'Als wir unsterblich waren' - Seiten 227 - 298

  • Zitat

    Original von Charlie


    Weisst du, dass ich diesen Gedanken immer hatte, wenn meine Grossmutter von diesen Jahren erzaehlt hat?
    Ich dachte: Oh Mann, mein bisschen Kraft waere jetzt zu Ende gewesen - wie haben die Leute das bloss gemacht?


    Alles Liebe von Charlie


    Da geht es mir genauso, jede der Frauen in meiner Familie hatte ihr Päckchen zu tragen und alle haben es toll hingekriegt. Jede auf ihre Weise. Gelegentlich muss ich mir das vor Augen halten, wenn ich selber mal wieder jammern will. Uns geht's doch richtig gut!

  • Ich habe gestern weitergelesen, bin aber nicht mehr zum posten gekommen.


    Paula nimmt jetzt also Frauen auf, die von ihren Männern oder Vätern geschlagen werden. Ist das das erste Frauenhaus? Oder gab es sowas schon vorher?


    Ich finde Stefanie ja ziemlich seltsam. Gut, ich verstehe, dass sie da raus will und dass sie kein Aufsehen erregen will, aber irgendwas stimmt mit der doch nicht.


    Man kann sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen, dass es nicht Massen an Lebensmitteln gibt. Ich bewundere die Menschen, die mit so wenig auskamen, tagelang das gleiche gegessen haben etc. Und ich frage mich, wie Paula so viel aushalten kann. Erst mal die Versorgung der Frauen und Kinder in der Arche Noah, dann dass sie Clemens vermisst und Angst um ihn hat, den Ärger mit Manfred, sie Sorgen ihrer Freundinnen, die viele Arbeit im Job und am Ende stirbt auch noch ihr Vater. Da würde manch einer heutzutage zusammenbrechen. Aber ich glaube, die damalige Situation war einfach so und die Frauen sind daran gewachsen. Irgendwie mussten sie die Abwesenheit ihrer Männer ja ausgleichen.


    Ich fand es krass, dass sie dann auch noch diesen Aufmarsch beginnt. Dass die ganzen Frauen dann mit gelaufen sind, kann man sich vorstellen. Alle haben genug vom Krieg.


    Ich habe aber eine Frage: Gab es den Alldeutschen Verband wirklich? Ich habe davon noch nie etwas gehört.


    Was hat Clemens den Menschen getan, dass der Vater von Paula ihn auch noch so sehr hasst. Er tut mir leid, er wollte ihn doch nur retten. Und er kann es niemandem ausser Paula recht machen. Was für ein armer bedauernswerter Mann.


    Manfreds Verhalten Paula gegenüber finde ich unmöglich. Er kann sich wohl nur auf seine eine Sache konzentrieren.


    Zitat

    Original von Findus


    Aber ich wollte mal einen Gedanken weiterspinnen, der mir schon zu Anfang gekommen ist bei den Namen Schramm und Liebermann.
    Den Nahcnamen von Harry FAmilie haben wir noch nichtg gehört oder ich hab ihn überlesen.
    Was, wenn Clemens nicht zurückkehrt, Paula heiratet Harry und während der Nazizeit wird Harry und seine FAmilie oder Teile davon von einem gewissen Schramm verraten oder ermordet. Der Vater von Oliver mit seinen "Parolen" war mir eh gleich unsympathisch. Ich bin ja nun mal gespannt was davon stimmt. :grin


    Das ist interessant. Haben wir wirklich den Nachnamen von Harrys Familie nicht gelesen? Ich erinnere mich nicht mehr. Aber warum sollte Paula ihn auf einmal heiraten? Es passt nicht zu ihr einen Mann zu heiraten, den sie nicht liebt. Glaube ich zumindest.


    Zitat

    Original von logan-lady
    Und so, wie ich Clemens kennengelernt habe, wird er Paula das Herz brechen, damit wenigstens ein Vater stolz auf ihn sein kann.


    Das glaube ich leider auch. Aber auch verständlich, wenn man sein Leben lang von seinem Vater akzeptiert werden möchte und auf einmal die Chance dazu hat. Allerdings glaube ich nicht, dass ihm das was bringt. Der Zug ist abgefahren.


    Zitat

    Original von killerbinchen


    Nun stellt sich die Frage, ob Clemens Entscheidung, ihn, den Vater, abtransportieren zu lassen, was ihn ja letztendlich das Leben gekostet hat, noch Auswirkungen auf seine, also Clemens, Beziehung zu Paula haben wird.


    Die Frage ist, ob ihn wirklich der Transport das Leben gekostet hat oder ob er auch so gestorben wäre. Ich weiß auch nicht, wie Paula drauf reagiert - zuerst wird sie wohl ausflippen.


    Zitat

    Original von hollyhollunder


    Außerdem war ich deprimiert, dass scheinbar alle Daheimgebliebenen Männer - naja, nicht alle aber viel zu viele - ihre Frauen schlagen und malträtieren. Ob das in diesen Zeiten wirklich mehr waren als in Friedenszeiten? :gruebel


    Schlimm, dass es viele als "normal" angesehen haben oder zumindest als entschuldbar. :-(


    Vielleicht haben sie sich einfach minderwertig gegenüber den in den Krieg gezogenen gefühlt, weil sie nicht in den Krieg ziehen "durften". Ich glaube, das kann so manches Männerego anknacksen. Und wenn dann mal was nicht so läuft, rutscht mal schnell die Hand aus. Nicht, dass ich dafür Verständnis hätte, aber es wäre eine Erklärung.


    Zitat

    Original von Selma



    Ein paar Mal hatte ich sogar feuchte Augen, so sehr haben mich diese Schilderungen bewegt. Ich war richtig dankbar für die humorvollen Wortwechsel zwischen Kutte und Clemens. Diese Art Galgenhumor kam mir ähnlich vor wie das Kriegslachen der Mädels an der Heimatfront.


    So ging es mir auch. Ist Kriegslachen deine Erfindung, Charlie oder haben die Frauen es wirklich so genannt? Könnte ja sein....


    Zitat

    Original von xania
    Ich glaube von Kaffee-Kutte wurde der Familienname nie genannt. Zusammen mit dem Schild, das in Momis Wohnung hing, könnte er vielleicht Herr Liebermann sein. :gruebel


    Ich hatte eher gedacht, dass Paula das Schild aufbewahrt hat, weil sie sich aus irgend einem Grund an Clemens erinnern möchte. Ich mag nicht glauben, dass sie jemanden heiratet, den sie nicht liebt...


    Zitat

    Original von xania


    Komisch fannt ich Paulas Reaktion nach ihrer missglückten Revolution. Die Mutter ist tot, die andere Frau wurde verhaftet und sie ist zu müde sich um die Kinder zu kümmern. Komisch! Allerdings wird nirgends beschrieben wie alt die Kinder sind, ich hatte mir Kleinkinder vorgestellt.


    Das ist mir auch aufgefallen. Vielleicht ist es schon der Vorbote eines Zusammenbruchs?


    Zitat

    Original von Deichgräfin
    Clemens Briefe an Paula fand ich sehr schön.


    Ich auch!


    Zitat

    Original von Charlie
    Ich sag das ja immer - Leser haben viel mehr Phantasie als Autoren!
    Wenn ich erst mal meinen Eigenverlag gestartet habe, sammle ich irgendwann die ganzen tollen Geschichten, auf die die Leser in Leserunden kommen, mache ein "Best of" draus und werde reich!


    Alles Liebe von Charlie


    Das ist ne Marktlücke, Charlie :lache


    Zitat

    Original von LeseBär


    Kutte ist dabei der Fels in der Brandung, wie mir scheint. Ich mag ihn als Figur. (Und vor meinem inneren Auge erscheint er wie Hagrid aus Harry Potter. :lache)


    Lustig, bei mir ist das auch so :lache Aber warum weiß ich nicht...


    Zitat

    Original von Charlie


    Bei dem Vater scheine ich etwas nicht deutlich genug herausgestellt zu haben - schade. Nein, der ist keiner, den's graust, wenn seine Tochter einen netten Typen kennenlernt, so wollte ich ihn nicht darstellen. Dem straeubt sich einfach das Nackenfell, der spuert, dass ein Mann mit Clemens' Veranlagung nicht als verlaesslicher Partner taugt, sondern aufgrund seiner eigenen Getriebenheit hoechst gefaehrdet ist und andere, die sich an ihn binden, leicht mit ins Verderben reissen kann. Dabei unterstellt er ihm mehr "boese" Absicht, als fair ist - aber in der Wirkung sieht er das nicht unrichtig.
    Da haette ich eindeutig etwas klarer machen muessen.


    Keine Sorge, Charlie, ich habe das schon so verstanden. Auch wenn ich es nicht nachvollziehen kann. Mir ist der Vater jedenfalls nicht so vorgekommen, als wenn er eifersüchtig ist.


    Zitat

    Original von maikaefer
    Clemens´ Motive, Paulas Vater abtransportieren zu lassen, erschienen mir nicht ganz eindeutig - seine Liebe zu Paula, Gedankenlosigkeit oder doch - unter seiner nervlichen Belastung vielleicht verzeihliche - einfach kleinliche Rachegedanken dem Vater gegenüber? Ich befürchtete da auch wesentlich mehr Konflikte zwischen Paula und Clemens. Das ging dann aber für mich irgendwie in den spannenden Ereignissen unter und ich machte mir nicht mehr viele Gedanken drüber.


    Ich glaube, Clemens wollte einfach nur das richtige tun, die beste Versorgung für Paulas Vater, weil er weiss, wie sehr sie ihn liebt. Ich glaube, Clemens ist kein Mann, der Rachegedanken hat.

    "Monsters are real, and ghosts are real, too. They live inside us, and sometimes, they win."

    (Stephen King)

  • Zitat

    Original von Booklooker
    Ich habe gestern weitergelesen, bin aber nicht mehr zum posten gekommen.




    Man kann sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen, dass es nicht Massen an Lebensmitteln gibt. Ich bewundere die Menschen, die mit so wenig auskamen, tagelang das gleiche gegessen haben etc.


    Wenn nichts da ist bleibt einem nichts anderes übrig und wenn die Not noch so groß ist.


    Zitat

    Original von Booklooker



    Ich glaube, Clemens wollte einfach nur das richtige tun, die beste Versorgung für Paulas Vater, weil er weiss, wie sehr sie ihn liebt. Ich glaube, Clemens ist kein Mann, der Rachegedanken hat.


    ne, so habe ich das auch nicht gesehen, er wollte einfach Paula und ihrem Vater einen Abschied ermöglichen, hätte ja auch klappen können.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • Zitat

    Original von Booklooker
    Kommt ja aufs Gleiche raus ;-) Ob er jetzt die beste Versorgung wollte - warum auch immer. Er hat es jedenfalls für Paula getan.


    Ich hatte das ja auf die Rachegedanken gemünzt, klar sind die Beweggründe ähnlich.

    [SIZE=7]"Leute die Bücher lesen, sind einfach unberechenbar." Spruch aus "Wilsberg " [/SIZE]

  • Dass es während des ersten Weltkriegs Hunger und Elend in Deutschland gab, war mir noch aus dem Geschichtsunterricht bekannt... allerdings war es dann doch noch einmal etwas anderes, das Erlebte aus der Perspektive von Charakteren zu lesen, die ich liebgewonnen habe.


    Dass Paulas Vater quasi durch Clemens' Entscheidung, ihn zurück nach Hause zu Paula bringen zu lassen, an der Sepsis gestorben ist, fand ich auch schlimm. Auch wenn er es gut gemeint hat, ist das doch für ihn wieder ein Grund, sich mit Selbstvorwürfen zu plagen...

    "Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns."

    Franz Kafka, Brief an Oskar Pollak, 27. Januar 1904






    :lesend

  • Ich krieche mal wieder hinterher ... Zu viel Arbeit, um flott voranzukommen. Aber ich poste trotzdem noch zu jedem Abschnitt etwas. :-)


    Inhaltlich ist ja alles gesagt worden. Die Figuren gefallen mir weiterhin sehr gut, auch Manfred, dessen Motivation ich gut nachvollziehen kann. Ich überlege gerade, wie die Geschichte wohl anders verlaufen sein könnte, wenn es damals nicht zur Spaltung der SPD gekommen wäre. Im Grunde ist das Überleben der "alten Kräfte" ja bedingt durch die Furcht vor dem Bolschewismus/ Spartakusbund. Ich bin jedenfalls gespannt, wie es mit Manfred weitergeht - und auch mit Paula.
    Bei Clemens nehme ich an, dass er die Schuld für den Tod von Paulas Vater bei sich sucht und Paula verlässt. Stephanie ... ich bin gespannt, was da noch kommt. Noch scheint sie mir wenig greifbar. Ich bin gespannt darauf, wieder etwas von Harry zu lesen.


    Zitat

    Original von Booklooker


    Ich habe aber eine Frage: Gab es den Alldeutschen Verband wirklich? Ich habe davon noch nie etwas gehört.


    Den gab's. http://de.wikipedia.org/wiki/Alldeutscher_Verband


    :wave
    Heike

  • Den Hass der Menschen aus Clemens`Umfeld auf ihn kann ich nicht ganz nachvollziehen. Paulas Vater ist da ja ganz extrem, will sogar dass er den Kontakt zu seinen beiden Kindern völlig abbricht.


    Dass der Vater aufgrund von Clemens`Entscheidung letztendlich an der Blutvergiftung stirbt ist bitter, aber hätten ihn nicht Clemens und Kutte vorher bereits gerettet, wäre er vermutlich direkt auf dem Feld verstorben ...

  • Die Kriegserlebnisse daheim in Berlin und an der Front werden in diesem Abschnitt sehr anschaulich beschrieben. Nüchtern aber doch sehr eindringlich - das bleibt im Gedächtnis.
    Er endet damit, dass Paula erfährt, dass ihr Vater tot ist. Die Rettungsaktion von Clemens war leider erfolglos. Auf die weitere Entwicklung von Clemens als tragische Figur dieses Romans bin ich gespannt.