meinen regulären Job vorsichtshalber mal nicht kündigen :lache


    David : der Vergleich TV/Kino hinkt meiner Ansicht nach allein darum schon, weil doch für die Leute damals das Tolle war: Kino daheim!!! Meine Bücher konnte ich aber schon immer ohne Reader daheim lesen. Oder willst Du mit dem Vergleich sagen, dass die Ansprüche sinken? Dann stimme ich leider sogar zu. Beim Kino zahlt man nur Geld für Filme, wo man denkt: der gefällt mir. Im TV guckt man manchmal jeden Mist. Das kann ich mir schon vorstellen, wenn es nur billig genug wird, dass als Ebook manche Leute dann auch Mist kaufen und vielleicht sogar lesen. Obwohl.....im Vergleich zum Fernsehen erfordert Lesen immer was Aktives. Auch wenn man Mist liest. Das Fernsehen funktioniert, weil da viel läuft, wo aber keiner wirklich hinguckt und nebenher wird staubgesaugt. Und die Zwangsgebühr muss ja eh jeder zahlen. Ich denke, so wird es bei Ebooks nicht laufen. Wenn man feststellt: das gefällt mir nicht, wird man nicht trotzdem weiterhin Mist konsumieren. Beim Fernsehen klappt das nur darum, weil man nicht für jede einzelne Sendung zahlen muss. Sondern pauschal verpflichtet wird, ob man nun guckt oder nicht. Und weil es einen berieselt, während man eigentlich was ganz anderes macht. Das funktioniert bei Ebooks nicht. Beim Fernsehen lassen manche Leute alles laufen, egal, was für ein Mist, dann bügelt man eben nebenbei oder so. Das geht aber bei Ebooks nicht. Daher denke ich, dass da schon am Ende sich Qualität durchsetzt. Keiner liest ein Buch, das ihm nicht gefällt. Das macht nämlich Mühe. Aber viele gucken Lets Dance. Jo, das läuft halt eben so nebenher, hinterher kann man gut drüber lästern. Funktioniert bei Ebooks nicht.

    Man möchte manchmal Kannibale sein, nicht um den oder jenen aufzufressen, sondern um ihn auszukotzen.


    Johann Nepomuk Nestroy
    (1801 - 1862), österreichischer Dramatiker, Schauspieler und Bühnenautor

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  • Um das mal klarzustellen: mein Vergleich bezog sich explizit auf die Rolle der Autoren, nicht der Leser. Das hier ist ein Thread „Autoren unter sich“ oder nicht? Daher will ich mich gar nicht auf Vergleiche zwischen den Tätigkeiten des lesens und fernsehen einlassen - denn das war es gar nicht, worauf ich mich bezog :lache:bonk



    Mein Vergleich zwischen dem alten Hollywoodstudiosystem und den aktuellen Veränderungen im Buchgeschäft, finde ich, hinkt aus Autorensicht nicht.
    Denn uns als Autoren kann es doch im Grunde völlig schnuppe sein, ob jemand unsere Texte auf einem Reader liest oder in einem gedruckten Buch, oder sie in einem Drehbuch verarbeitet werden (was allerdings schon auf Seiten des Autors in grausamen Grimassen beim ersten Mal ansehen des fertig geschnitten Films enden kann, das gebe ich nach zwei umgesetzten Kurzfilmdrehbüchern und einem TV-Film gerne zu) – Hauptsache wir werden für unsere Arbeit bezahlt.
    Und bezahlt werde ich bei den E-Books derzeit für bestimmte Texte am besten. Und zwar für Sachen, die kein Verlag gern nimmt, weil sie zu kurz oder in ihrem Plot / ihren Chartakteren zu kontrovers sind. Schon rein formal gesehen - mit Novellen oder Shortstories oder Kurzromanen macht ein Verlag nämlich nur in sehr, sehr, sehr seltenen Ausnahmen Geld. Das ist sao und Punkt. Bisher konnte ich solche Sachen hächstens in die Schublade stapeln. ( Wo Texte eigentlich höchsten hingehören um zu reifen, aber nicht für länger - Schubladen sind ja keine Friedhöfe)


    Um noch mal auf den ursprünglichen Vergleich zurückzukommen:


    Wir Autoren stehen in der Rolle der Regisseure, Schauspieler, Techniker, die seinerzeit – bis zur massenhaften Verbreitung von TV – gezwungen waren einzig und allein in einem rigiden und unfairen Studiosystem zu arbeiten und sich mit den Gegebenheiten dort zu arrangieren, weil es keinerlei Alternative gab.
    Jetzt will ich gar nicht soweit gehen das schon fast an Sklavenhalter-verhältnisse erinnernde alte Hollywoodstudiosystem Eins zu Eins mit dem deutschen Verlagssystem zu vergleichen, aber Fakt ist und bleibt, dass wir Autoren mit den Indie E-Books seither eine Alternative zum herkömmlichen Verlag (und Verlagsvertrag) haben.

  • Tut mir leid, ich wollte mich nicht einmischen als "nur" dummer Leser. Das ist hier aber ein Forum für Leser, da muss man also damit rechnen, dass sich Leser einmischen und nicht nur Autorenkollegen antworten.
    Und ich Volldepp dachte doch tatsächlich auch immer, dass ein Drehbuch was ganz anderes ist als ein Roman. Schon wieder was gelernt.
    Mir war auch nicht bewusst, dass ein Autor gleichzeitig auch Regisseur, Schauspieler und Techniker ist. Alternativen gab es immer, zumindest für die Schauspieler. Da stellt man sich auf die Straße mit einem Hut vor sich und performt da was und mit Glück, werfen die Leute ein paar Münzen in den Hut. So ähnlich sehe ich auch das mit den Ebooks. Wenn das für Dich gut ist, dann mach das! Aber ich dachte, Du wolltest hier erfahren, ob es was bringt auf lange Sicht.
    Wenn doch Deine Meinung längst feststeht und Du da auch gute Erfahrungen gemacht hast, warum fragst Du dann noch? Dann mach das doch so und gut.
    Wenn Du persönlich gute Erfahrung hast mit Selbstveröffentlichung, dann mach das doch einfach so weiter. Du bist unabhängig von Verlagen. Und ob es dann gelesen wird und gekauft, das liegt dann eben bei den Lesern. Da solltest Du dann aber Werbung machen. Mich hast Du schon mal verloren als potentiellen Leser. Mich auslachen und meinen Beitrag so doof finden, dass Du gleich den Kopf an die Wand schlagen musst. Nö, von so einem Möchtegernautor, der so seine potentiellen Leser behandelt, mag ich nichts lesen.
    Mach das, wenn Du denkst, es bringt was. Ich bin da eher bei Tom und denke, er hat Recht. Aber wenn Du es besser weißt, mach das. Aber dann solltest Du online n bissl mehr schleimen;-)

    Man möchte manchmal Kannibale sein, nicht um den oder jenen aufzufressen, sondern um ihn auszukotzen.


    Johann Nepomuk Nestroy
    (1801 - 1862), österreichischer Dramatiker, Schauspieler und Bühnenautor

  • David Gray


    Natürlich ist Selbstverlegen eine Alterntive zu verlegt werden bei Verlagen.
    Die Frage ist, ob es eine gute Alternative ist.


    Kein Verlag hat jemals jemandem verboten, eine Geschichte oder fünf und fünfzehn Gedichte oder hundertfünfzehn oder einen Roman zu publizieren. Die, die gedruckt werden wollten, haben eben das schon immer erreicht. Es hat sie Geld gekostet und Zeit. am Ende saßen sie auf ihren Büchern.
    Heute haben sich die Möglichkeiten des öffentlichen Auftretens geändert, es ist einfacher, ein größeres Publikum anzusprechen und der Abverkauf ist, sollte das Ansprechen in 'Erreicht worden sein' umschlagen, auch leichter.
    Bei ebooks entstehen auch keine Lagerprobleme im Fall etwa nicht vorhandener Keller.
    Trotzdem kostet Selbstverlegen immer noch Geld und Zeit.
    Trotzdem sind es immer noch die Schreibenden selbst, die behaupten, ihr Text sei gut. Sie sind ihr eigener Qualitätsmaßstab. Unverändert.
    Als Stütze der Behauptung gelten zwei Dutzend begeisterte LeserInnen ausgerechnet im Internet. Wo eine einzige Person unschwer unter sieben verschiedenen Namen sieben 'Kritiken' zum gleichen Buch schreiben kann.


    Die Kontrolle für das Lesepublikum ist noch schwieriger geworden, sage ich.
    Beliebigkeit herrscht. Irgendjemand schreibt irgendwas, irgendjemand findet das toll, worauf irgendjemand noch mehr irgendwas schreibt ...


    :rolleyes



    Aber mach mal. Wenn's schee macht.





    :wave


    magali

    Ich und meine Öffentlichkeit verstehen uns sehr gut: sie hört nicht, was ich sage und ich sage nicht, was sie hören will.
    K. Kraus

  • Zitat

    Original von David Gray


    Um das mal klarzustellen: mein Vergleich bezog sich explizit auf die Rolle der Autoren, nicht der Leser. Das hier ist ein Thread „Autoren unter sich“ oder nicht?


    Da das hier ein Forum von Leser für Leser ist - werden es sich die Damen und Herren der Autorenriege einfach gefallen lassen müssen, dass sich die dummen und unwissenden Leser einfach mal einmischen. Elitäres Verhalten finde ich persönlich einfach nur zum kotzen.

    Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Evelyn Beatrice Hall)


    Allenfalls bin ich höflich - freundlich bin ich nicht.


    Eigentlich mag ich gar keine Menschen.